Indiana Tribüne, Volume 3, Number 45, Indianapolis, Marion County, 18 June 1881 — Page 6
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Indianer Tribüne.
ntscheidung. Episode aui dem amerikanischcn Bürgerkrieg. Schluß) Der von dem General Hardee mit einem Theil der Besatzung von Savannab iin ternommene Ueberfall war mit schwerem Verlust sür denselben auf allen Punkten zurückgewiesen worden. Seit lange fiel kein Schuß mehr. Auf dem öandhause wurden alle Vorbereitungen zu dem noch sür diese Nacht bestimmten Ausbruch der Armee getroffen undOsfiziere und Ordon nanzen mit der Meldung von dem Anlangen immer neuer Abtheilungen des nord staatlichen Heeres, oder mit ihnen ertheilten Befehlen stürmten Treppe auf Treppe ab und drängten sich in dem Vorzimmer deS Generals Sherman. Eben war bei demselben auch eine Botschaft des bereits verloren gegebenen Generals Kilpatrick eingetroffen, wonach derselbe im Begriffe stand, spätestens morgen sich wieder an die diesseitige Hauptmacht anzuschließen, und großerJubel herrschte überdies? kaum noch erwartete glückliche Kunde im nordstaatli chen Hauptquartier. Nur von dem Aus--fall des von dem General Osterhausen gegen Fort Mac Allister angetretenen Unternehmens fehlte noch jede Nachricht. Etwa gleichzeitig mit dem Angriff deö Generals Hardee glaubte man jedoch auch aus der ungefähren Richtung der Lage des FortS ein heftiges und anhaltendes Feuer vernommen zu haben. Seit ihrer zweiten Gefangennahme schien nach dem Erwachen aus ihrer Ohn macht ein anderer Geist über die Besitzerin von Graycourt gekommen. Sie hatte durch den Capitän von Hohenau, dessen zufälliger Dazwischenkunst ste ihreRettung auö den Händen der ihr Leben bedrohenden empörten Sclaven und rohen Solda ten verdankte, eine persönliche Zusammen kunst mit dem General gefordert, und die Berufung auf ihren Rang und Stand, 1 wie auf die ihr unter der ersten stürmischen Erregung widerfahrene schmähliche Be Handlung hatten den menschlich fühlenden jungen Ossizier wenigstens veranlaßt, aus eigener Machtvollkommenheit ihr ein erxrägliches Gefängniß zu bewilligen. Die Posten vor dem ihr wieder zum Aufenthalt angewiesenen Damenzimmer des ersten Stocks waren vor die Thür zurückgezogen und ihr zu ihrer Bedienung wie zu ihrer unmittelbaren Ueberwachung eine zu ihrer Dienerschaft gehörige Mulattin und die Frau eines zum Hauptquartier commanbitten Sergeanten beigeordnet worden. Ihr Gesicht erschien todtenbleich, doch deu tete kein Zug darin auf eine Anwandlung der bei ihrer ersten Ergreifung bewiesenen Schwäche. Eher glühte ein finsterer Trotz in ihren Augen. Der gutgemeinte Zu spruch der einfachen Soldatenfrau wie die Anerbietungen ihrer Dienerin waren von ihr gleich stolz zurückgewiesen worden. Die Soldatenfrau nickte jetzt von der Müdigkeit bewältigt, in dem bescheiden zur Seite des Camins eingenommenen Sessel, die Andere saß auf einigen herbeigeholten Kiffen zu den Füßen ihrer Gebieterin, und das Schwanken ihres Oberkörpers und ihr tiefeö Athmen bewiesen, daß der Schlum mer sie ebensalls gefangen hielt. Nur von den Wimpern der unglücklichen Frau zwischen den Beiden war der Schlaf fern geblieben. Mit jedem sich nähernden Geräusch richteten sich ihre Blicke in fieberhafter Erwartung zur Thür, um mit der zum hundertsten Mal erfahrenen TäU' schung gedankenvoll und trübe wieder in dem im Roste des Camins ollmälig schon beinahe ganz erloschenen Feuer zurückzu kehren. Wiederum war ihre Erwartung auf die Rückkehr ihres an den General abgeord neten Boten getäuscht worden. Der