Indiana Tribüne, Volume 3, Number 11, Indianapolis, Marion County, 23 October 1880 — Page 3
I n dian Tribun e.
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: -Der. ZweckdeS Lebens. Von P hiNPP Rapp apo,rt.
i ' - 1' - , rm - - . - . I Zlr mögen vlicren, woym wir roouen, 9 f a i ' ' I J tv siNven wlk Nlrgenvs relnen.iLenuiz. mr. gends Befriedigung, nirgends wirkliche süi.".j:-i:t-ii .:.v L.r.-.rk.. v I yiuucuBicn, iiiiuciiu iMuu.u Lebenszweckes. .Wahrlich derDichter hat Recht, wenn er sagt : ; ,- r-. ,Des Leben ungetrübte Freude Ward keinem Sterblichen zu Theil. Unsere heutige Gesellschaftsordnung mit ihrem, übermachtigen Reichthum und der drückendsten Armuth, mit ihren Ständen und Klassenunterschieden, mit ibren fal schen und heuchlerischen Begriffen von Moral und Tugend, mit ihrem modernen Sklaventhum, ihrer Corruption und Pro stitution macht die Erfüllung des Lebens' zwecke zur Unmöglichkeit. Erst wenn allen Menschen die Möglichkeit geboten lein, wird, die Bedürfnisse ihres Geistes und Körpers zu befriedigen, wenn die Alles in Uebermaß 'bietende Natur' ihre Gaben für Jeden erzeugt, wenn die Genüffe der Kunst Allen zugänglich, der Cultus des Schönen Allen möulick sein wird, Geist und Körper gleichmäßig aevfleat werden, wenn Natnr, Kunst und Wissen Ichaft Ger.cingut allerMenschen geworden. sind, donnerst kann von einer barmoni. fchen Entwicklung derAnlagen,vonGenuß. ------ " I Glückleligkeit und Lebenszweck die Rede sein. So wenia. Völker während eines Krieges ihre Hilfsquellen eniwickeln kön n,n atmbrfn w Orn ttnu mm, kern zerstörend und Zernichtend wirkt, ae rade so gebt es dem Einzelnen in dem Kriege, den erinnerhalb der Gesellschaft führt. Und die meisten Menschen besm den sich fortwährend im Krieae. Sie Mbren den Kampf um's Dasein in desWortes schlimmster Bedeutung. Da ist keinWaf. fenstillstand. da tritt niemals die Muke ein. die es ibm aestattet. ideale au ver. folgen, welche dazu anaetban sind.-das Leben des Menschen schöner zu gestalten. n huum i?nmhF ,.ms ton rn - SJ ' VtUllIV V MM il U VIII II Vllll harmonisch. Entwicklung d.rAnlag.n ich, mariA !. rcni;t ,.. 4VVJU. Vlilb VIIIIVIUIUIIU tIIUl (1141441 licher Weise statt, es ist jedoch eine Ent Wicklung bloß derjenigen Anlageu, welche bei dem Kampfe guteDienste leisten. Wir finden deshalb eine außerordentliche Ent Wicklung des Erwerbssinnes, so außeror .Ö VV-, ViWVHVVIIllllW, V M0VVd'Nilich, db .r sich usunzesed,ich Weise durch Betrug, Raub, Unterschlagung, Diebstahl u. s. w. äußert, wenn er sich nicht aus gesetzliche Weise äußern kann. Unsere sozialen Verhältnisse sind viel' mehr dazu geeignet die Anlagen zum Ver brechen, als die Anlagen zur Tugend zu entwickeln. Es sind nicht alle Diejenigen tugendhaft, welche das Gesetz nicht errei .chen kann, und es giebt Handlungen, welche moralisch verwerflich und doch ge setzlich unantastbar sind. Sie alle ent springen mehr oder weniger dem Erwerbs triebe. Den armen Teusel, der,.sei es aus Noth, oder aus verbrecherischer Anlage einen Diebstahl begeht, schickt man in'S Zuchthaus, aber den härtherzigen Gläu biger, der das Eigenthum des Schuldners an , sich zieht, das ihm für eine Schuld verpfändet ist, welche nicht halb so groß ist, als der Werth des Eigenthums, nennt man einen guten Finanzier. Die Polizei bestrast den rohen Gesellen, der einem Anderen einen Schlag versetzt, aber das arme Mädchen, das. von dem Geliebten verlassen wird, weil derselbe eine reiche Heirath machte und das sich darüber zu