Indiana Tribüne, Volume 3, Number 23, Indianapolis, Marion County, 15 January 1881 — Page 6
Jndiana Tribüne.
Gntlnrvt.
Criminal.Nobelle von Wilhelm Mundt. (Fortsetzung.) XI. Zwei Jahre waren seit jenem merkwür digen Zusammentreffen des Grafen Tre morel mit seinem Oheim Sauvestry verflössen. Tremorel hatte sich, obgleich es ihm an fangs nicht geringe Mühe kostete, allmnlig in die Rolle eingelebt, die er nach dem Willen seines Oheims spielen mußte oft hätte er zwar gern das Joch, welches er halb mit, halb gegen seinen Willen auf sich genommen htte, abgeschüttelt, aber die eiserne Nothwendigkeit zwang ihn. sich zu fügen. Nachdem Sauvestry mit den Gläubigern seines verschwenderischen und leichtsinnigen Neffen ein ziemlich vortheilhaftes Arrangement getroffen hatte, verblieb diesem immerhin noch ein einigermaßen beträcht, llches Vermögen, obwohl nicht so groß, daß er ohre die hilfreichcHand seines guten Oheims sein Dasein hätte fristen können. Aon Zeit zur Zeit besuchte der Graf seinen Oheim auf Belleflcur mit der größten Liebenswürdigkeit von der Welt suchten Beide dem unglücklichen Nissen die Entbehrungen" vergessen zu machen, die ihm das Schicksal, freilich meistens -durch seine eigene Schuld, auferlegte. Was Sauvestry freilich schon gleich geahnt hatte, und was auch so zu sagen un ausbleiblich war, traf ein. Graf Tremo rel konnte auf die Dauer das altgewohnte Leben nicht entbehren er stürzte sich wieder in den Strudel der Vergnügungen tollster Art, mit dem Unterschiede, daß er sein Leben so geheim wie möglich zu halten juchte er wußte nur zu gut, daß sein Oheim, sobald ihm irgend etwas Nachtheiliges zu Ohren kommen würde, seine Hand gänzlich von ihm ziehen würde. Freilich vermied er jetzt die fashionablen Hotels, wo er früher mit Louisd'ors um sich geworfen er war jetzt allmälig bis zu den niedrigsten Kneipen der anrüchigen Viertel des großen Lebens an der Seme herabgestiegen. Sauvestry hatte nicht die geringste Ah nung von all' dem, obwohl ihm bisweilen das abgelebte müde Aussehen des Grafen auffiel. Er schrieb es auf die Rechnung seines früheren unordentlichen, außschwei senden Lebens. Die Geldforderungen seines Neffen wurden zwar mit jedem Besuche ungestü mer indeß wollte Sauvestry, der des festen Glaubens war, daß sein Neffe sich aus den harten Schicksalsschlägen eine heilsame Lehre gezogen, sich ihm nicht ge radezu widersetzen und konnte es meistens nicht üb' Herz bringen, den eindringt! chen Bitten seines Neffen gegenüber unbeugsam zu bleiben. Für den Grafen Tremorel reichten frei lich diese Summen nicht zum kleinsten Theil aus; er hatte mehr Schulden wie Haare aus dem Haupte und machte deren jeden Tag neue, da seine Leidenschaften wieder in der gleichen Stärke wie früher erwachten er hatte keine Charakterfestigkeit und keine Energie, um sich dem Ruin, der ihm an Leib und Seele drohte, mit kräftiger Hand entgegen zu stemmen. Müde und matt kam er eines Morgens nach einer wild zugebrachten Nacht nach Hause und warf sich schlaftrunken auf ein Sopha, um ein wenig von den Anstatt gungen des nächtlichen Gelages auszuruhen. Auf dem Tische bemerkte er einen Brief er kannte die Handschrift nur zu gut. eZ war ein Gläubiger, der ihn schon zu