Indiana Tribüne, Volume 3, Number 27, Indianapolis, Marion County, 12 February 1881 — Page 6

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Jndiana Tribüne.

Gntlarrt.

Crwinal.ovelle von Wilhelm Mundt. (Fortsetzung.) .Allerdings entgenete Fleury, dem aNmälig der Zwcck der Fragen des Agenten einleuchte!?, man erzählte vielfach, daß Sauvestry ein Testament gemacht habe, krast dessen ein großer Theil seines Vermögens seinem Neffen anheim fiel." .Jedensalls wußte Rebonlot von diesem Testament?- frug der Agent. .Natürlich, denn es war in der ganzen Umgegend ein öffentliches Geheimniß." .Und man hat niemals über die Todes art Sauvestry's besondere Nachforschungen angestellt?" forschte der Agent weiter. .Sauvestry starb allerdings, wenn man so sagen will, in auffallender Weise versetzte der Friedensrichter. Eine Zeit' lang hatte er ein starkes Fieber, dann wurde er besser und bekam einen Rücksall diesem erlag er. Man hört oft, daß gerade ein solcher Rücksall sehr gefährlich ist. Uebrigens schöpfte Niemand Verdacht .Und ich hege den Verdacht versetzte der Agent bestimmt, .daß Sauvestry nicht natürlicher Weise gestorben ist, ja, ich sage eö geradezu heraus, Tremorel hat ihn er mordet und Rebonlot ist ihm dabei behilf lich gewesen!- Der Doktor und der Friedensrichter fuhren erschreckt in die Höhe. .Unmöglich l" riefen sie zugleich. Verzeihen Sie, meine Herren be schwichtigte der Agent lächelnd, .ich vergaß in meinem Eifer beizufügen, daß dies höchst wahrscheinlich ist. Beweise dafür habe ich einstweilen nicht aber die Untersuchung wird dieselben, denke ich, brin gen .Kaum denkbar !" meinte der Friedens richte?. .Nur anscheinend, meine Herren antwartete Lecoq. .Manches wird in unserer dunkeln Geschichte erklärlich, wenn meine Annahme, Vermuthung will ich lieber sagen, richtig ist. Tremorel, so ist mein Gedankengang, hat seinen Oheim durch Gift aus der Welt geschafft, welches Re donlot ihm geliefert hat, in der Absicht, die Beute mit Tremorel zu theilen . oder wenigstens seinen Theil davon mitzube kommen " .Aber " x .Ich errathe Ihre Gedanken sagte der Agent fort. .Graf Tremorel hat, nach dem er den Mord an seiner Gattin voll bracht, wie wüthend irgend etwas gesucht . . . man darf sagen, ein Papier, ein ' Aktenstück . . . dies beweisen alle Anzeichen. Es war jedenfalls ein für ihn sehr wichtigeS Aktenstück, das er um jeden Preis haben mußte .Ein Testament konnte es nicht wohl sein fuhr der Agent fort, .dies pflegt man bei einem Notar zu deponiren. Aber vielleicht vermuthete er, werden Sie sagen ein neues Testament, das für ihn ungünstig lautete, das seine Gattin etwa gemacht haben könnte. Aber er mußte sich sagen, daß es ihm nichts nützen könnte. Hatte seine Gattin bereits ein Testament zu seinen Gunsten gemacht und dies vielleicht durch ein späteres zu seinen Ungunsten umgestoßen, so lag es allerdings in seinem Jntereffe, dieses zu erreichen. Indeß hättt er dies Testament, das wir einen Augenblick als vorhanden annehmen, gesunden oder nicht jedenfalls hätte er nach dem Morde seiner Gattin nicht fliehen können das wäre das Thörichste von der Welt gewesen um so mehr, als ja der dringendste Verdacht nicht auf ihn, sondern auf Grespin fallen mußte Der Friedensrichter und der Doktor hatten mit Erstaunen zugehört. .Sie nehmen also an meinte der Erste zum Agenten gewendet, .im