Indiana Tribüne, Volume 3, Number 37, Indianapolis, Marion County, 23 April 1881 — Page 6

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Jndiana Tribüne.

(Für die .Jndiana Tribüne) Gesunden und verloren. Origmal-Erzahlung aus dem Thüringer Walde von N. T. (Schluß.) Der brave Junge das warder erste und letzte Brief, den ich von ihm aus der neuen Welt bekam. Monate, Jahre dergingen unter Hoffen und Harren, wir hörten nichts mehr von ihm. Ein Land mann wollte ihn kurz nach seiner Ankunft, als gerade der Krieg zwischen dem Norden und dem Süden, der Krieg des Nordens gegen die südamerikanischen Sclavenba rone ausgebrochen war, in der Armee des Nordens angetroffen haben. Wahrschein lich ist er gleich zu Ansang dieses Krieges gefallen, denn sonst hätte er uns wenig stens einmal wieder ein Lebenszeichen von sich zukommen laffen. Bei meiner armen Frau hatte der Ver lust unseres einzigen Sohnes den Keim zu einer chronischen Krankheit gelegt, sie kränkelte seitdem, bis ich auch sie durch den Tod verlor, und nun stehe ich in meinem Alter so gut wie allein und verlosten da. So viel ich nun in meinem Leben Bitteres und Schmerzliches erfahren mußte, den Kops habe ich dabei nicht verloren, ich be hielt ihn immer oben. Was aber die Liebe in der Ehe anbelangt, so werden Sie heute selten ein Paar finden, was wahr hast glücklich, nur aus beiderseitiger Neigung sich genommen hat. Die Verhält niste bedingen ja leider heute zum weitaus größten Theil die Ehe und machen sie da her in vielen, vielen Fallen sogar zur Prostitution. Meine Frau liebte mich mit ganzer Seele, mein Herz aber doch still da von ich lernte meine Frau achten, und schätzte sie über Alles hock. Sehr, sehr schmerzte mich ihr Verlust. Sie aber sind noch ein junges Blut, dürfen den Kopf nicht hängen lasten, gehen Sie in die weite Welt und Sie können immer noch finden, wonach Ihr Herz verlangt. Mir war es später nicht vergönnt in die weite Welt zu gehen, ich mußte für meine alten Eltern sorgen, dann aber, als sie nicht mehr wa ren, war ich schon viel zu alt geworden, um noch das Bündel aus dem Rücken die weite Welt durchstöbern zu können. Leonhardt erwiderte nichts, die kurze

Erzählung, und die Art, wie sie erzählt wurde, hatte ihn ergriffen ; welche Summe von Elend lag nicht in dieser einfachen schlichten Erzählung. Seinen Zweck aber hatte die Erzählung nicht verfehlt ; so wie sremder Schmerz den eigenen Schmerz in physischer Beziehung mildert, so hatte auch der moralische, der Seelenschmerz, der die Erzählung des Alten durchwehte, seinen eigenen Seelenschmerz gemildert undLeon hardt stärker und muthiger zum Ertragen gemacht. Der Alte hatte während er erzählte ei nen kleinen Keffel mit Waster an ein drei süßiges Gestell, welches über dem Feuer stand, gehangt und schüttete jetzt, da das Waster kochte, ein Quantum gemahlenen Kaffee hinein, dann nahm er den Kestcl herunter, setzte ihn unten an das Feuer, holte einen großen Laib Brod aus einem Behälter hervor, schnitt einzelne Stücke davon ab, bcstrich dieselben mit Butter, steckte sie an eine lange Gabel und fing an. die Stücken zu rösten. Die gerösteten Brodschnitte bereiteten einen angenehmen. verlockenden Geruch, sollten aber noch des ser schmecken, als ihr Geruch ahnen ließ. Der Alte hatte seineArbeit vollendet und lud nun Leonhardt zu diesem Frühstück ein. Leonhardt langte sich zu und der Alte schien sichtlich erfreut über den Appe tit des jungen Mannes. Unter anderen Umständen würde auch für Leonhardt ein eigener Reiz darin gelegen haben, in dieser von Ruß geschwärzten aus Stämmen, Zweigen und Moos gebauten Hütte ein selbstbereitetes Frühstück verzehren zu fön nen. Aber," begann der Alte noch beendig tem Frühstück, Su nannten mir bis jetzt noch nicht den Namen Ihrer Angebeteten; da Sie mir Alles anvertrauten, dürften Sie mir wohl auch ihren Namen nennen, bloße Neugierde treibt mich nicht zu dieser Frage, aber vielleicht kenne ich das Mäd chen, unser Ort ist ja nicht groß; und schön muß dieses Mädchen sein, wenn sie solche Wirkung bei einem jungen Manne Ihrer Art hervordringen konnte. Daß ich über diesen Punkt schweigen werde, brauche ich Ihnen nicht erst zu versichern." Sie heißt Louise Born. Der Alte fuhr bei der Nennung dieses Namens zusammen und erbleichte.

