Indiana Tribüne, Volume 3, Number 25, Indianapolis, Marion County, 29 January 1881 — Page 7
Indianer Tribüne.
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Zeichen der Zeit. Die in Nürnberg erscheinende Sränli sche Tagespost" schreibt: Die Verro hung" des gegenwärtigen Geschlechtes ist seit Jahren das Lieblingsthema aller iin--serer Reformatoren nach rückwärts. Dafc es Reformatoren nach rückwärts sind, muß allein schon unser Mibtraueu erregen, denn die Verrohung-, von der sie reden, ist nur Material sür eine Anklageakte ge gen die sogenannte liberale-Gesedgebung. Indeß prüfen wir! Ist die Verrohung" wirklich vorhanden ? Ja und nein. Wenn man behaupten will, die heutige Periode habe mehr Rohheit, mehr aus Verrohung entspringende Verbrechen auf zuweisen, als frühere Geschichtsperioden, so ist das entschieden falsch. Gewaltthä tigkeiten und Verbrechen gegen die Person waren in der guten alten Zeit, die von unseren Herren Rückwärtsern so hoch gepriesen wird und mit deren Einrichtungen sie uns so gern beglücken möchten, weit häufiger als jetzt. Die Culturgeschichte. dieStatistik hat das längst festgestellt, und, wer Bekannte hat, deren Erinnerungen 50 Jahre zurückreichen, wird hören können, wie ungleich zahlreicher damals Akte der Gewaltthätigkeit waren. JmGroßen und 'Ganzen sind die Menschen verfeinerter, civilißrter geworden, und ohne die That fachen und die Statistik zu fälschen, kann Niemand dies leugnen. Allein in der menschlichen Entwicke 'lungsgeschichte sind, wie bei einem Strom, zweierlei Bewegungen zu unterscheiden : einmal die stetige Bewegung nach vor värts, die eigentliche Strömung, und dann gewisse kleine, vorübergehende Gegenströmungen,hervorgebracht durch aller lei Hemmnisse, mehr oder weniger kräftig j; nach den Umständen mehr oder weni' Qtx dauernd, jedoch niemals stark und mächtig genug, die Hauptströmung aufzu halten oder auch nur von momentanen Deflationen abgesehen aus der Richtung dringen zu können. Unbekümmert um diese zufälligen Gegenströmungen geht der Strom der allgemeinen Entwickelung nach ewigen Gesetzen ruhig seinenGang vorwärts, vorwärts, vorwärts, wenn er auch mitunter ähnlich einigen Flüssen für eine Zeit lang unter der Oderfläche ver schwindet und ausgehört zu haben scheint. Betrachten wir nun den großen breiten Strom der Entwickelung, so müssen wir das Geschrei von der zunehmenden Verrohung unbedinzt für grundlos erklären. Betrachten wir aber die augenblickliche Gegenströmung, so können wir nicht beHäupten, daß das Gerede jeden Grundes entbehre. In den letzten 10 15Zahren, das lehrt uns die Criminalstatistik, das lehrt uns die eigene Beobachtung ist Deutschland roher geworden, als es vor her war. Das geben wir den Reform toren nach rückwärts bereitwillig zu. Aber es ist auch nicht schwer, die Ursachen zu finden, welche diese vorübergehende Ge -genströmung bewirkt haben. Drei Kriege Sinnen 7 Jahren, Kriege, an denen wir direkt betheiligt waren, von den andern sprechen wir garnicht eine Politik, die sich selbst Blut und Eisenpolitik nennt, systematische Verherrlichung selbst in der Schule von Handlungen, die, wenn unter normalen Verhältnissen und im bür gerlichen Leben begangen, Verbrechen schwärzester Art wären; die daraus resultuende Erschütterung der Moralbegriffe; die planmäßige Herabziehung und 93erhöhnung jedes idealenStrebens fürwahr, das ist genug, und mehr denn genug, um die Verrohung hervorzubringen, über welche unsere Reformatoren nach rückwärts klagen. Vergegenwärtigen wir uns nur die Zeiten des dreißigjährigen Krieges, und wir haben den Spiegel der Gegenwart. Ganz so schlimm ist's sreilich nicht wir sind um dritthalb Jahrhundert weiier; iideß wenn wir diese dritthalb Jahrhun derte abrechnen, das heißt unsere höhere allgemeine Cultur nicht in Anschlag bringen und einfach die damalige. und jetz'ge anticulturelle Gegenströmung mit der da maligen und jetzigen allgemeinen Culturfirömung vergleichen, dann sragt es sich sehr, ob der Vergleich zu unseren Gunsten ausfiele. Damals war es die .Blut- und Eisen Politik", welche das'Unheil anrichtete. Jetzt ist es die .Blut- und Eisenpolitik". welche das Unheil angerichtet hat. II! Rhodus, hie salia. Ist es unseren Reformatoren nach rückwärts ernst mit ihren Deklamationen gegen die zuneh mende Massenverrohung, gut, so mögen ne den Stier bei den Hörnern fassen und der Blut- und Eisenpolitik zu Leid gehen!