Schlöffe habe sich irgend ein Aktenstück befunden, das auf die Vergiftung Sauvestry's durch Tremorel Bezug hatte V .In der That ist dies meine Annahme antwortete der Agent. .Ich will nicht versuchen, dies zu beweisen,) ies würde mir ohnehin nicht gelingen. I wägen Sie aber meine Herren, ruhig alle Umstände, so werden Sie sagen müffen, daß bei meiner Annahme alle Umstände, ohne Ausnahme, ja die Ermordung der Gräfin selbst klar wie die Sonne werden, während wir sonst im Dunkeln tappen Der Friedensrichter sah seinen Nachbar flrtiint rtn nfcn iohnifi ein 9ftnrt an ii tUUIII , j jk T - - u iußern. .Nochmals betone ich fuhr der Agent fort, .daß meine Vermuthungen eben nichts als Vermuthungen sind, die aus

Gewißheit keinen Anspruch machen wollen. Vielleicht staunen Sie darüber, was ich zu diesen Vermuthungen gekommen bin. Sie wissen ein alter Polizeiagent sieht die Dinge anders an, wie gen-öhnliche Men schenkinder sein Beruf bringt das so mit sich und er verfällt oft auf Csmbi Nationen, die ihn bisweilen, nur bisweilen täuschen, sehr oft aber richtig sind .Indeß, alle Ihre Voraussetzungen als ermiesen angenommen meinte der Friedensrichter, .wie sinden Sie, daß sich Gist in der Leiche Sauvestry's befindet?" Der Agent lächelte. .Uebligens würde der Untersuchungs richter schwerlich Werth darauf legen Sie haben auch Beweise genug für Ihre Vermuthungen die Leiche Rebonlot's und die beträchtliche Summe, die man bei ihm vorgefunden hat. Und sollte Domini noch nicht überzeugt sein, so ist der Doktor ja erbötig, daö Gist aufzufinden, welches Sauvestry gelödtet hat

Der Friedensrichter sah auf die Uhr. .Himmel!" sagte er, .wir plaudern hier ganz ruhig und haben ganz vergessen, daß uns Domini, heute Morgen erwartet er wird wüthend vor Ungeduld sein .Dann eilen wir so viel als möglich !" sagte der Agent lächelnd, nicht ohne eine kleine Schadenfreude zu empfinden, daß der Untersuchungsrichter seinetwegen aus eine so harte Geduldprobe gesetzt wurde. Wenn der Friedensrichter gemeint hatte, daß Domini wüthend sein würde, so hatte er in der That das Richtige vermuthet. Domini war in der That über das lange Ausbleiben der Herren wüthend. Schon geraume Zeit saß er in seinem Cabinet im Justizgebäude angethan mit seiner wallenden Richterrobe. Er zählte die Minuten Niemand er schien. Die Nacht über hatte er kaum ruhig schlafen können nahm doch diese dunkle Angelegenheit all' seine Gedanken in Anspruch. Hin und her hatte er Alles abgewogen, weit entfernt, ihn in seiner Ueberzeugung zu erschüttern, hatten ihn seine Erwägungen nur darin bestärkt. Je mehr er nach dachte, desto einfacher, desto natürlicher, desto erklärlicher fand er das Verbrechen. Und in der That sieht man nicht alle Tage ähnliche Ereigniffe? Jemand hat Geld in seinem Hause Verbrecher haben Kenntniß, begehen einen Einbruch und todten die Bewohner, um sich des Geldes zu bemächtigen. , Hatte der Untersuchungsrichter so schon eine ganz naheliegende natürliche Erklä rung für das stattgefundene Verbrechen, so mußte ihn das Verhalten der beiden Angeklagten, welche er in Gewahrsam hatte, in leiner Ueberzeugung noch bestärken. Was sie aussagten, war auf jeden Fall sehr unvollständig ; der Eine verharrte ja ohnehin in völligem Schweigen und dies war gerade derjenige, auf welchem der stärkste Verdacht ruhte. Indeß beunruhigte ihn das