sporenklingende Tritt, welchen sie für den sei nigen gehalten, verlor sich in der Ferne. Das Lachen und die Unterhaltung fröhlicher Stimmen schienen der ihr Herz zu sammenschnürenden Angst und Verzweiflung ZU spotten. Stunden waren ihr, seitdem der junge Osfizier ihren Auftrag übernommen, nun schon in diesem gräßlichen Bangen zwischen Furcht nnd Hoffr.ung verfloffen. Er kommt nicht wieder murmelten ihre Lippen.. Auch er überläßt mich meinem Schicksal. Nun ist Alles verlo ren! Bleibt mir denn keine Hoffnung mehr?" Sie hatte ihre svähenden Blicke hinter sich aus die vorhin zu ihrer Flucht benützte Thür geworfen, doch das zufällige Klirren eines Gewehrs auf dem verschloffenen
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Gang erstickte den ihr vielleicht aufgestiege nen Gedanken an eine neue Flucht noch im Keime. Unter der sie beherrschenden Un ruhe war sie aufgesprungen und an eins der Fenster getreten. Die Fragen der da durch aus ihrem Schlummer aufgeschreckten beiden Frauen nach ihren Wünschen wurden von ihr wohl kaum vernommen. Angestrengt blickte sie hinaus in die Nacht und in die Richtung nach Savannah hin über. Es währte lange, bevor sie bei oer mittlerweile eher noch gesteigerten Dunkel beit das jetzt den ganzen Park erfüllende Gewühl zu unterscheiden vermochte. Truppen drängten sich da unten Kopf an Kopf. Gelächter, Stimmengewirr, Wasfengeklirr schallten von fern und nah zu ihr herauf. Jeder Ausweg ist mir durch diese Mas' sen versperrt drängte sich ihr mer die Ueberzeugung auf, als daß sie den sie be stürmenden Gedanken Worte geliehen hätte, und noch immer keine Botschaft von dem General. . . Wenn der junge Offizier ihm mein Verlangen gar nicht ausgerichtet haben sollte . . . Aber besitze ich denn nicht das Wort desselben und würde er eö wagen, die Schande aus sich zu laden, eine Dame in meiner Lage zu täuschen ? Oder wenn der General sich weigerte, mich zu empfangen . . . Doch derselbe hat die Gastfreundschaft dieses HauseS genoffen und General Sherman ist ein Gentleman, er kann und wird meine Bitte nicht zurückweisen. Wenn aber doch! Die Nacht eilt schon dem Morgen zu und morgen, morgen . . . Den schaden frohen Blicken der gaffenden Menge, dem blutigen, erbarmungslosen. Spott und Hohn des Gesindels und dieser brutalen Soldateska ausgesetzt zu sein. Ich er. trüge es nicht. Wenn, wenn ... Allmäch' tiger! ich auf der Anklagebank. Vielleicht gar . . Krampshast hatte sie zum Herzen gegriffen, und ein jäher Schreck zuckte durch ihre Züge. Sie fühlte die nach ihrer unseligen That in ihrem Busen verborgene Gistphiole unter ihren Fingern. DaS ist ein letzter Rettungsweg," murmelte sie, den Blick starr vor sich auf den Boden gerichtet, und nein, ich will und kann die Schande meiner Niederlage nicht überleben. Mit der verlorenen Sache des SÜ dens unterzugeben, ist wohl auch ein Ruhm. Noch ist jedoch diese Sache nicht verloren," kämpste sie in wieder erwachte? Lebenslust gegen die sie in ihren sinnen verwirrenden Wirbeln mit sich fortreißende neue Gedankenfolge an. Es ist der Fehlschlag dieser Nacht nur einfach ein? der ungünstigen Ereignisse, wie so viele im Laufe dieses vierjährigen Kampfes schon eingetreten sind und wonach die Fahne des Südens nur jedesmal stolzer geflattert hat. Ein gescheiterter Versuch, nichts weiter . . Sie unterbrach sich, und ihre einen Moment stolz und kühn in die Nacht hinausblitzenden Augen senkten sich wieder zur Erde. Die ersahrene Politikerin blickte zu klar in die verwirrten Verhältniffe, als daß sie sich selber