Indiana Tribüne, Volume 3, Number 52, Indianapolis, Marion County, 6 August 1881 — Page 3

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, chöh; von Verlichingcn der ' Zweite. ,

Von N. Bautz. Guten Abend, meine Herren !" Guten Abend, Herr Hauptmann," ertönte der Gegcngruß emer aus acht Personen bestehenden Gesellschaft. Es war im gemüthlichen Hinterzimmcr eines Restaurants, in welchem die großtentheils aus pensionirten oder invaliden Offizieren bestehende Gesellschaft fast jeden Abend ein Stündchen beim guten Bicrc des Wirthes zuzubringen Pflegte. Mit dem Hauptmann v. D. war der Kreis vollzählig .geworden, und derselbe schien schon sehnsüchtig erwartet worden zu sein, denn der wohlbeleibte Major St. fügte seinem Gruße im tiefsten Vierbasse . noch ein vielsagendes Endlich" hinzu. Endlich'S" wiederholte der Haupttrrnrtr ?fcr frfc ms tsfifTfrt?t Scrr Wrttnr

v f M J 4 I ff A 7 v doch weiß ich wirklich nicht, weshalb Sie

mich beute Abend mit diesem Worte empfangen, da ich doch früher als gewöhnlich komme und also eher ein: Schon" erwarten könnte." Wir entbehren Sie immer," lautete die Antwort, heute Abend aber besonders wegen der Geschichte, die Sie uns versprochen haben." Ah ! Sie meinen Götz von Berlichingen den Zweiten, meine Herren, nun, ich bin gern bereit, Ihnen dle kleine Ge'schichte zu erzählen ; doch erst einen kühlen Trunk." Jean hatte mit gewohnter Schnelligseit den Stammschoppen des Hauptmanns herbeigebracht, und dieser begann : 1867 stand ich im X.tcn Regiment mit einem Lieutenant Rohlow zusammen und verkehrte speziell mit ihm, weil er, obgleich etwas überschäumend von Jugend - Lust und Muth, mir sonst seiner ganzen Denkart nach zusagte. Der Arme hatte damals das Unglück, sich auf der

i . Jagd das rechte Handgelen: derartig zu verleben, daü die Hand amputirt werden

i. und er selbst den Abschied nehmen mußte. r j Da er mit Leib und Seele Soldat war, v siel ihm dies natürlich sebr schwer, und

wir Alle verloren den liebenswürdtgen Kameraden höchst ungern. Obgleich ich mit Rohlow besonders intim gewesen war, so verlor ich ihn doch, wie das so ' geht, bald aus den Augen und hörte nur, daß er die Verwaltung des väterlichen Gutes übernehmen wollte. , Im Jahre 1870 nun ich war längst . zum Z.'en Regiment versctzt und führte w a i i t. i crt

als Premier - leurenanr cet oer eiagerung von Metz eine Kompagnie meldete sich eines Tages mein guter Rohlow l - als mein Kompagnie - Offizier. Er hatte es, als ganz Deutschland gegen die Iranzoscn marschirte, nicht ertragen können, zurückzubleiben und sich in einem Immediatgcsuch mit der Bitte an seine Maje.stät gewandt, den Feldzug bei der mobilen Armee mitmachen zu dürfen, da er ' sich getraue, den Degen mit der Linken zu führen. Der oberste Kriegsherr hatte dies gewährt und Zlohlow war meinem Regiment zugewiesen und jetzt sogar zu meiner Kompagnie kommandirt. Er war ganz der Alte geblieben und sein Gebrechen fiel nur wenig auf, da die fehlende Rechte durch eine künstliche Hand aus starkem Eisenblech ersetzt war und er dieselbe stets - mit einem Handschuh bedeckt trug. Sobald er den Ellenbogen krümmte, schloß ' sich die Hand und außerdem konnte er durch einen am Unterarm angebrachten Mechanismus die einzelnen Finger bewe- - gen Leider wurde die Beweglichkeit der

künstlichen Hand durch emen Sturz Roh- , low's in einen Steinbruch bedeutend vermindert. Slohlow und ich hatten unsere frühere Freundschaft erneuert und wir verkehrten fast ausschließlich miteinander ; deshalb suchten wir, als Metz gefallen war und wir nach Orleans marschirten, es immer so einzurichten, daß wir in ein Quartier kamen. So lagen wir auch in der Nähe von Trokes nnammen bei einem Bauern, da das beste Quartier des Torfes, beim Pfarrer, leider von einem Hauptmann belegt war. Es war Rubetag. Rohlow und ich ' saßen in der Küche, welche zugleich die Wohnstube bildete, auf zwei Holzschemcln am Kamin und beobachteten meinen Burschen beim Kaneekocken. Endlich war . ' i 1 . - . p r der braune avetrunr fcrlig uno icyon sollten wir mit dem Frühstück beginnen.

