Indiana Tribüne, Volume 4, Number 2, Indianapolis, Marion County, 20 August 1881 — Page 7
Ans Thomas Moore'S Gesäugen. Meine Harfe.
Noch einmal, o Harfe, erklinge und töne ! Laß rauschen des schlummerndes Liedes Gewalt ! Berm letzten Abschied, da perlte die Thräne, Wie jetzt, da dem Klang mich von Neuem umwallt. Kein Schimmer der Freude hat je Dich umwobm, Tu hingest gleich Harfen, die trotzig und kühn Die Knechtschaft verfluchten mit wilden, Toben An der Weiden trauerndem Wialdesgrün. Und doch, seit zum letzten Mal du erklugen. Erschien des Triumphes, der Freiheit Pracht; In manche erglühende Brust ist gedrungen Die Hoffnung die bald verfunken in Nacht! Wohl tönten von Freiheit die mächtigen Lieder Und wehten in Lust über Land und See Und brachten die .Hoffnung zu Andern wieder Und brachten zu dir nur Thränen und Weh! Wie können auch Jubelklänge dringen Aus Saiten, die fast stumm und todt? Surrn dem sterbenden Schwane die Lerche singen Ein fröhlich Lied im Morgenroth ? Wie gern ich auch spiele, wie geru ich auch singe Wie kann ich um Freiheitsgesänge steh'n. Wenn die Kränze, mit denen ich dich umschlinge, Aus Blumen und halb aus Ketten besteh'n! Wohlan ! Wenn je deine Form noch kann borgen Einen Athem der ust, so sei mir er geweiht, Und zeige der Welt, dafj in Ketten und Sorgen, Dein Lied mich bezaubert in Ewigkeit; Daß gerne du folgst der Fröhlichkeit Schimmern, Der Freude Gestirn aus den Trauerhain, Wie Memnons zerbrochenes Bild unter Trümmern. Noch singend und klingend harmonisch und rein. Als der unsterbli,5e irische Volksdickter ThomaZ Moore die obigen ücfemxfundcnen -ttopben dichtete, hatte die Situation in Irland große Äebnllchkeit mit der deuticzen Hcim jenes Lanres. Auck damals datte Englands eiserne Hand jere freiheitliche Stcau'.i im eime erstickt j und die armen Irlan-er neuem Elende und neuen Temü-: tiunzen prelZge.qedcn. Aus dcm Leben der Schlangen. Der Mensch hat vor allen übrigen Lebewesen das Vorrecht, seine eigene Geschichte schreiben zu können, wahrend die übrigen Geschöpfe weder von ihren Vorfahren noch von sich selber etwas zu sagen vermögen. Außer der eigenen Geschichte schreibt der Mensch aber auch die seiner wort und büchstabenunkundigen MitErdenbürger, wie die zahlreichen Bände beweisen, welche in den Bibliotheken unter der Rubrik Naturgeschichte" zu finden sind. Viele Menschen lesen diese Bücher und finden sie hochinteressant, gar wenige jedoch legen sich die Frage vor : Wie bat aber der Naturgeschichte - Schreiber Alles das erfahren, was er uns mittheilt, da doch die Thiere nicht sprechen können und ihm nicht zu sagen vermögen, wie sie es meinen, weshalb sie Dies und Jenes so thun und nicht anders, und was dergleichen mehr ist ?" Nur Wenige haben davon eine Ahnung, welche Müh? es macht, die Geschichte irgend eines Geschöpfes zu schreiben, denn nur allein die Beobachtung liefert zu derselben den Stoss. Thiere beobachten heißt aber nicht, dieselben in ihrem Käfig anstarren, ihnen einen Brocken Futter zuwerfen oder sie gar zu zerren, sondern es gehört dazu eine Ausdauer von jahrelanger Geduld, ein Hineinleben in die Gewohnheiten der Thiere, bis der Beobachter das Zufällige vom Regelrechten in ihrer Lebensweise zu scheiden vermag. Dann kann er darangehen und Naturgeschichte schreiben. Wer sich diesen Schwierigkeiten und Mühen bewußt ist, wird daher stets hocherfreut sein, wenn ihm in klarer, liebevoller Darstellung neue Beobachtungen über gewisse Thierklassen zu Theil werden, zumal wenn oieftiven vorgesagte Meinungen zerstreuen und falsche Ansichten berichtigen, und deshalb machen wir Freunde der 'Natur auf ein soeben erscbienenes Werk aufmerksam, daß sich Die Reptilien und Amphibien Deutschlands" nennt, von Adolf Franke nach eigenen Beobachtungen ger r r . .11 '1 fT ! O . frieren, von eir u. uornp. in Leipzig verlegt und mit einer Vorrede von Profeffor Leuckart versehen ist, der darin die Uebeeuaunq ausspricht, daß das Buch einem Jeden, auch dem Hochgelehrten Genuß und Belehrung bieten werde." 