Indiana Tribüne, Volume 3, Number 49, Indianapolis, Marion County, 16 July 1881 — Page 6

6

Jndiana Tribüne.

An der Grenze.

(Schluß statt Fortsedung.) Dieser schnelle Uebergang vom Zorn zur Freundlichkeit war so überraschend daß selbst Janusz ejnen Augenblick miß trauisch wurde und prüfend auf Jacob blickte; aber er hatte sich bereits erinnert. daß sein böses Geheimniß jetzt einen Mit. Wisser habe und daß es nicht klug sei, den selben zum Feinde zu behalten, und des halb fühlte er sich eher zu der ihm angebo lenen Verzeihung bereit. Einige kurze Erklärungen stellten, wenigstens äußerlich, das gute Verhältniß wieder her, obgleich von diesem Augenblicke an beide einander nicht mehr trauten. Wenn aber irgend etwas geeignet sein konnte, den eben stattgehabten Vorsall in dem Andenken der beiden Schmuggler in Vergessenheit zu bringen oder wenigstens seinen Eindruck zu schwächen, so war es sicherlich die ihnen noch im Lause desselben Tages werdende Gewißheit, Jerzy Szymon sei ganz wohlbehalten wieder in Schittkömen und habe nicht einmal irgend welcher jenseits der Grenze ausgestandenen Unannehmlichkeiten erwähnt. Janusz und Jacob waren darüber außer sich vor Aerger, Bestürzung und Wuth,, und da sie sich gegen keinen Anderen aussprechen konnten, waren sie genöthigt, sich einander ihre Vermuthungen mitzutheilen, was sie wieder enger zusammenführte. Jerzy hatte nicht den geringsten Ver dacht aus sie, er war überhaupt überzeugt, nur der Zufall habe jene vier Kosacken auf seine Spur gesührt ; Elzbieta glaubte er wohlbehalten in ihrem elterlichen Hause und wollte bei erster günstiger Gelegenheit den Ausspruch seines Vaters über ihr und ' sein Geschick herbeiführen. Drei Tage später eilte Jerzy Szymon, die strahlendste Freude auf dem Gesichte, wieder der russischen Grenze zu, aber dieses Mal machte er seinen Weg nicht auf die heimliche Weise, wie wir es schon einmal gesehen haben, sondern es war am hellen Nachmittage, als er in Begleitung des alten Jgnacy, seines Vaters, der selbst denBrautwerber abgeben wollte,, in leichUm Fuhrwerke aus der zur Tamoczne Oklin führenden Landstraße dahinrollte ; beide führten giltige Pässe des LandrathamteS zur Ueberschreitung . der Grenze bei sich. Sie hatten dieselben noch nicht er reicht, als t durch das unruhige Hin- und Herlaufen mehrerer Menschen bei einem dicht an der Straße liegenden kleinen Kruge aufmerksam gemacht, das Fuhrwerk halten ließen. Was giebs hier denn, Landsleute V rief der alte Jgnacy neugierig den Man nern zu. .Hm, daß ist ein eigenthümlicher Vor fall, aus dem wir selbst noch nicht recht klug geworden sind," gab Einer zur Ant wort ; Die Steuerbeamten haben hier eben ein Weib eingebracht, das von jen seits der Grenze zu sein scheint und todt sterbenskrank ist, schade um das hübsche junge Kind " 2öa kümmert's uns !" meinte der alte Jgnacy zu seinem Sohne, der den Zügel führte ; lasse uns weiter fahren." Aber schon war Jerzy mit einem Sprunge vom Wagen, und seine Stimme zitterte ein wenig, als er sagte, er wolle nur einmal nachsehen, um wa? es sich da drinnen handle. Jerzy's Fehler war sonst nicht die Neugierde, aber dieses Mal trieb ihn ein Gesühl, das fast einer bangen Ahnung glich, unwiderstehlich. . Der alte Jgnacy sügte sich brummend in das Beginnen seines Sohnes, der bereits in der offenen Hausthür des Kruges verschwun. den war; inzwischen zündete er sich seine 'Pfeise von Neuem an und warf ungeduldige und unmuthige Blicke nach der Thür hin, in der Jerzy wieder sichtbar werden mußte. Dieser aber kam nicht wieder, obgleich seine Abwesenheit bereits mehrere Minii ten dauerte; einen kräftigen Fluch zwi schen den Zähnen murmelnd, aber selbst etwas unruhig, stieg sein Vater vom Wagen, strängte die Pferde los und trat dann durch den Hausflur in die geöffnete Gaststube. Ein ebenso seltsames als er schreckendes Bild entfaltete sich hier vor seinen Augen. Die ziemlich geräumige Stube war mit Menschen gefüllt, Männern und Weibern des Landvolkes, darunter sah man auch zwei oder drei grüne Uniform? von preu ßischen Grenzbeamten; dessenungeachtet herrschte eine tiefe Stille, und auf allen diesen Gesichtern lag eine ernste, traurige Theilnahme. Auf dem breiten Bette mit

