Indiana Tribüne, Volume 3, Number 28, Indianapolis, Marion County, 19 February 1881 — Page 6
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Jndiana Tribüne.
Entlarvt.
Criminal-Novelle von Wilhelm Mundt. (Fortsetzung.) .Allerdings eine andere Frage, ich gestehe es ein," verZetzeLcoq, .indeß läßt sich auch diese Frage sehr leicht beantworten. Ohne sich weiter um den Untersuchungs richte? zu kümmern, wandte er sich zu dem Agenten und frug ihn in ziemlich barschem Tone: .Das ist Alles, was Sie wissen V Der Polizeibeamte betrachtete verächt lichen Blickes den Menschen, der es wagte, in einer solchen Weile ihn zu fragen. Er schien zuerst nicht einmal antworten zu wollen Lecoq. mußte seine Frage wie derholen. Ja," sagte er endlich, .das ist Alles, und ich denke, genug, schon deswegen, weil auch der Herr Untersuchungsrichter dieser Ansicht ist der ja schließlich einzig und allein mir Befehle zu erlheilen hat." Lecoq zr.ckle verächtlich die Achseln. .Haben Sie sich aufi weiterhin nach der Form des Dolches erkundigt, welchen Grespin gekauft hat?" .Bewahre nein, wozu auch ?" .Sehr einfach, mein Bester, um diese Waffe mit . den Wunden des Opfers zu vergleichen ob die Spuren, welche die Waffe des Morders zurückgelassen hat, der Waffe entspricht, die Grespin einkaufte ?" .Ich habe es allerdings vergessen, aber 'dies Versehen läßt sich wieder gut machen..Eln Äerjehen ist allerdings leicht möglich," sagte, er, ..aber Sie wissen jedenfalls, in welchem Gelde Grespin seine Einkäufe bezahlt hat?" ' Der arme Polizeibeamte schien so sehr in Berlegenheit üver alle diese Fragen zu sein, an die er gar nicht gedachr hatte, daß der Untersuchungsrichter ihm zu Hilfe kommen zu müssen glaubte. .Die Art des Geldes hat wohl so scheint es mir wenigstens wenig Wich tigkcit", warf er leicht hin. .Erlauben Sie, daß ich nicht Ihrer Ansicht sein kann-, antwortete der Agent lebhaft. .Ich meine, daß gerade dieser Umstand von sehr großer Wichtigkeit sein kann. Thatsächlich beruht ja der größte Verdacht, den man gegen Grespin hegt, . r . - , ST, w f.! Ct ..'j.. daraus, oa& man oas u)eio in inner amje gesunden hat. Nehmen wir nun einmal einen Augenblick an, daß er vorgestern um zehn Uhr in Paris eine Banknote von Tausend Francs gewechselt hat. Kann diese Banknote von dem Verbrechen aus Bellefleur herrühren? Durchaus nicht, weil um diese Stunde das Verbrechen noch gar nicht verübt war. Aber woher rührt es? Das haben wir einstweilen noch nicht zu untersuchen. Wenn aber meine Vermutbung richtig ist, so wird man zugeben müssen, daß die wenigen hundert Francs die sich noch im Besitze des At.geklagten befanden, der Rest von jener Banknote sein müssen..Hm, immer nur eine Hypothese," meinte der Untersuchungsrichter etwas verächtlich. .Allerdings, aber eme solche Hypolyeie. die zur Gewißheit werden könnte. Es bleibt mir noch übrig zu fragen", er wandte sich hierbei wieder an den Polizei beamten, .in welcher Weise Grespin die Gegenstände, die er eingekauft hatte, fort geschafft hat ob er sie einfach in seinen Taschen untergebracht oder ein Packet daraus gemacht hat und im letzteren Falle, welche Beschaffenheit dieses Packet hatte V .Ich weiß wirklich nicht... man hat mir nichts davon gesagt ... ich glaube ..." stammelte der Polizeibeamte in größter Verlegenheit. Der Agent war entzückt von der Herrlichen Gelegenheit, die sich ihm darbot, sich ein wenig an dem Untersuchungsrichter ?