Indiana Tribüne, Volume 4, Number 1, Indianapolis, Marion County, 13 August 1881 — Page 2

(Triginal-Eorrespcndenz.) Ucw Yorker priese.

Wenn dem waghalsigen Gründertbum zur fröhlichen Entwickelung des Gcchafsenen die. Gunst des PublicumZ nicht ?u Theil wird, ist es eine, mißliche Sache und dankbar sollte der Gründer sein, wenn ihm die Elemente,' sei es Feuer oder Waffer, zu Hülfe kommen, um durä) Zerstörunz dessen, was sich als nicht nutzbringend erweist. Wohlthat zu bringen. Im "legten Jahre erst hatte sich eine Geftllschatt aus New AorZer und Brooklyner Capitalisten bestehend unter den letzteren ist besonders der Er - Mayor Schröder ;u nennen gebildet, um der Zahl der nach Concy Island führenden Eisenbahnen noch eine hinzuzufügen. Dieselbe sollte von einem Zipfel der Insel, dem sogenannten Locust Grove aus, bis zum Boulevard führen und mit der Stadt New Aork per Dampfboote in Vcrbindunz stehen.' Die Nothwendigkeit einer solchen Bahn war keineswegs einleuchtend, aber wenn Actionäre sich einmal es in den Kopf gesetzt haben, eine Bahn zu bauen, so w rden sie auch Wohl ihre triftigen G.ünde dazu haben, gleichviel, was das nase!r'iss Publicum dazu sagt. Das gane Unternebmen trat schon mit Schwierigkeiten in's Lebenslangvoierige, kostspielige Prozeffe und allerhand Ungemach begleiteten die Gründung vom ersten Schritt an, was auch die Ursache war, daß das Unternehmen für die Saison von 1880 zu spät fertig wurde. Der g mze Bau. ein auf Holzstämmcn über die Marschen führender Schienenweg wurde mit Begin.l dieses Frühjahrs mit aller nur denkbaren Reclame dem Publikum zur Benutzung anempfohlen ; aber alles wollte nicht ziehen, das Publikum fühlte sich zu diesem Transportwege nicht hingezogen, die paar Waggons fuhren meistens leer hin und her, das mit der verunglückten Bahnspeculation verbundene Hotelunternehmen ging gleichfalls in die Brüche, so datz die ganze Gründung einen kläglichen Anblick darbot. Vor etwa einer Woche mußte der Betrieb gänzlick eingestellt und das Hotel geschloffen werden. Was war zu thun? Vor einigen Nächten ist denn das Schicksal vermittelnd aufgetreten und hatten enttäuschten Actionären der Gründung in Gestalt einer wohlthätig eingreifenden Feuersbrunst den Weg gewiesen, auf welchem sie wenigstens noch mit heiler Haut aus der Verlegenheit eines schmählichen Bankerotts davonkamen. Wenige Tage, nachdem die ganze Gründung so gut wie werthlos geworden war, war es ein Glücks fall, daß Hotel und Bahnhof abbrannten und die hohen Versicherungssummen vielleicht mehr als den vollen Werth einbringen, d. h. wenn die Versicherungsgesellschaften so ohne Weiteres auf das Geschäft eingehen. Augenzeugen behaupten nämlich, in jener Nacht einen geheimnißvollen Mann bemerkt zu haben, der sich fast unmittelbar nach Ausbruch der Flammen eilends davonmachte, ein Zwischenfall, der stark genug ist, um einen großen Verdacht aufkommen zu lassen, daß nicht Alles mit rechten Dingen zugegangen sein muß. Mit dem niedergebrannten Hotel und Bahnhof ist eine der vielen faulen Gründungen auf Eoney Island verschwunden und wenig . Bedaucrn dürfte darüber laut werden, da das Zerstörte zu den ungesunden Errungenschaften gehörte, die nur zum Wohle von Gründern, keineswegs aber zum erklärten Nutzen des Publikums in's Leben zu treten pflegen. Ueberbaupt hat die höhere und niedere Speculation auf Eoney Island die ohnehin wenig anziehende Sandbüchse noch unleidlicher 'gemacht ; die etwaigen Naturschönheiten, welche allenfalls ein Fernblick auf den Ocean darbietet, find durch allerhand industrielle Krimskrams ganz erdrückt, der ganze lange Meeresstrand ähnelt einem lästigen Jahrmarktstreiben, wobei das blaue Meer nur als Nebensache betrachtet wird. Im chinesischen Viertel New Iork's ging es kürzlich hoch und lustig her es wurde ein Ehinese natürlich hatte derselbe sich alsWaschmann den Melikanern" nützlich gemacht von seinen Landsleuten in einer Weise bestattet, daß es eigcntlich mehr einen riesigen Spektakel als eine cercmoniöse Handlung darbot. Also Eon Sucto, Besitzer mehrerer Waschstuben in der Stadt, war, wie jeder andere Sterblichc, zu seinen Vätern versammelt worden. Statt die Leiche nach dem Lande der Väter des eliqen Waschmannes abzu schieben, wurde sie dem amerikanischen Boden anvertraut und zwar unter Beobachtunz aller Gebräuche, wie es für die Verehrer des Buddha nch geziemt, uito. der Waschmann, scheint innerhalb der ehi m nemwcn Kolonie yten? vjoxi s tn einem aroßerem Ansehen gestanden zu haben. denn die Ceremonien waren in ihrer Art i nposant, wenn auch der unvermeidliche Janhagel der offenen Straße das Ganze als einen originellen Jux zu betrachten schien. Auf dem sogenannten Boulevard chiam, der klassischen Mott Straße, in der Strecke von Chatham Squarc bis nach der Canal Straße, ist. ein baufälligcs, windschiefes, zweistöckiges Haus, mit offenstehenden Thüren, theilweise zertrüminerten Fenstern, von innen und ernten v)n Schmutz und Spinnengcwcbcn star rend, denen Näumc zu emer ulxt von .Logcnzimmern benutzt werden. Zu jeder S:unde dcS Tages kann derVorübergehende vor der Thüre hockende, stupid vor sich bin glotzende Chincsengestaltcn bemerken. In dieses , verwahrloste Sanctum wurde Suito's Leiche gebracht, dort in ein Leintuch gehüllt, auf einen Tisch gelegt, wo?auf Alles, was auf einen Chinesenzopf Anspruch machen kann, sich in den engen öläumen zusammenfand, um Klagelieder zu gurgeln und Sterbegebete abzuleiern. Morgens darauf ward der Leichnam in