wiederholten Malen gedroht hatte. Unwillig rieb er ihn aus er enthielt die Anzeige, daß die Polizei ihn innerhalb 48 Stunden verhaften würde, wenn er nicht bis zum Morgen des folgenden Tages seinen .Verpflichtungen nachgekom men sein würd?. Fatal, fatal !" rief er erschrocken aus. Daß es so weit kommen würde, hatte er nicht geglaubt. Er starrte nachdenklich vor sich hin. Sein Blick siel zufällig auf die Pistolen, die über seinem Bette hin gen. Ein wilder, furchtbarer Gedanke durchzuckte ihn. Soll ich . . . murmelte er vor sich hin. Er wagte nicht, den Satz zu vollen den. Nein, nein," fuhr er mit sich selbst re dcnd fort, ich kann nicht, ich kann nicht diese furchtbare Todesangst nein, - es
ist zu entsetzlich um Alles in der Welt nicht zum zweiten Male " Er dachte wieder wie früher an die Möglichkeit, daß der Schuß fehlgehen würde .. . Schrecklich, schrecklich," murmelte er, wenn es mir nicht gelänge dann würde Alles an den Tag kommen Sauvestry würde Alles bls in's Kleinste ersah-! ren er würde mich zum Gefangenen machen mich meinem Schicksale überlaffen " Rathlos wälzte er sich hin und her. Die abenteuerlichsten Gedanken durchkreuzten sein Gehirn, einer unsinniger wie der an dere. Der Kopf brannte ihm, es war ihm so heiß, daß er hastig das Fenster aufriß um Luft'zu schöpfen. Zufällig bog ein Polizeibeamter um die Ecke bis zum Tode erschrocken stürzte er, nach seinen Pistolen greifend, in's Zimmer zurück, in dem Glauben, es sei der Polizeibeamte, der ihn verhasten sollte. Er kam freilich nicht. Widerwillig warf er die Pistolen auf den Tisch. Ein neuer Gedanke tauchte ihm auf. Er wollte an seinen Oheim schreiben, ihm Alles offenbaren, ihn in den demü' thigsten Ausdrücken um Verzeihung und um Geld bitten, seine Schulden zu bezahlen. Dann ließ der Graf den Plan wieder fallen. Der Oheim wird mir gar nicht antWorten," dachte Hcctor,' oder höchstens, daß er von mir nichts mehr wissen will. Es bleibt mir nichts übrig, als mich in aller Stille zu entfernen und spurlos zu verschwinden." Widerwillig warf er die Feder weg. Es war unterdessen gegen 10 Uh? Morgens geworden. Die Sonne schien draußen so freundlich, die Luft war so herrlich, daß die Straßen mit Luftwandelnden be deckt waren. Der Graf ordnete seine Toilette, er fühlte das Bedürfniß, draußen in der fri schen freien Luft seine Gedanken ein wenig zu sammeln und weitere Pläne zu ersinnen. Planlos schweifte er durch die Straßen unwilllü'lich kam ihm der verhängniß volle Tag, den er vor zwei Jahren erlebt, wieder in den Sinn. Er war bis zu dem Bahnhof derjenigen Eisenbahn gekommen, die er bei seinen Besuchen auf Schloß Belleflcur zu benutzen pflegte. Er sah aus die Uhr, cs war nur noch eine Viertelstunde bis zur Abfahrt des nächsten Zuges. Im Wartesaal mischte er sich unter die harrende Menge und musterte, nur um die Zeit auszufüllen, die Bilder der französi schen Regenten, die an den Wänden her umhingen. So sehr war er in derBetrachtung dieser alterthümlichen Bilder verliest, daß er nicht bemerkte, wie ein junger Mann von anscheinend einigen 20 Jahren der still in einer Ecke saß, ihn unausgesetzt beobach tete. Sein schwarzer Anzug, der nur hier und da etwas abgetragen zu sein schien, ließ das