Indiana Tribüne, Volume 3, Number 12, Indianapolis, Marion County, 30 October 1880 — Page 4

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(Wochenblatt.) Office : Ecke (5ircle u. Mcridianstr. . ' Jm dritten Stock EntereI 3 seoonfl-clasa rnattrr at the Postofilce at Indianapolis, Indiana. Abonnements-Preise. 3n der Stadt durch die Post ins Haus geliefert Per Jahr im Voraus 52.00 Ver Nummer 6 KevtZ. Otto Schissel, Herausgeber. Indianapolis, Ind., den 30. Oktbr. 1880. Stare docimis. Die VerfaffungsAmendements und die Entscheidung der Supreme Court machen den Leuten noch immer viel zu schaffen. Durch den Eintritt zweier republikanischer Richter an Stelle zweier demokratischer, sieht man sich veranlagt zu glauben, daß. wenn die Frage noch einmal vor das Ge richt käme, die Entscheidung anders aus sallen würde, und daß dann in diesemFalle die Oktoberwahlen ungültig waren. Daß wede" die Demokraten noch die Npublikaner Ursache haben. Derartiges herbeizuführe:: liegt auf der Hand. Dagegen heißt es nun, die Nationalen wollen im November für Staats- und County Be smte stimmen, und im Falle ihre Stimmen nicht angenommen werden, dieSache noch mals vor' Gericht bringen. Auch dies ist nicht wahrscheinlich. Unter allen Umsiänden jedoch ist es Unsinn darauf zu hoffen, daß die Sup-eme Curt ihre Entscheidung in diesem Falle umstoßen wird, was auch immer die individuelle Ansicht der Richter fein möge. ES aiebt in der Jurisprudenz ein Prinzip, welches starc decisis heißt, und da? ungesabr so viel bedeutet, wie es bleibt bei der Entscheidung". Die Idee, welche diesem Rechtsprinzip zu Grunde liegt, ist die, daß. wenn man einmal eine Entscheidung abgegeben und zur Richt schnür des Handelns gemacht worden ist. größere Gefabr durch Umstoßen der EnN fcheidung entstehen kann, als durch die selbe, selbst wenn sie nicht richtig ist. Die Wirksamkeit derffesetze beruht zum großen Theil auf ihrer Beständigkeit, und die Ach tung vor den Gerichten würde durch bäu sigen Wechsel der Entscheidungen sinken. Im beregten Falle, in dem ein Umstoßen der früheren Entscheidung ein Durchein ander der ganzen Staatsmaschinerie zur Folge haben und also durchaus nicht im Jnteresie der öffentlichen Wohlfahrt sein würde, würde das Supreme Gericht ganz gewiß, wenn ibm die Sache nochmals vor gelegt würde, sagen : stare decisii". .Es kl'ib! bei der Entscheidung !" Der Garfield'sche Brief. Die vollständige moralischeVerkommen heit der demokratischen Partei bat sich nie in auffälligerer Weise gezeigt, als in Verbindung mit dem angeblich von Garsicld geschriebenen Briefe in Bezug auf die Ehi nesensrage. Der Inhalt des Briefes ist folgender: Repräsentantenbaus, Washington. D. E.. 23. Jan. 7880. Geehrter Herr! Jb habe Ihren B?W betreffs der Cbinesensrage erhalten. Est ist meine Ansicht, daß die Fraoe. welche Arbeitskräfte ge braucht werden sollen, eine Frrige ist. die nur von Individuen und Privatcorpora tionen entschieden werden kann. d. b. die Corporation,,, haben das Recht, dieArbeit dort zu kaufen, wo sie dieselben am billigfien kaufen können. Wir baben einen Vertrag mit der ckine fischen Regierung und dieser Vertrag sollte strikt aufrecht erhalten werden, bis er abge schafft wird. Ich bin der Ansicht, daß die fer Vertrag nicht eher abgeschafft werden soll, als bis unsere großen Fabrikanten sich die nothwendigen Arbeitskräste ver schafft haben. Achtungsvoll der Ihrige James A. Gaisield. An H. L. Morev, Arbeitgebers Union, Lynn, Massachusetts. Kaum war dieser Brief erschienen, so erklärte Garsield denselb:n für eine Fälsch ung. Eine Anzahl Fabrikanten in Lynn erklärte öffentlich mit ihrer Namensunter schrift, daß daselbst seit Jahren keine Em ployer's Union existirt habe und daß niemals ein Mann, Namens H. L. Morey dort gewohnt habe, und schließlich ist der Brie nicht I. A. Garsield, sondern I. A. Gaisield unterschrieben. Man sollte denken, daß das für jeden vernünftigen Menschen genügend wäre,' ihn zu überzeugen, daß der Brief gefälscht

