Indiana Tribüne, Volume 3, Number 23, Indianapolis, Marion County, 15 January 1881 — Page 1

Jahrgang 3 Ho. 23

Office : (ScSe Circle u. Meridian-Straße. Lausende No. 127. India,:apokis, Zndiana, Samstag, den 15. Zalluar 1881.

Der Ehrittbaum Aller. i Hoch, hoch über Eichen und Tannen Und hoch über Wald und Flur. Da leuchtet gar herrlich ein Christbaum, Der groß e im Reich der Natur. Das sind die Sonnen und Sterne Und Monde am Firmament ; Wie'S leuchtet und flimmert und funkelt, Wie herrlich da oben es brennt ! Wir steh' vor dem Baum wie die Kinder, Die vor dem Tannenbaum steh', Wir staunen und falten die Hände, Wir wissen nicht, wie e gescheht. Und alle Völker der Erde Sie schau'n zu dem Baume hina. Und allen kündet im Innern Der Seist der Liebe sich an. D'rum wird dieser Baum allen Völkern Ein Christbaum für Leben und Tod, Denn Liebe nur ist ja da große, Da schöne Christusgebot. L. Würkert. Die Lüge von den guten Zeiten. Die guten Zeiten sind angebrochen, die Geschäfte geben wieder flott, die Arbeiter erhalten gute Löhne, kurzum wir leben in einer glücklichenZeit, so versichert wenig stens die maßgebende Presse und das sollte man doch auf Treue und Glauben hinnehmen können. Aber bei alledem muß es einem doch sonderbar erscheinen, dafc Ar beiterausstände wegen zu geringer Löhne tägliche Ereignisse sind, und daß so und so viele Tausende, die gerne arbeiten möch ten, keine Arbeit erhalten können. Zieht man dann noch in Betracht, daß es auch in dem gepriesenen Amerika Leuie gibt, die dazu verurtheilt sind Hungers zu sterben, wie das dieser Tage bei einer alten Frau in Chicago der Fall war, so weiß man wahrlich nicht, was man zu dem Gesasel von den guten Zeiten sagen soll. Wer aber trotzdem den Versicherungen von der Prosperität des Landes immer noch ein williges Ohr leiht, der mache sich gefälligst mit dem nachsolgenden Fall bekannt, und er muß gewiß sehr starke Nerven haben, wenn er auch dadurch nicht umgestimmt

werden kann. In New Albany einer hübschen Stadt' unseres Staates, in welcher es sehr viele fromme und auch sehr reiche Leute gibt, hat dieser Tage eine Frau einem Zwillingspaar dasLeben geschenkt. Der armen Frau und ihrem arbeitslosenGatten mußte dieses Ereigniß als ein Unglück erscheinen, denn die Leute hatten nicht einmal so viel, um den Hunger stillen und den Körper be decken zu können. Als Beweis dasür, daß die Verhältnisse dieser Familie durchaus nicht zu düster geschildert sind, mag der Umstand gelten, daß der Vater, als er des Abends von seiner Wanderung nach einer Anstellung als Arbeiter erfolglos nach Hause kam, seine beiden Neugeborenen in den Armen seiner Frau erfroren antraf. Wie man da von guten Zeiten sprechen kann, wenn dem kaum Geborenen schon zugerufen wird, kehre um. wir haben nicht die Mittel dich zu erhalten,- ist uns unbe greiflich. Allerdings mag man dagegen einloen' den, daß ja auch Tausende Paläste bewoh nen, in seidenen Betten schlafen und die feinsten Delikatessen verzehren, aber daS ist es ja gerade, daß der größere Theil der Menschheit auf Kosten der Minorität der selben, ein erbärmliches Leben führen muß. So lange Fälle, wie die obenangeführ ten möglich sind, braucht ein Land mit fei ner zunehmenden Prosperität nicht allzu sehr zu prablen. Eine natürliche Folge. Mit einer gewissen Berechtigung wurde daS Jahr 1380 ein Unglücksjahr genannt. denn eö verging während desselben woh kaum ein Tag, an welchem die Tagespreise nicht ein großes Unglück zu berichten hatte. Dampferunglücke gehörten im vorigen Jahre nicht zu den Seltenheiten, Eisen dabnunglücke waren tägliche Ereignisse, Nachrichten von Erploflonen m Bergwer