bleiche, eckige Gesicht mit den stark hervortretenden Backenknochen noch um so schärser hervortreten einen guten Eindruck machte der junge Mann nicht, im Gegentheil, wer ihn zum ersten Male gesehen hätte, wäre unwillkürlich unange nehm berührt, ja abgestoßen worden. Die eingefallenen, hohlen Wangen und die tiefen Runzeln, die seine noch jugendliche Stirn durchfurchten, legten die Vermu thung nahe, daß er das Leben schon früh allzusehr genoffen haben der stechende, lauernde Blick seiner Augen deuteten auf einen nichts weniger als liebenswürdigen Choracter hin. Er beobachtete den Grasen fortwährend, während er ihn zugleich vom Kopfe bis zur Fußsohle aufmerksam zu mustern schien. Der Zug war unterdeß zur Abfahrt bereit, die Thüren wurden aufgeriffen und das Publikum ergoß sich auf die Perrons. Graf Tremorel hatte sich rasch und unbe merkt eineh Platz ausgesucht wiederum folgte ihm der junge Mann, der ihn soeben so aufmerksam beobachtet hatte, in dasselbe Coupee nach und nahm, nachdem er höflichst gegrüßt hatte, ihm gegenüber Plaß. Der Zug fuhr ab. Der junge Mann bat den Grafen um etwas Feuer für seine Cigarre und dankte höflichst für das Dargereichte. .Ich habe ohne Zweifel," unterbrach er das Stillschweigen, während er die Rauch wölken seiner Havanna zum Fenster hin ausblies, die Ehre, mit dem Herrn Grafen de Tremorel zu sprechen V
Graf Tremorel wurde bleich wie der! Kalk, er glaubte in den Boden sinken zu müssen. Paris wimmelte wie viele andere Hauptstädte des Contineyts von geheimen Polizisten der Graf glaubte im ersten Schrecken sich einem solchen gegenüber zu befinden. Ich weiß nicht," antwortete Tremorel ausweichend nach einigem Besinnen, welche Bedeutung ich dieser Frage beile gen soll. Ueberhaupt pfl ge ich einem Unbekannten gegenüber so leicht nicht irgend welche Auskunft über meine Persön lichkeit zu geben." Statt aller Antwort zog der june Mann aus einem eleganten Portefeuille eine feine Visitenkarte hervor und reichte sie dem Grafen hin. .Edmond Rebonlot, Candidat der Pharmacie, Orzival.nicht wahr?- antwartete der Graf erstaunt, zu ihm hinüber blickend. So ist es ich habe die Ehre !" ant wortete sein vis-a-vis mit verbindlichem Lächeln. Ich kann mich nicht entsinnen " Möglich ja wahrscheinlich," entgeg nete nickend der junge Mann. Und doch haben wir schon öfters Gelegenheit gehabt, uns zu sehen das heißt," setzte er sich verbessernd hinzu, ich habe bereits das Vergnügen gehabt, Ew. Gnaden mehr als einmal kennen zu lernen, allerdings nur aus der Ferne, wenn man so sagen soll" Und wo wäre dies gewesen? frug Graf Tremorel hastig. Oft gingen Ew. Gnaden mit Ihrem Herrn Oheim in der Umgegend von Orzival durch die herrlichen Wiesen und Büsche spazieren unsereWege kreuzten sich nicht selten; meine Stellung und mein Amt führt mich oft ins Freie allerdings auch mit allerlei Leuten in Berührung " setzte er etwas malitiös lächelnd hinzu, mit seinen kleinen Augen den Grafen anblinzelnd. Tremorel sah, daß er erkannt war er mußte gute Miene zum bösen Spiel rnachen. Sie scheinen sich sehr für fremdePersön. lichkeitcn,. die mit Ihnen in keiner Beziehung stehen, zu intercssiren ?" warf der Graf mit bedeutungsvollem Lächeln hin. Bitte sehr um Entschuldigung," ant' gegnete Rebonlot, indem er sich bemühte, die Beleidigung hinunterzuschlucken, es ist mehr als eitle Neugier, das mich veran laßt,' das Versahren einzuschlagen, was ich beliebt habe." Wirklich?