Was ist Ihnen?" frug Leonhardt, dem

dies nicht entgangen war. O nichts, eine plötzliche Anwandlung. Aber sagen Sie mir. trug vielleicht Ihre verstorbene Mutter denselben Namen." Ja, auch ste war eine geborene Born und dies Städtchen ist ihr Geburtsort ihre Heimath." Elisabeth Born ?! O du wunderbarer Zufall!" Ja Elisabeth Born, so hieß meine Mutter. Mein Gott aber, was istJhnen denn, wie kann Sie das so ergreifen V So hören Sie, Ihre Mutter war meine erste, meine einzige und letzte Liebe Leonhard war erstaunt über so viel Lei denschaftlichkeit bei dem alten Manne; er mußte seine Mutter mit jeder Fiber seines Wesens geliebt haben. Mit einer ängstlich fieberhasten Hast er griff der Alte die Hand des Jünglings und stch zur Ruhe zwingend, drang er in ihn 0 erzählen Sie mir, wie ging es Ihrer Mutter ? Ging es ihr gut ? War sie glück lich? und erwähnteste nie aber das wird, das konnte ja nicht sein." Meine Mutter war nicht glücklich," be gann Leonhardt mit ernster, bewegter Stimme, gleich zu Beginn ihrer Ehe hatte sie mit Noth und Kummer zu kämpfen Der Vater war längere Zeit sehr leidend Sonst war er rechtschaffen, er verpraßte nichts, mied die Wirthshäuser, war aber rauh und lieblos. Oft kränkte er die Mutter sehr empfindlich, sie, die Herzens gute, die mit keinem Menschen zürnen konnte, wenn sie nicht mit äußerster Ge walt dazu gezwungen wurde. Ich erinnere mich noch ganz lebhaft, daß ste oft die Ruthe, zum Schlage erhoben wieder sinken ließ und uns, die wir sie ver dient hatten, nicht schlagen konnte. Sie mußte also eines Tages vom Vater wieder surchtbar gereizt worden sein, als ich noch ein kleiner Knabe war, und mit anhörte. wie sie ihm sagte, sie babe ihn gar nich gewollt und sie sei nur durch sein beharr liches Drängen v n ihren Eltern zu dieser Heirath gezwungen worden". Wie oft erzählte sie uns Kindern von ihren Bergen, ihren Wäldern und lauschigen Plätzchen, von den Menschen ihrer Heimath, die so ganz anders in den Bergen als draußen in den Städten des platten Landes wären. All ihr Sehnen stand nach ihrer Heimatb, Alles, selbst das Unscheinbarste hatte da Jntereste und Werth für sie, und stunden lang konnte ich ihren Erzählungen aus der Heimath lauschen. Jedes, auch des klein sten UmsUndes erinnerteste sich mit solcher Lebhaftigkeit, als sei er erst srisch gesche hen. Heller leuchteten dann bei den Er innerungen ihre Augen und mit sichtlicher Begeisterung schwärmte sie für ihre hei mathlichen Berge, für ihren Thüringer Wald, und unverwandt hingen meine Augen an ihrem Munde, so lange sie er zählte. Ihr Herz blieb in ihrer Heimath ! Wenn einstens der Vater eher sterben sollte, als ich, was ich indeß nicht glaube, und diese Worte klangen mir immer wie eine Todesahnung so verkaufen wir Alles was wir haben, und gehen in meine Heimath. Ihr liebster Wunsch war es. mit mir eine Reise nach hier zu machen. hier wollte sie mir alle die alten Lieblings Plätzchen wo sie sich in ihrer Kindheit her umgeiummelt hatte, das Haus ihrer Eltern und das ihrer Verwandten, woran sich viele, viele Jugenderinnerungen knüpften zeigen. Es kam anders, ihr licbsterWunsch sollte nicht in Erfüllung gehen. Schon längere Zeit war sie .herzleidend. Wie viel die Verpflanzung aus ihrer Heimath in den rauhen Boden der Fremde, ohne daß ihr Zustand, das Verhältniß zu Ihnen irgend schonende Berücksichtigung gefunden hätte und jetzt erst kann ich ganz crmeffen, wie nur eine ganz zarte, schonen de Behandlung von Seiten meines Vaters sie nur einigermaßen das Verlorene ver schmerzen, wennauch nicht hätte vergessen machen können und die noch oben drein stets unzarte Behandlung desselben zur Grundlegung des Uebels beigetragen hat, läßt sich leicht denken, ja ich möchte sogar behaupten, daß dies zusammen der Grund zu ihrem Uebel, zu ihren: frühen Tode gewesen sein mag.' Das beständige Zusammensein mit meinem Vater, einem Manne, für welchen sie viel, viel zu gut war, und deffen fortwährenden Nörgeleien ausgesetzt, kam endlich nach Jahren das inzwischen tief eingewurzelte Leiden zum Ausbruch und raffte sie jäh, ohne ihren iebsten Wunsch erfüllt zu sehen, aus dem Leben hinweg. Daß sie eine ausrichtige wahre Jugend liebe gehabt hatte, entnahm ich nur aus dem Ende einer Erzählung, die ich zufällig

