Indiana Tribüne, Volume 3, Number 13, Indianapolis, Marion County, 6 November 1880 — Page 1

Jahrgang 3 No. 13.

Office: Ecke Cirele u. Meridian-Straße. Laufende No. 117. Indianaporis, Zndiana, Samstag, den 6. Kovemöer 1880.

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Auö Vtafit zum Licht. Au Nacht zum Licht ! Erwacht, erwacht! De Geistes Stunde hat geschlagen! Bezwungen wird deö Wahneö Macht! Der schon' Morgen muß uns tagen ! Steh Du uur auf, wie Jesus spricht, Und toantV im Licht ! AuS Nacht zum Licht! Frisch auf, frisch auf. Da Wort der Wahrheit auszubreiten ! Lieb' ist ihr Clanz, Sieg ist ihr Lauf, Wer will uns denn ihr Reich bestreiken? Steh Du nur auf, wie J.suS sprach. Und folg' ihm nach ! Aus Nacht zum Licht ! Brich sie entzwei, Die Fesseln, die Dein Herz beengen ! Das Licht macht gut, daö Licht macht frei! NnS schreckt kein Tod, kein feindlich Drängen. Steh auf und sprich, wie Hütten sagt : 3ch hab's gewagt!" Ed. Baltzer.

Am Tage nach dec Wahl. Am Wahltage ama es in unserer Stadt

i ziemlich ruhig her. Es herrschte hier kein so reges Leben wie das gewöhnlich an einem solchen Tage der Fall ist, und man kam deshalb leicht auf die Vermuthung,

daß die Betheiligung an der Wahl keine so große sein möchte, wie das am 12. Oktober der Fall war. Das Resultat der Wahl bestätigte jedoch diese Vermuthung keineswegs. Die große Mebrheit unserer Bürger hat von ihrem WahlrechteGebrauch gemacht und Alle haben in ruhiger und anständiaer Weise ihr Stimmrecht ausgeübt.

'Sämmtliche Wirthschaften waren wie am 12. Oktober geschlossen und damit sind gewiß viele Ruhestörungen schon im VorauS verhütet worden. Am Dienstag Abend ging es aber in den i, Straßen schon ein bischen lebhafter zu, denn die Neugierde und das Interesse litt , j die Leute nicht zu Hause und so und so 1 f Viele waren ausgerückt, um die neuesten Nachrichten zu erfahren. Es läßt sich jeAoch denken, daß um diese Zeit der Wissens- ' durst noch nicht annähernd befriedigt werden konnte, denn die einigermaßen zuver- ' I lässigen Nachrichten liefen erst in der Nacht ein.

j Aber am Mittwoch schon in aller Frühe 1 ' verbreitete sich die Kunde von einem repub- ! likanischen Siege wie ein Lauffeuer durch

j die Stadt. Die republikanischen Zeituw gen erschienen mit großen Siegeszeichen 'Munb die demokratischen Blätter wollten sich i' . und ihren Lesern einplaudern, daß ein be-

fe. m M . . .. ummtes Mfultat nocy mcyt verkündet werden könne und noch nichts verloren sei.

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V WUHt VlVlt V V V V faVf VVyV Mit hVf vvyv ' ein und jede derselben verkündete einen wahrhaft großartigen Sieg derNepubli- ' kaner und eine furchtbare Niederlage derDe ( mokraten. Obgleich. man ja schon lange und hauptsächlich nach den neuesten schändlichen Betrügereien der Demokraten der ueber zeugung war, daß Garsield erwählt werden wird, so hat man doch kaum gewagt, an einen solch glänzenden Sieg zu denken. Der Jubel und die Freude kannte daher keine Grenzen und wohl noch selten ist ein Siegesfest mit solchem Enthusiasmus gefeiert worden, als dies am Mittwoch hier der Fall war. Waren während des Tages unsere Qauvtstraken belebt, so waren sie am 9 Abend geradezu überfüllt. Ueberall brann ten Freudenfeuer, und prachtvolles Feuerwerk wurde vor dem Courthause und in er Nähe der Postosfice abgebrannt. , Dazwischen donnerten Kanonenschüsse und Tausende gaben durch die allerdings nicht sehr angenehm klingenden Blechtrompeten ihrer Freude Ausdruck. Bis spät in die acht hinein wogte die freudetrunkene IZenge durch die Straßen, ohne auch nur lie geringste Theilnahme sür die geschlagene tiefbetrübte demokratische Partei zu . . 'lgen.