sei, odcr mindestens ihn bis zum Beweis des Gegentheils dasür zu halten. Jeden falls müßte es doch den Demokraten leicht sein die Existenz der EmployersUnion und des H. L. Morey nachzuweisen, wenn dieselben wirklich existirten. Mit solchen Kleinigkeiten bemühen sich jedoch die De mokraten nicht. Die demokratische Preffe unterdrückt alle Beweise für die Fälschung und fährt einfach fort den Brief als Cam pognedokument zu benutzen. Am gemein sten und erbärmlichsten verfährt dabei der Sentinel." Der Telegraph" nahm ein mal einen Anlauf zu Anstand undEhrlich keit, und meinte, nachdem Garsield den Brief für eineFälschung erklärt habe, müffe man ihn allerdings so lange dafür halten, bis das Gegentheil bewiesen sei, scheint aber seine anständige Haltung wieder be reut zu haben, denn er stimmt jetzt eben falls in den allgemeinen demokratischen Chorus ein. Die Gemeinheit, welche in diesem Ver fahren der Demokraten liegt, ist so boden los, so ekelhast, daß sie ihnen nurStimmen kosten kann. Inzwischen ist ein gewisser Philp, der in der Redaktion des New Yorker Truth", in welchem Blatte der Brief zuerst erschien, als der Fälschung verdächtig verhaftet worden. Da er aber vorsichtiger Weise den Brief nicht Garsield, sondern Gaisield unterschrieb, so dürfte es ihm vielleicht ge lingen, zu entichlüpfen.

Chicago's Fabrikation. Herr Charles Randolp, der Sekretär der Handelskammer, hat seinen Bericht über die Fabrikations-Geschäfte Chicago's'be' endigt. Derselbe reicht bis zum 1. Juni d. I. und zeigt, daß Chicago unstreitig der bedeutendste Fabrikplatz des Westens ist. Es geht aus diesem Bericht Folgendes hervor : In 3GS3 Fabrik-Etabliffements wurden während des Jahres 110.819 Personen be schäftigt und die Durchschnittszahl der beschädigten Männer erreichte die Höhe von G7.1G0, die der Frauen 15.718 und die der Kinder beiderlei Geschlechts unter 16 Iahren 4797 und wird ungefähr ein Fünftel der ganzen Arbeit von Frauen und Kin dern verrichtet. Diese respektable Armee von Arbeitern verdiente im genannten Jahre $36.659,826 während zum Betriebe der Fabriken ein Grundkapital von $77, 724.652 nöthig war und der Werth der zur Fabrikation kommenden Rohstoffe die Summe von $178.241.570 erreichte. Die fertig gestellten Waa.en repräsentiren die enorme Summe von $248.844.425. Diese Zahlen gelten für die innerhalb derStadt grenzen existirenden Fabrikanlagen. In Lake, Lake View und Hyde Park bestehen außerdem noch 69Fabriken mit einer durch schnittlichen Arbeiterzahl von 2688, die bei einemBetriebskapital von $2 967.450 jährlich $956.005 an Löhnen auszahlen, Roh stoffe im Werthe von $2,563,136.verarbei ten und für $4.561,570 fertige Waaren lie fern. Der Werth der von den Fabriken Chicagos gelieferten Waaren beläuft sich also aus nicht weniger als $853.405,695 und in diese colossale Summe ist noch nicht einmal der Werth der Brauereien und Bren verein einbegriffen, wie diese Branche der Industrie auch in den Angaben über Höhe des Capitals, Zahl der Arbeiter u. s. w. nicht eingerechnet ist, da diese Etablisse ments in einer seperaten Statistik für das ganze Land aufgeführt und diese dem letz ten Census einverleiht werden soll. Die aufgeführten Zahlen sind so ungeheuer groß, daß man veranlaßt sein könnte, an deren Richtigkeit zu zweifeln, allein die aus Zusammenstellung derselben verwandte Sorgfalt bürgt dafür, daß dieselben ge nau und der Wirklichkeit entsprechend sind. In vielen Theilen, Frankreichs hat das Hochwaffer großen Schaden angerich tet. i Die holländische Kammer hat den Antrag zur Wiedereinführung der Todesstrafe verworfen. In Rom starb dieter Tage der itali edisch: Staatsmann Baron Ricasoli im 71. Lebensjahre. General Garidaldi und sein Sohn Mcnotti haben ihre Resignation als Mit glieder der italienischen Deputirtenkammer zurückgenommen. In River Iahn, N. B. starb dieser Tage ein 104 Jahre alter Greis Namens William Shea. Er hatte 13 Kinder und hinterläßt über 100 Nachkommen.

