Indiana Tribüne, Volume 3, Number 50, Indianapolis, Marion County, 23 July 1881 — Page 6

Der UtaviSmuS der Nase.

Sin Darwinistisches Capriccio don C. S p ielmanu. Als ich noch jung war .... und das ist leider, trotzdem ich mir die Jugend wenigstens im Junggesellen conservirt habe, schon eine ziemlich geraume Zeit her also, als ich noch jung war, kannte ich in meiner Heimathstadt eine ebenfalls junge Dame dergleichen kommt ja wohl in Heimathsstädten vor. Adelheid war ihr Taufname und sie galt allgemein als ein sehr schönes Mädchen, wenn natürlich auch die lieben Freundinnen man kennt daS ja ! hinter ihrem Rücken diese Schönheit durch Verkleine rungsgläser zu betrachten pflegten, wobei sie namentlich Adelheid's etwas über das Maß der Vollkommenheit hinaus entwi ekelte Nase zum Beobachtungsobjekt wähl ten; hier wendeten sie freilich Vergröße rungsgläser an. Ungern thu ich's; aber als gewissenhaf ter Chronist kann ich doch nlcht umhin zu constatiren, daß Adelheids Geruchsorgan allerdings wohl ein ganz klein wenig klel ner Hütte sem können, als es in der That war. Indeß auch so wie sie nun einmal in die Erscheinung trat, that sie dem an muthigen Ensemble deS Gesichtes ihrer Trägerin und desien liebenswürdigem Ausdruck kaum irgendwelchen Abbruch. Ein junger Mann. Arzt seines Zeichens, den Adelheid in's herz geschlosien, schloß auch seinerseits die Jungsrau in das sei nige. und diese unterschiedlichen Schließun gen führten schließlich zu der gemeinsamen eines Bundes sin's Leben; . Verlobung, -Sockzeit Adelheid war, ehe man sich desikfl versah Frau Doctor Flex gewor den. Angesichts der Nase seiner Gattin nun besaß Herr Doktor Flex ein solche? Organ eigentlich gar nicht, oder er war zum mindesien von der denkbar untergeordnetsten Bedeutung. Denn daS, was in des Doo if . . fi .!fX lIl jors Antlitz anatomliq.pyy!!0!og!,lli'pqy' siognomischem Herkommen gemäß auf den Namen Nase hätte hören sollen, war nichts als ein erster Entwurf zu einer solchen, eine Nasen. Skizze, eine nasale Abbreviatur, eine flüchtige Andeutung. DU Natur kennt keine Sprünge," ist einer der Hauptgrundsätze moderner Forschung. Wäre dem wirklich so, dann dürste sie vor allem keine Seitensprünge machen; ein solcher liegt aber in dem ftlcr'scden Falle ganz unzweiselhaft vor. wie ich dies sofort nachweisen werde. Die geringste Dosis Logik reicht wohl hin, um es als eine weltgesetzliche Noth wendigkeit erscheinen zu lasien, daß sich aus der Verschmelzung der Nasenskizze des Doctors mit der hypertrophen Nase seiner Gattin die allergesälligste anmuthigste, kurz: die eigentliche Normal'Nase hätte entwickeln müssen. Das war aber keineswegs so. Denn Clementine, Flexens und Adelheids Toch ter, brachte ein Geruchsorgan mit zur Welt, dem gegenüber man beim besten Willen nicht mehr wie bei die Mutter den Euphemismus ; ein klein wenig zu groß" in Anwendung zubringen vermoch' te ; sie erfreute sich vielmehr eines Gesichts Vorsprunges, der selbst unter Brüdern un bedingt in die Gattung der Hochgebirge gerechnet werden mußte. Oder vielmehr : sie grämte sich dieses Vorsprunges: denn ClementinenS gute Bekannte" waren viel zu rechtschaffene und wahrheitsliebesde Gemüther, als daß sie sich betreffs der nasalen Ausstattung ihrer Freundin von dem Epitheton. ungeheuer" auch nur daS Ge ringste hätten abhandeln lasien. Nichtsdestoweniger bewarb sich zu rechter Zeit" um ClemintinenS Hand ein tun ger Handelsherr, Herr Kropp mit Namen, der sich an der großen Nase seiner Auser korenen wohl um deswillen nicht stieß, figürlich gesprochen! weil die übergü .tige - Mutter Natur ihm selbst mit einem 'Geruchsorgan bedacht hatte, desien Län gen-. Breiten-, und Durchmesier Dirnen sionen denjenigen der Clementinen Nase mindestens noch ein Dutzend VointS vor gaben. . Auch in diesem Falle folgte Naturgesetz, mäßig der Bewerbung daS Verlöbniß und die Hochzeit. Wie Herr Kropp und Clementine mit einander bezüglich des Küsiens zurecht !a men ; . ob sie bei jedem dieser Lippengrüße ihre ebenso respektiven als respektablen Nasen auf mechanischem Wege zur Seite bogen mir ist das ein ungelöstes Räth sel geblieben, weil ich erstens niemals Zeuge dieses mündlichen Verfahrens"!

