Indiana Tribüne, Volume 3, Number 32, Indianapolis, Marion County, 19 March 1881 — Page 7

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Jndiana Tribüne.

Vermischtes. Ausland. St. Petersburg, 13. März. Als der Kaiser Sonntag Nachmittag von der Parade in der Michael Reitschule zurückkehrte, wurde eine Bombe geschleudert, die unter des Czaren Kutsche explodirte. Der Czar stieg unverletzt aus, a,er eine zweite Bombe explodirte zu seinen Füben. Sie zerschmetterte ihm beide Beine unterhalb der Kniee und fügte ihm sonstige fürchterliche Verletzungen zu. Der Czar wurde sofort inbewubtlosemZustande nach dem Winterpalast gebracht, wo er heute Nachmittag um4Uhr starb. ZweiPer Zonen waren am Verbrechen betheiliqt. Einer von ihnen wurde sofort ergriffen. Die Elploston tödtete auch einen Osftzier und zwei Kosacken. Viele Polizisten und andere Personen wurden verletzt. London, 13. März. Ein St. Petersburger Correspondent sagt: Die kaiserliche Kutsche wurde am Ekatrinowski Kanal, den kaiserlichen Stallungen gc genüber angegriffen. Als der Kaiser mit dem Großfürsten Michael vom MichaelsPlatz in einer geschloffenen,von 8ZKosacken eskortirten Kutsche zurückkehrte, fiel die erste Bombe nahe der Kutsche und zerstörte den Hinteren Theil derselben. Der Czar und sein Bruder stiegen unverletzt aus. Der vom Polizei-Obersten ergriffene Attentäter zog seinen Revolver, wurde aber am Abseuern desselben verhindert. Die zweiteBombe wurde dann von einer anderen Person geschleudert und fiel dicht zu den Füßen des Czaren, dem die Explo sion beide Beine zerschmetterte. Der Czar fiel, um Hülfe rufend. Oberst Dorjibkiy, obwohl selbst schwer verletzt, hob denCzarn auf, der in Oberst Dorlibkiy's Schlitten nach dem Winterpalast gefahren wurde. Große Volksmengen versammelten fich vor dem Platze, wurden aber von einem Trupp Kosacken zurückgehalten. Die kai serliche Familie war am Todtenbett ver sammelt. Der Staatsrath trat sofort zu sammen. Alle öffentlichen Lokale sind ge schloffen. Der Mörder, der die erste Bombe schleu derte, versuchte mit seinem Revolver auf den Czaren zu zielen, aber die Pistole wurde ihm aus der Hand geschlagen. Der Cza? schien vor seinem Tode das Bewußtsein wieder zu erlangen, da er die

Aerzte fortwinkte, die seine Beine amputi ren wollten. Der Czarevitch und die Czarevina suh ren nach dem Tode des Czaren unter den bedauernden Rusen des Volkes nach ihrem "Palast. Eine Kompagnie Soldaten umringte den Palast. Der Herzog und die Herzogin vonEdin burgh und der Großfürst Alexis sind von London nach St. Petersburg abgereist. Der Staatsrath, unter dem Präsidium des Czarewitch, war Mitternachts noch in Sitzung. Das Manifest wird am Montag erscheinen. Im Winterpalast findet am Montag inGottesdienst statt. Nachmittags erhält der neue Czar die Huldigung der Staats Beamten. Als Oberst Dorlibky den ersten Mörder sragte, wie er heiße, antwortete er Roussakoff. ' L o n d o n , den 10. März. Dem Standard wird von Athen mitgetheilt, daß daselbst binnen Kurzem eine große Menge in den Ver. Staaten angekaufter Waffen erwartet werden. L o n d o n , 10. März. Präsident Brand telegraphirt, daß Donald Currin, Mitalied des britl cken Parlaments, am 13. d. M, an der Grenze erwartet wird. Currin hat schon früher der Regierung werthvolle Dienste Ibei Schlichtung isüd afrikanischer Streitfragen geleistet. Er hat bei Joubert brieflich angefragt, o er mit demselben und mit Krüger zusammentref sen könne. Erhofft, daß der Waffenstill stand um ein Geringes verlängert werden kann! wenn dies nöthig werden sollte, um eine. Beilegung der Schwierigkeiten zu er zielen. London, 11. März. Laut Depesche aus Pesth h..t die General - Synode der UngarischReformirten Kirche beschkos sen, den Unterricht in der deutschen Spra che in allen höheren Mädchenschulen und Lehrersemmarien zu verbieten. Der .Truth" versicherte aus guter Quelle zu wiffen, daß Lientnant Roger, welcher in der Kaserne zu Chatham vor ei Niger Zeit erschaffen (wie es hieß von Jen iern) gefunden wurde, Selbstmord be

