Indiana Tribüne, Volume 3, Number 20, Indianapolis, Marion County, 25 December 1880 — Page 6
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Jndina Tribüne.
Entlarvt.
Criminal'Nodelle Von Wilhelm Mundt. (Fortsetzung.) .Und welch.-rMann dürfte sich erkühnen, in dem Schlafzimmer einer Frau auf und abzugehen als ihr Gatte, und weiter wiederum, wer dürfte es wagen, sich ihr zu nähern, wenn sie dasitzt, ohne daß sie sich umwendet?Ganz richtig," murmelte der Friedens richter. DU Gräfin war also todt fuhr der Agent fort. .Endlich hatte er sich derjeni gen Frau entleöigt, welche die seinige war. die er ginugsam gehaßt hatte, um sich zu einem jchändlichen Verblichen zu entschlie fcen, um sich entschließen zu können, seirn glückliche, glanzvolle und beneidenswerlhi Erstell z mit dem Leben eines heimathsund vaterlandlosen Verbrechers zu tur tauschen, der ohne Freunde und ohnr Theilnahme von allen Gesetzen der ganzen Welt unö von jedem Polizeibeamten wic ein gesährliches Wild verfolgt wird. Seln zweiter Gcdanke war jener Brief, jenes Papier, jenes Aktenstück, oder was es immer gewesen sein mag, das er im Hause vermuthet, und das für ihn eine große Bedeutung haben mußte .Jcdensalls war diis einer der Beweggründe zum Morde," schaltete der Frie densrichter ein. Der Graf glaubte fuhr der Agent fort, .die Papier sogleich zu finden. Er täuschte sich. Er durchsuchte Üt Möbel und findet nichts. Er durchwühlt die Schubladen, er hebt die Marmorsteine aus er wühlt Alles durcheinander vergebens. Da kommt ihm ein Gedanke. Sollte jenes Dokument sich nicht unter dem 5ka mingesimse dchnden? Nasch entschlossen hebt er das Gesimse weg dadurch fallt die Pendule zu Boden und bleibt stehen. Es ist noch nichl zehn und ein halb ilhr. Unter demKaminsims findet er es eben so wenig wie anders wo. Wo mag dies ver hängnivolle Papier, das für ihn so lostbar ist, nur sein? denkt er. Sein Zorn wächst mit jedem Augenblick. Er denkt an die Schubfächer aber wie sie aujjchließen? Die Schlüssel, die auf dem Teppich lagen, bemerkt er nicht er steht sich nach einem Instrument um, mittelst dessen er sie zertrümmern konnte. Er eilt herunter, ein solches zu suchen. Eilends kommt er zurück, mit der Axt bewasjnet, die wir oben gefunden habenwie ein Wüthender zertrümmert er Alles, um das' Gesuchte zu finden Alles be. scheut und durchsuchte er nichts, immer nichts zu finden. Er eilt in sein eigenes Cabinet um dort das Zerstörungsmerk fortzusetzen sein eigenes Bureau verschont er nicht nicht als ob er es nicht kennte, fondern mögli cherweise könnte ein verborgenes Behältnih sich in demselben befinden er hat es nicht selbst gekauft, es gehörte dem ersten Gatien seiner Frau, Sauvestry. Desgleichen durchsucht er wie wüthend die Brbliothek vielleicht findet sich doch das gewünschte Aktenstück in irgend einem alten Buche, wo Niemand es vermuthet denkt er ein Buch nach dem ändert, schüttelt er in größer Hast und wirst sit mitten ins Zimmer, da er nichts findet. So eilt er wüthend von einem ins andere Zimmer Angst, Schrecken und Has: rauben ihm fast die Besinnung, so dak ei sich nicht die nöthige Ruhe noch Zeit zu seinem Geschäste nimmt. Zehnmal durch wühlt er dieselben Schubsächer, dieselben Möbel alles, alles vergebens. Zuletzt verfällt er uuf den Gedanken, vielleicht könne das Aktenstück in dem Sitze irgend eines Stuhls, eines Fauteuils verborgen sein rasch