mit anhörte, als sie mit einer Freundin

von frühern Zeiten sprach. Zu jener Zeit verstand ich noch nichts von der verzehren den aber auch erhebenden Krast der Liebe, konnte aber das Gehörte nicht wieder ver gesten, später erst wurde es mir allmählich klar, und jetzt begreife ich vollkommen das Unglück, das aus einer gescheiterten Ju gendliebe entspringen kann." Schon längst hatte es schmerzlich in den Zügen des Alten gezuckt. Die eine Hqno hing schlaff an seinem Körper herab, auf die andere hatte er seinen Kopf gestützt, so saß er da, mehrere Male mit Mühe einige Thränen, die ihm in die Augen getreten waren, zerdrückend, aber jetzt, jetzt konnte er sich nicht mehr halten und ein paar große Thränen rannen ihm über die ge brannten und rußigen Wangen herab in den ergrauten Bart. Leonhardt erhob stch, und beide Männer lagen stch gerührt in den Armen uud schie den dann von einander, wie Sohn und Vater. Nach Tische machte Leonhardt Louisens Eltern einen Besuch. Louise selbst war nicht anwesend, sie war zu einer Freundin gegangen und er mußte zusagen, Abends nach dem schon erwähnten Curhause, denn I. war zugleich Curort, zu kommen, wo man sich's im engeren Kreise gemüthlich zu machen gedachte. Abends hatte Leonhardt am Ende einer langen Tafel, an welcher man sich nieder gelasten. Louise gegenüber Platz genom men ; Landeck saß an der Spitze der Tafel zwischen seiner Braut und Leonhardt. Die Gesellschaft trank manchen Schoppen des edlen Gerstensaftes, war lustig und guten Muthes und auch Leon hardt schien es zu sein. Die Unter Haltung drehte stch wie gewöhnlich bei sol chen Gelegenheiten um Verschiedenes und auch auf allgemeine Dinge, auf Politik kam man zu sprechen. Leonhardt sprach seine Ansichten unumwunden aus und Landeck, der von seinem Standpunkte aus eigentlich nicht Leor.hardls Meinung war, konnte nicht anders, nachdem er zu wider legen versucht hatte, als Leonhardt beizu pflichten. Louisens Augen ruhten mit sichtlichem Wohlgefallen aus Landcck und die tiefsinnigen, seclenvollen Blicke, mit denen sich Beide so verständnißinnig ansa hen, die zarte Aufmerksamkeit, mit welcher Landcck Louise entgegenkam, überzeugten Leonhardt zur Genüge, daß er sich in sei nen Erwartungen, Louise möchte Landeck nicht mit der ganzen Gluth ihres Herzens lieben, getäuscht hatte. Die Augen ver riethen hier mehr, als viele Worte es zu thnn vermocht hatten ; Louise liebte Lan deck mit ganzer Seele! Und Leonhardt mit einem Herzen so voll Liebe er konnte nicht neidisch dreinsehen, so bitter weh es ihm auch dabei zu Muthe war. ' Sie selbst hat entschieden," dachte er bei sich. sie ist für dich verloren ! " Und es kam ihm von Herzen hatte er doch ver gangene Nacht den Kamps um diese Liebe so gut wie ausgekämpft wenn er gleich darauf anhob : Wie freue ich mich doch stets aufrichtig, wenn zwei sich so recht von Herzen gern haben, so aus tiesster Seele, sonder Hehl stch einander hingeben und glücklich sind; es ist als theilte stch mir von diesem Gefühle, von diesem Glücke