Indiana Tribüne, Volume 3, Number 14, Indianapolis, Marion County, 13 November 1880 — Page 4
Indianer Tribüne.
w (Wochenblatt.) Office: Ecke Cirrle n. Meridianstr. fJm dritten ?tkck Enrwl gq Fppnwl-clasa rnnttor at the Postoffice at Indianapolis. Indiana. Abonnements-Preise. In der Stadt durch die Post ins HauS geliefert Pe- as,r im Voraus Per Nummer ...52 6 OntJ. Otto Tchisscl. Herausgeber. Indianapolis, Ind., den 13.Novbr. 1830. Jetzt und vor achtzig Jahren. An? keinem Gebiete treten uns die großartigsten Fortschri'te, welche in der Ent Wickelung des Jeitungswesens seit dem Be ginn dieses JahrdunderlS aemacht worden find, in überraschenderer Weise entgegen, als auf dem der telegraplzischen Berichterfiattuna. Jüns Stunden, nachdem die Wablkästen am Dienstag den 2. November gkscklossen worden waren, war das Er aebn'm der Präsidentenwahl überall in den Ver. Staaten und in jeder europäischen Hauptstadt bekannt. Jedermann, welcher an jenem Tage stimmte, kann sich der Zeit erinnern, wo es zebn oder zwölf Tage ge nommen hoben würde, bevor die ?achricht London erreichte, und wenigstens der v'erte Tbeil der Wäbler kann sich die Zeit in' 'Gedächtnis zurückrufen, wo es eben so lang? gedauert hatte, die Nachricht von New Orleans nach New York zu bcför dern. E find noch Leute am Leben, welche sich erinnern können, von dem Tode Wajhing ion's erst ein. zwei oder drei Wochen nach dem Eintritt desselben vernommen zu ha fn. 56 Abscheiden des .Vaters deö Vaterlandes" war in den Ver. Staaten am Sckluv d-s letzten Jahrhunderts das große Ereignis. Nichts desto weniger blieb dasselbe in Boston acht Tage unbe kannt. Die Neuigkeiten von jenseits deSOceans reisten natürlich noch viel langsamer. Am 15. März IM waren 83 Tage lang keine Nachrichten von Europa eingetroffen, und ,S war erst eine Wocke svater. daß ein Segelschiff, welches unerwartet in N:w Vork eintraf, die mehr als drei Monate alte Nachricht von der Erwählung Bonaparte's zum ersten Consul und der Annähme der neuen Versassung der sranzösi' schen Republik brachte. Diese Art und Weise der Uebermittlung von Nachrichten genügte den Leuten damals vollständig. und allwöchentlich eine Zeitung war Alles. vaS verlangt wurde. Als im Jahre 1796 die Salemcr .Gazette" zweimal in der Woche zu erscheinen begann, hielten viele Leute dieses für ein thörichtes Unternehmen. .Es war Unsinn", sagte der alte John Pickering. .die Gemüther der Men. schen zu beunruhigen, indem man zweimal in der Woche Zeitungen unter sie sandte und dadurch ihre Aufmerksamkeit von den Pflichten, deren Erfüllung ihnen oblag, ablenkte." Boston erbielt seine erste tägliche deutsche Zeitung im Herbst 1793, jedoch war die. selbe sehr kurzlebig und ging bereits nach drei bis vier monatlichem Bestehen wieder ein. Eine Postkutsche war das rascheste Beförderungsmittel im Lande, New York und Boston lagen, was die Schnelligkeit des Verkehrs zwischen ihnen anbetrifft, so weit aus einander wie heutigen Tages Chicago und Yokohama. Ob die Bekanntschast mit jedem bedeutenden Ereig. niß, welches ans dem Erdboden innerhalb der vorherehcnden vierundzwanzigStun den stattgefunden bat, gerade ein noth wendiges Erforderniß der menschlichen Glückseligkeit ist, mag fraglich sein, die Möglichkeit einer derartigen Kenntniß bleibt jedoch immerhin ein charakteristisches Kennzeichen der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhundert?. Iu Deutschland ist kein Ding unmöglich. Trotzdem sich jeden Tag in Deutschland Dinge ereignen, welche von Bismarck und seinen Speichelleckern im Kampfe gegen die Sozialdemokratie gebrucht, an Gemeinheit und frecher Willkür ihres gleichen suchen, so übertrifft doch ein Vorfall, den Leipziger Blätter erzählen, alles bis jetzt dagewesene. Es heißt da unterm 22. Oktober: In der vergangenen Nacht ist die hiesige Stadt der Schauplatz eines fast un
KZwlcum rtDtttte.
