Indiana Tribüne, Volume 4, Number 1, Indianapolis, Marion County, 13 August 1881 — Page 3
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AuZ dem Englischen. , ;,Wie weit ist es noch bis zum nächsten Gasthaus V ..Drei Meilen, mein Herr."
er ouoeamie voocie Merne, gegenüber, intai ich ihn bat, mir genau den die der vom Sturm gepeitschte Regen &ef ""ricfitia.cn Weg zu 'beschreiben, worauf ich tlgansch ug, und sah mir ängstlich prüfend Abschied von ibm nahm und ausbrach, m da Milcht. j Es i0ar ein einsamer Waldpfad. Welche Zeit haben wir jetzt ?" . Ueberall war es noch feucht von dem GeErschaute über die Schulter weg nach bitter der vergangenen Nackt, und von rückwärts zu der halboffenen Thüre bm- den Bäumen Uopfte es bin und wieder, ein, wo die kleine Lampe ihren hellen Wenn ich mir durck das Gesträuch Bahn Sehern aus eme große, alte Wanduhr buchen mußte, fiel ein ordentlicher Platzarf. regen auf mich bcrab, doch das war mir '.Neun Uhr, mein Herr." gleicbgültig. Mit einem Wort des Dankes gab ich Eben führte mich mein Weg über einen meinem Pferd die Sporen, die sich schlie- Stein, mitten in einem kleinen Bach, der ßende Thür des Zollhauses trennte mich den Pfad kreuzte, als ich dem Blick aus von Licht, Wärme und menschlicher Gesell- ein Paar großen, dunklen Augen begegschaft, und ich sah mich wieder allein in nete. Sturm, Regen und stockfinsterer Nacht.' Ein Mann mit kleiner, schottischer Doch was that's drei Meilen wären Mütze, Haar und Kleider mit blitzenden der 3!ede nicht werth. Bald sollte ich ja Zkegentropfen bedeckt, stand vor mir. ein schützendes Dach über mir haben' so Er mußte von der steilen Bergwand mit klopfte ich denn meinem Rosse liebkosend geradezu unglaublicher Geschicklichkeit herden Hals und sagte beruhigend : abgekommen sein., Bleich, dunkeläugig, Fürchte dich nicht, alter Bursche. Die das dichte, feuchte Haar aus der hohen, himmlische Artillerie wird uns nichts zu Meißen Stirn zurückgestrichen, ries er die Leide thun, und bald sollst du ein gutes kurze Scene der vergangenen Nacht wieHaferfutter und einen reinlichen, trocknen der in meinem Gedächtniß wach die Stall finden!" Gestalt mitten im Waldcsdickicht von dem Sultan nickte mit dem stolzen Kopfe, Blitz einen Moment lang bläulich weiß als ob er meine ermutigenden Worte beleuchtet. vollkommen verstanden hätte, und be- Wünsche einen guten Morgen, mein schleunigte seine Schritte. In demselben Herr," redete er mich freundlich an. Sie Augenblick zuckte ein greller Blitz über sehen mich im höchsten Grade überrascht, den Himmel und zeigte mir meine nächste an diesem abgelegenen Ort einem Fremden Umgebung in geisterhafter Klarheit zu begegnen." dichter Wald, in dem ein schmaler Pfad Ich gab ibm seinen Gruß einigermaßen sich schlängelnd hinzog eme emgesun- steif zurück Er betrachtete mich von tene Hecke zu beiden Seiten, und war Kopf zu Fuß, und sein Blick blieb an es Täuschung ? oder starrte m dem tag- meinen Kleidern rasten, die wahrscheinhellen Moment wirklich ein bleiches, ver- lich Spuren meiner nächtlichen Reise trustörtes Gesicht aus dem Dickicht hervor gen. mich an? , Ab," fuhr er in scherzendem Tone fort, ,.Hallob !" rief ich, gespannt auf einem Sie waren vermuthlich unterwegs bei anderen Ton lauschend als das Plät- hem gestrigen Unwetter?" schern des Regens und das Rauschen des War es nur Einbildung oder lauerte Larbes über mir im Sturm. Doch es wirklich der Wabnsinn in seinem Auge, regte sich nichts weiter. Zwei Mal wie- während er mich anschaute, als ob er erderholte ich den Ruf, doch stets blieb cr gründen wollte, ob ich ihn wiedererkenne unbeantwortet. oder nicht. Wir haben geträumt, Sultan," sprach Ich sab ihm fest in das Auge, während ich ermuthigend zu meinem vierbeinigen ich antwortete : ..Ja, wie auch Sie !" Gefährten. Komm, sei munter, alter (?r war sichtlich betroffen, und sein Freund, sonst bilden wir uns am Ende Blick senkte sich vor dem meinen einen noch ein, die Heren hindern uns am Bor- Moment lang brannte auf jeder seiner wärtskommen." .Wangen ein tiefrother Fleck, um diese Ich bin von Natur durchaus kein feiger gleich darauf noch bleicher werden zu lasMensch, jene drei Meilen aber erschienen sen, als sie zuvor gewesen waren, mir die längsten, die ich je durchmessen Sie irren sich, mein Herr," cntgegnete hatte, und unwillkürlich lauschte mein er mir. Ohr fortwährend nach Schritten zur Seite Ich beschloß, auf seine Ideen einigedes Weges und meine Augen suchten be- fan, um so mebr, da ich aus seiner Rockstandig bleiche, verstörte Gesichter, und tasche einen silberbeschlagencn Revolver als endlich matter Lichtschein aus dem hervorblitzen sah. Gastbaus durch die nasse Finsterniß zu , ' Es war jedenfalls keine angenehme mir herüberschimmerte, begrüßte ich diesen Situation, sich mit einem Wabnsinnigen,
rv . . I frohen Herzens. j drückt und unerquickt. Selbst den appetitlichen Schinkenbrödchen und dem guten Kaffee gelang es nicht, mich behaglicherzu stimmen. l Ich bitte um die technung. Herr Witth," sagte ich. ! Verzeihen Sie, daß ich Sie habe war-' ten lassen, mein Herr," meinte der be - häbige, gutmüthige Alte, nach einer geräumen Zeit eilig in die Gaststube zurückkehrend, meine Leute sind aber eben aus dem Dorfe gekommen, und erzählen mir von einem ganz außergewöhnlichen Ereigniß. Denken Sie, mein Herr, aus , der Irrenanstalt ist em Wahnsinniger entsprungen einer von der schlimmsten, gefährlichsten Sorte, und hält sich vermuthlich nun hier im Walde auf." Ein Wahnsinniger!" rief ich, und fühlte, wie mir alles Blut aus den Wem gen wich bei dem Gedanken an das bleiche Antlitz, das mich aus dem Dickicht hervor angestarrt hatte. Wann ist er denn entsprungen ?" fragte ich. Gegen sieben Uhr, mein Herr," antwertete der Wirth. Und ich batte jene Erscheinung kurz nach neun Uhr gesehen. Es war also keine optisch; Täuschung, nicht das Gebild einer aufgeregten Phantasie gewesen. Schweigend bezahlte ich meine Rechnung ; dann erzählte ich meinem Wirth, was ich gesehen hatte. Herr du meine Güte !" rief dieser erregt. Man ist ihm aber auf der Spur und wird ihn hoffentlich bald festnehmen." Sagen Sie, Herr Wirth, begann ich wieder, wäbrend ich die Handschuhe anzog, ist es weit bis Arch Hall?" Arch Hall? Squire Ackley's Besitzung? Durch den Wald nur zwei Agilen, auf gcradcr Landstraße freilich sechs." Ich überlegte einen Augenblick. Voll und warm fluthete die helle.A!orgensonne durch das Fenster herein ; leise bewegte der Sommerwind die Blätter, welche die blanken Scheiben streiften. Ich dachte an Sultan, c;r gestern fält schon m.chr . geleistet hatte, als seine Kräfte erlaubten. Ich hätte fast Lust zu Fuß zu gehen und mir Sultan heute Nachmittag von Ihnen nachschicken 'zu laen," meinte ich dann. . Gewiß, es ist ein köstlicher Spaziergang, mein Herr," stimmte der freundliche Mann bei, und sich lächelnd die Hände reibend, fügte er hinzu : Wobl ein alter I-reund von Ihnen, der Squire Äckley ?" Ja nein ; ich habe, ihn noch nie gesehen. Er war mit meinem Bruder sehr befreundet." Der Wirth warf einen Blick auf den
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cy icynef in zener ;uacyi vui vumyiui, qen, mitten im aioe uno auem zu oeschweren Schlaf eines völlig ermatteten finden. Ich hatte dem Tod schon wiederMenseben und erhob mich am Morgen ge- h0t unvenaat in's Auae aeschaut. Ich
I breiten Trauerflor um meinen Hut und . tttr?, '