zu täuschen vermocht hätte. Mit furchtbarer Klarheit sah sie vor ihrem geistigen Auge in die Ereigniffe der letztenStunden an sich dieEntscheidung des ganzen langen und wechselvollen Krie ges gipfeln, und eisig kalt durchrieselte es ihre Adern, wenn sie sich die möglichen Folgen des verunglückten Anschlags der heutigen Nacht vergegenwärtigte. Sie wußte, welche hohe Bedeutung augenblick lich Savannah für die eigene Partei so wohl, wie für den nach seinem wunderbarenZuge neunzig Meilen weit mitten durch feindliches Gebiet und eine fanatisch gegen die Nordstaaten entflammte Bevölkerung nur dort noch sür seine Armee eineRettung erblickenden General Sherman besaß. Sie hatte es oft genug aus dem Munde des Generals Hardee und anderer südstaatlichen Befehlshaber gehört, daß, nachdem der kühne feindliche Heerführer einmal bis unmittelbar zu der Meeresküste der südlichen Staaten durchgedrungen war, es für denselben nur noch bedurste, von irgend einem gesicherten Punkte aus der schon lange diese Küste blockirenden Uni onsflotte die Hand zu reichen, um den Sü den wie unter der todtbringenden Umstri ckung einer Boa Constrictor zu ersticken, und daß mit dem Falle jener einen Stadt die Sache des Letzteren für so gut als verloren gegeben werden mußte. Endlich aber war ihr in den letzten Tagen allge mein übereinstimmend und heute noch wiederholt das Fort Mac Allister als vorläufig noch das einzige und wichtigste Boll werk der ganzen Südwestseite' dieses rno mentan so unendlich wichtigen und doch auf einen bis dahin für unmöglich gehaltenen Angriff noch so gut wie gar nicht
vorgesehenen Platzes bezeichnet worden. Wenn der Feind den Tod des Commandanten dieses Postens und die Aufhebung des größten Theils der Besatzung desselben zu einem raschen und kühnen Handstreich wider das Fort benützte ! Der Gedanke an die Möglichkeit eines solchen Vorgangs schon und noch mehr der, daß sich nothwendigerweise eln Theil der Schuld an diesem großen, nicht wieder einzubringenden Unglück an ihren Nam:n knüpfen mußte', drohte sie zum Wahnsinn zu imben, und wieder schlugen die dunklen Wogen einer nur noch im Selbstmord Rettung sehendenVerjweiflung über ihrem Haupte zusammen. Rasche, sich durch den Vorsaal nähernde Schritte rissen sie aus ihrer Selbstversun kenheit empor, ihre Blicke hasteten mit dem Ausdruck einer bis zu dem äußersten Maß der nervösenSpannung gesteigerten angstlichen Erwartung an der Thür. Mit ei nem Freudenschrei flog sie dem eintreten den Capitän entgegen, doch aus halbem Wege stockte ibr Fuß. Der tiefe Ernst uno das bedauernde Mitgefühl in dem Antlitz des jungen Mannes verkündeten das Fehlschlagen der von ihm übernommenen Mission zu deutlich, als daß eine Täuschung möglich gewesen wäre, Sprechen Sie," stieß sie. mit äußerster Gewalt sich zusammenraffend, hervor. Schnell, schnell ! Der General hat mein Gesuch verweigert? Sagen Sie mir Alles, nur spannen Sie mich nicht länger auf die Folter." Mylady, wollen diesen schlimmen Ausgang nicht meinem Mangel an Eifer bei messen versuchte der Capitän einer direkten Antwort auszuweichen. Schon hatte der General mir den Auftrag ertheilt, Sie trotz der Fülle der ihn augenblicklich bedringenden Geschäfte bei ihm einzuführen als ein unglücklicher Umstand Alles änderte. Es ist ein eigenhändiger Brief von Mylady bei dem Major Felton gefunden worden." , Ha! mein Brief der Elende hat den Brief, mit meiner Benachrichtigung bei sich getragen. O Gott !" Das unglückliche Weib schwankte unter der Wucht des sie so unerwartet treffenden