Indiana Tribüne, Volume 3, Number 11, Indianapolis, Marion County, 23 October 1880 — Page 6

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JndiaKa Tribüne.

Der

Kirchhof

von ein G i o v a n n i. Aus dem Leben eine: Engländerin. . ;. ! ! i 'i mi'. .. . . . lFortsetzung.) Mein Athem stöckle. tfaum war ich fähig, die Frage ttvorzustammeln : .So willst 'Du. mich also auf ewig von den Meinen trennen V .DaS will ich nicht !" sprach Edward mit Jockender Stimme, sein Gesicht röthet'e stch, seine Augen suchten unwilllürlich.den Boden. .Für Dich ist Alt.England dieWelt. und Du gabst Dein stolzes Grabmal zu 'Westminster nicht hin für das Brautbett, das Du einst mit Edward theiltest. Du bist eine ächtgläubige Anglikanerin ! Kehre dnn zu Deinen Eltern zurück, wenn Du nicht leben kannst ohne ste, wenn sie Dir mehr. sind als Ga'.te und Kinder. Ich halte Dich nicht!Mich hochaufrichtend trat ich ihm einen Schritt entgegen und stammelte mit letzter Anstrengung : Mylord, wie soll ich Ihre Worte deuten ?" ; .Wie ich sie gab !" ' .Sie wünschen eine , 'Trennung von mir?" . .Ich komme Ihren Wünschen zuvor !" .Und Sie überlassen mir meine Kin. der ?" .Nimmermehr. Ziehen Sie nach Eng. land, wenn es Ihnen gefällt, die Kinder bleiben dem Vater!" Bis Hieher hatte ich Alles gehört. Jetzt aber begannen die Wände mit mir zu schwanken, der Fußboden schien mir ein bewegliches Meer, welches mich hin und her schaukle ; mir war es, als hörte ich tausend Wasserfälle um mich rauschen, ich fühlte, vie meine Glieder sich streckten, wie meine Glieder sich streckten, wie eine Eiskalte sich von meinem Herzen durch alle Aderner goß ; Nacht wurde es vor meinem Blick, es verlieb mich die Besinnung. Ich weiß nicht, ttie lange ich mich in diesem Zustande befunden hatte. - Als ich zu mir selbst kam. hörte ich leises Flüstern in meiner Nähe. Ich versuchte es, die Augen auszuschlaqen, vergebens. Meine Schwäche war so groß, daß ich die Augen nicht zu bewegen vermochte. Ich lag sehr unbequem, aus dem Rücken, und meine ge falteten Hände hielten einen Gegenstand. den ich weder sehen noch durch das Gesühl mir erklären konnte, was es eigentlich sei. Auf dem Haupte drückte mich ein schwerer kalter Reif, um meinen Hals schlang sich ein kühles Band, und umsonst bemühte ich mich, meine Hände von dem Gegenstande, den sie hielten, loszumachen, um mich zu überzeugen, was mit mir geschehen und wo ich denn eigentlich sei. Das Einzige, was ich mlt Gewlßhelt zu unterscheiden alaubte. war eine blendende Helle, die micb umgab. Jetzt plötzlich verstummte das Geflüster neben mir. Ich hörte schwere Tritte sich mir nahen, andere aus dem Zimmer schlei chen, und nach wenigen Secunden . fühlte , ich meine Hand ergriffen, von dem Gegen stand, den sie hielt, losgerissen, und mit Küssen und Thränen überströmt. .Arme Geschiedene !" seufzte die wohl bekannte Stimme Edwards, feohl Dir, daß Du schlummerst! wohl Dir!" Wie ein elektrischer Schlag durchzitterte mich der furchtbare Gedanke': .Wehe Dir, Du bist scheintodt " Kein Zucken meines erstarrten Körpers verrieth die Höllenpein, die bei dieser Idee mein innerstes ÜZeben durchdrang, Edward ließ meine Hand los. schob, wie ich nun wohl bemerkte, die Bibel zwischen meine wieder gefalteten 'Hände. und stammelte : Vergib uno ruye in ftne den V Eine weibliche Stimme schlug in diesem Augenblick an mein Ohr. Eine Stimme, süß und wohlklingend, wie ich noch nie vernahm, ur.o dennoch ourqorang oer Ton wie schneidendes Jammergehkul meine Seele. .So läßt Du denn auch die Todte nicht, so hält Dich selbst diese Leiche noch fest mit unauflöslichen Banden ?" Dies wa ren die mir ewig unvergeßlichen Worte, welche die weibliche Stimme sprach. '.Du bist grausam, Bianka," entgegnete Edward. .Hb ich Dir nicht alles geopfert? Kannst Du diese Leiche noch beneiden um öen letzten Rest der Theilnahme, d:r sür sie zurück blieb in dem Gemüth eines Treulosen ? WaS ist Deinen Wün schen nun noch im Wege? Habe ich Dir nicht geschworen, auf immer in Deinem Vaterlande zu bleiben? Steht nicht auch dies edle Herz still, das der Kummer um