zwischen den beiden Eheleut?n war, und zweitens als monadistischer Junggesell in

der PraxiS des KüsienS überhaupt ohne jede Erfahrung bin. Also Clementine wurde Frau Kaufmann Kropp, und ich gestehe, daß ich äußerst ge spannt war, welche Extravaganz Mutter Natur nunmehr sich erlauben werde, will sagen: ob sich auf die zu erwartende De cendenz der Dame die Nasenskizze des Großvaters, oder die ein klein wenig zu große" Nase der Großmutter vererben würde. Ich hielt, angesichts des vorer wähnten Seitensprunges," diesen eben

Erwähnten Weg für den einzig möglichen. Zum Glück, sagen wir, vielleicht aber Da er sich jedoch die Gelegenheit nichi entauf dem die Natur wieder ins rechte Gelei war es im vorliegenden Falle ein Unglück, gehen lasien wollte, mit seinem Talent vor e i. v r v rr . o . r . ... ? . r v it 'i v cm r r .

t zuruaienlen ronnie; oenn oav oie Enkelkinder nach den Großeltern arten, ist ein ebenso anerkanntes als altes Theo rem. Als Schönheitsverehrer par excellencc hegte ich überdies selbstverständlich ln in erster Seele den Wunsch, daß aus dem harmonischen Amalgam dieser sämmtlich etwas adnorm gerathenen Familien-Ge ruchsorgane die tadellosesten Enkelnasen sich entwickeln möchten, und mit diesem stillen Hoffen verließ ich meine Heimath stadt, um erst nach einer Abwesenheit von fünfzehn Jahren dahin zurückzukehren. Als ich bald nach der Wiederkunst mei ner alten Jugendfreundin Adelheid, der nunmehrigen glücklichenGroßmutter, meine Visite machte, traf ich bei ihr ihre Enkelin, Clementinens älteste Tochter nach der Großmama ebenfalls Adelheid genannt emen m Formen und Wesen bereits in vorgeschrittenem Entwicklungsstadium 6e findlichen Backsisch.' Aber Allmächtiger! was war bei der jungen Adelheid bei Adelheid 9!r. 2 auö der ein wenig das Normalmaß überschreitenden Nase der Großmutter geworden?! Eine wahrhaftige Monstrosität, ein Tukanschnabel, eine nasale Unmöglichkeit ! Dem Hochgebirge ihrer Mutlernase gegenüber ein bis in die Regionen des ewigen Schnee's hineinra gender Riesengipfel ein Chimborasio unter den Nasenbergen ! Natürlich suchte ich als wohlgeschulter