Indiana Tribüne, Volume 3, Number 46, Indianapolis, Marion County, 25 June 1881 — Page 6

An der Grenze.

(Fortsetzung.) Diese Männer waren in den besten Iah rm, in der letzten Hälfte der Zwanziger oder im Beginn der Dreißiger ; beide waren etwas nachlässig gekleidet, der Eine indessen in bei Weitem bessere Stoffe als der Andere und der größte Theil der hier vcrsammelten Gesellschaft. Sein Gesicht war elgentllch schön, aber eö trug die Spuren Von Ausschweifungen, war etwas bleich. und wenn seine schwarzen Augen in der lebhafteren Aufregung des Gesprächs schnell und feurig aufblitzten und die Lippen sich dann fest aufeinanderkniffen, gewann es einen fast unheimlichen Ausdruck, der indessen immer wieder schnell schwand ; seine Figur war hoch, schlank und sehr regelmäßig gebaut. Sein Genosse machte einen noch bei Weitem ungünstigeren Eindruck, denn klein und untersetzt bei einem sehr starkknochigen Körperbau, verrieth sein tückisches, häßliches Antlitz mit den kleinen stechenden Augen einen der Trunkenheit und anderen Lastern ganz ergebenen Wenschen ; man hätte mit dem ersten Blick auf ihn sicher annehmen mögen, daß er gar nicht ein Kind Lithauens oder wenigstens ein sehr ausgeartetes desselben sei. Janusz, das wird Ernst mit Deiner Schwester und dem Jerzy Szymon, oder ich will nicht Jacob Adomeit heißen und mich an dem erstenbestenPferdezaun aufhängen lassen," flüsterte der zuletzt Geschilderte seinem etwas jüngeren Kameraden gerade leise genug zu, um nicht von den Zunächststehenden verstanden zu werden. Sieh' nur, was das Akädchen für Augen macht und wie' weit sie sich von ihm umfassen läßt." Hm, was hast du daran auszusetzen, Jacob !" erwiderte der Andere ziemlich UNwirsch. Ich meine, man hätte sich schon, ehe der Jerzy zu den Soldaten ausgehoben wurde, im ganzen Dorfe in die Ohren geflüstert, er würde Wanda einmal heim führen." Sehr richtig, Janusz, aber es gab eine Zeit, in der er keine Augen mehr für sie zu haben schien." Du meinst vermuthlich, als er in Berlin war," sagte Janusz mit einem erzwungenen Lächeln, aber seine finsteren Augen schössen unruhige Blicke auf das noch tanzende Paar. Eigentlich später," meinte der Andere trocken und leicht höhnisch. Wie kommst Du darauf, Jacob? Glaubst Du etwa, Wanda, die hundert bessere Partieen machen kann, als wenn sie den Jerzy heirathet, werde dem Jungen nachlaufen, wenn er sich ihre Gunst nicht zur Ehre anrechnen sollte ?" Die Weiber sind ost wunderlich," sagte Jacob ebenso gleichgiltig, wie vorher.". Wir sind alte Freunde und können schvn einmal ein offenes Wort mit einander reden," fuhr er fort, als er bemerkte, welch' drohenden Blick Janusz auf ihn warf ; wenn's dir aber nicht recht ist, so kann ich auch schweigen, denn ich habe gar nicht Lust zu einer Erörterung, bei der Wir uns gegenseitig die Köpfe blutig schlagen. Ich will nach Hause gehen und ausschlafen, denn der Kopf wirrt mir von dem Vielen schlechten Gebräu ; vor Mitternacht müssen wir ja schon wieder auf dem Posten sein." - . Er wollte sich, etwas schwankend, von seinem Sitze erheben, aber sein Freund hielt ihn mit kraftiger Faust auf demselben fest. Jacob," flüsterte er in dringendem und gebieterischem Tone bleibe noch eine Weile, Du hast Recht wir sind alte Freunde, und dürfen uns um einer solchen Kleinigkeit willen nicht entzweien. Sage mir aufrichtig : spricht man im Dorfe schon von dem Benehmen Jerzys gegen Wanda ? ich bin der Bruder und muß es wissen." ' Was kann's Dich kümmern ? ich habe nicht Lust, mir das Maul zu verbrennen." Du bist nicht mein Freund, Jacob, wenn Du Geheimnisse vor mir hast, oben ein, wo sie die Ehre meiner Familie so nahe betreffen," bat der junge Mann noch ungestümer.