kWk.V s?vtAi4stf Cma Vrtv 1ttm C"oYYr"l Viiuuiiv iikutt viv vv, wivu iyv; fragte er weiter. Ich denke," erwiderte ich.' - Dem gesprächigen Alten schwebten , Wohl noch ein Dutzend ähnlicher Fragen k -' i r " . ' k v-.r.ir i aus rer unge, icy einzog inia; ccnjeiwn 7 noch dazu einem bewaffneten Wahnsinni- . nn 11. ? . hatte in beftigem Fieber gelegen und den Arzt von mir flüstern hören: Es ist kein Schatten von Hoffnung mehr für ihn," doch noch niemals hatte ich eine so namenlose Angst, den Tod in so veklemmender Nähe, empfunden, wie in jenem Augenblick. Was sollte ich thun ? Wobm nich wenden? Ich beschloß, mir seme Gunst so lange wie möglich zu erhalten. tßn einsamer Ort," begann ich wieder, bemüht ruhig zu erscheinen. Sehr einsam." Ich sab, daß er mich immer scharf im Auae behieht, während wir Seite an Seite dahinschritten, und mir erstarrte das Blut vor dem Blitzen der unnatürlichen glänzenden Augen. " Sind wir weit von der geraden Landstraße ab ? fragte ich. . Ungefähr eine halbe Meile," erwiederte er. Ich hielt mich ein wenig zurück, doch mit einem schnellen Satz war er wieder dicht neben mir. . Der Weg ist schmal," meinte ich entschuldigend, und " . Ob breit oder schmal ich ziehe es vor, an ihrer Seite zu bleiben," siel er mir streng in das Wort, während er erst einen vielsagenden Blick auf den an seiner Brust steckenden Revolver und dann einen drohenden auf mich warf. .Gewiß," stammelte ich gewiß." Und was bisher nur halberZweifel geWesen, wurde mir jetzt zur festen Ueberzeugunc. Ich erkante die Gefahr meiner Lage in ihrem ganzen Umfang. Sollte ich in diesem einsamen Gehölz crmordet werden, ohne eine rettende Hand in der Nähe, ohne daß seine letzten Seufzer ein menchlichcs Ohr trafen? Wer kennic wissen, wie oder wann die entsetzliche Krankheit meines Begleiters in offens Toben ausbrcchen würde? Der Ausdruck seiner Züge verrieth mir nichts Gutes, als ich von der Seite nach ihm binfchielte ; doch wagte ich keine weitere Frage. Der kalte Schweiß trat mir auf die Stirn ; das Blut erstarrte mir 'in den Adern ; bei jedem Schritte war es mir. als ob meine Füße mich nicht mehr xiagjn ! könnten. Ich blieb ein Moment stehen, vorgcblich, um das Band an meinem Schuh fester zu binden, in Wahrheit aber um einen Augenblick auszuruhen. Als ich mich wieder aufrichtete, sah ich mich allein in dem grünen, wechselnden Lichte der schattigen Waldeslichtung. Mem Begleiter war verschwunden ! Ich schaute mich ringsum halb in der Erwartung, in den moosbewachsenen Boden eine Ritze zu sinden, durch die er entschlüpft war, oder einen Felsen, hinter dem er sich versteckt hatte ; doch nirgends eine solche Naturerscheiung.
Ich stand auf einer Art Tafelland auf halber Höhe des steilen Hügels und weiße Birken winkten mir mit ihren silbernen
Aimcn und grünen Blattcrttoncn freundlich zu. Als ich mich genauer umsah, entdeckte ich die Spur eines selten benutzten nur wenig betretenen Fußpfades, der sich von dem, auf welchem ich. stand, abzweige te und in das Dickicht hineinführte. Mein Herz jauchzte in dem beseligenden Gefühl des Freiseins, das jeden Puls in mit durchdrang. Der warme Sonnen-' schein auf dem grünen Moos kam rnirj heller und glänzender vor, die Blumen zu . meinen Füßen lieblicher, der Gesang der Vögel drang mit neuem Klang an mein Ohr. Frei, frei endlich frei ! Und mit j beschleunigten Schritt eilte ich Arch Hall zu, das Gefühl in mir tragend, als winkte mir ein fester Zufluchtsort. Endlich waren die hohen Schornsteine in Sicht. Ich begrüßte das alte, ehr-. würdige Gebäude mit Wonne, sprang über den niedrigen Zaun, welcher die Anlagen von der Lichtung trennte, und schritt frohen Muthes dem Hause zu. i Ich zoq an der Glocke. Ein Diener in einfach schwarzem Anzug öffnete mir die Thüre. Ist Herr Ackley zu Hause ?" fragte ich. . Ja, der gnädige Herr ist zu Hause, ! lautete die Antwort. Ich gab dem Mann meine Karte und ließ mich in dem kleinen Empfangszimmer , zur Rechten der Borhalle nieder, um aus-. zuruhen. Nach einer