Indiana Tribüne, Volume 3, Number 16, Indianapolis, Marion County, 27 November 1880 — Page 6
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6 Jndiana Tribüne.
Entlarvt.
v l. Crimmal.Novelle Von Wilhelm Mundt. i i lFortsetzung.) i Ich versichere Sie-, sagte der Doktor ZU dem Friedensrichter, daß die Symptome..die Sie da nennen, gar nicht selten in Folge von Lungenentzündungen auftretend Man glaubt, die Krankheit über wunden zu haben, man geht fröhlich nach Hause und glaubt Alles sei gut gegangen später gewahrt man, daß man sich ge täuscht'hat. Aus dem akuten Zustande geht 'die Entzündung nicht selten in den ! schleichenden über und hat nicht selten eine nangsam schleichende Lungenschwildsucht )zur Folge Es fanden drei ärztliche Berathungen statt", sagte Fleury. die indeß kein gün 'stiges Ergebniß hatten. Sauvestry klagte 'über . ganz merkwürdige und sonderbare leiden. Seine Säzmerzen waren wirklich fojeltsam und ausfallend, daß sie die Verluthun.ei der erfahrensten Acrjte z, ichanden machten." l :. 'War es nicht Doktor R ... von Paris, 'her ihn besuchte?" ' Ganz richtig, er kam alle Tage und blieb oft im Schlosse über Nacht. Manch' mal habe ich ihn gedankenvoll die große .Straße nach Orzival hinaufgehen sehen, " wie ich hörte, überwachte er selbst die Zu- ! .bcreitung seiner Rezepte bei dem Apotheker. ' Jedenfalls tutsicn Sie es ich würde cö sonst verschweigen , daß Doktor R . . . in iiblfm Gerüche stand man sagte Allerlei von ihm, ohne es gerade beweisen ' .zu können .. er soll einmal in eine sehr häßliche Geschichte verwickelt gewesen sein. Indeß war er ein tüchtiger Arzt, der eine Außerordentliche Praxis hatte und in den ersten Pariser Familien Hausarzt war "'. . . Es wird ihm wohl nicht an Neidern gefehlt haben, die ihn verderben wollien." .Ätzgas ja bekanntlich unter uns Aerzten i leider nicht selten vorkommt," lächelte der 'Doktor. Ich weiß es", antwortete Fleury. . .überall gibt es räudige Schafe. Indeß hat mir der Eharacter ici cS ArzZes nie so recht gefallen können schon gleich zum , ersten Male, als ich ihn sah, machte der s Mann einen außeroroeni.rcq lajiuuun Eindruö aus mich ich weiß mcht gerade, autzerorvenlttcy icuiecaren weshalb... Es gibt ja Menschen, btej Sinen abttonen. sobald man mit ihnen zu sammentrisst ... Er schien keine höhere .Aufgabe in diesem Leb?n zu sentiert, als Reichthümer zu sammeln und ich w'iß nicht, ob ich irre, es däuchte mir, als wenn er zu diesem Zwecke auch unehrliche Mittel nicht gerade verschmäht hätte. Dabei war sein Benehmen oft so roh. um nicht zu sagen, gemein, daß ich mich bald von ihm zurückzog, und keine Gemeinschost mit ihm haben wollte. Dabei verkehrte er viel mit dem Gehilfen des Apothekers . . 's Mit dem Gehilfen des Apothekers? I Heißt er nicht etwa Rebelot?" .Allerdings". i So, so," versetzte der Doktor sinnend. 5 Ein aller Bekannter, er war mein Gehilfe in meinem Laboratorium . . . ein Listiger, '.verschlagener, aber geschickter Kerl, der seinen jetzigen Prinzipat sicher übertrifft. Ich habe ihn sogar im Verdacht, daß er im Geheimen Arznei giebt." j .Er soll auch aus sonstige Weise viel . !Geld ... man munkelt Allerlei von ihm j : Beweise gegen ihn zu dringen, dürste !alle'rdings schwer fallen". ' .Hat nicht auch Tremorel viel mit diesem ? Gehilsen verkehrt V ' Allerdings weshalb stellen Sie dlcse '-Frage ?" Je nun . . . nicht aus ernem bejonderen Giunde, ich warf sie nur so hin, weit ich mich erinnere, daß Beide auf Spazier gärigen mit einander gesehen wurden". Der Friede'srichler schien nachzusinnen. Plötzlich überzog tödtliche Blässe sein Gesicht. Erschrocken sprang der Dokror aus . und nahm ihn bei der Hand. ' l ' c ... t.ri. .-. .' .Um Gottes wiuen , nei er uiiiiuji, hnon niittrooU?" . . .Oh, es ist nichts", sagte der Friedens- '' richter mit schwacher Stimme, es ist mir , -.schon besser, die Aufregung and das lange i' Nüchternsein wird's verschuldet haben". Unterdessen war der Maire eingetreten , und verkündigte mit trrumphirender Miene " '.daß es seiner Beredtsamkeit gelungen sei, die aufgeregten Gemüther zu beschwichtigen und die Leute nach Hause zu schicken. " Schon wollte er den Herren von der -'Wirksamkeit seiner Rede ausführlich erzählen, als es leise an der Thür klopfte.