- frug der Graf verächtlich. Daß Sie dies bezweifeln", fuhr Re bonlot, ohne sich aus der Fassung bringen zu laffen, fort, es ist mir sehr erklärlich ju es kann kaum anders sein ; und doch sage ich Ihnen, daß es mehr als Neugier ist, das mich zu diesen etwas eingehenden Fragen veranlaßt hat." Sie machen mich wirklich sehr neugierig!" sagte der Graf noch immer mit einem leisen Anflug von Spott. Ehe ich Ihnen Weiteres mittheile, gestatten Sie mir die eine Frage : Si: ge denken, so viel ich vermuthe, heute Ihren Herrn Oheim zu besuchen V . Ich weiß nicht, wie Sie zu dieser Frage kommen " Hie Vermuthung liegt nahe, daß Sie auch heute Ihren Herrn Oheim zu besu chen gedenken " Und wenn dem so wäre ?" Dann hätte ich eine Nachricht sür Sie, die Sie jedensalls sehr intereffiren würde." Nun?" frug der Graf gespannt. Herr Sauvestry, Ihr Oheim," entgegnete Rebonlot langsam und jedes Wort betonend, ist schwer erkrankt'" Nicht möglich !" ries der Graf erschro. cken aus. ' Und doch ist es so er soll seh? schlimm erkrankt sein. Und ich weiß nichts davon !" Vielleicht wollte man Sie nicht eher benachrichtigen, als bis die Gefahr aus's Höchste gestiegen sein würde vielleicht würden Sie eine Nachricht vorsinden,wenn Sie heute noch zurückkehren würden was Sie freilich jetzt, denke ich, nicht so bald thun werden . . . Erst gestern Abend nämlich ist sein Zustand schlimmer geworden." Dann werde ich meinen Oheim gleich besuchen müssen," antwortete Gras Tre morel, den diese Nachricht wie ein Donnerschlag traf . . . Wir werden gleich an Ort und Stelle sein." Der junge Mann schien nachzusinnen. . Erlauben Sie", . sagte er nach einer längeren Pause, während der Train in den Bahnhof einlief, in deffen Nähe Orziväl
lag ; einen kleinen Umstand hätte ich fast vergessen." Bei meiner Abreise nach Paris," fuhr Rebonlot fort, hörte ich zufällig, daß der strengste Befehl gegeben worden sei, Niemanden zu Herrn Sauvestry, Ihrem Oheim, vorzulassen; sein Zusta-d sei so bedenklich, daß alle Aufregung durchaus von ihm fern gehalten werden müffe." Ader ich muß . . ." Ich begreife vollkommen Ihr Verlangen", antwortete der junge Mann, indem er mit dem Grafenden Zug verheß und auf das Bahnhofgebäude zutrat, Ihren Herrn Oheim zu sehen und zu sprechen; indeß würde ich an Ihrer Stelle den Wünschen seiner Umgebung nachkommen Sie haben ja auch immerhin einiges In teresse dabei, daß das Leben Ihres Oheimerhalten bleibt." Der junge Mann wußte offenbar mehr von dem Leben des Grasen und seinem Verhältniß zu Sauvestry. Tremorel war indeß zu sehr in seine Gedanken vertiest, um diese Anspielung zu bemerken. Aber wo . . ." stotterte der Graf. Ich verstehe," entgegnete lächelnd Rebonlot, Sie werden unter diesen Umständen in Verlegenheit sein . . . Nach Paris zurückkehren, wird Ihnen jetzt gewiß nicht in den Sinn kommen . . . vielleicht darf ich Sie in meine Wohnung . . ." Sie schritten auf das Dorf zu das Schloß ragte zu ihrer Linken aus den Bäumen hervor. Graf Tremorel sandte einen