Bevußtsein, Daß der Agent der Pariser Polizei nicht seiner Ansicht war, trotzdem ein wenig ; ungeduldig erwartete erdeshalb sein Eintreffen. Um die Zeit todtzuschlagen, hatte er Grespin und Bertrand nochmals scharf ins Verhör genommen, aber Neues war oabei nicht herausgekommen, der Eine schwor bei Allem was heilig war, daß er nicht mehr wisse, als was er bereits ausgesagt habe ; der andere hüllte sich immer mehr in sein undurchdringliches Schweigen und beschränkte sich darauf, fortwährend zu wiederholen : .Ich weiß, daß ich verloren bin, machen Sie mit mir, was Sie wollen Schon stand er im Begriff, einen Boten auszuschicken, um die Säumigen herbeizu holen, als der dienstthuende Huisster mtU dete, daß sie angelangt seien. .Sie haben sich stark verspätet !" rief der Untersuchungsrichter mit schlecht verhehl tem Unwillen den Eintretenden entgegen. .Und doch antworteie der Friedens richter, .haben wir keine einzige Minute Zeit unbenutzt vorübergehen laffen .Also haben Sie gewiß Neues entdeckt V frug er hastig. .Hat man die Leiche des Grafen aufgefunden?.Allerdings haben wir Neues zu ver zeichnen und nicht wenig ergriff der Agent das Wort. .Die Leiche des Grafen hat man freilich niche aufgefunden ich glaube überhaupt auch nicht, daß man sie je ausfinden wird, und zwar aus dem ein fachen Grunde, weil er gar nicht getödtez worden ist er gehört gar nicht, wie man anfangs hätte vermuthen können, zu den Opfern des Verbrechens denn er ist selbst der Mörder

Der Untersuchungsrichter sprang er staunt von seinem Sitze aus. Ungeduldig!" rief er aus; .Graf Tremorel der Mörder -- nie !" .Ich bin nicht dieser Ansicht antwor tete der Agent kalt. .Ich bin sogar über zeugt, daß der Herr Untersuchungsrichter meine Ansicht theilen wird, wenn er mir eine halbe Stunde gütigst seine Ausmerk samkeit schenken wollte." Domini zuckte ungläubig die Achseln. .Noch mehr fuhr der Agent mit uner schütterlicher Ruhe fort, ich glaube sogar, daß der Herr Untersuchungsrichter mir, ehe ich dieses Cabinet vetlaffe, einen Haftbefehl gegen den Grafen Tremorel über geben wird, den er bis jetzt todt glaubt .Nun denn, so sprechen Sie sagte der Untersuchungsrichter kurz. Rasch be gann Lecoq alle Thatsachen anzuführen, die zu Gunsten seiner Ansicht sprachen, so wie er sie in Gemeinschaft mit dem Frie densrichter aufgefunden und zusammenge stellt hatte. Je weiter er sprach, desto mehr wuchs das Erstaunen Domini's sichtlich. .Ist es möglich? Kaum zu glauben l" bemerkte er zuweilen. Lecoq hatte geendet. Mit triumphirender Miene sagte er dann gelassen : Was denken jetzt der Herr Unteruchungs richter Domini sah es gewiß nicht gern, daß ein Untergebener sein System, das er sich so künstlich und natürlich, wie er glaubte, aufgebaut hatte, gleichsam Stein für Stein unbarmherzig niederriß und doch. mußte er sich dies Mal kor der Offenkundigkeit der Thatsachen und der Evidenz des Systems des Agenten, wenn auch ungern, beugen. .Allerdings erwiderte er langsam, .bin ich jetzt überzeugt, daß man unter Behilfe dieses Rebonlot gegen Sauvestrv ein Verbrechen begangen hat. Morgen werde ich den Doktor ersuchen, ohne Ver zug die Ausgrabung der Leiche Sauve stry's zu veranlassen und dann eine Lei chenschau vorzunehmen .Und ich werde das Gift finden bestä tigte der Doktor, .seien Sie deffen sicher .Schön erwiderte der UntersuchungS