11Si Vita? ift ir Vor Vxr ff in riVVUV VlV H li VV "C . v vv qh n V' chem Maße. Wir können hier nicht näher "auf den Bau des Terrariums des Herrn svranke einqehen, das seinen Beobachtungsthieren einen durchaus normalen Aufent- . . - f 1 . r c ... yatt gewayrr, roayreno in oen gewoynlichen Terrarien die Thiere selten einen Winter überleben und verweisen deshalb Liebhaber auf das Buch, sondern wollen nur Elniges aus dem eben der chlangen mittheilen, denen Herr Franke eine besondere Aufmerksamkeit widmete. Wir erfahren, daß unsere Ringelnatter die schnellste der einheimischen Schlangen IZi Vn iUro WilYi0i"timrtm aii? ofttfwont VUp nyv vvvvi)Mitvjn wu vvvuvn Boden jedoch nicht ausreichen, sie ihrem Schritt gehenden menschlichen Verfolger . zu entziehen. Sie aber ist ebenso wenig im Stande, wie die Kreuzotter und die Schlingnatter, sich weit fortzuschleudern, wie die Ansicht im Volksglauben ist, noch Irtifctönell Jemanden entaeaemusprinaen oder mit einem Pserde um d:e Wette zu laufen. Die Schlangen lauern in den meisten Fällen ihrer Beute auf, die je nach der Gattung der Schlange entweder verwundet, umschlingen, oder mit den Zähnen gepackt wird. Erst wenn diese Angrinsweise mißlingt, wird mitunter eine allerdings sofortige Verfolgung vorgenommen, die aber selten Erfolg hat und auch nicht lange währt. 'Durch Verwundung erlangt die Kr euz 0 t t e r ihre Beute. Sie ist die einzige Giftschlange Deutschlands. Ihren Biß fübrt sie schlagartig aus und es geschieht ' die hierbei angewandte Bewegung des Vorrderkörpers in ähnlicher Weise, wie die Katz die Pfoten zum Angriff verwendet. Der Schlag trifft sicherer, wenn das Thier tellerattig zusammengerollt ist und es vermag auch auf diese Weise eine
I ziemliche Entfernung um sich herum ju;
beherrschen. Von meyreren netten zugleich angegriffen, schlägt es mit gleicher Leichtigkeit und Sicherheit nach den verschiedensten Richtungen, zieht sich aber jedesmal schnell wieder in seine gedeckte Stellung, die Tellerform, zurück. Diese Stellung wird der Schlange gleichsam zur beweglichen kleinen Festung, welche sie nur gezwungen aufgiebt, wohl wissend, daß sie. andernfalls viel wenigef vertheidigungsfähig ist. Wird sie aus ihrer Stellung verjagt, so sind die Bißschläge unsicher und schwersälllg, und auf das Gerathewohl und in blinder Wuth beißt sie nach sich selbst und sogar nach ihrem eigenen Schatten! Die Bißwunden stellen sick im nackten Fleische als nadelstichahnliche 6 - 10 Millimeter von einander entfernte unblutigeRitzen dar. Die Zähne dringen höchstens 23 Millimeter ein, wirken aber je nach der Gewalt des Schlages durch stoßfönniges Andrücken an die sie speisenden Giftdrüsen spritzenartig. Bei heißer Jahreszeit kann der Biß einer Kreuzotter m weniger als einer Stunde dem kräftigsten Manne den Tod bringen. Kleine Vögel sind nach erhaltenem Bisse unfähig aufzufliegen, gebissene Mäuse kommen bei etwaigem Fluchtversuche nicht über das Gesichtsfeld ihrer, Mörderin hinaus. Früher nahm man an, daß in den Magen gebrachtes Schlangengift ohne schädliche Folgen sei, in neuerer Zeit ward dagegen gefunden, daß durch Verschlucken desselben nicht nur teils- und MagensHmerzen, sondern auch törung der Sinnesthätigkeit hervorgerufen werden. Das Aussaugen einer Blßwunde t daher keineswegs ratyjam, wogegen Unterbinden und Ausblutenlassen der durch einen kräftigen Messerschnitt erweiterten Wunde meyr mufyn aewäbrt. Obaleick die Hauptnahrung der Kreuzotter in Mäusen besteht und sie oft drei bis vier Mäuse auf eme Mahlzeit hinabwürgt, braucht sie doch mehrere Wochen zu deren Verdauung, weshalb sie als Müusevertllgerm nur eme umergeordnete Stelle spielt. Sie . frißt aber auck Maulwürfe. ftresefre und kleine Vögel. Ihre Ausrottung ist daher aeboten, da ihrem Ble alljayriicy jupfe? fallen Auck die erschlagene Kreuzotter ist noch ein keineswegs zu unterschätzender Femd. Franke schrntt auf seinen Exkursionen bisweilen eingefangenen Kreuzotten den Kopf ab, um seinen Begleitern rne Beschassmyett ver unst zahne zu demonstriren und versuchte, rndem er den Kopf an dem Halsstummel mit der linken Aand bielt. mit der rechten den Rücken einer Messerklinge zwischen die beiden Kiesern zu bringen. Der Kopf vlß dann mit solcher Gewalt zu, vaß man das Ausscklaaen der Rahnt auf die Messerklinae deutlich hören ' konnte. Nach diesem Bisse