; Was nun? Der Wählkamps mit seiner Auslegung

ist vorüber. Die Würfel sind gefallen und die Republikaner haben gewonnen. Das wird nun allerdings die praktischen Poli tiker, sowie alle Diejenigen, deren polit! scher Horizont nicht über die Gegenwart hinausgeht befriedigen. Der wahrhaft sortschnttlich Gesinnte roxxo sich jedoch gewiß nicht dabei beruhigen. Wenn er slch auch darüber freut, daß die demokratische Reaktionspartei eine ganz gehörige Schlappeerlitten hat, so ist er deshalb doch nicht gesinnt, die Zukunft des Landes den Republikanern zu überlassen. Dmn die wichtigste aller Fragen, welche zu lösen ist, nicht nur in unserem Lande, sondern auch in allen Culturländern ist die Frage, um welche sich bis jetzt weder die Republi kaner. noch die Demokraten gekümmert haben, und das ist die Arbeiterfrage. Sowohl die demokratische, wie die repu blikanische Partei stehen im Dienste des Monopols und des Großkapitals, und alle angebliche Freundschaft dieselParteien für den Arbeiter ist eitel Heuchelei. In Folge der nievertrachtizen Fälschung des Namens Garfield's ist die Chinesen frage mit in denWahlkamps hereingezogen worden. Seit 3 Jahren hat die demokcatische Partei die legislative Gewalt im Lande, was hat sie gethan, um dem Chi' nesenübel Einhalt zu thun, was hat sie gethan, um eine Abschaffung des Vertrags mit China herbeizuführen? Weder die demokratische, noch die republikanische hat das Geringste für den Arbeiter gethan. Die Eine will den Schutzzoll im Dienste des Fabrikanten, die Andere den Freihan del im Dienste, des Importeurs. An den Arbeiter denken Beide' bloß' während der Campagne, wenn es dazu kommt Gesetze zu machen, dann kennen sie den Arbeitlr nicht. Und doch muß die Arbeiterfrage gelöst werden. Und es ist besser, sie wird gelöst. ehe der Arbeiter an dem Punkte angelangt ist, an dem ihn die Verzweiflung zu Ge walt, Aufruhr und Meuchelmord treibt. Weil aber weder die demokratische noch die republikanische Partei diese Frage lösen können, und es auch nicht wollen, weil Beide bloß die "spoils" im Auge haben, muß es eben eine dritte Partei thun. Die Greenback-Partei, sowie sie jetzt beschassen ist, hat zwar den guten Willen, sie hat die Lösung der Frage zum Zwecke ihrer Existenz gemacht, aber es fehlt ihr noch die richtige ausWissenschaft und Erfahrung gegründete theoretische Grundlag?. Diese ist bei den Sozialisten zu sinden, aber die Sozialisten sind noch schwach an Zahl und die Bewegung ist eine vorzugsweise deutsche. Außer den Sozrnlisten und Greenbacklern beschäftigt sich auch noch das radi kale deutsche Element mit derArbeitersrage. allein sie sind bis jetzt noch immer aus halbem Wege stehen geblieben. 'Die ame rikanischen Freidenker, (LiberalLeaguers) sind radikalen Prinzipien zur Lösung der Arbeitersrage ebenfalls zugänglich, und so haben wir denn hier vier Elemente, welche, wenn vereinigt mit Ecsolg an die Ausgabe gehen können. Diese Elemente, Green backler, Sozialisten, Radikalen undLiberal Leaguers sollten unbedingt Anknüpfungs punkte suchen, und anstatt durch theoreti sche Streitigkeiten geschieden zu halten, sich zu praktischem Handeln vereinigen, und nach Vernichtung der demokratischen Par tei, die Republikaner in die Stellung einer konservativen Partei drängen. Daß eine Zersplitterung der fortschrittlichen Ele mente in eine große Anzahl von Fraktio nen und Fraktlönchen nicht ersprießlich ist, zeigt die große Zahl der politischen Par teien in Deutschland.' Große Wahrheiten werden nicht von Allen sofort erkannt, 'es bedarf dazu eines stetigen Fortschritts der Menschen. Deshalb muß man stets zur Erzielung praktischer Resultate nachgiebig sein können, und sich nicht auf Prinzipien reiterei verlegen, sonst erzeugt man Zer splitterung, statt Einigun. -