glaublichen Polizeistückchens gewesen. Ein
Polizeilicutenant mit vcrschiedenenSchutz leuten hat Morgens gegen ö Uhr in ver schiedenen hi:stgenHote!s eineHaussuchung gehalten und sich von den vergeblich prote stirendcn Hoteliers die von Fremden besetz ten Zimmer öffnen lasten, um die Person lichteit der Fremden zu constatiren. Diese aant exorbitante Makreael bänut. wie verlauset, mit der Absicht zusammen, das Soz'alistengcsctz noch scharser als bisher zu handhaben. Sie bedeutet eine Razzia auf etwa von auswärts gekommene Sozw linen." Für eine solche Polizeichikane, welche die Fremden in den Hotels (natürlich auch Frauen) zwingt, mitten in der Nacht du Besuche der Herren Polizeispione zu empfangen, und sich diesen gegenüber auszu weisen giebt es in der That keine Worte, welche kräftig genug waren, diese Gemein heit zu bezeichnen. Zum Ucberfluß beleuchtet die .Sächsische Volksztg jene Maßregel noch folgepder maßen : .Die ganze Maßregel ist ungesetzlich. Denn nach 103 der hierin Betracht komwenden Strafproceßordnung sind .Durch suchungen bei dritten Personen (hier der Hotelier) nur behufs der Ergreifung des Beschuldigten und nur dann zulässig, wenn Thatsachen vorliegen, aus dnen zu schließen ist, daß die gesuchte Person sich in den durchzusuchenden Raume befinde." Es muß also bereits ein Beschuldigter, d. h. ein bereits unter öffentliche Anklage Gestellter vorhanden sein und eS müffen Thatsachen vorliegen, aus denen zu schließen ist, daß er sich auch in dem zu durchsuchenden Raume' aushalte. Keines falls aber genügt die bloße Möglichkeit, daß der oder jener von auswärts gekom mene, aber noch nicht wegen eines bestimmten Delicts verfolgte Socialist in dem oder jenem Gasthause sich aufhalte, zu einer Durchsuchung des letzteren. Nach 104 .dürfen Wohnungen und Geschäftsräume nur bei Verfolgung aus frischer That oder bei Gefahr im Verzüge oder dann durchsucht werden, wenn es sich um dieWiederergreisung eines entwichenen Gefangenen handelt." Alle diese Voraussetzungen treffen hier nicht zu. .Die Nachtzeit aber umfaßt in dem Zeitraume vom 1. Oktober bis 31. März die Stunden von neun Uhr AbendL bis sechs Uhr Morgens". An diesen Bestimmungen hat auch das Socialistengesetz Nichts geändert. Eine Durchsuchung vor sechs Uhr Mor gens ist darum absolut ungesetzlich. Unsere Hoteliers mögen es sich daher gesagt sein lasten und bei einer etwaigen Wiekerlehr derartiger unzulässiger Be lästigungen ihrer Gäste in entschiedener Weise Protestiren und eventuell auch den Beschwerdeweg nicht scheuen. Wir wüßten aber noch einen ganz anderen Beschwerdeweg als den, welchen die Sachs. Volksztg." anräth. Nur gelan gen wir leider von Tag zu Tag mehr zu der Erkenntniß, daß die deutschen Spieß bürger noch tüchtig geknebelt werden müssen, bis sie den Muth erlangen, diese Beschwerde mit aller Kraft und erfolgreich durchzuführen. Alle Großmächte Protestiren gegen die Ausweisung ausländischer Juden aus Rußland. II Gegenwärtig werden in St. Peters' bürg die 16 Nihilisten verhandelt, welche an dem Moskauer Attentat und an dem im Winterpalost Theil genommen haben sollen. Ein zweiter Auszug aus Aegypten. Es rird gemeldet, daß gegenwärtig Drei' tausend Juden aus Rumänien unterwegs sind, um über Bremen nach Amerika aus' zuwzndern. Der Hülfsshcriff Benj. H. Seligmann von Chicago ist ausgeflogen, ohne vorher von seinen Freunden Abschied genommen zu !zaben. Zufällig (?) fehlen in seiner Amiskaffe 51.950. Russische Erziehungsblätter weisen aus den Mangel an Schulhausern lm Gou verrnment St. Petersburg hin. Wozu das! Sind heutzutage Casernen nich: viel wichtiger, als Bildungsanstalten ? Nicht weniger als 23.707 junge Leute lwollien letztes Jahr in unser Heer eintre ten, von denen jedoch nur 5,006 gebrauch! wurien. Daß sich in Amerika eine so große Zahl von Leuten sehnt beim Soldatelspielen mitzutbun ist gerade kein Zeicten der guten Zeiten, denn ginge ee den Leuten nach Wunsch, ein solch alberner Gedanke würde sie nimmermehr ersassen.