kleinen Weile kehrte er zurück. I Der gnädige Herr ist im Bibliothekzimmer; wollen der Herr die Güte bähen nährer zu treten ?" I Ich folgte den Voranschreitendcn durch die weite, eichengetäfelte Borhalle nach einem eleganten Zimmer, in dem ein Herr am Tische stand. ! Herr Earnscliffe, ich bin crfreut, Sie in Arch Hall begrüßen zu können, sowohl " . Er brach plötzlich ab und starrte mich verblüfft an. .Wie! Der Wahnsinnige!" rief er. Der Irrsinnige ! rief nun auch ich, denn kein Anderer als mein Begleiter im Walde stand vor mir, den Zkevolver noch immer in der Tasche. Nein, ich bin kein. Wahnsinniger; ich bin Cbarles Earnscliffe," fuhr ich nach kurzer Pause fortwährend eine Ahnung r . ... r ... m von unicrem gegenteiligen verrennen in mir aufdämmerte. ;ax uir, sn;T;VA ll VlilV iU VII WUlf VVV JiV auch nicht verrückter ist als stets !" rief , dieser, meine Hand mit herzlichem Druck ergreifend. In diesem Moment kamen zwei Diener in das Zimmer gestürzt mit den Worten : Gnädiger Herr, gnädiger Herr, Sie haben den armen Verrückten " Jetzt bat man ibn wieder fest hinter Schloß und Riegel!" Ackley und ich starrten die Diener und . dann uns gegenseitig einen Moment lang .. r. r. ..... t. v . r jr. sY...v I an, oann oracyen nnr oeice in icyauenoes Gelächter aus. Reichen Sie mir nochmals die Hand, Earnscliffe," sprach mein Wirth launig. Unsere Bekanntschaft hat sonderbar begönnen, soll aber nichtsdestoweniger zu treuer Freundschaft reifen." Und er hatte Recht. Philipp Ackley wurde mein Freund und blieb es bis zum Tage seines Todes. Verurtheilung eines jugendlichen Mörders. Aus Paris wird unterm 16. Juli geschrieben: Wir berichteten seiner Zeit über die Missethat eines jugendlichen Taugenichts, Felix Lemaitre, welcher am 25. Februar ' einen aus der Schule heimkehrenden sechsjährigen Knaben, Jules Schoenen, von der Straße weg in seine Wirthshaüskammer lockte, ihm den Bauch ausschlitzte, dann noch die Gurgel abschnitt und nach vollendetem Verbrechen sich selbst der Polizei stellte. Man batte seitdem, durch das Gebahren des jungen Gefangenen irre geführt, versucht, aus Lemaitre einen interessanten Geisteskranken zu machen, der in einem Anfall blutdürstigen Wahnsinns einen Unschuldigen gemordet hatte, allein die Untersuchung sowohl als die gestrige Berhandlung vor dem Pariser Schwurgerichte ergab, daß der fünfzehnjährige Verbrecher nur ein verdorbenes Subjeckt ist, das sich, als das Gefängniß ihm für einen Diebstahl in Aussicht stand, darauf verlegte, durch eine schauerliche Komödie Berühmtheit zu erwerben, wie andere frühreife Ungeheuer vor ihm. Felir Lemaitre ist der natürliche Sohn einer Arbeiterin, die treu für seine Erziehung gesorgt hatte. In der Schule zeichnete er sich durch aufgeweckten Ge st und leichte Fassungskraft, aber auch durch Hocbmutb und Verschlagenheit aus und Niemand schloß sich ihm ; an. Als cr vor zwei Jahren die Pension verließ, gab seine Mutter ihn nacheinander verschiedenen Meistern in die Lehre, allein er konnte nirgends lange bleiben.wcil er nicht arbeiten mochte und kleine Diebstähle beging. Im Februar schickte sein damaliger Brodherr, der Kistenmackx'r Sirot, ibn zu einem Kunden, um '200 ftr. trinziizuhcn. Lemaitre ließ sich die Summe einhändigen, erschien aber nicht bei seinem Meister, sondern kaufte sich bessere Kleider, miethete ein Zimmer und ging neun Tage lang des Tags spazieren und des Abends in's Theater, nährte sich gut und las schlechte 9tomane. Am 25. gab er seine letzten 45 Sous für ein Frühstück aus und jetzt, erzählte cr, stieg das Bedürfniß in ihm auf. Jemand zu tödten. ' Eine unwiederstehliche Gewallt trieb ' ihn ; vor seinen Augen wogte es blutroth .auf und ab. Cr hatte schon vor einigen Tagen ein Messer gekauft und legte es in einem Schubkasten seiner Kammer zurecht.
