Indiana Tribüne, Volume 3, Number 10, Indianapolis, Marion County, 16 October 1880 — Page 3
Jttdiana Tribune.
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Der Zweck des Lebens. Von Philipp Rapp a Port. (Fortsetzung.) Wenn Dummheit und Einfaltigkeit den Himmel ervilbt, ja dann wäre eS ja Un sinn, unsere Kmder zur Schule zu schicken, wo sie außer dem Glauben noch Etwas lernen, oder gar die Werke unserer Dichter, Philosophen und Forscher zu lesen. Ja, Ihr Kämpen der Freiheit, die Ihr für das Wohl des Volkes gestrebt und gewirkt, ost mit Gefahr Eurer eigenen Freiheit. Eures eigenen Lebens, Ihr habt den Zweck des Lebens verfehlt. Ihr Schiller und Göthe, die Ihr das falsche Phantom der Freiheit, des Denkens besangt, Ihr hättet Kirchenlieder dichten sollen, Ihr hättet die Engelein mit den goldenen Flügelein, welche alle Ewigkeit hindurch Hallelujah schreien, besingen sollen, Ihr habt den Zweck des Lebens verfehlt. Ihr Darwine. Ihr Hackel, Ihr Hum. boldt, wie konntet Ihr Euch so weit ve? gessen die Menschheit über die Geheimnisse der Natur belehren zu wollen; Ihr hättet demüthig und fromm an die Schöpfung glauben sollen, Ihr hättet nicht die Menschen ihrer Einfalt berauben sollen, Ihr wart so blind überall da Gesetzmäßigkeit und Nothwendigkeit zu suchen, wo Nichts als Zw'ck und Absicht vorhanden war, wahrlich der Zweck Eures Lebens war ein vollständig verfehlter. Ihr Marx, Ihr Lasall?. Ihr Alle, welche Ihr die Menschheit befreien wollt von dem Joche der Armuth, von den Mark und
Bein verz-hrenden Leiden deö Mangels, der Entbehrung, des Kummers, Ihr habt Euer Leben einem falschen Zwecke gewid met, Ihr nehmt den Armen daö Hirnmelreich. Ihr Reichen, die Ihr genießt, waS die Natur und die Kunst und der Fleiß des Menschen hervorbringt. Euer Lebenszweck ist ein verfehlter. Ihr großen Erfinder, die Ihr Maschinen erfunden, die Ihr die Kräfte der Natur dem Menschen dienstbar gemacht, so daß daö Leben angenehmer und erfreu licher wird und die Genüsse vermehrt wer den. Euer Lebenszweck ist ein verfehlter. Ihr Alle aber, die Ihr zwar Nichts für die Menschheit thut, die Ihr entweder Euer eigenes irdisches Leben, oder das Anderer verachtet, die Ihr Geist und Körper vernachlässigt. Ihr Alle, die Ihr Nul len seid aus dieser Erde, die Ihr aber Gott den Herrn lobt .und mit muckerischem Augenverdrehen aus die sündhafte Brust klopst, Ihr habt den wahren Zweck deS Lebens erkannt und erfüllt. Man wird wohl zugeben müsien, daß eine solche Doktrin der Freiheit und dem Fortschritt gesährlich ist. Wenn nicht die Unwisienheit und der Aberglaube sich tro sten lasien würden mit dem Hinweis aus das Jenseits, wenn sie nicht Ursache zu haben glauben mit ihren Leiden nnd Ent. behrungen Wucher zu treiben, würde die leidende und darbende Menschheit nicht mit einem mächtigen Rucke -das Joch der Knechtschaft und der Armuth abschütteln, würde sie nicht, anstatt den Himmel da oben abzuwarten, den starken Arm gegen ihre Peiniger erheben und sie mit einem mächtigenSchlage niederschmettern, würde sie nicht, ohne sich lange zu besinnen, so oder so. sich den Himmel auf dieser Erde schaffen? Es istdiese verdammenöwerthe Lehre, welche sie mit eisernen Ketten um schlungen. im festen Banne hält und sie unfähig macht zu zedem kräftigen Aufschwung. Für unS Freidenker besteht glücklicher Weise diese Lehre nicht, wir haben uns längst von derselben befreit. D e n Zweck deS Lebens, der sein Endziel in einer un bekannten Welt sucht, erkennen wir nicht an. Wenn es für unS einen Zweck des Lebens