Tode grämt, findet das Eriminalgesetz buch mit sieben Siegeln verschlossen. Der Begriff der Ehrlichkeit erweitert sich von Tag zu Tag. Der Begriff der Un ehrlichkeit verengert sich in dem Maße, wie sich jener erweitert. Von hundert Ge schästsleuten erlauben sich neunzig Prakti ken, welche sich mit strengen Begriffen von Rechtschassenheit zwar nicht vereinbaren lassen, welche aber die Geschäftsroutine stillschweigend übersieht. Nehmen wir da3 Criminalgesetz zur Hand und prüfen die Reihe vonVerbrechen und Vergehen, welche dasselbe aufzählt, so werden wir finden, daß in einer vernünfti geren Gesellschaftsordnung neun Zehntel derselben garnicht vorkommen könnten. Welche Veranlassung hätte man zum Bei ' spie!, das Verbrechen ds Diebstahl, oder des Betruges, des Einbruches, des Raubes, derFälschung des Raubmordes, der Falsch münzerei, der Unterschlagung, der Erbschleicherei, der Hehlerei, des Meineids u. s. w. zu begehen, wenn unsere sozialen Verhältnisse derart wahren, daß Jedem die Möglichkeit geboten wäre, bei mäßiger, seinen Anlagen und Fähigkeiten entspre
chender nützlicher Arbeit ein menschenwür
digrs Dasein zu führen. Ware es nicht wahrscheinlich, daß das Ke en Nerbrecken wie Nertudruna. No b lliml: ihnrtinn snrnrf;ttinn milk? Gh ' " w Ehebruch. Biaamie üi w. nicht mebr 7 9 " V W ti yVMMIIVII tf-V f fennen würde, wenn einmal vernünstig'ere . Anschauungen über oit Eloxal ver gcschlechtlichen Beziehungen .Plad greisen würden wenn" Neigung und Liebe der einzige Grund der Vereinigung "der Ge schlechter sein werden, wenn weder Stand noch Vermögen, noch sonstige Ursachen störrnd eingreifen werden, wenn dieArmutd nicht mehr Hinderniß der Heirath sein und wenn das Weib so selbstständig sein wird. daß bei ihm die Möglichkeit eines anftän digen Lebens" nicht länger von der Hei rath abhängt? Mordthaten werden meistens in Ver blndung mit den genannten Verbrechen begangen. Wenn einmal die Völker ein anver nicht mehr unvernünstiger Welse hassen werden, wird der Hochverrath und der Massenmord nicht mehr cxistiren. und wenn einmal die Könige bei Seite geschallt sein werden, wird man sein Majestatsverbrechen mehr kennen. Der Mensch ist das Produkt seiner Zeit mit .ihrer Vergangenheit. Die Anlagen Zum Bösen, welche mit ihm geboren wer den, sind nicht Erscheinungen oe Zufalls. sondern die Folge vee niwlmung uno nra ' ry. f. (W . . - V ! 'erervung. wtt Anlagen weroen in dem Maße verschwinden, als die ge,eu. schafllichen Zustände sie nutzlos, ihre Ent. vom una unmoaila) mamk. 3 in ein Irrthum die Anlagen zum Bösen im Men schen, als etwas Selbstverständliches vor auszusetzen' Sie werden verschwinden. wenn ne mau meur nußormgeno ungr wendet werden können, und es sind gesell schastliche Zustände möglich, in denen die Anlagen zum Bölen keine Verwendung mehr stnden Haben wir nun erkannt, daß bei den zur Zeit herrschenden gesellschaftlichen Zustän. ?en eine harmonische Entwicklung der An. lagen, also die Erfüllung des Lebens. r V F 'w'ckes m unserem S.nne dk tm ,. vouiommkNkl vgtnuß uuc ver, iuu in. nicht möglich ist, so müssen wir es wohl als unsere Ausgabe erkennen, Zustände herbeiführen zu helfen, in welchem dem Menschen in vollem Maße die Mittel an die Hand gegeben sind, diesem Zwecke ... ... I . , . u' - ,'?' unsere Pflicht vom Standpunkte der Humanität, zondern ancy ganz vejonoers . ft tfP l als Freidenker. DerMensch bedarf einmal eines gewissen Ziel-s in seinenBcstrebungen, es liegt dies in seiner Natur. Wenn ihm kein