wehmüthigen Blick hinüber. Eine solche Verwickelung der Umstände hatte er nicht erwartet. Er befand sich allerdings in einer üblen Lage. Nach Paris zurücklehren mochte er schon aus bem einfachen Grunde nicht, weil man ihn jedenfalls überall gesucht hätte er kannte die vortreffliche Organisation der Pariser Polizei zu gut, um nicht zu wissen, daß man ihn alsbald verhaftet und dann hinter Schloß und Riegel gebracht haben würde. Außerdem war es ganz natürlich, daß er die Krankheit Sauvestrrs möglichst aus der Nähe beob achten wollte war er doch nächst der Gattin seines Oheims diejenige Person, die an dem günstigen oder ungünstigen Ausgange seiner Krankheit das meiste In teresse haben mußte. Am liebsten yätte er freilich gleich aufs Schloß eilen mögen schon deshalb, weil er keinen Heller mehr sein eigen nennen konnte; indeß hatte er auch keinen Grund, die Mittheilung Rebonlot's zu bezweifeln. Ich bin Ihnen sehr dankbar sür Ihr Anerbieten," sagte er nach einigem Besin nen zu Rebonlot. Indeß darf ich Ihre Güte nur ein paar Tage in Anspruch eh men." Hoffentlich wird die Krankheit Ihres Herrn Oheims bald einen so günstigen Verlauf nehmen, daß es Ihnen möglich sein wird, an sei.i Krankenlager zu eilen . . ." Herzlichen Dank sür Ihre Theilnahme an dem Unglück, das mich betroffen," erwiderte der Graf, sich leicht verneigend, Uebrigens " Darf ichSie bitten, einzutreten?" sagte Rebonlot, als sie an einem einfachen, aber einen Anstrich von Eleganz darbietenden Häuschen am Ende des Dorfes angelangt waren. Das Diner war bald servirt. Es thut mir außerordentlich leid, daß meine Verhältnisse mir nicht erlauben " meinte Rebonlot. O, bitte recht sehr," antwortete Graf Tremorel, Sie sind zu bescheiden." Nachdem das Diner beendet war, ließ Rebonlot eine Tasse Kaffee bringen und präsentirte seinem Gaste eine seine Ha vanna. Sie plauderten zugleich über Ein und das Andere. Natürlich bildete die Krank heit Sauvestry's den Hauptgegenstand der Verhandlung. Falls Sauvestry stürbe," meinte Nebonlot mit vielsagendem Lächeln, würde dies für Sie sehr vortheilhaft sein . . ." Tremorel blickte zu seinem vis-a-vis auf. Er wußte sich eine solche Behaup tung denn doch in keiner Weise zu erklären. Sie sprechen in Räthseln, wenigstens für mich ; darf ich um nähere Aufklärung bitten V Ich meine dies ist selbstverständlich.". Ich verstehe in der That nicht übri-1 gens bin ich der Meinung, daß mir der Tod meines Oheims so unverwünscht kommen würde, wie irgend etwas... Er bildet meine einzige Stütze mein Vermögen ist nicht übermäßig groß . . ." Der Gras suchte nach Worten, um sei-
nen Ruin so gut als möglich zu verhüllen. Dem schlauen Apothergehilfe entgir.g dies nicht. Sie haben selbst," antwortete er, dieK heikle Thema, ohne es zu wollen, zur Sprache gebracht, ich bin ganz der ent gegengesetzten Meinung. Der Tod Sauvestry's kann nnr von großem Vortheil sür Sie sein." Er blickte bei diesen Worten nach einer eleganten Etagere hmüber, auf der einige Fläschchen standen, welche die Ausschrift trugen Gist." War es Zusall oder Berechnung? Gras Tremorel beachtete diesen Blick nicht. Ihr Herr Oheim," entgegnete Rebonlot Mlt schlauem Lächeln, gilt als sehr reich ... ich habe von ganz fabelhaften