Dann stieg er auf den äußeren Boulevard hinab und zeigte zwei kleinen Knaben eine stählerne Kette mit Medaillon, um sie in seine Wohnung zu locken. Die Kinder weigerten sich, ihm zu folgen, und erst der dritte der Schüler, den er . anredete, das einzige Kind eines elsässischen
Tagelöhner, gmg mit ihm. Lemaitre vollzog dann den Mord in der angedeutetcn Weise, wusch sich rubia die ri Hände an cmem Brunnen und ging noch ein paar Stunden spazicrer, ehe cr dem Polizeikommissär sein Geständniß ablegte. In der Untersuchungshaft simulirte er Nachtwandelei und epileptische Anfälle, erkundigte sich auch angelegentlich darnach, ob die Zeitungen sich mit ihm beschäftigen und ob seine Phothographie großen Absatz fände. Die Aerzte die ihn beobachteten, und unter denen sich der bekannte Spezialist Legrand du Saulle befindet, konnten an ibm keine Symptome von Wahnsinn bemerken, und der Letztere entgegnete dem Vertheidiger, der sich darauf berief, daß der Großvater des Angeklagten geisteskrank gestorben sei? Lemaitre erscheine ihm weder als Wahnsinnig noch sonst krank, sondern als ein grausamer Verbrecher. Die Haltung des jungen Scheusals vor dcn Geschworenen war eine studirt theatraliche. Er warf sich in die Brust, verzog kerne Miene und rühmte sich, daß es nie Jemand gelungen sei, auf seinen Zügen zu lesen ; er habe daher auch vor der verstümmelten Leiche seines Opfers die undringkichste Nuhe bewahrt. Die Geschworenen erkannten Lemaitre für zurechnungsfähig und schuldig ohne milderne Marimum der Strafe, welches auf einen Verbrecher, der das 16. Altersjahr noch nicht erreicht hat, angewendet werden kann : auf 20 jährige Zwangsarbeit und 10 jährige polizeiliche Aufsicht. Der Mörder dankte dem Gerichtshof lächelnd und verrieth nicht die geringste Bewegung, als die Wächter ihn abführten : er hatte, sagte cr, wohl gewußt, daß das Gesetz seine Verurtheilung zum Tode nicht gestatte. Allerlei '"Der österreichische Er-Eonsul Vechtolsheim wurde an einem der letzten Tage in St. Louis im Correctionsgerichte dem öiichter Cady vorgeführt, um auf 6 Ank'agen, die auf Unterschlagung lauten, sich zu verantwortend Der Anzeiger des Westens" berichtet darüber : ..Es machte einen eigenthümlichen Eindruck, den stattlichcn Mann in der Gesellschaft von weißen und schwarzen Gesetzesübertretern in dem kleinen, käsigartigen Gemach zusehen, in welchem die vorgeladenen Gefangenen bis zur Entscheidung des Richters warten müssen. Als der Fall: Der Staat Missouri gegen F. B. Bechtolsheim" aufgerufen wurde, nahm der Angeklagte seinen Sitz neben seinem Vertheidiger, Charles P. Johnson, ein. Er war einfach, jedoch sauber gekleidet und gab sich offenbar große Mühe, die äußere Ruhe zu bewahren; es bedürfte jedoch keines besonders scharfen Auges, um zu erkennen, daß er sich sehr beklommen fühlte. Sein Blick hatte etwas Unstütes, und dieses war jedenfalls ein Beweis, daß der Baron nicht zu den routinirten Hochstaplern gehört, welche sich auf Gerichtsszenen sorgfältig vorbereitet haben. Der erste Zeuge, welcher aufgerufen wurde, ein Böhme, konnte weder deutsch noch englisch sprechen, und während ein Landsmann desselben nack einem Dolmetschcr suchte, wurden andere Fälle verhandelt. Bechtolsheim nahm unterdessen am Eingange zum Bureau des Gerichtsschreibers Platz und schien mit Aufmerksamkeit den Verhandlungen zu folgen. Er blieb übrigens ganz unbeachtet Weitaus die Meisten der Anwesenden im Gericht waren als Zeugen in irgend einem Fall vorgeladen worden und bekümmerten sich nicht um ihn. Nachher verzichtete Bechtolsheim auf eine Untersuchung und er wurde für jede anhangig gemachte Anklage unter $500 Bürgschaft gestellt, um den nächsten Termin der Grand-Jurv im October abzuwarten. Charles P.Johnson, der Anwalt Bechtolsheim's, ist der Ansicht, daß . die. Anklagen sich aus Vertrauensbruch reduziren werden, der nach unseren Gesetzen nicht strafbar ist.7 Da Bechtolsheim die Bürgschaft im Gesammtbetrage von $3500 nicht stellen konnte, so wurde er ms