Indiana Tribüne, Volume 3, Number 15, Indianapolis, Marion County, 20 November 1880 — Page 6

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Jndiäna Tribüne.

Gntlnrvt.

Criminal'Nodelle von Wilhelm Mundt. (Fortsetzung.) Endlich starb er nach sechswöchentlicher Krankheit bei vollem Bewußtsein in den Armen seiner geliebten Bertha und seines Neffen, des Grafen Tremorel. Graf Tremorel der Neffe Sauvestry's war zu der Zeit, als sein Onkel sich noch guter Gesundheit erfreute, nur sehr selten auf dem Schlosse sichtbar gewesen. Man munkelte Gewißheit habe ich mir nie darüber verschaffen können das Verhältniß Beider zu einander sei nicht sehr freundschaftlich gewesen dunkle Gerüchte schwirrten umher, als sei Graf Tremorel im Gegensaß zu seinem Oheim ein Verschwend??, und es sei dieserhalb auf dem Schlosse schon häusig zu stürmischen Auseinandersetzungen zw schen den beiden Verwandten gekommen. Indeß das Alles waren nur Gerüchte die bösen Zungen sind gleich in Bewegung und Graf Tremorel kam während der Krankheit seines Oheims auf das Schloß, ihn zu besuchen. Damals sagte man, habe sich das Verhältniß Beider ein wenig günstiger gestaltet jedensalls schien der Schmerz des Grasen um seinen dahingeschiedenen Oheim ein aufrichtiger zu sein. Der Maire hielt einen Augenblick inne, wie um sich zu besinnen. Joh habe nur noch hinzufügen", schloß er, daß Graf Tremorel, dcssenVermögens verhältnisie, wie es damals vielfach hieß, nichtsehr planzeud sein sollten, die junge Wittwe häusig besuchte. Nichts war ja auch natürlicher, als daß der Nisse Sauvestry's dessen Wittwe in ihrem Schmerze zu trösten suchte Andere meinten freilich, daß die geheime Triebfeder zu seinen Be suchen auf dem Schlosie die Hand Bertha's sei Tremorel war damals noch nicht verheirathet ; indeß sei dem wie ihm wolle, ein Jahr später waren Gras Tremorel und die Wittwe seines Oheim's Eheleute, ich selbst habe sie mit einander verbunden. Und nun ist ein so grenzen loses Unglück über dieses einst so glückliche Schloß hereingebrochen und wer weiß, was wir noch Schreckliches entdecken wer den schloß der Maire seufzend. Und Weiteres haben Sie über den Mord nicht in Erfahrung gebracht?" frug der Untersuchungsrichter nach einigem Besinnen. Nicht das Geringste diese Thatsachen allein liege-' 'vor . . die Erklärung derselben wird wohlj die Untersuchung dringen ..." Wir hoffen es", sagte lächelnd Domini, wenigstens werden wir alles Mögliche thun, um Licht in diese dunkle Sache zu bringen. Jedenfalls wird der Agent, den ich erwarte. . ." In diesem Augenblick ließ sich ein starkes Geräusch vor der Thüre vernehmen, als wenn ein heftiger Wortwechsel oder Streit stattfinde. Vielleicht ist der Agent schon angckommen". meinte der Bürgermeister. Die Saalthüre flog weit auf. II. Der Bürgermeister hatte sich getäuscht. In der Tbüre erschien ein Mann von schmächtiger Statur, den an der einen Seite ein Gensdarm, an der anderen ein Bedienter mit Gewalt festzuhalten suchten, denn er wehrte sich wie wüthend gegen die eisernen Umarmungen derer, die ihn festhielten. Der Kampf mußte schon lange gewährt haben, denn seine Kleider waren in größter Unordnung ; sein neuer Ueberrock war an mehreren Stellen zerrissen, seine Halsbinde flatterte ihm in Fetzen um den mageren Hals, und die langen schwarzen Haare hingen wild um sein vor Schrecken und Wuth entstelltes Gesicht. Während dessen hörte man im Hofe und im Hausflur das wüthende Geschrei der Leute aus dem Schlosie und der Neugieri gen, die sich auf die Nachricht vor dem Verbrechen hin im Schlosie angesammelt hatten. Fortwährend hörte man die Rufe : Er ist's ! Ja, er und Niemand anders ! das ist der Mörder!" Und der Unglückliche, vor Schrecken an allen Gliedern zitternd, suchte sich dem Geudarm und seinem Helfer fortwahrend mit der größten, fast übermenschlichen Anstrengung zu entwinden. .Hilfe ! Hilfe !" heulte er mit heiserer Stimme, .ich bin unschuldig !" Und krampfhaft klammerte er sich an