Beim alte Deve (früher eine Gottheit der heidnischen Litthauer), der jetzt längst todt ist!" lachte Jacob, Du bist ein

sorgsamer Bruder und siehst nicht, was allen Augen klar ist und worüber tausend Zungen flüstern." Ich sehe es ich habe es gesehen, J-lcob, aber sprich offen!" Die Augen des jungen Mannes schössen Blitze und seine Stimme bebte so merklich. daß Jedem, der ihn gesehen und gehört hätte, die Ueberzeugung überkommen wäre, es tobe leidenschaftlich in ihm. De'r An dere, der seinem Verlangen nicht ganz ungern zu willfahren schien, ließ sich nicht länger bitten. Wie Du willst," sagte er ruhig und machte dann die gehässigsten Eröffnungen von den Gerüchten, die im Munde der Dorfbewohner über Wanda und Jerzy umherlaufen sollten. Um sie ganz zu verstehen, müssen wir uns mit den bisher in unsere Erzählung eingeführten Personen näher bekannt machen. Jgnacy Szymon, der Vater, hatte sich vor langen Jahren schon mit seinem jungen Weibe in Echittlönen niedergelassen und hier eine Landwirthschaft begründet, die ihn zwar nicht zum reichen Manne, aber doch zu einem der wohlhabenderen des Dorfes machte ; seiner würdevollen Persönlichkeit, seiner unerschütterlichen Recht lichkeit wegen hatte man ihn zu dessen Schulzen erwählt, welches Amt er durch erneute Wahlen noch jetzt inne hatte. Die Geburt unseres Jerzy gab seiner Frau den Tod, ihm aber einen Sohn, an dem er mit um. so wärmerer Neigung hing, als diese sich auf keine andere Person zu richten hatte. Jerzy erhielt eine den Verhältnissen seines Standes angemessene Erziehung und rechtfertigte, als er heranwuchs, die ftoff nungen und Erwartungen seines Vaters vollkommen. Mit einem poesiereichen Herzcn begabt, von den jungen Mädchen des Porfes gern gesehen und gesucht, hatte der heranwachsende Jüngling bald, sein Herz verschenkt, wenn man bei einer, wie der Erfolg bewies, flüchtigen Neigung zu der schönen und munteren Wanda Kostka so sagen darf. Wanda war die einzige Tochter des begütertsten Mannes des Dorfes, Besitzers einer großen Landwirthschaft und mehrerer Häuser, die einst ihr und . ihres Bruders Janusz Erbtheil werden mußten. Ihr Vater, ein ernster verschlossener Mann, war mit seiner Familie etwa sechs Jahre vor dem jetzigen Zeitpunkte erst in Schittkönen angezogen; obgleich Niemand wußte, aus welchem anderen Theile des Landes er eigentlich kam und welches Geschäft er bisher betrieben hatte, fand er hier doch leicht Aufnahme, da seine Papiere in Ordnung und sein Vermögen bedeutend war. Er kaufte sich an, und das Glück begünstigte ihn, ohne daß er einen besonderen Fleiß an den Tag legte, so außerordentlich, daß man ihn bald allgemein beneidete, ihm aber auch eine gewisse Achtung zutrug. Jerzy und Wanda lernten sich an den sonntaglichen Tanzvergnügungen im Kruge, bei denen sie bald als das schönste Paar hervorleuchteten, kennen und lieben, er schloß sich eine Weile ihretwegen freundschaftlich an ihren Bruder Janusz an, und als Beide sich zwar noch nicht mit klaren Worten ihre Liebe und ihre Wünsche, einmal vereinigt durch das Leben zu gehen. ausgesprochen, dieselben durch ihr ganzes gegenseitiges Benehmen aber allen Augen offen dargelegt hatten, fanden die Eltern, daß