erfolgten schnell hintereinander mehrere krampsyaste 'ersucye, w Messerklinge zu durchbohren, wobei das stoßweiße aussließende Gift gut beobachtet i r . r.' l r c ' ... werden tonnte, ne oroyenoen, unyeimlieh blickenden Augen hatten ihre volle Klarheit und Sehschärfe behalten, denn der Kopf versuchte nach der Seite zu beißen, von welcher man ihm Gegenstände nahe brachte. Erst mit der Vernichtung des Kopfes wird das Thier unschädlich. Die Schlingnatter umschlingt ihre Beute um sie wehrlos zu machen. Eine sich ihr arglos nähernde Eidechse wird durch eine schnelle Bewegung der Schlange gewöhnlich in drei Ringe eingeschlossen und zwar so plötzlich, daß das Auge nicht den einzelnen Bewegungen der Schlange zu folgen vermag. Akerkwürdigerweise ist die Eichechse immer so gepackt, daß nur der Kopf aus den drei übereinanderliegen den Ringen hervorsieht, die Natter hat mindestens ein Drittel des Vorderkörpers frei, steht mit demselben aufgerichtet und ist mit geöffneten Nachen jeden Zlugenblick bereit, den Kopf der Eidechse zu erfassen. Diese ist ebenfalls des Angriffs gewärtig und erwartet muthig mit blitzenden Auaen den überleaenen Geaner. Vlötzlich, manchmal erst nach Minuten, fährt dieser herab. Dieser vcoment ist für die Situation entscheidend. Erfaßt die Natter beiden Kinnladen der Eidechse z ugleich, dann ist es um sie geschehen ; der Rachen der Schlange umschließt sofort den Vorderkopf der Eidechse und spannt sich nach und nach über denselben aus. Der obere Nina löst sich, während die zwei anderen das Opfer nicht nur festbalten. sondern durch Gegendruck durch den Rachen schieben helfen, bis nur noch der ScbwanZi übria bleibt. Jetzt erst lösen sich die Ringe und der letzte Rest der besiegten Eidechse verschwindet im machen der vkatter. Aber nicht immer verläuft der Kampf in dieser Weise. Nicht selten beißt sich die Eidechse m die obere oder untere Kinnlade ein und bringt dadurch den Kampf zu einem sofortigen Ende. Die schnell zurückkehrende Schlange nimmt die Eidechse mit in die Höhe und versucht, oft viertelstundcnlang vergeblich die energisch festhaltende Siegerin los zu werden, was ihr erst nach vielem Hinund Herschütteln gelingt. Die Eidechse ergreift zwar eiligst die Flucht, vergißt die überstandcne Gefahr aber sehr .schnell und frißt nach wenigen Minuten mit dem besten Appetit als ob garnichts vorgefallen wäre, das ihr dargereichte Futter. Doch nicht allein Hunger fühlen die Schlangen ; ihr Herz ist auch der Liebe zugänglich. Kreuzottern findet man in der V!aienzeit paarweise sich gesellig sonnend nebeneinander liegen, während sie in vorgerückter Jahreszeit immer nur einzeln angetroffen werden. Die Ehen scheinen eben nicht so glücklich zu sein, wie der Brautstand und die Flitterwochen. Die Schlingnattern lassen erkennen, daß ihnen das Gefühl der Eifersucht nicht fremd ist. Die Männchen zeigen sich zur Paarungszeit sehr unfriedfertig und gerathen in Streit, bei dem sie sich gegenseitig mit
Bissen traktiren. Die Schlangenschöne, um welche die Schlangmritter sich raufen, ist jedoch wählerisch und naht ihr ein Ringelnatterjüngling, der ihr nicht gefällt, so weist sie mit Bissen seine Zudringllchkeit ab. Dem Erkorenen aber ist sie ganz Hingebung der Liebe. Ende August bis Anfang November bringt die Schlingnatter drei bis zwölf lebendige Junge zur Welt, welche, wie bei allen lebendig gebärenden Schlangen, in eine Blase eingeschlossen sind, die sofort von den jungen Thierchen mit dem Kopfe durchstoßen wird. Dieselben gehen gleich ihrer Nahrung nach ; ein Familienleben findet nicht statt. Die Ringelnater unsere gemeine schwarze Schlange treibt ihre Jagd systematisch und in Gemeinschaft mit Genossen. In seinem Terrarium beobachtete Herr Franke, wie die Schlangen das terassenförmige Terrain, an dessen tiefste Stelle sich ein Wasserbasin befindet, regelmäßig absuchen. Einige treiben nämlich die auf dem oberen breitesten Raume befindlichen Fröscbe nach und nach der Tiefe zu, auf welchem Wege fie von anderen Ringelnattern, die gewissermaßen auf dem Anstand stehen, abgefaw gen werden. Suchen die Frösche ihr Heil in dem Bassin, so sind sie in die Falle gerathen, denn in kurzer Zeit