dem einen Flügel der halb geöffneten Saalthür an, und es war unmöglich ihn auch nur einen Schritt vorwärts zu brin gen. , Stoßt ihn doch vorwärts", befahl der Maire, vorwärts !" Dieses war jedoch leichter gesagt, als gethan. Der Schrecken und die Angst verliehen Grespin neue Krast, die Alle in Staunen setzte. Glücklicherweise kam dem Doktor der Gedanke, unversehens den unteren Riegel des anderen noch geschlosienen Flügels wegzuschieben. Grespin verlor so feinen Stützpunkt und fiel oder stürzte vielmehr bis an den Tisch, an welchem der Untersuchungsrichter saß und schrieb. Sogleich erhob er sich und suchte mit den Augen einen Ausgang, wo er entflie hen könne. Da er gewahrte, daß dies unmöglich sei, so ließ er sich lautlos in einen Scsiel fallen Der Unglückliche gewährte das Bild des bis zur Wuth gesteigerten Schreckens. Auf seinem bleichen Gesichte sah man die bläulichen Spuren der Schläg? undStöße, die er während des Ringens empfangen hatte ; seine Augen, die fast aus den Hö len herauszutreten schienen, waren mit Blut unterlausen und irrten unstat im Saale umher, dabei zitterte er am ganzen Körper, als würde er von Jieberfrost ge schüttelt. Der Maire von Orzival glaubte den rechten Moment gekommen, um der Menge ein abschreckendes Beispiel zu zeigen ; er drohte also zu den draußen Harrenden und aus Grespin zeigend, sagte er in pathetischem Tone : Da seht Ihr den Verbrecher !" Wenn er schuldig ist", murmelte der Friedensrichter, warum zum Kukuk hat er denn die Thorheit begangen, zurückzu kommen ?" Der Gendarmerie-Brigadier berichtete kurz über seine Verhaftung. Einige Bedienten vom Schlosse und Leute aus den umherliegenden Häusern plauderten vor dcm Schloßthor gemüthlich zusammen, als sie mit einem Male am Ende des Weges einen Mann schwankenden Schrittes, unter fortwährendem lauten Lärmen und Singen, auf das Schloß zutaumeln sahen. War er wirklich betrunken ?" frug der Untersuchungsrichter dem Brigadier. Vollständig, vollständig-, war die Antwort. Dann wäre es also der Wein", mur melte der Untersuchungsrichter der ihn uns in die Hände geliefert hätte, und auf diese Weise würde sich Alles leicht erklären lassen". Als die Leute vor dem Schloßthor seiner ansichtig wurden", fuhr der Brigadier forr, stürzten sofort Einige auf ihn zu und faßten ihn am Kragen anfangs glaubteer, man wolle sich einen Scherz mit ihm erlauben, erst der Anblick einer meiner Leute ernücherte ihn sofort und ließ ihn sogleich erkennen, daß es sich um seine Verhaftung handle. Zugleich rief ein Weib aus der Menge ihm zu : Schurke, Du bist es, der die Gräsin und den Grasen getödtet hat!" Bei diesen Worten wurde.