mit, als nehme ich Theil an solchem Glücke, denn es kann wohl nichts Höheres, Heiligeres geben als die Liebe, und wenn uns selbst das Glück zu lieben nicht vergönnt ist, so können wir uns doch den Einflüssen derselben nicht entziehen, wir beugen uns in Demuth vor ihrer allgewaltigen Maj stät, denn was wäre die Welt ohne Liebe? Ein todtes Nichts, ein leerer Schall. Sie ist es, die Jünglingswangen röstet und Mädchenbusen schwellt, sie ist es, die uns den Himmel in unserer eigenen Brust schafft und ihn auch wiederum zur Hölle machen kann, die den Feigen zum Helden verwandelt und Greises Augen hell aufleuchten macht, aus dem Säugling uns entgegenlallt, die Atome schwängert und das All durchdringend den Weltenbau zusammenhält !" Hatte sich Leonhardt durch seinen Blick verrathen genug, Landeck schien Leon hardts Leidenschaft zu seiner Coustne her ausgesühlt zu geben, und während Leon hardt redete, leuchtete es seltsam in seinen Augen, zuckte es wie schmerzlich um seine Mundwinkel, und gleichsam, als wolle er Leonhardt für seinen großen Verlust ent schädigen, sagte er ihm mit inniger Wärme in die Augen blickend: Wir Beide müffen in ein innigeres Freundschaftsverhältniß reten, wir wollen Freunde sein und bleiUn.m Leonhardt schlug ein und beide Männer besiegelten dieses Bündniß mit einem herz

haften Kuß. Die übrige an der Tafel sitzende Gesellschaft war in einer lebhaften Unterhaltung begriffen und hatte wohl kaum diesen Vorgang bemerkt, hielt es vielleicht auch für ganz natürlich, daß Landeck als Bräutigam Louisens mit deren Cousin ein Freundschastsbündniß besie gelte. ' Auf dem Wege nach seiner Wohnung aber seuszte Leonhardt doch tief auf, denn eine wahre Neigung, wahre Liebe, läßt sich nicht so leicht bekämpfen und nach Jahren lieben wir noch immer, wenn wir uns auch selbst einzureden suchen, längst überwunden zu haben. So hätte ich denn ein Herz gefunden," redete er zu sich selbst, nur um es gleich wieder zu verlieren, um ihm zu entsagen. Und sollte sich's im Herzen mitunter auch noch so krampfhaft winden, es mußte sein! Sie liebt ja ihn und ihre Liebe ist ihr Glück ! und ihr Glück ? ja, ihr Glück ! und das muß mir heilig sein ! O, warum mußte ich diesen Enge! zu spät finden, ihn finden, nur um ihn zu verlieren ? O, warum muß ich sie gerade so grenzenlos unnennbar lieben ? Und sie, sie hat keine Ahnung davon, wie namenlos elend sie mich gemacht hat, welcherSchmerz in meinerSeele wüthet und mir am inner sten Leben nagt sie kommt und geht ruhig und sicher dahin glücklich in ihrer Liebe zu Landeck und wird, wenn ich sort bin, kaum mehr meiner gedenken und ich, ach ich werde nur zu oft, wohl stets an sie denken müffen Böses Schicksal, das mir meinen Engel finden ließ, mir ihn ader nur von Ferne zeigte, so herrlich, so schön und unerreichbar ! Wohl bin ich seit vergangener Nacht ruhiger geworden, es lodert nicht mehr so wild, so rasend in mir aus, doch diese Ruhe, die nach und nach der wildauflodernden Leidenschast Platz macht, ich fühle es, sie ähnelt der