ken waren durchaus nichts Ausfallendes und dazu schienen sich auch noch die Elemente der Natur verschworen zu haben, denn zur Mittheilung von Erdbeben und Ueberschwemmungen gab er leider gar häusig Gelegenheit. . Bei all diesen Un glückssällen fielen natürlich immer so und so viele Menschen zum Opfer und Haupt Ursache der meisten unglücklichen Ereig nisie war in dez Regel der namenlose Leichtsinn, mit welchem heutzutage mit Menschenleben umgegangen wird. Da auch in, den meisten Fällen die Untersu chung eine Bestrafung derjenigen, welche, Menschenleben in leichlsinnigerWeise aus's Spiel zen, nicht zur Folge hatte, so ist es nur zu begreiflich, daß sich auch das neue Jahr, das Jahr 1881 nicht bester an läßt, als das vorige, und daß wir, trotzdem wir noch an der Schwelle desielben stehen, schon eine recht ansehnliche Zahl von Un glücksfällen zu verzeichnen haben. ZumBe' weis dafür wollen wir nur die Reihe ver hangnißvollerKatastrophen aufzählen, welche sich kürzlich in dem Zeitraum von 2i Stunden ereigneten : Explosion in Newark, die mit dem 93er lust von vier Menschenleben verknüpft ist. .. In einer New Porker Brauerei verbrennen vier Menschen. 'Eisenbahnzusammenstoß bei Chester,Pa., ein Mann todt, zwei Andere schwer ver wundet Brand des Armenhauses bei Dover, N. H., 13 Leute verbrannt. Eisenbahnentgleisung bei Newport, Vt., eine Fraa gelödtet und mehrere Personen verwundet... ; Kesselexplosion in Allentown, Pa., neun Personen getödtet, drei lebensgefährlich verwundet. , Der Zusammenstoß des englischenDampfers .Harelda" und des spanischen Kämpfers Leon" in der Nähe von Cap Roca wird gemeldet. Beide Dampfer gesunken ; gegen 45 Personen verunglückt. Das Schiff Jndian Chief" geht an der Themsemündung unter ; 18 Personen er tranken. Ein großer Dampser, Name unbekannt.

strandet an den Goodwin Sands, an der englischen Küste und geht mit allen an Bord befindlichen Personen unter. Der englische Dampser Wallace rennt im Eanal mit einem unbekannten Dampser zusammen. Wahrscheinlicher Verlust von Menschenleben. Bei einem Schiffs-Zusammenstoß in der Nähe der Scilly-Jnseln geht die franzö sische Barke Privateer unter. Die Mann schast gerettet. Die Barke Josie Marshall" und der Schooner Loretto Fish" scheiterten an der Küste von Long Island ; der Schooner Anon Simpson" an der Küste von New Jersey. Dammbruch am Dundee Canal ; Hun derte von Personen für einige Zeit arbeitS los. DaS ist eme recht verhängnißvolle Liste wenn man oeoenu, oan vier viele zu Grunde gegangene Menschenleben aufge zeichnet sind, und das Alles in einem so kurzen Zeitraum. Erwägt man serner. daß auch hier größtentheils Leichtsinn und Fahrlässigkeit als Ursache angeführt wer den muß, so gelangt man zu der Ueber zeugung, daß so lange diesem leichtstnni gen Getriebe nicht durch scharfe Gesetze Schranken gesetzt wird,wiederholt vorkam mende Unglücksfälle wie die oben angege denen, nur eine natürliche Folge unserer lückenhaften Gesetze sind. 5luS der deutschen VerfolgungSstatistik verdient der nachstehende Fall, den wir nach der Freiheit" wiedergeben, besondere Beachtung : Ein durchaus unbescholtener Aachener Bürger, NamenS Schütt, erhielt in der Mitte v. I. einige Züricher Flug blätter mit dem Titel Ungeziefertod Er gab davon, ohne den Inhalt zu kennen. 2 Exemplare an seinen College in der Ja brik. Der eine nun, ein wahrer Gottes gläubiger, ward besorgt um Staat und . t .ii. ..!(! . Teengieü uno yane niqis mgere zu