Doch daran denken die Herren, 'nicht. Sie sind ja selber die eifrigsten Verehrer dieser Politik, und denunziren die schlim men Früchte derselben nur, um ihr die Möglichkeit weiterer Bethätigung zu ver schaffen. Und dies drückt dem Gerede der Herrn Rückwärtser von der Verrohung der Maffen den Stempel widerlichster Heuchelei auf. Die Verrohung der Maffen, soweit sie eine Wahrheit, ist das ausschließlich Produkt unserer ungesunden Verhältnisse, und sie sollte den Herren Reformatoren nach rückwärts um so weniger Stoff zu ihren gesinnungstüchtigen, tugendtriefenden Tiraden geben, als die Maffen nur dem Beispiel in höheren Regionen folgen und nicht einmal an die Musterleistungen von oben heranreichen. Ein Exempel wird das deutlich machen. Ein brutaler Faustschlag in das Antlitz unserer modernen Cultur ist die Judenhatz", welche seit einiger Zeit in Scene gesetzt wird. Wohlan im Mittelalter war es mit wenigen Ausnahmen der Pöbel", der die Juden todtschlug. Und jetzt ? Es sind Leute aus den sogenannten gebildeten, ja aus den höheren Ständen, welche zur Judenhatz" anstacheln. Man brachte nur die Unterschriften der Antisemiten-Petition an den Fürste Bismarck. DaS Volk, d. i. die Maffen haben sich diesem Treiben gegen über ablehnend verhalten. Man sieht hier an einem drastischen Fall : die Verrohung kommt von oben. Die Judenhetzer" sind aber genau dieselben Reformatoren nach rückwärts, die über die Verrohung der Maffen" ein Zetergeschrei vorführen. Auf ziemlich gleicher Stufe mit der Judenhatz- steht das Geschrei nach Prü gel und Richtbeil, um die Verrohung" zu kuriren. Dieses Geschrei beweist blos die Verrohung der Schreier selbst und bildet, da es von gebildeten", vornehmen", meist hochgestellten Personen ausgeht,einen weiteren Beleg für die Nichtigkeit unserer Behauptung, daß die Verrohung von oben kommt.
Die sozialen Zustände sind sich fast überall gleich und das heißt s)viel, daß die Menschen gegenwärtig aU lenthalben von Roth und Elend heimgesucht sind. So schreibt man aus Paris: Auch diesmal hörte man beim Jahresschluß und jetzt noch in den mkistenJ'dustriezweigen bittere Klagen über den schlechten Geschäftsgang, sowohl hier als in den Departements. Die Zahl der brodlosen Arbeiter ist groß, nnd in den ärmeren Stadttheilen sieht man dasElend.schon auf Straßen, wo der Bettel zunimmt. Nur die Bauindustrie floiirt,denn eö wird jetzt jeder freie Platz der Stadt bebaut, so daß der gegenwärtige Moment den Vergleich mit der Bauwuth. Epoche"desKaise?reichs aushalt. Was damals durch Haußmann im Niederreißen und Aufbauen geleistet wurde, geschieht jetzt durch die Privatspekulation. Aber es wachsen nur stattliche Häuser und Paläste aus der Erde hernus. während die der ärmerenBevölkerung zugänglichen Wohnungen mehr und mehr verschwinden. Die Miethen werden unerschwinglich, die Lebensmittel steigen, und wenn unter diesen Umständen noch eine ungewöhnliche Stockung in den Geschäften eintritt, so ist dieNoth gleich auf dieSpitze getrieben. Der unerhört gelinde Winter ist zwar den Armen vortheilhaft gewesen, aber die Spekulation fängt bereits an,' diese Lage auszubeuten ; man will schon einen schlechten Sommer, eine verdorbene Ernte voraussehen, weil der Boden nirgends durch Schnee geschützt ist. DieGeschätsleute seen auch mit Bangen aus die politische Situation. Kumoristisch es. Gerettet. Du, Sepp, beut' hat gar der Pfarrer 'predigt, wer von seinem Acker Erdäpsel steht', komm in d' Höll." So? Da bin i' nur froh, daß r ihm gestern blos Krantköps' genommen hab." Aus der Schule. Lehrer: Also vier Elemente giebt es, Luft Feuer Erde und . . . Du,Michel, wag ist das vierte Element? (Allgemeine Stille.) Lehrer: Weiß es keiner? (Fortgesetztes Schweigen.) Lehrer: Worin wäschest Du dich denn Morgens, Michel? Michel: In unserer großen Gießkanne.
