Indiana Tribüne, Volume 3, Number 37, Indianapolis, Marion County, 23 April 1881 — Page 4

Jndiana Tribüne.

ndiana Uriöüne.

(Wochenblatt.) Office: Ecke Circle u. Mendianstr, ,Im dritten Stock. lEntered as second-class matter at the Postofflee at Indianapolis, Indiana. ' Abonncments-Preise. Inder Stadt durch die Post ins Hat geliefert Pn Jahr im Voraus $2.00 Per Nummer 5 Cent. Otto Schissel, Herausgeber. Indianapolis, Ind., den 23. April 1881. Nep üb likanisch es jl K JL 3 f JL mwv - ?ww M a y o r : Daniel W. Grubbö. City-Clerk: Joseph T. Magner. Schatzmeister: Jsnac N. Pattison. Assessor: Millard F. Connett. Marschall: Richard S. CoZter. Die kommende Stadtwahl. Daß die noch zu gründende Organisaixbxt zur Bekamvfung des ProhibitionAmendcments als solche noch nicht in die nächste Stadtwahl eingreifen kann, scheint uns so sonnenklar, daß wir es für vollstandig überflüssig halten, darüber ein weiteres Wort zu verlieren. Dagegen hand-lt es sicf jetzt um die wichtige Frage : Wie sollen die Gegner der Prohibition als Individuen sich bei der Stadtwahl verholten? Wir müssen ein sür allemal an dem Grundsatze festhalten, daß wir von den beiden Parteien, von welchen eine miserabler ist, als die andere, stets in der Weise Gebrauch machen, daß wir zur Erreichung unseres Zieles die eine be nützen, um die andere zu schlagen. Wir müssen zugleich jede Gelegenheit wahrnehmen, um zu zeigen, daß wir nur dann eine Partei unterstützen, wenn sie sich offen und ehrlich für unsere Prinzipien ausspricht, und wir müssen ein solch offenes Aussptt' chen erzwingen. Weil die republikanische Mehrheit der letzten Legislatur dafür stimmte das Pro-Hibition-Amendment einer Volksabstim mung zu unterbreiten, die meisten Demokraten aber dagegen stimmten, hielten sich Viele schqn zu dem Glauben berechtigt, daß die demokratische Partei frei von Temperenzeinflüsien sei. Ob der Verlauf und das Resultat der Convention vom vorigen Samstag, Diejenigen, welche so dachten, von ihrem Wahne geheilt hat. können wir einstweilen nicht beurtheilen. Wir haben jedoch ein Recht, dies vorauszusetzen, wenn wir sie sür vernünftig halten sollen. Wie baben sich nun die Parteien für die kommende Stadtwahl zur ProhibitionFrage gestellt? Die republikanische Partei hat offen und ehrlich erklärt, daß sie die Frage nicht zu einer politischen machen will, daß sie nichts mit der Politik zu thun habe. Das ist 'wenigstens eine Erklärung. Der Kandidat, welchen sie aufgestellt, ist in seiner Gesinnung ein äußerst liberaler Mann, welcher individuell dem ganzenTemperenzlerthum fern steht. Die demokratische Partei hat gar nichts erklärt. Trotzdem unter den Umständen es von ihr eigentlich erwartet werden konnte, daß sie sich erklären würde, ist sie in elender, nichtswürdiger Feigheit stillschweigend über die ganze Sache hinweggegangen, um in jesuitischer Manier das Volk im Unklaren zu lasten. Der Kandidat, welchen sie aufgestellt, ist nichts weniger als liberal in seinen Anschauungen. Er ist ein eisriges Kirchenmitglied und Vorsteher einer Sonntagsschule. Er ist einer von den Pietisten, welche stets Temperenzgesetze befürworten. Zu alledem tritt noch der Umstand, daß wir nothwendiger Weise die Demokraten zwingen müs sen, Farbe zu bekennen. Wir müffen daher im Jntereffe der Anti Prohibition-Bewegung ganz entschieden

