Indiana Tribüne, Volume 3, Number 19, Indianapolis, Marion County, 18 December 1880 — Page 7
Indien: Tribüne.
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Hungerlöhne.
Aus Nürnberg wird Ende November geschrieben : Die Vertheurung der noth wendigsten Lebensmittel durch die neuen Zölle kommt in einer Eingabe der Arbeiter der hiesigen königl. Centralwerkstatten cn das Staatsministerium zur Sprache, in welcher umLohnerhöhung petitionirt wird. Eine im September vorigen Jahres von der gleichen Stelle aus an den Landtag gerichtete Petition wurde s. Z. von der Kammer demStaatsministcrium zur 5iU'ir digung überwiesen. (Der bekannte Weg. aus welckem sich die Volksvertretungen" salviren. Red. d. Vsztg.") Eine bald daraus eingetretene geringsügige LobnerHSHung wurde von den Petenten nicht als Folge jener Eingabe, wie überhaupt als zu geringfügig angesehen und es ist deshalb jene neue Petition an das Ministe rium gesandt worden. In derselben wird unter Anerkennung der Fürsorge, welche die Staatsregierung durch den Bau von Arbeiterwobnungen an den Tag gelegt habe, (natürlich, immer zahm, sonst gibt es schon gar nichts. Red. d. .Vsztg.") da3 Gesuch um Lohnerhöhung zunächst mit dem Hinweis auf die Niedrigkeit der Löhne (2M. 30 höchstens 2 M. 70) und auf die unerhört hohen Lebensmittelprcise motivirt, und es wird in letzter Beziehung auf die Vertheuerung vonKaffce, Mehl, Petraleum :c. hingewiesen. Ferner wird behauptet, daß die Arbeiter durch dj neue Münzsystem geschädigt seien. 3Ber frü her," so heißt es in diese" Beziehung 1 fl. 30 kr. Taglohn hatte, hat nach der jetzigen Berechnung 15 kr. Veilust. Ein Pfund Fleisch, aus welchem man unter dem abge thanen bayerischen Gewicht 5 bis 6 Theile gemacht hat, reicht jetzt nach dem Zollge wicht blos auf 4 Theile, und der Mann verdient noch verhältnißmäßig wcnigcr, als vor 3 Jahren. In Folge dlssen muß eine Mutter von 3 4 Kindern setzen, daß sie in irgend einem Geschäfte noch etwas verdient, damit doch die Familie nicht völ liz herunterkommt". Schließlich wird auf die Erhöhung der Steuern, der staatlichen, sowohl wie der kommunalen in den letzten Jahren hingewiesen und nach alledkm und nachdem die flammn: durch ihren Ueberwnsungsbeschluß vom vorigen Jahre die Eingabe gebilligt habe, das Ministerium um baldige Erfüllung der vorgetragenen Bitte ersucht. Die Petenten scheinen auf eine Erhöhung von 2030 Prozent zu rechnen, wenigstens wird in dem hiesigen Arbeiterblatt (die von Gen. ft. Gcillenberger geleitete Fränk. Tagpost") eine gerin gere Erhöhung als dock nur wieder ein Schlag in's kalte Wasser" bezeichnet. Hinter die Frage, ob sich diese Hoffnung erfüllen werde, glauben auch wir mit jenem Blatte ein doppeltes Fragezeichen machen zu müsien bemerkt dazu die Fr. Ztg. Wir machen'überhaupt keine Fragezeichen, noch gehl's bei den Arbeitern nicht unmit telbar zum Verhungern, also was wlll man mehr ? t fDet öot) t John Kelly ist übe? Bord geworsen und Tammanys Rückgrat ist gebrochen ! Dies ist die beste Nachricht, welche wir seit Iah' ren vom Stadtrathe zu melden haben, und eine logische Folge des von Kellky und Consorten an ihrer Partei und Hancock begangenen VerrathS. Selten kommt die strafe so rasch nach dem Verbrechen, zu mal einem politischen Verbrechen. Die Republikaner unter Arthur's Leitung haben so geschickt aus die Jrving Hall Demokraten und selbst ein paar Tamma niten im Stadtrathe eingewirkt, dab dieses Ergebniß seit etwa zwei Tagen vorauszu' sehen war. Sie halten zwar seit mehr als einem Jahre aus Kelly's Unterstützung Vortheil gezogen, aber es war sowohl zum Schaden des 'städtischen Interesses ctls zur Schande sür ihre Partei, und des alte lateinische Sprüchwort: Ich liebe den Verrath, aber ich hasse denVerräther"', bewährte sich an ihnen. Damit ist aber nicht blos Tammany, sondern auch die demokratische Partei in der städtischen Verwaltung in's Hintertres' sengekommen. Die Republikaner können ihren Einfluß in der Stadt nur mit Hülse der unabhängigen Stimmgeber bewahren, und diese Hülse können ste nur behalten, so lange sie die städtische Verwaltung ganz von der Nationalpolitik lostrennen, wie es gestern bei den Rorainationen deZ Mayors und deren Bestätigung durch die verbün deten Anti'Tammaniten und Republikaner
geschah.
