Indiana Tribüne, Volume 3, Number 51, Indianapolis, Marion County, 30 July 1881 — Page 7
Ein Pariser ScnsationS-Prozcß. Ein Erbschafts-Prozeß ganz eigen ibümlicfor 9f?ntnr bildet in 1aris da3
Eesvräch des Tages. Gegen eine geist-! f'.J. s? m. V f iiu;c ucnarecraiion, gigm cie )ruoer von Saint-Bineent dc Paul, wird die Beschuldigung der Erbschlcicherei crhoben. Herr de Brimont war Inhaber eines weit und breit gekannten ChampagnerHauses, des Hauses Ruinart de Vrimont in Ncims. Seit geraume? Zeit schon! m t i ri . i-n! n?ar cic Teilung uno 'erwauuna oes Hauses einem erprobten und intelligenten Beamten desselben übergeben worden.Dieser Umstand erklärt auch, weshalb der Zustand, in welchem Herr de Brimont sich befand, dem Aufblühen seines Geschäftes nicht hinderlich war. Schon vor vielen Jahren ; waren an Herrn de 'Brimont Anzeichen von Verrücktheit Wahrzunehmen. Liese Verrücktheit wurde jedoch niemals amtlich constatirt. Und dieser Umstand aab weitelsobne der Eongregation , von Samt - Vincent de j Paul die ' Hoffnung, sich m den besitz j eines zu ihren Gunsten errichteten Tcsta-1 mentes zu setzen. Die Geistesverwir-i rung welche dem- Verstorbenen eigen' war, war eine Art von Hysterie-nach zwei verschiedenen .Richtungen, gewiffer?maßen ..eine. Doppelnawr,'' welche '.dieZ crtremstcn Leidenschaften in sich ver- ; einigte. Er war gleichgiltig religiö-j scr Fanatiker und Wüstlings der in getheiltes Leben zwischen aus- l schweifenden Vergnügungen und eraltir-' ter Frömmelei führte. .Er konnte niemals einen Priester an sich vorübergehen lassen, ohne das Zeichen des 5lrcuzes zu machen und bei ieder Kirchenthür blieb j er stehen, um ein Gebet zu verrichten. j Dabei hatte er aber zahlreich iattreffen, aus denen er zufolge einer sonderbaren Manie fromme Christinnen machen wollte. Außerdem gab er ihnen, wiewohl er durchaus kein Harpagon war, nickt einen Sou Taschcnaeld. Er sperrte sie in ihre Gemächer ein und vertraute sie der Wachsamkeit einer Aufseherin einer alten Dienerin seines Hauses an, überschüttete sie förmlich mit Kleinodien und Schmucksachen, bezahlte aber selbst die Rechnungen der Lieferanten und duldcte nicht, daß sie auch nur so viel Geld haben sollten, um einen Fiaker bezahlen zu können, der sie in's Freie führte. Es ging regelmäßig mit den Auserwähltcn seines Herzens nach dem Wallfahrtsorte Lourdes und feierte hier mit ihnen, während seine Lippen Gebete murmelten, wahre Orgien, indem er sich einbildete, daß er hiebei Wunder erblicke. Nach dem, was man sich weiter über die (igenschaften Herrn de Brimont's erzählt, soll derselbe häufig erschreckende Anfälle von Zorn gehabt haben. So soll er eines Tages einer jener unglücklichen Frauenzimmer bis. in ein Cafe mit einem Messer in der Hand verfolgt babcn. Einer Anderen soll er während einer ganzer Nacht ein Rasiermesser über der Kehle gehalten haben, wobei er ihr jeden Augenblick wüthend zurief, daß er sie ermorden werde. Seine Familienangehörigen hatten natürlich auch viel unter ibm ui leiden. Er bekam aber oft. Gewissensbisse darüber, was er einen ! Moment vorher gethan, und dann schrieb j er lanae Reu briete an Jene, die er ae- i kränkt oder thätlich beleidigt hatte,! um bald daraus semer Ärutatttat und Wuth neuerdings die Zügel schießen zu lafien. Seine Gattin sah sich bereits in den ersten Jahren ihrer Ehe außer Stande, mit diesen Manne zusammenleben zu können und schien daher bald von ihm. Seitbcr lebte Herr de Brimont allein. Er hatte bei sich eine Frau, halb Dienerin, 'halb Vertraute, die ihn nie verließ und deren Name auch im Testamente figurirt. Diese Frau, Namens Earoline Sebault, die man allgemeid nur unter ihrem Spitznamen, der Wcrbe-Eapi-ihn", kannte, hatte bereits, ehe sie in die Dienste des Herrn de Brimont eintrat, ! . ' - c ... m 's.