entschlossen recht er einen Degen von der Wand und zerhackl ohne Ueberlcgung den Belöurs der Stühle und Fauteuils ... Seine Wuth erreicht den höchsten Grad. Er hatte, als er das Verbrechen zu begehen beschloß. Alles wohl überlegt, zuerst seine Frau zu tödten ... aus näheren Gründen . . . hauptsächlich wegen des Aktenstückes . . . fich dieses zu bemächtigen und dann zu fliehen ... Und nun, alle seine Pläne zum größten Theil vereitelt, alle feine Hoffnungen vergebens! Denken wir uns dazu den Schrecken und dieAngst,die wohl nothwendig ihn erfasse:, mußte! Tausende Gefahren bedrohten ihn das trat ihm jetzt vor die Seele die er nicht bedacht hatte. Wie leicht konnte noch ein Freund kommen, ihn ge
rade jetzt in dieser Nacht zu besuchen der
Zufall spielt ja oft in tückischer Weise : Was mochte wohl Jemand denken, der zufällig an dem Schlöffe vorbeiging und das hin und her eilende Licht sah ! Und konnte wiederum der tückische Zufall es nicht wollen, daß einer der Bedienten früher zurückkehrte, alö er voraussehen konnte ! Seine Ausregung malt ihm Gefahren und Schreckbilder vor, wie es nun eben nach Vollbringung einer solchen Unthat zu geschehen pflegt. Schon glaubt er ein ganz sonderbares Geräusch zu vernehmen es baucht ihm. als ob Jemand dem Schlosse sich nähere da fährt ihm plötz lich abermals ein wilder Gedanke durch den Kopf ist die Gräfin auch wirklich todt ? Hat er sie auch vollständig gelödtet? Könnte sie nicht etwa blos schwer verwun det sein an's Fenster eilen, um Hilfe rufen ? . . . Unter dem Eindrucke dieser Gedanken eilt er in's Zimmer, nimmt hastig den Dolch und verwundet die Gräfin zu wiederhollen Malen aus's Neue aber seine pand zittert so sehr, daß er ihr nur leichte Wunden beibringt. Sie haben bemerkt, lieber Doktor, daß alle diese Wunden in derselben Richtung laufen, sie bilden mit dem Körper einen rechten Winkel das beweist, daß die Gräfin fchon am Boden lag, als man sie so zeifleischte. Dann hat der Elende im höchsten Grade seiner Wuth die Leiche der armen von ihm gemordeten Frau noch mit Füßen getreten die Absätze seiner Stiefel haben gerade diese Contusionen hervorgebracht, die die Leichenschau ergeben hat . . . Athemlos, ohne die geringste Bewegung zu machen, wie um kein Wort zu verlieren, hatten der Doktor und der Friedensrichter den Ausführungen des Agenten zugehört. Es war nicht mehr die Erzählung eines Drama's nein, der Agent schien voll ständig dasselbe wie aus der Theaterbühne, ja wie in Wirklichkeit auszusühren jenes seiner Worte, verbunden mit lebhaslen Geberden, schien allen Zweisel zu beneh' men. Der Agent schien sich wie ein Künst ler in seine Rolle hineingelebt haben es war, als ob er in Wirklichkeit denScbrecken und die Angst fühle, die Graf Tremorrl, als er sein unseliges Verbrechen aussührte, wirklich peinigten und wie einen Rasenden von einem Zimmer in's andere trieb. Sie sehen hiermit, fuhr der Agent lebhast fort, den ersten Akt dieses Trauer spiels so darf ich es gewiß nennen. Nicht selten, ja fast immer nach einem Morde ist der Mörder von grenzenlosem Haß gegen sein Opfer erfüllt, und stürzt er sich dann nochmals mit erneuerter Wuth auf die Leiche. Dann folgt in der Reel eine große Niedergeschlagenheit nach ganz natürlich. Nachdem GrasTremorel die Leiche seiner Frau schrecklich verstümmelt hatte, hat er sich höchst wahrscheinlich auf einen der Fauteuils niederfallen lassen, die sich