Indiana Tribüne, Volume 4, Number 3, Indianapolis, Marion County, 27 August 1881 — Page 3
(Origmal-Correspondenz.) . Briefe aus Californicn. Los Angeles, 10. Aug.
Wieder einmal ein sonniger Süden, ; am Fuße der herrlichen Sierra Vkadre, in diesen wunderbaren Thälern voll blühen-; der Ansiedlungen, mit dem üppigen Grün j seiner Gärten, den nie erblassenden Alumengenlden, der semitropischen rucytabundantia, die, jetzt in großartigster Entfaltung, das Herz des San Franciscoer hier doppelt erfreut. Wir auf den Sandhügeln an der Bay sehen wohl das schöne kalifornische Obst pyramidenweise auf den Märkten aufgestapelt allein wachsen sehen wir es nicht. Nur wenn wir Ausflüge machen über Oakland, Alameda, Berkelah hinaus, treten die vollbehangenen Weihnachtsbäume des Goldlandes in unser Gesichtsfeld. Hier drurnen aber pflückt man j etzt die vollen. Üppigen Riesenweintrauben, schüttelt man die goldgelben Bartlett-Birnen von den wettgeästeten Bäumen, kann man die Aeste und Blätter der mächtigen Pflaumenbäume vor dem brillant .schimmernden Vlauroth der apfelgroßen colifornischen Pflaumen gar nicht mehr sehen. Ja nicht genug der Wunder, sogar reife Orangen kauft man hier jetzt in Hülle und Fülle zu Spottpreisen. Selbstverständlich ist dies nicht die heurige Ernte, sondern die letzte, im Januar gebeimstc, oder man hat durch künstliche Mittel, z.B. durch Abwehr der Sonne, mittelst eines über die Orangenbäume! gebreiteten Segeltuches die Reise der Frucht verzögert. Auf alle Fülle sucht man jetzt den Vorrath Orangen so schnell als möglich los zu werden, sonst würde' man sie nicht zu so lächerlich niedrigen Preisen losschlagen man denke nur 20 Orangen für 2 Bits, fünf und zwanzig Cents, also ein und ein fünftel Cents per Stück ! Und dazu eine schöne, ' - - .- . V T Ti.' . C große, iupe uno zasiige oruu;i, nicht etwa die zwerghafte Orange, die man zu 3 Cents das Stück in Cincinnati kauft. Doch sind jenes nur Ausnahmspreise, zur Zeit der wirklichen Ernte werden schöne, ! große Orangen am Baum vm EngrosHandel nicht unter 2 Cents das Stück verkauft also noch immer ein hübscher Prosit. Ist auch die Abschätzung von den enormen, goldminenartigen Prositen von den Orangenplantagen in SüdCalifornien eine eitle Mythe und baare Aufschneiderei, ist es geradezu ein frecher Schwindel gewissenloser Landverkäufer das Gerücht auszusprengen, daß 5jährige Orangenbäume 5001000 Orangen tra gen, so lassen sich doch mindestens 200 Orangen von wohl und sorgfältig cultivirten 5jährigen Bäumen (gesäet oder gepfropft) erwarten ; und rechnet man 1000 Bäume auf ungefähr 12 Acres 200,000 Orangen a 20 Dollars per Tausend 4000 Dollars so hat man mindeftens beinahe das Anlagecapita! im ungefähren Betrage von 4300 Dollars für eine ' 5jährige Orangenanlage auf 12 Acres, inclusive Kaufpreis für Land S ca. 80 Dollars durch eine Jahresrentc gedeckt. Im nächsten Jahre ist dann ein noch größerer Brutto-Ertrag zu gewärtigen. Selbstverständlich muß der Pflanzer die Anlagen mit Umsicht, Fleiß und Sorgfalt diese gamen 5 Jahre hindurch gehütet und seine Sache gut verstanden , haben. Es ist Unsinn zu denken, daß es in Californien Solchen gelingt, die im Osten nie etwas zu Wege gebracht. Und sämmtliche Orangenplantagen, die ich! hier besucht, sind glückliche Unternehmun- j gen zu nennen, denn die hier noch heute in den Händen ihrer Gründer befindlichen, baden sich nur deshalb eines lohnenswerthen Gedeihens zu erfreuen, da ihre Besitzer das Zeug in sich haben, aus irgend etwas Capital zu schlagen. Am Allerbesten wird sich aber immer eine Weinpflanzung bezahlen. Der Präsident der calisornischen