- i zwei zerren gcoieni, cie -ocive m ub eines eigentbümlichen Zusammentreffens von Umständen kurze Zeit, nachdem sie bei ibnen im Dienste war, plötzlich starben. ' Das Merkwürdigste an der Sache ist jedoch, daß man bei Beiden den Versuch ' einer Erbschleicher machen wollte. Vor mehreren Jahren kam Herr de Brimont nach London. Er war nur von Caroline Sibault begleitet. Seine geistigen Kräfte waren damals stark getrübt. Er trat zu einer Betschwester, Namens Marie Chatelain, Vorsteherin der Gesellschaft von Saint-Vincent de Paul, in Beziehungen. Eines Tages, als er gerade im Kloster anwesend war, stellte ihm Schwester Ehatelain zwei kleine Kinder vor, beide im Alter von beiläufig 23 Jahren und überredete ibn, eines dieser Kinder, das hübschere, ein kleines Mädchen, an Kindcsstatt anzunehmen, dasselbe wie sein eigenes Kind zu erziehen und zu adoptiren. Dieses kleine'Mädchen fübrte den Namen Marie Eatbarine Riboldi. Woher hatte sie diesen Namen? Man wußte es nicht. Woher kam dieses Kind zur Oberin? Man wußte es gleichfalls nicht. Nur so viel konnte man sehen, daß Schwester Marie Ebatclain bei jeder Gelegenheit ein lebhaftes Interesse für das Kind an den Tag legte. Einige erzählten, daß der Name Riboldi von einem Groom herstamme, den man früher öfters imKloster gesehen haben wollte. Herr de Vrimont liebte das kleine Mädchen abgöttisch. Er liebte es umsomehr, je größer das Dunkel war, welches die Herkunft desselben umgab. Eine Art von Verehrung und religiösem Cultus vermehrte noch seine Zärtlichkeit. Er erblickte in Schwester Marie Chatelain, die die Vormündern; des Kindes
war, die irdische Mutter dieses, wie er '
behauptete, von Gott herabgesandten Kindes. Auch' Earoline Sibault, der
Werbe-Eapitän", schloß sich mit Leiden- wurden mit aller Sorgfalt gemacht. Älschaft der Liebe zu dem Kinde an. Sie bcrt, oder Bud, wie er im Hause genannt sah nichts als die kleine Marie Eatha- wurde, und sein Bruder" Charles E., rine, schien nur für sie zu leben und un- luden schon am Sonntage, wenige Tage terstützte noch mehr ihren Herrn in seiner vor dem Morde, eine Doppelflinte und tiefen und abcrgläubischen'Anbctung des verwahrten solche bis zur gelegenen Zeit. Kindes. Als die verhängnißvolle Affaire passirte Als das Mädchen heranwuchs, ging befand sich Wyatt im Bette und Albert Herr de Vrimont daran, sein Testament hielt sich mit Vater und Mutter im Zimzu machen. Wir wollen hier nur die in- auf. teressantesten Punkte desselben erwähnen. Dies ist die Geschichte des Mordes, wie In einer Art von Vorwort empfiehlt der solche aus den Prozeßakten ersichtlich war. Testator seine Seele in die Hand Gottes Der Prozeß endete am 29. Januar d. I. und vertraut sich ganz ' und sonders der mit einem Verdikt auf Mord im ersten Huld der heiligen Jungfrau an. Dann Grad, und wurden die Knaben verurtheilt, erklärt er, daß er es für seine Pflicht er- am 35. März gehänkt zu werden. Auf achte, die Zukunft seines geliebten Kin- Bitten der Mutter wurde eine Galgenfrist des Marie Eatharine Riboldi . zu . sichern bis zum 22. Juni und hiernach nochmals und fetzt, derselben ein Legat ven einer bis zum 22. Juli verwilligt. Die GefanMillion Francs unter folgenden Bedin- gencn befanden sich während der Zeit im gen aus : Bis zu ihrem . achtzehnten Le- Gefängniß zu St. Joseph und wurden am bensjahre, beziehungsweise bis zu' ihrer vergangenen Mittwoch hierhergebracht. Verehelichung, soll Marie Eatharine Ri- Die Knaben gaben kurz vorder Hinboldi nur das Erträgniß dieser Million richtung einem Reporter des St. Joseph haben. Sowie sie nun ihr achtzehntes Herold" zu Protokoll, daß Wyatt derjeLebensjahr erreicht oder sich vcrheirathct nige war,' welcher dew Mord ' ausführte haben wird, gehört ihr das Kapital selbst und will Albert Talbot. eine Unterredung als unumschränktes, und ausschließliches Wyatt's mit einem gewissen Mitchell anEigenthum an. Soflte sie vor ihrer Ver. gehört haben, während welcher Wyatt beehelichung, beziehungsweise vor ihrcnr. schrieb, wie er den Mord ausgeführt achtzehnten'-Lebensjahre, sterben so soll habe. 