ü sein geringschätzendes und stolzes Wesen zu rächen. Ihm selbst mochte und konnte er nicht wohl etwas sagen, aber mittelbar konnte er es, indem er die ganze Schale seines Zornes über den unglückli chen Polizeimann ausgoß! .Ah. sieh da, mein Lieber," sagte er mit leuchtenden Augen, .was haben Sie denn eigentlich in Paris gemacht? Vielleicht nur die Photographie Grespin's gezeigt und dann das Verbrechen mitläufig er zählt he? Müssen sehr aufmerksam ge wesen sein. Aber das hätte auch .die Haushälterin des Herrn Untersuchungsrichters hier eben so gut besorgen tönnen." Der Polizeimann glühte vor Zorn. .Aber mein Herr", fragte er den Agen-
ten durchbohrenden Blickes ansehend, .ich weiß nicht " .Keine Umstände," versetzte der Agent lächelnd, .weißt Du, wer ich bin? Nie mand anders als Lecoq." Hätte der Blitz ihn getroffen, das Erstaunen und der Schrecken deS Polizei mannes hätte nicht größer sein können.. Wie ein Soldat, der plötzlich in einem einfachen, mit einem gewöhnlichen Ueber zieher bekleideten Herrn seinen General entdickt, so war der Polizeimann in die Kniee gesunken, als er den Namen Lecoq hörte. Wie", murmelte er voller Verwunde rung zu dem Agenten aufblickend, .Sie hier?' ' .Ja, ja, ich bin es wirklich." lachte der Agent, .w r'lich und leibhaftig." Aber beruhige Dich, ich zürne Dir nicht. Das Einzige ist, daß Tu Dein Fah noch nicht gut verstebst nun, überall muß man lernen. Uebrigens hast Du mir einen großen Dienst erwiesen, denn Du hast mir einen glänzenden Beweis von der Unschuld meines Mannes geliefert." Domini hatte nicht ohne ein geheimes Mißvergnügen diese Scene gesehen. Sein Mann ging, das war ihm offenbar, in das Lager seines Feindes über, da er die Ueberlegenheit des Agenten ohne RückHall anerkannte. Die Sicherheit, mit welcher Lecoq Jbie Unschuld eines Menschen behauptete, von deffen Schuld er seiner seits fest überzeugt war, brachte ihn noch vollends zur Verzweiflung. .Und worin soll dieser Beweis bestehen, wenn ich bitten darf V frug er gereizt den Agenten. .Er ist sehr einfach und springt in die Augen," antwortete Lecoq lächelnd, mährend er sich bemühte, eine um so mehr gleichgiltige Miene anzunehmen, je mehr seine Schlußfolgerungen aus dem Bereiche der bloßen Wahrscheinlichkeit heraustra ten. - .Sie erinnern sich," fuhr er dann fort, daß wir bei unserer Untersuchung aus dem S chlosse die Zeiger der Uhr aus 3 Uhr zwanzig Minuten stehend fanden ? Da ich der Sache nicht recht traute, so setzte ich das Schlagwerk der Uhr in Be wegung. Was geschah ? Sie schlug elf Uhr. Von diesem Augenblicke an war es für i'ns klar, daß das Verbrechen noth wendig vor elf Uhr geschehen sein müsse. Wenn nun aber Grespin noch um zehn Uhr in dem Pariser Ma-azin war, so konnte er vor Mitternacht nicht wieder auf dem Schlosse sein. Also ist er es nicht, der den töMlichen Streich geführt hat." Mit selbstgesälligem Lächeln, das mehr als alle Worte sagte, sah er den Untersuchungsrichter an. Waren wirklich die Aussührungen des Agenten richtig, so fi?l das ganze System des Untersuchungsrichters in nichts zu sammen. Jndiß konnte Domini so leichten Kaufes nicht zugeben, daß er sich aetäuscht hätte ; sein Ansehen hätte darunter bedenklich gelitten und übrigens konnte er sich nicht leicht entschließen, eine Ueberzeugung auf