versammeln sich die Ringelnattern um das Bassin und räumen unter den Fröschen auf. Es wäre das somit ein richtiges Kesseltreiben auf Schlangenmanier. Der Raum verbietet eingehendere Mit-. theilungen über die Schlangen, Eidechsen, Schildkröten, Frösche, Molche u. f. w. zu machen, deren das Buch eine reiche Fülle euthält. Dem Freunde der Natur, den Besitzern von Terrarien namentlich sei dies anspruchslose und doch so gediegene Werk empfohlen, denn es lehrt den Fang der Thiere, ihre Lebensweise, die Art ihrer Ernährung und Pflege und handelt von manchen Eigenthümlichkeiten derselben, die hier zuerst in's rechte Licht gestellt werden.. Die Ferien beginnen und mancher Schüler läßt den Büchern Ruhe, um mit Netz und Fanggeräth in's Freie zu ziehen und Beute für's Terrarium zu gewinnen. Kein nützlicherer Begleiter dürfte sich für die jugendlichen Nachforscher finden, als Frankes Reptilien und Amphibien," ein Bua, das, ein praktischer Rathgeber, zugleich wissenschaftliche Erkenntniß in anziehender Weise fördert.
Dr. Julius Stinde. Europäische Postnachrichten. Das Thalamt zu Halle ist am 1. Juli d. I. aufgehoben worden, ein Gericht, welches urkundlich nachweisbar gegen acht Jahrhunderte lang existirt hat. Neben dem Sazdorfe Halle erbaute 806 König Karl (Karl's des Großen Sohn) eme feste Burg, das schwarze Schloß, welches ander Stelle der jetzigen Moritzbürg lag. 961 schenkte König Otto I. den ganzen Gau Neletice mit allen salzigen Gewässern dem Moritzkloster in Magdebürg. Diese Schenkung ging 968 auf das von Kaiser Otto I. gestiftete Erzbisthum Magdeburg über. Wie früher der König, fo war fortan der Erzbischof von Magdebürg Eigenthümer der Salzbrunnen im Gau Meletice. Der Erzbischof belehnte mit den Salzgütern verschiedene Lehnsleute, welche die Salzbereitung durch des Salzfieders kundige Wenden, von denen der ganze Gau 9!eletice bevölkert war, ausüben ließen. Das alte Salzdorf Halle im Thrle an der Saale, wuchs bald zur blühenden Handelsstadt heran, als welche sie sicher 1124 erscheint. In ihr hielt, wie im ganzen Erzbisthum Magdeburg, der vom Banne belehnte Burggraf von Magdeburg Gericht (wie es 1123 Markgraf Wieprecht von Groitzsch als Burggras von Magdeburg bereits that). Der Burggraf von Magdeburg, der jährlich nur drei Mal zum Gerichte kam, belehnte den erzbischöflichen Salzguts - BetriebsDirigenten mit der Gerichtsbarkeit in (Thalstadt) Halle ; dieser Vorsitzer des Gerichts der Salzstadt hieß Salzgraf", das Gericht selber Thalschöffenbank". (Als bis zum Anfange des zwölften Jahrhunderts neben der Thalstadt die Bergstadt Halle entstanden war, wurde für diese die Böraschöffenbank" eingerichtet, deren Vorsitzender später der Schultheiß war, der ebenfalls vom Burggrasen von Magdeburg die Gerichtsbarkeit als Lehen empsing.) Die Thalgüter oder Sakbornleben, welche im Zwölften Jahrhundert noch Eigenthum des Erzbi-1 schofs von Magdeburg sind, erscheinen nach der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts als Erblehne der Pfänner. Die Pfänner bildeten das Patriziat der Stadt Halle. Um sich von der Herrschaft des Erzbischofs und seiner Beamten, des Salzgrafen und der Schöffenbänke freier zu machen, errichteten die Pfänner eine neue Behörde, den Rath der Stadt, um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Das Thalamt bestand in der ältesten Zeit aus neun Schössen, zu denen seit 1475 die drei Oberbornmeister (für den wendischen, deutschen Gutahrs" und Meteritzbrunnen mit dem Haselborne) gehörten. Das Thalamt mußte mindestens wöchentlich einmal zusamnientreren, über allgemeine Thalangelegenbeiten berathen und das Gewicht der Salzstücke inspiziren. Außerdem hatte es jährlich drei Votdinge, in denen bürgerlich und peinliche Klagen abgeurtheilt wurden, abzuhalten. Seit 1482 bestand das Thalgericht aus den Salzgrafen und zwölf Schoppen, dem Bornschreiber und dem Thalvogte, und hielt wöchentlich zweimal, Freitags Nachmittag und Sonnabends Vormittag Sitzumgen auf dem Thalhause ab. Botdinge wurden nur jährlich zwei gehegt. 1722 wurde auf Befehl König Friedrich Wilhelm I. von Preußen das Thalgericht mit dem Buraaerichte vereinigt und . der Salzgraf fortan vom Könige ernannt.
