Indiana Tribüne, Volume 3, Number 14, Indianapolis, Marion County, 13 November 1880 — Page 6

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Indianer Tribüne.

Entlarvt.

Criminal'Jiotoelle von Wilhelm MttNdt. (Fortsetzung.) Welche Verrichtungen hatte er zu be sorgen V Er war seines Zeichens Gärtner er besorgte daS Gewächshaus der Gräfin und ihre seltenen Pflanzen." SBufet er von dem Vorhandensein de Geldes V Sie erinnern sich, Herr Bürgermeister, daß ich eben bemerkte, daß der Herr Gras eS uns Allen gezeigt hat welche Absicht er dabei hatte, ist mir unbekannt Was ist er sonst sür ein Mensch, dieser Grespin !" fuhr der Bürgermeister in sei nem Verhör fort. Hm !" antwortete der Kammerdiener, Schlechtes kann man eigentlich nicht von ihm sagen ... Er ist ein guter Kcrl . . . nur schaut er gar zu gern iVs Glas und ist immer in Geldverlegenheit . . Sehen Sie-, flüsterte der Bürgermei ster dem Friedensrichter in's Ohr, hab' ich mir's gleich gedacht ! Dieser Grespin und Niemand weiter ist der Mörder !" Sachte, sachte", sprach lächelnd Fleury, die Untersuchung wird's lehren. Hüten wir uns, im Voraus gegen Jemand ein Urtheil zu fällen, ehe wir irgendwie einen gegründeten Anhaltepunkt haben. Indeß wird's Zeit sein, den Ort des Verbrechens selbstzin Augenschein zu nehmen." Der Diener öffnete das Thor und der Bürgermeister und der Fiedensrichter nebst den Gensdarmcn, die sich unterdeö eingefunden hatten, sowie die beiden Berlrand betraten den Hos und sodann das Schloß selbst. II. Im Schlosse selbst mußte jedenfalls ein Verbrechen stattgefunden haben der erste Blick, den man in den Hausflur und auf die Treppe warf, lehrte es sogleich. Auf dem marmornen Fußboden waren einzelne Blutstrapfen zu sehen ; unten aus der letzten Stufe der Treppe lag eine grobe Blutlache, auf den anderen Stufen waren ebenso Blutstropsen zn sehen, ja sogar das Geländer der Treppe war ftcl lenw ise blutig. Der gute Bürgermeister wäre fast in Ohnmacht gefallen bei diesem Anblicke, und im Geheimen verwünschte er jetzt sein Amt, das ihm so unangenehme Pflichten auserlegte. Sogar der alte GendarmerieBrigadier, ein alter ttrim-Soldat, scheint zu zögern. Nun der Fnedensrlchter yueb ratt und gleichgiltig. '.Thun wir unsere Pflicht", sagte der Friedensrichter mit fester Stimme zu dem Bürgermeister. Sie traten in das erste Zimmer in welches die Thüre führte, die sie, oben auf der Treppe angelangt, bemerkten. Es war ein kleines mit blauem Satin ausgeschlagenes Boudoir, was mit einem Divan und vier FauteuilS, die mit feinem Sammet von gleicher Farbe überzogen waren, ausgestattet war. Einer der Fauteuils lag ungestürzt am Boden, sonst war hier nichts Ausfallendes zu bemerkeo. Nebenan lag das Schlafzimmer. Hier war Alles in der größten Unord nung. Kein einziges Möbel stand mehr an sei ner Stelle, alles deutete darauf bin, daß höchst wahrscheinlich zwischen dem Mörder und seinem Opfer ein hesligerKampf statt gefunden hatte. Mitten im Zimmer lag ein kleiner Thee tisch am Boden, ringsumherStücke Zucker, silberne Löffelchen und Porzellanscherben. Die Mörder sind offenbar gekommen", meinte der Kammerdiener, während der Herr Graf und die Frau Gräfin den Thee nahmen." Das Sims des Kamins war leer; eine Pendule lag am Boden und war im Fallen auf 3 Uhr 20 Minuten stehen geblieben. Ebenso lagen die Lampen in Stücken auf dem Boden herum die Oelbehälter waren in Stücken und das Oel hatte sich auf dem Teppich ergoffen. Der Betthimmel war heruntergeriffen und bedeckte das Bett; offenbar hatte sich Jemand krampfhaft daran angeklammert und hatte ihn dabei während des Ringens mit dem Mörder heruntergeriffen. Alle Möbel lagen wirr durcheinander am Boden ; der Ueberzug der Fauteuils war an vielen Stellen wie mit Meffersti chen durchbohrt, und stellenweise trat der ZüUs!csf hervor. D Sekretär war zertrümmert ; der kleine an demselben befindiche bewegliche Schreibtisch hing nur noch