gangen hat. Er hatte um Weihnachten in Stuttgart die Bekanntschaft einer liebenS würdigen" Amerikanerin gemacht, die aber seine Werbung zurückwies und ihn zurVer zweiflung brachte.

Wie der Pariser Correspondent der Times" meldet, berathen die Mächte ge. genwärtig den Vorschlag Deutschlands, daß die Pforte Kreta statt. Epirus anGrie. chenland abtreten soll. Wenn die Unter Handlungen Erfolg haben, werden die Mächte durch ein besonderes Dokument die Beschlüffe der Berliner Conferenz an nulliren. Eine Depesche auS Berlin bringt Folgendes : Kürzlich Aeußerungen des Fürsten BiSmarck, in denen er den Berli ner Stadtbehörden den Vorwurf macht, sein Haus aus Parteihab zu hoch abge schätzt zu haben, erregen großeErbitterung. Die VossischeZeitung" fordert denJustiz. minister auf, entweder die Würde des Richteramtes zu schützen oder sein Amt niederzulegen. Das Stadtverordneten Collegium wird mit dem Magistrat ge meinsame Schritte in dieser verdrießlichen Angelegenheit thun. Der Kaiser wünscht daß Cultus. Minister Puttkamer auf seinem Posten bleibe, damit er die versöhnlichen Unter Handlungen mit dem Päpstlichen Stuhl leite, welche demnächst beginnen werden. Ueber eine wichtige medizinische Er findung wird der Königsb. Hart. Ztg." von Berlin berichtet : Es hatte danach Herr Dr. Zacharias in Berlin nach jähre langen Versuchen eine Methode ausfindig gemacht, durch welche auf medicamentärem Wege alle Stein, Gries :c. Bildungen im Körper gelöst und nach Außen fortge schüfft würden. Dadurch würden die be kannten und ungemein gefährlichen Stein Operationen überflüssig. Weiter auf diese Erfindung einzugehen, müffen wir dem Fachblättern überlasten. Eine merkwürdige Entdeckung ist, wie die Natur" mittheilt, von Mr. Alder Adams, einem der technischen Beamten im Telegraphendepartement des englischen Generalpostamts gemacht wordent Es ist dies die Existenz von elektrischer Ebbe und Fluth im telegraphischenKreislaufe. Nach lange sortgesetzten und sorgfältigen Be obachtungen hat er entschiedene Stärkever schiedenheiten in jenen Erdströmungen festgestellt, die unveränderlich bei allen telegraphischen Drähten gegenwärtig sind unh den verschiedenen täglichenStellungen des Mondes zur Erde folgen. Laut Depesche aus Paris ist das große Modewaarenlager am Boulevard Haußmann, das unter dem Namen Le Printemps" weit bekannt ist,' durch Feuer verheert worden, wie man annimmt in Folge Mangels an Achtsamkeit seitens der Leute, welche die Fußböden der Räumlichkeit kehrten. Der Portier und seine Frau hatten kaum Zeit, sich zu retten. Ein Bewohner deS Gebäudes sprang aus dem Fenster herab und wurde getödtet. Es wurden 26 Personen schwer verletzt und drei derselben, darunter zwei Feuerwehrleute, sind ihren Wunden bereits erlegen. Man muß auf viele weiteren Todesfälle gefaßt sein. Die Flammen, welche bis den nächsten Morgen gegen 11 Uhr wüthe ten, haben einen Schaden von 9,000,000 Francs angerichtet. Die West Coast Telegraph Co." von London, die eine Kabelverbindung mit Peru betreibt, wird ihre Linie mit derjeni gen der Central und Südamerika Kabel Cs." durch Telegraphendrähte X über Panama, Centralamerika, Mexiko und die Ver. Staaten verbinden und auf ' diese Weise eine' direkte telegraphische Leitung zwischen England und der Westküste von Südamerika herstellen. Die bisherige Linie ging über Brasilien und Portugal und war um 8000 Meilen länger. Depe schen mit der neuen Linie werden $6 per Wort veniger kosten. In der letzten Zeit treiben sich in Kaffel zwei angebliche Matrosen umher, welche sich damit beschäftigen, junge Leute zu tätoAiren, indem sie ihnenFiguren (wie Schiffe. Adler . u. s. w.) auf die Arme ätzen ; die Haut wird mit einer Nadel oder einem andern spitzen Instrument durch stachen und alsdann eine farbige Flüssig keit, angeblich chinesische Tusche, auf die Stellen eingerieben. Einem jungenManne ist dies jedoch übel bekommen; sein Arm schwoll nach wenigen Stunden stark an und es zeigte sich Blutvergiftung. Die Amputation deö Armes konnte den Un

