Indiana Tribüne, Volume 3, Number 47, Indianapolis, Marion County, 2 July 1881 — Page 6

J '7 v ,;uri . 'FiS i" , i 6 Jndiana Tribune.

Kn der Grenze.

. (Fortsetzung.) Plötzlich blieb Jacob, seinen Freund hastig mit der Hand zurückhaltend und den Finger aus den Mund legend, stehen und deutete schweigend auf eine Figur, die sich in einiger Entfernung von ihnen, preußischer Seite kommend, durch das dichte Gestrüpp ebenso vorsichtig fortzuschleichen schien, als sie es thaten. Wie sie in dem grauen Morgennebel, der auf dem Walde lag, erst bei genauerer Beobachtung wahrnehmen konnten, trug jener Mann nicht die gefurchtste grüne Uniform, sondern das gewöhnliche Costüm der lithauischen Landleute ; er hatte die helmartige blaue Tuch: kappe mit rother Fütterung in der Art herabgezogen, wie man sie in jener Gegend nur im Winter zu tragen pflegt, so daß nur wenig vom Gesicht zu erblicken war. Verwundert, aber doch argwöhnisch, knurrten sich die beiden Schmuggler hinter ein dichtes Gestrüpp nieder, um den Unbekannten, dessen Weg ihn nur wenige Schritte von ihnen vorbeiführen mußte, vorbeipassiren zu lassen. Was mag der für Absichten haben ?" flüsterte Janusz seinem Begleiter zu er sieht weder wie die Grünröcke, noch wie unsereins aus." Jacob winkte ihm, zu schweigen. Auf einmal brach er aber selbst die gebotene Vorsicht, als der Beobachtete ihnen schon ganz nahe war.Bei Deve !" flüsterte er, ist das nicht JerzySzymon?" Der Name mußte einen gewaltigen Eindruck auf Janusz machen, denn sein! Augensterne erweiterten sich, als wollten sie sich um jeden Preis Gewißheit über die Vermuthung seines Genossen schaffen, und auf seinem Gesichte äußerte sich ein merkwürdiges Gemisch von Triumph, Unruhe und Haß. Still !" flüsterte er jetzt seinerseits gebieterisch. Der einsame Wanderer, der keine Ahnung davon hatte, daß man ihm nachspähte kam jetzt an den Lauschenden so nahe vorbei, daß sie unter seine Kapuze blicken konnten. Es war Jerzy Szymon, es blieb kein Zweifel mehr ; ruhig setzte er seinen Weg nach der Grenze zu fort. Die beiden Schmuggler betrachteten ihn wie erstarrt ; im Gegentheil zu Janusz's zeigte Jacob's Gesicht mehr gedankenloses Erstaunen über das räthselhafte Erscheinen Jerzy's an diesem Orte und zu dieser Zeit, als Theilnahme daran. Erst als der letztere sich soweit entfernt hatte, daß er ihre Unterhaltung so leicht nicht mehr vernehmen konnte, brach Jacob das Schweigen, indem er leise meinte : Der verteufelte Junge wird uns doch nicht in das Handwerk pfuschen? aber er hatte nicht einmal Gepäck bei sich." Narr, Jerzy und Schmuggler ?" erwiderte Janusz kurz und gepreßt, während er selbst auch angestrengt nachzusinnen schien. Dann riß er, wie von einem plötzlichen Gedanken ergriffen, die Büchse von der Schulter und schickte sich an, den Hahn zu spannen. Bist Du toll?" fragte der Andere heftig. Du willst doch nicht gar auf den Jungen schießen, damit die Zollschnüffler uns auf den Hals kommen und dich an den Galgen bringen ?" Die Nichtigkeit dieser Bemerkung mußte auch dem auf das Höchste erregten Janusz einleuchten, denn ohne ein Wort zu erwidern, hing er die Büchse wieder um ; starr vor sich hinblickend, schien er noch immer nicht zu einem Entschlüsse, über dem er brütete, gekommen zu sein. Sagte ich dir nicht, datz deine Wildheit dich noch einmal zu einer unheilvollen Uebereilung treiben werde ?" meinte der , Szamaite vorwurfsvoll. Was hätte wohl daraus werden sollen, wenn du dem Burschen eine Kugel durch den Leib gejagt hättest, hier auf preußischem Boden ? Ja, wenn wir ihn da drüben gehabt hatten!" Meinst du wirklich, Jacob, daß er über die Grenze hinaus will V unterbrach ihn Janusz düster. Ich dächte, das läge ziemlich . klar am Tage, denn dieser Weg führt nirgends an-