thun, als sein Blättchen chem dortigen

Commissär Reitzog zu übermachen. Die Folge war natürlich eine Haussuchung,und Schütt, nichts Böses ahnend, übergab den Rest, vom Ungeziesertod", Welchen er noch in der Tasche hatte, unaufgefordert dem Commissär. Darauf wurde Schütt wie ein Schlachtvieh an Händen und Füßen gefesielt, noch am selbjgen Tage nach dem Hauptgesängniß geschleppt. Hiernach ver ginge Wochen um Wochen, ohne daß von Schütt eine Kundein die Oeffentlichkeit drang. Eine Menge ZeuLfN, welche der Sache ganz fremd waren, wurden vor den Untersuchungsrichter geladen. Endlich nach .Verlauf eines Vierteljahres,, hörte man von der bevorstehenden Gerichtsverhand' lung. Hunderte von Arbeitern strömten nach dem Gerichtshof, doch umsonst, die Sache wurde, wie das gewöhnlich in sol chen Fällen geschieht, - hinter geschlosienen Thüren verhandelt, nur Scöütt's Frau, welche schon seit Jahren, an beiden Füßen gelähmt, das Zimmer hütei, wurde mit roher Gewalt in einen Wagen geworfen und zum Sitzungssaal gezerrt. Man wollte Schütt durch ' die Gegenwart und den Jammer seiner; Frau zu einem Ge ständniß zwingen. Doch hier zeigte sich die Größe eines echten Genossen. Schütt hörte die Besprechungen der Richter, sah die Verzeiflung'und den Jammer seiner unglücklichen kranken Frau dachte an seine hungernde Sjähri'ge Tochter, und Hut ab vor diesem Manne ! wußte nichts zu sagen. Einige Tage später wurde Schütt als schwer Verwundeter in'Freiheit gesetzt. Freunden, welche ihn besuchten zeigte er sechs schwere Kopfwunden. Sein ganzer Körper war braun und gelb. Man hatte ihm zuerst die Nahrung entzogen, um ihn zum Verrath an seine Genyssen zu zwin gen. Als dieses Mittels schlug, hat - M p - .rv . . 1 . man ' ihn in roher Heukerslust 5 steinerne Treppen hinunter geworfen.' Einige Tage später wurde Schütt wahnsinnig und Ende Dezember wurde bekannt, daß man ihn als unheilbar der Anstalt in Düren übergeben. Seine Flau mußte das städtische Kranken haus aufnehmen und sein kleines Töchterchen beweint seine Eltern im Waisen haus. .. EtwaS weniger grauenhast, für daS freiheitliche Rechtsgefühl aber immerhin verletzend genug, ist dee ' nachstehende, auS Köln gemeldete Fall :l?ei einem dortigen Mitgliede der sozialdtmokratischen Part 5ar eine Reihe von Haussuchungen nach verbotenen sozialdemkratischen Schriften abgehalten worden, welche indeß resul tatloS blieben. Wiederholt war aber auch der Betreffende von einem Schutzmann bei ' Begegnung auf der Straße genöthigt worden, zu dem näch sten Polizeikommisariat bezw. zum Poli zeipräsidium zu folgen, wo eine Durch suchung seiner Person nach sozialdemokra tischen Schriften stattfand ; in zwei Fällen wohnte nicht einmal ein Polizeikomiffär der Untersuchung bei, und konnte der be treffende Schutzmann sich nicht darüber ausweisen, daß die Durchsuchung auf die Anordnung eines biezuberechtigten Beam ten stattfinde. Auf eine an die königliche Regierung gerichtet Beschwerde, in wel cher die Momente hervorgehoben und ins besondere betont wu'de, daß in allen Fäl len irgend welche bestimmte Thatsachen oder bestimmte Verbachtsgründe nicht vor gelegen hatten, welche die Durchsuchung rechtfertigen würde, zwar anerkannt. daß die von einen; Schutzmann in Ab Wesenheit eines VölizeikommisärS vorge nommene Dursuöuna ungehörig gewesen sei, im Uebrigen aber die Beschwerde für nicht begründet erklärt, da der Betreffende nach dem Bericht der oltzeidtwtum ver dächtig gewesen sei, mit der Verbreitung sozialdemokratischer Schriften sich zu be fasten und demnach' gemäß 102 der '.' m m . I . r w. tzslrasprozekoronung - eme )urcy,ua,ung der Person habe vorgenommen werden 'rn . !fi f ii V!- .tf.f..l. CTl - rönnen. 5vas rirzonni oie ao?o!uie aelkreibeit. r i Nach der Mittheilung eine Berliner nrw. , . . f f f .. a . .t. -u VlUlles m es vlsoer zwo s uusqtraicjcncn r-i ... . . . f.v. . " . . geilattl woroen, leeer naq Vernn zu rückzukebren. weil stö bei ihnen daS gäh rende Drachengift" uieder in die .Milch frommer Denkunuim zuruagevanvel hatte. Ein fchönett Putzend !

Freidenkerverein. Soc.Turnverein.