einer, rohen Holzkastcn gelegt und auf die Straße auf den Seitenweg getragen, um sämmtlichen Chinesen' noch einmal unter freiem Himmel einen Blick auf den Todten zu gewähren ; damit der Wind das Leichentuch nicht entführte, waren Steine auf den Kasten gelegt ; abermals wurde ein schauerlicher Klagegesang angestimmt, wobei sich die Leidtragenden durch allerhand bereitstebende Speisen, namentlich Wurst, Schwartemagen, Schweinefleisch, Reis, gesalzene Fische und dergl. zu neuen Ausbrüchen der Trauer stärkten. Die acht Bahrtuchträger, in langen, weißen Talaren mit Kapuzen, hoben nach längcrem wüsten Lärm den Holzkasten auf den Leichenwagen und die Prozession setzte sich in Bewegung, an der Spitze ein 20sitziger Om-

rnbus, m welchem chinesische Musikanten mit Fiedeln, Cymbeln, Becken- . und Querpfeifen einen möglichst infernalischen Lärm machten, um auf dem Wege zum Fricdhofe alle bösen Geister von dem Holzkasten mit dem Todten weg;usck)cuchen. Eine Viertelmeile im Umkreise waren alle Straßen und Zugänge dermaßen mit Volk verbarrikadirt, wie es noch nie in der Mottstr. vorgekommen v. Der Curiosität wegen sei nocb erwähnt, daß fast gerade gegenüber dem Scbauplatz, wo sich die'es chinesische Spectakel abspielte, sich eine katholische Kirche befindet. Fürwahr, die Extreme berübren sich. Da übrigens das fo eben beschriebene Begrübniß das erste war, welches in der chinesischen Colonie New florks vorgekommen, ist dasselbe einer Erwähnung werth. Zur Ehre des gaffendeu Publikums sei noch erwähnt, daß dasselbe sich, ohne daß die anwesende Pslizei nöthig gewesen wäre, recht anständig betragen hat, was gewiß nicht passirt wäre, wenn der Schauplatz Berlin gewesen, wo der Pöb:l dergleichen Vorkommnisse von Originalität als willkommene Gelegenbeit zu Unfläthigkeiten zu benutzen pflegt. Zu den kosmopolitischen Eigenthümlichkeiten New Iorks gehört auch das Entstehen eines italienischen Theaters. In 42. Straße nahe Lexington Avenue bat die sogenannte Tk'mmaso SalviniVbilodramatische Gesellschaft, welche seit etwa 5 Monaten besteht, einen Musentempel etablirt. Außer der italienischen Sprache berrscht auch eine bunte italienische Wirthschaft, welche nur ein Italiener goutirt, der an Vkaccaroni und Parmasankäse Gefallen findet. Es wird gesungen, musizirt, mittelmäßige Comödie gespielt und zum Ueb rfluß noch das unvermeidlich gewordene Cornetgeblase kurz ein tutti frutti dramatisch - musikalischer Genüffe und das Alles zur Zeit des Hochsommers, wenn die Musen der anderen Nationen Siesta halten, und das Quecksilber sich rn der Nähe der 90 fröhlich umhertummelt. . . Jft cr's oder ist cr'S nicht? Ueber die Identität des dieser Tage in der Stadt New Iork aufgetauchten Leo Hartmann mit dem von der ruffischen Polizei bisher ebenso eung wte erfolglos ge suchten Nihitisten-Häuptling und HauptAttentäter Hartmann, der mittelst einer Mine den Eisenbahnzug des Czaren bei Moskau in die Luft sprengte, liegt sich die Tagespreffe noch immer in den Haaren. Während ein Theil derselben ihn für einen Schwindler halt, steht em anderer für seine Aechtheit" ein. Zu letzteren Blättern zählt auch die New Iorker Volkszeitung", die von Anfang an für seine Identität mit dem gefürchteten russischen Revolutionär eintrat. Aus ihrer neuesten uns uaeaanaenen Ausgabe ersehen wir nun auch, daß Leo Hartmann aus Besorgniß, unsere Regierung werde ihn m -r r l 1 w an nuptanv ausliefern, - ren rauv der Ver. Staaten schon wieder von seinen Schuhen geschüttelt und sich am letzten Donnerstag auf canadischen Grund und Boden verfügt hat. Seine Flucht aus New Aork, die übrigens ganz unnöthig war, da unsere Negierung seine Auslieferung nie verfügt haben würde, schildert die ,Volkszeitung" in ihrer FreitagsNummer also : Da Hartmann seit mehreren Tagen von Detektives scharf überwacht wurde, so kam es vor allen Dingen darauf an, steh dieser zu entledigen, damit die Neise bis an die canadische Grenze sicher gemacht werden konnte. Um dies zu erreichen. wurde folgendes Mittel angewendet, r r r t , rn t c