ders hin; einen Paß hat er übrigens nicht, denn sonst ginge er nicht diese Schleichwege. Aber was bei allen Teufeln ! sucht er da drüben nur ?" Ich glaube, Jacob, es wäre in jedem Falle gut, wenn wir es wüßten, denn auf richtigen Wegen jst er keineswegs," sagte Janusz mit hellen leuchtenden Augen. Sicherlich nicht." Was meinst du dazu, wenn wir ihm heimlich folgten und ihn weiter beobachteten?" Thue das, Janusz, wenn es dir Vergnügen macht und du es für nöthig hältst," meinte der Szamaite, ich bedanke mich für die gefährliche Partie, die uns keinen Pfennig einbringt." Janusz sprach nun aber, obgleich in dem spöttischen Tone seines Freundes eine AbMahnung von seinem Vorhaben lag, die feste Absicht aus, Jerzy folgen zu wollen ; er meinte, die bevorstehende Entdeckung werde ihm vielleicht eine Waffe gegen denselben in die Hand geben, die seinem Hasse bessere und ungefährlichere Dienste leisten könne, als seine Büchse. . Bergeblich suchte Jacob seinen Kameraden von diesem Entschlüsse abzubringen ; die Zeit drängte, wenn dieser Jerzy nicht ganz aus den Augen verlieren wollte, und er blieb unerschütterlich ; mit Mühe nur erreichte der Szamaite, daß er ihm die Büchse mitgab, damit er sich in der AufWallung von Zorn oder Haß derselben nicht bediene oder im Falle der Entdeckung durch

die Grcnzaufseher weniger compromittirt erscheine. Inzwischen blieb das Beginnen Janusz's doch immer noch von großer Gefahr für seine persönliche Sicherheit, denn das Ueberschreiten der Grenze ohne Paß war streng untersagt, und man konnte sich für überzeugt halten, daß die Russen mit einem auf solchem Vergehen Ertappten auch nicht die geringsten Umstände machen und ihn in das Innere des Landes zur Verbüßung harter Strafe abführen würden, unter solchen Umständen ließ sich nicht einmal auf den Schutz der preußischen Behörden rechnen. Aber Janusz, von Neugier und Nachegefühl getrieben, ging, und kopfschüt telnd kehrte der Szamaite allein nach Schittkömen zurück. Der junge Litthauer, dem sein Feind jetzt wie sein Schatten folgte, ohne daß er ihn gewahrt hätte, ging rüstig und in sichtlicher Ungeduld seines Weges fort. Wenn irgend ein verdächtiger Umstand auf die Nähe der Grenzbeamten deutete, so entwickelte er dieselbe Geschicklichkeit, sich unsichtbar zu machen, wie vorher die Schmuggler ; so gelang es auch ihm, un bemerkt auf das fremde Gebiet zu kommen. worauf er eine 'andere mehr nördliche Richtung als die von den Schmugglern verfolgte, einschlug. Oestlich vom Wystyler See erstreckt sich noch nicht eine kleine Meile von der Grenze entfernt der ziemlich bedeutende Wyszainer See; an seinem diesseitigen Gestade liegt das Dörfchen Bornitzki mit seinen Abbauten, und der Weg dahin zieht sich durch einen dichten Buchenwald, ihm zur Seite hielt sich Jerzy stets in dem Dickicht. Die ersten rothen Sonnenstrahlen began nen bereits, die höchsten Spitzen der dichten Baumkronen zu vergolden, als der Wald sich zu lichten ansing und hin und wieder eines der mit grauen Schindeln gedeckten Häuschen des Dorfes zwischen den Stämmen austauchte. Eines dieser kleinen Ge bäude, die bei weitem nicht den Anstrich von Freundlichkeit und Wohnlichkeit hatten, wie wir sie im preußischen Litthauen sin den, war so weit vom Do:fe ab in den Wald hineingebaut, daß es zu seiner Anläge einer künstlichen Lichtung des letzteren bedurft haben mußte; von allen Seiten lehnte sich das dichte Unterholz an den kleinen Gemüsegarten und ein'Paar ziemlich schlecht erhaltene Stallgebäude, so daß cö für ersteren eine natürliche Hecke bildete. Die rothgestrichenenLaden diesesHäuschensauf das Jerzy zuschritt, waren noch gcschlössen, seine Einwohner lagen also noch in süßer Ruhe. 'Janusz begriff immer weniger, welche Absicht seinen Feind leiten möge ; überraschend schnell aber wurde ihm dieselbe klar. Dicht vor dem Gärtchen nämlich bog ) Jerzy scharf von seinem Wege ab in das