Für uns ist Kelly's politischer Tod hauptsächlich von dem Standpunkte aus von Bedeutung, daß er den Sturz des Boßthums" bedeutet. Solche auf roher Gewalt, auf Corruption und brutaler Herrfchzucht begründeteAutoritatcn können nur bestehen, so lange sie eine Masse Der wilderter, unaufgeklärter, durch die erbärmlichen wirtbschaftlichen Verhältnis herabgedrückter Volkselennnte hinter sich haben und so lange es ihnen gelingt, diesen gegenüber das Prestige der Unbezminglich-
keit aufrecht zu erhalten. Der 'vturz einer solchcnAutorität bedeutet einen Schritt auf dem Wege der Ausklärung denn ein umgestürzter Götze ist kein Götze mehr! Und je mehr Bosse" der alten Parteien gestürzt werden, desto rascher wird auch der Auflösungsprozlß dieser Parteien vor sich gehen müssen, denn ln Abwesenheit irgend welcher Grundsätze werden dieselben nur von Autoritäten zusammengehalten. Mit jedem Kopfe, der einer solchen Autorität abgehauen wird, ruckt das Volk um einen Schritt näher zu dem Tage, da es selbst denken wird, dem Todestage der alten. dem Interesse Weniger dienendenParteien. mvl. y. V. 3ig. - Die Unsicherheit in Oberschlesien, welche bereits solche Dimensionen ange nommen hat, daß die Landrathsämter von Ratibor und Leodschütz sich genöthigt sahen, die Abhaltung nächtticher Patrouil zengänge in sämmtlichen Ortschaften der betreffenden Kreise anzuordnen, und auch die östreichischen Grenzbeamten nicht mehr ohne Schutzwasfen ihren Dienst versehen dürfen, scheint, aller strengen Maßnahmen ungeachtet, noch im Zunehmen begriffen zu sein. In den letztenWochen fanden fast täglich in Ob?r und cittclschleiicn Feu ersbrünste statt, welche zum überwicgen) größten Theile aus Brandstiftung zuiück' zuführen sind und dieser Tage liefen aus Bvlkenbcyl und Königshütte wiederNach richten von Raudar.fällen aus offener Landstraße ein. Alte Verse mit neuen Neimen. W:nn Dich die Lästezzunge sticht, So laß D.r die zum Trotze sagen : Es nimmt der Tod den reich, n Wicht Wie auch den armen Mann bei'm tragen. Freude, söaer Götterfunken ! Tochter aus (Zlysium! Bockbier macht zwar schnell betrunken, Wasser doch macht schiecktich dumm. Wer ein holde Weib errungen, Stimme rasch ein Danklied an. Eh' sie ihm davon gesprungen Mit dem jüugern schönern Mann. Drei Worte nenn' ich euch, inhaltschwer Sie gehen von kunde zu Munde, Der Kof, der Magen, der Bcutel sind leer, Im Uebrigen sind wir gesunde. Morgen muß ich fort von hier Und muß Ab'chied nehmen ; Meine Schulde laß ich hier, Mag, der will, sich grämen! ES kann ja nicht immer so bleiben Hi r unter dem wechselnden Mond ; Ich würd' meiner Liebsten wohl schreiben, Wenn ich nur schreiben konnt' ! Frage nicht. Frage nicht nach meinem Lande, Frage nicht woher? wohin? Frage nicht nach meinem Stcnde, Frag: mi,t nach meinem Sinn, Nach dem Herz, das rein und freudig Schlägt für dich in voller Brust, Nach der Seele, die entzückcnd Dich btgrüßt mit Himmeltlust. Frage nicht nach meinen Schätzen, Nicht ncch mkiner Eltern Gut, Frage nicht nach meinen Brüdern Frage nur nach miinem Blut, Da so feurig, das fo stürmend Rollt und wallt für dich ollein, Daö für dich auch zu v?rgicßen Meines HerzcnS Stolz soll sein. Frage nicht ich meinem Hause, Frage nicht nach meinem Feld, Ueber meinem Frühlingsgarten Spannt der Himmel hoch sein Zelt. Treue Liebe eint die Herz,, ' Nicht das Gold und nicht der Stand, Und der Vdel schöner Seelen Blühet stolz in jedem Land !