neuen Schlages. Ohne das Zuspringen des jungen Ossiziers und der beiden Frauen würde sie zu Boden gefallen sein. Ermannen Sie sich, Mylady bestreble sich der junge Mann, den Eindruck seiner ungünstigen Mittheilung zu lindern. Trotz der augenblicklichen unglücklichen Wendung Ihrer Angelegenheit kann sich doch vielleicht noch Alles zum Besten kehren. Nur sür den Moment fasten Sie sich. Der General-Sheriff der Armee, welchem ich Sie wegen des Aufbruchs des Hauptquartiers rbergeben muß,kann jeden Augenblick . . Ein rasendes Jubelgeschrei hatte den Capitän unterbrochen. Lawinenhaft pflanzte der Ruf sich auS der Ferne fort. Viktoria !" jauchzte es aus vierzigtausend Kehlen zugleich. Fort Mac Allister ist genommen! Savannah ist unser ! Hoch General Osterhausen! Hoch General Sherman V Mit demFall Savannah's war die Entscheidung des Bürgerkriegs herbeigesührt. Der Osfizier war in der ersten sreudevollen Verwirrung zur Thür geeilt, und Trommelwirbel und schmetternde Feldmusik hatten die beiden Frauen an dasFenster gelockt. Die Lady saß in dem Lehnsessel, wohin sie zuvor von jenen zurückgeleitet worden, von Allen verlaffen. Der helle Wahnsinn leuchtete aus ihren Blicken. Wieder griff sie zumHerzen, um besten ungestümen Schlag zu ersticken, und wieder fühlte sie das verhängnißvolle Flacon. Ein schwerer Fall ließ den Capitän erschreckt sich umwenden. Mit einemSprung befand er sich zur Seite der wie vom Blitz gefällt Zusammengebrochenen. Der Kampf in ihren Zügen, ihr rollendes Auge und die noch krampshaft von ihren Fingern umschloffene Phiole sagten ihm Alles. Das stolze Weib hatte den Triumph der Feinde ihrer Sache und den Zusammenbruch all' ihren Hoffnungen nicht überleben mögen.
Während, wie kürzlich mitgetheilt wurde, im Monat April über Hamburg allein 21,117 Personen auswanderten, wurden im Laufe der vier ersten Monate dieses Jahres über Bremen 25,789 Perso. nen nach New Vork und' Baltimore besördert. Diese Ziffer übertrifft diejenige des vorigen Jahres um ein Bedeutendes; in den ersten vier Monaten des Jahres 1880 wurden nach allen transatlantischen Häfen nur 23,395 Personen besördert.
An der Grenze.
(Fortsetzung.) Eine der hübschen Litthauerinen, deren körperliche Reize und graziöse Haltung wohl mit Recht den Vorzug vor ihren Schwestern beanspruchen konnten, richtete einen Moment ihre dunkelblauen Augen suchend umher und eilte dann, mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen, gerade der Stelle zu, an der sich der eben von uns beobachtete Jüngling befand; ihre Bl'cke schienen sich fest und schon von Weitem auffordernd auf ihn zu heften. Wie der . junge Mann das vorher be schriebene Costüm trug, so war auch sie ganz in der Weise des Landes gekleidet, und das feine Linnen der Hemdärmel, die befferen Stoffe des Rockes und CorsettS deuteten darauf, daß sie die Tochter einer wohlhabenden Familie sei, jedenfalls also eine sür die jungen Burschen des Dorfes ganz annehmbare Patie, und in der That folgten ihr viele blitzendenAugen und fchie nen Neid auf das Ziel ihres Ganges auszudrücken. Der aber, der dieses werden sollte, mußte mit dieser Wahrnehmung gar nicht zufripden sein, denn ehe ihn das junge Mädchen nch erreicht hatte, drehte er sich etwas unmuthig schnell um, als babe er ihre Ab sicht nicht verstanden, und schritt in den Garten hinaus. Die Schöne hielt in ihrem Gange betroffen inne. einen Augen blick schwand das frische Roth von ihren Wangen, und ihre sich schnell niedersenkenden Augen drückten einen leisen Kummer aus, aber als sei sie sich wohl