Graf Moltke, Feldmarschall des deut schen Reiches feierte Dienstag seinen 80. Geburtstag. Den Fürstentrtel, welchen ihm der Kaiser verleihen wollte, hat er nicht angenommen. Sarah Bernhardt, die große Künstlerin ist endlich in New $ork angekommen. Hrößer als ihr Ruf dürste sie wohl kaum scin. denn sie hat demselben eine ungeheure Ausdehnung zu verschaffen gewußt. Herr Forster, der Staatssekretär von Irland hat sein Abschiedsgesuch ringe reicht, weil er das gerichtliche Einschreiten der Regierung gegen die HauptAgitaro ren der irischen Landliga nicht billigt. Abino Cabo war Leiter und Mitglied einer Verschwörung gegen die bestehende Regierung der südamerikanischen Republik Honduras und wurde deshalb von einem Kriegsgericht zum Tode verurtheilt und demgemäß erschossen. Etwa 1,000 Miliz osfiziere wohnten der Hinrichtung bei. i Nachdem die Nationale Gesundheitsbehörde verschiedene Lebcnsmittel hat chemisch untersuchen lassen, und dadurch zu der Einsicht gelangte, daß in vielen Fällen Fälschungen vorgenommen werden, will sie den Kongreß um ein Gesetz ersuchen, das Fälschung der Nahrungsmit tel verbietet.

In Dublin, Irland, sind unter 9,700 c. Tennementhäusern 2.300 mit einer Einmohnerzahl von 30,000 Seelen, zu mensch, lichen Wohnungen ganz untauglich. Dennoch werden sie bewohnt und es wird nichts gethan, den Leuten für diese Pesthöhlen einen Ersatz zu geben. In New York ist es damit auch nicht viel besser. Michael Hendricks, ein Neffe des ExGouverneurs Hendricks ist unweit von Leadville, Col., todt aufgefunden worden. Man hält die beiden Brüder McCollum für seine Mörder. Hendricks war beschuldigt an der Ermordung der ältesten der Brüder McCollum Theil genommen zu haben, truroe aber vom Gericht freigesprachen. Um jeden Preis möchte die, dem Cza ren, morganatisch angetraute Fürstin Dolgaroki eine Zeit lang Kaiserin spielen, und sie bekämpft deshalb die Absicht des Czaren, abzudanken, mit allen ihr zu Ge böte stehenden Mitteln. Man kann es ihr kaum verdenken, wenn sie jetzt dafür, daß sie so lange des Kaisers Maitresse war, entschädigt sein möchte. Der Reverend Dr. I. W. Carhart, Vorsitzender Aeltester in der Nördlichen Conferenz der Methodisten vonWisconsin, ließ sich auf krummen Wegen ertappen und ist von einem Disciplinargerichte der Unehrlichkeit, Unsittlichkeit, der Lüge und des Meineid schuldig befunden worden. Ja die Geistlichen wandeln in der Regel andere Wege, als die, welche sie vorschrei den. In eine? Vorlesung vor dem eben beendeten Bostoner JrauettCongrcß ent wirft Frau Flora Colby ein trauriges Bild übt? das Leben der Frauen im fernen Westen. Die Frauen werden dort wie Sklavinnen behandcli und müssen demzu folae acistia und lörverlick ve7kommen. Sie baben absolut keine Keleaenbeit firfi geistig auszubilden und weil die Farmen ; n l...: -iC.... i : in uiui ivril uiiciui nun cir.unuer liefen, u w f r w r . nr m lynen aucy zeoer geieuicucirntcDe erreyr o gut wie abgcspeirt. Dies hat allerdings m c v:. v... nur oezug au uic grauer, in cm neuen Staaten und Territorien, aber eben da raus ersieht man, daß nur Großansiede lungen die Civilisation heben, während die in Abgeschloffrnheit und nur für das Einzelintereffe lebenden Menschen nach und nach elendiglich zu Grunde gehen. Das letzte verzweifelte Mittel zu wel chem der hiesige .Telegraph" noch vor Thorschluß greift, nachdem er wohl ein sieht, daß die Aktien der demokratischen Partei jetzt schlechter als' jemals stehen, besteht darin, daß er sagt, die Republika ner sind innige Freunde der Temperenzler und der Temperenzgesetze. Wir wollen es ganz und gar dahin gestellt sein lassen ob das die Republikaner im Allgemeinen mehr sind als die Demokraten, denn die Temperenzbewegung, die in diesem Lande genau betrachtet, sogar eine gewiffe Be rechtigung beanspruchen kann, der aber doch kein verständiger Mensch das Wort reden wird, ist gewiß bei den Demokraten nicht schwächer als bei oen Republikanern. Aber das ist auch schließlich ganz einerlei; Die Frage als solche spielt oder sollte wenigstens in dem Wahlkampse keine der artige Rolle spielen, wodurch sie als Argument gebraucht werden könnte. Es ist deshalb ebenso einfältig als lächerlich vom Telegraph" eine mit den niedrigsten Leidenschaften der Menschen verbundene Frage als maßgebend mit in den Wahl kämpf hineinziehen zu wollen.