Gefängniß zu rückgebracht. Lew Hauk. Diesen elenden Morder bat endlich sem Schicksal erreicht. Er ist in Teras von einem Beamten, der ihn verhaften wollte und dem er Widerstand leistete, crschoen worden. Hauk, seines Geschäftes ein professioneller Spieler und Taugenichts, wohnte früher in Eolumbus, entfloh aber von hier, um den Armen der Gerechtigkeit zu entgehen. Am Abend des 21. Januar 1872 bestieg Hau! mit einem Spießgesellen, Namens Houghton, den von Toledo nach Eolumbus fahrenden Zug. Im Rauchkarren fanden die Beiden den Teutschen Paul Lohmänn vor, der. für ein Geschäft -in Toledo reiste. Auf ihren Vorschlag ließ sich Lohmann mit ihnen in ein Kartenhnd ein. Als sich der Zug gegen 10 Uhr Delaware näherte, gerieth Hauk mit Lohmann in Streit, Lohmann beschuldigte Hauk, ihn um 65 beschwindelt zu haben. Ohne viel weitere Worte zog Hauk seinen Revolver und feuerte zwei Schüsse auf Lohmann ; eine Kugel durchbohrte Lohmann's Kopf und er starb noch in derselben Nacht in Eolumbus. Der Bremser war Zeuge der That, konnte dieselbe aber nicht verhüten. Hauk und Houghton sprangen vom Zuge, noch ehe derselbe die Station erreichte, und retteten sich in der Dunkelheit. Houghton wurde nachher gefangen und hat einen Termin von zwei Jahren im Zuchthause abge-
dient. Der Mörder Hauk wußte bisher allen Nachforschungen zu entgehen. Vestätigt sich die obige Nachricht, dann bat ihn schließlich die Vergeltung erreicht.
Nach Einer Lesart sind die Raubmörder und Brüder Edward und Alonzo Williams, die man in den Wäldern West-Wisconsins vergebens zu fangen suchte, keine Schüler der James, sondern haben sich von selbst zu ihrem Handwerke herangebildet und heißen von Haufe aus Louis und Edward Maxwell. Nach derselben Lesart verhält es sich mit ihrer Vergangenheit so: Ihre Eltern ließen sich ums Jahr 1861, als die Beiden noch im zartesten Kindesalter standen, in dem Eounty Fulton in Illinois nieder, und zwar auf einer Pachtfarm. Im Jahre 874 zog die Familie nach Washburn in Woodford County, dann nach Lerington in ÄccLean Eounty, dann nach Eolchester in McDonough Eounty in Jllinois. Schon in Washburn begann Edward seine Llfbahn als Verbrecher, und zwar mit einem kleinen Diebstahl. Bald darauf beging er, der damals Tagelöhner bei einem Bauern war, seinen ersten Einbruch, indem er in Colchester in einem Kleiderladen einen KleiderAnzug für $70 auswühlte, einpacken f r. c f . i l t . 'r neu uno iyn Ipaier oura) eme von iym erbrochene Fensterscheibe abholte. Der Verhaftung entzog er sich durch die Flucht auf einem gestohlenen Pferde. Man machte Jagd auf ihn, aber er entging den Jägern, ohne die Gegend zu verlassen, und beraubte bald darauf mit seinem jüngeren Bruder Fouis und einem Dritten 10 Farmhäuser m dem benachbarten Town La Harpe. Diese Räube- . . wm. SV reien wurden offen Mittels Veoroyung der Bauern mit Messer und Revolver ausgeführt. Drei Wochen später wurden die Brüder zwar eingesteckt, aber Edward brach aus. Er wurde jedoch eingefangen und erhielt 6 Jahre Zuchthaus, sein Bruder Louis 3 Jahre. Louis bielt sich, nachdem er seine Strafe abgesessen. brav, aber als sein Bruder Edward legten Herbst wieder frei kam, ward von Beiden von Neuem geraubt und gestohlen, mittelst Einbruchs, auf offener Straße, oder wie's sonst ging, und Raubzüge auf Wisconsiner Gebiet wurden häusig mit Glück ausgeführt. Dann arbeitete Louis in Hersey, Knapp und Menomonee in WestWisconsin anscheinend redlich ; aber wo m der Gegend em3laub geschah, da wußte man nur zu gut, daß Louis dabei gewesen. Machte er doch häusig langeAusflüge,Niemand wußte wohin. Er heirathete die Stieftochter eines Farmers, Namens Thompson, in Hersey und benutzte seine Besuche bei den Farmern zur Auskundschaftung von Gelegenheiten für ergiebige Raubzüge. Seine Frau liebte cr aufrichtig, und der Wunsch, ein ehrlicher Kerl zu werden, schien ihn nie ganz verlassen zu baben. Aber das binderte ihn und seinen Bruder Edward nicht, unter den fest zugeknöpften Röcken stets ein