Weltmann mein Erschrecken beim Anblick dieses Nasenungeheuers in einemMädchen antlitz so gut als irgend möglich zu unter drücken ; ein leisesZucken meiner Wimpern war aber dem scharfen Blick der Großmut ter doch wohl bemerkbar geworden. . Denn als jung Adelheid uns verlasien hatte, sagte alt Adelheid nicht ohne einen Hauch von Resignation in der Stimme : Ja! ja! mein alter Freund! Es ist nun einmal ein eigenthümliches Schicksal mit den Nasen in der Welt im Allgemeinen u. in unserer Familie im Besonderen! Das arme Kind ! Sie wird sitzen bleiben ganz zweifellos ! Denn das ist kein Vor gebirge der guten Hoffnung, sondern im Gegentheil: eines der bösen Hoffnungs losigkeit. Welcher Mann möchte sich auch entschließen, ein Mädchen zu heirathen, das eigentlich nur eine Nase und außerdem kaum noch eine Spur von Gesicht b: sitzt !" Und die immer noch recht stattliche Großmama mit der etwas das Normal maß überschreitenden Nase, zerdrückte mit der Wimper des schönen Auges eine Weh muthszähre, ausgepreßt durch die Tukan nase ihrer Enkelin. Und Clementinens drei Söhne V fragte ich zögernd. Das ist ja das Aergerlichste an der ganzen Geschichte : Alle drei haben die Nippes'Nase ihres Großvaters aber in Miniatur-Ausgaben!" antwortete schmerz lich seuszend die Großmutter. Und nun komme man mir noch einmal mit der Natur, die keine Sprünge kennt ! Sätze wie ein Kängurn machte sie, die Allervortresflichste ! Eine Stunde zu früb. Aus dem Franzosischen übersetzt von E. T. Eben. Einem französischen Blatte entnehmen wir nachstehende Geschichte eines vortreff lichen jungenMknnes,deffen ganzesUnglück von ver Wlege bis zum Grabe darm be stand, daß er stets zu früh kam. Schon bei feiner Geburt bekundete sich die unglückselige Voreiligkeit, die ihn sein Leben hindurch nicht verließ und der er endlich zum Opfer fallen sollte. Zwei Monate vor der Zeit, da seine Eltern ihn erwarteten, machte er eines schönen Mor gens ganz unangemeldet sem Erscheinen in der Welt. Keme Acconcheur, keine He dämme war bei seinem Eintritt m's Leben zugegen ; ja man hatte nicht einmal Zeit gehabt, die für einen klemen Weltbürger