Dickicht, in dem durch Menschenhände ein freundlicher kleiner Ruheplatz mit einem Nasensitze angelegt worden war.' In dem-

selben Augenblicke erhob sich von diesem Sitze, jedenfalls durch seinen Tritt aufmerksam gemacht, eine weibliche Gestalt und eilte dem jungen Manne mit einer Vertraulichkeit und Herzlichkeit entgegen, die keinen Zweifel an einer langen und sehr innigen Bekanntschaft übrig ließ. Dieses Mädchen, daß der Jüngling seine theure Elzbieta" nannte, war etwa zwanzig Jahre alt, klein und zart gebaut und trotz der frühen Morgenstunde mit einer Nettigkeit nach der Weise der russischen Litthauer gekleidet, die sich nur wenig von dem Costüm der preußischen unterscheidet. Sie trug einen etwas längeren faltigen Rock von gröberem.Stoffe wie wir ihn dort gefunden haben, ein dunkelfarbiges Leibchen mit messingnen kleinen Knöpfen vorn herunter, dieselben weißen Hemdärmel, dieselben blonden Zöpfe und das darum geschlungene bunte Tuch, wie Wanda, aber. obgleich von weniger schönen Gesichtszügen als diese, übertraf sie doch die preußische Litthaucrin in dem seelenvollen Ausdrucke der blauen Augen und in der anmuthigen Haltung des geschneidigen Körpers. Unbedenklich würde sie Jeder für schöner gehalten haben, der sie in diesem Augenblicke, vom Glänze der reinsten Liebesglückseligkeit verklärt, in Jerzy's Armen gesehen hätte. Auch der junge Mann gewann in dieser beglückenden Umarmung um Vieles ; die weiche Träumerei, die zu seinem lebensfrischen Gesichte nicht recht zu passen schien, war schnell von diesem geschwunden und hatte einem freudigem Stolze, von edler Kraft, mit der er die Geliebte schützend umfangen hielt, Platz gemacht. Er führte sie zu der Rasenbank zurück und sich zärtlich umschlungen haltend, plauderten die Liebenden, denen es nur selten vergönnt war, sich zu sehen, von ihren letzten Erlebnissen und Hoffnungen ; zuweilen flogen ihre Augen ängstlich prüfend dem Wohnhause zu, ob sich in demselben auch noch nicht ein Lebenszeichen kundgäbe, aber es war dazu wohl noch zu früh am Tage, und nur Sehnsncht und Liebe hatten dem Schlafe diese Stunden abzustehlen gewußt ; die Besorgniß, die Gefahr könne ihnen von einer ganz andern"Seite drohen, tyie es in der That der Fall war, kam den Beiden gar nicht in den Sinn. Etwa ein Jahr vor seiner Aushebung zum Militär war Jerzy einmal in Geschäften seines Vaters, mit einem guten Passe zum Ueberschreiten der Grenze versehen, nach dem Städtchen Wyszayn geschickt worden. Ein Zufall machte ihn daselbst mit Elzbieta Sloboda, der Tochter eines mäßig begüterten Einwohners von Borniczki und russischen Unterthanen, bekannt, und wie er an dem hübschen, sanften Mädchen Wohlgefallen fand, so neigte sich ihr 5erz auch bald dem schönen Jünglinge zu. der ihr bei der kurzen Bekanntschaft sein Herz offener erschloß, als Wanda bei der mehrjährigen : die letztere hatte er, von der Glückseligkeit des Augenblicks ergriffen. ganz vergessen und erinnerte sich ihrer mit leichten Vorwurf erst wieder, als er sich auf dem Heimwege befand, da war ihr Urtheil aber schon in ihm gesprochen. Von da ab datirten sich seine Kälte und Zurückhaltung vor Wanda, derer umso weniger eine Pflicht gebrochen zu haben glaubte, als er .sich nie offen gegen sie erklärt hatte, und seine heimlichen Besuche des russischen Ge bietes, die stets in den frühesten Morgen stunden abgemacht werden mußten, weil Elzbieta's Eltern und Geschwister ihre Entfernung vom Hause dann noch nicht bemerkten, und heimlich durfte sie den Geliebten nur sehen und sprechen, weil sie sich der Einwilligung der Eltern in die Verbindung mit jhm nicht für versichert hielt. denn diese,, ungebildete, rohe Leute, waren immer hart und streng gegen die Tochter gewesen. Jerzy hatte sich entschlossen, sich ihnen nicht eher zu erklären, was doch einmal unumgänglich nöthig war, als bis er in Preußen seine Dienstpflicht abgeleistet habe und seiner Verheirathung gar nichts mehr im Wege stehe. Das war jetzt geschehen, aber noch zagte er, selbst mit dem Vater zu sprechen,' der seiner Verbindung mit Wanda Kostka noch sehr zugeneigt schien, und verschob die Er

