Indiana Tribüne, Volume 3, Number 15, Indianapolis, Marion County, 20 November 1880 — Page 1
Xen c& l't . yO i I v f ,. V 0'Crpfai'w' i . i V f . -J Jahrgang 3 No. 15. Sfsice: Ecke Circlc n. Meridian-Straße. Lausende No. 119. Indiazlapokis, Zndialka. Samstag, den 2.' Alovemöer 1880.
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Natur und Leben. Der Sturm fahrt über die Stoppel, Welk rauscht da Laub durch die Flur, Die Tage sind trüb und düster Und dennoch ist schön die Natur. Die Sonne verklärt noch die Erde, Der Fichtenwald stehet noch grün, Und golvig die ewigen Sterne DeS Nachts am Himmel noch glühn. So ist'ö auch im Leben des Menschen, Was immer der Sturm ihm geraubt, Der Wald und der Garten des Herzen Sind nimmer starr und entlaubt. Da rauschen die heiligen Baume, Da leuchten Sonne und Stern, Da blaut auch im Sturme der Himmel, Da treibt auch im Winter der Kern. So stehe als Mensch denn im Sturme . Fest auf den geistigen HLh'n, Und rufe durch Wolken und Wetter: Natur und Leben sind schön ! Ludwig Würkert. Die Lage in Irland.
Wie nicht anders von einer Regierung, deren Grundlage die Feudal- undKapital macht, zu erwarten war, so geschah es auch. Nicht mit Berücksichtigung der Volksbedürfnisse, nicht mit Adhülse der schreienden Uebelstände begegnet die englische Regie rung der Bewegung in Irland, welche reits den Charakter einer Revolution angenommen hat, sondern mit brutaler Gewalt. Parnell und die Führer der Land liga sind in Anklagezustand versetzt und verhaftet worden, und Dragoner und Hu saren hat man schon zu Tausenden in das unglückliche Land geschickt Daß dadmch weder die Nackten gekleidet, noch die Hun grigen gesättigt werden, liegt auf der Hand. Inzwischen agitirt pie Landliga weiter und sammelt Gelder zur Bestreitung der Prozesse ihrer Führer. Sie macht es den Landlords unmöglich, Land zu verpachten, von dem die Pachter vertrieben wurden, und es ist unmöglich, Käufer für Gegen stände zu finden, welche sür schuldigen Pacht gepfändet wurden. Auch spricht man bereits von der Losreihung Irlands vom britischen Königreiche. Nichts bindet Irland an das britische Reich als die Ge walt. Der Ire ist keltischer Abkunft, der Engländer germanischer; der Ire ist Ka tholik. der Engländer Protestant ; Irland wird von England beherrscht, sonst besteht kein Band zwischen beiden Ländern. Im Norden Irlands wohnen die Orangemen, oder protestantischen Jrländer. Diese ver hielten sich bis jetzt feindlich gegen die Be strebungen der Landliga, aber diese sängt jetzt an ihre Agitation unter die Orange men zu tragen und hat schon viele Anhän aer unter denselben gewonnen. Auch in Rom scheint man jetzt mehr Sympathien für die Sache der Jrländer zu haben. Bis vor Kurzem zeigte sich der Papst der Bewegung feindlich, weil eben die Kirche jeder freien Volksbewegung feindlich aegenübertritt. Seit einigenTa gen aber hat die offizielle vatikanische Presse ihren Tor. geändert und der Land liga Freundschaft angeboten. Was der Beweggrund zu dieser Sinnesänderung ist, wissen wir nicht, aber? für den katholi schen Jrländer ist sie sicher von Bedeutung. Wir sympathisiren von Herzen mit dem nach Besreiung ringenden irischen Volke Wir bemitleiden die Jrländer, weil es ii der civilisirten Welt kein unglücklicheres Volk giebt, als das irische. Die Geschichte Irlands unter englischer Herrschaft ist mi Blut geschrieben. Mt brutaler Gewal versuchte England den Jrländer zum Pro testantismus zu bekehren, mit räuberischen Händen stahl England d n irischen Grund und Boden und vertheilte ihn unter seine Groken. Seit Jahrhunderten wurde das Land systematisch geknechtet und ihm jeder mate riefle Aufschwung unmöglich gemacht. Die Krämerpolitik Englands macht jede Industrie unmöglich, damit der Ire arm bleibe und e3 dem Lord nicht an Sklaven fehle. Der Jrländer muß heule, um sich