richter. Dann, zum Agenten sich wendend, fuhr er fort : .Ich nehme einen Augenblick an, Herr Agent, daß Graf Tremorel, so wie Sie sagen, Sauvestry wirklich ermordet hat, folgt daraus auch nothwendiger Weife, daß er seine Frau getödtet? Ich glaube es nicht .Und dennoch, mein Herr, die Logik 0, spielen Sie nicht mit den Worten meinte der Richter. Das, was Sie die logische Verkettung der Thatsachen nen nen, könnte sehr wohl nichts anderes sein, als eine Reihe von Umständen, die Sie sich mittelst Ihrer Phantasie zurecht gelegt haben. Sie sagen, weil Tremorel seinen Oheim vergift t hat, deswegen hat er auch dessen Frau getödtet ich sehe absolut keinen inneren Zusammenhang zwischen diesen Thatsachen Der Agent war nicht wenig empört über die Hartnäckigkeit des Richters, der, wie er meinte, vor dem Tageslichte seine Augen verschloß, um nicht sehen zu müffen. Es kostete ihn nicht geringe Mühe, seinenZorn zu beherrschen. .Sie erlauben sagte er dann so gelassen als möglich, .Herr Richter, Sie haben Recht, insofern ich den Zusammenhang dieser Thatsachen nicht so beweisen kann, wie Sie es zu wünschen scheinen, ja, wie es gewiß wünschenswtrth wäre. Aber daraus folgt nicht, daß ich Unrecht habe. Nicht selten kann man von der Wahrheit eines Gegenstandes durchaus überzeugt sein, ohne gerade Beweise zur Stelle schaf. fen zu können in dieser Lage aber be finde ich mich. Allerdings wird die Zu kunft lehren, auf wessen Seite die Wahr heit sich befindet . . . Uebrigens bin ich sicher, daß Tremorel sich salvlrt; die Schuhe, die er nach den Aussagen des Be dienten am Morgen angezogen, sind nicht mehr zu finden. .Sachte, sachte lächelte der Richter. .Ich vermeffe mich nicht zu sagen, daß Sie durchaus Unrecht haben bewahre, ich erlaube mir nur, meine Bedenken gel tend zu machen, die Abwägung aller Möglichkeiten kann ja nur von Portheil für die Sache selbst sein, um so mehr, als es sich hier gewiß nicht um Kleinigkeiten handelt. Nochmals zugegeben, der Graf lebt und befindet sich aus der Flucht; beweist dies, daß Greöpin, unschuldig ist und an dem Verbrechen nicht Theil genommen hat Grespin, gegen den so starke Ver dachtögründe vorliegen?

In der That war dies die schwache Seite des Planes des Agenten. Sicher, hinsichtlich der Schuld des Grafen, hatte er sich wenig um den armen Grespin ge kümmert, höchstens daß er dachte, seine Unschuld würde ohnehin an den Tag kommen,' sobald man den Schuldigen er griffen haben würde. So kam es, daß die Frage deö Unter suchungsrichters nicht verfehlen konnte, ihn ein wenig in Verlegenheit zu setzen. .Bei meinem System antwortete der Agent nach einigem Zögern, .muß man nothwendig zu dem Schluffe gelangen, daß nur ein einziger Mensch der Mörder war, ja nur sein konnte ; also Der Untersuchungsrichler lachte laut auf, zum nicht geringen Aerger des Dok' tors, der allmälig ganz von der Methode des Aqenten eingenommen war. .Ah !" rief er aus, .Ihr System ! Ist eö das also ! Ihr Herren von der Polizei seid doch immer die Nämlichen ! Mit Wuth nehmt Ihr diese oder jene Idee aus und bleibt hartnäckig dabei, koste es, was es wolle Der Untersuchungsrichter hielt einen Augenblick inne, um zu beobachten, wel chen Eindruck seine Worte aus dem Agen ten gemacht hätten. Duser schwieg. Domini fuhr deshalb fort: Ihr Herren wollt allzu' schlau sein. Aber gerade darin liegt Eure Schwäche.