klärung von einer Zeit zur andern, um eine recht günstige Gelegenheit für dieselbe abzupassen. Im Ganzen waren die Aussichten der beiden jungen Leute nicht hoffnungslos, denn der alte Szymon war gegen die gerechten Wünsche seines Sohnes nie unerbittlich gewesen und Elzbieta's Eltern hätten wohl keine Veranlassung sinden dürfen, ihre Tochter von einer so guten Partie, wie sie Jerzy Szymon abgab, abzuhalten. Was sein früheres und sein jetziges Verhältniß zu Wanda anbetraf, , so hatte der junge Mann sich zu Elzbieta darüber so rückhaltlos und mit so viel Glaubwürdigkeit ausgesprochen, daß sie' es genau kannte und von ihm nichts für die Treue ihres Geliebten fürchtete; dennoch konnte sie jedesmal, wenn sie ihn sah, sich nicht enthalten, mit einiger innerer Unruhe nach ihrer Nebenbuhlerin zu fragen, und so gab denn Wanda auch heute wieder Stoff zu einem Theile der Unterhaltung der Beiden.

Die Zeit war ihnen kurz zugemessen, denn in anderthalb bis zwei Stunden mußte das Mädchen schon wieder im Hause sein, in dem es dann lebendig wurde; Fragen und Antworten, nur von süßen Schmeicheleien und Liebkosungen unterbrechen, drängten sich daher so schnell und nahmen das beiderseitige Interesse so in Anspruch, daß die Liebenden für das, was um sie her vorging, weder Augen noch Ohren hatten. Es war wohl ein Glück für sie, wie für Janusz selbst, daß er die Büchse nicht bei sich hatte, als er Zeuge ihrer Begrüßung und des ersten Theils ihrer Unterhandlung wurde ; seine Wuth und sein Rachedurst waren grenzenlsszer hörte, was ihn in der Absicht bestärken mußte, den seiner Schwester angethanen Schimpf auf das Unversöhnlichste zu rächen, und blieb nur so lange, bis sich ein fester Plan in ihm gebildet hatte, und eilte dann, nicht mehr auf die Gefahr achtend, der er sich selbst aussetzte, so geschwind, als ihn seine Füße zu tragen vermochten, durch den Wald und über das freie Feld fort. Noch nicht eine halbe Stunde später hatte er die nächste Tamoczne Oklin vor Augen und schritt gerade auf das Zollgebäude zu. Dieses war ein anständiges, massives, aber von außen, wie von innen sehr unsauber aussehendes Haus, nahe dem gleichnamigen Dorfe gelegen, ringS herum war nicht die Spur von einer freundlichen, verfchönernden Anlage vorhanden, nur der zu so früher Stunde noch über die Landstraße herabgelassene, schwarz, weiß und roth angemalte Schlagbaum, das