Gartenbau-Ge-sellschaft, wie auch die Weincommission macht folgende Angaben über die Kosten eine? Weinplantage : 20 Acres bestes Land mitWasser S 50 Dollars $1000 00 Anpflanzung und Pflege auf 3 Jahre 830 per Acre 600 00 Zinsen auf das angelegte Capital 400 00 $2000 00 Im zweiten Jahre beginnen die Weinstöcke zu tragen und ergeben zuerst mindestens $100 per Acre, im Alter von 5 bis 6 Jabren 8150 bis S300 per Acre. Doch schon von 815 bis 20 per Acre läßt sich gutes Weinland erstehen, vornehmlich in den Foothills, die sich eigentlich am allerbesten für Obstkultur eignen. Die neue Eisenbahnverbindung von Los Angeles mit dem Osten hat ohne Frage dieser Gegend ungeahnten Aufschwung verliehen. Der Fruchthandel nach Arizona. Neu -Mexico, Colorado, Kansas nimmt von Tag zu Tag gewaltigere ProPortionen an, ebenso die Ausfuhr von Wein und Brandy in Fässern und Flaschcn, Citronen, Rosinen, Mandeln .u.s.w. Und es bedarf nur der Errichtung von Fabriken in Los Angeles und Umgegend, um hier ein bedeutendes Jndustrie-Em-porium zu schaffen. Die Klagen über die schlechten Zeiten sind verswmmt, r?.. .f. c X..TV ft. nno aucy oie langjährigen zum Theil getilgt, die Aussichten auf neuen allgemeinen Wohlstand waren nie bener. Die diesjährige Weinernte ist vorzüglich, die Orange-Aussichten gut und die Landkäufe wieder zahlreicher als seit . Langem. , Man darf sich daher nicht wundern, daß den Angelenos" wieder der Kamm schwillt und abermals von Lostrennung J , ... ,. . rjrvnx. c tuo - Kaliforniens vom lamonaaie sie Rede ist. Man beklagt sich über die La- . ' CW m M
sten, die man um ean ranc:sco's vm&
schlüge willen zu tragen hat, und will sich lieber mit Arnona zu einem Staate vereinen, als fernerhin das Aschenbrödel im Haushalte San Francisco's spielen. Eine Verschmelzung von Süd-Californien und Arizona wäre übrigens nicht übel, bringt Letzteres doch nichts als Kactuse hervor, während fein Minenreichthum dem Fruchtmarkte Süd-Californicns zu statten käme. Doch Arizona ist voll Politiker, hat selbst Staatsgelüste und würde wohl gegen ein Verschlingen Süd - Californien nichts einzuwenden haben, aber nimmehrmehr sich selbst verschlingen lasten. .Veritas. Die Korrespondenz mit den Planeten.
Seit Graham Bell, der geniale Crsinder des Telephons, einen Apparat ersonnen hat, mit dessen Hülfe der Lichtstrahl dazu benutzt werden kann, ohne Dazwischentreten einer telegraphischen Leitung jeden Ton auf weite Distanzen zu übertragen, ist der Gedanke, daß es dem menschlichen Geiste gelingen werde, eine Verständigung von Gestirn zu Gestirn zu bewerkstelligen, nicht mehr in das Reich der Träume zu verweisen. Zwar die Hoffnung, mit den entlegeneren Regionen des Universums jemals auf dem Wege der Licht - Telephon korrespondiren zu können, müssen wir aus dem Grunde entsagen, weil zu diesem Behufe selbst der Lichtstrahl, trotz der 40,000 Meilen, die derselbe in jeder Sekunde zurücklegt, viel zu langsam und schwerfällig ist. Bis zum allernächsten Firsterne braucht das Licht immer noch drei Jahre, die unserem Planetensysteme zunächst gelegenen Partien des Milchstraßenringes sind schon ungefähr 4000 Lichtjahre von uns entfernt und nun vollends die außerhalb des Milchstraßenringes liegenden Nebelflecke haben Entfernungen b:s zu 60,000 Llchtjabren und darüber. Wir können also mit jenen Gebieten nicht korrespondiren, weil unsere Depeschen, sie mögen sich immerhin eines Beförderungsmittels bedienen, welches die größten irdischen Distanzen in verschwindenden Bruchtheilen einer Sekunde durchmißt, allzu spät an den Ort ihrer Bestimmung gelangen würden, als daß sich mit irgend welcher Aussicht auf Erfolg