Turnhatte Sonntag, 16 Jan. 1SS1, Abends 8 Nhr. Aortrag desKerrn ßarkVingpank. Thema : Wie und was soll man lesen. Zutiitt frei für Jedermann. Iekevr As8ignmcnt;. Unterzeichnrter Assianee möchte die Schuldner der Herren Lefevre DroS. darauf aufmerksam machen, daß die Ausstände dieser Firma sobald als möglich eingezahlt w rden müssen, indem er vom Gerichtshof bcanftragt worden ist, die An geleaenheiten der Betreffenden sobald a!ö mögick aozun'iacln. Der Rest de Wa. renvcrraths, sowie da Ee. chäftlokal des AssiAnee ist betlegt worden, nach No. 14 Brandon Block, Südwest'Ecke der Telavare & Washington, (im zweitm Stockwerk). E. I. Mctzger, Assignee. Großer Judpls Soc. Turnvereins in der UssunereKor llalle. Montag, 24. Januar 1881. Eintrittspreis : Her? u. Dame $1.00. Jede weitere Dame 50 Cte Mitglieder die Hälfte. Gallerie 25 Cents. Ticket sind ,u baien bei Joe Karle. 93 Ost Washington, Clemens Vonnegut 184 Ost Wash. , t. W M r w i ' 'Nglon uno viu me Park Hotel. DaS Comite. Geörüöer Frenzel. Deutsches Passage-Wcchsclgcschäft Ecke Washington Straße und Virginia. Avenue. ('ance Block.) Europäisches Expreß - Departement, Packete, enthaltend ffeiertagsgeschenke jeder Art, Schucksachen, .Bonds" und Werthpapiere werden an irgend eine Adresse in Europa zu den niedrigsten Preisen versandt. Neue Deutsche Apotheke von Joseph Barthels, Südost Ecke von Noble und Bateö Str. Telexhsnverbindung mit sämmtlichen Aerzten der Stadt. ES Recepte erden bei Tag und Nacht ssrgfältig angefertigt. Adeztj. Zu verkaufen. lt$uX und kleine, in igrend einem Theile der Stadt. Bedingungen annehmbar. C. A. Wilder, Agent. $2 Ost Market Str. Verlag dsn Franz Ooldhansen in Leipzig. I einem Verlage ift soden erschienen und durch all Buchhandlungen, sowie gegen Ewsendung dBe trage dtrett zu bejiehen: Stefan vom Grillenhos. Noman in zwei Theilen 1 V0N LA. Kautöky. Prei ßroch. d k., eleg. geö. Ok. L.50. KJ diesem Vortreffliche an, der kki seine ersten Erscheinen gerade, Sensation erregte, ird ein nevekRnternehmsn: Neue Oe!tr7ovellen" begonnen, da sicherlich in den weitesten reisen mit veifall ausgenommen erden ird. Die vorzüglichsten Romane und Novellen, elche in e teliebten, nun wehr im 6. Jahrgang erscheinenden Familtendlatt.Dtt Neu Oelt' ,um Lbdruck gekomme, erden in Hand liche Format und geschmackvoller Oukstattung dem vubttkum ßktcten und find so als ein bet jeder GtU Jenseit xassendet Geschenk aufg Oefte zu empfehlen. :,

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1. 6. .1'68 & C0. begannen ihren Jahres Verkauf

von Muslin - Nntcrklcidcm für Damen am Dollllkrstag,6.Janllar'81 Morgens. Sie offeriren die größten Vortheile in diesen Waaren, von denen man jeruals gehört hat. Ueber $7000 werth zum halben Preise gekauft. Keine Dame kann die Baumwolle so billig kaufen, wie viele der Gewänder verkaust werden. Hemden, Nachtkleider, Drawcrs, SkirtS u. f. w. zu 29c, 49, 66c, 77, 99c und $1.29. Ferner feinere Gewänder, die mit der Hand gearbeitet sind, völlig so billig. D!t Damen sollten nicht versäumen, diese Bar gains zeitig zu sehen. Donnerstag, 6. Januar 1881. L. 8. ATRES & C0. sööMösMPoöVö der Stadt Hamburg. lDeutschland) Hauptgewinn 400,000 2Jtar? KöniglTSWsischc 1 S13, i S7, i S3.S0, z 81.78. Hcrzogl. BranuschlvcigLüncliurgcr 1 88 00,. 4 00, 2 00, i 100 Autkunst gerne frei ertheilt. Albert Bebrendt. 122 Süd Illinois Stk. Doöt.ÄMtrMe. Notiz an (&ntm$ömen Post-Ossicc Departement. Washington, D. C., 1. Dec. 1880. Angebote werden entgegengenommen in der Contrakt-Office diese Departements bis zum 18. Januar 1881, 3 Ubr Nachmittags, für die Beförderung der Postsachen der Ver. Staaten auf der Noute No. von Ost St. Louis, Illinois, bis zum Union Depot, St LouiSlim Staate Missouri, dom 25. Januar 1881 oder 1. April 1881 bis zum 30. Juni 1883. Advertisement mit Listen don Ankunft und Abgang, Instruktionen an Bieter mit den nöthigen Formularen für Contrakte und Bond und alle anderen nöthigen Formulare werden auf Verlangen vom zweiten Assiftant-General-Post-meifter geliefert und ertheilt. Horace Maynard, General-Postmeister. n may be sorrnd oa 11 slle at Geo. P. lU II TiOVTEL.lt & CO0 Kewspaper Advertlalng Bureau 10 8proc9 Btrceu.wneroaaver-p7fi IfT!nr7 kääUUu WülL