giebt, dann muß sein Ziel hier ans Erden zu finden sein, oder eS giebt über Haupt keinen solchenZweck. Wie ich jedoch im Anfang bemerkt, ist es im Grunde widersinnig von einem Zwecke zu reden, wo man keinen Willen, keine Absicht, kein bewußtes Handeln voraussetzt. Wir wis sen nicht viel von der Ursache unseres Seins. Wir sind, das ist so ziemlich Alles, waS wir wissen. Giebt eS einen Zweck des Lebens, dann muß er mit dem Zwecke alleS Bestehenden zusammenhängen und wir könnten dann ebensogut fragen, was der Zweck der Welt sei. DieS ist jedoch ein Gebiet, auf dem wir Nichts zu suchen haben. Die Metaphysik oder die speku. ' lative Philosophie mag sich da immerhin breit machen, aber die empirische Philosophie und der Materialismus bleiben die
sem Gebiete sern. Wir sind nicht gewillt, unsrer Phantasie, freien Spielraum zu lassen. Wir haben eS blos mit Bestehen dem, den Sinnen Erfaßlichem zu thun. Also wir sind! Warum, wozu, das wissen wir nicht. Einen Zweck dieses Seins kennen wir nicht. Es bleibt uns also nichts anders übrig, als aus diesem Dasein das Beste zu machen, das wir da raus machen können. Sollen wir aber deshalb zwecklos in den Tag hinein leben, ohne bestimmtes Streben, ohne bestimmtes Ziel? Das ist durchaus nicht nöthig: Ist uns kein Zweck gegeben, nun, so schaffen wir uns selbst einen. Erheben wir daö Leben selbst zum Zweck! Veredeln, verschönern wir dasLeben,vervollkommern wir dasselbe, soweit es unS möglich ist, mit einem Worte genießen wir das Leben. In der That ist Genuß deS Lebens der einzige Zweck desselben, den man vernünftiger Weise anerkennen kann. Daß ich Genuß hier nicht in dem Sinne meine, daß man den schädlichen und schlimmen Eigenschasten frei s Spiel gestatte, sondern viel mehr den Gennß, der einer harmonischen Entwicklung der Anlagen nicht hinderlich
ist, versteht sich von selbst. In solchem Genusse liegt das wahre Glück, welches am Ende bloß in der harmonischen Ent Wicklung der Anlagen besteht. Es ist in dieser Auffassung so ziemlich einerlei, ob wir den Zweck des Lebens im Genusse, oder in dem Streben nach Glückseligkeit suchen. Alles Edle und Gute, die höchste Tugend und die reinste Moral sind in diesem Prinzip enthaüen. Entwicklung sowohl der körperlichen, als der geistigen Anlagen ist nur durch deren Gebrauch möglich, und eine harmonische Entwicklung ist weder bei excessiven, noch bei ungenügendem Ge brauche denkbar. Die Selbstsucht ist bei der Anwendung dieses Prinzips vollständig ausgeschloffen. Denn zu den natürlichen Anlagen des Menschen gehören Mitgefühl und Rechts sinn. Eine harmonische Entwicklung die ser Anlagen wird daö Gefühl des Glückes unvollkommen lassen, so lange es noch Unglückliche giebt und unser Rechtssinn sagt uns, daß alle Menschen gleichen Anspruch auf Glückseligkeit haben, und dieser Rechtssinn bleibt unbefriedigt bis alle Menschen glücklich sind. Bei einer har manischen Entwicklung der menschlichen Anlagen steigt der Lebensgenuß mit der Zunahme der Gleichmäßigkeit des Glückes aller Mentchen. Eine Gleichmäßigkeit des Glückes aller Menschen existirt heute gar nicht, vielmehr das geradeGegenh'eil davon. DerMensch, als Collektivbegriff, genießt heute das Leben gar nicht, erfüllt somit nicht seinen Lebenszweck. Nicht einmal die Wenigen, welche mehr haben, als des Leibes Noth durft nothwendig macht, denn auch ihnen gestalten die sozialen Verhältnisse keine harmonische Entwicklung ihrer Anlagen. Auch sie werden auf Bahnen gedrängt. werden in Lagen versetzt, wo die Erfüllung des Lebenszweckes