als Rohlow's Bursche mit kläglicher Stimme meldete, es sei kein Zucker mehr -. da. Räch einigen Tonnerwettern kamen w wir auf den hoffnungsvollen Gedanken,

daß unser Bauer uns vielleicht damit helfen könne, und wirklich, es glückte; kaum war der Wunsch ausgesprochen, da schleppte der Alte, freilich mit et v was verdroiiener Miene, ein großes Stück Zucker herbe:. Es war beinahe cm hal der Hut. Johann! hol' mal Dein Faschinen- ! messer," rief ich meinem Burschen zu, da natürlich kein Zuckerhammer vorhanden war. Bevor der Bursche aber den Befehl . -pt. l. r. i. ojr. r ij. . t x ausmyren lonnic, vm inuinoro iniro :

A Lassen Sie ibn doch, Premier ; ich will

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CCm juu mui juyui, uic iuu uuci schlagen, damit er mehr 3kespekt vor den Prussiens bekommt." Und mit seiner eisernen Hand schlug er in mächtigen Hieben große und kleine Stücke. Zucker

I herunter. I Na, meine . Herren, das Gesicht des

f Bauern, der vor Verwunderung den

Mund aufsperrte und Rohlow mit qroßen Augen anstarrte, vergesse ich mein Lebtag nicht ! ..Das muß spaßhaft gewesen sein," meinte einer der jüngeren Herren, während der Hauptmann sein Glas leerte. Ja, meine Herren," fuhr dieser fort.

es war höchst heiter und wir haben uns noch oft des komischen Effektes erinnert, den dies Zuckerschlagen machte. Doch später hat die eiserne Hand dieses Offiziers, der in Schlachten und Gefechten immer voran war, noch einmal' einen Schlag gethan, dem mehrere unserer braven Soldaten - höchst wahrscheinlich ihr Leben verdanken. Es war nach der Einnahme von OrleanZ, wir lagen ziemlich zerstreut auf Dörfern der Umgegend, als Rohlow auf 3!equi-sitions-Kommando geschickt wurde. Ein solches Kommando war, wie ich vorausschicken muß, besonders in dieser Gegend nicht ohne Gefahr, da die Einwohner häufig mit Franktireurs in Verbindung standen und auch schon versucht hatten, den Requirirenden gewaltthätig entgegenzutreten. Da unser Regiment sehr große Verluste gehabt hatte und Ersatz noch nicht angelangt war, so bildete Rohlow's Zug in seinem schwachen Bestände durchaus keine imponirende Truppe, besonders, wenn ein Theil der Mannschaften als Bedeckung neben den mit geführten Wagen marschiren mußte. In einem großen Dorfe, dessen Name mir inzwischen entfallen ist, fand 3!ohlow, als er mit allen in dieser Gegend gebötenen Vorsichtsmaßregeln in dasselbe einrückte, 300 bis 400 Bauern vor der Maire versammelt, die ihn mit trotziger Miene und unhcildrohenden Schweigen empfingen. Die Bauern hatten sich in einem großen Halbkreise um ihren Maire geschaart, und dieser, ein baumlanger Kerl, stand da, beide Hände in den Hosentaschen, die Zipfelmütze auf dem Kopf und die quälmende, kurze Pfeife im Munde, ohne den Offizier nur im Geringsten zu beachten. Rohlow, der aus alledem den berechtigten Schluß zog, daß ihm und seinen Leuten nicht Gutes zugedacht sei, ließ seinen Zug aufmarschiren und so viele von den Wagen, als Platz fanden, an beiden Flügeln der Truppe, ausfahren. Dann gebot er der Mannschaft Rühren" und schritt mit der Absicht, die Sache erst mit Höflichkeit zu versuchen, direkt auf den Maire zu. Dieser starrte mit sinsteren Blicken den kleinen Offizier an (Rohlow maß kaum fünf Fuß), die Blousenmänncr drängten sich näher heran und schienen bereit, auf ein gegebenes Zeichen sich auf den verhaßten. Ptussien und seine Leute zu Drzen. Rohlow trat kaltblütig dicht an den Maire heran, legte die Hand an den Helm und. sagte in freundlich gemessenem Ton : , jBon jour, inonsieur ! Sind Sie der