zugeben, zu der er nur nach reiflicher Ue Verlegung gelangt war. .Ich behaupte nicht," sagte er endlich, .daß Grespin der einzige Schuldige ist. er kann vielleicht nichts weiter als Mit schuldiger sein das ist er denn aber auch ohne allen Zweifel." .Mitschuldiger, nein Herr Untersu chungsrichter, aber er ist auch ein Opfer des Verbrechens ! Sehen Sie, dieserGraf Tremorel ist ein nichtswürdiger Schurke ! Begreifen Sie jetzt, weshalb er den Zeiger der Uhr verrückt hat? Anfangs konnte ich auch, ich gestehe es offen ein, den Zweck dieses Verfahrens nicht einsehen jetzt ist die ganze Sache klar. Damit GreSpin in diese Sache gründlich verwickelt werde, war es nothwendig, daß der Glaube erweckt wurde, das Verbrechen sei nach Mitternacht begangen worden, es war nothwendig, daß ..." Plötzlich hielt er inne, mit offenem Munde war ihm einplötzlicherGedanke von besonderer Wichtigkeit gekommen. Der Untersuchungsrichter, der sich un terdeß mit seinen Akten zu schaffen gemacht l)ztte. hatte diese Bewegung nicht be merkt. .Aber wie erklären Sie sich denn diese Hartnäckigkeit Grespin's, mit welcher er sich weigert, irgend nur Auskunst darüber zugeben, wo er diese Nacht zugebracht habe?" Ich begreife sehr wohl diese Hartnäckig keit Grespin's", sagte der Agent, noch immer sinnend vor sich hinblickend ; .wenn er doch nur gerade jetzt sprechen wollte, es würde uns außerordentlich gelegen kommen".
.Aber er hat doch wohl ein ganze Nacht Zeit , genug gehabt, um nachdenken zu können", meinte Domini. .Zwölf Stunden, nun, in einer solchen Zeit könnte man gewiß sich ein vollständiges Verthei digungsfystem aufbauen. Der Ag:nt zuckte zweifelnd mit den Ach seln. .Gewiß, mehr als dazu nöthig ist", sagte er, .aber unser Mann denkt gar nicht an ein Söstem, darauf möchte ich schwöern". ' .Wenn er trotzdem schweigt, so kann das nur bedeuten, daß er nichts Glaubenswürdiges zu finden weiß." .Nein, mein Herr," versetzte der Agent, .er hat danach überhaupt nicht gesucht. Nach meiner Ansicht ist Grespin, wie ich schon vorhin bemerkte, weiter als einOpfer des Verbrechens. Das heißt, ich v-rmuthe eben, daß der Graf ihm eine Falle gelegt hat, in die er gegangen ist und daß er sich in derselben so verwickelt fühlt, daß ihm jedes Bemühen, sich herauszuziehen, unnütz erscheint. Er ist überzeugt, daß er sich die Mücken des Netzes, von dem er sich umstrikt fühlt, immer enger zusammenziehen
würde, um los zu kommen." .Das ist auch mere Ansicht", bestätigte der Friedensrichter. .Der wirkliche Schuldige, der Graf Hcctor," fuhr der Agent fort, .muß im letzten Augenblicke ganz in Verwirrung gerathen sein, und gerade diese Verwir rung ist es, welche alle Vorsichtsmaßregeln unnütz gemacht hat, die er getroffen hat, um eine Täuschung bezüglich des Schuldigen herbeizuführen." Er weiß recht gut," fuhr , der Agent fort, dieser abgefeimte Schurke daß die Gerichtsbehöroe bei jedem Verbrechen in der Regel sofort auf einen Verdächtigen ihr Augenmerk richtet ; er weiß, daß die Behörde dann unablässig bemüht ist, alle Verdachtsmomente sorgfältig zu sam meln und herbeizuschleppen, und er hat uns eben deshalb diesen Grespin gleichsam hingeworfen, wie ein Jäger, der in die Enge getrieben worden ist, dem Bären, der ihn verfolgt, seinen Handschuh hin wirst. Während der Bär den Handschuh umherzerrt,, während er ihn bald nach rechts, bald nach links, bald in die