Summen munkeln hören. Unsereiner kommt mit vielen Menschen zusammen und vernimmt so schon Manches, was An deren verborgen bleibt . . . Meine Ueber zeugung steht auch fest, daß diese Gerüchte, wenn auch etwas übertrieben, so doch im Weftntlichen'auf Wahrheit beruhen." So viel ich w.iß. ist mein Oheim aller oings sehr reich, er ist nie ein Verschwender gewesen, lebte sehr einfach," ergänzte Tremorel. Ganz richtig," bestätigte Rebonlot, so daß ?ch mich außerordentlich glücklich schätzen würde,' zu den Erben des Schloßbesitzers von Bellesteur zu gehören . . ." ' Rebonlot beobachtete bei diesen Worten den Grasen Tremorel unausgesetzt, rotU chrr anscheinend ruhig und schweigend vor sich hinblickte, während seine Finger leicht mit den Ländern der Tischdecke spielten. ' Bei den letzten Worten Rebonlots fächelte Gras Tremorel gedankenvoll. Starb Sauvestry, so eröffnete sich ihm eine neue Aussicht. Allerdings war es nicht unmöglich, daß Sauvestry seiner Gattin für deit Fall seines Ablebens sein ganzes Vermögen testiren würde, aber mit höchster Wahrscheinlichkeit durfte er annehmen, daß sein Oheim auch ihn nicht vergessen würde. Ein kleiner Theil des Vermögens spines Oheims bildete für ihn, den armen Schlucker, eine gute Erbschaft. Wenn aber Sauvestry nicht stürbe? dachte er mit Schrecken. Vergebens zerbrach er sich den Kopf mit d'en Gedanken, was dann aus ihm werden würde. Daß. Sauvestry aus die Dauer sein Leben und Treiben unbekannt bleiben würde, war nicht wahrscheinlich, eher war das Gegentheil anzunehmen, und er mußte jeden I Augenblick gewärtigen, daß dies eintreffen würde. Das heißt," antwortete er endlich aus die leise hingeworfene Andeutung Rebon lot's, wenn wir nicht die Haut verkaufen, ehe wir den Bären haben .allerdings ein wenig schicklicher Vergleich." Sie scheinen also nicht zu wissen," hob Rebonlot wieder an, daß Sauvestry ein eine Testament gemacht und in demselben Ihnen eine Summe als Legat hinterlaffen hat, um die Sie mancher Baron beneiden würde ?" Hätte Gras Tremorel ein Blitzschlag getroffen sein Staunen hätte nicht größer sein können, als bei diesen Worten Rebonloi's. Freilich, freilich," entgegnete er nach einer kleinen Pause sinnend, ich erinnere mich jetzt dunkel einiger Anspielungen, welche mir mein Oheim einmal gelegentlich gemacht ich habe dieselben damals nicht beachtet vielleicht auch nicht verstanden. Jetzt wird mir Manches klar. Indeß sind Ihre Behauptungen bezüglich dieses Testaments nicht bloße Vermuthungen verzeihen Sie meinen Zweifel oder gründen dieselben sich auf einer sichern Grundlage?" Daß Sauvestry ein Testament gemacht und daß er in diesem Testamente seinem Neffen Grafen de Tremorel ein bedeuten des Legat hinterlaffen hat. weiß ich aus ganz bestimmter Quelle - so genau, daß gar kein Zweifel möglich ist von Sau vestry selbst." Nicht möglich," rief Tremorel erstaunt aus. lFortsedung folgt.)
In Bern hat am 23. v. M. die Einwohncrgemeinde mit 580 gegen 09 Stimmen den Antrag für einen außerordentlichen Kredit von 13,500 Franken für die Arbeitslosen verworfen. Das ist die Liberalität derBourgeoisie ! Und doch werden die Arbeitslosen dem Stadtiäckel vielleicht theuerer zu stehen kommen, als 13.500 Franken.