Der künftige Beruf der Kinder. Die meisten Eltern stehen, nachdem sie ihre Kinder unter Sorgen und Mühen groß gezogen, unentschlossen vor der Wahl des künftigen Berufes ihrer Lieben, zumal, wenn sie. höheren Lebensanschauungen huldigend, von der Meinung durchdrungen sind, daß ein Beruf nicht nur glücklich mache, wenn er reichlichen Erwerb sichere, sondern daß es Hauptsache sei, daß er das

Leben und Streben auZsülle,und jene Be friedigung gewähre, ohne welche es bei allen sonstigen Glücksgaben aus Erden kein andauerndes Genügen gibt. Eben deshalb ist es so schwer, das Richtige zu treffen. Lieblingsidee.n und Pläne der Eltern betreffs der Wahl eine.s Berufes für ihre Schützlinge treffen mitunter vollstän stig das Falsche. Scheinbar zu Tage tretend Neigungen und Talente für irgend ein bestimmtes Fach sind nicht immer maß gebend indem das schwankende kindliche Interesse am kommenden Tag das schon wieder verwirft, wosür es noch 'gestern zu inkliniren schien. Erzählungen, wie die Lektüre Phantasie anregender Bücher, las sen die jungen Erdenbürger oft für einen Beruf schwärmen, dessen Lasten undSchat tenseiten wie ihre persönliche Ungeeignetheit für denselben ihre jugendliche Weltun ersahrenheit nicht zu bemessen versteht. Da bleibt es denn der Fürsorge der Eltern überlassen, die gewichtige Entscheidung sür die Unerfahrenen zu treffen. Freilich wer den sie dabei wohl thun, der Jndividuali. tät der Eigenschaften und Lebensanschau unq der Kinder, soweit es ihrer praktischen objectiven Anschauung rathsam erscheint, Rechnung zu tragen. Ein Machtwort auf alle Fälle zu sprechen und die . innerlich Widerstrebenden ln ein aufgezwunae'nes Joch zu spannen, trägt bei kräftig angelegten selbstbewußten Naturen selten gute Früchte. Sichern auch die Autorität und das Machtwort der Eltern für die erste Zeit Fügsamkeit und Unterordnung, so stellt sich bei eintretender Selbständigkeit daö Ausgezwungene als versehlter Beruf dar, aus dessen Fesseln zu entkommen jedeRück sichtsnahme auf andere Personen aus schließt. Allein,' abgesehen von den sich hieraus ergebenden Confliction zwischen Pietät und Pflicht des SelbstgenügenS. entstehen auf diese Weise Zmitternaturen. die mit sich selbst und der Welt zerfallen, die in keinem Fache menschlicher Berufs thätigkeit elwasTüchtiges zu leisten vermö gen. Daö Kohlen-Monopol. Unter all den selbstsüchtigen, herzlosen Monopolen und Combinationen, schreibt die D. Z." in Newark, durch welche das Publikum beschwindelt und die Arbeiter halb ausgehungert werden, ist die ttohlen Combination die herzloseste, selbstsüchtigste gewesen. Ihr Zweck war, die Verhältnißmäßig Wenigen, welche zur Combination gehören zu bereichern, und dieses Ziel hat sie angestrebt mittels eines Systems, durch welches die Consumenten ausgebeutet uno ihre eigenen Arbeiter periodisch Monate lang ohne Arbeit und somit ohne Verdienst gelassen werden. Die direkte Absicht war. die Kohlenpreise in die Höhe zu treiben und hoch zu erhallen; zu diesem Zwecke wurde in bestimmten Zwischenräumen die Arbeit in den Minen eingestellt, um den Kohlcnvorrath zu beschränken. Benützend den Vortheil eines Eingangs-Zolles, wel cher die Kohleneinsuhr faktisch verhindert, und die Minen controllirend, formirten sie eine Combination (richtiger eine Cönspi ration) zur Ausbeutung der Corlsumenten. Sie kommen unter sich auf einen b'stimmten Preis überein, verhindern dadurch jede Concurrenz und berauben das - Publikum um die Vortheile, welche ihm auS der Concurrenz erwachsen würden. Die Folge hiervon ist daß die Consumenten seit Iah ren gezwungen waren hohe Preise sür die sen unentbehrlichen Artikel ' zu zahlend Manch' armen Mannes Hütte war kalter, als sie gewesen sein würde,' wenn diese Combination nicht bestanden hatte, welche das Volt mit Gemalt ausbeutete.