er bleich wie der Tod, und brachte vor Angst und Schrecken kein Wort hervor. Wie versteinert stand er da, wir sprangen sogleich hinzu und faßten ihn. Ich durch suchte ihn gleich und fand bei ihm zwei kleine Schlüssel, ein mit Ziffern bedecktes Stück Papier und eine Adreßkarte eines großen Pariser Geschäftes". Der Brigadier hielt inne und sah die Anwesenden mit geheimnißvollem Blicke an offenbar hatte er das Wichtigste nock nicht berichtet. Es war noch nicht Alles", fuhr er fort. Während wir ihn in den Hof schleppten, versuchte er sich seines Portemonnaies zu entledigen glücklicherweise bemerkte ich den Versuch und hob das Portemonnaie auf hier ist es. Es enthält ein HundertfrankenBillet, sowie vier Louisdor und sieben Franken in baarem Gelde. Gestern besaß der Schurke nicht einen Sou . . ." Woher wiffen Sie das?" frug der Maire. Oh, sehr einfach, Herr Bürgermeister", antwortete der Brigadier. Jrancois, der Kammerdiener, hat mir gesagt, daß er gestern fünfundzwanzig Francs von ihm aeliehen habe". Man rufe Francois", befahl der Unter suchungsrichter. FrancolS erschien. Wiffen Sie", redete Domini ihn an, ob Grespin gestern Geld besaß?" Er besaß so wenig Geld", antwortete

er ohne zu zögern, daß er mich gestern im Laufe des Tages bat, ihm fünfundzwanzig Francs zu leihen andernfalls würde er die Eisenbahnfahrt nicht bestrei ten können". Aber es war ja immerhin möglich, daß er Ersparniffe hatte, z.B. ein Hundert francs'Billet, das er etwa nicht gern verwechseln mochte " Francois lächelte. Oh !" antwortete er, Grespin war nie ein Mensch, dem es möglich gewesen wäre, Ersparnisse zu machen höchst wahrscheinlich hat er im Gengentheil mehr Schulden, wie Haare auf dem Haupte; noch vorige Woche fand hier auf dem Schlöffe ein stürmischer Austritt zwischen ihm und -einem Wirthe aus dem Dorfe statt, dem er, wie ich hörte, eine ziemliche Summe schuldete . . . Das beißt, fuhr Francois sich selbst verbessernd fort, ein Trinker oder Verschwender war Grespin nicht, das möchte ich nicht behaupten; vielleicht ein wenig leichtsinnig . . ." Gut, gut", sate Domini, Sie können abtreten". Francois zog sich zurück. Grespin hatte sich inzwischen ein wenig erholt. Der Untersuchungsrichter, der Friedens richter und dcr Maire suchten in seinen Gcsichtszügen zu lesen, ob er sich schuldig oder unschuldig halte, während Doktor Gendron ihm den Puls sühlte. Gemiffensangst und Furcht vor der Strase !" meinte der Maire. Hm", meinte dagegen der Friedens' richter, das Bewußtsein der Unschuld und die Unmöglichkeit, sie beweisen zu fön nen." Der Untersuchungsrichter hörte zwar die Meinungsäußerungen der beiden genannten Herren, legte indeß weiter kein Gewicht darauf. Er hatte sich seinerseits noch keine bestimmte Ansicht gebildet und wollte, als Vertreter des Gesetzes, in keiner Weise sein Urtheil im Voraus beeinflussen lasten. Sie sühlen sich beffer. lieber Freund ?" frug der Doktor Grespin. Grespin nickte mit dem Kopfe. Dann verlangte er zu trinken. Man brachte ein Glas Wasser herbei, das er mit großer Gier in einem Zuge austrank. Dann erhob er stch. Sie sind jetzt wohl im Stande, mir zu antworten ? frug der Untersuchungsrichter. Ja antwortete er fast unhörbar. Sie kennen die Vorfälle aus dieser Nacht?" begang Domini. Graf und Grafin Tremorel sind ermordet worden. Sie sind gestern mit den anderen Bedien ten des Schlosses abgereist. Sie haben dieselben am Lyoner Bahnhofe verlaffen und kommen jetzt allein zurück." Grespin ließ den Kopf niedersinker. und schwieg. Weiterhin waren Sie ganz ohne Geld, daß steht fest, einer Ihrer Kameraden hat es ausgesagt heute findet man in Jhrcm Portemonnaie einen Betrag von 167 Francs. Wie kommen Sie zu diesem Gelde?" Die Lippen des Unglücklichen bewegten sich, als wollte er antworten indeß schien er stch eines Anderen zu besinnen, er verharrte in seinem Schw-igen. Noch ein anderer Umstand", fuhr der Untersuchungsrichter fort: welche Be ivandtniß hat es mit dieser Karte de. Quincaillerie-Geschästes, welche man bei Ihnen vorgefunden hat?" Grespin murmelie : Ich bin unschuldig." Alle weiter vorgelegtenFragenbeantwor tete der Beschuldigte mit denselbenWorten und der Untersuchungsrichter ordnete nun