die bisherigen Thalschöppen aber sielen weg. Solches Thalgericht sollte fernerhin den Namen Sr. königlichen Majestät m Preußen, zu denen Thalgerichten ver ordnete Salzgräfe und Assessors" tragen. Erfurt, 15. Juli. (Schweres Unglück.) Auf dem Friedrich-Wilhelms-Platze wurde eine circa 100 Fuß lange Bude, in welcher ein Zauberkünstler während des Turn- und Feuerwehr-Festes Vorstellungen zu geben beabsichtigte, errichtet. Als heute Morgen nach 6 Uhr beim Bau des Daches eine Stütze qerich-
tet werden sollte, stürzte dasselbe plötzlich unter lautem Krach zusammen und begrub die Arbeiter unter seinen Trümmern. Sechs derselben, lauter Familienvater, Welche schwere Verletzungen (darunter Arm- und Beinbrüche) erlitten hatten, mußten nach dem Krankenhaus transporUxt werden. Ueberden fortdauernden Handel mit schönen Ungarinnen lesen wir aus Großwardein vom 15. Juli : Gestern Nachmittag wurden im Hotel zum schwarzen Adler" S. Klein aus MarosVasarhely und ein 18jähriges Mädchen, Namens Marie Bogdan, verhaftet. Das Mädchen ist ans Karlsburg gebürtig und Wurde durch eine leichtsinnige That dem Laster in die Arme geführt. Sie kam nach Maros-Vasarhely, woselbst Klein seine Netze nach ihr auswarf. Der Menschenmakler verfolgte das arme Geschöpf so lange, bis es in Verzweiflung gerieth und sich erhängte. Die dünne Schnur riß jedoch und das .bedauernswerthe Mädchen siel ohnmächtig zu Boden. Da brachte es der Seelenverkäufer uach Großwardein, um es dort baldigst an den Mann zu bringen. Einer Einladung Kleines folgend, versammelten sich die Großwardeiner Mädchenhändler indem Hotel zum schwarzen Adler", wo nun das Mädchen vollkommen formgerecht versteigert werden sollte. Samuel Klein eröffnete die Auktion mit Kundgebung, daß er das Mädchen zu dem Preise von 190 si. ausrufen müsse, da es ihm selbst so hoch zu stehen komme. Eben begannen die Anderen zu bieten, als sich die Thüre öffnete und ein Polizei-Eommiffär eintrat, welcher Samuel Klein und das lebende Versteigerungs-Objekt verhaftete. Bei der Polizei klagte die Bogdan weinend ihr Leid und bat mit gefalteten Händen, sie aus den Klauen Klein's zu befreien. Die Stadthauptmannschaft behielt Klein in Haft und übergab ihn nach Beendigung der Voruntersuchung der Staatsanwaltschaft. Marie Bogdan hingegen wurde nach Karlsberg zu ihren Eltem abgeschoben. Aussichten für die Weinernte. Wenn die Berechnungen und Schlüsse, des Professors Fritz in Zürich richtig sind, so dürften den Landwirthen, namentlich den Weinbauern, in diesem und den nächsten Jahren wieder fette Ernteerträge" in Aussicht stehen, deren dieselben allerdings bedürfen. Der genannte Gelehrte hat nämlich durch Untersuchung und Vergleichung festgestellt, daß die Erträge des Weines (aber auch die des Getreides u. s. w.) nicht mit der Unregelmäßigkeit wechseln, wie man gewöhnlich annimmt. Dieselben seien vielmehr an ziemlich regelmäßig wiederkehrende Perioden von etwas mehr als 11 Jahren gebunden ; wodurch sie der jetzt festgestellten Sonnenslecken-Periode ganz oder jedenfalls sehr nahe gleichkommen. Hinsichtlichtlich der Quantität des Nebenertrags scheint ein innigeres Anschmiegen an den Wechsel der Sonnenflecke stattzusinden, als hinsichtlich der Qualität, obgleich die Mehrzahl der besten Weinjahre den Sonnenflecken - Minimalzeiten angehört ; da im Allgemeinen zur Zeit der Fleckenminima trockene Jahre häusiger vorkommen, als zur Zeit der Fleckenmaxima, so wird dem alten rheinischen Sprüchwort Klärer Nhein giebt guten Wein" Genüge geleistet. Die nächsten Jahre gehören eben den Sonnenflecken-Manimi an. Unvermuthete Erbschaft. Aus Olmütz wird geschrieben: Schon vor einiger Zeit tauchten dort