'Mitchell soll der Leiter des Ganvon dem Kapital die Summe von 150,- zen gewesen sein, und zwar wollte derselbe 000 Francs der Madame Riboldi zugute Rache an dem Arzte nehmen,' weil seine kommen. Diese Summe soll von der Frau trotz dessen Behandlung gestorben Schwester Marie Ehatclaine ihrer Bc- sein sott und der Doktor sich nachher weistimmung zugeführt werden. Schwester gerte, ihm ehe Tochter zur Frau zu Marie Ehatclaine hat auch im Ucbrigen gebend " v : ; das Recht, bezüglich der Anlegung und Scheriff Jvell erhielt heute einen anounmittelbaren Verwaltung der legirten nymen Brief, in welchem, er mit demTode Million zu intcrvcniren. bedroht wurde, falls er die Hinrichtung Die Erben Herrn de Brimont's fanden vornähme. Es heißt darin weiter, daß keine Spur von einer Madame Riboldi. sich ? Männer verschworen hätten, ihn Drei Jahre später fügte Herr de Bri- zu todten, und daß dieö gegebenen Falls mont seinem Testamente einen Anhang auch ausgeführt würde, an, in welchem er außer, der oben erwähn-1 . Die tfrrfnKou ten Million der Marie Eatharine Riboldi. f .. " , . . simim urtw nn nnn Die beiden Knaben gingen gestern um
iivu vitiv vvv wuutiiiv v v w v, vv v Francs legi.te. Außerdem vermachte er ihr mVii.t.r .torifo nuf oin stnnSrntifÄ
geschätzt sind. Zwei Jahre darauf schließt ffjj1 5err de Brimont sein Testament mit ei- Bade arn rnchlich tfnihftuck und treutnem Eodieill, in welchem der kleinen Ri- verschiedene Portionen Whiskey dazu, boldi außer den obengenannten Vermächt- Herauf erschien der Bartner, .welcher nissen die runde Summe von einer Mil- duardrasirte, wahrend Albert mchts dalion, über welche das Verfügungsrecht von wien wollte Kurz nach l Uhr erder Schwester Marie Ehatelain zusteht, lchnen die beiden Armensunderkleider, legirt wird. Am Schlüsse dieser Legate über den (seinen Gbuaib ßfeM wird gesagt, daß eine versiegelte En- gultlgknt an denTag legte. Wahrend veloppe, welche in der Kasse des Testa- die Knawr mrt : Metten bleibet tour tors verwahrt wird, nach Eröffnung des den, erschien deren Mutter und drei Testaments der Schwester Marie Chate- Schwestern, sowie Frau Leims und eine laine auszufolgen ist. Ferner bestimmt Anzahl alterer Damen, IN tiefste Trauer der Erblasser, daß im Falle, als die übn- M eldet. Denselben wurden Sitze m der qen Legate, nämlich seine natürlichen Halle des .Gefangn,neS angewttsen. D,e Erben, in irgend einer Form gegen die Z"tres Anselmus und Jgnatms leisteten Verfügungen, welche in diesemTestamente cn Verurtheilten gelftllchen Vc:jtand. enthalten sind, Protest erheben sollten. Du !alaen waren .aus einem fiufiel (etrn der gesammte Nachlaß, be iehungswcise Gefangmß errichtet, so daß dieselben von der auf die unzufriedenen Erben entfal- dn Menge bequem gesehen werden konnlende Antheil ebenfalls der Marie Eatha- . Um halb 12 Uhr wurde den Kna-. rine Riboldi zufallen solle. Schließlich , ben gestattet, von ihren Angehörigen Abwurde Earolina Sibault, der Werbeca-. Zu. nehmen, welcher sich zu emer pitän,"mit einem Leqatc bedacht. Mit herzzerreißenden Scene gestaltete, und um Beiscitelassung seiner Ängebörigcn machte 1 Uhr wurde der Gang Zum GalgenanHcrr de Vrimont als Ereeutorcn seines ' getreten, wahrend welchem die MenschenTestaments zwei Freundeaus dcni Kreise menge etwas aufgeregt ivar. Die Knadcr .clericalcn Partei ungehörigen No- bctr satten je etnen . Kato : xm ? te, bie tablen von Reims namhaft. Jeder von ' Trostesworte zu ihnen sprachen Auf ihnen batte über ein Capital von 5 Mil-, dem Schassot angekommen, verabschiede- ' i i. 1 I. V . k 1 V.. Vl'AMatuiUA.IiAM aV