Herr Maire ?" Em Grunzen, welches wie eme demhende Antwort klang, war Alles, was auf diese Anrede erfolate: die Hände des Maire blieben in den Hosentaschen, die Mütze thronte noch immer auf seinem truppigen Haupte, und aus der Pfeife tiegen dichte Wolken von Caporal-Tabak empor. Obgleich dies augenscheinlich offenbarer Trotz und darauf angelegt war, die Einwohner zum Angriff auf den Feind zu reizen, blieb Rohlow doch noch vollständig ruhig. Er trat dichter an den Maire heran und grüßte denselben nochmals mit größter Höflichkeit: Bern jour, -monsieur le maire !" Wieder kein Gegengruß. Alles .wie vorher, nur drängten die Bauern, die vielleicht glaubten, das Benehmen ihres Anführers imponire dem Feinde, sich weiter vor, ihre Haltung wurde drohender und em dumpfes Mnmn ertönte aus dem Haufen. . Noch einmal wiederholte Rohlow seinen Gruß ; als derselbe aber auch dies Mal unbeachtet blieb, schlug er dem langen Mane mit seiner eisernen Hand dermaßen an's Ohr, daß dieser ohne einen Laut zu Boden stürzte. Mit einem Sprunge war Rohlow wieder bei seiner Mannschaft, die dem Vor gange natürlich mit größter Aufmerksamkeit gefolgt war, fommandnte Fertig !" und war bereit, jedem Angriffe energisch zu begegnen. - Doch, o Wunder ! es erfolgte nicht der geringste Akt emer Feindseligkeit. Die kühne, rasche That des entjchlonenen Ostt ziers, besonders ab.er wohl der völlig un erwartete Erfolg derselben hatte einen tiefen Eindruck aus die Bauern acmacbt. und mochte ihnen den Gedanken nabe gelegt haben : Wenn dieser kleine Ossizier schon mit seiner Hand unseren größten und stärksten Mann niederschlägt,' wie wird es dann uns ergehen, wenn die Soldaten erst von ihren Waffen Gebrauch machend . t t Die ganze Haltung der Leute war plötzlich ein andere, geworden. Viele schlichen sich leise fort und nach einiger Zeit war nur noch etwa ein Trittheil der früheren Menge auf dem Platze. Der Maire erhob sich mit Hilfe seiner Freunde vom Boden und ging jetzt ohne Mütze und Pfeife, die in ziemlicher Entfernung liegen blieben, rn demüthige? Haltung auf Rohlow zu, bat denselben unter vielen Verbeugungen wegen seines Benehmens um Entschuldigung und fragte nach seinen Befehlen. Diese wurden ertheilt und noch nie habe ich das Requirirte so rasch zur Stelle kommen sehen, als damals," lauteten die Worte Rohlow's, mit welchen er den mir später erstatteten Bericht schloß. Seit dieser Zeit wurde Rohlow beim Regiment Götz von Berlichingen der Zweite genannt." - Das ist ja ein Prachtmensch, lieber O.," rief Mayor St. ganz enthusiasmirt, stoßen wir an; meine Herren:' Es lebe Götz von Berlichingen der Zweite." Denkspruch. Wie oft ist doch im Leben die Macht nichts Anderes als eine Maske getra- ! gen von der Schlauheit und Tücke.

Künstliche Negenerzcugung. (Aus der Acker- und Gartmbau-Zcitung.")