tzartmann vegav ncy vorgencrn renv j jäbrigr, ilegant gekleideter Mcmn erschiemit zwei Bekannten vom Eitv Hall Platz ! der sich Berendt nannte und vorgab, ' aus nach einer Station der 6. Avenue-; Sekretär einer holländischen GrafensamiHochbahn. Die beiden Detektives, die ; .ie ;u sein, für die er eine cntsprcckende ihm, wie sein Schatten, überallhin folg- j Wodnung zu bestellen babe. Dem angcb-, ten, ließen ihn auch hier Nicht aus den : lien Sekretär wurden sechs Zimmer im Augen. Als die drei Z)!ünner nach Lö-., ersten Stockwerk der Hotels empfohlen, l sung der Tickets auf die Depot-Platform ! die er auch miethete. Sodann entwickelte j hinaustraten, sollten ibnen die etdtbe er eine große Thätigkeit, indem er nicht, r v. nx AcMsi ? Sk! ft).. i '

uu fvrn üllPc' llu vvtiiuu? ui vit steigung des nächsten Zuges bereit haltmd. Der Zug braust heran. Hartmann mit seinen beiden Bekannten drängte sich auf die vordere Platform eines Wagens, während die Detektives der hinteren zueilten und schon innerbalb des Wagens sich befanden, als jene Drei noch zögernd auf der vorderen Platform standen. Plötzlich rief der eine von ihnen dem Eondukteur zu : "I forgot sornething, wait a moment". Die Drei sprangen von der vorderen Platform hinaus auf das Tepot, klirrend flog die Wazenthür hinter ihnen zu, der Zug setzte sich in Bewegung, man sah noch innerhalb des Wagens ein paar Gestalten nach vorn huschen und mit Windeseile flog der Zug dahin. Nachdem so die beiden Spürhunde abgethan waren, traf Hartmann unbehelligt seine Vorbereitunzen zur Abreise. Aber noch war nicht alle Gefahr beseitigt. Als Hartmann nach kurzer Zeit mit seinen Be-

gleitern die Hochbahnstation an der 14. j Straße und 3. Avenue erklommen, um nach dem Grand Ecntral Depot zu fahren, j gesellte sich der Reporter eines englischen Morgcnblattes zu ihnen, der Hartmann ! persönlich kannte, da er ihn erst vor wcni- j gen Tagen interviewt hatte. Als der Netft . r M , r x ' '

porrer arimann mi emer neiieiaicye und auch sonst zur Reise ausgerüstet traf,' wurden offenbar die kräftigsten ReporterGefühle in ihm rege. Indeß ließ er sich merkwürdigerweise mit der Versicherung, daß Hartmann zu einem ruffischen Freunde auf s Land gebe, beruhigen. Eine weitere Störung der Reise Hartmann's fand nicht statt. Eine Depesche, die wir gestern Nachmittag 6 Uhr empfingen, meldet seine Ankunft in Canada." Vom deutschen Schützenfest in München. Mit dem 23. v. M. begann das deutsche Schützenfest, welches in diesem Jahre in München abgehalten wird und zu dem, wie bereits früher gemeldet, seitens der Münchener Schützen und Bürger so großartige Vorbereitungen getroffen worden waren. Bis ietzt lieaen nur kurze Zntungsberichte über den Verlauf der beiden . ersten Festtage vor, doch ist schon aus die- ? t r t. - iw r, i" t c ' ien ju erkennen, oan oas ci ncv m zeoer Beziehung zu einem großartigen Erfolge gestaltet hat. Unterm 23. Juli wird aus München berichtet : Der- deutsche KrönPrinz übersandte zum S ch ü tz e n f e st e eine prachtvolle silbergetriebene Schaale als Ehrengabe. Mit dem Extra;uge der Frankfurter, Bremer, Gotbaer Schützen traf der Präsident des deutschen Schützenbundcs. Justizrath Sterzing (Gotba) hier ein. Abends 8 Uhr trafen 800 Wiener Schüfen ein und wurden begeistert empfangen. Dr. Kopp dankte für den Empfang. die Wiener siien zahlreicher denn je erschienen, um die deutsche Zusammengebörigkeit zu beweisen ; die Deutschsterreicher hoffen aus dem jetzigen Kampfe für deutsches Wesen und deutsche Gesittung siegreich hervorzugehen. Redner schließt mit einem Hoch auf die Münchener Bürger uno das Festcomite. Der Zug der Wiener wurde von einer ungeheuren jubelnden Volksmenge durch die Stadt geleitet. Vom 24. Juli wird Folgendes gemeldet : Der heutige Festig der Schüfen dauerte über 3 Stunden und nahm bei schönstem Wetter einen glänzenden Verlauf ohne jeglichen störenden Zwischenfall. Die einzelnen Schützengruppen aus Norddeutsch land. Süddeutsch land, Oesterreich und der Schweiz wurden jubelnd begrüßt. Auf besonders eingerichteten Wagen äußerst gelungen dargestellte Austüge fanden ungetheilte Bewunderung. Bei Uebergäbe der Bundesfahne vor der FeldherrnHalle, wo sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen des Könighauses, die Staatsminister, Stadtbehörden, Militär- und Civilpcrsonen anwesend waren, sprachen Dr. Bausch, Beigeordneter der Düsseldorfer Stadtverwaltung, und Rechtsanwalt Reinartz, Vorsitzender des deutschen Schützenbu des, worauf der hiesige Bür qeimeister Erhard erwiderte Die Zahl derjenigen, die an dem Festbanket tbeilnahmen, betrug gegen dreitausend Personen. Die Stimmung war sehr angeregt. Der Ehrenpräsident Prinz Ludwig begrüßie dieSchtttzengäste; sodann toastete Landesgcrichts-Direktor Dr. Eterzing aus Gotha auf den Köniq von Bain, BildHauer Ferdinand v. Miller, der Präsident des siebenten deutschen Bundesschießens, auf Kaiser Wilbelm,' Rechtsar.walt Reinartz auf den Prinzen Ludwig, Bürgermeister Erbard auf die deutschen Schützen und Gäste, Dr. Kopp auf München. An Kaiser Wilhelm und König Ludwig wurden Huldigungs - Telegramme gesandt. Beim Eonkurrenzschießen gewann den ersten Becher Knecht aus St. Gallen. Verhaftung eines gefahrlichen Hochstaplcr-PaareS. Neulich wurde in Wien ein Hochstap-lcr-Paar in dem Augenblicke verhaftet, als es im Begriff stand, mit reicher Beute x rMflithen. Die näheren Einzelheiten dieses interessanten svanaes werden von i Wien aus unterm 2. v. M. wie folgt ! beriä tet : Im Lause der voriaen Woche war in . dem 5otel zum weißen Sloß ein etwa 35-! i . . . T. . . . , nur ram eme ammerzose uno emcn Neger als Diener annahm, sondern auch eine Unmasse von Geschäftsbcsitzern von der bevorstehenden Ankunft seiner Herrschaft benachrichtigte und ibnen reiche Austräge in Aussicht stellte. Am Samstag traf endlich die Gräfin am Wiener Westbahnhof ein, wurde daselbst von der Kammerzofe empfangen und in der Pri-vat-Eqüipage des Hotels dahin geleitet. Berendt theilte gleichzeitig dem Hotelpcrsonal mit,' daß die übrigen Mitglieder der gräflichen Familie erst fpäter, wahrscheinlich nächsten Freitag, in Wien eintreffen würden. Gleichzeitig werde auch das Gepäck anlangen. Die angebliche Gräsin, eine etwa 30jährige, blasse und magere Dame mit elegantem Auftreten und aristokratischen Manieren, zeichnete sich als Margaretha Gräfin Derrl geb. van Ham aus Ham in Holland" rn das Fremdenbuch ein und begann am Montag mit den Besuchen beiden Geschäftsleuten.