gleichfarbige Schilderhaus daneben und das Schild mit dem kaiserlichen Adler über der Eingangsthür in das Haus brachten einige Abwechslung in das todte Bild. An jenem Schilderhause lehnte eine Wohl acht bis .zehn Fuß lange Lanze ohne Fähnchen, und aus seiner engen Oeffnung wand sich bei Janusz Annäherung eine kleine, schmutzig graue Gestalt, in der unser Litthauer mit geheimem Unbehagen einen Grenzkosacken im V!antel erkannte, dessen kleine lebendige und listige Augen sich unverwandt auf ihn richteten. Janusz fühlte jetzt erst recht das Unbehagliche und Gefährliche der Lage, in die er sich selbst begeben hatte, aber er nannte sich leise den Namen Jerzy Szymon und schritt entschlossen weiter. Er sprach gut russisch, was er schon in den nördlicheren Gegenden als Kind zu lernen Gelegenheit gefunden hatte und darauf verließ er sich. Unbefangen grüßte er den Kosacken, der noch immer nicht recht wußte, was er von dem Ankömmlinge halten sollte; als dieser aber an ihm. vorbei in das Zollamt gehen wollte, trat er ihm in den Weg und fragte ihn sehr barsch nach seinem Begehren. Es kostete Janusz viele Mühe, ehe er durch diesen Menschen und dann durch den herbeigerufenen Unterossizier der . Wache erlangen konnte, daß man einen der wirklichen Zollbeamten wecke, dem er eine äußerst wichtige und nicht aufzuschiebende Mittheilung, die den kaiserlichen Dienst beträfe, zu machen habe. Endlich stand der Schmuggler mit rothglühendem Gcsichte, denn der lange Verzug hatte seine ganze kaum bczähmbare Heftigkeit aufgeregt, in der großen, leeren und unsauberen

Amtsstube vor einem kleinen, dicken Manne mit aufgedunsenem Gesichte, borstigen, kurz verschorenen Haaren und ebensolchem Schnurrbarte'; auf daö dringliche Ansuchen, des Angekommenen war- er fluchend ' aus dem Bette aufgestanden, in einen zerrissenen grauen Schlafrock gefahren, und zetzt gähnte er und reckte sich noch so gewaltig, daß Janusz aller Muth und alle Hoff- ; nung, seinen Racheplan zur schnellen Ausführung bringen zu können, zu schwinden ' drohte. Wer bist du ? und woher kommst du V fragte der dicke Herr, der eine der gcwichtigsten Personen in der Tamoczne zu seinschien, denn die Kosackcn und die indessen ebenfalls erweckten Straßnicks, dieSanusz . umstanden und ihn mit ihren ausdruckslos sen Augen gleichgiltig anstarrten, näherten sich ihm nur mit kriechender Ehrerbietung 'p