in den Charnieren und olle Schubladen standen offen. Und dabei überall Blutflecken an den Möb?ln, an dem Teppich, an den Tapeten und besonders an den Bettvorhängen. Der Graf und die G,äfi- hatten sich offenbar gegen ihre Angreifer wacker ge wehrt. Die Unglücklichen!" stammelte der Maire zusammenschaudernd, die Un glücklichen sind hier ermordet worden !" Der arme Mann brach, Amt und Würde

ganz vergessend, in hellen Thränen aus. Der Friedensrichter verlor allein den Kops nicht. Sorgfältig untersuchte er Alles und machte sich hie und da. wo es ihm nöthig schien, einige Notizen. Die übrigen Zimmer der ersten Etage wurden ebenso durchsucht. Ueberall die selbe Unordnung. Es schien, als ob eine Bande Verbrecher die Nacht über in dem Schlosse gehaust hätten. Ganz besonders war in d?m Cabinet des Grafen selbst Alles zu oberst und zu unterst gekehrt. Die Verbrecher hatten sich offenbar nicht einmal die Mühe gege ben, die Schlöffer mit Dietrichen aufzumachen, sie hatten sie kurzweg mit Axt' hieben zertrümmert. Jedenfalls hatten si? die Gewißheit g?habt, daß Niemand sie höre ; denn um das massive Bureau des Grafen zu zertrümmern, hatte eS jedenfalls wuchtiger Hübe bedurft. In dem Salon und dem Rauchzimmer waren Stühle, Sopha's und Divan's zerrissen, als wenn Jemand mit einem Degen darin herumgewühlt hätte In der zweiten Eiage fand man vor einer Truhe, die zwar noch ungeöffnet war, aber ebenfalls von Versuchen, sie zu 5 ff nen, Spuren trug, eine Axt liegen, die der Kammerdiener als seinem Herrn gehörig erkannte. Begreifen Sie jetzt den Hergang der Sache?- sagte der Bürgermeister zum Friedensrchter. Der Mörder waren mehrere, das ist klar. Nach vollbrachtem Morde haben sie dasHaus nach dem Gelde abgesucht, zu dem Zwecke haben sie Alles durchstöbert und sogar die Möbel nicht verschont; einige von ihnen stiegen hier hinauf und malen gerade im Begriff, diese Truhe zu zerschlagen, als die anderen das Geld fanden und sie hinunterriefen. Da rauf haben sie in der Eile die Axt liegen gelassen." Der Friedensrichter antwortete nicht. Er schien die Ansicht des Bürgermeisters nicht zu theilen oder jedenfalls sich nicht eher aussprechen zu wollen, bis weitere Beweise vorliegen würden. Die Herren stiegen zum Erdgeschoß I hinab. Dieses war allein verschont geblieben. Nur hatten die Mörder nach Bollbrin gung ihres blutigen Werkes das Bedürf niß gefühlt, sich ein wenig zu stärken. Die Reste eines Soupers standen noch auf dem Tlsche ebenso einige leere Wein- oder Liqueulflaschen nebst fünf Gläsern. Es waren ihrer also fünf", murmelte der Bürgermeister als er die Gläser sah. Die Verbrecher haben es allerdings sehr eilig gehabt-, sagte der Friedensrich' ter, uns Aufschluß über ihre Anzahl zu geben." .Es wird nöthig sein, den Herrn Untersuchungsrichter zu bitten, hierher zu kommen-, meinte der Bürgermeister. Ganz richtig", antwortete Fleury, ich wollte Sie schon darauf aufmerksam ge macht haben". Ein Gendarm wurde beordert, sogleich anzuspannen und den Untersuchungsrichter, der eine halbe Stunde entfernt in Corbeil wohnte, zu holen. Während, deffen schritten der Friedenslichter, der Bürgermeister und der Kammerdicner, begleitet von den beiden Bertrand, auf den Fluß zu, um die Leiche in Augenschein zu nehmen. Das Haus liegt von der Seine etwa zweihundert Schritte entfernt; vor dem Hause breitet sich ein großer, schöner, von Blumengebüschen durchzogener Rasenplatz aus, der von einer Allee durchschnitten wird, die sich um das Haus herumschlängelt und in der man zur Seine gelangt. Man konnte indeß sehen, daß die Mörder keinensalls die Allee benutzt hatten, um an den Fluß zu gelangen. Das Gras war zertreten und zerknickt, als wenn Jemand eine schwere Bürde über dasselbe hinweg geschleppt hätte mitten auf dem Rasenplatze hob der Friedensrichter etmasRothes auf der Kammerdiener erkannte es als einen Pantoffel seines Herrn wieder, und weiter hin entdeckte man einen weißen blutbefleckten Foulard, den der Gras nach Aussage des Kammerdieners gleichsalls! öfters getragen hatte.