Pachtzins ein Stückchen von dem Boden miethen, das seine Vorfahren als Eigen hum , besessen, und wenn die Ernte schlecht auSsällt, und er den Pachtzins nicht bezahen kann, pfändet ihm der Constablcr die etzte Kuh und den letzten Pflug ab und aqt ihn von der Scholle. Der Pachtzins wird mit unerbittlicher Härte eingetrieben. Der irische Landlord verpraßt die ErzeuqZeugnisse des mit dem Blute des armenJränders gedüngten Bodens in London, während zu' Hause der arme Landarbeiter buchstäblich verhungert. Es ist Thatsache. daß während der gräßlichen Hungersnoth m vorigen Jahre riesige Quantitäten Weizen von Irland nach England verschickt wurden. Der irische Landarbeiter, und andere giebt es nicht, nagt Jahr aus. Jahr ein am Hungertuche. Das $tth des amerikanischen Bauern wohnt besser, als der irische Landarbeiter; seine Nahrung besteht fast bloß aus Kartoffeln. Die ArArmuth des irischen Volkes ist eine entsetz liche. Wer es irgendwie machen kann. wandert aus und seit wenigen Jahren ist die Bevölkerung Irlands auf die Hälfte herabgesunken. Da ist es kein Wunder, daß daö irische Volk in Verzweiflung die Faust gegen seine Peiniger erhebt. Es ist nicht das erste Mal, daß es geschieht, aber noch jeder Befreiungsversuch ist von England mit eiserner Faust niedergeschmettert worden, und es scheint, daß das Maß des Unglücks für daö bedauernswerthe Land noch nicht voll ist Sarah Bernhardt versetzt gegenwärtig die New Porker in große Ausregung. Sie ist das Tagesgespräch, und es gehört jetzt dort förmlich zum guten Ton- die Künstlerin gesehen zu haben. r-,. . Ihr erstes Auftreten hat eine ungeheure Menschenmasje ins Booth Theater gelockt und das Publikum trug der Künstlerin eme Wärme entgegen, die sich gegen Ende der Vorstellung fast zurFieberhitze steigerte. Ueber die Künstlerin selbst lassen wir den .Figaro" sprechen, der diesellbe in orgi neller Weise kritisirt, indem ersagt: Der Kunstgenuß, denSarah uns bietet. ist etwas sremdartig, man muß sich an denselben erst gewöhnen, wenn man Geschmack daran finden soll ; nur macht man sich ungewöhnlich schnell mit dieser fremd artigen Erscheinung vertraut, in wenigen Minuten schon findet man Geschmack da ran und das ist ein Triumph der Künst lerin. Schon Sarah's Erscheinung ist außerordentlich befremdend, und wer fie zum ersten Male als Frou-Frou gesehen, wird fast erschreckt davon gewesen sein. Sarah ist wirklich so dürr, als hätte sie keine zehn Pfund Muskeln an sich, sondern wäre nur ein mit Haut überzogenes Ske lett ; die holde Wellenlinie kommt bei ihr gar nicht vor, bei ihr ist vielmehr Alles grade Linie und scharfe Ecke. Und wenn man sie noch dazu in dem dunkelgrünen Reitk'eide aus dünnem Stoffe sieht, das sie ohne Weiteres über den bloßen Körper geworfen zu haben scheint und welches sie beim ersten Abgange noch so geschickt anzieht, daß ihre natürlichen Umrisse mit aller nur denkbaren Schärfe hervortreten, so fordert sie nicht mehr zur Karikatur her aus, sondern sie ist schon eine Karikatur. Sie erinnert unwillkürlich an jene Nach' ahmungen menschlicher Figuren, welche k geschickte Künstler aus Zahnstochern zu bilden wisien und die so eigenthümlich komische Bewegungen machen, wenn man sie an den durch Knicke dargestellten Gelenken mit einem TröpfchenWasser betupft. Und dazu dieses lange hagere nichts wen! ger als jugendliche Gesicht, das an anderer Stelle ausführlicher geschildert ist, und der eigenthümliche Gang und die Haltung, deren Grazie und Anstand man erst er kennt, wenn man nd) an das sonderbare Wiegen von einerSeue zur andern und an das übermäßige Hervorstrecken des Unter körpers gewöhnt hat, und man wird ge stehen müssen, daß Sarah Bernhardt von Mutter Natur mit körperlichenReizen nicht grade verschwenderisch ausgestattet ist. Und doch, wie verklärt, wie poetisch, ja