rathen, diesmal für das republikanische

Ticket zu stimmen. Denn erstens giebt das den Demokraten die 'Lehre, daß sie die deutschen Liberalen nicht so mir nichts dir nichts in die Tasche stecken können, und daß sie sie überhaupt nicht gewinnen kön nen, ohne entschieden Stellung zu neh men, und zweitens sind die liberaleren Kandidaten auf der Seite der Republikaner. v Das Verhältniß in Indianapolis ist unter den Umstandm den Verhältniffen ähnlich, welche bei der kürzlichen Stadtahl in Cincinnati maßgebend waren. Werden nun unsere deutschen Demokraten im Jntereffe der ölntiProhibition-Bewe-,ung das republikanische Ticket stimmen? Wird der Telegraph" im Jntereffe der 'llnti-Prohibitios'Bewegung die Republikaner unterstützen? Oder werden die deutschen Demokraten, wie in Eincinnati )urch Dick und Dünn mit ihrer Partei gehen? Wir wollen sehen! Zu befürchten braucht man nicht, daß unsere Stellung bei einem republikanischen Siege, der so wie so unzweifelhaft ist, und den wir nur stärker hervortreten lasten können, mißverstanden werde. JmGegen theil, man wird uns recht wohl verstehen ! Noch einmal! Wir sind ganz entschie den der Ansicht, daß zur Forderung unserer Sache bei der kommenden Stadtwahl die Unterstützung der Republikaner durch die verächtliche Feigheit der Demokraten zur Nothwendigkeit gemacht worden ist. t Benjamin D'ISraeli. t Einer der hervorragendsten englischen Staatsmänner dieses Jahrhunderts lst gestorben. Benjamin DJsraeli, der Führer der Conservativen ist nicht mehr, er hat Dienstag Morgen das Zeitliche gesegnet. In ihm ist einer jener mit hohen Geistesgaben begnadeten Mensche: gestorben. welche ihre herrlichen Anlagen zur Befrie digung ihres Ehrgeizes, ihrer Ruhmsucht, ihrer Herrschgier verschwendeten und in den Dienst der Mächtigen bicicr Erde teilten. Benjamin D'Jsraeli, der älteste Sohn des Llteraturhlstorlkers Jwac D'Jsraell, und Enkel eines im Jahre 1743 in Engand eigewanderten venetianischen Kaufmannes D., deffen israelitischen Vorfahren im 15. Jahrhundert durch die Inquisition aus Spanien vertrieben worden waren, wurde am 21. Dezember 1805 (nach anderen 1804) in London geboren. Er erhielt seinen Unterricht zu Hause von seinem Vater und Privatlehrern. Ein kinderloser Freund seines Vaters, ein hervorragender Anwalt, nahm Benjamin in seine Office, in der Absicht, demselben sein Geschäst zu vererben. Der junge 'Israeli verließ jedoch das Bureau seines Gönners und widmete sich literarischer Thätigkeit. Seine körperliche Schönheit, sein elegantes Auftreten und sein außcrordentlicheß Eonveriationstalent machten ihn bald zu einem Liebling in der Gesellschaft. Im Alter von 19 Jahren besuchte er Deutschland und nach seiner Rückkehr veröffentlichte er 'einen berühmten Roman Vivi an Grey m rasch große Verbreitung gewann und n die Hauptsprachen Europa's übersetzt ourde. Diesem folgten in den nächsten Zahren mehrere andere Werke, darunter .Eontarini Fleming", das Heine für eines icr originellsten Werke erklärte, die je geschrieben wurden, und das hohe Anerken,?ung von Seiten Goethe's fand. Von 182931 machte D'Jraeli eine Keise durch Italien, Griechenland, und )en Orient. Nach seiner Rückkehr warf zx sich mit Eifer in die Politik. Von Hume geleitet, schloß er sich der entschieden liberalen Partei an. Er candidirte 1833 sür Marylebone und stellte in seiner bei dieser Gelegenheit veröffentlichten Brochüre : Was ist es?" ein entschieden demokratisches Glaubensbekenntniß auf. Er unterlag. Ebenso erging es ihm 1834, wo er sein die Revolution verherrlichendes Revolutionäres Epos" herausgab. Als er bei seiner dritten Eandidatur in Taunton abermals eine Niederlage erlitt, wechselte er die Parteifarbe, sagte er sich von seinen .Jugendsünden" los und näherte er sich der konservativen' Partei, mit deren Hülse er in seinem 32. Lebensjahre einen Sitz im Unterhaus für das konservative Borough Maidstone etlangte. Seine erste Rede war ein Fiasko ; man schenkte ihm keine Ausmerksamkeit. Er schloß seine Rede mit den Worten : Ich bin nicht überrascht über die wir zu Theil gewordene Aufnahme. Ich habe schon Manches zu wiederholten Malen begonnen und schließlich Erfolg gehabt. Ich