lioncn zu ver iiaen, doch konnten sie Beide ' im Sinne des Testaments ohne Zustim. ! i w . . i mung der Schwester Marie Ehatelain nichts vornehmen, diese wieder war gebunden an die Einwilligung der Borsteher der geistlichen Eongregation von Saint-Vincent de Paul, deren Hauptsitz sich in Paris befindet. Das letzte Wort hat dennoch die Eongregation zu sprechen, die, wenn man aus Obigem ersieht nicht leer bei der Geschichte ausgeht. Die Familic strengt nun einen Prozeß gegen die Giltigkeit des Testaments an, und die Affaire macht in ganz Frankreich großes Aussehen. Die Doppclhinrichtttttg ztt Maryville. Die Brüder Talbott am Galgen. Maryville, Mo., 22. Juli. Eine Doppelhinrichtung. Die Stadt ist in großer Aufregung ob der heute stattfindenden Doppel-Hinrich-tuug der Gebrüder Talbot.. Wenige Verbrechen wurden mehr besprochen, als der abscheuliche Mord des Dr. Talbot am 17. Sept. v. I. , Talbot war ein angesehener Bürger des Staates und betheiligte sich mit großem Interesse an politischen und öffentlichen Fragen. Er gehörte der GreenöackPartei an und hielt in der Wahlbcwegung letzten Sommer verschiedene Reden zu Gunsten seiner Partei. Am Abend seiner Ermordung kehrte er von einem Krankenbesuch heim und saß mit seiner Frau und seinem Sohne Albert in seinem Zimmer auf dem Bette, als er durch einen von Außen abgefeuerten Schuß so schwer verwundet wurde, daß er schon nach wenigen Minuten den Geist aufgab. Zuerst glaubte man, der Mord sei von einem politischen Feind ausgeübt worden, doch bald gewann die Ansicht die. Oberhand, daß der Doctor durch seine eigenen Söhne ermordet wurde. Henry Wyatt, ein Bediensteter auf der Farm, welcher gleichfalls der Mithülfe an dem Morde angeklagt war sagte während des Prozesses aus, daß die Knaben schon sechs Wochen vor dem Morde den Plan ausheckten, ihren Vater aufzuhängen ; sie beabsichtigten, ibn in einer bestimmten Nacht aus dem Bette zu ziehen und aufzuhängen, ebenso wollten sie sich unter sein Bett verstecken, um ihn im Schlafe m ermorden, und alle diese Mordanschläge ge-
schahen' nur aus Habsucht, da die Buben
nach ihres Vaters Eigenthum lüstern wa-, rcn. Die Vorbereitungen zum Morde! rf . . f i cr , crrrr r I Antternacht zu Bette und schliefen ruhig bis sicutc falb, da sie immer noch Hoffnung I W vu" ully"f"' Shcr,,, zog nun den Letzteren die r j.i.. , . . . i. u v. iui. . u i. schwarzen Kappen über die Köpfe ; nach gegebenem Signal sielen die Klappen zu gleicher Seit, ohne daß einer der Mörder noch irgend etwas zum Publikum gesprochen hatte. Albert, welcher nicht gut geknüpft war, lebte noch 30 Minuten, während Edward schon nach 12 Minuten eine Leiche war. Weitere Einzelnheitcn über das schreckliche Nnglutk in New Ulm und Umgegend. Nachstehend lassen wir noch weitere Mittheilungen über das entsetzliche Unglück fo'gen, von welchem die TurnerAnsiedlung New Ulm Ende letzter Woche heimgesucht wurde. Diese Mittheilungen sind zwar durch den Telegraph bereits überholt, haben aber in Anbetracht des Umstandcs, daß sie frühere irrthümliche Angaben jenes Unglücks richtig stellen, immerhin ihren Werth. Sie sind der St. Paulcr Volkszeitung" vom 19. d. M. entnommen und lauten : Aus West Newton sind nähere Nachrichten über das dort angerichtete Unheil eingetroffen. Am schwersten betroffen wurde die Familie des Herrn Fritz Larnifch; zwei seiner Knaben wurden erschlagen und seine Frau und das dritte Kind schwer verwundet. Sein Wohnhaus, Farmgcbäude und alle seine Felder wurden verwüstet. Herr John Kuschnick, dessen Haus und Stall ebenfalls verwüstet, starb in Folge der erlittenen Verletzungen. Seine Frau und die 15jährige Tochter flüchteten sich beim Herannahen des Sturmes in den Keller und entkamen unbeschädigt. Herr John Erhardt verlor alle seine Habe, Herr I. Schwab zehn Kühe und drei Pferde ; ihm blieben blos ein Pferd und eine Kuh am Leben. Die Herren N. Hoy, I. M. Walzer, I. Brigel, A. Dusick und Hy. Burg verloren Alles, was sie besaßen ; der letztere wurde schwer verwundet. Herrn I. Garvin's 40 Acker großer Wald wurde gleich seinem Hause und Stall zerstört, ebenso die Häuser der Herren I. Huhn, I. Lutz, I. Richow und P. Duarchall. Martin Frank wurde gleich John Kuschnick auf der Prairie gefunden. Beide waren augenscheinlich vom Blitze getroffen und Frank sofort getödtet. Joe Halloway (Hallenbach oder Halloran?) rrurde mit