Höhe wirft, gewinnt der listige Jäger einen Vorsprung, entwischt und bringt sich in Sicherheit. So auch der Graf viel' leicht hofft er, daß der Irrthum dem Un schuldigen nicht gerade den Kopf kosten würde ; zedenfalls hoffte er auf diese Weise Zeit zu gewinnen Der Agent des Untersuchungsrichters hatte unterdeß voll Bewunderung zu Lecoq ausgeblickt, niemals hatte er einen Colle gen mit solcher Sicherheit austreten fehen er fühlte sich selbst auch nicht wenig geschmeichelt, daß er die Ehre hatte, Sol dat in einer Armee zu sein, die von einem solchen Führer besehligt wurde. Seine eigne Me.nung hatte er ganz aufgegebe n für ihn war jetzt nur noch die Ueber zeugung Lecoqs maßgebend. Unglücklicherweise war es schon schwerer.' den Untersuchungsrichter zu überzeugen. .Aber," rieferein, .Sie haben wohl dte Faffung des Angeklagten bemerkt?" .Allerdings, aber was beweist dies? Wissen Sie, wenn ich oder Sie morgen unter der Beschuldigung eines solch' schweren Verbrechens verhastet würden, würden wir nicht ebenfalls in gleicher Weife unsere Fasjung bewahren V ' .Aber Sie wie ich", fuhr der Agent fort, .sind mit dzm ganzen Apparat der Justiz sehr wohl vertraut. Damals als ichLonscst, den armen Bedienten, ver haftete, waren seine ersten Worte : .Nun ist'S mit mir zu Ende?" Und an dem Morgen, wo der Vater Jabaret und ich den Vicomte de Comorin verhafteten, rief er aus: Jh bin verloren!" Und doch war der Eine ebenso wenig schuldig als der einfache Diener vor dem Schre cken eines möglichen Irrthums Seitens der Gerichtsbehörde gewiß ganz gleich hatten beide einen Augenblick, wo sie Angesichts des Verbrechens, das ihnen zur L.ist gelegt vurde, die'grö'öte Muthlosigkeit befiel." .Aber diese Entmuthigung dauerte keine zwei Tage lang", meinte Domini. Lecoq antwortete nicht auf diesen Ein wurf je schlagendere Beispiele ihm in die Erinnerung kamen, mit desto größerer Lebhaftigkeit spann er seine Beweisfüh rung fort. .Sie, mein Herr, ebenso sehr wie ich, ein einfacher Polizeiagent, haben oft genug mit Angeklagten zu thun gehabt, um wiffen zu können, wie trügerisch oft der Schein ist, und einen Schluß aus der
Haltung eines Angeklagten ziehen zu wollen wäre die größte Thorheit. Man kann nicht behaupten, daß die Tugend, ebenfo wenig wie das Laster, äußerlich auch immer einen bestimmten Ausdruck finden am wenigsten bei einem Ver brecher. Ich habe den Fall gehabt, daß ein junges Mädchen angeklagt war, ihren eigenen Vater ermordet zu haben zwei' undzwanzig Tage lang schwieg sie hart näckig am dreiundzwanzigsten entdeck ten wir den Schuldigen. Eine andere Geschichte ..." Der Untersuchungsrichter unterbrach den Agenten. Als Mensch beharrte Domini hartnäckig bei seiner einmal gebildeten Meinung; alsBeamter zeigte er sich ebenso hartnäckig, dann aber'auch zu den größten Opfern bereit, die ihm seine Eigenliebe auferlegte, für den Fall nämlich, daß die Stimme der Schuld sich vernehmen ließ. Die Beweisführung des Agenten hatte seine Ueberzeugung, unerschütterlicher wie ein Fels, noch in keiner Weise zu ändern vermocht; indeß sah er sich wohl oder übel genöthigt, sich auf der Stelle die nöthigen Aufklärungen zu verschaffen, den Mann von der Polizeipräfektur entweder siegreich aus dem Felde zu schlagen, oder aber sich für überwunden zu erklären. Es hat. den Anschein", sagte er dann zu dem Agenten, .als ob Sie hier nur