Indiana Tribüne, Volume 3, Number 13, Indianapolis, Marion County, 6 November 1880 — Page 6

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Jndiana Tribüne.

Der Kirchhof von

San Giovanni. AuS dem Leben einer Engländerin. (Schluß.) Vergessend, was sie mir gethan, beugte ich mich über die Gefallene, und versuchte Alles, sie zur Besinnung zu bringen, mit Schaudern stieß ich endlich die Worte her vor: Sie ist todt!" Edward, welcher in schweigendem Stau nen unthätig neben mir gestanden, ries jetzt : Auch ihre Stimme Sidonie, Du lebst V Ich lebe. Mylord ! stammelte ich kalt, und beugte mich tiefer auf die Leiche, um zu verbergen, was in meinem Inneren vorging. .So habe ichSle nicht gemordet?" schrie er in wilder Freude auf, und stürzte zu meinen Füßen nieder - 0 Sidonie, Si donie, dieser Augenblick ist seit vier Jahren der erste Lichtstrahl in die tiefe Nacht end' losen Jammers !" Lassen Sie un? die Leiche hier entfer nen sprach ich jetzt, mich erhebend, sie wird nicht mehr erwachen."' Wohl ihr und mir!" entgegnete Cd ward, wir haben Beid- ausgelitten." Mit raschen Schritten entfernte er sich nun ich stand noch immer, unvermögend, mich zu fassen, vor der Dahingeschiedenen, und starrte in das bleiche, verfallene Ant litz. Ich neigte mich übe? sie, und schloß ihr die gebrochenen Augen, dann legte ich meine Rechte versöhnend auf die kalte Stirne, und sprach laut aus tiefstem Herzen : Ruhe in Frieden, ich habe Dir vergeben !" Srdoniel Die Todte ist beneidcns verth !" flüsterte Edward's, Stimme, der wieder neben mir stand. Ich erhob mich, ergriff die Hand meiner Kinder, und wollte mich schweigend ent fernen. Edward befahl seinen Leuten, die er herbeigerufen hatte, die Leiche in seinen Wagcn zu bringen, dann wandte er sich zu mir, und fragte mich mit bebender Stimme : Mylady ! ich fühle wohl, daß ich mei nen Arm nicht bieten darf, um Sie zu begleiten, aber Sie werden nicht grausam genug sein, mich auf immer von Ihnen scheiden zu lassen, ohne mir wenigstens das unbegreifliche Räthsel Ihres Daseins zu lösen wann und wo wollen Sie mir eine Unterredung gönnen?" Die Lösung dieses Räthsels sprach ich, alle meine Fassung zusammennehmend, ist für uns Beide gleich schmerzlich, ersparen Sie sich und mir eine peinliche Stunde." Es ist die letzte, die ich Ihnen zu bereiten denke," in wenig Tagen verlasse ich England auf immer und ich beschwöre Sie, lassen Sie mich nicht so gehen." Ich stand schweigend und unschlüssig. Sprich doch mit ihm, Mama," flehte jetzt Julius, sei nicht böse, sieh, der arme Mann weint." Ich sah zu Edward auf, große Thränen hingen ar. seinen Wimpern; auch meine Blicke verdüsterten sich, denn Edward wandte die dunklen Augen kragend aus Julius, sah ihm lange yi das blühende Gesicht und fragte dann: Ihr sfrnd, Mylady?" Und das Ihre, Mylord," entgegnete ich weich, Julius und Bella stehen vor Ihnen." Da flammte ein Strahl unendlichen Entzückens über Edward's Antlitz, seine Lippen bebten, seine Arme breiteten sich weit aus, und mit den Worten : Sie leben, meine Kinder!" riß er die Kleinen an die Brust, und bedeckte sie mit glühenden Küssen, Bella entwand sich ihm, laut weinend vor Schreck, und Julius rief einmal übet's andere: Mama,Mama, der fremde Mann drück! mich todt !" Jetzt müssen Sie mich sprechen, Sidonie Sie müssen." rief Edward aussprin gend, denn Sie nehmen einen schweren fürchterlichen Verdacht von dem Andenken einer Hingeschiedenen." Run wohl denn," sprach ich, mit mir selbst kampfeno, morgen Abend um acht Uhr erwarte ich Sie Edward ergriff rasch meine Hand und preßte sie an die Lippen; ich wollte mich von ihm wenden, wollte gehen, doch meine Kniee zitterten, ich vermochte es nicht. Schüchtern legte er meinen Arm in den seinen, ich bebte so, daß er es empfinden mußte. Schweigend gingen wir neben einander her; endlich, als wir vor meinem Wagen

