Indiana Tribüne, Volume 3, Number 35, Indianapolis, Marion County, 9 April 1881 — Page 4

Jndiana Tribüne.

ndiana Hriöüne. (Wochenblatt.) Office: Ecke Circle u. Meridianstr, sJm dritten Stock, JEntered as second-class matter at the Postofilce at Indianapolis, Indiana. Abonnements-Preise. Inder Stadt durch die Post ins Hauö geliefert Per Jahr im Vorauö $2.00 Ver Nummer 5 Centi. tto Schissel, Herausgeber. Indianapolis, Ind., den 9. April 1681. Der Temperenzwahn. Welch' ungesunde Ideen durch diese Frage zu Tage gefördert werden, zeigt so recht deutlich en Artikel, welchen die hiesige News" dieser Tage brachte. Bezug -nehmend auf die Beschlüsse des sozialen Turnvereins, welche die Temperenzbewegung alS der verfafsungsgemäß garantirten Freiheit gefährlich betrachten, und auf tineAeußerung deZ PHiladelphiaRecord", ajj die Verfassung niemals beabsichtigte, dab eine Hälfte der Bevölkerung durch irgend welche Mittel in Stand gesetzt werde, in Angelegenheit des Essens und Trinkens die andercHälfte zu tyrannistren, bemerkt die News" : .Wir schlichtenVer. schiedenheit der Ansichten durch Abstimmung, wir bringen den Willen des Volkes über den Gegenstand zum Ausdruck und die Mehrheit soll regieren". Und in Bezug auf die Vorlage in der Legislatur : (s ist lediglich ein Vorschlag, daß das Volk bestimmen soll, ob es ein solches Gesetz haben will, oder nicht. Viele Bürger wollen ein solches Gesetz, der Turnverein Vill es nicht. Offenbar der einzige Weg die Frage zu entscheiden, ist darüber abstimmen zu lasten." DaS klingt sehr plausibel und Volks thümlich und doch verbirgt sich dahinter in ganzer Berg von. Unverstand und Heuchelei. Schon der Umstand, daß eine Verfas sungsänderung zwei Mal durch die Legis Zatur angenommen werden muß, ehe sie dem Volke zur Abstimmuag vorgelegt werden kann, zeigt, daß es in der Absicht der Versaffung liegt, daß die Sache erst in jederBeziehung reiflich erwogen und durch dacht werden soll, ehe man sie der durch ine Abstimmung zum Ausdruck gelangen den, schwanken und unsicheren öffentlichen Meinung unterbreitet. Das allgemeine Stimmrecht ist eine zweischneidige Waffe, lvrlche der Fanatismus auch zum Uebel gebrauchen kann. Es liegt nicht im Geiste der Versassung, daß die Legislatur leicht über eine Verfaffungsfrage weggehe, weil ja schließlich doch das Voll zu entscheiden Habe. Ein solches Verfahren ist lediglich eine Feigheit, in Widerspruch mit derVer. faffung, welche offenkundig eine sorgfältige Erwägung beabsichtigt. In ähnlicher Weise sprach sich auch Senator Chapman aus, als die Temperenz-Vorlage im Senate zur Besprechung kam und er be stand darauf, daß der Senat die Verant wortlichkeit nicht umgehen solle. ES ge lang ihm die Verweisung an das Justiz Comite zu erzielen, woraus zu schließen ist, daß die Aussichten der Vorlage im Senate auch sei, so zeigt doch diese Verweisung, daß die Aussichten im Senate für An nicht sehr pünstig sind. (Siehe den Artikel Passirt".) Was nun die Idee betrifft, daß eben Alles in Ordnung sei, was die Majorität wolle, so zeigt dieselbe ein durchaus man gelhaftes Freiheitsverständniß. Unter Umständen kann die Regierung einer Majorität freiheitsgefährlicher sein, als selbst die eines Despoten. Wozu braucht man überhaupt eine Aeifassung, wenn der Wille der Majorität stets im Rechte wäre? Der Wille der Majorität mag gesetzliche Geltung haben, und doch moralisch Unrecht sein. Jedes Geseb. welches ein Recht beschränkt oder nimmt, wenn durch die Ausübung desselben kein Anderer in seinen Rechten gekränkt würde, ist verwerflich und sreiheitswidrig und kann nur von dem MajoritätsdespotiSmus entschuldigt werden. Wäre das anders, so könnte man schlechtweg Freiheit, als den Willen der Mehrheit bezeichnen. Der Wille der Mehrheit kann aber unterUmständen etwas jan Anderes als Freiheit sein. Gesetzten Falls die Mehrheit der Bewohner des Staates Jndiana, welche protestantisch ist, würde die Versaffung so ändern, daß leine Andersgläubigen im Staate geduldet