Ziel gegeben ist, wird er sich eines suchen. Veranlasten wir ihn das Ziel nicht in einer anderen, eingebildeten Welt' zu suchen, so müssen wir ihm ein Ziel in dieser Welt zeigen. Und es muß ein schönes Ziel sein, ein Ziel werth des menschlichen Strebens, würdig des menschlichen Lebens, ein Ziel wegen desten es der Mühe werth ist zu leben. Heute ist in neunundneunzig unter hundert Fällen das Leben nicht des Lebens werth. Wir muffen etwas Befferes bieten, wir müffen ein Leben bieten, das der Mensch sroh ist zu leben, einLeben, welches ihm die Aassicht aus ein anderes zukünftiges Leben entbehrlich erscheinen läßt. Es ist nicht genügend zu sagen, daß der Mensch den Himmel auf der Erde finden kann oder soll, wir müffen ihm auch mit praktischen Vorschlagen an die Hand gehen, wie er diesen Himmel auf Erden schaffen und erwerben kann. Darum meine ich, daß wir Freidenker ebenso wie wir die Avantgarde in den Bestrebungen um die geistige Befreiung des Menschenthums bilden, auch die Avantgarde aller Bestrebungen um die politische und soziale Befreiung der Menschen sein sollen. Und wir müffen hierin consequent sein. Ebenso wie wir auf dem Gebiete der Gedankenfreiheit dcr Vernichtung des Alten huldigen, ebenso müffen wir strebeu, die alten Zustände des sozialen Sklaven thums zu vernichten. Alle fortschrittlichen Bestrebungen befinden sich zuerst auf dem Standpunkte der Kritik und der Negation, bevor sie in die Lage kommen. Neues an Stelle des Alten zu setzen. Man wird jederzeit im Stande sein, sich über die Ursachen des Bestehenden klar zu werden, ist aber leichter dem Irrthum ausgesetzt, wenn man über die Wirkung des neu zu Schaffenden urtheilen will. Doch kann man immerhin seinem Urtheil das Prinzip zu Grunde legen, daß da gleiche Ursachen auch die gleiche Wirkung haben, entgegengesetzte Wirkung auch die Folge entgegen gesetzter Ursachen ist. Die Zukunft ent zieht sich der bestimmten Berechnung aber
der Mensch, schließt von . Gegenwärtigem j
auf Zukünftiges. Den einzigen, festen Anhaltspunkt für solchen Schluß bildet die Erkenntniß des Bestehenden, womit ich jedoch durchaus nicht sagen will, daß nicht selbst auf Grund richtiger Erkenntniß des Bestehenden ein falscher Schluß aus die Zukunft möglich ist. Und gerade dieser Möglichkeit wegen Zollten Diejenigen, welche einig sind in der' Kenntniß des Bestehenden, nicht deshalb hadern untereinander, weil sie nicht zu denselben Schlüssen in Bezug auf die Zukunft ge längen, sondern sollten jederzeit bereit sein. sich gegenseitig die Hand zu gemeinsamem Handeln zureichen. Unsere Bcstiebungen und die Anderer in dieser Richtung werden nicht fruchtlos sein. In meinem Geiste se!ze ich die Zeit kommen,' in welcher die Menschheit eine ihrer würdigere Stellung einnimmt, als ihre heutige, in welcher die physischen und geistigen Anlagen und Eigenschaften der Menschen zu einer heute kaum geahnten Entfaltung gelangen, in welcher, der Mensch weder seine Kräfte in Excessen vergeudet, noch sie durch Mangel irnd Elend und Druck verkümmern sieht, in welcher das Leben so beschaffen ist, daß der Mensch nicht mehr nach einem Zwecke sür dasselbe zu suchen braucht, weil ihm das Leben an sich ein genünender Zweck des Daseins ist. Wenn diese Zeit kommen wird, weiß ich freilich nicht, auch glaube ich nicht, daß sie sehr bald kommen wird. Denn weder sinde ich bei den Massen das nöthige Verständniß, noch sinde ich bei Denen, welche das Verständniß haben, jenen Geist der Einigung, welcher sich über