Kumoristisches.
A u S g e l o ck t. Pfarrer : Ich habe Euch holen lassen. Hummelbauer, weil es im ganzen Orte heißr. Ihr habet die Leuchter vom Altare glstohlen! Was habt Ihr dagegen zu sogen ? Hummelbauer: Daß dee5 a dumm's G'schwätz ist von de Leut; denn i bi scho wenigstens zwoi Johr nemma in V Kirche komme ! Pfarrer: So, so, Hummelbaucr, das hab' ich blos wissen wollen. Ja, es ist nun einmal so, gnädige Frau! Ich bin inGegenwari JhrerFräulein Töchter zu schüchtern 1" .In der That, Herr Assessor ! Es wäre mir lieber, Sie wären Freier !" Schriftsteller : Diana, die Göttin der Jagd, zugleich Göttin der Jungfräulichkeit wirklich sonderbar, wenn man die Söhne MimrodS kennt. Jäger: Gar nicht sonderbar, denn gerade die Jäger 'halten viel aus den An stand. Intendant : .Das soll ein Trauer spiel sein! Bei'm. Durchlesen desselben habe ich mich ja halb todt gelacht!" Autor: .Ja misten Sie, bei unseren traurigenZeitverbältniffen kann ein Trau erspiel gar nicht lustig genug sein !" Frau : Es ist gerade Zeit, daß du heimkommst, eben schlägt's ein Uhr:" Mann : Aber, liebes Weiberl, wen! ger kann's ja doch nimmer schlagen, als Eins !" Im Geschäftseiser. Fräulein : tfön nen Sie mir diesen Brautschleier empseh len ?" Commis : Gewiß, mein Fräulein, er ist von der besten Sorte, den könncnSie sogar öster benutzen." Die sociale Frage. Prosessor: Beachten Sie nur die einfache Logik, meine Herren! Je mehr Menschen wenig Geld verdienen, desto mehr schwindet die Nachsrage nach Pro ducten. Wenn also folgerichtig die meistcn Menschen verarmt sind, so gibt eS keine SY?iirffrrtrt mfir' itnh hteflslrnhii't kafrtmtn iuu uyii ittvtyi, mi v v -yj u v w V t Vkivmuii man dann umsonst. Auf diese Weise kann die sociale Frage ihre Lösung finden. Im Hotel Leipzig. Fremder : Hausknecht, wecken Sie mich morgen früh um sieben Uhr. Hausknecht: Könnt's nicht vielleicht schon um sechse sein ? Fremder: Warum denn? Hausknecht: Ja sahn Se, um sechse kommt Sie gewöhnlich schon der Polizei leitnant und sucht Sie's Hotel nach Socialisten ab, da werden Sie ohnehin mitgeweckt. AuS der Instruktion. Lieutenant : Was müssen Sie thun. wenn Sie stch den Bart wollen wachsen lassen? Rccrut : Ich darf mich nicht rastren. Lieutenant: Unsinn! Diese Absicht vorher melden müssen Sie! Lieutenant: Was muß der Soldat thun, wenn er mit seinem Gewehr gefallen ist ? Recrut : Er muß sich sofort melden, damit er ... . Lieutenant: Was, er? Recrut : Damit das Gewehr genau untersucht wird. Lieutenant: Richtig!- Wollt'S ihm auch gerathen haben ! Lieutenant: Wie lange marschirt ein tüchtiger Soldat ? Rccrut: So lange wie er kann. Lieutenannt : Nee, so lange bis er nicht mehr kann. ,Jn der Instruktion heißt es : Ein tüchtiger Soldat marschirt bis zum letzten Hauch, bis er ohnmächtig zusam menbricht Unterossicker : Wieviel Paar Stiebeln hat der Soldat? Einjahrig-Freiwilliger: Zwei Paar. Unterossicier : Wovon? Einjahrig-Freiwilliger: Von Rindö leder. Unterossicier : 'S ist merkwürdig, daß jerade die so gebildet sein wollenden Einjährigen manchmal die einfachsten Fragen nicht beantworten können. Es heißt: Wovon das eene Paar immer blank ge putzt dastehen muß."
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