nöthige Kleidung zu beschaffen. In Folge desien wurde das Ereigniß, daS acht oder

neun Wochen später mit festlichem Jubel begrüßt worden wäre, die Veranlasiung mannigfaltiger Unannehmlichkeiten und war nahe daran, die Familie in tiefe Trauer zu stürzen. Drei Tage lang schwebte der neugeborene Celestin Ballvet zwischen Leben und Tod. Der eiligst herbeigerufene Arzt ging so weit, dem klei nen Ankömmling jede Lebensfähigkeit ab zusprechen ; zum Glück sind die Orakel der medizinischen Facultät mmder zuverläsjlg als die des Kalchas. er eier möge iuou oaruocr uriyeilen, wenn er die authentische Geschichte des armen Celestin vernommen hat. Schon von seiner zartesten Kindheit an war seine Voreiligkeit eine Quelle unend llchen Kummers und Verdrusies für seine Eltern. Kaum hatte man ihm neue Klei der gemacht, so war er auch schon aus den selben herausgewachsen. Im Alter von fünfzehn Jahren erfreute er sich eines zier lichen Schnurrbartes. Kaum sechszehn Jahre alt er hatte vor Kurzem erst die Akademie betreten wurde er vomGericht verurtheilt, für den Unterhalt eines Pfandes der Liebe zu sorgen, womit eineAlters. genossin ihn beglückt hatte. Auch seine akademischen Lorbeeren erweckten vielfach den Neid und Groll seiner Mitstudirenden, wie das Staunendes Publikums. Als man am Tag des öffentlichen Examens den Rektor laut rufen hörte: Quarta, erster Preis, Eleve Balivet !" und man nun einen langen, bärtigen jungen Burschen sich von seiner Bank erheben sah, da flü sterte man sich von allen Seiten in die Ohren : - Wie schändlich ! DaS ist ein Lehrer in Verkleidung, den sie eingeschmuggelt haben, um mit den Jünglingen um den Preis zu konkurriren !" Und als er nun mit seinen Preisen und Lorbeerkränzen durch die Straßen von Paris marschirte, war er ein Gegenstand allgemeinen Spottes, denn auf Schritt und Tritt tönte ihm der Ruf entgegen : Pfui ! fchämt sich der lange, schnurr bärtige Lümmel nicht, noch in die Schule zu gehen ?" War er irgendwo zu Mittag eingeladen, so traf es sich gewöhnlich, daß er, um ja nicht auf sich warten zu lasten, sich eine Stunde zu früh einstellte, während die Vorbereitungen zur Mahlzeit noch vor sich gingen -und das ganze Hans noch in Un ordnung war. Eines Tages war das Mädchen ausgegangen, um noch einen kleinen Auftrag zu besorgen, als Celestin die Klingel des HauseS zog, in welchem er zur Tasel eingeladen war. In der Vermuthung, daß es irgend einerihrer Liefe ranten sei, öffnete die Dame vom Hause selbst die Thür; sie war eben mit ihrer Toilette beschäftigt gewesen und hielt das aufgelöste Haar in der einen Hand, wäh rend ihr Gesicht über und über mit poudrc lc riz bepinselt war. Beim Anblick des allzu pünktlichen Celestin ergriff sie mit einem Schrei der Ueberraschung und des Verdrusses die Flucht, indem sie sich heilig gelobte, den unerträglichen Menschen nie wieder einzuladen. Ein andermal erschien er als unberufe ner Ohrenzeuge eines vertraulichen Mei nungsaustausches zwischen einem Ehe paar. Er hörte, vorder halboffenen Sa lonthüre stehend, den Hausherrn zu seiner Gattin sagen : Was? Spargeln? Als ob Spinat nicht gut genug für einen so ungehobelten Burschen wie den Balivet wäre !" . Handelte e3 sich um ein Souper, so kam eS mehr als einmal vor, daß der arme Celestin sich in dem Tag oder Abend irrte und schon am vorhergehenden Tag oder Abend um bald 11 Uhr bei den Leuten klingelte, die ihn eingeladen hatten und die nun erschreckt auö dem Schlummer auffuh ren, als befürchteten sie, daß das Dach über ihnen in Flammen stehe. Figurirte er bei einer Quadrille, so avancirte" er regelrecht, ehe an ihm die Reihe war. und gab dadurch zur größten Conwsion Anlaß. Hatte er sich ein Paar neue weiße Bein kleider angeschafft, so konnte man darauf schwören, daß es so lange und anhaltend regnerisches oder kaltes Wetter sein würde, daß er kaum einmal Gelegenheit erhielte. sich darin zu zeiaen. so lange sie noch neu waren. Zog er aus's Land, so traf der Sommer gewöhnlich einen Monat später ein als sonst. Diese kleinen Mißgeschicke waren indes sen kaum der Beacktuna wertb : es waren bloße Nadelstiche, denen Celestin kein Ge w - - s