und da Gerüchte auf, daß ein in der hiesigen Garnison stehender Offizier durch eine plötzliche Klärung von Familien-Verhält-nissen Erbe eines ungeheuren Vermögens geworden sei und auf diesem Wege zugleich den höchsten französischen Adel erreicht habe. Diese wie eine Fabel erV t ST PWL zeinenoe sescyicyle sou, oen neuesten Nachrichten zufolge, zur Wirklichkeit geworden sein. Ein hier garnisonirender Oberlieutenant, welcher bis zur Stunde für den Sohn eines Artillerie - Ofsiciers gehalten wurde, soll in der That fürstlieher Abkunft und der leibliche erstgeborene Sohn eines kürzlich in Frankreich gestorbenen Fürsten Nuspoli sein, welcher ihn in seinem Testament als seinen eigenen Sohn anerkannt und zum Universal-Er-ben seines gcsammten ca. 17 Millionen Francs betragenden Vermögens eingesetzt habe. Der Herr, dem bis jetzt über seine Abstammung nicht das Geringste bekannt gewesen war und der sich selbst für den Sohn eines in Oesterreich lebenden pensionirten Artillerie - Ofsiciers gehalten hatte, soll zwar hie und da einige Andeutungen erhalten haben, die ihm auffallend erschienen, doch kam er nie in die Lage, darüber ernstlich nachzudenken, bis der Schleier durch das vorangeführte Factum seiner Erbeinsetzung gelüstet wurde. Unter Anderem soll er, als er sich noch in der Cadettenschule befand, unvorbereitet von einer vornehmen Persönlichkeit aufgesucht worden sein, welche ihn aus das herzlichste begrüßte und ihm auf die Frage, wer sie sei, geantwortet habe, daß ein sehr nahes Verwandtschaftsverhältniß zwischen ihr und dem Cadettenschüler vorliege. Auch soll der Herr als Offizier zeitweilig ziemlich hohe Beträge von unbekannter Hand aus Frankreich zugesen-
det erhalten haben, welche Geldsendungen jedoch, so oft er es unternahm, über die Person des Absenders Erkundigung einzuholen, ausblieben, worauf sie sich später Wieder einstellten. Selbstverständlich bildet diese Affaire das Tagesgespräch in unserer Stadt, und wird dem Glücklichen, der sich in der Garnison vieler Sympax tbien erfreut, zu der unverhofften Erbschaft allseitig gratulirt. Wassernoth. AusBorberg wird unterm 20. Juli geschrieben: Hatten wir während der Wintermonate häusig über Wassernoth zu berichten, unter welcher die Bewohner von Vogelheim, Gerschede u. s. w. so viel zu leiden hatten, so droht uns jetzt eine womöglich noch schlimmere Landplage, die Wassernoth, der Mangel an Wasser. Wie uns mitgetheilt wird, sind in der wasserreichsten Gegend unserer Bürgermeisterei, in Vogelheim, infolge der langen Dürre viele Brunnen bereits vollständig versiegt, in anderen steht das Wasser nur noch einige Hand hoch. Gruben und kleine Teiche, in denen sonst Jahr aus Jahr ein Wasser steht, sind jetzt trocken, und selbst der Inhalt einer in der Nähe der Zeche Carolus Magnus durch Bodensenkung entständenen großen Mulde von bedeutender Tiefe wird in wenigen Tagen ausgetrocknet oder von den Anwohnern zum Begießen der Gartenfrüchte verbraucht sein. Die 124jähri g e Tochter des Gastwirths Fritz Phihppi in Usingen verfiel im März 1880 in eine gänzliche Starrsucht. Es wurde deshalb das Kind im Mai desselben Jahres in das Johanniter Hospital zu Niederweisel bei Butzbach gebracht. Die Kranke hatte des