Ihr wollt bei den Verbrechern, die Ihr verfolgt, weder Ungeschicklichkeit, noch Leidenschaft, noch unüberlegte Handlungen gelten laffen. Ueberall entdeckt Ihr die klügsten Berechnungen und Pläne. Es kommt Euch so wenig in den Sinn, ein fache Sachen so zu nehmen, wie sie sind, daß Ihr überall noch Combinationen er findet und Euch Beweggründe und Trieb federn ersinnt. Man sollte fast glauben, daß Ihr Euch Schreckgebilde verhaftet, einzig in der Absicht, um den Ruhm da vonzutragen, sie zu bekämpfen und sie zu besiegen. WaS Jhrein System nennt. ist meistens nichts anderes als ein mehr oder weniger glaubwürdiger Roman oft sehr hübsch und interessant erdacht, der sich sehr schön liest und erzählt, aber trotz dem immer nur ein Roman ist und bleibt Während dieser kleinen Predigt, die ihm der Untersuchungsrichter soeben in ziemlich wegwerfendem Tone gehalten hatte, kochte es in dem Agenten vor Zorn, und schon hatte er eine entsprechende Antwort bereit. als sich draußen ein Geräusch von nahen den Schritten und sodann von verworre nen Stimmen vernehmen ließ. .Ah sagte Domini, .wir werden da wahrscheinlich über Grespin's Nachrichten von großer Wichtigkeit erhalten .Erwarten Sie vielleicht einen neuen Zeugen V frug der Friedensrichter DaS nicht, aber ich erwarte einen Be amten von. unserer Polizei, dem ich eine wichtige Mission anvertraut habe In Betreff Grespin's V .So ist es. Heute Morgen in der Frühe hat mir eine Arbeiterin aus der Stadt, welcher Grespin den Hof machte, ein, wie sie fagte, ihm sehr ähnliches Porträt von ihm gebracht. Dieses Porträt, sowie die Adreßkarte, welche man bei Grespin vor gefunden hat, habe ich meinem Agenten übergeben und ihn beauftragt, sich zu er kundigen, ob Grespin vorgestern Abend in dem Magazin gewesen sei und irgend Etwas gekauft habe Der Agent konnte bei diesen Worten des Richters sein Mißvergnügen nicht ver hehlen. .Es thut mir wirklich leid sagte er in trockenem Tone, .daß ich dem Herrn Un tersuchungsrichter so wenig Zutrauen eingeflößt habe, daß er mir Hilfe beizuge ben für nöthig gehalten hat Diese Emfindlichkeit amüsirte Herrn Domini nicht wenig. Oh sagte er dann lächelnd, ich bitte Sie um Verzeihung, Sie können nicht überall zugleich sein. Ich setzte nicht den geringsten Zweifel in Ihre Geschicklichkeit, aber ich hatte Sie nicht bei der Hand und die 5ache hatte große Eile .Ein verkehrter Schritt ist oft nicht wieder gut zu machen .Haben Sie keine Sorge, ich habe einen sehr gewandten Menschen ausgeschickt In demselben Augenblicke ging die Thür des CabinetS auf und der Abge sandte des Untersuchungsrichters erschien auf der Schwelle. Es war ein kräftiger Mann von einigen vierzig Jahren, dem man auf den ersten Blick den Polizeimann ansah. Er schien außerordentlich heiterer Laune zu sein. .Gute Nachrichten l" sagte er mit rau

her Stimme, .ich habe die Reise nach Paris nicht vergeblich -emacht."