bewußt, wie viele Blicke auf ihr hafteten, faßte sie sich schnell, strich das vom Tanz etwas ver wirrte blonde Haar von der Stirn zurück und bot dann einem andern, ihr naheste h enden jungen Manne die Hand, um ihn in die Mitte des Zimmers zurückzuführen. Indessen ging jener ernste Jüngling durch den Garten einem Platze zu, an dem stch mehrere ältere Leute, Männer und Frauen, welche letztere sich in ihrer Tracht nur dadurch von den Mädchen unterschieden, daß sie statt der bunten, weiße Tücher um den Kopf trugen, an einem Tische unter den Linden niedergelassen, hatten. Der Mann, zu dem Jener seine Schritte richtete und dem er sich mit vertraulicher Ehrerbietung näherte, zeichnete sich unter Allen durch seine imposante Figur, das krastverheißende Ebenmaß seiner Glieder und ein würdevolles Gesicht aus, um das lange weiße Locken im leichtenWinde spiel' ten. Sobald er deö Jünglings gewahr wurde, wandte er sich mit einem Blicke, in dem neben warmer Zuneigung sichrem leichter augenblicklicher Unmuth kundgab, zu ihm. Warum suchst du die Gesellschaft von uns Alten, Jerzy", fragte er, ehe jener ihn angeredet hatte, in der wohlklingenden lithauischen Sprache, während das junge Volk da drinnen stch nach alter Sitte im munteren Tanz schwingt? Was läßt Du den Kopf hängen, Junge, den Du hochtragen kannst wie der Besten Einer V Den jungen Mann schien diese Anrede, die wie ein Vorwurf klang, in Verlegenheit zu setzen, und diese stieg, als ein paar der Umsitzenden den Alten dadurch unterstützten, daß sie ebenfalls ihre Verwunderung über sein Erscheinen an diesem Orte zu erkennen gaben. Es ist mir zu heiß, zu bewegt in der Stube dort," stammelte Jerzy befangen, aber die in seine Wange steigende Röthe verrieth, daß er noch einen andern Grund für seine Abneigung gegen den Tanzsaul haben müffe. Du warst sonst der Flinkste auf dem Tanzboden, Jerzy Szymon und keiner konnte sich mit Dir messen, wenn Du die Lituwenia aufführtest meinte eine noch hübsche Frau aus der Gesellschaft; das war ehe Du nach der Stadt des Königs gingst, und doch möchten die Mädchen jetzt, wo du zurückgekehrt und ein noch hübscherer Bursche geworden bist, gewiß noch viel lieber als damals stch mit Dir herum schwenken. Du bist doch nicht stolz geworden, Jerzy?" . Der Jüngling versuchte, kopsschüttelnd, zu lächeln, das Auge des Alten richtete sich aber mit einem beinahe zornigenAusdrucke auf ihn. Ich hoffe das nicht, Jerzy" sagte er mit seiner tiefen Stimme, ihn scharf ansehend, wir haben nur eine Heimath und ihr gehören wir an." Vater," erwiderte Jerzy, die Augen frei und fest ausschlagend, was Warwara eben sagte, kann nur ein Scherz gewesen sein ; ich habe in Berlin meine Heimath
nicht vergcffen, und die Sehnsucht nach ihr hat mir diese drei Jahre, die ich dort zubrachte, bald zu einer Ewigkeit gemacht." Laßt ihn doch, den armen Jnngen, der ein ebenso guter Litthauer ist. als er Dra goner desKönigs war !" rief jetzt ein alter, schnurrbärtiger Mann dazwischen, der Jerzy schon eine ganze Welle mit geheimen Wohlgefallen betrachtet halte. Ich sage Dir, Jgnocy Szymon, und Euch Allen denn ich weiß es von meinerJugend her, aus eigener Erfahrung daß das Heimweh jedem Manne, unseres Lande? arg am Herzen nagt, wenn er in den Rock des Königs gesteckt wird, und wenn's ihm auch schön und gut da draußen erscheint bester ist's doch zwischen unsern altenWäl dern und Seen, und er kehrte gern wieder heim, wenn's nur ginge. Habe ich nicht Recht.Jerzy?" WeißGott," antwortete der jungeMann. mit einem feuchten Blicke. Aber," fuhr