Nachts einen regelmäßigen Schlaf, bei Tage lag sie regungslos da, war anscheinend gefühllos und ohne Bewußtsein. Um ihr Nahrung zuzuführen, mußte anfangs der Mund mit Gewalt geöffnet werden. Die Aerzte, welchen diese Krankheit neu war, verordneten keine Arzneien, sondern beschränkten sich darauf, die Kranke genau zu beobachten und ihr besonders eine sorgsame Pflege angedeihen zu lassen. Nach längerer Zeit bekam das Kind, das sehr abgemagert war, ein frisches Aussehen und die Pflegerin bemerkte, daß die Kranke öfters den Kopf bewegte. Aus eine an sie gerichtete Frage antwortete sie. An einem anderen Tage sprang sie aus dem Bette, allmälig erhielt sie ihre Sprache wieder, und nach einigen Tagen, etwa Neujahr 1881, war die Stacrsucht ganz verschwunden. Das Kind war bei dieser Krankheit bei völligem Bewußtsein indem es vieles erzählte, was die Aerzte, Pflegerin u. s. w. in seiner Krankheit gesprechen hatten. Das Mädchen ist jetzt frisch und gesund. Kassel, 15. Juli. Ein großartiger Betrugsfall bildet seit heute das Tagesgespräch. Der in der Bahnhofsstraße wohnende Pferdehändler und Handelsmann A. Sal. Israel hat in verschiedenen Fällen Accepte von den ersten Häufern ausgestellt und wieder auf größere angesehene Bankhäuser in größeren auswärtigen Städten gezogen und auch diskontirt erhalten, und eben .die Accepte sollen alle gefälscht sein. Eine Firma in Hannover und eine solche in Witzenhausen sollen vorzugsweise mit größeren Summen in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Israel ist seit Sonnabend flüchtig, wahrscheinlich hat er bereits die Reise über den Ocean angetreten ; den größeren Beutetheil wird er wohl mit sich führen. Sein Verhaftsbefehl ist telegraphisch nach allen Hafenplätzen :c. übermittelt worden. Christiania, 23.' Juli. Ein schwedischer Ingenieur, Sahlström, ist gegenwärtig in Bergen mit sehr interessanten Experimenten zur Darstellung theils bekannter, theils neuer Erzeugnisse von unseren verschiedenen Fischsorten beschäftigt, um diese Fabrikate in sischärmere Länder einzuführen. Er hat bereits folgende Ergebnisse seiner Arbeiten gezeigt: verschiedene Extrakte aus Dorsch und Hummer, welche, in warmem Wasser aufgelöst, den Stoff zu einer Suppe geben, die mit Gemüsen und Gewürzen schmackhaft gemacht wird, wonach sie an Stelle der aus Fleisch oder dem Liebig'schen Fleischertrakte zubereiteten Suppen treten kann. Dieser Fischertrakt wurde auch, getrocknet und eingedampft, mit einem Zusätze von Erbsenmehl als Biscuits vorgezeigt, welche ebenfalls in Wasser aufgelöst werden können und Erbsensuppe abgeben. Diese Kuchen werden besonders zur Versorgung von Truppen im Felde und für Schiffsmannschaften anwendbar sein. Fischleim wurde in drei Qualitäten vorgewiesen: erste Sorte, die anstatt Hausenblase und Gelatine zu Speisen dienen soll, zweite Sorte zur Appretur von Tapetenpapier, GlanzpaPier und feineren Baumwollzeugen; die dritte Sorte endlich wird zu Leim gebraucht. Von Fischfett oder Fischöl hat Sahlström Präparate dargestellt, welche an Eigenschaften die bisher dargestellten Sorten weit übetrcffen, sowie es ihm auch gelungen ist, aus den Eingeweiden, die früher als beinahe werthlos angesehen wurden, neue Oele herzustellen, welche eine vorzügliche Maschinenschmiere abgeben sollen. Schließlich wurde Albumin aus Fischrogen vorgewiesen. Hamburg, 17. Juli. Ein erschütternder Unglückssall trug sich gestern Morgen in dem nahen holsteinischen Dorfe Kirchsteinbeck zu. Der Grenzaufseher Vartels ging auf die Bitte seines vierjährigen Sohnes ein, einmal das Gewehr auf ihn anzulegen." Der Vater, der auf das bestimmteste versichert, das Gewehr am Abend zuvor abgeschossen zu haben, ging leider auf den Scherz ein, drückte los und sein Liebling lag todt zu seinen Füßen. Man kann sich den
namenlosen Schmerz des Vaters ausma len. Dieser giebt nur der Möglichkeit Raum, daß der kleine Knabe, der gern mit dem Gewehr gespielt habe, in den Besitz einer Patrone gekommen ist und diese in den Lauf gezwängt hat. Aas große oos. (Aus den Erzählungen dcS ehemaligen .Bäckenncistcrs, jetzigm Rentiers Tictchen in Oschatz.)