im Zimmer befanden die Falten, die in dem Stoffe eines der S tühle sichtbar sind, deuten darauf hin. Der Graf ruhte einen Augenblick aus während wilde Gedanken sein Hirn durch tteuzlen. Er hat nichts, nichts gesunden, zenkt er sich er muß in der kurzen Zeit, )ie noch bis Tagesanbruch übrig bleibt, üt Maßregeln treffen, die erforderlich sind, um die Untersuchung irre zu führen and den Glauben zu erwecken, auch er sei ermordet worden. Er nimmt jetzt eine Scheere und schneidet sich den schönen,so sorgfältig gepflegten Bart ab Ah " unterbrach der Friedensrichter, deshalb also betrachteten Sie so ausmerk sam das Porträt des Grafen V Der Agent war zu sehr mit seinem Roman", wie er diese Geschichte nannte, beschäftigt, um auf diesen Ausruf zu achten. Es gibt fuhr er fort, gerade solche ganz gewöhnliche Details, die eben durch ihre Alltäglichkeit schrecklich werden ; so bald sie mit anderen bestimmten Umstän den verbunden sind. Denken Sie sich, meine Herren, den Grafen, bleich, mit dem Blut seiner Frau bedeckt, wie er vor dem Spiegel steht, und sich rasirt, während drei Schritte von ihm entfernt die noch warme Leiche am Boden liegt . . Wirklich eine ganz außerordentliche Energie des Characters freilich nicht in gutem Sinne . . . Also glauben Sie-, rief der Doktor aus, daß der Graf seine Zeit damit verloren huben soll, sich den Bart zu schee xtnV Ich bin deß ganz sicher", antwortete der I
Agent, positiv", sügte er hinzu, indem er
jede Silbe mit Nachdruck betonte. Eine Serviette, auf der ich eine dieser Spuren eine einzige gefunden habe, die ein Rasirmefser zurückläßt, wenn man es abtrocknet, hat mich auf diesenGedanken gebracht. Ich habe dann sogleich nach einer Büchse mit Rasirmesier gesucht und sie auch gefunden ; eines von denselben war offenbar noch vor sehr kurzer Zeit ge braucht worden denn es war noch feucht. Die Serviette und die Büchse mit den Rasirmessern habe ich selbstredend sorgfäl lig ausgehoben. Daß der Graf sich den Bart abgeschnit ten hat liegt außerordentlich nahe, denn dadurch wurde sein Aussehen so verändert, daß ihn später kaum Jemand wieder erken nen würde. Es blieb ihm jetzt nur noch übrig, durch allerlei Anzeichen künstlich den Glauben zu erwecken, daß auch er ermordet worden sei. Er suchte sich also ein Kleidungsstück Grespin's hervor, riß an der Tasche ein Stück heraus und drückte es seinem Opser in die Hand. Dann packte er den Leichnam auf und schl'ppte ihn die Treppe hinab daher die Blutspuren auf der Treppe. Unten angekommen, mußte er die Leiche einen Augenblick auf den Boden legen, um die Tdür öffiien zu können daher die große Blutlache am Fuße der Treppe Bis jetzt trug er die Leiche am Rande des Rasenplatzes angelangt, schleppte er sie bii den Schultern nehmend, weiter, in dem er fortwährend rückwärts schreitet, um so den Glauben zu erwcckcn, auch seine' Leiche sei fortgeschleppt und in die Seine gemolfen worden. Nur hat er dabei Zweierlei vergesien. Er hat zunächst nicht daran gedacht, daß die Unterkleider der Gräfin das Gras auf ziemlich großen Flächenraum knicken und so seine L.st an den Tag bringen würden. Er hat weiter nicht daran ge dacht, daß sein eleganter Fß, mit seinen Stieseln bekleidet und mit hohen Absätzen versehen, sich in das feuchte Erdreich des Rasenplatzes eindrücken und so einen son nenklaren Beweis ausmachen würden. Davon haben Sie uns nichts gesagt!" rief der