Wer mag uns jetzt wieder stören wollen?" rief der Maire zornig aus und lies zur Thüre, die er heftig aufriß. Was wollen Sie?- rief er dem Eintretenden entgegen, der mit dem Hut in der Hand vor ihm stand und sich tief ver beugte. Mit weichem Rechte wollen Sie hier eindringen V Der Mann richtete sich kerzengrade in die Höhe. Ich bin Herr Lecoq", sagte er mit veröindlichstem Lächeln. Dann, als er sah, daß dieser Name keine besonder.' Wirkung auf den Bürgermeister ausübte, fügte er hinzu : Herr Leccq. von der Pariser Sicher heitspolizei. Auf telegraphische Bitte bin ich von der Polizeipräfeltur geschickt, wegen der Affaire, um die es sich hier handelt." Sie sind der von Paris geschickte Agent?" stammelte der Bürgermeister in dem er fast erschrocken zurückprallte. Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, nichts läßt mich ahnen, daß ich einen Pvlizeimann vor mir habe", sagte lächelnd der Bürzermeister. In der That hatte der Agent nichts in seinem Aeußeren, was auf einen Polizei'
deamtcn schließen lassen konnte. Und doch kennt jeder Pariser einen Polizeibeamtcn unter vielen Mensche heraus, obwohl es gerade nicht leicht sein dürfte, besondere Erkennungszeichen sür einen solchen anzugeben. Manche wollen behaupten, daß wenn man einem Menschen mit sonderbar zugestuytcm Knedelbart, den Hals in einem hohen Hemdkragen versteck?, mit bis an den vals zugcknopftcm Uedcrrocke begegne, dies sicher ein Agent der Pariser Polizeibehörde sei. Freilich war an Lecoq von all' dem nichts zu merken. Seine Freunde behaupteten allerdings, daß er eine ganz eigene Physiognomie habe, die er jedoch nur annehme, wenn er zu Haus am warmcn Kamin in Schlasrock urd Pantoffeln sich' bequem mache. Er könne auch, be Häupten sie weiter, seine Gesichtszüge so ändern, wie man dem Wachs allerlei neue Formen und Gestalten zu geben imStande ist. Sie sind also", fragte jetzt auch der Untersuchungsrichter, der Herr, den der Herr Polizeipräfekt auf meine Bitte mir schickt sür den Fall, daß gewisie Nachfor . jd)unQen als nöthig erweisen . me?den? es -ganz zu Ihrer Verfü gung, antwortete Lccoq, sich verbindlich verneigend. Es wird also nöthig sein", suhr Do mini, den Agenten vom Kops dis zu den Fußen fortwährend musternd, fort, daß wir Sie kurz von den Vorfüllen dieser Nacht in Kenntniß fejzen". Oh, unnöthig, vollständig unnöthig". antwortete der Agent mit selbstzufriedener Miene. Sonderbar ! Nicht im Geringsten ! Was dem Herrn Untersuchungsrichter bekannt ist, ist mir auch bereits bekannt : ein Mord, der einen Diebstahl zum Beweggrunde hat hiervon werden wir ausgehen müssen, so dann wissen wir. daß Kisten und Kasten er brachen sind und in d.n Zimmern Alles in der arnnien Unordnung liegt. Die Leiche der Gräsin hat man aufgefunden, diejenige des Grafen ist nirgends zu sin den. Bertrand ist verhaftet aus jeden Fall hat er ein wenig Gefängniß verdient ohnehin ist er ein übel berüchtigtes Subjekt. Grespin ja, er hat