Bereits vor einem Jahre erwähnten wir in diesen Spalten der interessanten Erfindung'des Generals Daniel Rvggles in Fredericksburg, Va., auf welche demselben sogar ein Patent ertheilt wurde, und die darin besteht, Dynamit-Patronen vermittelst Luftballons in die WolkenRegionen empor zu senden und .dort durch automatische Entzünder oder durch, elektrisch'e Drahtverbindung zu erplodiren. Als General Ruggles mit diesem Plane künstlicher Regene'rzeugung vor die Oeffentlichkeit trat, ist derselbe fast ausnahmslos mit ungläubigem Kopfschütteln aufgenommen und für nichts anderes, als ein phantastisches Hirngespinst gehalten worden. Trotz aller anscheinenden Unausführbarkeit beruht der Plan aber auf einer anerkannt -richtigen, Wissenschaftlichen Theorie. Die Grundidee ist dieselbe, wie die Theorie des Professors Espv, welcher vorschlug, vermittelst großer Feuer atmosphärische Niederschläge herbeizirführen. Espy stellte die 'Behauptung auf, daß durch Feuer ein aufwärts steigender Luftstrom hervorgerufen werde, welcher die über dem Ort der Verbrennung besindliche feuchte Lust in die höheren, kälteren Regionen emportreiben würde.. Da aber Kälte bekanntlich zusammenzieht, so müßte naturgemäß die in der Wärmeren Lust enthaltene Feuchtigkeit in den kälteren Schichten sich zu Regen kondensiren. Man hat dagegen eingewandt, daß Beispiele von großen Feuersbrünsten bekannt sind, die keinen Regenfall im Gefolge hatten. Espy sagt jedoch, daß der aufsteigende Luftstrom nur da eintreten könne, wo eine ruhige Atmosphäre und ein geWisser Feuchtigkeitsgehalt vorhanden seien. In der großen Mehrzahl von Fällen großer Feuer hat sich denn auch die Espy'.che Theorie, wie unzweifelhaft festgestellt ist. bewahrt. Was nun den mächtigen Einfluß starker Explosionen auf die Regen-Erzeugung anbelangt, so ist derselbe schon seit langer Zeit durch berühmte Gelehrte beobachtet worden. Große Schlachten und vulkanische Eruptionen haben oft wahre Wolkenbrüche im Gefolge gehabt.' Dem denkwürdigen Ausbruch des Vesuvs im Jahre 1822, welchem eine Periode ausnahmsweiser Dürre vorangegangen war, folgten schwere, lang anhaltende Regengüsse. Humboldt macht in, seiner Beschreibung dieses Ausbruchs darauf aufmersam, daß zwischen vulkanischer Thätigkeit und der Entstehung von Stürmen em unleugbarer Zusammenhang enstire. Daß Vulkan:sche Ausbrüche oftmals von heftigenStürmen und schweren Regengüssen begleitet sind, unterliegt keinem Zweifel," sagt ein anderer berühmter Geleyrter. Die Temperatur der oberen Luftschichten, in denen die Regenwolken schweben, ist aus 40 Grad unter Null abgeschätzt worden. Es ist daher klar, daß wenn durch irgend eine Ursache die unteren warmen und feuchten Luftschichten in jene kalten Regionen emporgetrieben werden. eme Eondensation stattfinden und em Niederschlag in der Form von Jtegen erfolgen muß. Seit 1821, als der große Ausbruch in Island schreckliche Stürme und schwere Regen und Hagelfälle, die sich über das ganze westliche Europa ecstreckten, zur Folge hatte, ist der Zusammenhang zwischen vulkanischen Explosivnen und atmosphärischen Störungen wiederholt beobachtet worden. Es sind allerdings' große Schlachten, z. B. die bei'Gravelotte und Sedan geschlagen worden, ohne daß sich darauf Niederschläge eingestellt hätten; viele andere jedoch, wie die von Trasalgar, Waterloo und andere in den neueren Kriegen, lieferten schlagende Beweise für die Richtigkeit der Espy'schen Theorie. Bei der Ausführung des ' auf diese Theorie gegründeten Planes von General Ruggles konnte man natürlich nicht darauf rechnen, so mächtige Luftströmungen hervorzurufen, wie sie durch vulkanische Aus5rüche erzeugt lrden. Aber die Verdünnung der Luft, welche auf die Erplosion einiger Pfunde Dynamit in den Wolken folgen würde, könnte möglicherweise, doch schon genügend sein, um einen, wenn auch nur geringen Regenfall zu bewirken. Der Satz, daß die aufsteigende B.wegung feuchter Luft als die wirksamste Ursache atmosphärischer Niederschläge betrachtet werden' muß, ist jetzt fast allgcmein anerkannt und erst kürzlich von Dr. Hann, dem fähigen Direktor des öfterreichischen Wetterbureaus, demonstrirt worden. Ruggles' Plan bietet nun, wenn auch kein sicheres, aber doch ein plausibles Mittel, der Natur bei dem Prozeß der 3!egenbildung zu Hülfe zu kommen, und es dülfte interessant sein, durch Erperimente unter wissenschaftlicher Leitung sich über den Grad der Wirksamkeit des Mittels Gewißheit zu verschaffen. Bezüglich des Einflusses der Eisenbahnen auf den Regenfall hat man die Beobachtung gemacht, daß seit dem Betrieb der Pacisicbahnen zwischen den FelsenG.birgen und der Sierra-Nevada in der dortigen Gegend, die sonst fast ganz regenlos und vollständig dürr und trocken war, häusige Regen fallen. Die Ansichten über den Grund davon sind verschieden. . Die Einen schreiben denselben dem Wechsel in dem Zustand der Atmosphäre durch die Eisenbahnen und durch die Koblen- und Wasserdämpfe zu. Die Anderen suchen den Grund in der steten Beunruhigung und Erschütterung der Luft durch das Hin- und Herfahren der Züge. Der eine Grund schließt jedoch den anderen gar nicht aus ; beide können zusammenwirken. Was man aber in jener Gegend beobachtet haben will, würde das nicht auch auf den atmosphärischen Zustand ganzer