C.F

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Der Redakteur des Berliner Börsen kuriers" muß Z125 blechen und 50 Tage lang brummen, weil er sich erkühnte. Bis marck's angebliche Absicht, Hamburg in das Zollvereinsgebiet zu ziehen, zu tadeln. Es ist doch etwas Schönes um die Preß freiheit in Deutschland. Die deutsche Schriftstellerin Elife Linhart, die sich laut Depesche den Tod nach dem Muster ihrer antiken Kollegin Sappho gegeben bat, indem sie sich bei C?v:ta Becchia in's Meer stürzte, ist die Verfafferin des Preisromans : Der Kampf um's Glück", der sich ebenso sehr durch klassischeSchreibweise wie ergreifende Darstellung auszeichnete. Die Nachricht beweist, daß die Verfafferin selbst in jenem Kampse unterlegen ist, den sie so schön zu schildern ußte. Die Demokraten greisen doch zu ver zweifelten Mitteln. Da schickt der Vor sitzer des demokratischen National Execu-tiv-Comitcs eine Depesche in die Wlt hinaus, daß in dem Nachlasse eines gewissen in Lynn, Mass. verschiedenen H. L. Morey ein Brief von Garsield gesunden worden sei, worin er sich zu Gunsten der Chinesen Einwanderung ausspricht und sagt, daß Jeder das Recht habe, Arbeit zu dem bil ligsten Marktpreise zu kaufen. Die Absicht war natürlich, Garsield bei den Arbeitern zu verdachtigen. War schon der Umstand verdächtig, daß der Brief an Jemand gerichtet war, der inzwischen ge storben i, so wurde der Betrug erst recht augenscheinlich, als Garsield den Brief für eine Fälschung erklärte, und die demo kratische Presse dieseErklärung tcdtschwieg. Und nun kommt gar noch eine Anzahl von Fabrikanten in Lynn und erklären öffentlich, daß ein Mann, Namens H. L. Morey gar nicht in genannter Stadt ge wohnt hat. Mit solch' dummen Lügen macht man nicht erfolgreich Propaganda. Mann kann dazu höchstens Pfaü" sagen. . . In Bezug aus citun Artikel, den wlr kürzlich dtr neugegründeten Sonntags schule widmeten, schreibt Herr Hailmann in den Erziehungs-Blattertt" wie folgt : Zi, der Mittheilung, daß der Freiden kervercin zu Indianapolis beschloffcn habe, eine Sonntagßjchule zu eröffnen, macht die Ind. Tribüne" Bemerkungen, welche wohl dazu angethan sind, den Lehrerstand zum Nachdenken zu bringen. Sie schreibt : Da es wohl Viele geben mag, die sich den Zweck einer derartigen Schule nicht erklären können, odcr denselben vielleicht gar mißverstehen, so sei hier erwähnt, daß die Ausgabe einer Schule nicht darin besteht, den Kindern trockenen Elementarunterricht zu ertheilen, daß dort vielmehr in unterhaltender Weise belehrend und ver edelnd auf die Jugend eingewirkt werden soll. DieSchule soll so geleitet werden, daß sie den Kindern als ein Ort erscheint, an welchem sie sich bester unterhalten als auf dem herrlichsten Spielplätze, und zu wel chem sie sich ohne Aufforderung hingezogen fühlen. Das strenge Du mußt" soll und darf hierbei gar keine Rolle spielen. Um das zu erreichen, und um zugleich das Wirken in der Sonntagsschule erfolgreich zu machen, sollen die Unterrichtsgeqen stände nur Moral und Sittcnlehrc, Sin gen und Anschauungsunterricht umsaffen. Dadurch wird zunächst aus die Herzens bildung des Kindes hingewirkt, das Gemüth wird verfeinert und die geistige Auf faffung verschärst." Mit einigen Amendirungen in Betreff der Unterrichtsgegenflände eröffnen diese Worte ein rechtes Paradies für liebevolle Lehrer, welche in dem freien Umgang mit frohen, selbständig vorwärtsstrebc"den Kindern ihre höchsteFreude suchen. Jeder möchte da mitthun, in Jedem regt sich der Wunsch : Könnte doch hier eine ähnliche Schule in's Leben gerufen werden, mit welcher Innigkeit wollte ich mich ihr widmen !