Meinungsver schiedenheiten hinwegsetzt und zu gemeinsamemtzandeln anspornt. Darum läßt sich auch heute nicht sagen, ob der stetige Gang der fortschrittlichen Entwicklung diese Zeit herbeiführen wird, oder ob der gequälten Menschheit derGeduldssaden einmal plötz lich reißen und sie unter gewaltsamen Zikungen das Joch des Elends von sich abwerfen wird. Beide? ist möglich. Bcsser wäre das Erstere, wahrscheinlich dugegen das Letztere. DieseAnsicht ist gerecht fertigt durch die Geschichte der Bergangenheit. Wie und wann aber auch diese ideale Zeit eintreten mag, kommen wird sie, so wahr der Funke der Freiheit glüht in der Menschenbrust; Wol;l mag er lange nicht die Kraft besitzen, zu zünden. aber verlöschen wird er niemals. Der ? Augenblick wird kommen, wenn ein frischer J m m m wi . . m m. 'kräftiger Windhauch ihn anfacht zur lodernden Flamme, zur endlichenErlösung dcr Menschheit. Die ausländische Presse über Amerika und über die republikanische Partei. Der London Telegraph", ein Hauptvr gan England's, widmet einen intereffan ten Leitartikel den amerikanischen Ver hältniffen und der republikanischen Par tei; der Haupteditor dieses Blattes be reiste letztes Jahr die nordamerikanischen Staaten und zeigt in obigem Artikel ein klares Verständniß der Apolitischen Ver hältniffe Amerikas. Wir entnehmen ge dachtem Leitartikel die Hauptstellen : Die am 2. November d. I. erfolgende Prästnentenmahl wird einen wichtigen Einfluß auf die künftige Geschichte der Menschheit äußern. Nordamerika ist das sreieste Land der Erde, einer versprechen den Zukunft sür Alle, welche in der alten Welt keine Freiheit, keine sorgenfreieHeim stätte und keine Hoffnung eines glücklichen Daseins finden. Die unveräußerlichen Merschenrechte auf Leben, Freiheit und Streben nach Glückseligkeit sind in der amerikanischen Konstitution Allen gesichert und verbürc.t. Die alten Römer rühmten sich, daß das römische Reich von der ge ringsten S.ufe bis zur Höhe der größten Weltmacht innerhalb 1000 Jahren em porgestiegen sei. Allein die Bürger der Ver. Staaten Nordamerikas haben Höhe res und Größeres innerhalb 100 Jahren erreicht und vollbracht. Der enthusiasti sche Traumer kann mit seiner Phantasie kaum das reiche Zukunftsbild Amerikas ausfüllen. Die zwanzig Jahre, während welcher von 1860 bis zur Gegenwart die republi konische Partei das Heft der amerikani schen Bundcsregeerung geführt hat, haben unstreitig außerordentlich Viel zur Größe und zur Wohlfahrt des Landes beigetra gen. Die republikanische Partei hat den stürmischen Perioden, in denen es sich um das Leben der Republik handelte, naruent lich dem brudermörderischen Bürgerkriege zwischen Süd und Nord, kräftigen Wider stand geleistet und endlich durch Nieder
wersung des sllav?nholtenden Südens die
Union der Republik und dieFreiheit geret tet. Die republikanische Partei bat glän zender, als England mit seiner Raiional-' schuld im Stande war, die aus dem Bür. gerkriege hervorgegangene Nationalschuld sicher und triumphirend trotz aller FinanzPanics geordnet, bedeutend verringert und den National-Kredit zu einer Höhe erho den, wie keine andere Ration sich rühmen kann , .die Bundesschuldscheine sind gesuchter, als die Staatsschuldscheine irgend einer andern. Nation. Die Wiederauf nähme der Baarzahlung und die Einlös lichkeit der Gouvernementsnoten war ein nur, kurze Zeit vorbereiteterAct inAmerika, während England lange Jinanzkämpfe durchzumachen hatte, ehe es die Wieder aufnähme der Baarzahlunz beginnen