Sie bediente sich dabei der Privat-Equi-pag des . Hotels, in welcher auch die Kummerzose. Platz nehmen muhte,' währcnd der Neger sich auf den Bock neben dem Kutscher auspflanzte. Gräsin Terrly machte überall grofee Bestellungen, ertheilte dabei in der Regel ihre Befehle durch den Neger und ordnete an. dfe die bestellten Waaren am 21.'ds ,Namittags zwischen .2 und Uhr, im Hotel ab;uliefern feien,- wo die Begleichung der Rechnungcn erfolgen werde. Zudem wurden 'große Mustersammlungen zur näheren Auswahl - und ' endlich bei der, Firma Hauptmann . & Eomp. Juwelen im Werthe von 20,635fl bestellt. Infolge dieser riesigen Bestellungen war gestern Nachmittags die Wohnung der Gräsin von Geschäftsbesitzern, Commis und Hausknechten, welche Waaren und Muster brachten, förmlich belagert. Namentlich scheint der Plan der Hochstapler auf Erlangung der Juwelen berechnet gewesen zu sein. Der Juwelier, welcher die Schmuckgegenstände selbst brachte, wurde nämlich von der Gräsin im dritten Zimmer ihrer Wohnung cmpfangen, dieselbe prüfte auch jedes einzelne Stück genau und ließ es dann durch die Kammerzofe in das Nebenzimmer

tragen. Als der ganze Schmuck endlich übernommen war, bat die Gräsin Herrn Hauvtmann, sich ein wenig zu gedulden. da sie aus dem Nebenzimmer das Geld zur Begleichung der Rechnung bolen wolle, und zog sich dahin zurück. Kurz darauf wollte ein junger Mann das Hotel rasch verlaffen. Der Portier, dem infolge der vielen Besuche, welche die Gräsin empsing, erhöhte Wachsamkeit cmpfohlen worden war, vertrat indeß dem jungen Fremden den Weg und richtete an denselben die Frage, wer er sei. Im selben Augenblick erkannte er auch schon, daß er die angebliche Gräfin in Männerkleidern vor sich habe, nahm ihr nun den breitkrämpigen Hut, den sie trug, vom Kopse und schob die mittlerweile leichenblaß gewordene mit den Worten : Sie sind ja die Gräfin," in die Hotelkanzlei, wo die Entlarvte halb ohnmächtig auf einen Stuhl niedersank. Dem Portier siel inzwischen ein,b daß kurz zuvor der Sekretär, trotz der großen Hitze in einen lveiten Ueberzieher gehüllt, in vorsichtiger Weise das Hotel in der Richtung gegen die innere Stadt zu verlassen hatte. Einem rasch entsendeten Kellner gelang es auch, den Schwindler auf der Ferdinandsbrücke zu ereilen und in das Hotel zurückzubringen. Eine sofort vorgcnommene Durchsuchung der Kleider des Se kretärs ergab, daß derselbe nicht nur den ganzen erschwindelten Schmuck, sondern auch mehrere Paare seidene Strümpfe und den Zopf derGräfin bei sich trug. Offenbar hatte er die Gräfin, sowie sie in das Nebenzimmer trat, in Empfang genommen, ihr rasch die Haare geschnitten und fie bei ibrcr Verkleidung unterstützt, worauf sie sich, eins nach dem andern, rasch davonschleichen wollten. Die bei der Polizei mit den beiden Schwindlern vorgenommenen Verhöre haben ergeben, daß der angebliche Sekretär der aus Treblin, in Preußen, gebürtige, oft abgestraft gewesene Kaufmann Ernst Brandenberg sei. Die angebliche Gräsin ist seine Gattin Anna Brandenberg, die aus Zeitz gebürtig ist. Die französischen Chauvins und die deutschen Turner in Paris. In Paris besteht bekanntlich schon seit Jahren ein sehr tüchtiger und strebsamer Turnverein, welcher sich die Pflege der cdlen Turnkunst, zugleich aber auch die Pflege deutschen geselligen Wesens angelegen sein laßt. Obwohl die Mitglieder des Vereins ihr Teutschthum keineswegs in ostentatiöser und provozirendcr Weise zur Schau tragen, vielmehr Alles sorgsamst vermeiden, was bei den Eingeborenen Anstoß erregen könnte, so fehlt es doch unter Letzteren nicht an Solchen, denen schon die bloße Existenz des deutschen Turnvereins in Paris ein Greuel ist, und die keine Gelegenheit, und müßten sie sie auch erst vom Zaune brechen, vorübergehen lassen, ohne den verhaßten Prussiens" etwas am Zeuge zu flicken. Einen neuen Beitrag hiezu hat erst kürzlich wieder der Paris", ein Blatt, welches ehemalige Nedaktcure der Girardin'schen France" unter Gambetta's Schutz und Gunst gegründet haben, geliefert Dieses Gambettistische Organ zieht nämlich nach ächter Chauvinistcn-Art in den heftigstcn und aufreizendsten Ausdrücken gegen den deutschen Turnverein in Paris los, der sich erdreistet habe, durch ein autographirtes, natürlich in deutscher Sprache gefaßtes, Rundschreiben, den Pariser' Ge-schäftshäuscrn-seinen seit mehreren Iahren bestehenden Ausschuß zur Stcllcnvermittlung für junge Teutsche mit guten Zeugnissen in empfehlende Erinnerung zu bringen. So etwas solle Frankreich dulden, daß Fremdlinge und deutsche Sendlinge, die daheim ja alle militärpflichtig seien, in seine großen Handels-Etablisie-mcnts in Turnanzügcn eingeschmuggelt würden, damit sie seine Sitten, Einrichtungen, Arbeit, Armee und Bertheidigungsmittelin aller Stille durchschnüffeln könnten. Es seien schon so zuviel Deutsche in Paris, als daß man dem Turnverein erlauben dürfe, mit solchen Schlichen und Kniffen noch mehr hier einzunisten. Wenn aber der Paris" geglaubt hat, fein Hctzartikcl werde in der übrigen Pariser Presse nicht nur Beachtung, sondern auch einen mehr oder minder starken Widerhall finden, so hat er sich gründlich verrechnet. Keines der übrigen Pariser Blätter hat von seinem alberncn-Artikels gegen den deutschen Turnverein auch nur '