würden. Wäre das Recht, bloß weil es die Mehrheit will? Wenn die Freiheit nicht auf höheren Prinzipien beruht, als aus dem wankelmüthigen Willen einer Volksmehrheit, dann ist sie nicht werth, daß man um sie kämpft. Wenn alle Du jenigen, welche sich jetzt von der Partei peitsche' in's Temperenzlager treiben lassen, den Begriff wahrer Freiheit hätten, wür den sie sich ihres Treibens ausrichtig schämen. Der Held des Tages. Der Held des Tages in den Ver. Staaten ist zur Zeit unstreitig Mahone, der Bundessenator von Virginien. Wenn der Mensch waS werden will, braucht er bloß Glück zu haben. Wer hat jemals von Mahone gehört, ehe derselbe in den Bundessenat kam? Was hat er Großes geleistet, das ihn auf einmal zum bedeutenden Manne machte? Im Senat sitzen 39 Demokraten und 38 Republikaner und die Administration, welche im Besitze der Patronage ist, ist republikanisch und der Vorsitzende des Senats ist auch republi' kanisch. So ist denn Mahon eine ganze Partei werth. Mahone ist nämlich nicht als Republikaner in den Senat gewählt worden. Virginia ist ja stark demokratisch und unter gewöhnlichen Umständ'en kann in Virginia Keiner einStaats-Amt be kommender nicht ein ausgemachterDemo krat ist. Die Umstände aber brachten es mit sich, daß sich von den Demokraten ein Flügel unter dem Namen Readjusters" ablöste. Die Zahl der Readjusters". deren Prin zip darin besteht, eine Art Bankerottverfahren einzuschlagen, wodurch der Staat seine Schulden los wird, ist allerdings sehr klein, aber im Bündniß mit den Republi kancrn waren sie doch stark genug, Mahone zu wählen. Wäre nun Mahone in einen Senat gekommen, in dem die eine oder die andere Partei eine starke Mehrheit hatte, so wäre er eben die unbedeutende Persönlichkeit geblieben, welche' er immer war. Wie aber die Parteistellung im Senate jetzt ist, hing es von ihm ab, ob die Demokraten oder die Republikaner die Oberhand bekamen. Nun war er aller dings klug genug, einzusehen, welcherVor theil darin liegt, sich aus der Seite der Administration zu befinden, und so wählte er denn die vortheilhaftere Partie und schloß sich den Republikanern an. Dafür wird er nun natürlich von der ganzen republikanischen Preffe zum großenMunne gestempelt, und wie sehr die Demokraten auch über ihn schimpfen mögen, was schadet's, er ist doch tin großer Mann. Man sieht, es kommt nur auf Glück an. Die allergrößte Weisheit kann einem Manne nicht den Werth und die Bedeutung ver leihen, welche Mahone sich so leichtenKaufs durch die Umstände erwarb. Und die Presse hat noch die weitere Ursache ihm dankbar zu sein, weil er ihr Stoff zu einer ganzen Menge von Leitartikeln gab, denn an interessantem Stoff zu Leitartikeln ist bei der trostlosen Oede der amerikanischen Politik und ihrer ganzlichen Prinzipien losigkeit großer Mangel. Darum macht man Mahone zum großen Manne, damit man sich doch wieder mitEtwas beschäftigen kann.

Justus H. Schwab sammelt Gelder für die unterdrückte Morsche Freiheit". In England ist eine starke Bewegung im Gange die Freilaffung Davitt's zu er langen. Die Stadtwahl in Chicago ist demo kratisch, die in St. Louis republikanisch ausgefallen. Lord Beaconsfield (Disraeli) ist so krank, daß sein Tod jeden Augenblik ein treten kann. In Folge der anhaltenden Kälte ist wahrscheinlich die ganze Pfirsich-Ernte im Süden zerstört. Auf der englischen Insel Man Im iri sehen Meere haben die Frauen daSStimm recht bekommen. Es ist eine Bewegung im Gange, Gelder zu sammeln um dem verstorbenen Hecker ein Denkmal zu setzen. In Maffachusetts ist,wie wir voraus gesehen hatten, die Verbotsbill gegengei stige Getränke vom Representantenhause verworsen wordeu. Unsere Supreme Court hat entschie den, dß CountyCommissäre kein Recht haben, Preise für die Jnhastirung von Verbrechern auszusetzen.