Frau und 5 Kindern getödtet, bloß ein Kind blieb am Leben. Im Tonwn Severance (Sibley Eo.) wurde Herr M. Fish gctödtct. ' Sein Haus wurde weggeweht und kein Theil desselben ist bis jeht gefunden' worden. Herr Stollof wurde sammt Frau und drei Kindern getödtet, das am Leben gebliebcnc zwei Dkonate alte Baby erlitt einen Arm- und Beinbruch. Die Frau und Kinder des Herrn Dickmeyer, der nahe dem Mud Lak wohnt, sind schwer verletzt und sein Nachbar Lubel ist verschwunden ; man hat trotz Nachsuchens nichts von ihm finden können. Es werden auch mehrere West ?!ewtoner und New Ulmer vermißt und man fürchtet, daß sie ihren Tod gefunden. Der Schaden, der in New Ulm angerichtet wurde, läßt sich noch gar nicht übersehen. Die niedrigste Schätzung ist 5500,000, aber das ist eine zu niedrig gegriffene Ziffer. - Die schwersten Verluste sind folgende :
rv. yS Hauenstem s Brauerei und Wohnhaus 520,000 M. Epple's Wohnhaus und Flcischladen.... 11,000 Die drei öffentlichen Schulhäuser 10,000 Dr. Weschke's Apotheke 10,000 Kathedrale und Kloster........... 9,000 M. Mullen's Laden und Wohnhaus Schmucker's Brauerei. Eagle Mahlmühle Empire Nolling Mill ..... Lutherische Kirche....... Metbodistenkirche. F. Erd's Block ..: H. Duesman's Block 9,000 5,000 4,000 4,000 4,000 3,500 3,500 3,000 und noch eine große Anzahl anderer, die sich aus 32,0001,000 belaufen, wie: Wittendor's Block, Schapekam's Laden, Mayor Rudolph's Laden und Wohnhaus, Kiesling's Block, Union Hotel, Schneider's Block, Tobera's Uhrenladen, City National Bank, Ehr. Wagner's Laden, Weimann's Haus, Kroel's, Vausmann's und Kiesler s & Eo.'s Lüden, Ouense's Block, Behnke's Laden, Vrown Eounty Bank, Dr. Kuhlmann's Apotbeke, E. Krock's Haus, Lautenschläger's Block, I. Müller's Haus, Merchants Hotel, Eol. Pfaender's Haus, Vkajor Boblelter's Wohnbaus und Postamt, Dakotah Haus, Baltrusch's Laden, Vernholdt's Laden, und die Läden der Frau Erd, Frau Westphal, Nedmann & Schramm, Nolosf, Triedmann & Bach, dazu noch 300 WohnHäuser, zum größten Theil armen Leuten und Arbeitern gehörend. Die Häuser waren beinahe alle versichert, über was nutzt das in diesem Falle. Man sieht keine verkohlten Balken, keine rauchenden Trümmer, der Anblick ist daher auch kein so schauerlicher, als der einer durch Feuer zerstörten Stadt, und doch ist das angerichtete Elend, die Noth und der Jammer größer, bedeutend größer, als wenn ein Feuer die Stadt zerstört hätte. Zweiunddreißig Todte ! So viel waren ihrer gestern Abend angemsidct und dabei lagen Frau Eggert, die Knaben Karl Vogel und Peter Swanson, Herr Epple, Frau Werner und eines ihrer Kinder, Frau Golden, Frau Boesch, Geo. Vogel, Herr und Frau Tomaschka und eines ihrer Kinder, P. Bösch, Frau Neitz und I. Harnick in New Ulm tödtlich verwundet danliedcr. Soweit der Bericht der Volkszcitung", der ein erschütterndes Bild des großen Unglücks enthüllt, von welchem das blühende New Ulm und seine Umgegend heimgesucht worden ist. Und während in anderen Städten für die so schwer Betrosfenen bereits namhafte werkthätige Hülfe beschafft worden ist, hat man in Cincinnati, das so viele seiner ehemaligen Bewohner als erste Ansiedler nach New .Ulm gesandt, also durch innige Bande mit letzterem verknüpft ist, in dieser BeZiehung noch immer