standen, fragte er halblaut, und wie mir schien heftig bewegt: Wohnen Sie in unserm Hotel?" In dem Hause meiner Eltern," entgegnete ich ernst, und stieg ein. Edward reichte mir die Kinder, sah mich mit einem seltsamen durchdringenden Blick an, und der Wagen rollle dahin. Was ich empfand bis zu dem Abend des nächsten Tages ich vermag es nicht zu beschreiben. Tausend widersprechende Ge fühle und Entschlüsse bestürmten meine Seele; ich hatte Alles meiner Mutter mit getheilt, sie hörte mich schweigend an und sprach, als ich ihren Rath erbat: Dein Herz nur kann Dir hierin rathen." Es schlug acht ich war allein, meine Brust flog, mein Athem stöckle, so oft ein Laut in dem Vorsaal erklang. Unwillkürlich fragte ich mich : Wenn er nun nicht käme, wenn seine Erscheinung gestern ein Traum, ein vorübergehender Sonnenblick gewesen, seine Reugier, das Räthsel gelöst zu sehen, entschwunden wäre ; wenn er London verlassen hätte, ohne " ich erbleichte bei dem Gedankeil und erschrack zugleich bis in' tiefste Herz, daß mich der Gedanke erbleichen machen könne, da da trat er voll Ernst und Würde in den Salon. . Schön und edel wie einst stand er vor mir, nur sein bleiches Antlitz verkündete eine lange Reihe von Schmerzen, welche an ihm vorübergezogen. Er nahte sich mir mil vielerFormtichkeit,es lag in seinem ganzen Wesen der Entschluß, sich heute auf immer von mir zu trennen. Unfähig, Herr meiner Gefühle zu werden, sank ich sprachlos aus das Sopha, und brach in Thränen aus. Edward ließ sich schweigend neben mir nieder, ergriff meine herabhängende Hand, und legte sie leise auf seine Brust, sein Herz klopfte krampfhaft, als wollte es ihm die die Brust zersprengen, mehrere Secunden saßen wir so, als er endlich mit einem unendlich rührenden Tone begann: Sido nie, werden Sie mir Wort halten und mir das Räthsel lösen?' So schonend als möglich theilte ich ihm nun mit. was dem Leser bereits bekannt ist. Mit starren Blicken, mit angehakte' nem Alhem und mehr und mehr verbleichend, hörte mir Edward zu, seine Bewe gung war unbeschreiblich. Als ich zu der gräßlichen Stelle kam, wo Bianka das Herz aus der Brust lösen wollte, sank er plötzlich laut aufschreiend vor mir nieder, umschlanq mich sest, und ich hatte Mühe, ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Mylord, Sie vergeffen sich und mich," rief ich endlich, seine Arme von mir losmachend. Langsam erhob er sich, und hörte mich zu Ende, ohne die Augen vom Boden wieder zu erheben. Als ich geendet hatte, sprach er, sich ge waltsam ermannend : Mylady, Sie haben Ungeheures, Unerhörtes gelitten, aber Sie haben sich fürchterlich gerächt ! Ersparen Sie mir es, Ihnen über denAnfang meiner Verirrung zu sprechen, ich werde mir selbst nie vergeben, was ich an Ihnen frevelte um wie viel weniger können Sie es ! Dies eine nur mag meineStrasbar seit mindern, daß ich wahrhast bis zum Wahnsinn geliebt