Mit'n großen Loos is mir'sch ämal eegendihmlich gegangen. Das lassen Se sich erzählen, meine Herren ! Ich gehe eenes Abends ä Stickchen auf der Echosseh schbazieren, da kommt Nachbarsch Fritze angeloofen un brillt schon von Weiten: Herr Dietchen! Herr Dietchen ! ie soiien gleich nach Hause kommen, der Collecdehr Uhmann is da Sie hamm's große Lovs gewonnen !" Schwerebrett, ich, in meiner Freede, schenk' ä Finfneigroschenstickchen un Hetze wie verrickt derheeme. Wie ich hinkomme is kee Collecdehr nich va un iberhaubt kee Wort nich wahr c.n der Geschichte. Hatte sich der eefält'ge Staar enn gemeinen Schbaß mit mir gemacht ! Na, dich krieg' ich schon ämal, denk ich bei mir, un richtig ! Ae paar Dage drauf, wie ich gerade bei Binkerten ä Stehdebbchen drmke, kommt doch mei Fritze wieder auf mich zugesterzt un ruft : Herr Dietchen, lsofen Se geschwinde nach Hause Ihre Schwiegermutter hat der Schlag gerihrt !" So," sag' ich, un kriegen den Mosjeh bei'm Schlafsittchen zu fassen, also ich soll nach Hause kommen. Scheen, mei Jingelchen ! Ich werde jetzt nach Hause gehen. Aber du kommst mit verstehste. 'S kennte wieder wie mit'n großen Loose sein!" Un' damit back'ch'n bei den Schweinsohren un nähm'n mit mir. Aber wie mer nach Hause kamen, warsch werklich so : de Schwiegermutter hatte der Schlag geihrt. Na, un da hab'ch'n ooch weiter nischt gedahn : 'S is dei Glick, Fritze, sagt'ch. Wenn's nich wahr gewesen wäre, hättst'e ä baar Geheerige hinter de Leffel gekriegt ! Aus Schafs Ettaten-Schatz. Könnt' ich doch den Ausgang sinken, o wie fühlt' ich mich beglückt!" seufzte Herr Doctor Salzhuber. Da hatte er einundzwanzig Seidel getrunken. An meinem Herzen, an meiner Brust, du meine Wonne, du meine Lust," sagte der Hofrath. Da hatte er den ersten Orden erhalten. Eine Rose nenn' ich mein," sang der Patient. Da hatte er die Gesichtsrose. Hört mich Niemand ?" sar; Donna Anna. Da überzeugte sie sich, " j im Zuschauerraum ganz leer war. .Ueb' immer Treu . . ." sagte der Clavierlehrer. Da übte die Eonservatoristin zwölf Stunden täglich. .Guter Mond, du gehst so stille," sagte der Boshafte. Da sah er einen Kahlköpsigen langsam dahinschreiten. Wagalaweia," schrie ein Bürger zu Agram. Da wackelte bei dem großen Erdbeben das Haus in seinen Grundvesten. Will mich's etwa gar hinauf zu den Sternen tragen?" sagte der Sperling. Da schwebte der Habicht mit ihm in die Luft empor. Tiefer Sinn liegt oft im kind'schen Spiel," sagte der Dichter. Da sah er mehrere ultramontane Spießbürger Schafsköpf spielen. A u g u st - A ö e u d. (Gesang der Nymphen.) Gemach verkühlte Die Gluth des Tages ; Im Westen schimmert Der letzte Purpur, Und traumhaft-7nild Leuchtet im Aether Der Mondessickel Bläuliches Silber. Jbr holden Schwestern Jbr wonnereichen, Ihr blüthenschönm, O kommt zum Weiher, Wo märchenduftend, Nom Ried umzittert Die Wasserrose Ihr schönes Haupt wiegt. Himmlische Labung Entströmt der Tiefe In leichten Nebeln, Und niedcrsteigcnd kühlen im Thau wir Leise schauernd Die blühenden Glieder. So labt des Mmschcn Verlechzte Seele Nach öden Tagwerks Drückender Dumpfheit Am Götterquell sich Fröhlichen, frischen, Freien Humors. Berechtigte Frage. .aum ist in der kleinsten Hütte Wr ein glücklich liebend Paar" -Aber wo ist Platz, ich bitte, 'Später für die öiinderschaar?