werde mich jctzt setzen ; aber die Zeit wird

kommen, da Sie aus mich hören werden Zwei Jahre später vermahlte er sich mi der wohlhabenden Wittwe Wyndham Lewis', seines Freundes und Mit-Abge-ordneten für Maidstone. D'Jsraeli's Laufbahn von jener Zei ab bis zu seinem Todestage zu schreiben. ist die Aufgabe des Geschichtsforschers. Wir. können nur kurz die bedeutendsten Momente des Mannes angeben, der, ein Angehöriger der heute noch um ihre Emanzipation ringenden semitischen Raffe, die aus ein Menschenalter sich erstreckende Führerschaft über die LandaristokratieAlt englands an sich zu bringen gewußt hat. Im Jahre 1814 veröffentlichte D'Jsra 1s f M rm eil um Tuen oninasvy ooer Die neue Generation", in welchem er die Ansichten und Ziele der unter dem Namen Jung England" bekannt gewordenen theils lite rauschen theils volitische.i Partei, deren Hauptleiter er einer war auseinandersetzte. In diesem wie in anderen Romanen D'Js raeli's sind die Charaktere nach bekannten lebenden Persönlichkeiten gezeichnet. Was seinen Ruf am meisten begründete, waren seine heftigen Angriffe auf die Frei Handelspolitik Robert Peel's, die zu den bemerkenswerthestenReden in derGeschichte des britischen Parlamentarismus zählen. Als Derby im Mai 1852 zum ersten Male die Bildung eines Kobinets übernahm. berief er D'Jsraeli als Kanzlerder Schatz kammer in das Ministerium und Letzterer wurde Führer im Unterhause. Dieses Kabinet hatte bis zum Dezember deffelden Jahres Bestand. Im zweite Derby' schen Mllstermm im Jahie 1858 wurde D'Jsraeli abermals Schatzkanzler und im nächsten Jahre brachte er einen Plan zu einer Wahlreform ein, nach welcher das Stimmrecht auf alle Gebildete ohne Rücksicht auf Besitz ausgedehnt werden sollte. Die Bill wurde verworfen und das Parlament aufgeeöst. Das neue Parlament beschloß ein Mißtrauenvotum gegen das Kabinet, worauf Letzteres resignire. Im Jahre 1866 kam Derby, nach dem Sturz des Ministerium Ruffel Gladsto:,e, wiederum an's Ruder und D'Jsraeli übernahm den früheren Posten eines Schatzkanzlers. Im nächsten Jahre wurde die Resormbill, welche das Stimmrecht auf alle Hausbesitzer in einem Borough und auf alle Besitzer von Freigütern in einem County ausdehnte, vom Parlamente angenommen. Als Derby 1863 resignirte, wurde D'Jsraeli Premierminister; die Opposition gegen seine Haltung bezüglich der irischen Kirchensragen hatten jedoch die Auflösung des Parlaments zu Folge, und da die Neuwahlen gegen das Kabinet ausfielen, resignirte dasselbe. Es folgte das Gladstone'sche Ministerium, das bei den Wahlen 1878 unterlag, worauf D'Jsraeli abermals Premierminister wurde. Während dieser Amtszeit agitirte er dasür, daß die Königin den Titel Kaiserin von Indien" annehmen sollte, wogegen er durch Verleihung des Titels Carl von Beaconsfield" ausgezeichnet wurde. Bei dem Berliner sogenannten Friedenscon-greß-war D'Jsraeli in Berlin, wo er die hervorragendste Rolle spielte. Bei seiner Rückkehr wurde er ob seiner Verdienste um das Zustandkommen des vorgeblichen Friedens hochgefeiert. Der auf der Höe menschlichen Ruhms angelangte allmächtige Minister konnte aber als dieHaltlosigkeit seiner Politik im Orient, Centralasien, Indien, Südafrika und Jrelaud immer offenkundiger wurde, sich gegen den Volks Unwillen im Inneren, der immer stärker anschwoll, nicht auf die Dauer behaupten und die von ihm im vorigen Jahre veranlaßte Auflösung des Parlaments führte seinen und seiner Partei Sturz herbei und brachte die Liberalen wieder ans Ruder. Wäre D'Jsraeli als Minister gestorben so hätte sein Tod irgend welche politische oder diplomatische Wirren nach sich ziehen können; heute hat sein Ableben nicht mehr auf sich, als das jedes andern Privatmannes. Benjamin D'Jsraeli hätte das Zeug gehabt, wie seine Stammesgenoffen Lasfalle und Marrx einer der leuchtenden Vorkämpfer des arbeitenden Volkes zu werden ; er wandte sich vom Volke ab, und nun werden nicht die Thränen der Millionen sein Grab benetzen, nun wird nicht sein Name von den spätesten Nachkommen gesegnet werden, sondern ein kalter Marmorstein wird melden : Hier ruht Earl v. Beaconsfield." m Der berühmte Komponist und Pianovirtuose Anton Rubinstein soll fast voll standig erblindet sein. Die Temperenzler von Ohio beabsichtigen den Ex-Präsidenten Hahes zum Gouverneur des Staates zu machen. Die erzwungene Unthätigkeit des Senats dauert noch immer fort. Wir sind beaieria zu wissen, wenn einmal der Skandal ein Ende nehmen wird.