konnte. Und bei Allem dem muß man staunen, wie Amerika trotz seiner Jugend und trotz seiner großen Unerfahrenheit in Jinanzsachen so geschickt im Bürgerkriege Finanzkräste schuf und nach dem Bürgerkriege so weise die Kriegsschuld verwaltete, ordnete und um den 3. Theil verringerte. Die republikanische' Partei kann m't ge rechtem Stolze diese verdienstvollen Thaten für sich in Anspruch nehmen, sie darf behaupten, daß sie die glücklichen Zustände, deren sich das Land in finanzieller Hinsicht erfreut, geschaffen hat. Die rcpublikani sche Partei hat den Dämon des Bruder krieges, die Sklaverei vernichtet und Alle ohne Unterschied der Raste. Farbe und Religion sür gleichberechtigt und frei er klärt. Es ist dieHoffnung und derWunsch Englands, daß Nordamerika, seine maje statische erstgeborene Tochter, an Glück ui'.d Macht zunehmen möge. Ioyann Iacoby über Wirken und Ende der Neaktion. Wie es heuteLeute gibt, welche den gan zen Gesellschafts und Staatsorganismus und seine Funktionsbedingungen so wenig verstehen, daß sie glauben, zur Umwälzung aller wirthschaftlichen und politischen Ver hältniffe bedürfe es nichts, als einiger tau send Verschworener, welche die Revolution wollen und sie dann zu einer beliebigen Zeit und Stunde machen", ganz eben solch: Phantasten und och viel mehr als heute gab es zu Anfang der 50er Jahre in Preußen und anderwärts. So hatte sich ein Berliner Gymnasiallehrer Gercke (u New Bork wohlbekannt) im Jahre 1851 in den Kopf gesetzt, daß im Mai 1852 in Pa ris die Revolution ausbrechen müsse, die sich selbstverständlich auch nachDeulschland weiter verpflanzen werde. Ja, er wollte, damit man auf dieses Ergeigniß gehörig vorbereitet sei, ein Jahr früher bereits die Leitartikel und Aufrufe niedergeschrie' ben haben, welche beim Ausbruch der Revolution erscheinen sollten ! Wem fallen da nicht gewiffe Leute ein, die es heute genau ebenso, ja zum Theil noch toller treiben und. die vor Monaten zusammen mit einigen Franzosen den Tag der im nächsten Jahre ausbrechenden Re volut'on festsetzen wollten ? Nun, der genannte Gercke begab sich 1851 auch zu Johann Jacoby, um densel ben sür seine Idee der Vorbereitung auf die künftige Revolution zu gewinnen. Der Weise von Königsberg" lächelte diesen Phantastereien. Er erklärte, daß das Scheitern der Bestrebungen des Jahres 1813 in der mangelnden politischen Bil dung des Volkes begründet und er voll kommen damit einverstanden sei, daß die Reaktion gegenwärtig die politischeErzieh ung des Volkes -zur Freiheit in die Hand genommen habe." Und er fügte hinzu, daß es vonSeiten der Demokratie unklug wäre, die Reaktion in diesem Erziehungs werke auf irgend eine Weise zu stören, da sie unter den gegenwärtigen Verhältniffen für dieZwecke derDemokratie besser arbeite, als diese selber." Was sür die damalige Reaktion und sür die Demokratie galt, das gilt im vollen Umfang auch für die heutige Reaktion und die Sozialdemokratie. Die Reaktion muß ihre naturgemäße Bahn bis zum Ende durchlaufen ; und je weniger man diesen Lauf unterbricht, desto kürzer wird er währen. Jedes gewaltsame Hinderniß, das man thörichter Weise aufwerfen würde, um den zu Thal stürzenden Strom der Reaktion in seinem Fall aufzuhalten, würde seine Kraft nur verdoppeln, und die durch den gefundenen Widerstand ange sammelte und in ihrer Gewalt potenzirte Hochfluth würde nicht nur das lacherliche Dämmchen wieKinderspielzeug wegschwem men,. sondern alles Land ringsumher weit ärger verwüsten als vorher.