hölzernem Himmel im Hintergrunde des

Zimmers lag eine bleiche, anscheinend leb lose Frauengestalt in der befleckten und zerrissenen Tracht der russischen Lithaue rinnen ; neben ihr am Boden kniete Jerzy, die eine Hand, über die große Thränen fortrieselten, aus das Gesicht deckend. während die andere eine der kraftlos her abgesunkenen Hände der Ohnmächtigen oder Todten festhielt; seine Brust hob sich krampfhaft, und man konnte das leise Schluchzen vernehmen, das sich ihr entrang. Der alte Jgnacy war wie vom Donner gerührt und außer Stande, dem Sohne, dessen sichtlich entsetzlicher Schmerz ihn um so tiefer ergriff, als er ihn noch nie in so! chem Zustande gesehen hatte, näher zu Ireten ; angstvoll flog sein Blick von einem Gesichte der Umstehenden zum andern, um Ausklärung dieser Scene, die er noch nicht begriff, zu bitten. Wenn das Jerzy's Elzbieta? Und sie war eS wirklich, die Grenzbeamten hatten sie wenige hundert Schritte von der Grenze so, wie sie sich jetzt befand, leblos am Boden liegend gefunden und sie in dieses, das nächste bewohnte Haus ge schafft ; Niemand, außer Jerzy. wußte, wer sie war, dieser aber vermochte jetzt keine Auskunft über sie zu geben und aus seine furchtbare Erregung Rücksicht neh mend, verlangte auch Niemand eine solche. Erst als ein herbeigerufener Dorfbarbier dem ohnmächtigen Mädchen eine Ader am Arm geöffnet und dadurch das Leben und später das Bewußtsein wiedergewonnen hatte, sagte Jerzy, schmerzlich die Hand seines Vaters drückend, zu diesem : .Sie ist Elzbieta." Der hier nothgedrungen den Arzt Ver tretende hatte angeordnet, daß Alle bis aus Jerzy und seinem Vater, die zu der Kranken doch in irgend welcher Beziehung zu stehen schienen, das Zimmer verließen, ehe sie erwachte, und willig hatte man ihm Folge geleistet. Als Elzbieta zum ersten Male wieder die Augen ausschlug, blickte sie eine Weile irre um sich und warf sich dann, in erleichternde Thränen ausbre chend in Jerzys Arm, sobald er ihren Namen gerufen und sie ihn erkannt hatte; es war ein herzergreifendes, schmerzli ches Wiedersehen der beiden Liebenden. Jetzt war das Mädchen aber noch zu schwach, eine genügende Ausklärung über das ihr zugestoßene Schicksal zu geben, und nur als Jerzy und sein Vater tröstend die Absicht aussprachen,sie, sobald cs ohne Gefahr geschehen könne, zu ihren Eltern schaffen zu wollen, machte sie eine entschie den abwehrende Bewegung, die nicht miß verstanden werden konnte; die Angst vor der Rückkehr in ihre Heimath prägte sich dabei so deutlich in ihren Gesichtszügen aus, daß nichts Anderes übrig blieb, als der Entschluß, sie einstweilen in des alten Jgnacy Haus nach Schittkömen zu bringen. Damit warElzbieta einverstanden, und sogleich ging man an die Ausführung dieses Vorhabens. Zwei Stunden spater hatte man sie ohne Aussehen, da die Dunkelheit des Abends schon hereingebrochen war, nach dem Szymonschen Hause gebracht und hier mit Hilfe der Frau Onkel Jan's so reich und sorgsam als möglich gebettet, auch ärztliche Hilfe herbeigerufen. Der Arzt erklärte, wichtige Gemüthsaufregung und übernatürliche körperliche Anstren gung müffen diesen allerdings höchst be denklichen Zustand herbeigeführt haben, der vor allen Dingen der Ruhe erfordere. Wirklich schlief Elzbieta, aber wilde Träume und Fieberphantasien mußten sie quälen ; Jttzy wich, ganz dem Schmerze hingegeben, nicht von ihrer Seite, und unruhig ging der alte Jgnacy Szymon in seinem Hause umher. Erst am nächsten Tage, als dasMädchen zu ruhigerem Bewußtsein erwachte und, obgleich noch äußerst schwach doch die Kraft fand, mit dem Geliebten zu sprechen, sollte sich das Räthsel lösen. Mit Entsetzen vernahm Jerzy die Erzäh lung von dem Eindringen der russischen Zollbeamten in das Haus der Familie Sloboda und deren Fortführung nach Wyszayn, er begriff nicht, wie man ihm auf die Spur gekommen sein könne, zumal Elzbieta Janusz weder persönlich gekannt noch seinen Namen gehört hatte ; Jerzy's Vermuthungen blieben daher der Wahr heit ganz fern. In Wyszayn angekommen, waren die Gefangenen auf das dor tige Amt abgeliefert und dann in von einander getrennten Gefängnißzellen unter gebracht worden ; erst am folgenden Tage begann das Verhör. Der Amtmann, der zugleich als Pollzcttlchter fungme, ein