AN oer stelle, m ote weiche lag. war der Sand tief aufgewühlt es schien, als ob Füße hier irgend einen festen Stützpunkt gesucht hätten und als ob ein hesti ges Ringen stattgefunden hätte. Der Friedensrichter und der Maire traten allein an die Leiche heran. Es war wirklich die Grösin ; beide hatten sie oft in dem grauseidenen Kleide gese hen. Wie kam ihre Leiche hierhin ? Der Bürgermeister vermuthete, sie sei ihren Mördern entwischt, es sei ihr gelun gen, sich bis hierhin zu schleppen. Dort hätten die Mörder, so berechnete er, sie erreicht und ihr den Todesstoß versetzt. Diese Voraussetzung würde die Fußspuren allerdings vollständig erklären, und es wäre in diesem Falle die Leiche desGrafen, die man über den Rasen geschleppt hätte. Courtois suchte mit allen möglichen Gründen den Friedensrichter von der Richtigkeit seiner Ansicht zu überzeugen indeß dieser sprach sich nicht aus, worüber der arme Bürgermeister nicht wenig ärger lich wurde. In der That war auch ja noch eine an dere Möglichkeit offen ; die Mörder konn ten du Grasin in ihrem Hause ermordet und sie dann bis an den Graben geschlappt haben auffallend war es freilich dann. daß die Leiche des Grafen nicht auch hier lag bis dahin hatte man sie andersrvo noch nicht aufgesunden. Diese Gedanken waren cs, welche dem Friedensrichter ?u?ch den Kopf fuhren. Jedenfalls sind diese beiden Schurken da", flüsterte der Bürgermeister dem Frie densrichter in's Ohr, die Schuldigen oder wenigstens bei dem Morde betheiligt. Ist es nicht auffallend, daß sie zuerst den Mord anzeigten V .Vielleicht ja, vielleicht nein wer kann's jetzt ermeffen V versetzte der Frie densrichter. Uebrigens haben Sie die Mittel in der Hand, sich derselben zu ver sichern". ,34 will sie verhaften laffen !" antwor tete der Maire. Thun Sie, was Sie für gut finden die Befugnis dazu haben Sie l" .Brigadier", rief der Burgermeister, verhaften Sie diese beiden Menschen im Namen des Gesetzes und suchen Sie jede Verbindung dttselben mit einander unmöglich zu machen !" Zu Befehl, Herr Bürgermeisters ver setzte der Brigadier. Bertrand und sein Sohn wurden in's Gefängniß abgeliefert. Und nun, Herr Bürgermeister", wandte sich Fleury nicht ohne einen leisen Anflug von Spott an Herrn Courtois. Den Grafen hätten wir noch immer nicht!.Freilich, freilich . . . stotterte der Bürgermeister verlegen. Es wurde Sore getragen, die Leiche der Gräsin in's Schloß zurück zu bringen. Die Mörder hatten sie wahrhaft entsetz, lich zugerichtet. Mehr als zwanzig Mes. sttstiche hatte sie erhalten, es war wahrscheinlich, daß man sie mit einem Stocke oder vielmehr mit einem Hammer erschlagen hatte man sah, daß man sie mit Füßen getreten und bei den Haaren weggeschleppt hatte das sonst so frische reizende Gesicht war jetzt nur mehr eine große Wunde, mit Koth über und über bedeckt. Die Kleider waren allenthalben zerfetzt. Inder linken erstarrten Hand hielt sie ein Stück gewöhnliches graues Tuch daS sie wahrscheinlich während des RingenS von dem Rocke eines ihrer Mörder abgerissen hatte. Die rechte Hand zeigte tiefe Einschnitte die Gräsin hatte sich offen bar tapfer gewehrt und die Klinge des Dolches mit der rechnen Hand ergriffen, als der Mörder aus sie zustoßen wollte. Ma r hatte die Leiche soeben im Erdgeschoß auf das Billard niedergelegt, als die Ankunft des Untersuchungsrichters gemeldet wurde. Endlich, endlich !" murmelte der Maire . . . möge ein Anderer die Last tragen, unter der ich zu erliegen drohe . . Und wiederum bereute er es, die Stelle eines Maire's von Orzival übernommen zu haben. II. Herr Domini so hieß der Untersu chungsrichter war ein Mann von eini gen vierzig Jahren. Schon sein ernstes Wesen verrieth an ihm den Vertreter des Gesetzes und in der That schien dieses in ihm seine Verkörperung gefunden zu haben. Seitdem er vor wenigen Jahren zu dem Amte eines Untersuchungsrichters sich em porgeschwungen hatke er war übrigens ein Mann von großem Talent und außer