Gemüthlich muß es jetzt in Irland zugehen, wenn die Nachricht, daß die Grundbesitzer sich aus Birmingham Pan zerHemden verschrieben, weil ihnen die iri schen Pächter Angst einjagen, auf Wahr heit beruht.
Die mittlerweile ciagelaufenen Wahl Berichte änderten an der Thatsache daß Gaksield siegreich aus dem Wahlkampse hervorging, absolut nichts. Sie lasten sogar den Sieg der Republikaner immer glänzender erscheinen. Die Seidknspinnerinnen in Alias (Frankreich) haben die Arbeit eingestellt Die Frauen mußten von Morgens 5 Uhr bis Abends 7 Uhr für einen Hungerlohn von Fr. 1.50 arbeiten und sogar diesen wollte man jetzt noch beschneiden. 1 Die Sozialisten, welche jüngst aus Hamburg ausgewiesen wurden, stnd auf dem Wege nach Amerika. Der sozialisti sche Reichstagsabgeordnete Fritzsche wird demnächst auch herüberkommen um die amerikanischen Verbältniste zu studiren. Der Journalist Felix Pyat, der neulich in Paris zu zweijähriger Gefängniß strafe verurtheilt wurde weil er den Kaiser mord guthieß, scheint jetzt doch Angst vor dem Kerker bekommen zu haben, denn er ist um der Hast zu entgehen, nach Brüste! gegangen. Aus dem Süden Oestreichs wird ein hestiges Erdbeben gemeldet. Dasselbe hat in Agram der Hauptstadt vonKcoatien eine furchtbare Katastrophe herbetgeführt. Es wurden viele Gebäude vollständig zer trümmert, andere schwer beschädigt. Durch einstürzende Mauern wurden viele Perso nen getödtet Andere schwer verletzt. Der amerikanische Konsul zu Bremen berichtet, daß während der Monate Juli, August und September 20,933 Personen von dort nach den Ver. Staaten auswan derten, eine Zunahme von 13.370 gegen die Auswanderung in den nämlichen Mo naten des vorigen Jahres, womit sich zu freuen die deutsche Regierung keine Ursache hat. William Sprague.der 15jährigeSohn des Ex-Gouverneurs Sprague von Rhode Island scheint ein recht netter Junge zu sein. Er machte am Samstag Abend einen Mordversuch auf Thompson, dem Vermö gensverwalter seiner Mutter. Zu seinem Glücke hat der Knabe schlecht gezielt, denn die Kugel ging dicht an Thompsons Kopfe vorüber, ohne ihn jedoch zu treffen. Die Soziallsten in Chicago kamen in einer jüngst abgehaltenen Versammlung zu dem Schluß, daß die Verminderung ihrer Stimmabgabe seit einem Jahre dem Umstände zuzuschreiben ist, daß die Arbeiter jetzt mehr denn je von den Fabrikanten eingeschüchtert werden, und deshalb in unzähligen Fällen sür die Candidaten der alten Parteien stimmten. Die Aerzte deö Czaren rathen demselben binnen einigen Wochen wieder nach St. Petersburg zurückzukehren. Wir glauben nicht, daß cS jene Aerzte gut mit )em Czaren meinen, denn wie könnten sie sonst ihrem Patienten einen Aufenthalt verordnen, wo er sich in weit größerer Lebensgefahr befindet, als wenn er von )er bösartigsten Krankheit erfaßt werden würde. In St. Louis erhielt das Ticket der vereinigten Sozialisten und Greenbäckler circa 15.000 Stimmen. Hauptsächlich die Letzteren haben aber dort einen so großen Anhang, daß uns die oben erwähnte Ztimmcnzahl sehr niedrig erscheinen würde, wenn wir nicht wüßten, daß so und so Viele zum Ersolg der Republikaner beisteuerten nur um der demokratischen Partei eine empfindliche Niederlage zu bereiten. Ji Troy, N. Y. ist dieser Tage ein alter Mann, in einem Schuppen, wo er seinNachtlager aufgeschlagen hatte, gestor ben. Aus seinen Papieren ersah man. daß man es hier mit dem früheren Prebi ger John Edward Giles zu thun hatte, der schon seit Jahren in äußerst dürftigen Verhältniffen lebte und eine milde Gabe niemalS verschmähte. Eine genauere Untersuchung der Kleidungsstücke brachte indeß ein Bündel zum Vorschein, welches $19, 650 äprozentige Ver. Staaten Bonds und 11 kleine Säckchen, in welchen sich $226 Banknoten, eine goldene Taschenuhr nebst Kette, sechs silberne Theelöffel und etwa $100 in kleinen Silbermünzen be fand. Hätte derMann noch eine Zeit lang aeleb t er würde sich ohne Zweifel vor Geiz selbst aufgesressen haben.