Ruhe eines Kirchhofes. " Leonhardt reiste am folgenden Morgen von I. ab und krank und gebrochen kam er nach ein paar Tagen wieder in seiner Heimath an. Die Zeit, die alle, auch die größten Wunden, wenn nicht heilt, so doch lindert, goß auch lindernden Balsam in Leonhardts krankes Herz. Doch alljäbrlich, wenn der Sommer seinem Ende naht. da zieht es ihn mit Allgewalt nach den Bergen und Wäldern des Thüringer Waldes; I. ist ihm eine zweite Heimath geworden, und wenn er Louise gesehen. wenn er ihr Antlitz in Glück und Freude strahlen gesehen, o, dann fühlt er sich wie der erleichtert, wohler und kehrt befriedig ter in seine Heimath zurück, um wieder ein volles Jahr mit Geduld zu ertragen. Nie gab er Louise seine Leidenschaft zu erken nen,lachte und scherzte sogar mit ihr, wenn sie heiter und guter Dinge war. und nur ungesehen sah erste oft unverwandten Blickes lange und traurig an, während sie in ihrem Glücke nicht ahnte, was in Leon hardts Seele vorgegangen war, was er um sie gelitten hatte wie sie noch immer all' sein Sehnen ausmachte. Mit dem Alten, seinem väterlichen Freunde verkehrte er bei seiner jährlichen Anwesenheit in I. sehr viel und blieb auch gelegentlich bei ihm in seiner Köhlerhütte über Nacht. Beider Schicksal hatte zu viel Gemeinsames, als daß sie sich nicht zueinander hätten hingezogen sühlen sollen, und die Liebe und Freundschaft des Alten übte auf Leon hardts Zustand einen besänftigenden wohl thuenden Einfluß aus. Die Frau Cx-Präsidentin. Viel Temperenzmuckcr haben Da Weiße Haus gefüllt, Sie trugen in ihrer Mitte Ein schoneö große Bild. Man kennt die frommen Züge Es ist ein Conterfrei Der Frau Erpräsidentin ; Das schleppen die Mucker herbei. ES soll im Weißen Hause Nun prangen, wo fortan Man es nach hundert Jahren Stets nch erblicken kann. Und wie Europa's Schlosser Hat dann das Weiße Haus Auch seine Weiße Dame Mit nächtlichem Spuk und GrauS. Allzeit wird sie erscheinen Zur Mitternachtsftunde dann. Wenn je ein Präsidente Sich einen Rausch trinkt an. Dann tritt sie aus dem Rahmen Gespenstisch blaß daher, Und plagt den Landesdater Mit einer Xightmare sehr.