mich brach, und löst sich nicht mit der ersten Schaufel Erde, die diesen Sarg bedecken wird, auch das letz'e Hinderniß los, das zwischen unsere unauflösliche Bereinigung sich drängen könnte? So laß mich wenig stenS der Mutter meiner Kinder, - der einst über alles - Geliebten .die letzten Thränen weihen !. Ehre meinen Schmerz. , Ist dieses eine noch vorüber, so bin ich ja doch Dein auf immer - :i Ich hörte, wie Edward das Zimmer verließ. . Daraus klang es mir, als vernähme ich lautes Schluchzen, . und nach wenig Secunden sprach die unangenehm schnarrende Stimme eines, wie mir schien betagten Weibes : . ..Bianka, befällt Dich der sWahnünn ! Du weinst. Du, deren Auge-nie Thränen kannte? Jch.bin doch, beim Himmel ! neir, gierig, wie tief Du noch sinken wirst durch Deine rasende Leidenschast für diesen Menschen.-

.Sollich nicht weinen," flüsterte die süße Stimme wieder, .siehst Du nicht,.daß selbst ihre Leiche noch, mehr Anziehungskraft für ihn besitzt, als mein liebeglühendes Herz, gedenkst Du nicht des Zu standes, in dem ich bin ? Was soll aus mir werden, wenn vielleicht Reue und Schmerz über ihren Tod den Zauber lösten, den meine Umgebung um ihn schlug. Ich kann, ich will nicht leben, beladen mit Schande und getrennt von ihm. Hat er aber die Gattin verlassen, die im Tode noch reizend hier vor uns liegt, wer bürgt mir sür.seine Treue !" Ein widerlich heiseres Lachen der Alten schlug an mein Ohr. .Ich bürge Dir sür seine Treue, mein Töchterchen ! Hast Du nur Muth, daS Mittelchen anzuwenden, so hält er an Dir sester, als wäre er mit Eisen an Dich geschmiedet." In diesem Augenblicke vernahm ich Schritte, welche sich nahten ; die Alte flü. sterte noch : .Nur um Mitternacht ist es aussührbar, nur die Mitternacht gibt dem Zauber Krast. Nur Muth, mein Kind! denn Du hast ihn nöthig." Jetzt ward Alles still. Man trat zu dem Sarg, schweigend ward das SammetPolster unter meinem Haupte hinweggezs' gen, eine seidene Decke legte sich verhüllend über meine Gestalt, unter schweren Ätbem zögen wälzte man einen weitgewölbten Deckel über mich, und mit fürchterlichen Schlägen hörte ich das Grab über mir sich schließen. Vergebend bemühte, ich mich unter unaussprechlicher Pein, ein Zeichen des Lebens zu geben : . Der Sarg erhob sich, und ich sühlte mich die Treppe hianbgetragen; wohlthätige Nacht umschleierte meine Sinne. Ein donnerähnlichcs Getöse w?ckte nrin schlummerndes Bewußtsein, es klang, als stürze eine, Lawine über mir zusammen, und mit Todesschauer durchdrang mich der Gedanke : .Es ist die Erde, welche sich Felsen gleich auf Dich wälzt. Du bist lebendig begraben !" Noch jetzt durchrieselt Eiseskälte mein Gebein bei dieser gräßlichen Erinnerung. Es war dichte Nacht um mich, in mir. Der Wahnsinn wüthender Verzweiflung, das Gefühl des grausenvollen Endes, welches mein?r wartete, ergriff mich mit einer solchen Gewalt, daß der Todesschweiß in Strömen aus meinen erstarrten Gliedern hervorbrach, 'dennoch vermochte ich noch nicht mich zu bewegen, die Seele war wach und lebendig, der Körper todt, . regungslos. . . Gräßliches Empfinden des lebendigen Geistes in meinem erstorbenen Leibe ! .Alle Hoffnung aus die Unsterblichkeit dir Seele, auf ein ewiges Leben verließ mich, ich vermochte nicht zu beten, denn ich glaubte in diesen fürchterlichen Augenblicken an keinen Gott mehr ; die Idee bemächtigte sich mei ner, meine Seele sei fest gebannt an diesen starren Körper, sei veischarrt in den Schooß der Erde mit dem Leib,' und könne nie mehr des ewigen Heiles theilhaftig werden, ja der Gedanke, .daß ich vielleicht ewig so liegen müsse, lebend todt, wuchs riesenhaft in meiner Seele, und bemächtigte sich wie ein. rausendarmiger Polyp meines ga-zen Wesens, alle Fasern meines Ge l.irnS umspinnend. Ich sah schon, wie sich giftiges Gewürm auS . meinem eigenen Selbst erzeugte, um mich zu verzehren, wie mich so regungslos die keuchte moderige Verwesung sraß. indem meine lebende Seele mit voller Denkkrast in dem morschen zerfallenen Schädel hause. . Näher und näher kam der Augenblick, wo mich Raserei ergreifen und meinen noch gesunden Geist zerrütten mußte. .Ich weiß nicht, wie lange ich so in grüß lich dumpfem Brüten gelegen .haben mochte, da weckte mich der brennende Durst