Dem Reichstagabgeordneten Frittzsche wird von semen Piladelphiaer Freun den wird am Dienstag, den 19. April, ein Abschiedsfest gegeben. U:ber den ganzen Nordwesten zog gestern ein heftigem Regensturm, der, wenn er länger anhält, große Ueberschwemmun gen hervorzubringen droht. Unter den 85 Millionen Einwohnern Rußlands siebtes bloß 2,800,000 welche lesen und schreiben können. Und da schimpft man über die Nihilisten ! In Northampton, England, findet heute die Wahl einesParlamentsMitglie des statt. Der gemaßregelte Ungläubige" Ch. Bradlaugh wird abermals als Candi dat auftreten. Evarts, Thurmann und Howe, die amerikanischen Commiffäre für die inter nationale Münz Conferenz, welche in Paris abgehalten wird, sind mit dem Dampfer Arizona abgereist.

Großfürst Constantin, ein Vetter des gegenwärtigen Zaren wurde verhaftet. Man vermuthet, daß er zu Gunsten seines Vaters, eines Bruders des verstorbenen Zaren politische Intriguen anzettelte. Russische Tradition ! In New Z)ork sind seit dem I.Januar dö. IS. 109 Bankerotte vorgekommen. Die Gesammt'jZerbindlichkeiten beliefen sich aus $4,877,068. Dies ist gegen daS Vorjahr eine Zunahme um 26 Prozent. DaS kommt von den guten Zeiten. Chicago kann natürlich nicht hinter New York zurückbleiben. Eine Anti Rent, oder Anti.High-Rent-Bewegung, wie der neueste Name lautet, hat auch dort um sich gegriffen. In andern großen Städten wird's wohl bald ebenso gehen. Das Repräsentantenhaus unserer Legislatur hat mit 62 gegen 24 Stimmen beschaffen, 6cin Volke ein VerfassungsAmendement zur Abstimmung zu unter breiten, welches im Falle der Annahme den Frauen das Stimmrecht verleihen würde. Der Mayor von New 2)ork hat die Bill, welche. der Electric Light Compagnie erlaubt, unterirdische Leitungen zu legen, mit seinem Veto belegt. Als Grund dafür giebt er an, daß die Entschädigung, welche die Compagnie der Stadt zu zahlen hat, zu klein sei. Die Stadt Elbing in Ostpreußen hat bisher jedes Jahr eine Geldverwilligung zur Erleuchtung des Rathhauses am KönigKaiserGeburtZtag gemacht. Die ses Jahr aber hat sie statt deffen die gewohnlich verwilligte Summe an die Stadt Armen verschenkt. Das hiesige Journal liefert . einen Beweis dafür, wie die amerikanische Preffe stets mit dem Strome zu schwimmen sucht. Das Journal" agitirte kräftig gegen die Temperenzbewegung. Als es sich aber herausstellte, daß die Temperenzler Fahr waffer gewannen, da machte das Journal Kehrt und es liefert jetzt ganz kräftige Temperen z-ZpeeoKes. Dafür haben wir ja eine freie Preffe. Die Ultramantanen in Deutschland zeigen sich wieder gefällig. Ihr Führer Windthorst stellt den Antrag, den Fürsten Bismarck aufzufordern, ein Uebereinkom men der Mächte für Bestrafung von Für stenmördern, Attentätern und Solchen, die öffentlich zum Mord aufreizen, sowie für Auslieferung von Mördern und Attentätern zu veranlaffen. Der Antrag wurde mit allen gegen drei Stimmen angenom men. Die New Porker Staatözeitungweigerte sich kürzlich, mehrere Anzeigen von ArbeiterOrganisatlonen auszuneh men. Darauf richtete Jemand in der Bolkszeitung- eine Aufforderung an die Arbeiter, keine Wirthschaft und keinen Grocerhstore mehr zu besuchen, in dem die Staatszeitung" gehalten wird. Jetzt er klärt sich die .Staatszeitung" bereit, künftig die Anzeigen der Arbeiter auszu nehmen. Auch nicht übel! Die Verhaftung Mosts und die Un teadrückung der Freiheit" wirbelt noch immer viel Staub auf. Es hat sich her ausgestellt, daß zwei Mitglieder der eng lischen Regierung, nämlich Unterstaats sekretär Dilke und Thomas Braffey, Lord der Admiralität, regelmäßige Beiträge für das Blatt lieferten. Daraufhin gab Lord Churchill im Unterhause Notiz, daß er anfragen werde, ob die betr. Regie rungsmitglieder, ebenfalls gerichtlich ver folgt würden, oder nicht.

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Kger - (SCHMIDT'S ; eie berühmteste und besteingerichtetste w und "Invigorating Malt-Extract

vorzüglich anerkannt. . Aufträge zum Verschiffen von Lagerbier aus allen Eisenbahn. Linien werden prompt erfüllt.