dem kein Hinderniß entgegenstehe. Kurz, Wanda und Jerzy wurden als verlobt betrachtet und betrachteten sich beinahe selbst so, ohne daß man eine bestimmte Feststellung ihres Verhältnisses für nöthig befunden hätte. Dies war auch noch nicht geschehen, als Jerzy zur , nächstjährigen Nekruten-Aushebung designirt wurde, vielmehr meinten die beiderseitigen Eltern, es sei am besten, die Liebenden bänden sich nicht eher, als bis ihrer Verheirathung nicht mehr ein solches Hinderniß, wie die dreijährige Militär-Dienstzeit, die Jerzy vor sich hatte, im Wege stehe. Auffallend hätte es erscheinen können, daß der junge Mann selbst vor seiner Trennung von der Heimath nicht eine offene Erklärung mit Wanda und den Eltern herbeizuführen strebte ; Wanda allein fühlte die Bedenklichkeit dessen, aber sie war noch zu jung.

zu unerfahren und zu schüchtern, sich Jerzy's Hand und Herzens versichern zu wollen, und die Wahrnehmung, in der sie sich wieder ost zu täuschen glaubte, er sei in letzter, Zeit vor seiner Abreise kälter und fremder gegen sie geworden, hielt sie ganz davon ab. Sie trennten sich, ohne daß Jerzy dem jungen Mädchen ein Versprechen derTreue gegeben oder abgenommen hätte ; sicherlich hatte er einen guten Grund dafür, den wir bald kennen lernen werden. Wie wir schon gehört haben, war Jerzy drei Jahre abwesend, beschäftigte sich in der Hauptstadt aber keineswegs, wie Onkel Jan, ein Freund seines Vaters und einstmals selbst Soldat, vorausgesagt hatte, sondern blieb immer etwas kopfhängerisch und in sich verschlossen, machte seinem Volksstamme aber, wie die meisten Litthauer, als vortrefflicher Soldat Ehre, in Folge dessen er mit vorzüglichen Zeugnissen und als Unteroffizier der Landwehr entlassen wurde. Etwa drei Monate vor dem Beginn unserer Erzählung war er zurückgekehrt, hatte sein heimisches Dorf und seinen alten Vater mit unverstelltem Entzücken begrüßt und angefangen, sich der Landwirthschaft des letzteren fleißig zu widmen. Den Personen, die ein Interesse daran fanden, Jerzy genauer zu beobachten, konnte es aber nicht entgehen, daß er viel ernster und zurückhaltender in seinem Umgange seit seiner Heimkehr geworden war. Besonders trat dies aber in seinem Verhältnisse zu der Familie Kostka an das Licht; er hatte sie, wie es die Höflichkeit erforderte, bald nach seiner Ankunft in Schittkömen besucht, aber seitdem nicht wieder, und auffällig vermied er Wanda, sowie ihren Bruder. Der letztere war ein wilder, ungebän digter Charakter, der viel Aehnlichkeit mit

dem seines Vaters hatte, nur daß bei die sem das Alter besänftigend wirkte, wäh: rend in Janusz noch das frische jugendliche Leben sprudelte. Er bekümmerte sich wenig um die Wirthschaft, die bezahlte Verwalter betrieben, controllirte letztere nur zuweilen mit eiserner Strenge, war oft Tage lang gar nicht daheim und trieb sich mit Jacob Adomeit, einem Szamaiten, der aus dem Norden angezogen und von früher her schon mit der Familie Kostka bekannt gewesen sein mußte, in den Wirthshäusern umher. Die Gesellschaft dieses Trunkenboldes, der, wie man allgemein glaubte, allein von seiner Unterstützung lebte, trug gerade nicht dazu bei. Janusz Ruf zu heben und . seine Sitten