war, und daß diese glühende Leiden erst meine Neigung erweckte. Seit Ihrer Todesstunde hatte ich mein Haus nicht verlassen; mein Schmerz um Sie war ungehcuchelt und wahr. Den g nach Ihrer Beerdigung kam Biai.ka, mich auszusuchen, und trat in mein Gemach, wo ich, ihr Kommen nicht ahnend, vor Ihrem Bilde saß. Nie werde ich die' ses Wiederseüen vergeffen. Die Unglückliche hatte den Verstand verloren. Wahnsinn sprach aus jedem Blick des irren Au aes, aus jedem Worte das ihren bleichen Lippen entfloh. Ich hielt es sür eine Ausgeburt des strasenden Gewiffens, daß ihre sixe Idee darin bestand, sie habe Ihren Geist gesehen, und sie habe Sie ermordet. Vergebens versuchte ich Alles, sie zu ruhigen. die Mitternacht kam heran, sie war nicht von mir fortzubringen; ich selbst, halb verrückt durch die greulichen Bilder, welche sie in ihrer Raserei mir vor das Auge brachte, entschloß mich endlich, sie mit Gewalt nach Hause zu führen. Als ich mit ihr aus der Thüre meines Gemaches trat, sah ich Ihre bleiche Leichengestalt mir gegenüber stehen ich bemerkte nicht die Kinder, die Sie, wie Sie sagen, bei sich hatten, ich sah nur Ihre ernsten geisterhasten Züge, und sest überzeugt, daß mir ein Gespenst erschienen, daß Ihre rächende Seele mich und Bianka ewig verfolgen werde, sank ich ohne Besinnung zusammen. Ein heftiges Fieber feffelte mich mehrere Tage an das Laqer ; als ich genas, ward

mir die gräßliche Nachricht, meine Kinder seien plötzlich spurlos verschwunden. Ich war der Verzweiflung nahe, die Amme warf sich zu meinen Füßen, und betheuerte mir bei allen Heiligen ihre Unschuld. Sie behauptete, ein Schlaftrunk habe sie be täubt, denn sie habe deutlich gesehen, wie ein Weib mit den Kindern entflohen sei, wäre aber unsähig gewesen, aus ihrem Schlaf sich emporzureißen. Vergebens durchsuchte ich ganz Neapel, vergebens bot ich Alles auf. natürlich konnte sich nirgends eine Spur der Verlornen finden. Da vertraute mir die abergläubische Amme, nachdem ich erst hatte schwören müssen, sie nicht zu verrathen, daß die entsetzliche Alte, welche Bianka erzogen habe, gleichfalls verschwunden sei, und zwar derselben Nacht wie die Kin der, und daß sie überzeugt wäre, die böse Zauberin (dafür hielt sie das Volk) habe die Kinder entwendet, damit mich gar kein Band fess'le, als die Liebe zu der schönen Bianka. Dieser Argwohn durchzuckte mich wie ein Blitzstrahl, und entzündete ein w'ldes Feuer in meiner Brust; ich forderte Rechenschaft von Bianka. sie verstand mich nicht, die Unglückliche blieb rettungslos von der Nacht des Wahnsinns umschleiert. Ich erfuhr, ein altes We,b in settsamer Tracht habe sich mit zwei Kindern nach Konstantinopel eingeschifft. Mein Entschluß war gefaßt, ich verließ Italien, ich durchzog die Türkei, und fand natürlich auch hier nicht, was ich suchte. Die Strafe sür mein Vergehen an Ihnen führte ich überall mit mir; ich konnte die unglückliche hilflose Bianka nicht verlassen, sie wich nie von meiner Seite, sie begleitete mich willenlos, ohne Vorwurf oder K.age, wohin ich sie führte, ihre zerrüttete Seele hatte nur Raum für zwei Gedanken : ewig sah sie Ihren strafenden Geist, und ewig zitterte sie vor dem Augenblicke, mich' zu verlieren. Mit dm Argwohn der rasend sten Eifersucht hütete sie jeden meiner Blicke, jede Bewegung. Als ich mich überzeugte, daß meine Kin der sür mich verloren seien, verließ ich Europa, das mich anekelte, und segelte nach der neuen Welt ; Bianka wir nie ruhiger als aus der See, da, faß sie mir schweigend Tage lang gegenüber, und der seltsame Glaube, Ihr Geist könne sie auf den Wellen nicht verfolgen, schützte mich wenigstens auf Seereisen vor den sürchter lichen Ausbrüchen ihrer Raserei. Diese vi?r Jahre über habe ich sie mit unendlicher, unermüdeter Geduld gepflegt, treu an ihr gehalten, obgleich seit jener Nacht,'.da ich Ihren Geist zu sehen glaubte jedes zärtliche G.'sühl für die Verirrte von mir gewichen war; ich betrachtete ihren Zustand und mern Verhältniß, zu ihr als eine wohlverdiente Strafe und hielt redlich aus. Vor wenig Monden sing Bianka an, sich ihres Vaterlandes mit Sehnsucht zu erinnern, je mehr ihr Körper, von einem schleichenden Fieber verzehrt, dem Grabe zuwelkte, je mehr schien ihre kranke Seele zu genesen; sie sprach mit mir über ihre f:überen Verhältnisse; ihr Vater war Arzt gewesen, Hütte sich dem Wahn der Alchymie ergeben, und so sein ganzes Vermögen verschleudert. Dazu war siejvon der grüß' lichen Base erzogen, die den Vater schon zu seinen Irrthümern verleitet, und so konnte es nicht fehlen, daß von Jugend auf der seltsamste Aberglaube in ihrem Gemüth Wurzel schlug, und die Grund' läge zu dem Wahnsinn wurde, der, wie ich nun wohl begreise, sie in jener fürchterlichen Stunde unrettbar befallen mußte. Sie war nicht böse vom Grunde aus, nur verleitet durch ihre Leidenschaft für mich und durch die gespenstische Alte sie schauderte selbst vor ihrer That zurück; der Augenblick, wo Sie sich von Ihrem Sarg erhoben, mußte unter solchen Um ständen ihr Hirn zerrütten. Ich beschloß, Amerika zu verlaffcn, meine Angelegen' eiten in England zu ordnen und dann die Unglückliche nach ihrem Vaterlande zu bringen, wo sie sterben wollte. Auf der Reise hieher wurde ihr Ideengang klarer, sie fing an, mir zu versichern, eigentlich habe sie Ihren Geist nur zweimal außer ihr gesehen, sonst erschienen Sie ihr immer nur in ihr sie wiffe aber gewiß, daß. wenn sie den Geist zum Drittenmal in der Außenwelt erblicken müßte, würde es ihr augenblicklicher Tod sein. Sie waren Zeuge, wie ihr Wort in Erfül lung ging. Sie hat ausgelitten, und Sidonie war edelmüthig genug, ihr gebrochenes Auge zu schließen, ihr zu dergeben. Was ich in dieser Zeit gelitten, wie Ihr Verlust, der Schmerz um meine

Kinder, und die sortdauernde Gemeinschaft mit der Wahnsinnigen an mir genagt, dies verkünden meine Züge. Sidonie ! Sie sind an mir gerächt." Er schwieg wir saßen eine lange Weile so ; mein Herz drobte zu zersprin gen, als er jetzt plötzlich ausstand, vor mich hintrat, und mit vollen Zauber meiner wohlklingenden Stimme zu mir sprach : Sidonie, ich sehe Sie zum letzten Male in diesem Leben, ich verdiene nicht, dieselbe Luft zu athmen, die Sie umweht; ich verlaffe England auf immer. Seien Sie großmüthig, Sidonie! lassen Sie mich nicht scheiden mit dem Gefühl, Ihrer Ver achtung, Ihren Groll mit hinweg zu nehmen in das lange öde Leben. Ich wage es nicht, Sie um die Rückgabe eines mei ner Kinder zu bitten, ich elflehe nichts von Ihnen, als Ihre Verzeihung." Ich rang nach Fassung, die Stimme versagte mir. endlich brachte ich die Worte hervor : Ich vergebe Ihnen, Mylord." Edward sank vor mir nieder, preßte meine Hände an seine Lippen, ich fühlte sie von glühenden Thränen überströmt, meh