5 Die Angestellten der West Straße Eisenbahn in Chicago haben einen Strike in Szene gesetzt. Sie verlangen einen Lohnzuschlag von 20 Prozent. Die Com pagnie hat bereits 15Proz. angeboten, was jedoch ausgeschlagen wurde. Auch machen die Leute eö zur Bedingung, daß Diejenigen, welche den Strike anriethen, ebenfalls wieder angestellt werden. Einst weilen ist der Verkehr auf der genannten Linie vollständig eingestellt. Das Publi kum sympathisirt mit den Strikenden. Wie rasch das Telephon in Aufnahme gekommen ist, zeigen solgende Zahlen. Zu Anfang dieses Jahres hatte die Bell Telephon Compagnie in 133 Städten 60.873 Instrumente im Gebrauch. Jetzt ist es schon in 403 Städten eingeführt und die Zahl der Instrumente beträgt 132.692. In den Ver. Staaten giebt es bloß noch neunStädte mit mehr als 10.000 Einwohnern, und bloß eine Stadt mit mehr als 15,000 Einwohnern, in denen der Tele Phou-Verkehr nicht eingeführt ist. Seit mehreren Wochen befindet sich der Buitdessenat in ExecutivSitzung, ohne das Geringste thun zu können, und alle Geschäfte bleiben liegen. Die Repu blikaner wollen verschiedene Aenderungen in dem Beamtenpersonal des Senats vor nehmen, die Demokraten widersetzen sich dem und da ohne Nachgeben aus der an dern Seite leine Partei stark genug ist, ihren Willen durchzusetzen, steht einstwei len die ganze Maschinerie still. Hübsche Zustände! Aber das sind die Folgen der Beutepolitik! Eine Depesche aus St. Petersburg sagt: Kibalischutsch, der die Bomben an gefertigt hat, wird mit den anderen Altentätern zusammen prozeffirt werden. Fürst Ghika, der hiesige rumänische Gesandte und der Festungskomandant Gene ral Maidel sind an. einer Erkältung gestor den, die sie sich bei dem Leichenbegängnisse des Czaren zugezogen haben. St. Petesburg ist jetzt von Militärposten eingeschloffen; Niemandem wird gestattet in die Stadt zu kommen, oder dieselbe zu verlassen. Most hat mächtige BundeSgenoffen erhalten. Die Londoner Times beban delt den Redakteur der Freiheit" zwar mit vornehmer Verachtung, oberste verurtheilt ganz entschieden die von Gladstone ange wandte Verfolgung des Redakteurs der Freiheit- und erklärt, daß dieselbe resul tatlos bleiben werde. Die LondonTimes" steht mit ihrer abfälligen Kritik des von Gladstone der rusischen Regierung erwie senen Liebesdienstes nicht allein da, sondern wird sogar von der London Daily News, einem Gladstone sonst freundlichen Organe, secundirt. Ein verrückter Häring, Namens Ryan von Delaware hat der Legislatur eine Gefekesvorlage unterbreitet, welche be stimmt, daß Niemand berechtigt sein soll, berauschende Getränke in kleinerem Quan tum als ein Quart zu kaufen, wenn er nicht eine Lizens dazu bestöt. Die LizenS wird auf 1 Jahr ausgestellt und kostet $10. Die Lizens kann widerrufen witoMuin ihr Besitzer sich betrinkt. Wer ohneLizenS berauschende Getränke kaust kann um irgend eine Summe zwischen 5 und 100 Dollars gestraft, und auch bis zu 30Tagen eingesteckt werden. Wenn der Mann sich keinen Jux machen wollte, sollte man ihn in's Irrenhaus schicken. Der Mensch muß unbedingt an Säuferwahnsinn leiden. Von St. Petersburg wird Folgendes gemeldet : Der neue Rath der 25" für St. Petersburg, deffen Mitglieder erwählt werden, hat seine Thätigkeit begonnen. Was war seine erste Maßnahme? Er ließ die Stadt vonKosaken umgeben und Ossi ziere und Polizisten auf allen Landstraße aufstellen, damit kein Mensch in die Stadt kommen, oder die Stadt verlaffen könne, ohne durchsucht und in jeder möglichen an deren Weise belästigt zu werden. Selbst