Lander und' Welttheile mit demselben Recht anzumerdcn sein ? ' Der Eiwluß der Eisenbahnen auf die Witterungs-Ver-Hältnisse in Europa und Amerika ist bis jetzt beiden Wnterkundigen gar nicht oder sehr wenig berücksichtigt worden. ' " Tausende von Lokomotiven durchdonnern seit fünfjig Jahren die Länder und Tausende von Millionen Tonnen Kohlen und ganze Meere sind in. dieser Periode verdampft worden. Dazu kommen noch Tausende von Dampfschiffen und Zehntaufende von flehenden Dampfmaschinen, welche die Atmosphäre mit Kohlew und Wasser Dämpfen füllen. Wenn der Kohlenbrand in der Riesen-Stadt London das Wetter so oft neblig und regnerisch macht, sollte der riesige Kohlen - Verbrauch der Jetztzeit nicht auch im Allgemeinen auf die Witterung einwirken, und hier und da in einzelnen Orten und Gegenden ganz besonders ? Vor 1851 wurden die Ver. Staaten periodenweis durch eine allgemeine Dürre heimgesucht. Seit jener Zeit hat das nicht mehr stattgesunden, und es wird dieser Umstand sicher nicht unrichtig ' der immer größeren Ausbreitung des Eisen-bahn-Netzes in den letzten Jahrzehnten zugeschrieben. - In Europa, und besonders in England, hat man ganz ähnliche Beobachtungen gemacht. Der -Regenfall ist überall in den letzten Jahrzehnten stärker geworden, und ganz besonders in den letzten Jahren, in welchen die Ernten bedeutend darunter litten. Von dürren, regenlosen Sommern war hauptsächlich in neuester Zeit nur im Innern Zußlands die Rede, das nicht allein fern vom Meer liegt, sondern auch bis jetzt nur wenige Eisenbahnen aufzuweisen hat. Für die Ver. Staaten muß aber nicht aus dem Auge gelassen werden, daß mit dem Vordringen des Eisenbahn-Netzes über deren Prairien und Ebenen auch die menschlichen Ansiedelungen und die Bodenkultur, die Anpflanzung von Gräsern und Bäumen. vorwärts marschirt sind. Daß aber der Pflanzenwuchs und die Feuchtigkeit der Atmosphäre Hand in Hand gehen, ist eine bekannte Sache. So hat man denn beobachtet, daß sich in der Prairie in ausgetrockneten Flußbetten Wasser sammelt, daß manche Flüsse einen höhe-

! ren Wasserstand haben und daß andere, dle nn Sommer versiegten, das ganze Jabr hindurch Wasser haben. Schließlich ist nicht zu übersehen, daß das Vordringen der Kultur und der Eisenbahnen die Büffel und die Indianer bis nach den Felsengebirgen zurückgedrängt haben. Damit haben auch die ewigen Prairie-Brände nachgelassen und damit jene künstliche Ausdörrung des Bodens, welche seit Jahrhunderten dort dem Baum- und Pflanzenwuchs, der Feuchtigkeit der Atmosphäre und dem Regen entgegengewirkt haben. Die zuletzt angeregten Punkte schließen jedoch nicht aus, daß auch die Eisenbahnen an und für sich ihren großen Theil zu den jetzt im Lande beobachteten Wit-terungs-Umgestaltungen beigetragen haben werden. Demnach würde also der Mensch durch seine Kulturarbeiten nicht blos sein eigenes Leben und nicht blos den Boden der Erde, sondern auch allmälig deren Atmosphäre und dadurch deren ganzes Wesen umzuwandeln im Stande sem. Man sieht, der riesige Kolonisationsund Civilisations-Fortschritt der Neuzeit eröffnet fortwährend neue Aussichten auf immer großartigere Probleme. Europäische PostnachriHten. Paris, 2. Juli. Der Besitzer eines der bedeutendsten Geschäfte Lyons glaubte, wie Figaro" erzählt, Ursache va haben, der Redlichkeit seines Geschäftsführers zu mißtrauen.. Um dem Manne in's Gewissen zu reden, schreibt er ihm einige Zeilen, m welchen er ihm sein Vergehen vorhält und ihn für den nächsten Morgen in sein Comptoir bestellt. In der leicht bcareislichen Aufregung irrt sich der Chef und adressirt den Brief an seinen Cassirer. Am nächsten Tage erhält er ein großes Couvert mit 60,000 Frs. und folgende Zeilen : Mdn Herr ! Ich habe im Ganzen nur 72,000 Frs. unterschlagen. und werde ihnen auch die fehlenden 12,000 Frs. noch zahlen; stürzen Sie einen Familienvater nicht in's Unglück u. s. w." Das Schwurgericht inBie lefeld hat am 9. Juli die Eheleute Ewald aus Rheda, welche ihr Kind, ein Mädchen von etwa 4 Jahren, körperlich so sehr mißhandelt, verwahrlost und ver nachlässigt haben, daß dessen Tod dadurch verursacht wurde, zu fünf Jahren ZuchtHaus verurtheilt. In Saarbrücken wurde am 11. d. die Goldarbeitersfrau Katharina Schindler, geb. Gillmann von Oberstein, welche, selbst Mutter von sechs Kindern, ein ihr anvertrautes Pflegekind in der schändlichsten Weise verhungern ließ, zuzehnJahren Zuchthaus verurtheilt. Eine prachtvolle Fata Morgana wurde am 6. Juli Abends an der irischen Küste bei Killiney, unweit Dublin, gesehen. Jenseit des Meeres in einer scheinbaren Entfernung von etwa 20 Km. erschien ein mit Feldern, Bäumen, Meiereien u. s. w. bedeckter großer Landstrich. Drei Leuchtthürme standen im Vordergrunde der düsteren Küste, einer derselben schien auf einer Sandbank in ewiger Entfernung vom Lande zu stehen, die übrigen befanden sich am Gestade; nach Süden zu waren zwei Felseninseln sehr deutlich sichtbar und weit im NordWesten erschien ein Helles Licht, in welchem sich viele Schiffe, das oberste zu unterst, wiederspiegelten. Eine solche Erscheinung ist höchst ungewöhnlich an der irischen Osiküste. Am deutlichsten war die Fata Morgana um 6 Uhr Abend sichtbar.

