Indiana Tribüne, Volume 3, Number 12, Indianapolis, Marion County, 30 October 1880 — Page 1

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JlZliMlllZ 3 No. 12. Ofsice: Cckc Circle u. Meridian-Straße. Laufcndc No. 116. .iv. k ' v Zndia,:aporis, Zndkana, Samllafl, den 30. Moöer 1880.

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Vernunft- undHumanitätS-Ncligion. Schaut auf, die alten Tempel fallen. Wir b u'n am neuen Ge',stesha::s, Und in der Wahrheit lichten Hallen Eeh'n wir als Brüder ein und aus. Da kündet im vertrauten Worte Des Freundes Stimme, was uns fehlt, Ur.d Keinem schließt sich diese Pforte, Der Mensch. fein sich zum Ziel erwählt. Hier sind wir alle gleich geworden. Hier ist kein Freier und sän Knecht, Und sicher vor Gedankenmorden Nebt hier der (reist sein ew'ges Recht. Der heil'ge Lieb, dem Erbarmen, Weicht hier des Glaubens stolzer Wahn, Sie bringen ihre vollen Garben, Sie zünden ihre Opfer an! Fr. Balhcr.

Die agrarische Bcwegung in Irland. Es kann keinem Zweifel mehr untcrlicgen, daß die Bewegung zur Reform des Landbesitzes in Irland bereits einen in hohem Grade revolutionären Charakter angenommen hat. Allenthalben im ganzen Lande sinden Demonstrationen statt, welche von der irischen Landliga veranstaltet werden, zu rrelchen die Leute in Massen herbeiströmen und bei welchen eine höchst leidenschaftliche Sprache geführt wird. Seitdem das Oberhaus die sogenannte Entschädigungsbill, welche bestimmte, daß die Pächter beim Kündigen der Miethe zu einer Entschädigung für Bodenameliorationen berechtigt seien, verworfen wurde, hat sich ein Geist der Widersetzlichkeit unter dem Volke geltend gemacht, der sich schon mehrere Male in der Ermordung grausamer Landlords äußerte. Dies sind natürlich Ausschreitungen, wie sie bei jeder revolutionären Bewegung, welcher von Oben herab Widerstand geleistet wird, vorkommen, mit welcher aber die Bewegung selbst in keiner direkten Verbindung steht. Die Seele der agrarischen Bewegung in Irland ist daS Parlamentsmitglied Parnell. Die Popularität desselben mag man auS dem Umstände, entnehmen, daß vor einigen Wochen ihm zu Ehren in der Stadt Cork eine Demonstration stattfand, welche nach dem Berichte von Augenzeugen die größte politische Demonstration war, welche je in Irland stattgefunden. Ein drei Mlen langer Zug von Wagen und Kutschen, dem sich Tausende von Landleuten zu Fuß und zu Pferde anschlössen, begleitete ihn in die Stadt, wo er von den Municipalbeam ten mit dem Mayor an der Spitze, gekleidet in ihren ossiziellen Roben, öffentlich empfangen wurde. In der Stadt selbst wurde ein großer Umzug veranstaltet. Der Vericht darüber sagt Folgendes : DerWagen, in welchem sich Herr Parnell befand, zog die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Parnell war der Gegenstand abgöttischer Verehrung. Fenster und Dächer waren mit Zuschauern, meistens Damen besetzt. Der Enthusiasmus des Volkes war wahr haft überwältigend. Mehrmals versuchte das Volk die Pferde auszuspannen und den Wagen mit den Händen zu ziehen. Der Enthusiasmus kannte - keine Grenzen ; Straße um Straße wiederholte sich das Schauspiel und Parnell wurde mit Blumen förmlich überschüttet. Bei dem Bankett, das später stattfand, kam eö zu einem Gesinnungsaustausch, der eine für England sehr bedrohliche Stim mung kundgab. Wir können nicht alle die Reden anführen, welche gehalten wurden. Eine einzige Aeußerung Parnellö kennzeichnet den Geist, der in Irland waltet. Par nell erwiderte auf den Toast : Die Wohl fahrt Irlands," und er sagte unter Anderm : daß, wenn es irgend Etwas gebe, daS er entschlossen sei, durch seine bescheidenen Bemühungen herbeizuführen, so sei es die Macht des irischen Volkes sich selbst zu regieren, so daß sie in Zukunft die Wohl-

fahrt Irlands nicht mit dem Namen eines von England geschickten Herrschers in Verbindung zu bringen hätten.