als Sachmalter aufzutreten gedächten aber hier, in dem Cabinet des Untersuchungsbeamten ist von keiner Vertheidi gung die Rede, weder Richter noch Advo lat ist hier. Die nämlichen hochherzigen und ehrenvollen Absichten beseelen uns Beide, den Einen wie den'Andern. Jeder von uns sucht in seinem Kreise die Wahr heit aufzufinden. Sie glauben, dieselbe schon erglänzen zj sehen, wo ich nur Fin sterniß entdecken kann, oder Sie können fich ebenso gut täuschen wie ich ..." Dann, mit ungewohnter Herablassung, obwohl nicht ohne Anstug von Ironie, fügte er bei : Was soll ich also, mein Herr, Ihrer Meinung gemäß thun V Indeß beeilte der Agent sich keineswegs zu antworten. Wohl konnte er eine ganze Reihe gewichtiger Gründe gegen den Untersuchungsrichter ins Feld führen aber Gründe hatten hier, das fühlte er nur zu sehr, wenig oder gar keinen Werth. Er mußte Thatsachen vorbringen darüber war er sich klar; er mußte der Situation einen Beweis zu entnehmen suchen, der in die Augen sprang ab:r wie sollte er dies beginnen? Im Geiste machte er die größten Anstrengungen. .Nun V frug der Unterfuchungsrich ter. Könnte ich nicht", frug der Agent, selbst drei Fragen an diesen unglücklichen Grespin richten ?" Der Untersuchungsrichter runzelte bedenklich die Stirn ; der Vorschlag schien ihm etwas gewagte In seinen Vorschriften hieß es ausdrücklich, daß das Verhör eines Angeklagten im Geheimen und von dem Richter allein nur im Beisein seines Sekretärs zu geschehen hat. Andererseits war es bestimmt, daß der .Angeklagte nachdem ein Verhör mit ihm schon statt gefunden hat, mit den Zeugen zusammen vorgeführt werden kann. Für die Agenten der öffentlichen Gewalt waren Au nahmen vorgesehen. Domini war damit beschäftigt, sich diese Vorschrift zu vergegenwärtigen. .Ich weiß nicht," antwortete er endlich, .bis zu welchem Punkte meine Vorschriften mir gestatten, Jhrr Bitte zu willfahren. Indessen, da ich überzeugt bin, daß eö bei allen Vorschriften schließlich doch nur um die Elmittelung der Wahrheit zu thun ist, so will iches auf mich nehmen, wennSie den Angeklagten vernehmen wollen." Er klingelte, worauf ein Huissier erschien. .Hat man", frug er, .Grespin wieder in das Gefängniß zurückgebracht V .Noch nicht." Um so besser sagen Sie, daß man ihn hereinbringe." Lecoq wußte sich vor Freude nicht zu halten. Daß seine Worte einen solchen Erfolg haben würden, hatte er nicht zu hoffen gewagt, wenigstens bei dem Charakter des Untersuchungsrichters nicht so schnell und unverhofft. .Er wird schon sprechen," meinte er vertrauensvoll. J h habe mehrere Mit tel, um ihm die Zunge zu lösen, eins, denke ich, wird jedenfalls seine Wirkung nicht versagen noch niemals haben mich diese Mittel im Stiche gelaffen, Hof fentlich auch dies Mal nicht."
Er schwieg. Grespin, von zwei Gen ' darmen gesührt, trat ein. Der unglückliche Gärtner von Bellefleur schien um zwanzig Jahre gealtert zu sein. Bleichen,
verstörten Antlttzes, mit zuwmmengeknlf fenen Lippen, schien er sich willenlos sühren zu laffen wie ein Mensch, der keinen Ausweg sieht und zur Einsicht gelangt ist, daß Nichts mehr ihn aus seiner bedräng ten Lage retten kann. Nun", srua der llnfrnnAiinslSrirtiffr
" ' 1 " , r - j 7--- j ihn, sind Sie zu befferer Einsicht ge kommen ?" Der Angeklagte antwortete nicht. .Haben Sie sich jetzt entschloffen zu sprechen?" frug ihn der Unterfuchung?