schwere Verdachtsgründe gegen sich. Seine Ver gangenheit spricht nicht zu seinen Gunsten, man werk nicht, wo er Ire vergangene Nacht zugebracht hat, er weigert sich, iraend eine Antwort zu geben, er kann den Alibi-Beweis nicht beibringen Alles sehr verdächtig sür ihn". Die Herren konnten ihr Erstaunen nicht verhehlen. Woher wissen Sie dies Alles wenn die Frage gestattet ist? forschte der Untersuchungsrichter. Nichts einfacher als das ! Schon seit zwei Stunden befinde ich mich hier . . . sreilich incognito, denn die Polizei ist nicht überall sehr beliebt ... so konnte ich leicht bald hier, bald dort fragen, Erkan'. digungen einziehen, man hat mir offen ohne Rückhalt geantwortet. Hätte ich mich gleich als Beamter von der Polizei zu erkennen gegeben, man wäre mir nicht mit derselben Offenheit entgegengekommen . . . Sie begreifen Herr Richter ?" Domini biß sich aus den Lippen er mußte ihm seinen Beifall zollen. Nun", antwortete Domini, da Sie bereits so ziemlich Alles misten, so wollen wir gleich den Schauplatz des Verbrechens!
in Vtugentchern nehmen es ist bald
Abend". Ganz zu Ihrer Verfügung", war die Antwort des Agenten. Es war nicht das erste Mal. daß dem Agenten ein so kalter Empfang zu Theil wurde er war daran gewöhnt und zürnte dem Untersuchungsrichter in keiner Weise. VI. Die Herren stiegen die Treppe hinauf. Aufmerksam betrachtete Lecoq die Blut spuren auf den Treppenstufen und am Geländer. Dfr Agent trat in's Zimmer, während die übrigen Herren auf feine Bitte an der Thüre stehen blieben. Staunenden Blickes betrachtete er die Unordnung, welche in demselben herrschte. Oh! di:se Dummköpfe", murmelte er vor sich hin, .Alles in Stücke geschlagen. um einen Diebstahl zu begehen hm, merkwürdig, sonderbar, ja ! Gute Dietriche thun Milben Dienste sie arbeiten ohne Geräusch, öffnen gleich Alles nach Wunsch . . . ! Diese Dummköpfe! Sollte man wirklich nicht so sagen . . . V Die übrigen Herren folgten von Weitem ge'pannt den Bewegungen Lcccq's, der hier in seinem Elemente zu sein schien. Zunächst kniete der Agent auf dem kost baren Tcppich, der den Boden beoeckie. nieder und fuhr mit der flachen Hand mitten unter dem Porzcllantrümmcrn über denselben mehren Male hin. Roch feucht, sehr feucht, sagte cr sich, der Thee war noch nicht vollständig getrunken, als das Porzellan zerbrochen wurde." Es war möglicher Weise noch viel Thee in der Theekanne", bemerkte der Friedensrichter. .Jch weiß es wohl", antwortete Leccq, .gerade dies habe ich mir auch gesagt. Die Feuchtigkeit des Teppichs gibt uns also da folgt daraus keinen An Haltspunkt, um Cie Zcit des Verbrechens zu bestimmen". Aber die Pendule". rief der Bürgermeister lebhaft, und zwar sehr genau". Auch mir", sagte der Friedensrichter, scheint dieser Umstand sehr wichtig zu sein. Die Uhr zeigt drei Ubr zwanzig Minu!en indeß war die Grüsin voll ständig angekleidet, wie am hellen Tage, als man ihr den tö)tlichen Streich ver setzte. Soll sie