Aber dieses ist noch nicht Alles. Gar mancher arme Bergmann, gar mancher hart arbeitende Familienvater hat die Seiniqen nicht vor Hunger schützen können in Folge der periodisch wiederkehrenden Arbeits Sistirung ; denn eS ist ein Theil deS Operations Planes der Combination, von Zeit zu Zeit nicht arbeiten zu lassen, auf diese Weise die Vorröthe zu beschränken und damit eine Ausrede zu haben für Preis Erhöhung. So oft dies geschieht, werden Tausende von Arbeitern welche ohnehin kaum genug zum Leben verdienen, wenn sie Arbeit haben beschäftigungS und verdienstlos ; sie mögen sehen wie sie vegetiren können, wenn nur die Combination die Früchte ihreS ErpressungsSystems einheimst. m i Schon wieder haben dreizehn Arbeiter, in einem Kohleuschachte in Belgien ihr' Leben eingebüßt, dadurch daß ein in dem' Schachte angebrachter Auswinde.Apparat brach,wodur.ch die Bergleute in die Tiese stürzten. So etwas könnte gar nicht Passiren, wenn ein deraretiger Apparat auch von Zeit zu Zeit einer Untersuchung unterzogen werden würde. Aber wozu solche Umstände, gibt es nicht Arbeiter imUeberfluß?

Mette MttzeTgett. Großes Änell-Gonrert am Sonntag, den 7. Novbr. IM PABK - THEATER, gegeben von den Musik- u. Gcsanalicrcincn bieger Stadt, zum Besten der Musiker, welche b i der Beerdigung ihkeö College Th. Marggraf V1 . 0 m - . 1 aus oer mualesr vom neoyoso verunglückten. Eintritt 50 Gent für alle Theile deö Haufeö. HHttt tu bftben im Cirele Rarf fSntrf. htiG.alnsr Hedderich. A. F. Bi deman,,, Grnst Knödel, Eircle Hau, John Weilacher und Abend an der Tasse. FreidenkervGsein. SocJurnverein, Turnhalle Sonntag, 7. Novbr. 1880. Mendö 8 Nhr. Debatte und Diskussion üer die Fra e : Welche Stellung sollen die Radikalkn den beiden volitischen Parteien gegenüber einnehmen? Zutritt frei für Jedermann. C. C. Hedderich's SlösgMöm. Die feinsten Getränke und besten Cigarren, sowie, alle Delikaiessea und Austern stetö an Hand tW Jeden Sonntag Morgen extra feinen Lunch. des Indianapolis oc. Turnvereins am Sonntag, 21. Novbr. '80 in der MmlnerchMOMe. Eintritt 2 Cents Person

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