an, Grespin die Leiche der Ermorteten zu zeigen, denn er wollte deffen Benehmen Angesichts der Leiche beobachten. Man sührte Grespin in den Saal, wo man die Leiche der Gräfin niedergelegt hatte. Er betrachtete dieselbe ruhigen, kalten Blickes. Nur sagte er : Die arme gnädige Frau ! Jetzt kann sie mir nicht mehr hundert Sous geben, wie dort, wenn es mir geglückt war, eine neue seltene Blume zum Blühen zu brin gen. Es war eine gute Frau". Dann sagte er noch : Sie ist jetzt glücklicher als ich. sie ist jetzt todt, sie leidet nicht mehr, und mich, der ich unschuldig bin, mich beschuldigt man, sie getödtet zu haben". Welch' ein verstockter Sünder !" flü sterte der Maire dem Friedensrichter in's Ohr. Wer weiß!" antwortete Fleury zer streut. Der Untersuchungsrichter machte noch

einen letzten Versuch, nachdem er bis jetzt keinen Erfolg erzielt hatte. Sehen Sie," sagte er zu Grespin, wenn Sie auf irgend welche Art und Weise von dem Verbrechen Kenntniß er langt haben, dann sagen Sie es mir, ich beschwöre Sie. Wenn Sie die Mörder kennen, nennen Sie mir dieselben. Es würde dieser Umstand Jbre Strafe sehr mildern". Bei Allem, was es Heiliges in der Welt gieMV antwortete Grespin, ich bin un schuldig. Und doch sehe ich wohl, daß es um mich geschehen ist, wenn man die Schuldigen nicht findet". . Domini hatte sich allmählich eine be stimmte Meinung gebildet. Er suchte zu erst im Anfange der Untersuchung den HauptLeitsaden zu finden, mittelst dcsien er mitten unter den Lügen und Verdrehungen des Angeklagten die Wahrheit finden wollte. Er glaubte diesen Leitfaden jetzt in Händen zu haben. Hatte er einen der Mörder, sagte er fich, so würde er bald auch die andern finden. Zudem, dachte er sich, würde das Gefängniß bewirken, wozu alle andern Mittel sich als nutzlos ermiesen hätten. Er übergab also Grespin dem Brigadier