zu verbessern ; man ging mit einer ängstlichen Scheu den beiden gefürchteten Männern aus dem Wege. Mochte Janusz übrigens sein, wie er wollte, so mußte man ihm doch die Gerech tigkeit angedeihen lassen, daß er seine Schwester Wanda zärtlich liebte; seine Neigung entsprang vielleicht hauptsächlich aus dem Stolze auf ihre weitgerühmte Schönheit. Anfangs hatte er gegen ihr Verhältniß zu Jerzy gerade nichts anzuwenden, obgleich er mit diesem bei ihren verschiedenartigen Charakteren nicht lange Harmoniren konnte; seitdem der junge Soldat aber heimgekehrt war und sich in seinem ganzen Wesen so auffällig verändert hatte, betrachtete Janusz ihn stets mit sin steren Blicken und hatte es endlich für rath sam befunden, seine Schwester aufzufor dern, ihrer, eigenen Ehre halber öffentlich mit Jerzy zu brechen. Aber dazu wollte sich Wanda durchaus nicht verstehen; sie liebte Jerzy wirklich, wofür wohl ihre Treue während der dreijährigen Trennung Zeugniß ablegte, sie empfand seine ihr unbegreifliche Kälte auf das Schmerzlichste, und jetzt hätte sie selbst sich des Restes von Hoffnung, ihn wiederzugewinnen, berauben sollen? Wanda wich dem Drängen des Bruders aus und suchte bei jeder Gelegenheit .sich ihrem Geliebten zu nähern ; dieser fand darin um so mehr Grund, sich von ihr zurückzuziehen, denn zweifellos hatte er die Hoffnung von seiner Reise mit sich zurückgebracht, sie habe ihn indessen vergessen. Welche Urtheile, die Wanda's Ehre oft bedenklich nahe traten, man allgemein über das junge Paar fällte, das theilte Jacob Adomeit dem ohnehin schon erregten Vruder des Mädchens jetzt mit einer Umständlichkeit und in so bitterer Färbung mit.

daß dessen Stirnadern vor Zorn schwollen, seine Augen funkelten und seine Fünfte sich krampfhaft ballten. Der Szamaite war übrigens niemals mit Jerzy oder dessen Vater in nähere Berührung getreten, konnte den ersteren aus begründeter Ursache also wohl nicht hassen, aber er fühlte eine Abneigung gegen ihn, wie der Böse und Schuldbefleckte immer gegen den Guten und Reinen, und diese gab ihm die gehasstgen Worte ein, die entzündend und Versengend auf Janusz's Herz sielen ; oder machte der ungestaltete, verrufene Szamaite vielleicht selbst geheime Ansprüche auf . der schönen Wanda Hand ? wir werden es sehen. Das kann nicht, so bleiben, Jzcob bei Gott, das muß ein Ende nehmen," murmelte Janusz düster und drohend, als sein Freund geendet hatte und ihn erwartungsvoll anblickte. . Was gedenkst du, armer. Janusz dagegen zu thun?" fragte der Szamaite höhnisch. Ich weiß es noch nicht, aber ich werde handeln ich werde nochmals ernstlich,, mit Wanda reden." Bei Deve l Janusz, das ist die dümmsie Idee, die du fassen kannst ; ich habe noch nie gehört, daß ein verliebtes Mädchen sich durch die zärtliche Sorge eines Bruders ihrem Liebhaber hätte abwendig machen lassen." Dann wird der Vater ein P!achtgebot thun," . preßte Janusz' mühsam zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. Wenn er dir nicht erwidert, die ganze Geschichte ginge dich nichts an," sagte der Szamaite trocken. In der That hatte Janusz diese Antwort des Vaters schon einmal vor drei Jahrm erhalten. Nun wohl," sagte er kaum hörbar