in Gedankenaustausch bewerkstelligen ließe. Wenn man zur Zeit, als die große Pyramide des Cheops in Egypten gebaut wurde, den Lichtfernsprecher, dessen Vervollkommnung wir im Sinne haben, bereits besessen hätte, so würde eine mit dessen Hülfe nach der Milchstraße gesendete Depesche jetzt ungefahr angelangt sein, und erst nach abermals 4000 Jahren könnten unsere Nachkommen auf Antwort rechnen. Bevor es also möglich wäre, uns mit der Firstern Welt in Rapport zu setzen, müßten noch Erfindungen gemacht werden, von denen wir uns derzeit keinerlei Vorstellung zu bilden vermögen; im Bereiche unseres Planetensystems aber würde der Lichtfernsprecher vollkommen ausreichen. Vom Monde zu schweigen, nach welchem derApparat den Ton unserer Stimme in 1 Sekunden zu tragen vermöchte, könnte eine Depesche nach der Sonne in etwa 8jMinuten, nach dem Äc'erkur, wenn sich derselbe in seiner größten Erdhöhc befindet, in 4 Minuten, nach der Venus vollens in 2 Mrnuttti, nach dem Mars, gleichfalls in dessen Erdhöhe, in 3 Minuten, und selbst nach dem' uns bekannten entferntesten Planeten Neptun, . trotzdem sich derselbe durchschnittlich in der 'respektablen Entfcrnung von nahezu 600 P!illionen Mcilen befindet, in 4 Stunden gelangen. Das sind alles Zeiträume, die einer gemuthlichen Kauserie mit den Bewohnern unserer Planetcnwelt keine unüberwindlichen Hindernisse in den Weg stellen würden vorausgesetzt natürlich, daß auch auf diesen Himmelskörpern mit den unseren korrespondirende Lichtfernsprecher aufgestellt werden, und was vielleicht die Hauptsache ist daß dort Menschen, daß heißt wie immer geartete denkende Wesen existiren, die Fähigkeit und Lust haben, sich mit uns in's Einvernehmen zu setzen. Nun hat schon vor mehreren Dezennien ein phantasiereicher Astronom den Vorchlag gemacht, auf einer ebenen, kahlen Fläche der Erde, etwa in den Steppen Sibiriens, mehrere Quadratmeilen bedeckende Vaumpflanzungen in Form besonders auffallender geometrischer Figuren anzulegen, also beispielsweise als rechtwinklige, gleichschenklige oder gleichseitige Dreiecke, als Ellipsen, Kreise oder Quadrate.. Wenn so argumentirte dieser sinnreiche Kopf auf irgend einem näherlicgenden Gestirne denkende Wesen existiren, so muß ihnen die plötzliche Entstehung derartiger Figuren auffallen ; sie dürften begreifen, daß streng geometrische Linien von der Hand vernünftiger Wesen herrühren müssen, sie werden möglicher-weise-an den Gedanken gerathen, daß duse Figuren bestimmt seien, ihre Aufmerksamkeit zu erregen, und wenn dies der Fall ist, werden sie vielleicht den Entschluß faffen, uns in ähnlicher Weise ein Lebenszeichen zukommen zu lassen. Es soll nicht geleugnet werden, daß die Idee Einiges für sich hat, nur ist die Ausführung zu kostspielig, und der Erfola wegen der Unvollkommenheit des damit erzielten Verständigungsmittels .immerhin problematisch. Dazu kommt noch, daß diese Methode der Telegraphie nur für unsern nächsten Nachbar im Weltraume, den Mond, berechnet fein kann, da geometrische Figuren, die bis auf Planeten-Distanzen, d. b. bis auf mehrere Millionen Meilen, selbst mit den besten Fernrohren sichtbar sein sollten, jede für sich ein Flächenmaß von mehreren tausend Quadratmeilen haben müßten, also mit unsern Mitteln absolut unkonstruirbar sind. Ein Versuch, gerade mit dem Monde in Korrespondenz zu tre-
ten, wäre aber der denkbar aussichtsloseste, denn nach dem gegenwärtigen Stand unserer Kenntnisse müssen wir es als höchst wahrscheinlich bezeichnen, daß zum mindesten auf der uns zugekehrten Ncondfläche keinerlei höhere Organismen, also auch keine vernunftbegabten Wesen eristiren.