finster und tückisch blickender Mann von

rohen Manieren, der weit herum gefürchtet wurde, 'hatte sich indessen gegen Elzbieta sehr milde gelegt, sie dagegen durch das Wohlgefallen, daß er an ihrer Person zu finden schien, sehr geängstigt ; ihr Verhör dauerte nur kurze Zeit, sie leugnete ent schieden, in irgend welcher Verbindung mit Schmugglern zu stehen, und ihre Eltern und jüngeren Geschwister bekam sie nicht zu sehen, obgleich sie flehentlich darum bat. Gegen Abend holte man sie wieder aus ihrem schlechten, dumpfigen Gesäng. niste ab, und brachte sie nochmals nach dem Amt, dieses Mal aber nicht zum Verhör, sondern es wurde ihr ein möglichst freundliches Kämmerchen mit gutem Bette und anderen Bequemlichkeiten zu ihrem ferneren Aufenthalte angewiesen. Diese unbegreifliche Rücksichtsnahme setzte Elz bieta in Schrecken und ste zitterte, wenn sie daran dachte, mit welchen Augen sie am Vormittage der sonst so barsche Amtmann betrachtet hatte. Ihre bangen Ahnungen täuschten sie nicht ; der Amtmann erschien bald und legte seine schändlichen Absichten klar an den Tag ; er versprach ihr, zumal bei der Untersuchung doch wohl nichts herauskommen werde, wie er offen ein räumte, sie und ihre Eltern bald auf freien Fuß zu setzen, wenn sie sich nur freundlich gegen ihn bezeigen wollte, andernfalls aber sie und die Ihrigen für immer zu verderben und mit dem nächsten Gesänge' nen Transport in das Innere des Landes, aus dem es keine Rückkehr gab, zu schicken. Elzbieta kämpfte mit Bitten und Thränen, mit allen ihren körperlichen Kräften gegen den bösen Menschen und erlangte endlich doch, daß er sie verließ, um seine Bewerbungen bis auf den nächsten Tag zu ver schkben. Das junge, ganz außer sich gebrachte Mädchen verlebte eine Nacht unbeschreibl'cher Angst und Qual und kam endlich auf den glücklichen Gedanken, sich andern Morgens krank zu stellen. Jetzt N'urde sie gut, sogar mit einiger Sorgfalt beban delt und obgleich man ihr eine Wächterin gegeben hatte, gelang es ihr doch in der nächsten Nacht, diese zu täuschen und fort zuschicken, um eine kühlende Erfrischung zu holen, nach der sie das lebhafteste Verlangen äußerte; sie folgte ihr unmittelbar auf dem Fuße, kam, da Alles im Hause schlief, glücklich aus demselben und eilte nun, nur von dem Gedanken an Jerzy ge trieben, der Grenze zu. Elzbieta's Krankheit war indessen nicht allein eine verstellte; Ausregung und Angst hatten in zu hohem Maße auf ihren Körper eingewirkt, als daß derselbe unge beugt hätte bleiben sollen ; bald von glü hender Fieberhitze verzehrt,' bald von Frost geschüttelt, legte sie den eingebahnten Weg durch die Waldungen nur mit äu ßerster Anstrengung nnd in steter tödtlicher Angst, entdeckt zu werden, zurück; als die Sonne aufging, ,sank sie erschöpft zu Boden und fühlte sich außer Stande, wei terzugehen. Pferdegetrappel und Men schenstimmen in nicht allzuweiter Entfernungweckten sie wieder und trieben sie weiter, bis sie, zum Todte matt einen Ver steck fand, bereinigen Schutz gewährte; ohne Zweifel war man ihr gefolgt, und wurde sie gefunden, so mußte ihr Schicksal noch um Vieles schlimmer werden. Krank heit und Müdigkeit versenkten sie in einen Zustand, der zwischen Schlaf und Ohn macht schwankte, und es war bereits am Vormittage des dritten Tages nach ihrer Trennung von Jerzy und ihrer Verhas tung, als sie von Neuem den Versuch un ternehmen konnte, die preußische Grenze zu erreichen. Er gelang, obgleich er sie unendliche Mühe und den Auswand der letzten schwachen Kräste kostete ; dann aber sank sie wieder zu Boden, und tiefe Nacht legte sich um sie ; so fanden ste die preü ßischen GrenzBeamten. Wenn das Mädchen nun .auch in dem Anblicke und den liebenden Trostzusprüchen Jerzy's, besonders in seiner Mitthei lung, daß der Vater seme Wabl gebilligt habe und ihrer beider Glücke jetzt nichts mehr im Wege stehe, eine Beruhigung finden konnte, so quälte die Sorge um das zweifellos durch ihre Flucht noch trau riger gewordene Schicksal der Ihrigen sie! doch dergestalt, daß die der Besserung ih res körperlichen Befindens so durchaus nöthige Ruhe nicht herzustellen war. Die Folgen davon traten bald immer deutlicher hervor ; sie wurde von einem starken Ner venfieber befallen, und der Arzt prophe zeite keinen guten Ausgang desselben. Jerzy wich nicht von ihrer Seite; er versprach, die kühnsten Schritte zur Ret tung ihrer Eltern thun zu wollen, er erin nert sie immer wieder an ihre eigene hoff