glücklichen nicht mehr retten; derselbe ist seinen qualvollen Leiden erlegen. Die Opfer deS Erdbebens auf der Insel Jschia. Wie aus Neapel berichtet wird, hat man bis jetzt aus den Trümmern der Stadt Casamicciola 140 Leichen und gegen 300 abgeriffene Körpertheile hervor gezogen. Die Zahl der Erschlagenen wird auf 300 geschätzt. Unter den Ein zelheiten, die neuerdings über das Erdbe ben gemeldet werden, ist die Rettung einer Frau, die sich im obersten Stockwerk eines unter ihr sinkenden Gebäudes befand und ein Taschentuch auf dem Dachgiebel bese stigt hatte, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Oberst Parodie, der die den Verunglückten Hülfe leistenden Soldaten commandirte, kletterte auf einer Leiter an dem wankenden Hause empor und stieg durch ein Fenster. Er kehrte bald mit der Frau in den Armen auf demselben zurück. Die Frau war unverletzt, aber wahnsinnig geworden.! Gewerbsmäßige Kindermörderei in Warschau. Den Bemühungen der War schauer Behörden ist eö, wie der Ruff. Kur." erfährt, glücklich .gelungen, zwei würdige Nachfolgerinnen dee berüchtigten Kindesmörderin Hebamme Schiefers zu entdecken und unschädlich zu machen. Es sind dies zwei Bäuerinnen des in der Nähe von Warschau liegenden Dorfes Ochota, NatalieSlusiarkiewicz und Marianne Per sow, welche das scheußliche Gewerbe des Kindesmordes in großartigem Maßstabe betrieben hatten. Eine lange Reihe von