Aus alten Zeitungen. Auf der Gewerbe und Jndustrie-Aus-stellung an den Saale hat die Magdb. Ztg".'die im Jahre 1626 gegründet, bekanntlich eines unserer ältesten Preßorgane ist, in einem eigenen Pavillon ihre alten Jahrgänge ausgestellt, die sich noch bis in das Jahr 1717 erhalten haben. Wir entnehmen diesen alten, vergilben Blättern einige Kuriosen, die im Kleinen ein Bild der Welt wiederspiegeln, wie sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts gestaltet war' Humorvoll berühren die gegen Schluß eines jeden Blattes gedruckten Anpreisungen von Flugschriften und größeren Werken. Einige solcher Anpreisungen mögen folgen : Es ist zu bekommen die Büß- 'und Sterbe-Gedanken, Gottlob Riemers, gewesenen Studenten-Dieners, als derselbe den 7. April 1717 in Halle einen Mägdlein die Gurgel abgeschnitten a 6 Pfennige." Ferner : Es ist zu bekommen bei dem Verleger dieser Zeitung: des Herrn Guy Miege, Geist- und Weltlichen Staat von Groß- Britannien und Irland nach der gegenwärtigen Zeit. Oder allerneuste Historische und Geographische Nachricht von denen dreyen KönigreichenEngel-, Schott- und Irland, worinnen derselben Einwohner, Ursprung, Sprache,Temperament Genius, Religion, Sitten und Literatur nebst deren Monarchen, hohen und niedrigen Adel, Geistlichkeit, Gesetzen, Regierungs Art-,Geist-und Weltlichen Gerichten und so weiter, ingleichen die Cintheilungen dieser großen und berühmten Inseln, deren Macht, Jntrcsse und Nachtheil bei vergleichung anderer Länder, die einheimischen Curiosa, liatiual tfc artis: Ferner auch die vornehmsten Merkwürdigkeiten, der ungemein großen und Volkreichen Haupt Stadt London, zusammt dem Staat, der Engel-, Schott- und Jrländischen Universität u. v. m. deutlich und weitläufig' entdecket worden. Alles auf sorgfältigste und mit dem größten Fleiß aus dem Englischen übersetzet durchgehends mit so nöthig als nützlichen zusähen vermehrt, und mit einen vollständigen Register versehen, auch mit 71 aeuraten und saubern Kupfern ausgezieret, in 4to 3. Rthlr. 16. Gr." Auch Inserate hatte die Zeitung. Aus der Reihe derselben theilen wir einige mit. Da heißt es : Es ist gestern Hierselbst ein kleiner Hund verloren, von Eouleur schwarz und weiß, lange schwarze Ohren, weiße Füße, einen, weißen Strich über die Nase, übrigens ganz glatt von Haaren, einen roth-gelb bunden Halsband mit Klöckchenum habend, wer selbigen hat, oder nachzuweisen, weiß, wird ersuchet, solches bey dem Verleger dieser Zeitungen zu melden, er soll einen guten Kecornpens zu gewarten haben." Ferner: Es dienet zur Nachricht, daß der für vielen Zufällen insonderheit aber für dem Skorbut, dienende Spiritus Cochlearial, wie auch der Ifatearnurn vitac, labornet von einem Englischen Medieum aus Hambnrg, wiederum gut anhero gesandt, und zu Früh-Jahr und Herbst-Zeiten, als ein Präservativ zu gebrauchen ist. Wie auch die Hällischen Tropfen, bey dem Verleger dieser Zeitungen allezeit zu bekommen sind nebst einen gedruckten Bericht." Am Ende einiger Blätter heißt es: Morgen um 8 Uhr wird vor 3 Pfennige ein Ertra-Vlättchen ausgegeben, welches wegen eingelaussener Späte, denen ordinairne Zeitungeu nicht inseriret werden können." Der 5Zopf 'der Erirablättchen ist mit einem ausden Wolken herabschwebendenden, geflügelten Engel, der in zwei Posaunen bläst, geschmückt. Jntereffant sind ferner die angehesteten Flugblätter, welche bei dem Verleger der Zeitung für drei oder sechs Pfennige u. s. w. zu haben waren. Sie behandeln vorzugsweise die Siege des Prinzen Eugen, die Niederlage der Türken bei Belgrad, ferner Hinrichtungen,Mordgeschichten und Unglücksfälle u. f. w. Da liest man : Betrübte Nachricht, von der Zwischen den 25. und 65. Februar 1718. sich widerum ereugnenden Zweyten Auffschwellung Des großen Welt-Meeres" u. s. w. Ferner : Erbarmens würdige Nachricht don der Gewaltsamen großen Feuers-Brunst, welche Im Magdeburg am Markt, den 30. Sept. Anno 1718. in eines Kaufmanns Hause, gegen Morgen, zwischen 2 und 3 Uhr zu großen Schrecken Aller Einwohner der gantzen Stadt entstünde Und Disrch Losschlagung einer Tonnen Pulver so groß war, daß 9. Häuser elendiglich binnen 3Stunden, ganz wütend in dieAsche gelegt wurden." Hamburg, 31. Juli. Städtische Unterschlagung. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung des Herrn A. Borgstädt, Controleur im Schuldenverwal-tungs-Bureau der Finanz-Deputation. Derselbe ist verdächtig, sich Unterschleife von bedeutender Höhe in seiner Stellung schuldig gemacht zu haben. Die Entdeckungsoll durch einen Zufall gemacht worden sein.