5 Münster, 6. Juli. Das nicht allein der Biß eines wüthenden Thieres, sondern auch der eines in Wuth gerathcnen Menschen äußerst gefährlich werden kann, zeigt folgender Vorfall. Vor etwa acht Tagen gericthen zwei hier vor dem Neuthor wohnende Männer in Streit und wurden bet demselben auch handgemein. Bei dieser Gelegenheit biß der eine von iinen in höchster Wuth dem anderen in emen Daumen, so daß eine Wunde entstand, die anfangs wenig beachtet wurde. Im Verlaufe weniger Tage schwoll der Daumen bis zum Arm hincuf bedeutend an; der Arzt erkannte eine Blutvergiftung. Es mußte infolge desscn zur vtettung des Lebens des Gebissenen die Amputation des Armes vorgenommen werden. Kassel, 8. Juli. In Bezug auf das gestern gemeldete furchtbare HagelWetter ist noch ergänzlich zu berichten, daß dasselbe in der Gegend' von Eschwege ebenfalls furchtbaren Schaden angerichtet hat. Dort schlug der Blitz in ein Haus und streifte leicht an Gesicht und Arm den Hauseigenthümer undFrau. Auf Bahnhof Eichenberg hielt eine förmliche Windhose den zum Auslaufen fertigen Zug wie gebannt fest, so daß es nicht möglich war vorwärts zu gelangen, noch war es möglich, sich im Freien aufrecht zu erhalten. Aus Waldkappel schreibt man : Ein solches Unwetter hat hier seit Menschengedenken nicht geherrscht. Vom Blitz getroffen. Aus Banat-Komlos wird unter dem 8. d. M. geschrieben :'Dcr Temesvarer Einwohner Herr Gabriel Krauß fuhr, begleitet von seinem Diener, mit dem gestrigen Nachtzuge von Temcsvar nach Grotz-Kikinda. Daselbst miethete er einen Wagen, um seine Reise nach Groß-Szent-Miklos sortzusetzen. In der Nähe von Banat-Kom-los wurden die Reisenden von einem heftigen Gewitter ereilt ; der Blitz schlug in das Fuhrwerk ein und tödtete den Kutscher nebst den zwei Pferden auf; der Stelle. Der Diener erlitt auf Brust. und