und ließ Bertrand Vaer herbeiholen. Berlrand war so sehr daran gehöhnt, vor den Schranken des Gerichts zu erichei nen, daß ihn ein Verhör mehr oder wemniger nicht kümmerte. Festen Schrittes trat er vor den Untersuchungsrichter hin. Dieser Mensch ist in meiner Gemeinde sehr übel beleumundet, flüsterte der Maire dem Untersuchungsrichter m's Ohr. Bertrand hörte die Bemerkung und Ia chelte. Es ist wahr", sagte er ironisch, ich habe, allerdings, ohne Erlaubniß, dem Herrn Maire mehr als einen Fasan gemordet . . ." Der Maire knirschte mit den Zähnen er hielt große Stücke auf seine Fasanen. Aber von da bis zum Menschenmord ist es noch weit", fuhr der alte Wilderer, stch an der Wuth des Maire weidend, fort, und so lange es noch Wild giebt . . ." Domini gebot ihm Schweigen und stellte die üblichen Fragen an ihn. Er erzählte Alles ganz genau, was er von der A'ugelegenheit wußte und berührte auch kurz seine Vergangenheit. Ich bin besser als mein Ruf", sagte er, es gibt viele Leute, die dies nicht jagen können, und die geachtet und geehrt in der Welt sind. Daß ich aber einen Mord begangen haben sollte, und dazu an der Gräfin und dem Grafen, wird wohl Nie mand ernstlich behaupten wollen . . Niemand hat bis jetzt die Behauptung ausgesprochen daß ein Verdacht gegen Sie sich erhebt, werden Sie selbst ganz natürlich finden müssen," antwortete der Untersuchungsrichter. Wo habenSie die Nacht zugebracht?" Nachdem ich gegen zehr Uhr," antwor tete Bertrand, das Wirthaaus verlassen hatte, begab ich mich in den naheliegenden Wald, wo ich einige Schlingen legte, und kehrte sodann gegen ein Uhr Nachts nach Hause zurück. Zum Leweise möge dienen, fügte er hinzu, daß die Schlingen noch da sein müsser. .... vielleicht hat sich schon Wild darin gefangen." Würden Sie einen Zeugen dafür beibringen können, daß Sie um ein Uhr zu Bette gegangen sind?" frug der Unter suchungsrichter, indem er an dieUhr dachte, deren Zeiger auf drei Uhr zwanzig Minu ten stehen geblieben waren. Ich weiß wirklich nicht," antwortete Bertrand , mit der gleichgiltigsten Miene von derWelt, ob mir das gelingen würde, es ist sogar möglich, daß mein Sohn nicht einmal erwacht ist, als ich nach Hause kam. Uebrigens weiß ich wohl, daß man mich in's Gefängniß werfen wird, bis man die Schuldigen gesunden haben wird. Nun ja, was liegt daran ? die Gesängnißkost ist zwar nicht gerade verlockend, aber man lebt dort ohne Sorgen und . . ." .Genug, enug!" unterbrach Domini schnell die Rede des Alten. Kennen Sie Grespin ?" Bertrand schien sich etwas beunruhigt zu sühlen. Grespin ? O ja, ich kenne ihn wohl, wir haben manches Mal Karten mit ein ander gespielt . . . Uebrigens, was ich mit dem Morde zu thun habe, so wüßte ich nichts, als das Verdienst, daß mein Sohn und ich zuerst die Anzeige gemacht haben . . . Daß ich deshalb den Grafen ermordet haben soll, will mir nicht einleuchten . . ." Ich frage Sie, ob Sie Grespin ken nen?" entgegnete Domini'untrillig. Entschuldigen Sie ich hätte eS bei

nahe vergesien . . . Nun ja, bisweilen ha den wir auch ein kleines Geschäft mit ein ander gemacht er gab mir oft seltene Pflanzen auS dem gräflichen Garten, die ich verkaufen sollte . . . später theilten wir daS Geld . . . Vielleicht hat er sie gestoh. l:n, ich weiß es nicht . . ." Sonst ist Ihnen nichts bekannt V Von Wichtigkeit glaube ich nicht." Bertrand wurde in'S Gefängniß zurück gebracht. Philip wußte nichtSAnderes auszusagen, als daß er nicht aufgewacht sei, als sein Vater nach Hause gekommen war erst am Morgen sei er erwacht. Der Untersuchungsrichter ließ Philip ganz in Freiheit setzen, nicht als ob er von seiner Unschuld überzeugt gewesen wäre, sondern weil er es sür gut hielt, von den Mitschuldigen, vorausgesetzt daß mehrere den Mord verübt hatten, einen freizulassen und ihn zu überwachen, während die an deren in sicherem Gewahrsam sich befan den. V. Das Verhör war beendet. Draußen kamen und gingen die Neugierigen, von denen die Kühlisten bisweilen den Kopf in. die halb off nstehende Saalthür hiner.l