Friedensrichter überrascht aus. Freilich", antwortete lächelnd der Agent ich wollte die Herren ein wenig üderraschen Sie werden es mir gewiß nicht übel nehmen Bitte nicht im Mindesten An der anderen Seite des Rasenplatzes also", fuhr der Agent fort, hat der Graf die Leiche wieoer aufgehoben, dann an den Rand des Wassers getragen und dort mit der größten Vorsicht sanst niedergelegt vielleicht fürchtete er sich zu beschmutzen, wenn er dieselbe mit Hestigkeit dahin ge warfen haben würde nun, er hat uns, freilich ohne es zu wissen und zu wollen, unsere Aufgabe fehr erleichtert l" Ganz richtig bemerkte der Friedens richter vor sich hin sinnend. Aber noch mehr", fuhr der Agent fort. In seinem Plane lag es, den Glauben zu erwecken, am Bache habe zwischen dem Mörder und seinem Opfer ein langes Ringen stattgesunden deshalb wühlt er mit seinen Fußspitzen weit und breit den Sand aus sn glaubt er die Polizei täuschen zu können So war es in der That," nickte der Friedensrichter. Jetzt eilt er wieder zum Hause die Zeit drängt und noch Vieles bleibt ihm zu thun übrig daraus, aus dieser seiner Hast und Eile, erklärt es sich, daß er Thor heiten über Thorheiten begeht insofern er Manches thut, was mit seinem Plane schnurstracks in Widerspruch steht. Er nimmt also seinen Pantoffel und einen Foulard, die er mit Blut befleckt. Seinen Foulard und den einen Pantoffel wirst er auf den Rasen hin den andern schleudert er mitten in die Seine. Die Flaschen, welche er sodann auf den Tisch stellt, sind leer er denkt nicht da ran, daß sein Kammerdiener dies bezeugen wird. Er glaubt Wein in die fünf Gläser zu gießen und gießt Essig hinein ein klarer Beweis dafür, daß Niemand aus denselben getrunken hat. Dann steigt er wieder hinauf rückt den Zeiger der Uhr vorwärts aber zu weit, und vergißt, die Zeiger und das Schlagwerk der Uhr in Uebereinstimmung zu bringen. Er tritt zum Bett hin und bringt es in Unordnung, um den Anschein zu erwecken, als habe Jemand darin geschlafen aber er übersieht dabei, daß es unmöglich ist, drei Dinge mit einander in Einklang zu bringen. Das in Unordnung gebrachte
Bett, die Uhr, welche drei Uhr zwanzig
zeigt, und der Umstand, daß die Gräfin wie am hellen Tage angekleidet ist Der Agent hielt einen Augenblick inne, um Athem zu schöpfen. Dann fuhr er fort: Bis hierbin, meine Herren, ist wohl kein Punkt, der einem erheblichen Zweisel Ihrerseits begegnete V Allerdings nicht", entgegnete der Friedensrichter, aber die Axt, die wir aus der. zweiten Etage gefunden haben V Ganz richtig", antwortete der Agent, ich stand gerade im Begriffe, Ihre Ausmerksamkeit aus diesen scheinbar ünerllärlichen Umstand'zu lenken, der jedoch, glaube ich, nicht so dunkel ist, w e man glauben sollte. Ein Punkt in dieser dunklen Geschichte ist wir verdunken es Ihnen, Herr Frie oensrichter ganz klar und kein Zweisel ist darüber möglich : im Schlosse war ein Papier, ein Aktenstück, ein Brief oder ir gend etwas dergleichen verborgen, das für den Grasen von der größten Bedeutung war. Der Graf wünschte dies Papier aus irgend einem Grunde zu besitzen vielleicht war sein Besitz geradezu eine Roth' wendigkeit für ihn drum mußte er es haben, koste es, was es wolle. Vielleicht war lein Inhalt für den Grasen sehr compromittirend kennten wir seinen Inhalt, so würden wir die vollständigste Erklärung für das Verbrechen besitzen. J-tzt sind wir lediglich ausVermuthungen