Arsenal guter Messer und Revolver zu tragen. Ob sie davon schon vor der Ermordung der Brüder und Sheriffs Eoleman in Durand mörderischen Gebrauch machten, wissen wir nicht. Folgende, durch die Gefühllosigkeit eines Mannes herbeigeführte ergreisende Szene spielte sich an einem der letzten Morgen nach der Schilderung des Anz. d. W." am Union Depot in St. Louis ab. Zur genannten Zeit langte eine deutsche Frau mit ihren sechs Kindern unter der Obhut eines Mannes im Union Depot an. Sie kam von Seligman in Barry Eounty, Missouri, 350 Meilen von St. Louis. Die Frau war zum Sterben krank; sie litt an Lungenschwmdsucht. Dem dienstthuenden Polizisten im genannten Bahnhöfe, Tom Burke, kam die Sache verdächtig vor und er stellte eine Untersuchung an. Dieselbe ergab Folgendes: Frau Wirz, so hieß oie Kranke, hatte vor sechs Wochen ihren Mann verloren. Derselbe betrieb ein kleines Bäckergeschäft. Die Familie konnte nichts erübrigen und gerieth, als ihr Ernährer gestorben, in bittere Noth, um so mehr als die Mutter selbst krank war und keines der Kinder etwas verdienen konnte. Das älteste Kind, ein Mädchen, ist erst 11 Jahre, und das jüngste 18 Monate alt. Das'Häuschen, welches die Familie bewohnte, gehörte dem Musiklehrer John Boning. Als Wirz starb, mußten die Nachbarn ihn beerdigen lassen, und um weiterer Sorgen für die Familie enthoben zu sein, sammelte Boning genügend Geld, um die Frau mit ihren Kindern nach St. Louis zu bringen, sie einem Hospital zu übergeben und die Kinder der Stadt St. Louis aufzuhalsen. Boning selbst reiste mit und langte mit der Familie in St. Louis an. Als Polizist Burke so viel in Ersahrung gebracht hatte, verhaftete cr Boning und brachte ihn in das Hauptquartier der Polizei. Boning legte sich dort auf's Bitten und gab an, nicht gewußt zu haben, daß er gegen die Staatsgesetze handle. Er versprach, die Familie auf seine eigenen Kosten wieder zurückzubringen, und kaufte die erforderlichen Fahrbillets. Der Zug fuhr erst um 8 Uhr Abends ab. Mittlerweile lag die kranke Frau auf einer Bank des Da-mcn-Wartesaales, einige Kissen unter ihrem Kopfe. Gegen Nachmittags 4 Uhr bekam sie einen starken Anfall ihres Leidens, daß jtden Augenblick der Tod erwartet wurde. Das älteste Kind stand ! weinend neben der Mutter und fächelte ihr Lust zu. Zu den Füßen saß ein anderes Kind, ein Knabe von 9 Jahren. Diese beiden Kinderschienen das Schmerz liche ihrer Lage zu fühlen, während die ' anderen vier Kinder ermüdet auf einer anderen Bank ausruhten uud verwundert die fremden Leute anschauten. Ein herbeigeru ener Arzt konnte nichts für die Kranke thun. Einige mitleidige Frauen nahmen sich der armen Mutter an und
wachten übe? sie. 'Allgemein wurde dic Handlungsweise Bonings verdammt und als Grund derselben angegeben, cr habe die Frau fortschaffen wollen, um für seine Wohnung zahlende Miether zu sinden. Der behandelnde Arzt in Seligman
vatte erklart, tic frrau werde unter allen Umständen nur noch wenige Tage leben ; es war somit eine unerhörte Grausamkeit, die Sterbenskranke eine 350 Meilen lange Fahrt machen zu lassen und sechs kleine Kinder mitzubringen, für die u sorgen die Stadt St. Louis unter keinen Umständen verpflichtet ist. Am Abend erholte sich die Frau rm wenig. Vor Kurzem entführte Jacob Ropp, ein bübscher Jüngling von 22 Jahren, die 15jährige, für ibr Alter sehr entwickelte Anna Ryder, die Tocbter eines Kostwirthes in Pine City in Minnesota. Die Verliebten besprachen sich auf einem Spaziergang über die Hinderniffe, die sich ihrer Liebe cntgegengestellten, und Ropp meinte : eine Entführung sei das einzige Mittel zum Zweck. ' Sie stimmte bei, aber da er nur 4 Eents in wTasöe hatte, wollte sie den Plan auf benere Gelegenheit verschieben. Plötzlich gewahrte Ropp am Bahnhof einige leere Box Cars" die einem Zuge angehängt waren. Dunkel war's und Beide sprangen hinein, denn Ropp versicherte seine Liebste, die Hauptsache sei nur die, rasch fortzukommen ; Geld könne cr überall zum Leben verdienen. Auf