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oo'-zugllch anerkannt. Auskrage zum Verschiffen von Lagerdler aus allen Eisenbahn. Linien werden prompt erfüllt. C. F. Schmidt.
ttC In seiner vorletzten Nummer enthält der Scientisic American"' zwei große Illustrationen, welche Eapi. Ead's inVor schlag gebrachte Bahn zum Transport von Schiffen über die Meerenge von Panama darstellen. Nach Eapt. Ead's Ansicht fiele es nicht schwer den Transport von Schis fen zu bewerkstelligen, ohne daß Lessep's projekeirter Eanal gebaut werden würde. Die betresfendenJllustrationen im Scien tific American lassen in leicht erfaßlicher Weise den Werth von Eapt. Eads' Plan erkennen. Da der Scientiftc American" nicht nur ein sehr gutes, sondern auch ein sehr weit verbreitetes Blatt ist, so wird dadurch der Plan des Eapt. Ead eine weite Besprechung erfahren. Er ist müde, todtmüoe ! Die Resig. Nation von Denis Kearney macht gegen wärtig in San Francisco von sich reden. Er kündigte nämlich dieser Tage in einer Versammlung auf den Sandlots an, daß er sich nunmehr aus dem politischen Leben zurückziehen will, weil man ihm trotz der Aufopferung mit der er sich der Sache des Volkes hingab mit Undank belohnt. Die Art und Weise der Aaitatron von Seiten Denis Kearney's war auch durch auS nicht dazu angethan, Verehrung für den Agitator zu erwecken. Kearne hat fast immer mit verkehrtenMitteln gekämpf! und damit sehr zmeiselhaste Erfolge errungen. . Wenn er jetzt müde ist mag er stch zurückziehen, und wir glauben sogar, daß das seiner Partei nur sörderlich ist. Auch bei dcr letzten Wahl haben die Frauen in Wyoming Territory von ihrem Stimmrecht ausgiebigen Gebrauch gemacht. Man begegnet ihnen dort bei allen Wahlen an den Stimmkasten mit der aus gesuchtesten Höflichkeit. Das Gesetz ver. langt sogar ihretwegen, daß vor dem Stimmfast? ein Raum, 15 Fuß imQuad rat, freibleiden muffe. Auch holt man sie meistens in Kutschen ab. Das balken wir allerdings sür sehr übertrieben, denn unter Gleichberechtigung der Frauen wollen wir nur verstanden haben, daß man dem Weibe dieselben Rechte wie dem Manne gewährt, diese übertriebene Verhimmelung geht aber schon wieder ins Extreme und läßt das Bewußtsein der Selbstständigkeit bei den Frauen nicht zum Durchbruch gelangen. Was der unschuldige Präsident Haves gethan hat, daß man jetzt auch gegen ihn attentätert, misten gewiß selbst besten schlimmste Feinde nicht zu sagen. Das Attentat auf den Präsidenten wurde am 30. Oktober Nachts in der Bahnstation Howell an der Santa Fe Eisenbahn ver übt. Ein Mann Namens A. Hooker, der unweit der Station wchnt, machte nämlich den Versuch, in den Waggon, in dem sich der Präsident befand zu steigen. Hooker wurde jedoch von jemand Anderem zur Seite gestoßen und blieb stehen, bis der Präsident auf die Platsorm trat. Als der Präsiden! um sich blickte, wandte sichHooker um, als ob er forteilen wollte, machte jedoch wieder Kehrt, zog seine Pistole und feuerte zwei Schöffe aus den Präsidenten ab. Dcr Präsident sprang in den Waggon zurück und Hooker floh hinter einen Stoß Holz. Er wurde verfolgt, entfloh i jedoch un5 wurde erst einige Tage später verhastet. In den Bostoner Volksschulen stnd im verwichenen Schuljahre 10.983mal an Knaben körperliche Züchtigungen verabfolgt worden. 84) Prozent der Schüler zahl sind also im Durchschnitte einmal im Jahre zu dieser Auszeichnung gekommen. Obwohl entschiedene Gegner der Prügel strafe überhaupt, stnd wir doch in diesem Falle der Ansicht, daß diejenigen unserer