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ordentlichem Fleiße schien er nur für

sein Amt zu leben. Böse Zungrn wollten zwar behaupten und nicht ganz ohne allen Grund daß er gerade zu nichts untauglicher sei, als zu dem Amte, welches er bekleidet. Und in der That, hatte er einmal über eine Untersuchung sich eine bestimmte Meinung gebildet, so war nichts im Stande, ihn davon abzubringen. Eigensinnig beharrte er m solchen Fällen bei der einen Möglichkeit oder Wahrscheinlich, km, die ,hm die natürliche schien, ohne dabei auf eine andere begründete Möglich, keit Rücksicht zu nehmen und dieselbe wenigstens gewiffenhaft zu erwägen. Einen Angeklagten durch allerlei Kreuz. und Querfragen in Verwirrung zu setzen, verschmähteer; ihm eine Falle zulegen, um ihn so zum Geständniß zu bringen. hielt er sür unwürdig und unpaffend geraden Weges ging er aus sein Ziel los und die Meinung, die er sich dabei bildete, stand dann, wie gesagt, bei ihm unerschüt terlich fest. Der Bürgermeister und der Friedens' richte? beeilten sich, dem Untersuchung' richter entgegenzugehen. Domini begrüßte sie leichthin, wie ein Mann, der von seiner höheren Stellung ganz durchdrungen ist und stellte zugleich einen Herrn von etwa fünfzig Jahren, der sich in seiner Begleitung besand, als den Doktor Gcndron vor. Salon geleitet hatte, sagte er zu dem Un. tersuchungsrichter: Was uns veranlaßt hat. Sie hierher zu bitten, wird Ihnen vielleicht schon bekannt sein ein schändliches Verbrechen ist heute Nacht begangen worden und V - a IT w , .. r . uaa in memer Gemeinoe, m oer ,oilve Schandthaten bis dahin nicht vorgelommen sind . . Bis jetzt ist mir nicht das Geringste von der Sache bekannt." unterbrach Domini den redseligen Bürgermeister tacken, Bitte tausendmal um Entschuldigung stotterte Courtois, ich erlaube mir denn, dem Herrn Untersuchungsrichter die Thatfachen, welche vorliegen, zu berichten. Sehr angenehm-, antwortete Domini. Der Bürgermeister berichtete die Thatsache, die wir bereits kennen, nicht ohne großer Genugthuung hinzuzufügen, daß er bereits einige Mann beordert habe, die Leiche des Grafen auszusuchen, denen, meinte er, dies jedenfalls gelingen wurde, Der Untersuchungsrichter schwieg an. fang!', als der Bürgermeister geredet batte er schien die Sache zurecht zu legen und seinen Plan aufzubauen. Das Unglück ist zwar sehr groß", sagte er endlich gedankenvoll vor sich hinblickend, indeß hoffe ich, bald die Schuldige her. auszufinden. Diese beiden Wilderer, so wie der Diener Gresvin sind jedenfalls die schuldigen wenigstens bei dem Morde betheiligt, das scheint mir festzustehen.Ullglücklichermeise", warf der Friedens richter ein. ist gerade Grespin, auf dem der Hauplverdacht zu ruhen scheint, nicht hier daß er sich sobald einstellen werde, steht wohl nicht zu erwarten". Oh ! antwortete Domini, vir werden ihn schon finden, ich h'be für alle Fälle die Polizeipräfektur in Paris um einen geschickten rw . . rf '.I