Kerr Stresdil und seine Sattin. ( (Wiener GerichtSscene.)
Der Verbandlungssaal des Vezirksgegerichtes Wieven war gestern wie gewöbnlich mit Parteien gefüllt, welche des Auditorium bei denjenigen Verhandlung gen bilden, bei denen sie selbst nichts zu thun haben. Der Iiichter Dr. N o s s i war eben damit beschäftigt, eine starrköpsige Slovakin zu bewegen, von der Anklage Wider ihre Gegnerin zurückzutreten, als Jemand im Auditorium laut rief: Geh mir aus dem Weg, Alte! oder willst mir meine Hühneraugen ruiniren wie meinen Hut, na wart nur!" Ein schallendes Gelächter der im Saale Anwesenden und eine ernste Mahnung des Richters, sich anständig zu benehmen, folgten dieser Aklamation und bald darauf hatten wir Gelegenheit, den Urheber derselben, Herrn Binzens Stresdil, bürgerlichen Fragner, innerhalb der Gerichtsschranken zu erblicken. Er trat als Zeuge und Beschädigter gegen seine Gattm Frau Marie Stresdil auf. Nichter (auf die Letztere deutend) : Ist das Ihre Gattin T Zeuge i öeider." Nichter: "Wozu dieses leider"? Sagen Sie kurzweg ja" oder nein". Zeuge (seufzt). Richter: Soll dieses Seufzen vielleicht eine Antwort auf meine Frage sein?" Zeuge: Leider darf ich nicht sagen, so muß ich halt Herzschmerz auf andere Weis ausdrücken. Sle wollens wissen, kaiserlicher Herr Rath, ob das ist Weib meiniges (zieht ein Sacktuch aus der Tasche, fährt mit demselben über das Gesicht und spricht im weinerlichem Tone) leider muß sagen ja, Frau Marie Stresdil, geborene Holaubek, ist meine Gattin." (Heiterkeit.) Richter : Und Sie leben mit ihr ?" Zeuge : Leider, ja." Richter: Tann muß ich Ihnen sagen, ist Ihre Anzeige ein Unikum in ihrer Art. Sie beschuldigen Ihre Gatten, daß Ihnen dieselbe einen Hut im Werthe von zwei Gulden in böswilliger Weise beschädigt hat." Zeuge : Runterg'rissen, kaiserliche Herr Rath, hat sie Hut mir vom Schädel wie Furie, d'rauf is sie treten, kaiserliche Herr Rath, wie Furie und sutsch war Hut, ganz futsch, sag' ich Ihnen, kaiserliche Her Rath." (Heiterkeit.) Richter : Ist dieser Scene ein Streit vorhergegangen?" Zeuge : Streit, kaiserliche Herr Rath, geht immer vorher bei uns." Richter : Da muß es sehr gemüthlich bei Ihnen zugehen." Zeuge: Na und ob! Frau Marie Stresdil ist die höchste Gemüthlichkeit." Nichter : Was war denn die Ursache dieses Streites ?" Zeuge : ,,Mä' Hundel, kaiserliche Herr Rath ; Hundel bleibt nit gerne bei Frau Marie Stresdil; (derselben einen giftjgen Blick zuwerfend) na ja, Hundel kennt schon Frau Marie Stresdil. Na und, daß ich Ihnen erzähl, kaiserliche Herr Rath, ich hab' wollen geh'n ins Wirthbaus, Hundel hat :nit wollen, Frau Marie Stresdil hat gesagt, nein Hundel bleibt sich'Zu Haus" ; ich sagte : ja, Oundel geht mit, und jetzt is loszangen. Wie ich nimm Hut, kaiserliche Herr 'liath, springt Hundel vor Freud', Frau Marie Stresdil wird wüthend, reißt sie mir.Hut vom Schädel und Pfutfch war Hut, pfutsch, sag' ich Ihnen, kaiserliche Herr Rath, ganz pfutsch." (Heiterkeit.) Richter (zur Angeklagten) : Nun, was haben Sie auf die Angaben Ihres Gatten zu bemerken ?" Angekl.: Da kann ich gar nichts sagen ; der Hut war keine zwei Kreuzer werth. Wissens, kaiserlicher Herr Rath, die G'schicht mit dem Hut ist die.: Mein Mann war einmal beim Schwender, dort hat ihm