wicht beilegte. Jetzt aber kam die Zei heran, wo er sich für einen Lebensberu

bestimmen sollte. Eine unwiderstehliche Neigung trieb ihn der Literatur in die Arme, und als Theaterrecensent machte er sein Debüt vor dem Publikum. Doch welch' ein Debüt! 'Er war von dem Re dakteur eines vielgelesenen Blattes der französischen Metropole beauftragt wor den, ein Drama zu recensiren, das in einem der Boulevard-Theater zur Aufführung kommen sollte, sah sich aber in Folge eines plötzlich eingetretenen Unwohlseins ver hindert, der Vorstellung beizuwohnen. oer ven zu glänzen, o jcüruo er zu Hause eine Recension, wobei er sich auf das Urtheil stützte, das er sich bei den Proben, bei denen er zugegen gewesen, ge bildet hatte. Der Artikel, den er noch in derselben Nacht der Redaktion übersandte, war aus nehmend gut geschrieben.' Derselbe hatte nur einen kleinen Fehler, nämlich den. daß er drei Tage vor der Aufführung des Stückes erschien, die in Folge der Erkran. kung des Trägers der Titelrolle hatte auf geschoben werden müsien. Am folgenden Tage erhielt Celestin einen Brief von dem Redakteur, der natür lich vor Entrüstung außer sich war und den angehenden Recensenten ohne Erbarmen verabschiedete. Balivet verlegte sich nun aus die belle tristlsche Literatur und gab einen Roman heraus. Leider hatte er es vergessen, die bei der Herausgabe eines jeden neuen Bu ches erforderlichen gesetzlichen-Formalitä ten zu beobachten, und die Folge dieser Vergeßlichkeit war, daß die ganze Auflage consiszirt wurde, noch ehe sie in den Buch Handel kam. Diese Mißgeschicke reichten hin, ihm die literarische Lusbahn recht herzlich zu ver leiden. Er beschloß daher nun, Erfinder" zu werden, und da cr ein junger Mann von Kovf war und vielseitige, gründliche Kenntnisie besaß, so gelang eS ihm, meh rere recht gute Dinge zu ersinnen, die nur das Unglück hatten, daß sie insgesammt zu früh kamen. Sie wurden daher als die Ausgeburten eines utopischen Gehirns betrachtet und brachten ihm keinen Sou ein ; wohl aber erregten sie die die Gewinnsucht anderer Personen, die sich in der Folge seiner Ideen auf das Vortheilhafteste zu bemächtigen wußten. Durch sein beständiges Pech fast zur Verzweiflung getrieben, warf sich Celestin jetzt mit Energie der Börsenspekulation in die Arme; jedoch dieselben Wiederwärtig keiten, die ihn bis daher verfolgt hatten, wichen auch auf der Börse nicht von seiner Seite. Für ihn stiegen oder fielen die Aktien stets zu früh, und so kam es, daß er sich eines schönen TageS vollständig rui nirt sah. Zum Glück hatte er einen Verwandten, der sich in sehr vermöglichen Umständen besand und dem es daher ein Leichtes war, ihm aus seinen Verlegenheiten zu helfen. Zu diesem Verwandten, einem höheren Beamten, begab sich Celcstin und bat den selben, ihm einen Platz zu verschaffen, Der Cousin nahm ihn freundlich auf und versprach ihm, sein Möglichstes sür ihn zu thun. Drei Monate verflossen, allein noch im mer war keme sieue varani geworoen. Da nahte endlich der 15. August, der Na poleonstag heran, und Celestm erfuhr aus zuverlässiger . Quelle, daß sein Beschützer unter den Glücklichen sei, die an diesem Tage durch das Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet werden sollten. Was war natürliche?, als daß er sich dieses glückli chen UmstandeS bediente, um sich auf seine Manier seinem Gönner wieder Ge dächtniß zu bringen? Er eilte nach einem Cafe. Ich will der Erste sein, meinen Cousin zu beglückwünschen. Er wird die Auf merksamkeit verstehen und würdigen.Garöon, Tinte, Feder und Papier !" Und mit einer vor Rührung zitternden Hand schrieb der arme Celestin Verehrungswürdiger Cousin ! Ge statten Sie mir vor allen Anderen das Vergnügen, Ihnen zu gratuliren ! Endlich sind Ihre großen Verdienste anerkannt worden. Der Orden, der Ihnen heute zu Theil werden soll, u. f. w., u. f. w. Es war das Herz, das diktirte, was die Sand schrieb, und so entstand denn ein überaus herzlicher und inniger Brief. Doch o wehe ! Die Mittheilung, die der selbe erhielt, war falsch ! Der 15. August verstrich, ohne seinem Coustn das bestimmt verkündete Kreuz der Ebrenleaion zu brin w m w w gen. Der erbitterte Beamte hielt daher