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In Petersburg ist vorgestern schon wieder eine. Mine entdeckt. Dazu wird Alexander eine böse Miene gemacht haben. AuS der MoskauerUniversität wurden 140 Stunden wegen Abhaltung einer Versammlung ausgewiesen. Da geht es gleich wliolesale. In Rußland darf fernerhin keine männliche Seele, zwischen zehn und achtzehn Jahre alt, das Land verlaffen. Damit wird wohl nicht viel geholfen sein. Dem Bundessenate liegen zur Zeit über 300 Anstellungsdekrete zur Bestätigung vor, können jedoch in Folge des skandalösen "deadlock" nicht erledigt werden. Die Türken und die Albanesen klopfen wieder einander. Die Albanesen wollen es sich nicht gefallen lassen, daß ein Theil ihres Gebietes an Griechenland abgetreten werde. Es kömmt uns vor, als ob der Telegragh" in Bezug auf die kommendeStadtwahl ein höchst ominöses Stillschweigen beobachtete, wayrend es doch so Manches darüber zu sagen giebt. Die Brasilianer sollen durch ihr Ministerium mit Ackerdauschulen in jeder Provinz beglückt werden, wozu ausFrankreich Superintendenten für die damit verbundenen Mustersarmen verschrieben werden sollen. In Folge des Beschluss der New Parker Landlords vom 1. Mai an die Miethen zu erhöhen, verlassen Tausende dieStadt und ziehen nach denbenachbarten Ortschaften. In Folge deffen werden sehr viele Wohnungen leer stehen. Der Sultan hat abermals seine liebe Noth mit den Albanesen. Jetzt, da ein wenn auch kleines und fast nur von Griechen bewobntes Stuck ihres Landes, Epi rus, an Griechenland abgetreten werden oll, bereiten sie einen allgemeinen Auf ruhr vor. Ein Richter in Denver verlas während. einer Gerichtssitzung öffentlich einen Brief, worin der Schreiber ihn zu bestechen suchte. Dem Briefe waren zwei Fünfzig-Dollar-Scheine beigefügt. Die beiden Scheine warf der Richter vor den Augen der Anwesenden in den Ofen. Der neue demokratische Mayor von Eincinnati hat seine Laufbahn damit begönnen, energisch gegen die Uebertreter der Sonntagsgesetze einzuschreiten. AlleTheo er werden am . Sonntag in Folge dessen geschloffen sein. Wir glauben, daß ins auch Aehnllches hier bevorsteht. wenn Smart gewählt werden sollte. Der neue Zar hat, wie aus Petersbürg gemeldet wird, die Kosten des HausHalts im Winterpalais von 11 Millionen Rubel auf 3 Millionen herabgesetzt. Damit werden sich die Nihilisten wohl nicht beruhigen lassen. Drei Millionen Rubel ind immer noch ein schönes Haushalt ungsgeld, trotzdem es bloß Papiergeld ist. Die internationale Münzconferenz wurde am Dienstag in Paris von dem Minister des AuswärtigenBarthelemy St. Hilaire eröffnet. Der französischeFinanzminister Maguin wurde zum Vorsitzenden gewählt. Vertreten sind Deutschland, Oestreich, Belgien, Dänemark, Spanien, Ver. Staaten, Frankreich, Griechenland, Italien, Holland, Portugal, Rußland, Schweden und Niederlande. Die Schweinefleisch und Fettvoräthe in den Ver. Staaten betrugen, dem Eincinnatier Price Eurrent" gemäß, am 1. März im Ganzen 414,225,000 Psnnd, oder 54,400,000 Psund weniger als in derselben Zeit des letzten Jahres. DieSchmalz Voräthe bcliefen sich auf 86,425,000 Pfd., oder 79,890,000 Pfund weniger als vor einem Jahre. Dies ergiebt eine Gesammtabnähme von 134,290,000 Psund des Pro. dukteö. das dem Produkt von 760,000 Schweden gleichkommt. Die Pökelung im We'ten seit 1. März wird bis 1. April zu 38).000 Schweinen gegen 700,000 Schweine des letzten Jahres abgegeben.