nungsvolle Zukunft, aber sie verstand ihn nicht mehr und raste in den wildestrn Fie berphantasien. Im Dorfe war der merk würdige Umstand, daß sich eine kranke russische Ueberläuferin im Hause Jgnacy's befinde, bald bekannt geworden, und Ja nusz und Jacob, welche die Wahrheit mehr ahnten als bestimmt kannten, ver fehlten nicht, darüber Gerüchte zu verbrei ten, die das Verhältniß JerzyS zu der Fremden als sehr nahe und obenein in sehr gehässiger Weise angaben. Die bekannte Rechtschassenheit des alten Jgnacy hielt indesien die ungünstigten Urtheile in Schranken, und seine offene Erklärung des Vorgefallenen endlich versöhnte die Gemüther der Dörfler und stimmte sie sogar zu lebhafter Theilnahme für das unglücklich liebende Paar. Was aber litt die arme Wanda in dieser Zeit ! eine minder kräftiger und gesunde Natur als die ihrige wäre diesen geheimen Qualen bald erlegen. Elzbieta war nicht zu retten. Acht Tage nach ihrer Ankunft in Schittkömen folgten der err.ste alte Jgnacy gebeugten Hauptes, sein Sohn mit starren, thränenlosen Augen und viele Einwohner des Dorfes dem Sarge der russischen Litthern erin, die hier eine friedliche und später von liebenden Augen bewachte Ruhestätte sin den sollte. Der schöne kräftige Jerzy, der Stolz des Vaters und Neid seiner minder von der Natur begünstigten Genosien, schien sich von dem harten Schlage, der sein Herz getroffen hatte, gar nicht wieder erholen zu können; lange Zeit schwebten auch seine Gesundheit und selbst sein Leden in äußerster Gefahr. Noch setzte der ergreisende Vorsall die Einwohner ScbittkLmens in die lebhafteste Bewegung, als ein neuer ebenfalls trauriger, die allgemeine Aufmerksamkeit, wenn auch nicht die Theilnahme in gleichem Maße auf sich zog. Janusz Kostka uno Jacob Adomeit, die beiden unzertrennli' chen Freunde waren und blieben verschwunden, ohne daß man längere Zeit eine Vermuthung darüber hatte. Später ergab sich Folgendes : Der Szamaite hatte an einem Abende, als er Janusz von Hause abwesend wußte, sichWanda bei eingefunden,die inFolge des Vorfalls mit Elzbieta selbst leidend war, und ihr förmlich seine Hand angetragen. Entrüstet hatte ihn das Mädchen abgewiesen und er sich mit unverständlichen Drohungen auf den Lippen entfernt. Wanda hielt es indessen,, um jedes Aer gerniß zu vermeiden, nicht gerathen, von dem Antrage Jacobs zu ihrem Vater und Bruder zu sprechen, sie fürchtete den entnervten, boshaften Szamaiten ebenso als der letztere. Tags