dabei legte er Papier vor sich hin, warf sich auf eine Art von sehr defectem Sessel und spielte mit der ergriffenen Feder, als beabsichtigte er, Janusz' Aussagen zu Protokoll zu bringen. Ich heiße Janusz, Herr kurzweg Janusz," erwiderte dieser ebenso ungeduldig, als durch die an ihn gerichteten Fragen in Verlegenheit gefetzt. Aber ich bitte Euch um Gotteswillen, Herr, säumt keinen Augenblick länger, wenn Ihr einen guten ) Fang thun wollt." Der Russe schleuderte, durch die ungebührliche Entgegnung verletzt, einen dro- 1 henden Blick auf den Schmuggler, aber das Wort,guter Fng" mußte doch einen zu verlockenden Klang haben, als daß es seine Aufmerksamkeit nicht auf sich gezogen hätte. He ?" fragte er mit, seiner schnarrenden Stimme, die Augen weit aufreißend. ..Was saast du mein unae? Bist du 4i gf i ii v kJ I , ein guter Unterthan des Kaisers und willst uns eine richtige Spur nachweisen?" Ja Herr. es soll Euch nicht gereuen, wenn Ihr ein Paar Kosacken und Straßnicks meiner Führung anvertrauen wollt," erwiderte Janusz hastig. Aber eilt, ehe wir zu spät kommen ich kann dann für nichts mehr stehen."

Gemach, Freund ' auf ein paar ig j Minuten wird es nicht ankommen," meinte ? der Russe bedächtig ; übrigens will ich'

dich daran ermnern, daß du dich jetzt schon verantwortlich gemacht hast, da du uns so früh aus den Betten geholt hast." Dabei deutete er mit lächelndem Grinsen auf einen mächtigen, ledergcflochtcnen Kantschu, der zwischen den Schreibmaterialien auf dem Tische lag. Dann fuhr er lebendiger fort : Sage mir einmal zuerst, Bursche, was du eigentlich unter dem guten Fange verstehst, um welche Waaren es sich handelt ?" Mein Gott, . wir werden zu spät kommen," seufzte der Litthauer schwer. Einer der berüchtigtesten Schmuggler aus dem Preußischen, Herr, ist diesseits der Grenze, kaum eine halbe Stunde von hier, ohne

alle Vorsicht, da er sich ganz sicher glaubt jl

da, wo er ist." Der Russe schien gespannt zu werden, aber er wiederholte nochmals: Hat er Waaren von Werth bei sich V Janusz errieth, daß diesem Akanne und vermuthlich auch semen Untergebenen mehr an der Beute liege, die vielleicht ganz oder theilweise die ihrige werden sollte, als an' der Person eines Verbrechers gegen die -Staatsgcsetze. Gestand er die Wahrheit, daß Jerzy gar keine gepaschten Waaren bei sich führe, so blieb es immer noch die Frage, ob man sich die Mühe geben werde, nach ihm zu suchen, und überdies lief sein eige-

ner Rücken dann eine arge Gefahr, die der Steuerbeamte vorher schon angedeutet y hatte. In schnellem Entschlüsse erwiderte i i v er daher, während das Blut noch höher in i ;

seine Wangen stieg : , . Ich kann nicht mit Bestimmtheit angeben, ob der Schmuggler das gepaschtes Gut noch bei sich trägt, aber in jedem Falle

wird sich dieses leicht ermitteln lassen, t ! wenn man nur erst seiner Person habhafte (

geworden ist. Sicher wein ich, daß er da.; preußische Dorf Schittkömen heute in aller Frühe mit einer Ladung goldener und silberner Taschenuhren, die mindestens an zweitausend Sllberrubel im Werthe haben und sür den Jnden Ephraim Stern in Wyszayn bestimmt sind, verlassen hat." (Fortsetzung folgt.) ' "

j i i "! 5 l ! 5 ,i i 's !

: .V i !) V : h M i U' r i