noch wachend gewesen sein und eine Tasse Thee getrunken haben um drei Uhr Nachts? Das dünkt mir wenig wahrscheinlich." Sie haben ganz Recht", versetzte der Agent, diese Annahme ist allerdings sehr wahrscheinlich and doch zeigte die Uhr eine vorgerückt: Nachtstunde. Indeß wir werden sehen". Er hob die Uhr sehr vorsichtig vom Boden auf und stellte sie wieder auf den Vorsprung des Kamins, indem cr sich bemühte, sie möglichst genau in's Gleichgewicht zu bringen. Die Zeiger standen fortwährend auf drei Uhr zwanzig Minuten. Drei Uhr zwanzig", murmelte der Agent, indem er unter den Fuß der Uhr ein schmales Brettchen als Stützpunkt schob hm ! um diese Zeit pflegt man keinen Thee zu trinken. Aber roch wenigcr mordet man um diese Züt die Leute, ganz sicherlich nicht jetzt im Juli, wo die Sonne schon sehr srüh aufgeht." Er öffnete nicht ohne viele Mühe den Glasdeckel des Zifferblattes und brachte dann den großen .Zeiger auf dreieinhalb Uhr. Die Uhr schlug elf Uhr. Sehen Sie, meine Herren", rief Lecoq mit triumphirender Miene, das ist die richtige Zeit! Die Herren saben sich ver dutzt an. An dieses einfache Mittel hatte Niemand gedacht". Wirklich ein Mensch", sagte der Bürgermeister zu dem Doktor, der seinem Amte alle Ehre macht". Wir haben also", hob der Agent wieder an, keine Dummköpfe mehr vor uns, wie ich Anfangs glaubte, nein, wir haben es mit abgefeimten Schurken zu thun, die mehr überlegt haben, als ihren Mord. Sie haben die Untersuchung irre machen wollen, indem sie dieselbe hinsichtlich der Zeit zu täuschen suchten sie haben nicht bedacht, daß die Polizei diese Schliche genau kennt." Ich sehe den Zweck, den die Mörder im Auge hatten, nicht recht ein," meinte der Bürgermeister. Und doch ist er sehr klar," antwortete der Untersuchungsrichter. Die Mörder hatten großes Interesse daran, den Glau den zu erwecken, daß das Verbrechen erst
nach Abgang des letzten Zuges nach Paris begangen worden sei. Als Grespin am Lyoner Bahnhof sich um 9 Uhr von seinen Kameraden trennte, konnte er um 10 Uhr hier sein, seine Herrschaft ermorden, sich des Geldes bemächtigen, das, wie er wußte, im Schlosie war, und mit dem letzten Zu.e wieder Paris erreichen." Diese Annahme, warf der Friedens richte? ein, hat große Wahrscheinlichkeit für sich. Indeß weshalb ist Gresoin in diesem Falle nicht wieder zu seinen Käme raden gegangen ? Gerade hierdurch hätte er sich die Möglichkeit verschafft, tein Alibi nachweisen zu können." Aber es wäre leicht möglich", meinte der Untersuchungsrichttr, daß Bertrand überhaupt von der Geschichte nichts weiß wenigstens daß Grespin ihm vorher nichts von seinem Vorhaben mitgetheilt hat. Daß Grespin nicht wieder zu seinen Ka mcraden gegangen ist, ist leicht zu erklären. Seine Verwirrung und seine Aufregung, in welcher cr sich nach einer solchen That jedenfalls befand, hätten ihm ohne Zweifel mehr geschadet oder genützt. .Uad dazu, in welchem Zustande mußten sich seine Kleider bsinden! Jedenfalls waren sie üoer und über mit Blut beflcck.'