Agenten geoelen er wiro wooi mcyl der nur sür seine Gattin lebte und ihr jenicht lange aus sich warten laffen den Wunsch erfüllte, den sie andeutete

Vielleicht wünschen der Herr Untersuchungsrichter den Schauplatz des Verbre chenS in Augenschein zu nehmen V schlug der Maire vor. v Ohne den Agenten", antwortete Do' mini ablehnend, werden wir einstweilen nichts thun können indeß wäre es mir sehr erwünscht, wenn Sie mir, Herr Maire. über die Verhällniffe der Gräfin einige Auskunft geben wollten". Mit dem größten Vergnügen", antwortete der Maire. Sie gestatten mir, hob er an, zum besseren Verständniß der Äache etwas weiter auszuholen. Die jetzt ermordete Gräfin war bereits zum zweiten Male verheira thet ihr erster Gemahl hieß Sauvestry." War sie reich?- warf der Untersuchungsrichler ein. Nein, im Gegentheil. Bertha Lefaille war die Tochter eines armen Dorsschul lehrers, der nichts als sein mageres Gehalt und einige armselige Stück Vieh sein eigen nannte. Indeß mos ihr an Vermögen abging, das hatte sie an körperlichen Vor zügen vor vielen Andern ihres Geschlechtes voraus. In einem Alter von achtzehn Jahren schon war sie wegcn ihrer Schönheit weit und breit berühmt, da sie aber als Mitgift, wie gesagt, nichts anderes als ihre großen blauen Augen und ihre schönen blonden Haare aufmeisen konnte. so stellten sich die Bewerber nicht ein.