die geringste Notiz genommen. Dagegen glaubte der auf fo gehässige Weise angegriffeneBcrein selbst die Sache nicht so hingehen lassen zu dürfen,sondcrn beschloß, an den Hauptredaktcur des Paris" folgende Verwahrung zu richten : Ihr gegen den deutschen Turnverein von Paris gerichteter und an des Spitze Ihrer Ausgabe vom 33. Jui verössentlichtcr.Artikel cmbält . eine richtige Thatsache : das Rundschreiben, desien Uebersetzung Sie gegeben haben. Alles übrige ist ein Gaukelspiel, dem wir, da es Ihre Leser .irre leiten könnte, folgende Erklärunzcn entgegenstellen : 1) Unser Verein veröffentlicht fortwährend in den deutschen Zeitungen W a r n u g e n an junge Deutsche, nach Paris zu kommen, ohne vorher sich einer Stelle versichert zu ha' bcn. Er ist dahcr weit davon entfernt, Propaganda zu Gunsten der deutschen Einwanderung zu machen ; 2) das von Ihnen übersetzte deutsche Rundschreiben ist in deutscher Sprache geschrieben und ausschließlich an deutsche Handelshäuser oder solche Häuser gerichtet, welche bereits deutsche Angestellte haben. Es kann daher weder den Zweck noch den Erfolg haben, auf diese Beisein die großen Handels-Etablisscmets eine Masie junger Leute einzuführen, die" u. f. w. ; 3) der Ausschuß unseres Vereins befaßt sich nur mit Mitgliedern des Vereins ; feit seinem Bestehen bat er 1879 13, 1880 21 und 1881 11, im ganzen also 45 Mitgliedern, von denen zwei Elsässer, ein Engländer rrnd ein Holländer waren, Stellen verschärft. Das ist also die Pepiniere" (Pflegeschule), welche Sie der Uebcrwachunz des Ministers des Innern zu empfehlen für dienlich halten ; 4) die Mitglieder unseres Vereins, unter denen sich eine Anzahl Amerikaner. Engländer, Oesterreich Ungarn. Russen, Schweden und übst zehn F ra nz os e n befinden, s.nd erkenntlich für die Gastfreundschaft, welche sie in Paris genießen, und würden es für eine schlechte Handlung und für eine Niederträchtigkeit halten, irgend etwas, was es auch sein möge, zu unternehmen, was als den französischen Gesetzen , zuwider oder den Interessen der Nation, unter der sie leben, als schädlich ausgelegt werden könnte. Wir ersuchen Sie, diesen Brief in die nächste Nummer Ihres Blattes aufzunehmen, und bitten Sie, Herr Redacteur u. f. w. Im Namen des deutschen Turnvereins in Paris : Der zweite Sekretär, Eugen W o l f f. Paris, 23. Juli 1881. Im Paris" erschien diese Zuschrift nun allerdings im Abdruck, allein' es waren ihr seitens des Chef - Redakteurs einige Bemerkungen angehängt, die noch weit alberner sind, als sein erster Angriff. Vielleicht so schreibt man von Paris aus hätte der Turnverein beffer gethan, dieses völlig werthlose Blatt ganz unbeachtet zu lassen, da es nach kaum mehrwöchentlichem Bestehen auf dem Punkte steht, wieder zu verschwinden, d. h. in den Henri IV." auszugehen, der ebenfalls keine sehr glänzenden Geschäfte macht. Französische Journalisten meinten, als sie vernahmen, daß der Turnverein VerWahrung einlegen wolle: ..Diese Leute sind viel zu gut, um jenem Blatte ;u antWorten; das verlohnt nicht der Mühe." Das Empire uud die Arntee.