rlchter. ixm konvuIMvtsches Zittern schüttelte Grespin vom Kpf bis zu den Füßen seine Augen schoffen Blitze. .Sprechen", sagte er mit rauher Stim me. ivrecken? Wesbalb ? Was babe ich denn gethan, mein Gott, daß man mich so quält? Was wollen Sie über Haupt, daß ich sage ? Soll ich sagen, daß ich es bin, der den tödtlichen Streich ge führt hat ? Ist es das, was Sie wollen ? Ja nun, ja, ich bin es ! Sie können mir jetzt den Kopf vor die Fuße legen aber machen Sie fchnell, ich mag nicht lange leioen ! Mit dumpfem Staunen vernahm man diefe Erklärung Grespin.' Er hatte wirklich eingestanden !... Der Agent, obwohl ein wenig über rascht, ließ sich indeß nicht so aus der Fas sung bringen. Er wußte aus langer Er fuhrung, daß die Zahl der Angeklagten noch immer sehr groß ist, die cinVerbre chen eingestehen, das sie gar nicht bcgan gen haben allerdings eine seltsam? Thatsache, die aber trotzdem wahr und unbestritten bleibt. Ultt -l)UlULt wird ein Unschuldiger verbastet, weil schwerer Verdacht aus ihm lastet. Er wird durch die Verhöre verwirrt, verliert ganz den Kopf, ein Richter über den an dern sucht ihm ein Geständniß zu entlocken, Schreckgestalten ängstigen ihn in seinem engen Gefängnisse er macht die ver zweifelndsten Anstrengungen, um die Wahrheit an den Tag bnnzen, er giebt' r j, i : . r : j(. i . v . cvcc c v c. v : m;? lai s;. n uui)iiuy jeue yuiimuj uii, VUH vtt uiu
l'.che Schuldige entdeckt wird was ist die Folge? Schließlich gesteht er Alles ein. . Der Agent'wußte das Alles wohl, i Zutraulich trat er auf Grespin zu, und.
ihm freundlich aus die Schulter klopfend, sagte er : .Sieh, mein Lieber, was Du uns da erzählt hast, ist Unsinn. Denkst , Du wirklich, daß der Herr Untersuchungs rirfitpr irnpiih niklck?n nehrimrn föriinh
i m - n - - - hat, gegen Dich eingenommen zu sein und Dir etwas anhaben zu wollen? Nein, nicht wahr? Glaubst Du, ich habe ein ri r-w n r jr Znierene an meinem iooe curocnicD. Em Verbrechen hat stattgefunden das steht fest und wir suchen den Schuld! gen. Bist Du unschuldig, nun, dann hilf uns denjenigen finden, der schuldig ist. Was hast Du von Mittwoch auf Donner stag gethan V Grespin beharrte bei seinem Schweigen. Ich begreife wirklich nicht," sagte der Agent in noch freundlicherem Tone wie bisher, .weshalb Du nicht reden willst. Wir halten Dich ja nicht für schuldig, ich . glaube es wenlgstens nicht . Was ich zu sagen habe, habe ich ge
sagt", antwortete Grespin kurz. Der Agent war wüthend, über die Hart näckigkeit und den Eigensinn des Ange klagten. Er nahm jetzt in einem andern Mittel seine Zuflucht und änderte seine '
Angriffsweise. Einige Schritte zurück treiend, wie um besser die Wirkung beur theilen zu können, die seine Worte hervor bringen sollten, sagte er in strengem Tone: .Du hast nicht das Recht zu schweigen, 'Ki hörst Pu ? Und selbst wenn Du in D:' nem Schwelgen beharren würdest, denkst Du wohl daran, daß die Polizei AlleS weiß? Dein Herr hat Dir Mittwoch Abend einen Austrag gegeben, nicht wahr? Was hat er Dir gegeben? Eine Bank note von tausend Francs nicht wahr?" - . - . ST- , . WM 1. Vielleicht glaubte grespin winua,, oer . Polizeimann wisse Alles, oder vielleicht . wurde er durch den strengen Ton einiger maßen eingeschüchtert. m . : r - t A v- in ' - . V ft , ,....... - -. ff Banknote von fünfhundert Francs." 'ii sin i i in in i i i r ri . ..ro iii ii l i iiil Der Ag:nt befand sich in nicht geringen Erstaunen. Er hatte nicht geglaubt, daß ihm dieser kühne Angrisssplan ein solches Resultat erzielen würde. (Fortsetzung folgt.)