der Alte schlau lächelnd irr seiner gutmüthigen Weise fort, in Berlin gibt's auch schmucke Mädchen, wie hier zu Lande, und sie haben Augen sür einen. Gardk'Dragoner, besonders wenn er ei Lituwenig") und obendrein ein so hübscher Bursche wie unser Jerzy ist; er braucht unsere Dirnen gerade nicht vergeffen zu haben, um sich dort auch 'mal die Augen zu vergucken, und 'nem Soldaten kann man's nicht verdenken, wenn er hier und da mitnimmt, was sich schon der Mühe lohnt. Laßt dem Jungen nur noch ein paar WochenZeit. und er hat sein schwarz äugiges Mädchen dort vergessen und hätt sich wieder an unsere blauäugigen." Die Männer lachten und die Frauen blickten ebenso neugierig als leicht ver--stimmt auf Jerzy ; dieser aber sagte, ohnedie schuldige Ehrfurcht gegen das Alter bei. Seite zu setzen, sehr ernst und kalt :' Ihr irrt Euch, Onkel Jan ich bin meiner Heimath in jeder Beziehung treu geblieben." Geh' zum Tanz zurück, Jerzy," sagte der alte Symon freundlich, aber bestimmt denn wenn ihn die Zuversicht seines Sohnes auch von dem Ungrunde seiner früheren Vermuthung überzeugt hatte, so vollte er doch jedem Streite zwischen ihm und den alten Jan zuvorkommen. Da ist dein Platz, und die Mädchen werden auf Dich warten ; laste sie nicht auf den Gedanken kommen, daß Du sie verachtest, seitdem Du in der Königsstadt gewesen bist, sonst wirst du hier nie und nimmer eine Frau bekommen Geh',meinSohn." Der junge Mann gehorchte; er mochte sich, nachdem einmal diese Saite der Unterhaltung angeschlagen worden, jetzt hier ebenso wenig wohl befinden, als an feinem früheren Platze. ZögerndenSchritteö, M überlege er noch, ob er der Weisung, seines Vaters folgen solle, ging er auf das Ge bäude zu ; wie in schnellemEntschluffe erhob er aber plötzlichidasHaupt, seine ganze Gestalt richtete sich höher und stolzer aus, und festen Schrittes betrat er den Tanzsaal, in dem die Musik eben wieder die Melodie des geliebten Nationaltanzes anstimmte. Ohne Zaudern ging er auf daöhübsche Mädchen zu, das ihn vorher gesucht hatte und durch sein Benehmen augenscheinlich verletzt worden war, um sie ' jetzt zum Tanze aufzufordern. Tief erröthend fenkte sie alsZeichen ihrer Zustimmung den Kopf, nahm seine Hand, und gleich darauf fchwebten Beide so flüchtig, so leicht über den unebenen Fußboden dahin, als sei er das spiegelglatteste Parquet gewesen; ein rauschender Beifallsjubel durchtönte die Stube, und bescheiden, so vieler Überlegenheit weichend, traten die übrigen Tänzerpaare einstweilen beiSeite. Das Mädchen die schöne Wanda, wie ste die Umstehenden nannten schien von dem Vergnügen des Tanzes oder der Seligkeit, stch auf Jerzy's Arm lehnen zu dürfen, ganz Hingeriffen zu sein ; mit glühenden Wangen, halbgeschloffenen Augen gab sie sich ganz seinem starken Arme hin, aber sein Gesicht blieb kalt und gleichgiltig. Wahrend die beiden jungen Leute tanz ten und auch, nachdem Jerzy Wanda auf ihren Platz geführt und sich vorläufig bei ihr verabschiedet hatte, um eines der andern Mädchen auszusuchen, wurde er von zweien Leuten angelegentlichst beobachtet, die in einer Ecke der Krugstube an einem Tischchen Platz genommen hatten. Die vielen vor ihnen stehenden geleerten Bierflaschen zeigten an, daß sie sich bereits recht gütlich gethan hatten, und obgleich in Folge dessen ihre Gesichter schon stark geröthet waren, tranken sie jetzt Branntwein, den der Wirtb an diesem Orte nicht in zu großen Quantitäten auszuschenken brauchte. (Fortsetzung folgt.)
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