Verbrechen die von diesen blutigen Pär chen mit Unterstützung ihrer Bräutigams" nnd eines Todtengräbers aus einemNachbardorfe verübt worden waren war das Resultat der geschickt geführten Untersuch ung. Nur in den Mitteln bei Beitreibung ihres schauderhaften Gewerbe? hatten sich die beiden Frauenzimmer von einander unterschieden; während die Person? die Kinder einfach erwürgt hatte, ließ die Slusiarkiewicz sie langsam zuTode hun gern. Für die internationale Ausstellung der graphischen Kunst und Buchdrucker gewerbe, die im Sommer 1882 in Leipzig veranstaltet wird, ist ein Terrain vor dem Franksurter Thor in Aussicht genommen. Das.Ausstellungs-Comite ist bereits konstituirt. Zur Beschickung des Unterneh mens sollen alle europäischen und über seeischen Kulturstaaten aufgefordert werden. Knmoriftisches. Auf der Sternwarte. Einige junge Damen besuchten Abends die Sternwarte, um durch ein Riesenfernrohr den Aschen Kometen zu betrachten. Der Director führt sie an das Rohr, und die Damen schauen eine nach der anderen hindurch. Nein, sieh nur mal Laura, himmlisch, reizend, wonnig, wundervoll. So geht das eine Weile fort. So, nun will ich erst einmal den Deckel oben ab nehmen," sagt endlich der boshafte Astro nom, indem er nun erst das Rohr zum Gebrauch fertig macht. ' Die f ü n f S i n n e. Kannst Du mir die fünf Sinne aufzäh len, Meier : Ja, Herr Lehrer. So laß einmal hören ! Der Geruch, der Geschmack, das Gehör und und und die zwei Augen ! Werthlose Betheu erung. David : Rebeckche, für Dich könnt' ich Alles hingebe, ich schwör' Dir'S AlleS, Mark und Bein geb' ich hin für Dich. Rebeckche : Brauchst nit zu schwöre, ich glaub' Dir'S so. Mark hast Du keine, un die Bei' sin XLein'. Kniff. Herr :. Sie betteln und thun nicht ein mal ihren Hut herunter ! ! Strolch : Ja, sehen Sie, wenn ich den Hut abziehe, so merkt schon von Weitem ein Gendarme sogleich, daß ich bettle. So aber mtint er, ich führe blos im Stehen ein freundschaftliches Gespräch ! Wie derPeter Knödel ißt. Der Peter kommt in den Laden deö Nachbars; es sind aber so viel Leute da, daß er arten muß und ungeduldig wird. Krämer : Nur ruhig, es kommt Einer nach dem Andern an die Reihe g'rad so wie man Knödel ißt? Peter : Ihr wißt ja gar nicht, wie man Knödel ist ! Krämer : Nun, wie eßt Ihr sie denn ? Peter: Einen hab' ich im Maul, , ei nen auf der Gabel und den dritten im Visier! ,

Bittere Wahrheit. Vater (zu seinem nach 12 Semestern im Examen glücklich durchgesallenen Sohn): Wenn ich dich nur lieber hätte Soldat werden lasten ! So viel Geld hättest du mich doch nicht gekostet!"

Sohn: Ganz recht, lieber Vater, Studiren kostet Geld !" Vvter: Nein, Studiren kostet kein Geld -aber: Nichtstudiren!Prompte Auskunft. Was bedeuten denn da' oben auf dem Hause die sechs Statuen? Daö stnd die zwölf Apostel. Neugierig. Papa : Nun, Fritzchen, der Storch hat Dir ja ein Brüderchen gebracht ; willst Du eö einmal sehen? Fritzchen : Das Brüderchen nicht, aber den Storch. Pfarrer (am Grabe halblaut): Daö Weihwaster! Ministrant : Hab' kein's mehr ! Pfarrer : Hast du eS verschüttet ? Ministrant : Nein, aber unterwegs ist WeiheiS daraus geworden! Aus der Schule. Lehrer: Seppel, woher kommt es, daß noch so viele Menschen auf der Erde Wilde sind? Seppel : Von den wilden Ehen. Mißverständnis Ein ächter Münchener Biertrinker kommt zum Photographen, um sich Photograph! ren zu lasten. Photograph : In welcher Stellung wünschen Sie das Bild, en face oder en Profile ? Münchener: Ach, machen ' Sie mi nur am Faß, do gefallt mers immer am Beste. - Neue Gegend. Profestor: Ich habe Italien durch streift und kam bis nach Neapel." Sentimentale Freifrau : Ach, wie schön muß es in Neapel sein ! Sie haben bei dieser Gelegenheit auch Stirb" be sucht?" Stirb? Stirb? den Ort kenne ich nicht." Es muß dies doch eine schöne Gegend in Italien sein, da es doch irgendwo heißt : Sieh' Neapel und Stirb !" Reichwein's Halle, SWEcke Market NobleSt. Meine Halle ist jetzt eine der schönsten in der Stadt und bin im Stand gesetzt, sie für Concerte, Bälle, Unterhaltungen und für Vereinkzwecke bestens zu empfehle. Die besten Getränke und Cigarren sind stets an Hand. Ph. Rcichtvew, Eigenthümer. Neue Deutsche Apotheke don Joseph Barthels, Südost Ecke von Noble und Bates Str. Telexhonverbindung mit sämmtlichen Aerzten der Stadt. j Recepte erden bei Tag und Nacht forafältig angefertigt. - Adezlj.

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