zu ernayren, gegen unerlcywlngllcyen
wie schön sieht diese' knochige und eckige
Sarah im Vergleich zu'den anderenFrauen aus, die neben ihr aus der Bühne erschei ncn ! Wie gewöhnlich, wie alltäglich, wie überaus prosaisch, wenn nicht gradezu ordinär kommen diese neben ihr vor! Keine andere Künstlerin würde es wagen, die körperlichen Reize, welche sie nicht besitzt, s.z offen zu Zeigen, wie Sarah es thut, und doch findet man das bei ihr so natürlich, eS stimmt mit ihrer ganzen Erscheinung,, mit ihrem ganzen Wesen so vollkommen überein, als ob es gar nicht anders sein könnte.' Es ist der Geist Sarah's, der die Materie beherrscht und ihren reizlosen Körper verschönt. Sarah ist eine sehr bedeutende Kü:stlerin, daö unterliegt gar keinem Zweifel, sie hat bc reits die hohe Stufe der Künstlerschast er reicht, auf welcher man die Kunst nicht mehr merkt; ein Genie ist sie jedoch nicht. Die Rüdenernte in Frankreich ist in Bezug auf Qualität, die schlechteste, die man kennt. Die Tochter des Ex-Senators Sar gent von California hat ihre medizinischen Studien mit Erfolg beendet und praktizirt jetzt als Arzt. Der Czür will sich wahrscheinlich durch besondere Wohlthaten, die er jetzt übt, ein Plätzchen im Himmelreich erwerben. Er hat dieser Tage das Todesurtheil gegen drei Nihilisten in lebenslängliche Zucht hausstrafe umgewandelt. In London haben sich dieser Tage 125 auö Hamburg und Umgegend ausgcwie feie . Sozialdemokraten niedergelassen. Wenn das noch eine Zeit lang so fort geht, wird von Hamburg bald nicht viel mehr übrig bleiben, als die leeren Häuser. . W , Ein russischer Gouverneur in Kasan ist abgesetzt worden, weil er 700,000 Tartaren mit Gemalt zur griechischen Kirche bekehren wollte. Diese fanatischen Be kehrungsversuche sind durchaus nichts Neues, aber ein Verfahren wie das gegen den Gouverneur ist leider bis jetzt noch nicht dagewesen. Telegraphischen Nachrichten aus St. Paul zufolge brach in der dortigen Irren anstalt St. Peter am Dienstag Feuer aus das mit seiner verheerenden Macht unab sehbare Verluste zur Folge hatte. In der Anstalt waren zurZeit etwa 556 Patienten, von denen 50 in den Flammen umkamen. Das Gebäude ist zur Hälfte zerstört und sonderbarer Weise nicht einmal versichert. Auf Anregung des Philadelphia Tgbts." haben Arbeiter in einer jüngst abgehaltenen Versammlung beschlossen, Schritte zu thun, um eine staatliche Partei der Arbeit zu bilden. Es sollen hiczn alle Elemente herbeigezogen werden, welche das Wohl des Arbeiters im Auge haben, und die Interessen der Arbeiter befürwor ten. Dieses Beispiel sollte in allen Städten Nachahmung finden. ' Die Schauspielerin Alice Oates, welche auch vor Kurzem hier in English's Opernhaus gastirte, löste ihre Truppe auf, ohne den Mitgliedern derselben die noch rückständige Gage bezahlt zu haben. Es passirte ihr nämlich das Malheur, daß ihr Geschastsleiter mit der Kasse durchbrannte. An der Truppe selbst ist übrigens nichts gelegen, denn das war schon mehr TingelTangel als alles Andere und man begreift kaum, wie die Oats so tief hinabsinken konnte. ' General Schofield, der Direktor von Weflpoint, giebt in seinem Bericht zu ver stehen, man solle keine farbigen Cadetten mehr in diese Anstalt schicken, um sie zu Offizieren ausbilden zu lassen. Die weißen Cadetten könnten sich nicht mit ihnen vertragen. - - Wäre der Mann nur ein wenig liberal und vernünftig, er gäbe dann ohne Umschweife zu verstehen, daß das Rassenvorurtheil' das albernste ist. das je eristirte. Da jeooch obige Eigen schaften bei dem Manne nicht vorhanden sind, so muh man ihm seine Ätdernheit zu vercyen geben.