. Sie ha den gewiß bemerkt, daß er einen neuen Ueberrcck trug ein sehr schwerer Verdachtsgcund gegen ihn. Z:var habe ich ich ihm bis jetzt die nicht vorgehalten, weil ich dies sür späier aufsparen möchte." Der Agent glaubte sich noch nicht in bc stimmte? Richtung aussprechen zu sollen. Wie ein Arzt am Krankenbette zuerst alle Umstände pebürig nach allen Seiten abwägt, so wollte er auch seiner Sache zuerst durchaus sicher sein. Er war an den K.imm zurückgetreten und ließ die J.'iger der Uhr von N'Uem weiter auf dem Zisserdlalte vo:angehen. Nach einander schlug die Uhr zuerst elf ein halb Uhr, dann Mitternacht, dann ein Uhr. Während er dieses that, murmelte er bei sich : Hm, noch Lehrlinge, dieseGelegenheitsräuber! Sie wollt: es recht vorsichtig und geschickt anlegen, wie man glauben sollte und hiben nicht an Alles gedacht. Die Dummköpfe! Sie haben die Zeiger vorwärts gerückt, aber nicht daran gedacht, entsprechend auch das Schlagwerk der Uhr zu stellen". Domini und der Untersuchungsrichter beharrten in ihrem Schweigen sie woll ten den Agenten in seinen Beobachtungen nicht stören. Der Agent trat auf sie zu. Es ist jetzt so viel als erwiesen anzu nehmen", sagte er langsan?, daß der tö)ttiche Streich vor zehn ein halb Uhr ausgesührt worden ist." Das heißt, wosern nicht etwa das Schlagwerk der Uhr in Unordnung gcrathen wäre." Der Agent schien nachzudenken. Die Möglichkeit", antwortete er dann, ist nicht zu leugnen, obwohl es ein sonder barer Zufall wäre und obwohl man keine Ausnahmen, sondern die Regel vorausse tzen muß. Bis jetzt habe ich die Wahrscheinlichkeit sür mich sreilich muß ich mich bemühen, mehr als das, Gewißheit zu erlangen. Glücklicherweise haben wir noch andere Beweismittel: das Bett in erster Linie. Ich möchte wetten, daß es ganz in Unordnung ist. . Dürste ich, Herr Friedensrichter einen Augenblick Ihre Hilfe in Anspruch nehmen ? Einen Bedienten herbeizurufen, scheint mir nicht rathsam." Mit Vergnügen !" Sogleich traten Beide an das Bett her. an, nahmen den Betthimmel weg und legten ihn zu Boden, indem sie zugleich die Vorhänge wegnahmen. In der That war das Bett in der größten Unordnung. Und lrotzdem hat Niemand darin ge schlafen," versetzte der Agent, deß bin ich durchaus sicher. Es ist möglich, daß sich Jemand darauf gelegt hat ; vielleicht hat man die Kopskisien, Decken und Leintücher aufgewühlt und zerkuittert aber ein geübtes Auge bemerkt sofort, daß darin nicht zwei Personen geschlafen haben können Das zu bewirken ist vielleicht noch schwieriger, als ein Bett wieder in Ordnung bringen. Um ein Bett zu ma chen, ist es unerläßlich. Decken und Lein tücher wegzunehmen und die Matratzen umzuwenden um das Gegentheil zu bewirken, muß man absolut darin geschlafen haben anders ist es nicht möglich. Ein Be:t ist stets einer von jenen schrecklichen Zeugen, die unbewußt immer sür die reine Wahrheit Zeugniß ablegen."