rere Secunden lag er so, dann sprang cr rasch auf, und eilte dem Ausgange zu. Ich empfand es in diesem Augenblick, daß ich nicht leben könnte ohne ihn, daß meiu Dasein vernichiet wäre, verschwände er mir jetzt auf immer, dies Gefudl ward mächtiger in mir als die Erinnerung an die erlittene Beleidigung, an mein Leiden, unwillkürlich rief ich : Edward, Edward ! gehe nickt so von mir!" Blitzschnell, als traue er seinen Sinnen nicht, drehte sich Edward um und starrte nach mir hin ; ich war aufgesprungen, und breitete beide Arme nach ihm aus, eine glühend. Rölhe flog über seine Züge, seine Arme öffneten sich, wir lagen einander Herz an Herz, ehe wir uns besannen, meine Arme schlangen sich um seinen Na. cken, unsere Thlänen vermischten sich, un jere Lippen wuchsen an einander sest, im süßen heiligen Kuß der Versöhnung. Sidonie !" stammelte Edward, Du bist wieder mein V Dein !" rief ich. mein bethräntes Ge sicht an feine Brust drückend. Er preßte mich fester in die Arme, und sprach mit feierlichem Ernst : Gott sieht herab, Sidonie, nie sollst du diesen Schritt bereuen." Amen !" sprach die Stimme meiner Mutter neben mir, und ihre zitternde Hand legte sich segnend auf mem Haupt. Nicht durch Rache, nicht durch Trotz soll das Weib erltttenes Unrecht vergelten, durch Duldung nur und durch Vergeben !" Wir sanken Beide an die Brust der wär digen Frau, ich fühlte tief im seligen Herzen die Wahrheit ihrer Worte; eine Reihe von Jahren liegt hinter mir, und rioch halte ich jene Stunde der Versöhnung für die glücklichste meines Lebens.

Gutlärvt. Criminal-Novclle von Wilhelm Mundt. (Fortsetzung.) Eine böse Geschichte", sagte er mit der gleichgiltigsten Miene von der Welt zu dm Bürgermeister, während sie aus Beleflur, so hieß die gräfliche Besitzung, zuschritten. Ich habe bereits den Brigadier der Gendarmerie beordert, er wird uns gleich einholen." Begreifen Sie dies?" murmelte der Bürgermeister. Ein Mord in meiner Gemeinde, wo seit Menschengedenken kein Verbrechen begangen worden ist?" Der Friedensrichter antwortete zum größten Aerger des Bürgermeisters nicht. Der Schuldige", fuhr dieser fort, kann nicht aus meiner Gemeinde sein . . . Ich wüßte Niemanden, der dazu fähig wäre . . . Indeß, fügte er mit leiser Stimme hinzu, so daß Bertrand Vater und Sohn, die vor ihnen hergingen, es nicht hören konnten, dieser alte Schurke und sein Sohn etwa ausgenommen..." Er warf einen argwöhnischen Blick auf die beiden Wilderer. Sie waren am Schlosse des Grafen de Tremorel angelangt, ein kleiner Hof von einigen Metern Länge trennt es von der Straße. Der Bürgermeister klingelte. Niemand erschien. Nochmals und zum dritten Male Hin' gelte er immer vergebens. Eine verwünschte Geschichte", murmelte der Friedensrichter ärgerlich. Allerdings sehr ärgerlich", nickte der Bürgermeister, indem er durch das ganze

Gitterthor nachdem Schlosse hinübersah welches in tiefster Ruhe da lag. Gegenüber der Besitzung des Grasen de Tremorel lag das Schloß der Marquise de Beham, wie jeoes ebenfalls durch einen kleinen Hos von der Straße getrennt. Ein Stallknecht war gerade damit beschäftigt das Pferdegeschirr zu putzen, als er die beiden Herren vor dem Schlosse des Gra fen bemerkte. Er eilte zu ihnen hin und sagle: Die Herren werden vergeblich klingeln. es ist Niemand im Schlosse." Niemand?