Miin

ranere C. F. Schmidt. Nachdem England seinen Trubel in Süd'Asrika los hat, beginnt der Trubel für Frankreich in Nord-Afrika. Der Bey von Tunis hat sich unter französisches Protektorat gestellt. Ein Theil der Tunesen, wahrscheinlich von Italien ausge stachelt, will aber Nichts von Frankreich wiffen, und so giebt es vielleicht in Folge politischer Staatsweisheit wieder einen kleinen frischen, fröhlichen Krieg. Die Nihilisten haben dem Zar ein Manifest zugehen lasten, worin sie ihm sein Todesurtheil verkünden. DerPalast, den er bewohnt, wird seitdem von dreij hundert Soldaten bewacht. Wird ihm wohl schwerlich Etwas nutzen. Seruchtweise verlautet, der Zar habe die Absicht kundgegeben, seinem Lande eineVerfaffnng zu geben. Dies wäre jedenfalls das beste Mittel, wahrscheinlich sogar das einzige, sein Leben zu retten. Die Strikes unter den Eisenbahnleuten mehren sich. In St. Louis haben die Leute der Straßeneisenbahnen eine Union gebildet und einen Strike beschlossen, im Falle Erhöhung der Löhne verweigert wird. In Elcveland desgleichen. In Louisville, Chicago und Cincinnati striken die Arbeiter in den Frachtbahnhöfen. In der That sind in letzter Zeit die Preise der Lebensmittel so in die Höhe gegangen, daß der Arbeiter bei den gegenwärtigen Löhnen nicht bestehen kann. Thomas I. Brady, der zweite Assi-stenz-Postmeister hat seine unfreiwillige Resignation eingereicht. Brady hatte die sogenannten Star-Postrouten unter sich, d. h. diejenigen, wo sich keine Eisenbahnen befinden und da soll er bei allerband Bestcchungen und Betrügereien die Ha.id im Spiele gehabt ha'.en. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, daß er criminaliter verfolgt werden wird. Indiana hat die Ehre, dieses Muster von einem .Beamten zu den einigen zu rechnen. Am Donnerstag begannn in Dublin (Irland) dieNationalconvention derLand liga. Etwa tausend Delegaten waren an wesend. Die Convention erklärte sich unzufrie den mit der vorliegenden Landbill, beschloß jedoch nicht eher für Verwerfung derselben zu stimmen, bis die Versuche zur Amendirung mißlungen seien. Es wurde ferner beschlossen, für die Freilaffung Michael Davitt'ö zu agitiren und den Jrländern Amerika's für die Unterstützun der Landliga zu danken. Es ist nothwendig, um sich klar über die Art und Weise der einzuschlagenden Agitation der Anti-Prohibitionisten zu werden, die Stellung der beiden großen Parteien des Landes zur Temperenzfrage zu erwägen. Obwohl die Frage zu einer politischen gemacht ist, wird sie doch je nach Umständen verschieden aufgefaßt. So z. B. werden Temperenz und Sonntagsge setze in den beiden demokratischsten Städten des Landes, in New ZZork und Balti more aus's Strengste durchgeführt, auch Cincinnati hat in letzter Zeit gezeigt, was die Demokraten in dieser Richtung zu leisten im Stande sind. Es dürfte ferner zu erwägen sein, daß ohne demokratische Stimmen das Prohibitions-Amendement nicht hätte durchgehen können, selbst wenn gar keine Republikaner dagegen gestimmt hätten. Es ist also entschieden falsch, die demokratische Partei als die Anti Prohi-bitions-Partei anzusehen. In dieseStelle müffen wir sie durch kluge Benützung der eigenthümlichen lokalen Verhältnisse drängen. Dies würden wir jedoch niemals zu Wege bringen, wenn wir dem Mucker Smart zur Wahl verhelfen und eine Niederlage des liberalen Grubbs herbeiführen würden. ' Ein Sieg der Demokraten bei der nächsten Stadtwahl würde Diese zu dem Glauben verleiten, daß ihnen die deutschen Stimmen unter allen Umständen wie reife Früchte in den Schooß fallen würden. Aus diesen Gedanken darf man sie nicht kommen lassen. Wir sind unabhängig genug je nach Umständen in dem Kampfe gegen Prohibition, Stellung für oder gegen die eine oder andere Partei zu nehmen. Wir sind zur Zeit aber ganz entschieden der Ansicht, daß die Demokra ten, welche soeben in Feigheit und Heuchelei ganz Erkleckliches geleistet haben, nur durch eine gepfefferte Niederlage bei der nächsten Stadtwahl zur Stellungnahme gedrängt werden können.