Ich weiß wohl", bemerkte der Friedens richte?, daß die Grasin angekleidet war, indeß wäre es ja möglich, daß der Gras zuerst zu Bett gegangen wäre". Nein", antwortete Lecoq bestimmt. e ist nicht möglich, und ich kann es Ihnen beweisen. Ucbrigens ist dieser Beweis leicht, so leicht, daß, wenn ich es Ihnen erklärt haben werde, ein Kind von zehn Jahren sich nicht ?inmal durch diese scheinbare, künstliche Unordnung täuschen lasten würde." Er nahm sachte die Decken und da5 Leintuch von oben weg und legte es auf die Mitte des Bettes. Diese Kopsktssen si.id allerdings etrra5 zerknittert ; nicht wahr?" sagte er dann. : Indessen betrachten Sie dm darunter
liegenden Kopspfühl ; er ist ganz unberührt ) und hat keine von den Falteu, die das Ge j wicht des Kopses und die Bewegung dn Arme nothwendig verursachen. Aber no f (v 4 Jf a r. a ft3 .44 V. UKIJl . 1'tUUUJUll UU9 -ucii uvu ui j tr ? F a v r.w rrs . v : - rr klirre au oi5 zu oem ino?. oie w , cken überall mit Sorgfalt an den Ränder des Blattes hincinqcstc'pst sind, so berüh ') I ren sich die beiden Leintücher überal Jahren Sie aber mit der Hund dahin ) wie ich jetzt thue so werden Sie eine 1 Widerstand finden, der nicht Vorhände sein müßte, wenn Jemand mit der. Beine-." sich so weit ausgestreckt hätte. Der Gr " aber war von so großcr Statur, daß i das Bett seiner ganzen Lange nach eianeh 5 men mußte." j Dieser Beweisführung des Agent' konnten kaum irgend welche erhcblichr Zweifel entgegengesetzt werden. Betrachten wir aber die zweite Matratze", fuhr cr fort. Selben denkt man gerade an diese zweite Matratze, wenn man ein Bett aus irgend welcher Beran lassung in Unordnung bringen will. Sedcn Sie hier." Er hob die erste Matratze auf und man sah in der That, daß das Leinen der an deren Matratze vollständig straff gespannt war und nirgends wo eine Einsenkuna, zeigte. Es scheint mir allerdings jetzt klar zu sein", murmelte der Untersuchungsrichter, daß der Graf nicht zu Bett gegangen ist." Uebrigens", fügte der Doktor hinzu, würden sich seine Kleider irgendwo auf einem Stuhle finden, wenn man ihn in seinem Bette ermordet hätte". Ganz abgesehen davon", warf der ' Agent nachlässig hin, d&ß man in diesem Falle an den Leintüchern jedenfalls irgend welche Blutspuren finden müßte." Es däucht mir jedenfalls sonderbar", meinte d:r Friedensrichter, daß man einen so jungen und kräftigen Menschen, wie der Graf war, anders als mitten im Schlafe ermorden konnte." Und dazu in einem Hause, das voll von Waffen zu sein scheint", bestätigte der Doktor, denn das Eabinet des Grafen ist ji ganz mit G wehren, Degen und Dolchen wie tapeziert, ein wahres Arse nal." Oh !" warf der Bürgermeister, um die Aufmerksamkeit wi der auf sich zu ziehen, man hat schon schlimme Fälle erlebt. Die Kühnheit der Verbrecher wächst mit jedem Tage. Es vergeht keine Woche, wo die Journal- nicht ..." Indeß Niemand hörte auf ihn, und der Friedensrichter fuhr fort : Die Unordnung", meinte er, die im Hause herrscht, däucht Ihnen, meine Her ren, unerklärlich; was mich in Erstaunen setzt, ist. daß dieselbe nicht noch größer ist. Ich bin jetzt so zu sagen ein Greis und besitze nicht mehr die Körperkraft eines dreißig- oder vierzigjährigen Mannes, und doch glaube ich, wenn Mörder bei mir eindrängen, würden sie kein leichtes Spiel mit mir haben. Ich weiß freilich nicht, was ich thun würde, wahrscheinlich würoe man mich töaten aber ich würde um Hilfe rufen, ich würde die Fenster aufreiCa.. 1 jf tm X I 4( C Si Als ilAVliA A ( tUI, lUj lUUlUC MIJJ UU 9 UCUbiU" IvCIJ ren . . ." Es ist möglich", meinte der redselige Bürgermeister, daß die Mörder FeuerWaffen gebraucht haben. Das hat man schon erlebt. Sie sitzen ruhig in Ihrem Zimmer es ist gerade Sommer; die Fenster stehen offen ; Sie plaudern gemütklich mit fVjrer ftrau. während Sie - - w - zugleich eine Taste Thee nehmen drau ßen steigen die Verbrecher leise aus einer kleinen Leiter heran . . . sie stehen oben, rasch legt Einer aus Sie an und drückt ab . . ." Und dann eilt die ganze Nachbarschaft herbei", suhr der Doktor fort. (Fortsetzung folgt.)