steckten, um womöglich ein Wort von der Untersuchang oder wenigstens irgend sine Neuigkeit zu erfahren, die den Unte..hal tungsstoff sür die draußen Harrenden bil den konnte. Indeß war Alles vergeblich Domini saß ruhig an seinem Tische und notirte eif rig die Aussagen derVerhörten, sowie ein zelne Umstände, die ihm vonBedeutung zu sein schienen, indem er ganz besonders ein zelne Punkte bezeichnete, die seinem Be richte als Grundlage dienen sollten. Während die drei übrigen Herren sich, jeder nach seiner besonderen Anschauung, in allerlei Vermuthungen verloren und bald diese, bald jene Möglichkeit annah men, um dann wieder alle Annahmen als unmöglich zu finden, machte sich derUnter suchungsrichter über die traurige Angele genheit sozusagen, wenig Unruhe. Er hielt diesen Fall nicht für den schwierigsten, am allerwenigsten sür einen solchen, der einemUntersuchungsrichter schlafloseNächte bereiten konnte. War es ja denn nicht snnnenklar, daß Grespin der Schuldige war? Er war in der verhergegangenen Nacht abwesend, kam erst gegen Morgen zurück vorhin ohne einen Sou, konnte er heute Morgen mit Goldstücken um fich werfen, die offenbar von der Summe be rührten, die Tremorel Tags vorher em psangen und unkluger Welse den Bedren ten gezeigt hatte. Jedenfalls", so sagte stch der Unter suchungsrichter hatte er einen Hauptschul digen, und Bertraud, der aller Wahrscheinlichkeit gemäß ein Mitschuldiger war, würde vielleicht noch wichtige Geständnisse machen". Was ihm freilich nicht geringen Kum mer verursachte, war der Umstand, daß die Leiche Tremorel's noch immer nicht aufzu finden gewesen war. Vergebens hatte man den Garten und den Park bis in den letzten Winkel abgesucht; nach allen Rich tungen waren Leute ausgesandt worden zu demselben Zweck keine Spur von ihm. Noch eine Möglichkeit blieb, daß die Mör der seine Leiche in die Seine geworfen hat ten auch dieser letzte Versuch wurde ge macht und einige Fischer beauftragt, die Seine zu durchsuchen daß es kein Er gebniß haben würde, sagte sich Domini zwar voraus, aber er mußte es thun, wollte er seine Pflicht erfüllen. GünstigenFalles dagegen hoffte er näheren Ausschluß über manche dunkle Punkte der Untersuchung. Während der Untersuchungsrichter so seine Notizen machte und der gute Maire im Vollgefühl seines Amtes mit wichtiger Miene feine Unterthanen, die sich draußen drängten, zur Ruhe und Geduld, ver mahnte, unterhielten sich der Doktor und der Friedensrichter, die neben einander saßen, von der Krankheit, welche Sau vestry, den Onkel Tremorel's hinwegge rafft hatte. (Fortsetzung folgt.) In Baltimore haben die Polizisten von nun an auch zu turnen. Der dortige Correspondent" berichtet nämlich : Die Polizeicommistäre haben, von dem Werthe des Turnens für die Polizeibeamten über zeugt, verschiedene Turngeräthschaften an gekauft, an welchen vorläufig 50 Mitglie der vom Polizeicorps . des mittleren Distrikts unter Leitung de3 Prof. I. McGraw regelmäßigUebungen vornehmen sollen.