Domini konnte stch nicht enthalten, freudig auszurufen : .Sehr gut !" Dann sah er den Agenten mit einem vieldeutigen Blicke an, der wohl sagen wollte: .Hm! Was hatte ich Ihnen ge. sagt? Ist es nicht ein kluger, geschickter Mann, den ich geschickt habe? Gestehen Sie nur ein, daß es mit Ihrer Geschicklichkeit nicht so weit her ist, als Sie glau ben, und daß Sie nicht so unentbehrlich sind, als Sie sich einbilden .Wir sind diesem Schurken Grespin auf der Spur sagte der Agent deS Unter suchungsrichters. .Schön, schön, Coulard sagte Domini wohlgefällig lächend, .indeß fangen wir von vorne, in bestimmter Ordnung an. Sie haben sich also meinem Befehle ge mäß zu dem bezeichneten Magazin be geben?" .Sogleich, ja, nachdem ich den Eisen bahnzug verlassen hatte " .Gut. Hat man dort den Angeklagten gesehen V .In der That, am 8. Juli, es war im Verlaufe des Abends .Um wie viel Uhr?" .Gegen zehn Uhr sprach Coulard, .wenige Augenblicke vorher, .ehe daS Magazin geschloffen wurde ein Um stand, wodurch man stch seiner Persönlichkeit um so deutlicher errinnerte .Und wer hat die Photographie als sein Bild wiedererkannt?.Drei Commis, nicht mehr und nicht weniger. Schon das Benehmen Gres pins hat ihre Aufmerksamkeit erregt. Er hatte, so sagte man mir, ein ganz auffal lendes Aussehen, so daß man es mit einem angeheiterten Menschen zu thun zu haben glaubte. Ganz besonders erinnerte man sich noch, daß er außerordentlich gesprächig war ; er versprach, ihr Haus ganz beson ders empfehlen zu wollen, und sodann eine ganze Menge Gärtnerwerkzeuge zu kaufen, wenn man ihm einen kleinen Rabatt ge währen wolle Der Untersuchungsrichter sann vor sich hin. .Die Identität sagteer, .scheint dem nach wohl festzustehen. Jedenfalls war Grespin am Mittwoch Abend in dem Magazin .Um so bester für ihn konnte Lecoq stch nicht enthalten, vor sich hin zu mur meln. Der Untersuchungsrichter hatte diese Bemerkung sehr gut gehört, indeß schien er derselben keine weitere Bedeutung bei zulegen. Er fuhr also in seinem Verhör fort. .Man hat Ihnen jedenfalls auch mit getheilt, welche Gegenstände der Ange klagte eingekauft hat?" .Die Commis erinnerten sich deffen sehr wohl. Zunächst hat er eingekauft einen Hammer, eine große Gärtnerscheere, eine Feile " .Ich dachte es mir unterbrach ihn der Untersuchungsrichter. .Und weiter ? .Und dann", fuhr der Mann langsam, mit hohler Stimme fort .ein Dolch messer Der Untersuchungsrichter triumphirte. .Nun frug er in ironischem Tone den Sicherheitsagenten, .was denken Sie jetzt von Grespin ? Von diesem rechtschaf fenen, achtungswerthen Jüngling, der gerade am Abend des Verbrechens auf eine Hochzeit verzichtet, wo .er sich sehr hätte amüsiren können, um einen Hammer und ein Dolchmeffer und dergleichen In strumente einkaufen zu gehen, die man zu einem Einbrüche und bei einem Morde braucht?Der Doktor Gendron schien durch diese Zwischenfälle ein wenig aus der Faffung gebracht zu sein, während die Lippen deS Friedensrichters ein feines Lächeln um spielte. Lecoq so hätte man erwarten sollen wäre unter diesen Schlägen zerschmet tert gewesen es war nicht so. Er stand da im Gegentheil mit der gleichgiltigsten Miene von der Welt, wie ein Mann der sicher ist, mit einem einzigen Worte alle Einwürfe seiner Gegner ent krästen zu können. .Ich denke, mein Herr erwiderte er ruhig, .daß die Mörder stch weder eines Hammers, noch einer Feile, noch über Haupt irgend welcher anderer Instrumente bedient haben, die sie von draußen her hereingebraucht hätten weil sie stch einer Axt bedient haben .Also haben sie auch keinen Dolch ge braucht sagte der Untersuchungsrichter scherzend. (Fortsetzung folgt.)