- frug der Maire erstaunt. Das heißt", rurietzte der Stallknechts . nur die Herrschast ist anwesend die ganze Dienerschaft ist gestern nach Paris abgereist, um der Hochzeit der Madame. Denis, der ehemaligen Köchin des Grafen beizuwohnen; sie sollen heute mit dem er sten Zuge anlangen. Ich war auch eingetaden". Großer Gott! unterbrach ihn Courtois, der Graf und die Grafin wären, dem-ach die ganze Nacht allein gewesen? Allerdings." Schrecklich !" sagte der Bürgermeister. Der Friedenslichter wurde immer unge duldiger. Da uns Niemand öffnet", meinte er,, so wird uns nichts anderes übr-g bleiben, als das Tbor mit Gewalt zu sprengen. Wir wollen sogleich einen Schlosser holen lassen". Er hatte die Worte kaum vollendet, alsman eine Gruppe Menschen, drei Frauen und zwei Männer singend und lärmendauf das Schloß zukommen sah. Ah ! da sind die Leute aus dem Schlos se schon." sagte der Stallknecht, indem er auf dieselben hinzeigte, Sie werden je denfalls einen Schlüssel traben". Als sie die beiden Herren von ferne an dem 'Schloßthor bemerkten, beschleunigten sie ihre Schritte einer von ihnen lief voraus und grüßte sie ehrerbietigst. Die Herren wünschen wohl den Herrn Grafen zu sprechen V sagte er, sich vor beugend. Ihre fünf Mal haben wir geklingelt,, daß das ganze Haus hätte auswachen müssen. Niemand hat sich gezeigt." Dann ist der Herr Graf vielleicht aus gegangen", meinte der Diener. Sonst: hat er einen so leichten Schlaf, daß er alles hört." Man hat gar Beide ermordet", rief der Bürgermeister händeringend. Ermordet? Wen?" frug hastig fcer Bediente. Die gnädige Herrin V Vielleicht ja", antwortete der Bürgermeister. Sicher ist, daß die Gräfin nicht mehr unter den Lebenden ist. Man hat ihre Leiche heute Morgen am Rande des Grabens gefunden". Allmächtiger Gott !" rief der Bediente, mährend ihm die Thränen in die Augen traten, die gnädige Frau ermordet! nicht möglich ! Sie war eine so liebe Frau !" Du weißt nichts Besonderes über diesen Mord ?" frug der Bürgermeister. Ich vernehme es soeben zum ersten Male", war die Antwort. Vielleicht dient es zur Aufklärung, daß der Gras gestern eine große Summe Geldes erhalten hat. Ah !" sagte der Bürgermeister mit leuchtenden Augcn, allmählich geht mir ein Licht auf . . .nieder des leidigen Geldes wegen ... Hat Jemand von dem Gelde gewußt V Wir Alle - der Graf hat es uns Allen gezeigt, cr hatte bisweilen merkmürdige Launen ... es waren große Bündel von Banknoten. Das Herz lachte mir im Leibe, als ich sie suh Unser Einer hätte nichts mehr nöthig, gehabt, wenn ihm nur eines davon gehört hätte " Gut, gut", unterbrach der Bürgermeister den redefertigen Kammerdiener. Wann seid Ihr abgereist?" Um acht Uhr man hatte das Diner ein wenig beschleunigt". Sie haben sich nicht von einander getrennt?" Nein ... das heißt, nur Einer bat unö verlassen, als wir aus dem Lyoner Bahn Hose in Paris ankamen, es war Grcspin ...Er fugte, er würde uns bald wieder einholen" Der Maire stieß den Friedensrichter an, wie um seine Aufmerksamkeit rege zu machen. und setzte sein Verhör sort. Und habt Ihr diesen Grespin auch wieder gesehen?" Nein ich habe sogar mehrere Male vergebens nach ihm gefragt, antwortete der Kammerdiener. Seine Abwesenheit war mir ebenfalls auffällig, fönst war er immer der Erste, wo es Essen und Trinken umsonst gab". War dieser Diener längere Zeit im Hause des Herrn Grasen V Seit dem Frühjahr." (Fortsetzung folgt.)