Ueber das Mittel, mit denen das zweite französische Kaiserreich gegründet und erhalten wurde, sind die Akten der Geschichte geschloffen. Man weiß, daß der Thron Napoleons III. sich neunzehn Jahre lang auf Lanjonctc gewissenloser Prätorianer stützte, die aus dem Gesammtleben der Nation herausgerissen wurden, und als einzige Heimath die Kaserne, als einzige Familie das Regiment haben mußten. Ossiziere, die mit Civilisten umgingen, waren verdächtig, solche, die in geordneten Bcrmögensverhältniffen lebten, schlecht anschrieben. Die Generäle mußten wei: über ihre doch sehr bedeutenden Emkänfte leben, stets in Wucherhänden sein, stets mit Schulden zu kämpfen haben,-um immer von den Tuilerien abzuhängen, die dazu von Zeit zu Zeit ihre Schulden zahlten, wenn ihnen das Wasser bereits an den Hals reichte und eine Katastrorhe unmittelbar bevorstand. Dasielbe Evstem wurde aber auch der Mannschaft gegenüber angewandt. Als Canrobert zun Obersten des Zuavenregiments ernannt wurde, ließ er sich über den Instand dcs Regiments Bericht erstatten und erfuhr, daß einige Soldaten Gelb in der Spaa:kasse hatten. Er ließ sie sofort rufen und donnerte sie an : Nummer Eins, vorwärts ! Man sagt mir. Tu hast Geld in der Spaarkaffe ? ..Ja wohl, rnon Colonel !" Ich gebe Dir drei Tage, sie zu vertrinken. Wenn Dir am vierten noch ein Sou bleibt, vierzehn Tage Arrest. Marsch! Nummer zwei: wie diel?" Sieben Franken, rnon Colonel " Bis morgen Abend zu vertrinken oder Strafbaus. Marsch ! Und so mit allen Uebrigen. Als alle ihren Termin zur Verkneipung des Sparpfennigs hatten, entließ der Musterkelonel die Soldaten mit folzender Anrede: Sammelt Ehren, aber kein Geld. Lasset dem Kaiser und dem Lande die Sorge, Euch zu essen zu geben, so lange Ihr Kinnladen habt' Daß die Solbaten Eanroberts balb so vollkommene Kanaillen ur.d Trunkenbobe waren, wie ihr Oberst es nur wünschen konnte, ist selbstverständlich. Das Hübscheste an der Sache aber bleibt, daß Eanrobert sich dieser empörenden Szene rühmte und daß Gramer de Eassagnae sie in seinen nachgelassenen Memoiren, die der Figaro" eben zu veröffentlichen beginnt, in Ausdrücken hoher B.'wundeiung nach-erzählt.

Auf Ofsiziers-Ehre."