keine Hand gerührt ! Will nicht die Turngemeinde diese Angelegenheit in ihre Hand nehmen ? Entlarvte Heuchler. Ein frommes Ehepaar in 91cfc? Iciscy festgenommen. Doppelte Bigamie und 14 im Stich gelassene Kinder. Nach zehn Jahren von der Strafe ereilt. Die New Jorker Volkszeitung" schreibt: In Paterson, N. I., hat sich unter den Frommen ein Skandal sonder Gleichen ereignet ; eine der ersten Kirchenleuchten nebst seiner ebenso musterhaft vor dem Herrn wandelnden Gattin" sind unter der Anklage der Bigamie und des Ehebruchs festgenommen worden, und die dabei zu Tage gebrachten Einzelnheiten machen den Fall zu einem besonders , skandalösen. Seit zehn Jahren schon nabm ein Mann, der sich William L. Montfirth nannte, eine besonders prominente Stellung unter den Gottesfürchtigen der Stadt ein ; derselbe bekleidete eine vorzüglich lohnende Stelle in einer Seidenfabrik, hatte in No. 6 Ganison Street eine elegante Wohnung inne und verkehrte mit seiner Frau und seiner fünfzehnjährigen Stieftochter in den besten Kreisen". Unter den frommen Mitgliedern von Dominie 3!obinson's Kirche waren Montsirth's die frömmsten. Frau Montfirth hat längere Zeit als Organistin fungirt, der Mann und die Tochtee sangen nn Chor und versäumten den Kirchengang an keinem Sonntag ; gestern aber überholte das Unglück die Familie, Mann und Frau sitzen im Gefängniß und die junge Tochter mußte sich, gebeugt und gebrochen von der so plötzlich auf ihre Eltern gefallenen Schande, zu Fremden flüchten, und dies ist so gekommen : Montsirth's richtiger Name ist George Thomas Williams ; er wurde als Sohn eines englischen Offiziers vor beiläusig 50
Jahren in Ostindien geboren und kam als wurde Emma mit den rechtmäßigen Kinjunger Mann nach England, wo cr sich dern ihres Vaters erzogen. Sie erhielt als Kaufmann etablirte und zwar schon eine vorzügliche Erziehung und verheirain dcn ersten Jahren mit dem besten Er- i tbete sich als achtzehnjähriges Mädchen in folg. Er verheirathete sich nun und seine ! New Orleans' mit einem jungen FranzoEhe war reich mit Kindern gesegnet, nicht ! sen, dem sie unmittelbar nach der Hochweniger als vierzehn wurden ihm - be-' zeit in seine Heimath in Toronto, Canada, schecrt. Obgleich das Glück ihn im Ge-! folgte. Nach siebenjähriger El'e starb schafte begünstigte, war er damit nicht zu- der Marn:, seiner Wittwe und seinem einfrieden, er wollte schneller reich werden zigen Kinde, einem sechsjährigen Töchterund begann zu spekuliren, verstand dies , chen, ein bescheidenes Vermögen hinteraber nicht richtig und büßte allmählig sein lastend. Bald nach dem Tode xbnz (Sau ganzes Vermögen ein. Der nächste Schritt ten kamen bei Emma, dem Kinde der war, daß er sich dem Trunke ergab, sich Sünde, die dösen Leidenschaften zum Ausdurch die Arbeit seiner in Handarbeiten bruch, welche von Jugend auf in ibr ae-
geschickten rau ernähren ließ und immer mehr verlumpte. Zu jener Zeit wurde seine Frau öfters von einer verheirateten Nachbarin Namens Jane Fox besucht, welche mit ihr gemeinsam arbeitete. Frau For war eine hübsche Frau von 'vielleicht 25 Jahren mit einem rechtschaffenen Mann verheirathet und Mutter eines etwa 5 Jahre alten Mädchens ; Williams verliebte sich in sie und die junge Frau sonderbarer Weise auch in den verkommenen Trunkenbold. Die Folge war, daß Williams seine Frau und 14' Kinder und Frau Fox ihren Mann verließ. Das Paar brannte nach Amerika durch und nahm das fünfjäbrige Töchtcrchen der Frau Fox mit. , Sie begaben sich nach Patterson, ließen sich dort trauen und lebten seitdem zehn Jahre unter dem Nqmcn Montfirth. Unterdessen quälte sich die verlassene Frau in England, um sich und ihre 14 Kinder vor dem Verhungern zu schützen ; eines der Kinder nach dem andern wanderte in das Joch der Fabriken und starb in Folge dessen eines frühen Todes, so