einer der nächsten Stationen kaufte er für drei Eents Crackers" und erreichte spät Abends zu Fuß die Stadt Anoka. Dort fand Ropp Arbeit in eine Ziegelei uud richtete einen kleinen Haushalt ein. Nach langer Suche wurde der Aufenthalt des Paares eutdeckt und die Mutter des Mädchens ließ Ropp zuerst unter der Anklage der Verfübrung verhaften, ließ sich aber später crweichen gab ihren Segen und nahm das junge Paar mit sich nach Pine Eity zurück. $a Aeußere Sitting Vull's wird von Solchen, die ihn in den lehten Tagen sabcn, so beschrieben: Er ist von mittlerer Größe und kräftig gebaut. Seine dünnen Lippen und ein paar 3'unzeln im Gesicht lassen ihn viel älter als fünfzig Jahre erscheinen, obschon dics sein richtiges Alter . ist. Aus seinem Gesichte spricht Verstand, Thatkraft und Trauer. Sein Anzug besteht in, aus der üblichen blauen Decke verfertigten halbcivilisirten Beinkleidern, an welchen sich, wo die Taschen sein sollten, weite Oeffnungcn befinden, aus denen wenn cr sich bewegt, seine gebräunte Haut hervorsieht. Darüber t rügt er ein recht gut gemachtes und auch gebügeltes Hemd, dessen Weiße Farbe aber verschwunden ist. An den Schultern des Hemdes besindcn sich dre lange mit Kriegsfarbe gemalte Streifen ; der Nacken, das Gesicht nnd der Haarscheite! sind ebenfalls mit dieser Farbe beschmiert. Sein kohlschwarzes langes Haar hängt in drei Zöpfen, einer an jeder Seite und der dritte vom Scheitel bis auf die Schultern hinab. In die ?iwei seitlichen Zöpfe sind rothe Flannellstreifen geflochten. Sein ganzer Schmuck besteht aus zwei Massivringcn, die er an den kleinen Fingern trägt, und einem billigen Armband aus Kautschuk. Seine Moccasins sind von der gewöhnlichsten Art ; von den Glasperlen, mit welchem sie geschmückt gewesen sein mögen, sind nur wenige übrig. ' Von allen gefangenen Siouxhäuptlingen ist Sitting Bull am einfachsten und schmucklosesten gekleidet. Ein sonst im Hafen von Baltimore seltener Gast, ein großer Hisisch, ist dieser Tage daselbst gefang - orden Der Baltimorer Eorresponde::. berichtet darüber : Im Trockendock de. Herren Malster & Reaney auf Locust Point wurde am Samstag, den 30. Juli, früh Morgens ein 7 Fuß 6 Zoll langer Haisisch gefangen. Wir theilten bereits zu wiederholten Malen mit, daß sich hier und da derartige Fische diesen Sommer in unserem Hafen gezeigt hätten, doch wollte Niemand recht daran glauben. Der Dampfer McClellan" war auf das Trockendock geschasst worden und man war eben mit dem Auspumpen des Missers beschäftigt, als man auf einmal eine starke Bewegung wahrnahm und wenige Sekunden darauf einen großen Haisisch entdeckte, wekchec bei dem Versuch, die Freiheit wieder zu gewinnen, das Wasser gewaltig peitschte. Nachdem man das ganze Wasser ausgepumpt hatte, lag das Ungethüm auf dem Boden, peitschte mit dem Schwänze Yic Planken des Fußbodens und schnappte in höchst ungemüthlicher Weise nach allen Seiten, wobei man hinreichende Gelegenheit fand, die Kraft feiner Kinnbacken zu beobachten. Nach und nach ließ jedoch die Wuth des unersättlichen Ungcbeuers nach, da ihm das HauptelemcntWasser, fehlte. Gleichwohl hielt er es noch volle dreiviertel Stunde aus, ehe er krcpirte. Man holte den Fisch schließlich heraus und hatte ihn gestern auf einer leeren Baustelle am Fuße der Haubcrt Straße auf Locust-Point nahe der Landung der Broadway- und Locust - Point - FährEompagnie" ausgestellt! Tausende von Neugierigen besuchten den Platz, um sich diesen ungcwohnteu und so sehr gefurchteten Gast einmal in nächster Nähe anzusehen, zumal sich hier die Gelegenheit gewiß nicht oft bietet.. Uebriaens erfuhren wir gestern aus zuverlässiger Quelle, daß zur Zeit wenigstens noch zwei solcher Ungethüme im Hafen sem sollen, weshalb Wir namentlich Badenden etwas Vorsicht anrathen. Dabei versichert uns unser Gewährsmann, ein alter Seemann, daß die Haisische am Liebsten das Blut von Knaben und jungen Burschen schlürfen, welche dem Verbote ihrer. Eltern zuwider sich zu baden pflegen.