dann gibt es einen Kampf auf Leben und Tod zwischen Jerzy und mir." Der starke Mann verläßt sich auf seine eigene Kraft," flüsterte Jacob mit einem triumphirenden Blicke, aber ich hoffe, du wirst nichts ohne den Rath deines Freundes thun, denn du bist zu wild und unvorsichtig und wir haben eine Obrigkeit und Gesetze. Jetzt aber Adieu, Janusz, mein lieber Junge ich muß mich wahrhaftig eine Weile niederlegen. Also um elf Uhr am Ausgange nach dem See zu." Janusz drückte, mit dem Kopfe nickend, die ihm gebotene Hand, und als sich sein Genosse etwas taumelnd' entfernt hatte, setzte auch er den Hut mit einer heftigen Bewegung auf den Kopf, warf noch einen Blick auf die Gesellschaft, der Jerzy neben einem anderen Mädchen und seiner Schwe ster, beide von fern scharf und ängstlich lich, fand, und verließ dann den Krug. Das Tanzvergnügen währte noch bis in die Abendstunden hinein ; als die Glocke vom Kirchthurme des Dorfes aber zehn schlug, verstummte die Musik und die letzten Tänzer beeilten sich, ihre Mädchen nach Hause zu geleiten, oder bestiegen, wenn sie in dem Dorfe selbst nicht zu Hause waren, ihre Wagen und Pferde. Gewandt schwangen sich auch mehrere der hübschm Litthauerinen auf die letzteren, denn ihre Hand ist mit dem Zaun des Pferdes ebenso vertraut, als die unserer Landmädchen mit jedem Stück des Feld- oder Wirthschafts geräthes, und, rittlings wie die Männer auf den kleinen, unbändigen Thieren sitzend, jagten sie im vollen Galopp, allein oder von ihren männlichen Angehörigen begleitet, der Heimath zu. Der'alte Szymon und sein Sohn hatten sich schon früh fortbegeben, und kaum hatte Wanda dies bemerkt, als auch sie ihren Vater zum Aufbruch trieb. An seiner Seite schritt das junge Mädchen ernst und tief bewegt nach Hause. Im Dorfe war es still geworden, die letzten Lichtchen verlöschten, und eintönig hallte der Schritt des Wächters, der die elfte Stunde ausrief, durch die Gassen. Um diese Zeit fanden sich, wie verabredet, Janusz und Jacob, beide in eine Tracht gekleidet, die mit ihrer nationalen nichts geheim hatte und besser als der lange Czakas (blauer Rock der Litthauer) schnelle und gewandte Bewegungen erlaubte, am Ausgange des Dorfes zusammen, wo die Straße an dem kleinen Schittköner See vorüber durch die Waldungen nach der

südöstlichen Spitze des Wystylcr See'S und über d!e Grenze fort nach dem Städtchen Wyszayn führt.' Auffällig mußte es erscheinen, daß Jacob einen mit Schultergurten versehenen Korb auf dem Rücken

trng, in den Janusz zu seiner Füllung noch einige wohlverwahrte Packet legte, und daß über des letzteren Schultern eine kurze Büchse hing ; auch blickten unter den kurzen Oberröckcn beider Männer die Griffe von- langen Jagdmessern hervor; die Mützen hatten sie tief in die Augen gezogen. Ohne Verzug schritten sie nun den vorher beschriebenen Weg entlang, man chen leisen Fluch gegen den Mond ausstoßend, der sich durch Vt schnellzichcnden Nachtwolken immer wieder Bahn brach und dann den Weg und die Umgegend klarer erhellte, als es ihren Wünschen nnd der Sicherheit der geheimen Reise entsprechen mochte. Was ihr ganzes Aussehen und Venehmen schon deutlich kundgab, wäre einem unbeachteten Lauscher ihrer