Ein Trunkenbold meinte : Hm, das ist doch närrisch ! Wann i getrunken hab', so schläfert'S mi, und wann i g'schlafen hab', so krieg i wieder Dorscht. Mutter (zur Nachbarin) : Unser Gretchen ist ein so reizendes Kind, aber denken Sie sich, sie kann das r nicht aus sprechen. Gretchen, komm 'mal her, sag' 'mal Bindfaden SchultheißenamtlicheBekanntm a ch u ng. (EineReminiscenz aus vormärzlicher Zeit.) Ausscheller: Auf Befehl des königlichen Oberamts lauft a wiethiger Hund 'rum! Wear en fäh' soll em nochgau' und en in's Badifch' 'nüberjage, daß 's kei Unglück gäab' ! L.: ,Soll ich Ihnen ein Räthsel aufgeben?" B.: . Schießen Sie ein Mal loö." L.: Das Erste frißt, daß Zweite ißt, das Dritte wird gefreffen und das Ganze wird gegeffen. Haben Sie's nun heraus?" B.: Nein." L.: Die Auflösung ist Sau Er-Kraut!-Wa8 dem Bauersmann gespässig vorkommt." In einer landwirthschastlichen Ausstellung wollte ein naseweißes städtisches Herrchen einen Bauern, der eben eine Dreschmaschine genau betrachtete, necken, indem er zu ihm sagte: Gelt, da schaut ihr dummen Bauern, daß es nun gar zum Dreschen auch noch Maschinen gibt ! Bauer: O na, da wunder i mi gar net drüber, aber da5 kommt mir g'spässig vor, daß 's trotzdem noch so viele Flegel gibt. - Verzeihlicher Irrthum. Küster: Also das ist das Kind, was der Schmiedebauer aus der Taus hebt? Schmiedebauer : Ja, das ist's ! Küster: Ds kommt mir aber für ein neugeborenes Kind etwas groß vor ! Schmiedebauer: (das Kind betrachtend) Mir auch ! Kindtaussvater: Himmel! Jetzt hat der Herr Pathe den Vorjährigen erwischt! Im Schafskopf gewonnen. Zu einem Bankier in Berlin kam kürz lich ein ihm fremder Barbier. Was wollen Sie hier?" fuhr der Bankier den Barbier an. Ihnen barbieren." Ich brauche Sie nicht, ich habe schon einen Barbier." . Nee", antwortete der'.Bartkünstler, .ich bin jetzt Ihr Barbier, denn ick und Ihr eigentlicher Barbier, wir spielten gestern beide Schasskopp, und er verlor all sein Jeld an mir, und wie er keen Jeld mehr hatte, da spielten wir um unsere Kunden Schasskopp, und da hab ick Ihnen ge wonnen." Im Studireifer. (Zwei Knaben treten in des OnkelS Studirzimmer.) Knaben: Onkel! Wir wollen Dir gute Nacht-sagen !" Onkel (am Studirtische) : Habe heute keine Zeit, kommt morgen früh wieder ! Bald", meinte ein Geistlicher am Krankenbette eines Bauern, wirst Du erlöst sein aus diesem irdischen Jammerthal. Werde fröhlichen Herzens, denn nur eine kurze Spanne Zeit und der Weg zu den Himmelshöhen ist Dir schloffen !' . Des isch nett! stöhnte der Kranke, bei deane Brustschmerze au no steige!" Und damit verschied er. Der sterbende Schneider. Der Faden meines Lebens ist vernäht, Die Sch.-ere hat die Parze mir entrissen, Die Lappen meinet Korpert sind verschlissen. Die Eiafaßschnurr in Fetzen aufgedreht, Mich halt nicht Vorderstich noch Stoßnabt mehr zusammen! Miß mit der Elle, Gott, mich Sünder nicht zu sharf! Du kannst mich z der. Holle nicht verdammen. In die so minchei schöne Stück ich warf, Laß mich, wie Ma'o net, zu den Gebenedeiten Auf einem Zicgmbock gen Himmel reiten ! Geschichte einer Fliege. Der Vater ward der Spinne Fraß, Die Mutter, ach, blieb kleben! Der Bruder siel in'S Butterfaß, Der Schwester ach, ward Gift gegeben ! Die Klatsche war der Tante Tod, Cousin der Flamme Beute; via Spatz riß mir um's Morgenroth Die Braut von meiner Seite.
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