ein Frauenzimmer heruntergehaut den Hut, und wie er am Fußboden gelegen ist, haben die Leute darauf herumgetanzt. Mein Alter hat sich geschämt und hat den Hut mit Schusterpapp zusammpickt. Jetzt ist der Hut so, daß wie man nur anrührt daran, geht er in Zwei Theil auseinander. G' liebkos, kaiserlicher Herr Rath, hab ich mcin Mann nit, das ist wahr, aber a Furie war ich nit." (Zu- ihrem Gatten gewendet): Wie kannst denn so was von mir sagen, ich hab Dich ja gern und will an ordentlichen Menschen aus Dir machen. Wissen's, kaiserlicher Herr Rath, mein Mann lst manchmal da oben (auf die Stirne deutend) nicht ganz richtig." Zeuge (zur Angeklagten) . Hast mich gern Alte, hast gesagt, aber prügeln thust mich doch." (Heiterkeit.) Angekl.: Geh', hör' auf m'lt'Dcinen Dummheiten." Zeuge : Kaiserlicher Herr Ratb, thut mir Herz weh, verzeih' ich der' Frau Mark Stresdil." Nichter : Das hängt nicht mehr von Ihnen ab (zu dem Staatsanwalt) : Ich bitte um den Antrag." Funktionär : Ich trete selbstverständlich zurück." Richter (nach Verkündigung des freisprechenden Erkenntnisses): Die VerHandlung ist geschlossen, Sie können geYen." Frau Marie Stresdil nimmt ihren Gatten beim Arme, beide verbeu gen sich vor dem Richter und verlassen den Saal. Bei der Thür angelangt, sagt Herr Stresdil. laut zu seiner Ehehalste: Du, Alte, meinen Hut mußt mir aber bezahlen, sonst zeig ich Dich wieder an.
Ml l er l ei. Fünfzigjähriges Jubiläum der schweizerischen Ansicdlunz von Highland, Madison County, Illinois. Im Jahre 1831 siedelten sich die ersten europäischen Einwanderer in der Gegend von Highland an und zwar die Schweizer Herten Köpfli und Suppiger, wodurch die Ansiedlung eine hauptsächlich schweizerische wurde und blieb. Die SchützenGesellschaft Helvetia von Highland benutzt daher diese Gelegenheit, auf den 11. nnd 12. September dieses Jahres ein Volks- und Schützenfest zu veranstalten, um diese historisch-denkwürdigen Tage auf eine zweckentsprechende Weise zu feiern. Wir laden daher alle Schweizer und Freunde von Highland von Nah und Fern ein, sich an diesem Feste zu betheiligen, um in den heimeligen Gründen unseres Lindenthales etliche Stunden mit einander zu erleben, die hoffentlich jedem Anwesenden unvergeßlich bleiben werden. Daß die Bürger des 33. Kantones (d. h. alle Nicht-Schweizer), ebenfalls herzlich eingeladen sind, versteht sich von selbst. Die Helvetia sowohl wie die ganze Einwohnerschaft von Highland werden sich bemühen, die Gäste und Freunde zu empfangen, wie es der Zweck des Festes verlangt, und hoffen wir daher auf eine große Betheiligung nicht nur bloß aus unserer Nähe, sondern auch aus weiter Ferne. Das Festprogramm wird später erscheinen. Im Namen der Helvetia Das Fest-Comite : Dr. A. Felder. Tim. Gruaz. Fritz Streif. Im Zuchthause von Texas wird dem Oberbundesaerickt