Noch deutlicher spricht sich der aufrühresche Geist in der von Matthew Harris, bei Gelegenheit einer Versammlung am letzten Montag gehaltenen Rede aus. Derselbe sagte: daß cs besser sei, ein Mensch Würde todtgeschossen, als daß Hunderte von Familien aus dem Lande getrieben würden.i' Seitdem er Zeuge der Exmission von Farmern gewesen sei, würde er kein Wort dagegen sagen, wenn die Farmer die Landlords wie Rebhühner niederschössen. In der That hat die agrarische Bcwegung in Irland den Gedanken der Lostrennung von England vollständig in sich aufgenommen. Die englische Regierung ist erschreckt, und beabsichtigt nun das zu thun. Was die Despoten gewöhnlich thun, und womit sie immer sich selbst vernichten, nämlich Gewalt zu gebrauchen und das Recht mit Füßen zu treten. Wie es scheint, beabsichtigt die Regierung Parnell und seine Genossen wegen Verscbwörung anzuklagen und prozessircn zu lassen. Da sich aber in Irland schwerlich eine Jury sinden dürfte. welche in diesem Falle ein Schuldig aussprechen würde, so sollen sie, heißt es, nach England gebracht, und dort prozessirt werden. In diesem Falle wäre ihre VerurHeilung so sicher, wie ein freisprechendes Erkenntniß in Irland. Aber wie in Deutschland das infame Ausnahmegesetz die Sozialdemokratie, anstatt sie zu vernichten, gestärkt hat, so wird ein derartiges Vorgehen in Irland die Revolution erst recht herbeiführen. Ehe diese aber in voler Stärke ausöricht, wird wahrscheinlich wch mancher der stolzen . Land lords ins Gras beißen müssen. So muß es kommen, so wird es überall kommen,' wo das Volk an den Rand der Verzweiflung gebracht wirv, sei die Regie rungsform wie sie wolle. Die Revolution herrscht überall, bei uns ist sie noch ganz in ihren Anfangsstadien. Aufhalten läßt sie sich nicht. Wehe Denen, die es versuchen ! Aber in friedliche Canäle läßt sie sich leiten, wenn das Volk mit seinen berechtigten Forderungen Gehör sindet, wenn Die, welche die Gewalt in Händen haben. den guten Willen zeigen und sich bemühen. die Lage des Volkes zu verbessern. Setzen sie aber dem Volkswillen einen Damm entgegen, so wird die Fluth der Volkswuth ihn einreißen und seine Erbauer vernichten. Vor einem solchen Ereigniß steht Irland. Im Augenblicke geht auf dem ganzen Erdboden nichts Wichtigeres und Jnteressanteres vor sich als die Revolution in Irland. Seitdem wir Vorstehendes geschrieben, meldet das Kabel, daß die Führer derLandliga wirklich in Anklagezustand versetzt worden seien. Die Aufregung ist eine ungeheure und die Regierung hat bereits militärische Vorkehrungen getroffen. Im Falle der Verhaftung Parnell's und der anderen Führer, meldet das Kabel, seien ernste Ruhestörungen zu befürchten. Die Schutzznll-Frage. Die Frage,' ob Schutzzoll oder Frei Handel, spielt in dergegenwärtigem Campagne eine große Rolle. Vom Anfange an wurde weniger Gewicht auf dieselbe ge legt, und erst später wurde sie als ein so genannter "campain issue" lebhaft be sprechen, und ist zuletzt eine der Hauptfragen geworden. Es läßt sich nicht be streiten, daß die Fabrikanten Freunde des Schutzzolles sind, und sie hoben nicht nur deshalb zu Gunsten der Republikaner ihr Stimmrecht geübt, sondern auch einen sol chen Druck aus lhre Angestellten und Arbeiter geübt, daß viele derselben, mehr oder weniger freiwillig, ebenfalls für die Republikaner stimmten. Den Arbeitern gegenüber wird das Argument gebraucht, daß durch die zollfreie Einsuhr fremder

Jndustrieerflebnisse d r Lohn auf das in Europa übliche Minimum herabgedtückt wird. Trotzdem es auß?r allerZZrage steht, daß .dieses Argument richtig ist, so ist cs doch ebenso klar, daß der Vortheil, welchen die Arbeiter aus dem Schutzzoll ziehen, ein kleiner und nur temporärer ist, und daß der Hauptvortheil den Fabrikanten zu Gute kömmt. Die Lebenshaltung deS Arbeiters ist in Amerika eine bessere, als die des europäischen Arbeiters und der Lohn hüben besser als drüben. Unter dem Wirken des Schutzzolles wird das jedenfalls noch eine Zeit lang so bleiben. Dat Aufheben de? Schutzzolles müßte unbedingt ein sosorti ges Sinken des Arbeitslohnes und der Leb enshaltung dcs Arbeiters, ja sogar eine temporäre Stockung der ganzen Industrie zur Folge haben, indem der amerikanische Markt sofort mit Erzcugnissen fremder Industrie überschüttet werden würde. Daß aber der Schutzzoll an sich, für im mer den Arbeiter vor Hungerlöhnen sichert, ist nicht wahr, denn das.Steigen und Fallen des Lohnes wird von ganz anderen Ursachen beeinflußt. Das eherne Lohn gksetz äußert seine Wiikung unter dem Schutzzoll gerade so gut, wie unter dem Freihandel, und unter öeiden Systemen findet ein fortwährender Druck der Lebens Haltung des Arbeiters nach Unten statt. Die Concurrenz unter den Arbeitern selbst wird nie gestatten, daß der Lohn auf die Dauer über das Niveau dessen steigt, was zur Erhaltung des Arbeiters und seiner Familie, nach der bei dieser Klasse Herr fchendenLebensgewohnheiten nöthig ist und dem dauernden Stande unter diesem Niveau setzt die Natur eine Grenze, soba'd die gewohnte Lebensweise auf dem Punkte angelangt ist, wo ohne Lebensgefahr ein weiteres Herabdrücken nicht mehr mög lich iR.v.W- - -'--;' - Der Unterschied liegt also weniger in der Höhe des Lohnes, als in den Lebens gewohnheiten, d. h. der Lebenshaltung und, diese ist eben hier beim Arbeiter noch auf einem höheren Niveau als drüben. Das Sinken der Lebenshaltung muß aber durch dieConcurrenz unter den Arbei tern unter allen Umständen eintreten. Hält der Schutzzoll die Preise der Jndu strieerzeugnisse aber doch hoch, so hat auf die Dauer der Fabrikant, nicht der Arbei ter den Nutzen davon. Der Unterschied für den Arbeiter in der Jollfrage besteht also lediglich darin, daß der Freihandel daö Sinken der Lebenshal tung sofort und pitzlich herbeiführt, während beim Schutzzoll dieser Prozeß lang sam und allmählich vor, sich geht. Im merhin liegt also zur Zeit für den Arbeiter ein Vortheil im Schutzzoll. Ist aber ein mal der Moment eingetreten, in dem die