Schulter schwere Brandwunden, während Herr Krauß durch den elektrischen Strahl der Fuß verletzt wurde. Der Blitz hat noch an mehreren anderen Stellen eingeschlagen, und hat das Unwetter großen Schaden angerichtet. Trier, 11. Juls. Die Saarund Mosel-Ztg. schreibt : Am Samstag starb ein Kind des gewiß seltsamen Todes, daß eines seiner Geschwister ihm einen Stein in den Mund steckte, woran es trotz ärzlicher Hülfe erstickte. Die ' fahrenden Landbriefträger, welche seit einigen Monaten versuchsweise eingenchtct worden, sind eine wahre Wohlthat für die Bewohner des platten Landes in Bezug auf schnellere Verbindung mit den nächsten Städten. Die Postboten sind etzt, um gegen Anznffe geschützt zu sem, mit Seitengewehren versehen und werden demnächst auch Posthörner erhalten. Bonn, 11. 'Juli. Am Samstag and im Kottonforst, in der Nähe von JpPendorf, eine Krummsäbel-Mensur zwichen emem jungen Studirenden der Ju risprudenz aus Königsberg und einem früyeren Angehörigen unserer Universität ltatt. wobei ersterer einen so schweren Hieb durch den Brustkasten in die Lungen erhielt, daß er an den Folgen der erhaltenen Verletzung gestern im St. Johannis-Hos-pital gestorben ist. Dresden, 7. Juli. Sozial Demokraten vor Gericht. Vor der zweiten Strafkammer des königlichen Landgerichts Dresden hatten ncy yeme drei hiesige Socialdemokraten wegen Ver- '.. r-.?n?rjt. rr C'C Dreitung verooiener ivzianiiiia)er uristcn zu verantworten. Angeklagt waren der bekannte sozialistische Agitator, Redakteur und Schriftsetzer Max Kegel, der seit drei Monaten in Untersuchungshaft befindliche Schuhmachergeselle F e chc i nn f. t r r ne r uno oer Vurilenvinoerae eue romm, zur Zeit m Dresden wohn haft. Den beiden Erstgenannten war zur Last gelegt, eine ganze Anzahl von vervokenen loziattNijHen cyrisien umer p r w p. iyren )e innunasaenonen verorenc: ;u haben, insbesondere die in Zürich crscnci nende Zeitschrift Sozialdemok.", während dem MitangeklagtenFromm nur der Besitz einzelner verbotener Schriften nachgewie sen werden konnte. Auf Grund der Be Weisaufnahme erfolgte die Verurthcilung Kegels und Fechners zu je drei Monaten rr r r. r . . . ri 1 . esangnin, lonne zur oiieniragung, roo hingegen fromm freigesprochen wurde Von Gerichtswegen wurde die erbetene vorlaufige Freilaffung des inhaftirten Fechner abgelehnt und die sofortige Ver hastung Kegels angeordnet. Mit der Verhaftung Kegels befinden sich nunmehr sämmtliche Fuhrer der hiesigen Sozial demvkraten im Gefängniß. Der sozia listische Reichstags-Abgeordnete Cigarren handler Max Kayser sitzt schon seit dre Wochen in Untersuchungshaft wegen Ver breitung verbotener sozialistischer Schrif ten. Berlin, 7. Juli. Eine interes sante Wette ist am Freitag von einem lungen Referendar gewonnen worden Derselbe hatte im Kreise von Bekannten die Behauptung aufgestellt, daß in Berlin jemand, der es verstehe, recht anständig vom Betteln leben könne. Er selbst machte f? jf. f. f r c m . t. rrrt , . . ncy anyeiicyig, oen Veweis oer uayryen anzutreten, und verpflichtete sich, von corgens 7 Uhr bis Abends 7 Uhr minde stens 6 Mark zusammen zu ..schnorren" Als Gegenstand der Wette wurden 50 Mark angenommen, welche Summe mit dem Ertrag der seltsamen Excursion einem wohlthätigen Zwecke dienen sollte. Der freiwillige Bettler wurde vor feinem Gange genau durchsucht und während desselben von zwei Freunden begleitet. Sein Erfolg war groß. Sein dürftiges Aussehen, sowie das bescheidene Austreten erweichte das Herz mancher Familienmutter und in den allermeisten Fällen ist ihm

kleines Geld qcgcbcn worden. In einer Veamtenfamilie hat er Mittagbrot bekommen und angenommen. Nachmittags batte er 130 Mal angesprochen, davon 42 Mal vergeblich; sein Ertrag war drei Stunden vor der festgesetzten Zeit 0,5 M. und somit war die Wette gewonnen. Der Betrag von 56,4 M. ist am Samstag einer armen Wittwe, deren Mann am Tage vorher beerdigt war, eingehändigt worden. ' Vom XIX. schwäbischen L i e d e r f e st wird aus G m ü n d vom 13. Juli geschrieben: Noch niemals seit seinem Bestehen hatte sich der schwäbische Sängerbund in so großer Anzahl zum Gesangs-Wettstreit gestellt, als zum diesmaligen 19. Sängerfest in Gmünd: 91 Vereine mit 3,400 Sangcsbrüdcrn zogen, aus ganz Württemberg und Hohenzollcrn kommend, in die Stadt der Goldschmiede unter Musikbegleitung ein. Leider öffnete am ersten Tage der Himmel seine Schlcusen so gewaltig, daß der für 2 Uhr Mit tags projektirte Festzug nach der Prächtig dekorirten Festhalte, die sich übrigens dem starken Regen gegenüber wegen ihrer schlechten Bedeckung (sie scheint nur für Sonnenschein berechnet zu sein) als sehr mangelhaft erwies, unterbleiben mußte. Der Wettgesang theilte sich in zwei Ab-' theilungen, Volks- und Kunstgesang ; bei ersterem rangen nicht weniger als 20 Vereine um die Palme, bei letzterem 12 mit glänzenden Leistungen. Im Volksgesar.g erhielt der Sänqerkranz Hai'gerloch und Stuttgart, die Teutonia (Ulm), im Kunstgesang der Liederkranz Ravensberg (weitaus am besten) und der akademische Lieder kränz Stuttgart erste Preise, während an die' übrigen wettsingenden Vereine Ehrengaben vertbeilt wurden. Dem Festdirigenten, Prosesior Faißt, der die Gesammtchöre leitete, überreichte der Stadtschultheiß Untersee einen silbernen Pokal, einen gleichen dem sckjwäbischen Sängerbund, während der Stuttgarter Liederkranz, der sich am Wettsingcn deshalb nicht betheiligte, weil er alle Vereine doch zweifellos überragt, den von den Festjungfraucn Gmünd's gestifteten Pokal, der ein wghres Kunstwerk ist, erhielt. In Göttingen ist vor einigen Tagen der berühmte Sprachforscher Professor Dr. Theodor Venfey im Alter von 72 Jahren gestorben. Venfey promovirte bereits im Alter von 19 Jahren. Im Jahre 1834 habilitirte er sich an der Göttinger Universität, wurde 1848 außer-