aus dem Gewisre des, Wahnes, der mich umfing, und mit. dieser Empfindung schwanden auch ! alle jene .Gedanken; und Bilder, .denn daS unleugbare -Gefühl meiner. .Menschlichkeit.' gab mich der sürchterllchen.Gegenwarx zurück mein Körper halte.noch die Bedürfnisse des- LebenS all: war. ich noch nicht gestorben,- nur Mangel an Licht und Luft, nur das Gräß . lichste, der Hungertod. Konnte das eiserne Bund zerreißen, das meine verzweifelnde Seele in dem begrabenen '?Leib festhielt. Diese Vorstellung wälzte. sich, schwerer, als die Erde über mir, aus, meine regungslose Brust, und zum erstenmale erhob sich mein Gedanke zu Gott ich richte : .Gib mir den Tod, Allerbarmer der Tod ist ja die größte Wohlthat der Natur m . O wie tief war ich in diesem Augenblicke durchdrungen von der Seligkeit, welche in dem Worte Vernichtung- liegt. Da war mir plötzlich, als vernehme ich ein Geräusch über meinem. Haupte. , Ich sammelte meine zerrütteten Sinne, ich traute dem leicht getäuschten Ohr nicht, doch, doch, es wurde über. mich , eifrig gegraben, ich hörte schon zuweilen das dumpfe Anschlagen der Schaufel an den Deckel meines Sarges. :: Das ist Edward, er rettet mich !" Der Gedanke schoß wie ein Gluthmeer aus meinem Gehirn durch die erstarrten Glieder hin, und als wäre eine leuchtende Sonne in dem Kern meines Herzens auf gegangen, so drangen aus diesem tausend glühende Strahlen mir durch va3 Gedein ' Es gibt keine Beschreibung, kein Wort in irgend cinerSprache. die auf Menschenzungen wohnt.umdasGefühl zu bezeichnen, mit welchem ich jetzt den Sarg sich erheben fühlte, sich wieder etwas senken, dann dumpfes Hämmern vernahm, und nun plötzlich der Deckel sank, die seidene Hülle von mir genommen ward, und kalte Nacht tust über nein Antlitz strich. Wäre mein Körper nicht wie mit eisernen Banden von der Stansucht umkrampft gewesen, ich hätte in diesem Augenblick Herr meiner Bewegung werden müssen. Doch -Gott hatte es anders beschlossen. Wie male ich mein Empfinden, als ich die-süße veibliche Stimme von diesem Morgen vernahm, und folgende leise, aber deutlich gesprochene Worte unterschied : .Wie ich ich selbst muß die gräUiche That vollbringen?" Die Alte, deren ich früher schon er wähnte, erwiderte hierauf : .Du selbst nur kannst es, soll der Zauber binden; ich thäte es gern für Dich, aber dann fruchtet es nicht. Was ist es denn auch so Gräß liches, aus einem todten Körper das Hcrz zu lösen ? Hast doch Du ste nicht gemordet und empfindet doch die Leiche , kein Weh dabei. Zögere nicht lange horch, eben hebt der Zeiger aus; so lange die Miller nacht vom Thurme zu San Giovanni klingt muß die That geschehen. Vergiß aber nicht, leise das Gebet zu sprechen, das ich Dich gelehrt, und bLU Dich, bei dem Kreuzschnitt über die Haut, das Herz zu verletzen; ritzt die Spitze Deines Messers auch nur die kleinste Wunde hinein, so kann der Zauber nimmer wirken." Jetzt zitterte der erste Schlag, der Uhr mit dumpfem Klang durch die Stille der Nacht ; mir war es, als sei es die Posaune des Weltgerichts, als müßten rings um mich die Gräber der Todten ausspeien, als müßten sie die, Knochename schwingen, mich zu retten, mi war, als, müsse der Allmächtige selbst erscheinen im .Sturm seines Grimmes, um die VerbrecherFaust zu halten, die über meinem zuckenden Herzen schwebte. Doch Alles blieb still,, der zweite Glockenschlag ertönte, und jetzt trennte ein rascher Schnitt mein Gewand