Es gewahrt einen intcrcffantcn Eineaen un lernte von anderthalb Jabren eine nicht unerhebliche' Anzahl russischer Osfiziere, deren Gesammtziffer sich niemals über 50 erhob, aus 'dem Dienste der Provinz Ostrumelien ausgeschieden sind, wohin dieselben auf Vcranlaffung ihrerRegierunz verpflanzt werden Waren, um die Achtung vor den russifchcn Waffen und der russischen Fabne" sowie den Einfluß Rußlands auf die'Geschicke der Provinz aufrecht erhalten zu helfen. Unter dem Kommando des Generals Vitalis vcrlußcn denTicnst: icut. Porochin, Kompagnie-Kommandant, unter Mitnahme dcrBataillonskasse, in wclcher außerdem die Kriegscrsparniffe der Soldaten niedergelegt waren. Hauptmann Schdanow, Bataillons-Komman-dant. Grund : Unterschlagung von etwa 100 jürkischen Pfund. Hauptmann Naitcho )!ikolow, Dcsi;it in der Bataillonskasse 3000 Piaster. Lieutenant WarkicWig, Unterschlagung. Hauptmann Kasakow, Unterschlagung, 250 L. Tcsizit. Rittmeister Jascherow, vom ruffischen Garde-Regimcnt Küraffire der Kaiserin", Kommandant der Erpedition gegen Kirdjali. Verletzung des organischen Statuts, Raub, Mord un) Zuchtlosigkcit der ihm unterstellten Truppen ; ein größeres Kaffcndesizit wird durch Bewilligung und Einbehaltung einer mehrmonatlichen Gage ersetzt. Lieutenant Nikolajew I., Diebstahl und Plünderung von Tabak und Vieh während der Erpedition nach Kirdjali. Unbestimmte Verwendung der Oekonomic-Gelder. Premier Lieutenant Engelhardt , Sckonde KampagnieKommandant in Haskiöi, Diebstahl, cignct sich während der Expedition nach Kirdjalia eine Scbafheerde an und verkaufte sie. Kaffendcsizit 210 L.. welche zum größten Theil nach und nach ersetzt, wurden. Lieutenant Wasiliew, Unterschlagung, Kaffendcsizit 210 L. Hauptmann Usatis endet nach dem Mord der Frau General Skobelew durch Selbstmords Kaffendcsizit 10,000 Francs; Hauptmann Susanowski, Betrug; bringt gefälschte Quittungen bei über ein Defizit von 400 L. Hauptmann Matrachenko, Betrug' verläßt Philippopel mit russischem Zwangspaß. Lieutenant Panitza, freiwillig, zieht bei einem Feste in TartarBasardschick den Säbel gegen den Prüsekt und verwundet den Arzt, der dazwischen tritt. Lieutenant Petrowski, Veruntreuung ; dafür bereits früher in Rußland bestraft. Da wäre es ja nöthig, daß. man jedem Ossizier einen Kriminalschutzmann zutheilte. Ueber die Hiurichtung eme& Vcrräthcrs und ruffischen Polizcispions, welche wir schon kurz gemeldet hatten, laufen jetzt aus Petersburg vom 16. v. M. folgende Details ein: Am 11. d. M.'wurde ans dem Smo-lcnski-Kirchhof, der mehrere Kilometervon der Stadt entfernt liegt, der Leichnan: eines Mannes gefunden. Die Obduction ergab, daß der Tod durch Gewalt erfalgt war. Wie eingezogene Erkund! gungen ergaben, liegt hier abermals ein politischer Mord vor. Der Ermordete hieß Priem und war Beamter der geheimen Polizei. Er hatte eine Kreisschule bei Moekau besucht und siel als Schüler der ersten Klaffe der sozialdemokratischen Partei in die Hände, deren Mitglied er wurde. Doch seine ZugeHörigkeit zur Umsturzpartei wurde bekannt und Priem zu dreijähriger Fesiungshaft vcrurthcilt. Um sich der Strafe zu entziehen, bot er sich der Rcgierung als Geheimpolizist an, wurde angenommen und leistete in Eharkow längere Zeit fo gute Dienste, daß er bald unter vortheilhasten Bedingungen nach Petersburg verfetzt wurde. Priem führte sich hier unter der Firma eines relegirten Studenten ein, der wie der Ausdruck hierfür lautet in illegaler Uveie tcct. es gelang ihm io, Zutritt in die sozialistischen Kreise zu erlangen' und schließlich als scheinbarer Mitvcrschworcner der sozialistischen Bersammlung auf dem Smolcnski'schcn Kirchhofe anzuwohnen, welche in der Nacht vom'lv. auf den 11. Juli stattfand. Die Petersburgcr Geheimpolizei war von allem un terrichtct und wollte die Verschworenen ' alle zusammen aufheben ; deshalb wurden in dem sehr großen, mit vielen Väumen bestandenen und entlegenen Kirchhofe noch zwei Geheimpolizisten versteckt, welche einerseits mit Priem, andererseits mit Truppen und Polizisten, die, wenn die Sozialisten versammelt, den Kirchhof umzingcln sollten, Verbindung durch Signale unterhalten sollten. Darauf wären die Gendarmen vorgerückt und hätten die ganze Gesellschaft verhaftet. 'Nun hat sich aber während der Verbandlung, welche die Nihilisten pflogen, Priem augenscheinlich eine Unvorsichtigkeit zu schulden kommen lasten oder die von den Socialisten ausgestellten Späher haben das Nahm der Truppen rechtzeitig bemerkt; kurz, man entdeckte in Priem den Spion, und wie die beiden anderen hielten ihm die Arme fest und ein Tritter schnitt ihn mit einem Messer die .rr 'c r ' r ... r".r neme euren, ie cciccn oercimviniji-

dtlck m das Wesen ruuchcr ffiZierccrps, wenn man die Vcranlaffungcn Übersicht,

oerctw

Agenten noch sehen konnten warfen sich die Verschworenen sofort auf den Verräther und übcrwältiatcn ibn. Zwei

! iten suoltcn nch zu schwach, iyrem icnos!sen zu'Hülfe zu eilen, und liefen nach Hülfe. Als die bewaffnete Macht an. Stelle erschien, waren die 3!evolutionäre verschwunden ; nur Priem lag todt mit durchgeschnittener Kehle auf der Erde.