ntscheidung. Episode aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. I. Es war Mitte Dezember des JahreS 1864. Zwei Ossiziere der amerikanischen Unionsarmee befanden sich in einem einfach ausgestatteten Gemach. Der eine, ein schon ältlicher Mann, hatte es sich in einem zum Kamin gerückten Sesiel bequem gemacht und schürte mit dem ausgegriffe nen Feuerhaken nachlässig das Feuer. Ein Neger stand hinter demselben und be eilte sich, auf seinen stummen Augenwink noch Holz auf die Flammen zu werfen. Der andere weit jüngere Ossizier blickte von seinem Standorte inmitten des Zim mers mit dem Ausdruck einer ärgerlichen Ueberraschung bald auf die Beiden, bald auf eine Thür, welche in das Innere de5 Hauses zu führen schien. Falkulire, daß Ihr mit dem Mädel noch nicht weit gekommen sein mögt richtete der erste Osfizier die Bemerkung an setnen Kameraden. Brandy mit Zu cker." sügte er als Befehl an den Neger hinzu. Daß Ihr verdammt sein möget, Kaps tön !" war der junge Ofsizier gegen ihn aufgefahren. Was mußte Euch auch gerade jetzt wieder in meinen Weg führen. Ich war so schön im Zuge mit der Blitz dirne. und ohne Euer täppisches Dazwi--schentreten konnte sie mir schon gar nicht mehr entgehen. Eine gleich günstige Gelegenheit kommt mir so bald nicht wie der." Der mit Kapitän Angeredete hatte nachdem er sich mit dem ihm von dem Neger gereichten Brandy zu einem vollen Glase verholfen, in der denkbar bequemsten Lage die Füße über das Kamingitter ge schoben. Die Augen des jungenOsfiziers flammten, der durch das gleichmüthige Beneh men des Andern in ihm verletzte Stolz des Kavaliers lag in seinen jugendlich leb haften Zügen ausgesprochen. Nach der Zahl der Sterne auf den Schulterstücken seines blauen Uniformrocks mußte derselbe übrigens ebenfalls als Kapitän der Uni onsarmee erkannt werden. Die Art, wie der schlank und ebenmäßig gewachsene junge Mann seine Uniform trug, jede Be wegung, der keck aufgewirbelte Schnurrbart, der sichere Blick der dunkeln Augen wie überhaupt seine ganze, streng militä rische Haltung legten Zeugniß davon ab, daß er zuvor seine Schule in eine der gro ßen europäischen Armeen gemacht haben mußte, und der merklich deutsche Accent in seinem Englisch ließ in ihm den Deutschen nicht verkennen. Dem Alter naH mochte er auf einige zwanzig Jahre ge schätzt werden. Der andere vor dem Feuer stunde Offizier bildete in Allem beinahe den voll ständigsten Gegensatz zu demselben. Der Wuchs des über die erste Halbscheib deö Lebens wohl schon hinaus befindlichen Mannes durfte als fast riesenhaft bezcich net werden, doch ohne die Uniform möchte der Stand als Militär und Ofsizier sicher der letzte gevesen sein. Der Mann paßte weder zu dem Rock, noch der Rock zu dem Mann. Dem verwöhnten europäischen Auge würde es bei dem ersten oberflächli chen Blick auf diese große plumpe Gestalt mit der nahezu apathischen Ruhe in den Zügen des breiten und wenig ansprechen den Gesichts sogar zweifelhast erschienen sein, ob dem Manne ' überhaupt nur die Eigenschaft als Gentleman zuerkannt werden durste. Eine genauere Beobachtung ließ jedoch von dieser anfänglich ungünstigen Beurtheilung sehr bald zurückkommen. In den kalten grauen Augen mit dem fast verschleierten Blick lag eine so scharse Be obachtung und zwingende Intelligenz, und in seinem ganzen Wesen trotz aller Ver nachlässigung der Form ein so hohes Krastmaß nicht nur des Körpers, sondern auch des Willens ausgesprochen, das da durch die Beachtung fast unwillkürlich her ausgesordert wurde. Wie wenig auch die Erscheinung desMannes von dem geschul ten Soldaten zeugen mochte, als Kriegs mann und Gegner blieb er keinenfalls ge ring zu schätzen. Der tunae Dfmier war unter dem ln ihm kochenden Zorn mit zwei Schriften vor denselben hingetreten. Kapitän,"

Ales

stieß er die Frage hervor, habt Ihr nicht vernommen, daß ich mir die Ehre gegeben habe, das Wort an Euch zu richten ? Nun denn, warum antwortet Ihr nicht? Die Sache muß endlich zwischen uns zum Austrag kommen. Ein Benehmen, wie Ihr es gegen mich anzuschlagen beliebt, dulde ich nicht." (Fortsetzung folgt.)