VraNcrci, Volkserzieher, welche die Jugend durchaus nicht anders als vermittelst Prügel zur Raison z?l bringen vermögen, selbst den Stock verdienen, denn abgesehen da von, daß es Ausgabe jedes Lehrers ist, zwischen sich und den Kindern ein Verhält n'ß zu gestalten, so daß es derartiger Züch tigun en überhaupt nicht bedarf, ist eZ zur Genüge bewiesen, daß die Prügelstrafe in den Schulen gerade das Gegentheil von der beabsichtigten Wirkung bezweckt. Im Uebrigcn ist es lchlimm genug, daß wir beute noch für Abschaffung der Prügelstrafe zu agitiren nöthig haben, wo sich doch schon vor langerZeit gewichtigeStim men gegen die Schläge in der Schule er hoben haben. Walther von der Vogelweide singt : Niemand kann mit Gerten Rinderzucht beherteu. Den man z' Ehren bringen mag, Dem ist ein Wort als ein Slag. Den man z' Ehren klingen mag, Dem ist ein Wort als ein Slag. Niemand kann beherten Rinderzucht mit G.rten. Dennoch ist es erst der Rektor der Nikolaischule in Leipzig, Johann Mßler (gestorben 1554), der Ruthen und Stecken auS eine? Schule verbannte, und dem dies nicht als sein kleinstes Verdienst anzurechnen ist. Am meisten waren die Prügel in England eingebürgert, so daß es dort keinen Knaben gab, der nicht unter Lineal und Ruthe gelitten hätte. Als Elisabeth von Eng. land die Schule von Eton besuchte, fiel ihr ein Knabe seiner Munterkeit wegen auf. Wann hast Du zuletzt Schläge erhallen?" fragte ste ihn, der sogleich aus Virgil'ö Aeneide (II) antwortete: Insandum, regina, jubes renovare dolorem. Nach Schiller's Uebersetzung : O Königin, Du weckst der alten Wunde Unnennbar schmerzliches Eesühl! Der Schüler war der spätere Dichter Swenns, den Elisabeth seiner Antwort wegen reichlich unterstützte. Am 16. Oktober wurde in Mi! waukee der sechste Eursus des nordameri kauischen Turnlehrerseminars eröffnet. Die Candidaten, es waren deren 13, muß ten sich Alle einer sorgfältigen Prüfung unterziehen und wurden erst nach derselben von Seiten des Direktoriums sür aufge. nommen erklärt. Bekanntlich befinden sich unter denselben auch zwei Jndianapo liser nämlich die Herren I. Körig und G. Vonncgut. Die Namen der übrigen Can didaten sind : H. Allehorn, von Darmstadt, Deutschland ; ,E. Brück, von Washington. D. C. ; Wm. Fuc!, von Karlsruhe, Deutschland ; Wm. H. Gehrmann, von St. Louis.Mo.; O. Greubel, von Des Moines, Iowa; E. Guenther, von Boston. Mast:; A. Kmdervater, von Boston Mast. ; G. Lohse, von Milwaukee, Wis.; Wm. Stecher, von Einemnati, Ohio; E. W. Sultan, von Baltimore, Md.; E. Thielecke, von Freiburg, Deutschland. Die Seminaristen haben unter Turn lehrer G. Brostus, als technischem Leiter des Seminars, ca. 25 Stunden ohne und ca. 12 Stunden mit den Zöglingen in der Woche zu turnen. Wöchentlich findet ein Vortrag deS Herrn M. Großmann über EulturGe schichte statt, einer von Dr. F.Müller über Anatomie und Physiologie, einer von Dr. F. Brendecke über Heilkunde, einer von Pros. M. Rinck über Erziehungslehre und Singstunden von Prof. L. Schmidt. Wie man hört, wird ein tüchtiger Lehrer sür den Unterricht im Fechten angestellt werden.