ordentlicher und 1862 ordentlicher Profesior. 'Er war Mitglied der Akademieen zu München, Berlin Pest. Parisund Wien, der wissenschaftlichen Gesellschaften zu Paris und Göttingen. Mit ihm vertert die WiNenswaft, insbesondere die Sprachenvergleichung, einen der bedeuendsten Forscher. M ' Von einem Knaben, der erbötig war, für eine Vergütung von 10 Cents Henkersdienste zu vcrnchten, erzählt der Columbus Wcstbote": 1 1 ii Hinter oem anen rcrnirn yauze neyr eine halbverfallene Hütte. Tort fand die Polizei am Dienstag Abend ein Weib, Jennie Tresler, auf dem Boden des zweiten Stockwerks ; ihr Gesicht war mit Blut bedeckt. Ein Gerüst und ein an dem ?'alken befestigter Strick mit einer SchÜnoe zeigten nur zu deutlich, daß das Wrib- . ii fr r " . rv . - T . veriucyl yalle, iia? zu yangen. m tionshause verschluckte Jennie etwas Pulver, der Schließer sah es und entriß ihr das Papier, das Arsemk enthielt. Em Brechmittel rettete das Weib vom sicheren Tode. Nachher ergab es sich, daß Jen.iie vorher schon Morphin genommen. emen Whisky .daraus gesetzt hatte und dann nach ihrer Bude hinter dem Franklin Hause geeilt war, um sich dort u erhängen. Sie rief den 7jährigen Willie Henderson zu Hülfe und versprach ihm 10 Cents für seine Dienste. Angelockt durch die in Aussicht gestellten 10 Cents, that der Knabe seine ganze Schuldigkeit, rückte mit großtr Kaltblütigkeit eine Kiste als Gerüst zurecht, befestigte den Strick an dem Balken und brachte mit ihrem Beistände alles Nöthige in Ordnung. Jennie stieg auf die Kiste, nun verlangte der Knabe abcr seine 10 Cents, ehe er ibr erlauben wollte, ihren Kopf in die Schlinge zu stecken. Da das Geld abcr nicht zum Vorschein kam, so licß er sie fahren ; sie siel von der Kiste und blieb dort, vom Gift und Whisky betäubt, liegen, bis die Polizei heran kam. Das Mordgeheimniß von Winnetka bei Chicago ist jetzt enthüllt, indem kein Zwe'.fel mehr darüber vorhanden ist, daß der dort ermordet gefundene Mann Ignatz Hopf aus Maffrrsdorf. Böhmen war. Auch ist man jetzt im . -sitze mehrerer Andeutungen, die vielleicht auf die Svur etwaiger Gefährten des Ermordeten führen' und die Entdeckung dcs Mörders erleichtern können. Uebrigens war Herr Hopf kein Durchbrenner, sondern es scheint, daß er nach Amerika nur in einem Anfalle von Mißmuth autwanderte. Wenigstens berichtet die Reichenberger Zeitung, daß er keine Schulden zurückließ und auch der von derselben Zeitung veröffentlichte letzt? Brief Hops's an seine Frau, der am 18. Dezember v. I. in Bremen geschrieben wurde, sagt über das. Motiv zu seiner Auswanderung : Den Grund kann ich Dir heute noch nicht schreiben ; er ist jedoch in keiner Lumperei zu suchen, denn deffen bin ich nicht fäöig." Hopf war ein sehr intelligenter Mann und stand im 38. Lebenslahre. Nur aus Noth. Gläubiger : Ah, das latz' ich mir gefallen. Ihre Schulden bezahlen Sie nicht, aber theure Hühner essen Sie?!" Schuldner : Nur aus Noth Verebrtefler, aus purer Noth! Ter Met'.qer borgt mir nichts mehr, bci'm Gcflügclhändler . dagegen hab' ich noch Credit V