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- sotaiiete SQUARE,) INDIANAPOLIS, IND. Brauerei 'm Staate. Mein Lagerbier Bottle Leer" ist vor allem anderen als C. F. Schmidt. Spezial Päffe, die unter dem vorigen a ren Geltung hatten, sind als Paffagier scheine nicht mehr zu gebrauchen. Nun kommt die zweite Maßregel, über die der Rath der 25" noch debattirt. Hiernach soll jeder in einem Bahnhof ankommende Paffagier, nachdem er die Kosakenreihen passirt und von Polizisten durchsucht wor den, einem Gepäckstück gleich einem Mieth kutschcr ausgeliefert und dieser verpflichtet werden, den Reisenden an derjenigen Stelle abzuseken, die derselbe den Polizisten an gab, und jede diesbezügliche Aenderung bei der Polizei anzeigen. Noch erfinde rischer war die dritte Maßregel, die vom Rath der 223 Deputirten mit großem Bei fall aufgenommen wurde, aber beim Rath der 25- begreiflicherweise keine Billigung fand. Es wird nämlich vorgeschlagen, daß die Mitglieder des Rathes der 25" abwechselnd die Straßen, durch die derZar fährt, bewachen und die Verantwortlichkeit für etwaige Ereigniffe übernehmen sollen. Der Rath der 25" scheint jedenfalls mit großer Vorsicht ausgewählt worden zu sein. Schon wieder fand ein Erdbeben statt und zwar diesmal das fürchterlichste von allen, gegen welches das von Agram und schia reine Kinderspiele waren. Von onstantinovcl aus wird darüber unterm 4. April gemeldet : Heftige Erdstöße wurden gestern in al len Theilen Syriens, wie überhaupt an der Westküste von Kleinasien und auf den Inseln im Aegäischen Meere verspürt. Die Stadt ' Chio (auch Kastro genannt) auf der Insel Chios wurde fast ganz zerst ört. Viele Häuser stürzten ein und alle übrigen wurden beschädigt. Viele von den 13.000 Einwohnern der Stadt wurden erschlagen, und wer am Leben blieb, flüch tete auj's offene Feld, wo die Bevölkerung kampirt. Während der Panik wurde das Gebäude der Eastern Telegraph Co. von der Bevölkerung gestürmt. Manche be nachbarte Ortschaften auf der Insel, einer der größten und schönsten im Aegäischen Meere, liegt ebenfalls in Trümmern. In Chio wiederholte sich daS Erdbeben heute und die erschreckten Einwohner flüchteten auf die im Hasen liegenden Dampfer. Der türkische Gouverneur und einige städ tische Beamte haben den Ort verlaffen. In Tscheschme, einem der Insel Chios gegenüberliegenden Hafenplatz an der Westküste Kleinasiens, brachte das Erdbe den 3000 Personen Verderben ; so viele wurden getödtet oder verletzt, doch fehlen hierüber zuverlässige Nachrichten. Auf den griechischen Inseln Tinos, Euböa, Syra und Karosto war das Erdbeben auch fühlbar, aber nur wenige Häuser stürzten ein. In Smyrna spürte man das Erd beben gleichfalls. Von Athen aus kommt folgende Nach richt über das entsetzliche Unglück: Eine der Regierung über daS Erdbeben zu Chio zugegangene Depesche meldet.daß die Wir kung der Stöße auch zu Tscheschme (an der Westküste Kleinasiens, der Insel Chio gegenüber) verspürt wurde und daß die Zahl der getödteten und verwundeten Per sonen aus 3.000 veranschlagt wird. Auch zu Cerosta, Enbola und Tinos wurde daS Erdbeben verspürt. Levi Baum, ein Jndividium. daS schon öfters in krummen Transaktionen verwickelt war, wurde diese Woche verhaf tet, um in New York wegen Diebstahl von Bundesobligationen verhastet zu werden. In Philadelphia waren einem Mann Na mens Robert Mitfei für mehrere tausend Dollars Bundesobligationen gestohlen, und ihm gegen Bürgschaft neue Scheine dafür ausgefertigt worden. Vor einigen Tagen erhielt nun ein New Dorker Advokat Namens Alexander Pin over eine $500 Bundesobligationen von Levi Baum zugeschickt, mit dem Auftrage, dieselbe einzulösen. Pinover führte seinen Austrag aus. Er hatte aber kaum das Geld im dortigen Unterschatzamte erhalten, als ihm die Mittheilung gemacht wurde, daß die Obligation eine von denen sei, welche Mickel vor zwei Jahren in Phila delphia gestohlen wurden. Pinover er klärte nun, von wem er die Obligation er halten habe und es zeigte sich, daß der Name Mickel's auf der Vollmacht, von welcher dieObligation dis begleitet war.ge fälscht war. Daraufhin wurde dem hie stgen Bundesgericht der Auftrag, Baum verhaften zu lasten und nach New Z)ork zu bringen.