von dem Busen, regungslos harrte ich dem Todesstoß entgegen. : Ein brennender Schmerz in der Gegend des Herzens durchzuckte mich. Ich fehlte glühend heiß einen Blutstrom meinen Kör per benetzen, und wie von einem, eisernen Reif befreit, durchströmte meine Glieder Gefühl und Bewegung. ' DieS Alles war das Werk weniger Se künden. Blitzschnell erhob ich mich, die rechte Hand aus den Sarg stützend, und hochaufgerichtet stand ich plötzlich vor der Verbrecherin; dies? suhr bei meiner ersten Bewegung entsetzt zurück und starrte mich aus weit geöffneten Augen an; eine Mar morblüsse bedeckte ihre Züge, das blutige Messer entfiel ihrer Hand, ihre Lippen öff. neteo sich zu einem Ruf; doch kein Läut drang auö ihrer Brust hervor. Die scheuß liche Alte, in der Rechten eine Fackel hal tend, die sie mit blutrothen Schein üer goß, mit der Linken sich im Zurückweichen auf einen Lcichenstein stützend, stammelte!

mit beiserer.Stimme :.Die Todten stehen auf!-.,. - . . ...Ungeheuer, waö willst Du von mir ?" Dies Worten warett die ersten, welche sich meiner lange gefesselten Zunge cniwandten, Der furchtbare Krampf,,wel'. cher mich gelähmt hatte, mochten meinen Nerven ungewöhnliche Spannkraft verlie. hen .haben, denn meine . Stimme - tönte dumpf durch die Stille der Nacht.und mich selbst durchschauerte ein unheimliches ckühl bei den Lauten, mit welchen ich jetzt rief: Hebe Dich weg von hinnen, fre velnde Ausgeburt einer finsteren Macht!" Noch immer stand Bianka starr und un beweglich mir gegenüber. Die Todten stehen aus !- heulte sie jetzt mit fürchterlicher Stimme, ihr Antlitz verzerrte stch in mahnsinnigen Grinsen zur Fratze und ent setzt riß sie die Alte von bannen. Eihelles sürchterliches Gelächter' schallte aus ihrem Munde über die Gräber hin. Lauter und lauter ward der gräuliche Ton und noch aus weiter Ferne vernahm ich das er schütterne Kennzeichen des schnell eingetretenen Wahnsinnes. Jetzt endlich ward Alles ' still. Die Spannung, welche mich früher aufrecht erhalten hatte, verließ mich ; ermattet sank ich auf den Sarg. Meine erste Sorge war, mit dem Schleier, der mein Haupt bedeckte, die Wunde zu verbinden, aus welcher mein Blut fortwährend hervor strömte. Ein langer, mit Vorsicht geführ. ter Schnitt hatte zwar nur die Oberfläche der Haut verletzt, aber dennoch empfand ich einen heftigen brennenden Schmerz in der Seite. Es dauerte lange, bis ich mich so weit erholte, um meine Umgebung zu betrachten. Zu meinen Füßen stand eine kleine noch brennende Blendlaterne, mit welcher wahrscheinlich die Fackel entzündet worden war, die zu dem Frevel hatte keuch ten sollen. Zwei Schaufeln, mehrere Stricke und andere Gerätschaften lagen nicht weit von dem geöffneten Grabe. Die Nacht war kalt ; ich wickelte mich in die seidene 'Decke, welche srüher'mei: pn Körper umhüllt hatte, und der Gedanke, waS soll nun mit Dir werden ? beschäftigte meine ganze Seele. Ich versank in tiefes Sinnen. - ' Jetzt kündete die Uhr auf San Giovanni die erste Stunde des Morgens an, und hell leuchtend wie das mildstrahlende lnt litz der ewigen Erbarmung, trat die volle Mondesscheibe hinter der Kirche, hervor. Wie mit Tageslicht übergössen lag der stille Friedhof mit seinen prächtigen Denk' mälern vor mir. Da war mir plötzlich, als rege sich etwas indem geöffneten Grabe, ich heftete mei