Das Land wo Milch und Honig flickt.
San Bernardino County in Süd Ca fornien bat in der verflossenen Saison 350,000 Psd. filtrirtkn Honig und 100,000 Pfund Scheibenhonig produzirt. D!e An zahl der im County befindlichen Bienenstände betrug 6000. Dulcingo ist noch immer nicht in den Händen der Montenegriner. Der kleine Hafen am adriatischen Meere hat nun seit Monaten die Diplomaten der alten Welt in Aufregung erhalten und kann vielleicht zum Vorwurf eines blutigen Krieges wer den. Jetzt ist ein türkischer Abgesandter mit versiegelten Ordres auf dem Wege dahin. Karl Heinzen ist todt. Die Freunde dieses wackeren Jreibeitskämpen haben mit Schmerz diese Nachricht vernommen. Heinzen hat sich namentlich um die Sache der Radikalen verdient gemacht, indem er durch Wort und Schrift und mit seltener Ausdauer die Bestrebungen der Radikalen zur Geltung brachte. Daß er sich in diesem schweren Kampfe auch viele Feinde machte ist selbstverständlich, aber es kann den Freunden Heinzens wenigstens zur Genugthunng gereichen, dab selbst die Feinde des Verstorbenen, die seltene Cha rakrerfestigkett, welche Heinzen stets be wahrte, anerkennen müssen. Heinzens Schriften, die sich durch Gedankenreich thum und glänzende Schreibweise ; auszeichnen, behandeln die wichtigsten Tages und Lebensfragen in anregender Weise. Ehre seinem Andenken ! Neue Anzeigen. Mmtmnm dcö Indianapolis Soc. Turnvereins i. am Sonntag, 21. Novör. '80 in der MnnnerchorHalle. Eintritt 25 Cents G Person. Programm: 1. Theil. 1. Marsch Daheim" H. Tietzel. Orchester. 3. rairifccn und Sruppirungen am Pferd Turner und Zöglinge. 3. Turnen am Pferd Turnerriege. 4. Freiübungen mit Musikbegleitung Mädchen und Knaben der 2. Classe. 2. Theil. 1. Ouvertüre Alb. Nibig. Orchester. 2. Turnen am Barren t. Knabenriege. 3. Stabüdungen mit Musikbegleitung. . Damen . Classe. 4. Turnspiel .. .3. Äädchen. Classe. Z. Theil. - ; j 1. Einhuncert Maisch ...A. Reißner. Orchester. : 2. Frei-und Old.'ungSübunpen 1 der sieggk krönten LouiSri!!cRieae. 5. Turnspiel Z. Knben Classe. 4. Tanz, und Gesang-Reiaen I. Äadcher. Classe. Schluß: Tanzkräuzchcn. ZndianapolisBi 'l'örimcr Untcrsiutzungs-Vkrc'm. 14. Stistungssest am Dicttstag, 23. Novcmbcr in der Mozart Halle. Tickets für Herr und Dame ' . . $1.00. Das Comite.
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