daraufhatte dieser Janusz zu einer Partie über die Grenze, die er ihm als sehr gewinnbringend vorspiegelte, be wegt; in später Nachtstunde hatten sich beide auf den Weg gemacht und waren nicht. wiedergekehrt. Erst einige Tage später ging von dem russischen Polizeiund Gerichtsamte zu Wyszayn an die diesseitigen Behörden die Anzeige ein, der preußische Unterthan Janusz Kostka aus Schittkömen sei unfern des Wystyler Sees in der Waldung ermordet befunden motten. Janusz' Leiche wurde rccognos cirt und festgestellt, daß die That von meh reren Menschen verübt war ; es war durch mehrere Scyüffe und Messerstiche nach anscheinend hartnäckiger Gegenwehr niedergestreckt worden, und auf der Brust hatte man an seinen Kleidern einen Zettel angesteckt gefunden, der seinen Namen an gab, so wie, daß er des Verbothes an dem Juden Ephraim Stern überwiesen, die gerechte Strafe durch die Hand seiner frühe ren Genossen, der Schmuggler, gesunden habe. Der szamaite, der unzweifelhaft den meisten Theil an dieser That gehabt hatte, wurde im preußischen Gebiet nie wieder gesehen und blieb verschollen. Ephraim Stern war zu strenger und langer Festungsstrafe verurZheilt worden, nachdem die bei ihm abgehaltene Haussu chung den Besitz einer bedeutenden Menge geschmuggelten Gutes ergeben hatte; da gegen waren die Mitglieder der Familie Sloboda, deren Unschuld sich nach langwieriger Untersuchung erwies, freigespro chen und wieder aus'dem Gefängnisse ent lassen worden. Tief gebeugt durch die lange, entbehrungsvolle Haft, vor Allem durch den Verlust Elzbietas, kehrten sie zu ihrem Häuschen zurück und wären gewiß ganzlich in Armuth versunken,, hätte der alte Jgnacy Szymon ste nicht auf Antrieb seines unglücklichen Sohnes freigebig un terstützt.

Jerzy blieb ernst und verschlossen, auch j nachdem sich der erste heftige Schmerz unt seine Elzbieta mehr besänftigt hatte; er blieb ihr treu, denn er heirathete ungeachtet desWunsches seines Baters nicht eine V( ) Andere. Wanda hielt an ihrer ersten unglückli j chen Liebe nicht so fest ; obgleich sie durch das über sie gekommene Leid viel an' ihrer Schönheit eingebüßt hatte, fanden sich , doch immer noch eine Menge Bewerber un j ihre Hand, und sie reichte diese, als sie sich hatte überzeugen müssen, daß Jerzy nie' j wieder in das alte Verhältniß zu ihr treten t würde, einem braven Jünglinge de5 . Dorfes Schittkömen,. der noch jetzt in ihr eine tüchtige, pflichtgetreue Hausfrau ver- (