angewiesen der Zufall wird es uns wohl in die Hände spielen. Der Gras mußte also Alles in Bewe gung setzen ja das Unmögliche versu chen, um in den Besitz dieses Dokumentes zu gelangen war es doch einer der Haupt-Beweggründe zu seiner Unthat. Trotz der vorgerückten Stund.', trotz des anbrechenden Tages eilt er deshalb mit der Axt bewaffnet aus die zweite Etage und sucht dort, was er unten nicht finden konnte. Wie vorhin durchwühlt er alle Schubladen, alle Fächer, alle Möbel vergebens. Soeben steht er im Begriffe, ein Möbel zu zertrümmern vielleicht waren die Schlöffet nicht zur Hand als ein Schrei im Garten sich vernehmen läßt. Er eilt an's Fenster was sieht er ? Die beiden Bertrand stehen am Rande des Baches bei der Leiche. Denken Sie sich, meine Herren, bin Schrecken des Grafen ! Was soll er thun ? Sein Zerstöru-gs. werk fortsetzen? Die Aufmerksamkeit Beider noch mehr erregen ? Das wäre Wahnsinn gewesen ! Die Gefahr wird immer größer, immer drohender ... Es wird allmälig Tag ... es bleibt ihm nichts übrig als zu fliehen . . . keine Secunde hat er mehr zu verlieren ... schon zu lange hat er gewartet. Also schleudert er in der größten Anist mit Gewalt die Axt zu Boden daher die Einschnitte rcfft einige Bündel Banknoten zusammen, stürzt die Treppe hinab und flieht an der entgegengesetzten Seite in'sFrei?, nachdem er noch eben die blutige Weste Grespins in die Seine geworfen Der Agent schwing auch seine beiden Zudörec saßen da, in tiefes Schweigen versunken ganz natürlich, der Agent hatte ihnen ein furchtbares Drama entrollt vorausgesetzt, daß seine Ansichten mehr als Vermuthungen waren. Zwar war Lecoq ein geriebener Polizei Mann aber konnte er sich nicht täuschen ? Vielleicht hatte das Ereigniß so stattgefunden, wie er es entwickelt hatte vielleicht auch nicht wer konnte es wiffen ? Ge wißheit hierüber konnte nur die Zukunft bringen obwohl es nicht zu leugnen war, daß . das System des Agenten Vieles, ja sogar hohe Wahrscheinlichkeit für sich halte . . . Was er erzählt hatte, wie er sich den Verlauf der einzelnen Ereignisse, die das Verbrechen begleiteten, dachte, war so na türlich, daß man es gleichsam mit Händen greifen konnte. Und doch, Gewißheit gaden seine Ausführungen immer nicht, und allerlei Einwände ließen sich leicht gegen dieselben machen. Diese Gedanken schienen denDoktor und den Friedensrichter zu beschäftigen. Endlich brach' der Doktor das Stillschweigen. Ihre Aussührungen", meinte er, zu dem Agenten gewendet, lassen an Deut' lichkcit nichts zu wünschen übrig ; auch ist nicht zu leugnen, daß sie eine hohe Wahr scheinlichkeit besitzen, aber die Rolle, welche Greßpin bei dieser Geschichte spielen soll, ist mir nicht klar geworden Mir.ebenso wenig", antwortete der Agent lebhast. .Frei und offen gestehe ich
es ein, meine Methode, die hauptsächkü
darin besteht, sich eher mit dem Verbreche, zu beschäftigen, als mit dem Verbrechet selbst, hat eine große Schwäche. BeiX dieser Methode sind entweder alle meine X Schlöffe richtig, oder kein einziger, es ist Alles ooer Nichts. Bin ich im Rechte nun, dann hat Grespin am Verbrechen nicht Theil genommen wenigstens nicht unmittelbar denn kein einziger Umstand laßt wiederum meine Schlüsse als wahr vorausgesetzt auf fremde Mitwirkung schlicken. Bin ich nicht un Rechte, dann t äusche ichmich irren ist ja menschlich, selbst für einen Mann von der Polizei . . . Aber