zumTrotz einUnschuldiger fortwährend gefangen gehalten. Der Fall ist nach der Zujammensanung der Fr. Pr. in Milwaukee folgender: Vor mehr als einem Jahre wurde ein aus Frankreich stammender Bürger der Ver. Staaten, Namens Fran9vis, zu Austin in Teras zu fünfjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt, weil er eine Ehe mit einer Farbigen eingegangen war. Diese Farbige läßt sich der Hautfarbe nach kaum von einer Weiöen unterscheiden, aber sie hat afrikanisches Blut in ihren Adern, und da sie nicht nachweisen kann, das dies Blut we niger als den 16. Theil lhrer Gesammtir w r Ä w - i a vmtmane ausmacyr, o wno ue, oem aus der Sklavenhalterzeit herstammenden texanischen Gebrauch und Gesetz noch als Negerin betrachtet. Und da im Criminal - Codex des erleuchteten Slaates Teras eine Ehe zwischen einem Kaurasster und emer 1cegerm als Verbrechen noch jetzt behandelt wird, so wurde Fran9vis gefänglich eingezogen, in der Hauptstadt Austin prozeffirt und verurtheilt. Seit ungefähr einem Jahre sitzt er im Zuchthause m Huntsville. Die Advokaten des Franois appellirten von der Entscheidung des texarnschen Gerichan das Bundesbeurksaericht und von da ging der Fall an das Qbergericht der xsex. Staaten. Anes warf das Urtheil des teranischen Gerichtes um und erklärte das texanische Verbot der Mischlingsehen für nicht im Einklana mit den Amendements zur Konstitution der Ver. Staaten, also surunguing. Die Entscheidung des Obergerichts erfolgte bereits Ende letzten Jahres und der Entscheidung folgte der Befehl, den Gefanaenen frenulassen. Aber der Gefangene sitzt heute noch. Man r. a. .17 . r. A c . rr c - yai es aio mer mu emem aue oes unacborsams teraniscker Vebörden aeaen die Decrete des Obcrbundesgerichtes zu thun. Die Staatensouveränetät lehnt sich auf rtty.t X tXfvt Rivv? A4t4-44-yvyvu viv ivtyviv uuvvvuiuuiuuu In derOrtschaft Owaneco nn County Chnstlan :m südlichen Theile des mittleren Illinois herrschte' in letzter Zeit eine Epidemie, an welcher täglich Erwachsene - und Kinder starben. Die f 'i r rr nr jf r i c , nranioeir jou neymianeii rnu oer rolyen Ruhr haben und trat angeblich Vorzugsweise unter den Kindern Verheerend auf. Nur in äußerst seltenen Fällen gelang es, ein derselben Verfallenes Kind zu retten. Ein Achtel der schulpflichtigen Kinder ist dahingerafft. Schrecken und Verzweiflung bemächtigt sich der Bevölkerung des kleinen Städtchens. In vielen Häusern herrscht Trauer. Viele haben mit den Ihrigen das Städtchen verlassen, um der Seuche zu entgehen; Andere würden ihrem Beispiele folgen, wenn sie nicht durch die Krankheit ihrer Kinder oder durch Armuth daran verhindert wären. Eine Zeit lang glaubte man die größte Gefahr überstanden zu haben; allein nach wenigen Tagen brach die Krankheit mit erneuerter Heftigkeit aus und wüthete mit gleich zerstörender Gewalt unter Jung und Alt. Einige Aerzte sind geneigt, die Ursache der Krankheit im Trinkwasser' zu suchen. In B o st o n haben sie im vorigen Jahre 61,081 Faß Vier mehr getrunken, als im Jahre zuvor, wo sie gleichwohl die stattliche Leistung von 641,603 oder etwa 2 Faß auf den Kopf Mann, Frau oder Kind zu verzeichnen hatten. Aber die Zunahme erklärt sich Hauptfachlich aus dem steigernden Verbrauch des Flaschenbiers und dasselbe ist bereits so sehr zur ..Institution" geworden, daß der kleine Wagen, auf dem es zu erscheinen pflegt, sich vor den fashionabelsten"Wohnungen der' Jankees ohne Anstoß zu erregen, zeigen vars. In New York hat ein Perser, der Juwelenhändler Mahomed Baaor Ali, durch seinen - Rechtsanwalt die Abficht kundgethan, Bürger der Ver. Staa ten werden zu wollen. Dies ist der erste Perser, welcher um die Naturalisation als Amerikaner nachsucht.