Schon glaubte Jedermann, sie werde

unter diesen Umständen ohne Gekühlten durch's Leben wandeln müssen, als einer der reichsten Gutsbesiker des Landes sie gelegentlich sah und sich in sie verliebte". Sauvcstry, so hieß der Gutsbesis:r, war damals ein junger Mann von etwa dreißig Jahren, er besaß über hunderttausend Francs Einkünfte aus gutem, schulden freiem Landbesitz. Beffer als Jemand anders konnte er seine künstige Ledensgefährtin nach Neigung seines Herzens, ohne alle Nebenabsichten wählen. Er zögerte nicht lange, bewarb sich um die Hand Berthes und erhielt sie ihr Bater hoffte nicht mit Unrecht, durch diese Heirath ein wenig aus seiner gedrückten Lage sich herausarbeiten zu können, Einen Monat später heirathete er Berthe zum größten Erstaunen aller derjenigen, die ihn kannten und die da glaubten, einesolche Heirath könne keine glückliche sein, Und wie wurde die Heirath V frug der Untersuckunasrickter. .Erstatten Sie zuerst einen Umstand zu. erwähnen, der vielleicht von Wichtigkeit ist. Sauvestry besaß keinen unmittelbaren Verwandten mehr seine Eltern waren längst gestorben, ein älterer Bruder, der Wittwer war. hatte nicht lange darauf da Zeitliche gesegnet. Der einzige Ver wandte, den er noch hatte, war ein Neffe hör (ttrnf d? rfrnnrpl ? Ir -S . Der Gras!- ries der Untersuchunas richter höchlichst erstaunt. So ist es. Sauvestrv batte schon ei nen Monat vorder Hochzeit Bellcfleur unter anderen Gütern war auch dieses herrliche Schlok sein Eigenthum von einer Menge Arbeiter aus's Herrlichste I U a ' einrichten lassen die jungen Eheleute kamen hierhin, ihre Flitlerwochen zu vertrinaen. Der Aufenthalt auf diesem reizenden. Schlöffe hatte ihnen ohne Zweifel so wohl anfallen, daß sie beschlossen, dauernd ihren Wohnsitz hier auszuschlagen. Anfangs glaubte man freilich, diese Heiralh würde jedenfalls eine Mesalliance ich selbst theilte diese Ansicht. Und doch kam es anders. Bertha war eine liebenswürdige junge Frau, die niemalsihre Helkunst vergaß, und deßhalb überall immer die Bescheidenheit selbst war. Sie verstand es. den Aristokraten aus der Umgegend die Honneurs zu machen, als wenn sie nie andeeswo als im Salon gelebt hätte. Nicht selten findet man es, daß. gerade solche Leute, die sich aus bescheide. nen Berhallniffen heraus in ungewohnten Glanz und Ueberfluß versetzt sehen. An0ern gegenüber hochmüthig und stolz auftreten Bertha war gegen Jedermann,, selbst gegen den Geringsten, herablaffend und freundlich, die Liebenswürdigkeit selbst. Ihre Hand war immer "geöffnet. wo es galt, das Unglück und die Noih zu lindern sie verschmähte es nicht, selbst die Hüt'en der Armen aufzusuchen und selbst Trost und Hilfe zu bringen. So konnte es nicht fehlen, daß die gute Bertha sg nannten die Armen sie überall außerordentlich geachtet und geliebt wurde. Sauvestry war ebenso ein gutmüthiger treuherziger Mensch von edlem Charakter . . ... . . . seine Mittel erlaubten ihm olles dies. So mußte diese Ehe eine glückliche sein und sie war es in der That. Nur zwei. Wölkchen trübten diesen Himmel: da Glück, liebliche Kinder um sich herum zu sehen, blieb ihnen versagt, und Sauvcstry, der sonst so kräftige, starke Mann, fing in Folge einer Erkältung, die er sich aus der Jagd zugezogen hatte, mit einem Male an zu kränkeln. Zwar flößte sein Gesundheitszustand keine Besorgniffe ein, aber dennoch floh von da ab jene heitere Zu friedenheit die eleganten Schloßräume, die man so oft gerade in der Hütte des Armen anzutreffen gewohnt ist. Eines Tages fühlte sich Sauvestry so unmo' l, daß er sich zu Bett begeben mußte. Es sei nur ein kleines Fieber, behauptete der Arzt, das bald überwunden sein würde. Und wirklich einige vierzehn Tage tpatcr erhob sich Sauvestry wieder von seinem Schmcrzenstager, und wer hätte nicht glauben sollen, er habe sich ganz wieder erholt aber es schien nur so. Einen Monat ungefähr später bekam Sauvrstly einen Rücksall, und zwar so stark dieies Mal, daß die Aerzte bedenklich denKopf schültettett undAlle das Schlimmste befürchteten. Sauvestry hatte während der ganzen Krankheit niemals über große schmerzen gefragt aber er wurde von Tag zu Tag NchlUch hinfälliger und kurz vor seinem Ende glauble man nur noch seinen Schatten zu sehen. (Fortsetzung folgt.)

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