ehrt. Verhaftung des Reichstags - Tlbgcordneten Kayser. Dresden, 24. Juni. Heute fanden l in Dresden wieder eine Anzahl Haus suchungen aus politischen Gründen statt? und im Anschluß an dieselben erfolgte die Verhaftung des sozialistischen Reichstagsabgeordneten Max Kayser. Wohnung und Geschäftslokal desielben wurden gründlich durchsucht und man soll bei die ser Gelegenheit Sammellisten für Beiträge zur Unterstützung der Familien Berliner Ausgewiesener gefunden haben. Ob die Verhaftung wegen dieser Listen oder auS noch anderen Gründen erfolgte, ist unbe kannt. Weiter suchte man bei der Frau des bereits inhaftirten Commis des Kay ser'schen Geschäfts. Man konsiszirte hier einen kleinen reservirt ausbewahrt gcfun denen Geldbetrag, welchen die Frau als ihre mühsam ersparte Wohnungsmiethe.' bezeichnete. Die Polizei nabm an, es ser eine Sammlung zu sozialistischen Zwecken.

Endlich suchte man in der Wohnung und in im Geschäft der Frau Paschly, deren Mann wegen politischer Vergehen im Landesgefängniß zu Zwickau sitzt. Hier nahm j mahn fast die ganze Bibliothek in Be schlag, u. A. Kolb's Kulturgejchichte," ) Marx's Kopital" u. s. w., im ganzen über 100 Bücher. Es sind jetzt in Dreö? s den etwa 15 Sozialdemokraten inhafttti ' , und zwar meist in Untersuchungshast.' i Einer der zahlreichen Prozeste gegen So zialisten wurde diese Woche am Dienstag i in lOstündiger Hauptverhandlung vordem j Landgericht erledigt. Paschky, dessenFrau ) und der Maschinenbauer Lange waren in f geklagt, durch einen Scheinverkauf des X ! Paschly'schen Geschäftes die Hilfsvollstrek- ; kung betr. schuldiger Gerichtskosten hinter zogen zu haben. Sie wurden sämmtlich' friigesprochen und Lange verließ das Ge l sängniß nach viermonatlicher Unter

suchungshast. Ein lirerarischcs Wunderkind. Die Verfasserin des Romans Jane V Eyri, die Engländerin Charlotte Bronte, war ein Wunderkind in desWortes eigent lichster Bedeutung. Sie war noch ein ganz junges Mädchen, fast noch ein Kind als sie ihren ersten Roman Roth wie eine Rose" schrieb, ohne daßJemand von ihrem literarischen Schaffungsdrang eine Ah nung hatte. Sie schickte auf gut Glücks das Manuscript einem Londoner Verleger, der es, ohne recht zu wissen warum, veröffentlichte. Der Erfolg war ein unge-i heurer, man riß sich daö Buch aus der Hand und Jedermann bemühte sich, den,, Namen des Verfassers der sich in geheim nißvolles Dunkel hüllte, zu errathen. Wie alle Welt, so kaufte auchMißBronte's Mutter das Buch, schloß sich damit ein und hingerissen, bezaubert, las sie es in einem Zug zu Ende. Ist es hübsch,. Mama?" fragte die Kleine. Wundervoll." So lasse mich'3 doch auch lesen." Rein liebe Tochter, dieses Buch gehört nicht für Kinder." Aber Mama, ich werde es doch lesen könen, ich habe es ja geschrieben." r DU V Ja, Mama, ich ! Kannst Du mir ver zeihen?" Einfacher Dünger für Zimmer- oder Fensterflanzen. Es ist eine alte, aber wenig bekannte Thatsache, daß einige Tropfen Salmiakgeist, dem Gicßwasser zugeseßt, eines der besten und billigsten Düngmittel für Topfpflanzen sind, das viele der gerühmten sogen, concentrirten" Düngmitte! ersetzt, von denen manche doch nichts weiter als Schwindel find.

,

i i i V . i t t t ' ' t A i h V

I