ramm, SQTJXfcli:,) INDIANAPOLIS, IND. Brauerei 'm Staate. Mein Lagerbier Bottle BeerM ist vor allem anderen als C. F. Sckimidt. Doch, lieber Leser, dieses Paradies ist nicht für Lehrer. Die Tribüne" fährt fort, nachdem sie erwähnt hat, daß der Unterricht unentgeltlich ertheilt werden soll, und nachdem sie zwei Herren und eine Dame sämmtlich nicht dem Lehrerstande a:'gehörig namhaft gemacht hat, welche sich erbieten, den Unterricht unentgeltlich zu leiten : Dem Unterricht soll eben jeder schul' meisterliche Zwang abgehen; daher ist eS wohl besser, wenn Leute, die dem Lehrerstände nicht angehören, denselben leiten." Wenn das nicht ein satyrischer Witz der Tribüne" ist, um entweder die deutschen Lehrer und Lehrerinnen sür ungebührliche Zurückhaltung odcr die betreffenden Nichtlebrer sür vermeintliches unpzffendes Vor drängen zu strafen, wenn jeneZeitung ihre diesbezüglichen Bemerkungen im Ernst ge macht hat, wenn diese begründet sind, dann sieht es mit der Lehrerschaft wenigstens in Indianapolis in der That bedenklich aus. Uebrigens unterliegt es keinem Zweifel, daß die Anschuldigungen der Tribüne" seien sie nun im Ernst oder im Spaß ge macht eine gewisse Berechtig haben. Es wird in der Schule immer noch zu viel geschulmeistert und zu wenig gebildet, zu viel auswendig gelernt und zu wenig in wendig erfaßt, zu viel trockener Elemen tarpluuder breit getreten und zu wenig Jnteresie am wirklichen Leben geweckt, zu viel gelehrt und zu wenig erlebt. .Soweit Herr Hailmann. Wir geben vor Allem unserer Freude' Ausdruck, daß unser Artikel den damals allerdings nicht damit beabsichtigten Zweck erreicht uat. in Lehrkreisea aus die Art und Weise hinzawcisen, wie der Lehrerberuf vielfach heute ausgeübt aber gerade damit nicht in der richtigen Weise erfüllt wird. Als wir j?doch den betr. Artikel schrieben 'und die Anstellung von Leuten, welche dem Lehrerstande nicht angehören befürworte ten, was wir hier auch wiederholen, hatten wir wcder dabei speziell die hiesige Lehrerschaft im Auge noch gaben wir Veranlas sung, das anzunehmen, . denn unsere Be merkungcn waren doch gewiß ganz all-e-mein gehört. Auch lag e? uns ferne über unsere Volkserzicher yd scherzen. Wir befürworten die Leitung einer Sontt tagsschule von Privatpersonen, weil wir einer derartigen Schule nur den Charakter eine? Erholungsplatzes, wo aber immerhin der Saame der Belehrung ausgestreut werden soll, verleiht sehen möchten und weil wir ganz abgesehen von der hiesigen Lehrerschaft wiffn, daß im Allgemeinen von den Lehrern viel zu maschinenmäßig gearbeitet wird, eine Thatsache die ja auch Herr Hailmann zugesteht, als daß die Unbefangenheit und das freie ungezwungene Benehmen der Kinder so zum Ausdruck gelangen könnte, wie wir es gerade dort gerne erblicken möchten. Außerdem wären wir in einer Sonntagsschule auch deßhalb nicht für Anstellung selbst der bewährtesten Schullehrer weil wir auch hier dem Sprichwort, variatio dclectat?j Rechnung ge tragen sehen möchten, es deßhalb für viel praktischer halten, wenn die Kinder wenig stens ihre Sonntagsschule von dem tägli chen Einerlei dadurch unterscheiden können. daß sie dir nicht mit d e Lehrern verkehren, denen sie jeden Tag begegnen muffen. DaS Paradies, das sich den Lehrern in einer nach unserer Ansicht zu leitenden Sonn tagsschule eröffnet, könnte übrigens -von unsernSchullehrern auch in den Werktagsschulen geschaffen werden und unsere Ju gend würde dabei gewiß nur gewinnen. DaS ist aber eine Frage, die uns heute zu weit führen würde, die wir aber ein anders Mal erörtern werden.

I .. ri L i ii n t i' . . K r r (i ;f j Lf t