istl.sckc.6. Weltlich oder fleischlich. Aus Unkunde der Sprache oder Uebereilung verwechselte eine jungeAusländerrn beide Ausdrücke von weltlich oder fleischlich. Beim Eintritt zweier Herren in eine Gesellschaft frug sie namlicb: ' Wer ist der Schwarock?" Ein GeistlicherHerr," ward ihr zur Antwort. So ist,'' erwiderte sie, der Blaurock wohl ein fleischlicher V - Dieser Sprachfehler. wurde belacht, aber doch eingestanden, der Ausdruck sei passend und verdiene in Umlauf zu kommen. Er paßt aber gewöhnlich für Schwarzrock und Blaurock . zugleich. .. , Rechtgethan. Heinrich IV., König von Frankreich, sagte einst zu einem Landgrafen zu Hessen, der sich in.Paris befand : Euer Liebden thun sehr Wohl daran, daß Sie in Frankreich reisen, um bitterliche Uebungen, feine Lebensari (Courtoisie)' und sonderlich Sprachen daselbst zu erlernend Was hat-' ten wir Franzosen aber bei Euch Deutschen zu erlernen V Der junge Landgraf aber erwiderte schnell : Bescheidenheit !" Gehört in's Comp limentirbuch. Fontenelle wurde einst von einer liebenswürdigen jungen.Dame gefragt, ob' er ihr sagen könne, welcher Unterschied zwischen ihr und einer Uhr sei. Gewiß," sagte der galante alte Philosoph, eine Uhr erinnert uns an die Flucht der Zeit Sie lassen uns die Zeit vergessen." Naiv. Vater: -Sieh nur Paulchen, Du machst mir so viel Kummer, daß mein Kopf schon anfängt, kahl zu werden." Paulchen : So ! da mußt Du ja Deinem Vater schrecklich viel Kummer bereitet haben, denn Großväterchen hat gar keine Haare mehr auf dem Kopf." Gebildete, Wirtstochter. Touristen : Fräulein, was giebts zu essen?" . , Wirthstöchterlein: Wir hawwe geschlacht, meine Herren, Se könne, alles hawwe, was e Schwein biete kann !" Schöner Vergleich. Eine Dame behauptet, ihr Mann sei wie ein Talglicht, denn er rauche immer, Wenn er ausgehe. I n d e rjB rauerei. Braumeister: Sie, geben's Obacht, daß da net Reinfallen, sonst ist's ganze Bier hin!" Die junge Hausfrau. Aber liebe, liebe Frau, dieser Kalbsbraten ist ja so hart und zäh', rein üngemeßbar!" - Ich sind' es auch, lieber Mann, das Fleisch muß halt von einem uralten Kalb sein!" x Schulbarometer. Schulinspektor : Kannst du mir einen, tti t f S c STCltwOY rrvttort ( sotvs- V" Schüler : Der Winter -'75. Da ist, unser Lehrer 6 Wochen krank gewesen." , G e n ü g s a :u k e i t. c?.is c l r ar ? rr c lilup i i;uu jUge . ;uawx i siiymorgens als, eh' i ansang' z'schasse, ,e Pris' nemm' in de nüchterne Magc, un setz' e Schnaps druf und e ordendlich's Schinkebrod, dann brauch' i lang' nir mehr un i kann's aushalte bis ume Uhrer Zehne, wenn i norr dann mein Frühstüak und um zwelfe mein Mittagesse hab'. Für den Nest vum Tag brauch' i dann nir mehr, als um viere e Worscht un e Brod, un Owends e herzhaft's Nachtesse. Do derbei kann i b'stehn un i kann aach während em ganze Dog . alle ArT a TT CTT M Qs?i4t 4 VVU 444 4 V 14 44 V UJIMJV 4444 1 144 VI yUI lij V, V M" . behre. Im Seebade. Junge Dame : -,,AH, Herr Doktor, stets, wenn ich in's Wasser gehen will, bekomme ' ich am ganzen Körper eine Gänsehaut !" . Badearzt : O, das macht nichts aus, das ist etwas ganz Natürliches !" . Zeitung und Gemeinderath. Die Wiener Presse erzählt: Neuerdings kam es in einer Gememdeauschuß-. fifc, rr llrtf orfttftaorirt Mt o'ivrov Fsaftrvvt VtllV W vtltv. IVVVV VtllVV V4lVjVit Debatte. Vor Beginn der Siiung gab' ein Gemeindeausschußmitglied 'nächste- ' hende drastische Erklärung ab : Sö, Herr Ni,ivrtmrtfttv t ftffi frftrrn ntrpr 9Tn Vt v..yvnv, . Y ivivvv (Tfi Hiil .viQsiiS.f'liif P 3 ff llll VVV kV lillUVIUp IV, V vtv vinri Vor Qoitimrt Tnfc mt m her (ifc vvt v.tj yj v V una net überwache un dann in so aner Zeitung vielleicht auslache, wenn der Herr da bleibt, so geh' i." Aus die Bemerkung des Vorsilenden, daß zu jeder öffentli . chen Gemeindeausschußsitzung freier Zutritt gestattet sei, erwiderte der Herr voz.r Ausschuß : No so geh' i halt," nahm , Hut und Stock un'o verschwand. . Malerische Sprachform. - Herr: Ich bin. mit dem Porträt sonst ganz zufrieden, allein es fehlt, nun, wie drücke ich mich denn aus ? Es fehlt das Höhere andem Kopfe! Maler : Dieser wesentliche Manael am Vorhandensein des Höheren bildete schen wahrend der Ausnahme emen Gegenstand des Nachdenkens und ich alaubte, daß in diesem Falle leicht eine Perrücke die Ab Wesenheit des Vermißten verdecken könnte !
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