ich täusche mich nicht ... ich habe noch zwei andere schwer wiegende.Ver dachtsgründe gegen den Grasen und für meine Ansicht Und diese wären", frug der Friedensrichter neugierig. Ich frug den Kammerdiener des Gra fen. ob cr die Zl.ibl der Fußbelleidungs stücke des Herrn Grafen genau kannte er bejahte es und führte mich in das Zim mer, wo die Schuhe aufbewahrt und ge pukt werden es fehlte ein Paar Stiesel mit Spitzen von grünem russischen Leder, die der Graf - Francois ist deffen ganz sicher am Morgen des Verbrechens angezogen hatte. Diese Stiefel habe ich überall mit der größten Sorgfalt gesucht nirgendwo waren sie zu finden. Sodann war die blaue Halsbinde mit weißen Streifen, welche der Graf am 8. trug, gleichfalls verschwunden In der That auffallend, wirklich aus fallend",' murmelte der Friedensrichter vor sich hin. Fast haben wir Beweise Schon graute der Morgen und allmälig traten die Formen der Bäume aus dem Nebel heraus, der die Nacht über auf der Seine gelagert hatte. Ucbrigens", meinte der Doktor, .dürste es an der Zeit sein, ein wenig Ruhe zu pflegen Ganz Ihrer Meinung", antwortete der Agent lachend, verdient hätten wir die selbe ganz gewiß Also, gute Nacht, meine Herren sagte er dann aufstehend, während der Friedensrichter ein Nachtlicht anzündete. Auch der Doktor hatte sich erhoben und schritt, leicht sich verbeugend, zum Hause hinaus, seiner Wohnung zu, während die beiden anderen Herren ihr Lager aufsu chend. IX. Graf Hector de Tremorel war mit sechs undzwanzig Jahren da vollendete Muster eines Edelmannes, ocffen einzige Beschäftigung darin zu bestehen schien, auf dieser Welt so viel Vergnügen als möglich zu genießen um jeden Preis, koste es, was es wolle. Jung, elegant, im Besitze von einigen Millionen, die ihm sein vor wenigen Iah ren verstorbener Vater hinterlaffen hatte, mit ein:r eisernen Gesundheit ausgerüstet, vergeudete er aus's Tollste Manche be haupteten, in seinem Stande wenig angemessener Weise seine Jugendzeit und sein Vermögen. Durch alle seine Ausschweifungen und l?xttsse der abenteuerlichsten Art hatte er es dahin gebracht, daß er in Paris in kur zer Zeit eine freilich wenig beneidenswerte Berühmtheit geworden war, deren Name in Aller Munde war und von deffen tollen Streichen die Scandalblätter der Haupt. ftadt an der Seine Tag für Tag Neues zu erzählen wußten. Auf den Boulevards, in allen Cafe's, in allen Gesellschaflen sprach man zu jener Zeit fast van nichts Anderem, als den herrlichen Pferden, den prachtvollen Equi pagen, der zahlreichen Dienerschaft und dem aus's luxuriöseste ausgestatteten Hotel des Grafen Hector de Tremorel ja.seine geringstenHandlungen bildeten überall den Gegenstand der Unterhaltung. Eines Abends soupirte cr im Pariser Cafe er wirst das ganze Tafelgeschirr zum Fenster hinaus es kostete ihm die Kleinigkeit von tausend Louis am fol genden Morgen sprach man in ganz Paris von Niemand anderem als dem tollen Grasen Tremorel er hatte feinen Zweck . erreicht. Ein anderes Mal wirst ihm ein Offizier, mit dem er an der Tadle d'hote eines Pa risec Hotels dinirte, einige harmlose Worte an den Kopf Graf Tremorel versteht keinen Spaß und fordert den Offizier am andern Morgen findet das Duell statt und Graf Tremorel geht aus demselben als Sieger hervor vierzehn Tage lang stellten die Pariser Blätter lange Betrach tungen über seinen Heldenmuth an. (Fortsetzung folgt.)