flüsternd geführten Unterhaltung schnell ganz klar ge worden ; sie waren im Begriff, eine Lad ung, und obenein eine sehr kosibare, in Taschenuhren bestehend, aus die russischerseits ein sehr hoher Zoll gelegt ist, über die Grenze einem jüdischen Händler zuzuschmuggeln, der sie mit seinen Helfern in der Gegend von Wyszayn erwarten wollte. Am Morgen schon hofften sie wieder glück lich zurückgekehrt zu sein, und der Verdienst, den sie sich von diesem gesetzlosen Handel versprachen, mußte groß sein,da ihndiz letzteren auf eigene Rechnung führten. Daö war das Geschäft, das Janusz Vater seit seiner Jugend schon an der nördlich hinauf gelegenen Grenze mit Erfolg betrieben hatte, bis der immer mehr überHand neh-. mende Verdacht der Grenzbehördcn ihn nöthigte, jene Gegend seiner persönlichen Sicherheit wegen zu verlaffcn; damals war er nach Schittkömen gezogen, und seitdem setzte der von ihm in dem gefährlichen, aber einträglichen Geschäft angelernte Sohn mit Unterstützung des Szamaiten, der früher ein thätiger Helfer des Vaters gewesen war, daffelbe fort, bisher mit Glück.. ' Die beiden Männer kannten genau jeden Fußsteig, jede kleine Lichtung in dem dichten', Unterholze, die ihnen erlaubte, ihren Weg geräuschlos fortzusetzen und sich doch imner möglichst schnell im Falle einer Entdeckung verbergen zu können ; sie wußten, w.lche Patrouillengänge die GrenzWächter zu machen pflegten, und vermieden diese sorgfältig. Zuweilen blieben sie stehen, uu zu lauschen, der Eine legte sich wohl euch mit dem Ohr auf die Erde, um ein entfernteres Geräusch besser zu vcrnehmen, lund dann wieder setzten sie ihren Ganc gm:t aller orncyt fort. ism paar Mal j befanden sich die Straßnicks, die grünuniformirten 'Zollbeamten der Ruffen, zu Fuß oder zu Pferd ganz in ihrer Nähe; dann lvarfen sie sich im Gestrüpp platt auf den Boden und hielten den Athem an. Wahrend ihre scharfen Augen jede Vewegung ihres Feindes aufmerksam beobachteten und die Hand sich krampfhaft um den Griff des Meffers oder um den KolbmhalS der Büchse klammerte; war der Gegner nicht zu übermächtig, so hätten sie sicherlich einen blutigen Kampf nicht gescheut, so lange derselbe sich ohno einen die Aufmerksamkeit erregenden Schuß mit der blanken Waffe abmachen ließ. Aber dieses Mal begünstigte sie das Glück, und es bedürfte nicht einer neuen. noch schlimmeren Uebelthat, um die erste zu verdecken. Nach einer dreistündigen Wanderung erreichten sie unangefochten ihr Ziel, einen einsamen Platz im Walde jenseits der russischen Grenze, lieferten an die Juden, die sie bereits wartend vorfanden, ihre Waare ab, empsingen das Geld dafür und kehrten wohlgeittuth auf demselben Wege zurück. Es war etwa drer Uhr Morgens, die Tagesdämmerung schon so weit heraufgekommen, oay man oie entfernteren (Äegen stände ziemlich deutlich unterscheiden konnte, aber die Gefahr war nicht mehr groß, da beide bereits die Grenze wieder überschritten und keine Waare mehr bei sich hatten : dennoch wären sie den preußischen Grenzaufsehern nicht gern in die Hände gelaufen, da dies mindestens einen argen Verdacht auf sie hätte herbeiführen können, deshalb deckten sie ihre Personen noch immer vorsichtig. (For'.iedung folgt.)