nen Blick fest auf die Grube, welche mich noch kaum umschlossen hatte und ein ble:. ches Gesicht sah staunend zu mir auf. Sie leben, Madonna Sie sind kein Geist Y tönte es mir entgegen, und mit zwei Sätzen sprang ein Mann aus dem Grabe, sank zu meinen üßen und fuhr flehend fort : J0 erbarmen Sie sich, wenn Sie mich verrathen, bin ich verloren. Ich bin der Todtengräber;. daS Gold der Alten blendete mich, ich habe sechs Kinder ich wußte auch nicht, was man eigentlich mit Ihnen wollte. Die Junge hatte mir ge schworen, man wolle Sie nicht berauben und hundert Zechinen sind viel Geld da half ich denn ! Als sie lebendig wurden. hielt ich Sie sür einen Geist, sprang zurück und stürzte in das offene Grad ! Wenn Sie mich verrathen, daß ich der alten Hexe beigestanden, bin ich vernichtet !" Ich börte ihm aufmerksam zu. Mein Entschluß war gefaßt. Ich erhob mich. hüllte mich sester in die seidene Decke, gebot ihm zu schweigen und mich zu begleiten und stillschweigend meinen Winken zu gehorchen, wenn er mein ewigesSchweigen erkaufen wolle. Er war zu Allem bereit. . .So führe mich nachDeiner Wohnung," befahl ich ernst. Er reichte mir zitternd den stützenden Arm. Ich empfahl mich dem Ewigen, der mich so wunderbar ge rettet, ergriff die Blendlaterne und schritt zwischen den Gräbern hindurch dem Aus gange zu. - Der Entschluß hatte meiner Seele, meinem Körper Stärke verliehen ; nach wenigenMinuten nahm uns die arm selige Hütte des Elenden auf, der durch ein Verbrechen mein Retter geworden war. Der schwere Reif um mein Haupt, das kühle Band, welches stch um. meinen Hals schlang, war das Hochzeitsgeschent' meiner Eltern, ein Diadem und Collier von Brillanten, welche der .stolze Lord seiner verrathenen Gattin mit in das Grab ge geben hatte. ES gab mir jetzt die Mittel, den Treulosen zu lohnen. Matteo, so hieß der Todtengräber, senkte

erst den Sarg wieder in daS leere Grab, vertilgteede Spur der 'nächtlichen That, dann eilteer, so bald der Tag anbrach.