Die. Reaktion, muß sich selbst adwirth
schüften. und sie wird es schnell thun. Wer sieht nicht ein. daß sie für uns arbeitet und daß sie vor allem vortrefflich für die Er ziebung.des Vo!kes zur Freiheit wirkt.in dem sie idm durch die unwiderftehlickeGe walt der Thasachen unwiderleglich beweist. daß unter den heutigen verbrauchten For men des Staats und GeeUschaftsledeiS eine Besserung der unerträglichen Wirth schaftlicken und politischen Lage der unge Heuren Mehrzahl '..möglich lst und das Maffenverarmung und Maffenkncchtung nur von Jahr zu Jahr rapider zunehmen. Dieses immer allgemeiner werdende Ge sühl braucht von uns blos durch unausge setzte Belehrung in bewußte Erkenntniß umgewandelt zu werden, und die lekte Stufe der Erkenntniß: aus welche Weise dem als unhaltbar erkannten Zustand ab zuhclsen ist und wie an die Stelle des zu Beseitigenden etwasBefferes gesetzt werden kann, ein Zustand der Dinge, der Unter drückung und Ausbeutung, Entrechtung und Elend in Zukunft unmöglich macht und dem Menschen ein menschenwürdiges Dasein der .Freiheit und Gleichheit schafft, diese letzte Erkenntniß wird sich dann bald.in den Maffen Bahn brechen. Dann wird der Tag da sein, wo die theoretische Erkenntniß in die That über setzt wird. (Sozialdemokrat.) . Die Bostoner Schwindclbank, die f ü r. Lehdies" und von einer Lehdy" (in Wahrheit einer amerikanischen Adele Spitzeder) gegründet, den Leuten 'ihr Geld abnahm unter dem Versprechen, ihnen 8 Prozent monatlichZinsen zu bezahlen, also in einem Jahr das ganze Capital nahezu zu verdoppeln, hat wirklich schon das Ende mit Schrecken genommen, das wir in un serer neulichen Besprechung (ohne vielPro phetengabc) voraussagten. Die Bank" sitzt auf und die Bostoner Lehdies" denn es waren merkwürdigerweise zum großen Theil Damen aus den sogenannten .Höhe ren Elasten, die der Abenteuerin so gim pelhast auf den Leim gingen find um ihr Geld geprellt. An diese Thatsache knüpft der Anzeiger des Westens- von St. Louis die folgenden treffenden Bemerkungen : Als vor Jahr und Tag der Erzbischof Purcell von Cincinnati seine Zahlung ein stellte, wurde vielfach über die Leichtgläu digkeit der Leute gespöttelt, welche einem Manne, der von Geldgeschästen, wie sich herausstellte, auch nicht die entfernteste Idee hatte, ihr Geld anvertrauten. WaS soll man aber erst von den Frauen Bostons sagen, welche der Frau Howe in der ge schilderten Weise ihr Geld anvertrauten ? In Cincinnati waren die leichtgläubigen Opfer meist arme, wenig gebildete Jrlän der und Deutsche. Die Depositoren der Frau Howe in Boston sollen großenTheilö zu den sog. Gebildeten gehört haben. Boston ist ohnehin nicht wenig stolz aus sein tresfliches Schulwesen und die .Bil dung" seiner Bevölkerung. Die Leicht gläubigen in Cincinnati wußten wenig stens, daß der Mann, dem sie ihr Geld anvertrauten, persönlich ein Ehrenmann sei und absichtlich oder wissenschaftlich kei nen Menschen auch nur um einenCent ver kürzen würde. ' Die Leichtgläubigen in Boston wußten von der Vergangenheit der Frau, der sie ihrGeld anvertrauten, nichts und keiner von ihnen scheint sich auch nur danach erkundigt zu haben. Seit derAufdeckung des Schwindels hat sich heraus gestellt, daß Frau Howe nicht weniger als drei Gatten am Leben hat, daß sie zwei Jahre in einem Irrenhause und eine Zeit lang wegen Betrugs im Gefängniß ge seffen hat, daß sie als Hellseherin und Wahrsagerin umhergezogen ist und ihren Namen mehrfach geändert hat. Die ganze Art und Weise ihrer Geschästsfüh rung war von vornherein der klarste Be weis, daß es auf einen Schwindel ange legt war. Jeder, der auch nur die gering sten Begriffe von Geldgeschäften hatte, mußte das sehen, uno dennoch dieses blinde Vertrauen auf eine fremde Abenteu rerin unter der Bevölkerung von Boston, die sich als die gebildetste der Welt be trachtet! Mit recht fragt die New Yorker .Nation", ob es nicht an der Zeit wäre, daß In den Schulen etwas mehr gesunder Menschenverstand und wenigstens dte Grundlagen der für das praktische Leben nothwendigsten Begriffe von Geschäften gelehrt würden, statt eineS Theiles des im Leben verhaltnißmäßig werthlosen gelehr ten Krimskrams.