Lebenshaltung des Arbeiters auf das un terste Niveau gesunken ist, und dieser Mo ment ist unausbleiblich, dann liegt das Interesse dcs Arbeiters,des billigeren Einkaufs und der billigeren Beschaffung der Lebensbedürfniffe wegen auf Seite des Freihandels. Die Frauenbewegung und ihre Errungenschaften. Gelegentlich des Frauen Congreffes zu Boston hat Frau Spencer die Erfolge, welche die Frauenrechtlerinnen bei den Legislaturen errungen haben, in folgen den Worten zusammengefaßt : In 30 von den 33 Staaten kann eine verheirathete Frau gesetzlich alles vor der Hochzeit von ihr besessene Eigenthum be halten und verwalten. In 21 Staaten kann sie gesetzlich alles Eigenthum behal ten und verwalten, welches sie während der Ehe erwirbt. In 9 Staaten kann sie un beschränkt alles Eigenthum behalten, das ihr irgendwie zufällt, ausgenommen durch ein Geschenk des Mannes. In 21 Staaten ist sie allein für Schulden verbindlich, welche sie vor der Verehelichung gemacht hat. In 20 Staaten sind die Verdienste emer Ehefrau ihr alleiniges Eigenthum. In 9 Staaten darf sie Vormünderin sein. In 10 Staaten können Gatte und Gattin aulnae Vortraae mit einander schlttken. Diese Erfolge sind allerdings, wenn

man an die Reckte denkt, welche denFrauen bis jetzt ungerechterweise noch vorenthalten werden, noch sehr bescheidener Art. Trotz Ytm zeigen sie daß die Frauenfrage, all mählig zur Lösung gelangen muh.

Neue Anzeigen. B&mttmmu des Indianapolis oc. Turnvereins am Sonntgg, 21. Novbr. '80 in der MännerchovHylöe. Eintritt 25 Cents Person. DoSt-OontrMk. , Aotiz an (&miv&$imeM Post-Officc Departement Washington, D. C., 30. Sept.L880. lngebote werden entgegengenommen in ver ,onirallzince vieles epariemenis . , fr' i . , bls zum 4. November 3 Uhr Nachmittags für die Beförderung der Postsachen der Ver. Staaten auf den Routen im Staate Missouri wie im Departement specificirt vom 8. November 1880 oder 1. Februar 1881 bis zum 10. Juni 1883. Listen über die Dienstzeit, Instruktionen an Bieter mit den nöthigen Formularen für Contrakte und Bonds und alle andern nöthigen Formulare werden auf Verlangen vom zweiten Asststant-General Postmeiste? geliefert und ertheilt. Horace Maynard, General'Postmeister. co . n rn - 3 r Heilen Sie Ihren Mckenschmcrz und alle Krankheiten der Nieren, Blase und Harn. Or gane durch Tragen, des "Irnproved Excelsior Kidney Pad" ES ist ein Wunder der Heilkraft und Abhülfe. Einfach, empfänglich, direZt ' schmerzlos, mächtig. E5 heilt mo alles Andere fruchtlos ist. Eine Offen barung und Umwä'jung in der Heilkunde. Atsorr tion oder direkte Aorlik tron, im Gegensatz zu ungenü genden inneren Medikamenten. Schicken Sie für unsere Abhandlunq überNierenleiden; wird frei versandt. Verkauft d rch Druggii'ten oder durch die Post versandt bei Empfang deZ Preises von $3.00. Adressire Bäteö L5 Kanley. neo vad. Man frage löi ilOOlfOU (.f darnach und nehme . Lhicago, Jllt. keine andere. Managers für den ordwepen.

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