Celestins herzlichen Brief für Ironie undließ ihm ein für allemal die Thür weiser Von allen diesen Mißgeschicken nicbi geschmettert, beschloß Celestin endlich Familienleben Vergessenheit und Ruhe suchen. Er liebte, glaubte geliebt zu werde. freite und erhielt das Jawort. Von der Ungeduld der Glückseligkeit getrieben, begab er sich an dem Tag, da der Ehekontrakt unterzeichnet werden sollte, schon um 3 Uhr statt um 4 Uhr nach dem. Hause, seines künsUgen Schwiegervaters. Melden Sie mich nicht an," sagte er zu dem Bedienten, der ihm die Thür öffnete, ich will warten." Er erinnerte sich nämlich der unzähligen Mißgeschicke, die ihm aus seiner Voreiligkeit entsprungen waren, und beschloß daher, vorsichtig zu sein. Ganz still ließ er sich in einer Ecke deS Salons nieder und begann von seinem künftigen Glücke zu träumen. Plötzlich vernahm er Stimmen im anstoßenden Gemach. Es waren der Schwiegervater und der Notar, die mit einander redeten. Ich weiß ganz gut," börte er seinen Schwiegervater sagen, daß diese Ehe nicht viel Glück verheißt. Meine Tochter kann ihn nicht ausstehen, allein sie ist be reits in dem Alter, da Frauenzimmer nicht mehr wählerisch sein dürfen, und darum, nimmt sie ihn. Der Kerl hat zwar vor läufig noch keinen Cent, den er sein eigen nennen kann, allein es wird ihm dereinst eine bedeutende Erbschaft zufallen. Ich habe mir genaue Auskunst darüber verschafft." Celestin wollte nichts mehr hören, son dern schlich sich ebenso still davon, wie er gekommen war. Dieser letzte Schlag war denn doch gar zu hart. Er wurde ernstlich krank. Es ist ein schweres Fieber," sagte der

Arzt zu der Krankenwärterin. Heute Nacht um 11 Uhr wird die entscheidende Krisis eintreten. Geben Sie ihm dann einen Eßlöffel voll von dieser Mixtur; nachdem er dieselbe eingenommen hat, wird es bester mit ihm werden. Doch keine Minute früher, verstehen Sie?" Seien Sie unbesorgt, Herr Doktor!" Allein um 10 Uhr begann die Wärtc rin schläfrig zu fühlen und sagte zu sich selbst : Bah ! Was thut's ? Einige Minuten früher oder später! Wenn man den Herrn Doktoren immer gehorchen wollte, käme man bald selbst aus's Krankenbette Man ist doch auch nicht aus Stahl und Eisen gemacht. Ich gebe ihm jetzt einen Eßlöffel von der Mixtur und lege mich dann ein wenig aufs Sofa zur Ruhe." Und so erhielt Celestin seine Arznei eine Stunde zu früh. Am folgenden Morgen war er todt. Noch al)er war sein Mißgeschick nicht zu Ende. In Folge eines Mißverständnisses sank die auf 1 Uhr anberaumte Beerdigung schon um 12 Uhr statt, und 'so kam es lenn daß nur die Krankenwärterin ihn zum Grabe geleitete. Aus Celestin Balivet'ö trauriger Ge schichte wird der Leser den Schluß ziehen. daß man niemals auch nur eine Stunde , zu früh geboren werden, leben oder sterben soll. Die Convention der tcxanischen Lehrer hat am 30. und 31. Juni in Corsicancr stattgefunden. Die Convention hat einen energischen Protest gegen die Anstellung nördlicher Lehrer an texanischen Normal schulen erlaffen. Was sich der alteAlcalde dafür kaufen wird ! Jetzt werden erst recht nördliche Lehrer angestellt. Eine der Zei tungen redet bezüglich dieses Gegenstandes in folgender Weise zum Gouverneur : & m . m f 2 Wenn vieler vkaal zur youe geyen muß, mein Herr, so soll er mit texanischen Lehrern zur Hölle gehen, mein Herr, und nicht mit importirten nördlichen, meir Herr !" Es ist dieS eine andere Verwendung de eigenen Worte des Gouverneurs, die ei einmal dem GeneralAnwalt sagte, als dieser bei der Entgegennahme der Begna digungSakte für einen Mörder die Faust auf den Tisch schlug und dem Gouverneur zurief: Wenn das mit den Begnadigun gen so fort geht wird der Staat bald zur Hölle fahren." Darauf entgegnete der Gouverneur : "If this state is going to ) hell, sir, it has to go according to l&vr, sir!" Uebertrumpst. . Dame: Ihr Hund ist doch geradezu unausstehlich, er heult die ganze Nacht." Herr: Dafür spielt er aber am Tag kein Klavier.

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