daß jetzt von den vierzehn nur noch die vier jüngsten, lauter Mädchen, am Leben sind. Die Frau stand schon seit län gerer Zeit mit dem Polizeichcf von Pattcr son in schriftlichem Verkehrn, ist auf dessen! p rw . , Drängen schließlich nach' Amerika gekom-. men, wozu Freunde ihr das Geld gaben. Am vergangenen Samstag traf sie hier ein und gestern früh wurden Montfirth" und seine angebliche Frau verhaftet und dem Jtecorder vorgeführt, wo Frau Williams und ihre vier Töchter, im Alter von 12 bis 18 Jahren, ihrer warteten. Williams alias Ä!ontfirth wurde dem Gefängnitz überwiesen, bis Anklagen wegen Bigamie und böswilligen Verlassens gegen ihn anhängig gemacht werden; Frau Fox wanderte unter der Anklage des Ehebruchs ins Gefängniß und wird ebenfalls wegen Bigamie prozessirt werden, sobald Beweise ihrer Heirath m England angelangt sind. Frau Williams hat gestern bereits auf Anrathen des Recorders Besitz von der bisherigen Wohnung ihres Gatten genommen. Hoch klingt daß Lied vom braben Mann!" Von der heldenmüthigen That eines jungen Mannes, durch welche das Leben eines dreizehnjährigen Mädchens gerettet wurde, berichtet die Broolvner Freie Presse" Folgendes : Am Sonntag ereignete sich in Nockaway eine aufregende Scene, welche dcn Augenzeugen derselben noch lange im Gedächtniß bleiben ivird. Der ErcursionsDampfer Grand Nepublic" war gerade im Begriff, seine Passagiere aus Paterson und ihrer waren eine große Anzahl zurückzubringen, und die letzten Nachzügler drängten sich, um nicht zurückgelassen zu werden, auf der Brückcnplanke, als ein etwa dreizehnjähriges Mädchen von einem Manne bei Seite gestoßen wurde, so daß sie über Bord fiel. Im ersten Augenblicke wurde der
Unfall gar nicht bemerkt, bis endlich tme zügen und in der Küche unter dem Rauchauf dem oberen Verdeck stehende Frau das fang, da der Ruß im Schornstein ein gu-
mit den Wellen kämpfende Kind bemerkte und Mit einem Angstschrei ausrief: Ein Kind über Bord!" Wohl wandten in diesem Augenblicke sämmtliche Passagiere ihre Augen nach der Stelle, wo das junge Mädchen sich noch mit d r größten Anstrengung über Wasser hielt, aber Niemand war da, welcher den Muth hatte, die Unglückliche zu retten. Mit bleichen Gesichtern standen die Männer da, angstvolle Rufe austoßend liefen die Frauen auf dem Deck hin und her, während das Kind Geistesgegenwart genug besaß, mit einer and den Mund zuzuhalten und mit der anderen die anscheinend letzten Anstrengungen machte, um nicht unterzusinken. Da sprang auf emmat em braver Bursche er ist em Brooklyner über Bord, ohne sich seines
Rockes und seiner Stiefel zu entledigen, stürzt, zu meiden. Bekannt ist, daß tci schwamm nachdem sinkenden Mädchen und i Freien öfters Menschen unter Bäumen hielt es so lange, bisein Polizist mit einem ! erschlagen worden sind ; nach einer vorBoote ihnen Beiden zu Hülfe kam irnd sie liegenden Statistik wurden in einem
rettete. Er war vollständig erschöpft und L sVl 5 ' i die Hülfe des Polizisten kam gerade zur rechten Zeit. Er erzählte, daß dieses das neunte Menschen leben .s-i, das er gerettet habe. Das Mädchen sagte, sie sei von -! CW ryr.fw .. - , einem Manne absichtlich über Bord geItopen worden, weil sie ihm nn Wege ge - standen habe. Sie ist von Jersey City Heights und war in Begleitung ihrer Mutter. Der Name des braven jungen Mannes konnte leider nicht in Erfahrung gebracht werden. Bor einem schrecklichen Schicksal bewahrt. Der Name Emma Batiste, schreibt die St. Louis Westliche Post , ist in den Kreisen unserer jeunes8e doree wohlbekannt.' Die Trägerin des Namens ist eine Quadrone, ein üppiges, trotz seiner 40 Jahre noch verführerisch schönes Weib, desien bewegte Vergangenheit viele romantische Episoden aufzuweisen hat. Als uneheliches Kind eines reichen Pflanzers auf einer Plantage in Louisiana geboren.