nack der Stadt, und krackte mir fnr ?Zn, , ;.f VT , HIIH kleinen Stern aus dem Stirnbande, wel chen ein Jude erkauste, an tausend Zechine heim. . Alles ward zu meiner, Flucht geordnet. Matteo segnete mich tausendmal dafür, daß ich ihm versprach, sür Neapel todt zu bleibe". ., .. Nr feinen f?inhprn 4iif 5??k??k?t ton . seinem klugen Weibe gepflegt harrte ich in sieberlzaster - Ungeduld auf die kommende Nacht, um den Plan, den ich gefaßt, zu vollführen. Meine Wunde schmerzte mich nicht mehr, meme Kraft war zurückgekehrt, ich war entschloffen. Ewige Trennung von dem Unwürdigen, der mich so beispiellos ver rathen, und Wiedervereinigung mit meinen Kindern,, dies waren die einzigen Gedan 1n fit vTi4 TOnitm in ttittir 5? ?plV VII, UI IWVIUV vkUUUI ivt miir ? . dnfur mnslt icfi 9sss.'6 wslslPtt. linh 1 V J V M 4 fr VVV ! nichts vermochte diesen Entschluß zu er schüttern.. Die Mitternacht tönte von dem Thurm als ick. auk Matteo's Arm aestükt. den. erhängnißvollen Weg antrat. Noch umhüllte mich die seidene Decke aus demSarge und das weiße Todtenkleid. Nach einer Viertelstunde standen wir . von dem Portal meines Hauses, ohne daß uns in den menschenleeren Straßen auch nur das kleinste Hinderniß entgegentrat. Ich gebot meinem Begleiter, sich hinter einer Säule zu verbergen, bis ich seiner weiteren Hilfe bedürfen werde, dann trat ich zu dem Fenster des Portiers und pochte leise. Niemand hörte mich. . Die Zeit verstrich, die Glocke wollk ich nicht ziehen, und so blieb mir keine Wahl, ich schleuderte einen Stein nach dem Jen ster, es zersprang klirrend und nach wenig Augenblicken kam der Kopf Giucomo'S schlaftrunken zum Vorschein. Ocffne schnell !" rief ich befehlend. Alle guten Geister!" stammelteGiacomo u St r Jt f a a I u sft 44. A m l unv vymy riu uuj, uuiu jv ui juiuu fahrend. Ich rief ihm nach: Oeffne oder Du bist des Todes!" Nach wenigen Augenblicken raffelten die Riegel. Die Pforte that sich weit auf, mit Riesenschritten floh Giacomo in sein Zimmer zurück, und stammelte bebend ein Gebet. . Mit geflügelten Sohlen eilte ich die Treppe hinan. Dumpfe Ruhe lag über' dem ganzen Haus verbreitet. Die Lam pen in den Corridors waren erlöscht. DaS Mondlicht fand nur sparsam seinen Weg durch die dunklen Höfe ; ungestört wan delte ich meinen Pfad. Jetzt stand ich vor Eowards Cabinet ich wollte vorüber schleichen, da vernahm ich Stimmen, laut und deutlich ; mit Entsetzen gewahrte ich, daß die T' üre nur angelehnt sei, ein heller Lichtschein sielaus den dunklen Gang nttin Fuß hastete wie angeschmiedet am Boden, ich vermochte, gelähmt von Schreck, nicht vorwärts noch zurück zu gehen. . Um aller Heiligen Willen," klang Cd wards Stimme, laß ab von mir, komm zu Dir Du machst mich rasend mit Deinem tollen Wahnsinn." Nein, nein," klagte eine weinerliche Stimme, nicht wahnsinnig - dort siehst Du denn nicht, bist Du blind, dort steht sie ja, die hohe Leiche im weißen Todten kleide ? Die blutige Wunde weh, die Wunde sieh, sieh, sie zeigt darauf hu, die Brust ist leer, ich habe ihr das kalte Herz herausgestohlen." Jetzt vernahm ich ein kraffes, sürchterliches Lachen ; darauf Edwards Stimme, die in wildem Jammer aufschrie. Ich hatte genug gehört, um zu begrei fen, wie furchtbar hier die rächende Hand des Ewigen gewaltet; es riß mich mit Ge walt von bannen, die wohlbekannten Gänge entlang. Vor dem Schlafgemach meiner Kinder stand ich endlich still, mein Athem stockte, meine Kniee wankten. Da vernahm ich die klagende Stimme meiner Bella. Jetzt faßte ich mit kräftiger Hand daS Schloß, und trat entschlossen efo. Die Amme lag' laut schnarchend im tiessten' Schlase auf dem Sopha. Ich nahte mich dem Lager meines jüngsten Kindes. Auf Bella's Wangen brannte Fiebergluth. Mein Julius schlummerte süß. (Fortsetzung folgt.) Ein ungesundes Land. In welchem Land kann man sich am leichtesten erkälten? In der Schweiz : Wenn man vom Kan ton Schwyz in den Kanton Zug kommt.