schlummert hatten. Sie verkaufte ihr Eigenthum, übergab die Tocbter der
Pflege einer befreundeten Familie und verschwand aus Torcnto. Einige Jahre später tauchte sie in New Orleans auf, wo sie in Folge ihrer außergcwöbnlichcn Schönheit und ihres eleganten Auftretens unter den Damen der Demimonde bald eine hervorragende Rolle spielte. . Vor etwa 8 Jahren kam sie nach St. Louis. Hier eröffnete sie in einer der verrufensten Straßen emen der Venus 'vulj:iv:,nr geweihten Tempel. An Gästen fehlte ihr es nie, und das Gerücht behauptet, daß sie es nicht nur verstand, den Lebemännein das Geld abzunehmen,. sondern anch dasselbe .zu . behalten. ' Doch; die letzten Jahre waren dem Geschäft" nicht besonders günstig. Emma erkannte mit dem ihr .angeborenen Scharssinn' daß sie ihrem' Lokale eine ' crauisite: aan neue , Attraction'verleihen müffe-.V'Da erinnerte sie sich ihrer-nunmehr emundzwanzigjähV1 Ai' t"rAkav Vta Im r1 1 Vf A Tl?.'-iK-ivjiii vu;ivi v-- v.v i'tHHvmv JJWKV' chen zu werden versprochen und sich sicherlich den mütterlichen Eiwartungcn emsprechend entwickelt hatte. Sie schrieb nach Toronto und erhielt umgebend Antwort. Die Tochter, welcher die Lausbabn der Mutter unbekannt geblieben, sprach . . . JJ ' das sehnsuchtsvolle Verlangen nach einer baldigen Ve,sinigung aus und faßte nach wiedeiboltm Auttausch zärtlicher priese dcn Entschluß, die Mutter in St. Louis zu überraschen. Vorgestern Abend traf das ahnungslose Madchen auf dem Union Depot ein. Schnell war eine Droschke engagirt und dem Kutscher der Austrag ertheilt, nach No in der Straße zu fahren. Verwundert schaute der Noffelenker auf die elegante mnge Dame und kopfschüttelnd meinte cr: Wiffcn Sie denn auch, mein Fräulein, was das für ein Haus ist V Ungeduldig und in beleidigtem Tone erwiderte das Mädchen: Ja wohl, es ist das Haus meiner Mutter." Und ein berüchtigtes Vordell", ergänzte der Kutscher. Das Ende ist schnell erzählt. Die bedauernswerthe schuldlose Tochter einer schuldbeladenen Mutter eilte in die Four Courts und bat den Eapitain Fruechte unter Thränen, ihr zu sagen, ob die gegen Emma Batiste erhobene Beschuldigung begründet sei. Als sie aus dem Munde des Beamten die Bestätigung der furchtbaren Nachricht erhalten, brach sie zusammen. Während der Nacht wurde ihr von dem mildthätigen Capitän ein Ouarticr in den Four Eourts angewiesen und gestern Abend trat sie, obne die wicdcrgefundene und verlorene A!utter gcsihen zu haben, die Rückreise nach Toronto an. B e t r e f f s V e r m e i d u n g der Gefahr, vom Blitze erschlagen zu werden, ertbeilt ein Wechselblatt folgende katbschlüge : Mrnt hüte sich während eines Gewitters, in Gebäuden die Lücken einer unterbrochenen Leitung mit seinem Körper auszufüllen. Derartige gefährliche Stellen sind unter Kronleuchtern, welche in metallenen Ketten hängen, unter Drahtter L.itcr ist. Auch die Nähe von Spiegeln, ivelche mit Metall belegt sind, die Nähe der eisernen Stangen in Fenstern und überhaupt größerer Metallmassen kann die Gefahr vermehren. Ter beste Platz ist in der Mitte eines geräumigen und hohen Zimmers. Da Zugluft, zumal trockene, die Gefahr nicht vergrößert, so ist das Schließen eines mit )nschen angefüllten Zimmers, wodurch di? 2 ' wüle und Beklommenheit und die Ge:. es Erstickens in dem Fall, daß wirkli ein Blitzstrahl in das Zimmer dringen sollte, vermehrt werden, zu widerrathen. Auf der Straße ist man in der Nähe -von Vcauern, namentlich unter Thorwegen, mehr gefährdet, als in der Mitte : besonders sind solche Stellen, wo das Wasser von dcn Dächern in starken Güssen nieder ' Jahre von 8 ! Personen 15, nur weil sie M" 5 . .V . sich unter Bäume geflüchtet hatten, vom Blitz getödtet. Man hat sich daber bei einem Gewitter stets in einiger Entfernung von Bäumen zu halten. Schnelles Laufen vermehrt die Gefahr wohl kaum. 1 ! Werden, !9. Juni. Gestern j Nachmittag 4 Ubr 10 Min. wurde in ! Heidbausen in der nächsten Nabe der ! Potttackerschen Wirthschaft ein seltenes Naturereignis eine sogenannte Windhose, veovacytet. Mehrere Perionen, welche sich auf einem von Velbert kommenden offenen Wagen befanden, sahen, wie plötzlich von einem dicht an der Ehausiee liegenden Häuschen ein großer 'Tbeil der Ziegeldachung in die Luft geschleudert wurde, während die Strohdocken zu Hunderten, gleich einer Schar Kraniche, in die Luft flogen, um dann nach allen Seiten wieder niederzufallen. Auch das Fuhrwerk wurde von der Hose" erfaßt, so daß sich die Insassen desselben nur mit größter Anstrengung zu halten vermochten. Die ganze Erscheinung dauerte, wie Augenzeugen versicherten, kaum drei Minuten.