nicht vorhanden ist. Die Unsicherheit auch großer Reichthümer drängt die Besitzenden zum Anhäufen der selben und macht sie hobgierig, so daß sie alles Andere dabei vernachlässigen, und im Ansammeln vonReicythümern liegt kein vernünftiger Genuß, es kann nicht Lebens zweck sein. Wenn der Genuß in der Anwendung der Fähigkeiten und Eigenschaften liegt, so kann der Zweck deS Lebens nur unter Ver hältniffen erfüllt, werden, unter welchen dieseAnwendung möglich ist. DieMensch heit kann ihren Lebenszweck nicht in ge sellschaftlichen Zuständen erfüllen, in denen neun Zehntel derselben Sklaven sind, ihre ganze Lebenszeit mit dem Erwerbe des täglichen Brodes zubringen müssen und fast niemals die freie Wahl des Berufes haben. Kann man bei einem Streetcardriver, welcher siebzehn Stunden des TageS die Pferde lenkt und Jahr aus Iah? ein die gleiche Strecke abfährt, von einem Lebens zwccke reden ? Kann der Arbeiter welcher früh auf stehen und einen langen Weg zur Fabrik machen muß, der dann zehn Stunden arbeitet, dann müde und abgespannt nach Hause kommt und sich frühzeitig zur Ruhe begiebt, den Zweck des LebenS in unserem Sinne erfüllen ? Kann es die Frau, welche Jahr aus Jahr ein am Waschtopfe steht, kann es paö Kind, das schon im zartesten Alter helfen muß den Lebensunterhalt für die Familie zu beschaffen? In gesellschaftlichen Verhältniffen, in denen derMensch gezwungen ist, den größ ten Theil seiner Zeit dem Erwerbe zu wid men, kann nur in den seltensten Fällen von
einer harmonischen Entwicklung der An
lagen, von wahrer Glückseligkeit die Rede sein, und darin allein kann sür den frei heitlich ud. fortschrittlich Gesinnten der Zweck des Lebens besteben. Der Erwerb sollte bloß die Mittel zum Leben bieten, wie unsere Verhältnisse beschaffen sind, ist er jedoch zum Zweck ge worden. Nur wenige Menlchen besitz, den Grad 'der Intelligenz, den Grad der Bildung, welcher den Erwerb als Lebens zweck ungenügend ericheinen läßt. Der Thätigkeitstrieb der Meisten wird befriedigt durch das Streben nach Erwerb und der Genuß besteht bei ihnen in demEefolge dieses Strebens. . . ; , Das wäre nun trotzdem nicht so schlimm, wenn die geistigen und physischen Anlagen eines Menschen allein maßgebend in der Wahl des Berufes wären. So aber sind es meistens Umstände und Verhältnisse, über welche der Mensch keine Controlle hat. Erfolgt die Wahl des Berufes zur Zeit der frühen Jugend, so wird dies wichtige Geschäft von den Eltern besorgt, welchen entweverdie pukuniären Verhält' niffe keine freie Wahl gestalten, oder welche nicht die Fähigkeit besitzen, die Anlagen des Kindeö zu erkennen. So wird der Mensch oft gegen seinen Willen in Lagen versetzt, in Verhältniffe gedrängt, wo eine harmonische Entwicklung seiner Anlagen, elne Anwenoung teiner aylgletten zur Unmöglichkeit wird, wo von einem Genuffe des Lebens keine Rede mehr sein kann und wo er. sich nothwendiger Weise un glücklich fühlen muß. Wie manches Genie geht dadurch zu Grunde, wie manches Talent bleibt unentwickelt, wie mancher große Gedanke scheitert an der Unmöglichkeit der Ausführung, weil die nothwendigen Mittel nicht vorhanden sind. Die Menschheit hat den Schaden davon. Es ist Alles so eingerichtet, als hätte der Mensch heutzutage keine weitere Aufgabe, als so viel Geld, wie möglich zu erlangen. Am Golde hangt. Nach Golde drängt Sich Alles. Wie oft hindern- tausend Rücksichten deS Berufes den Menschen die Gesinnungen in der Oeffentlichkeit zu vertreten, deren Kundgebung sür ihn einen wahren und reinen Genuß bilden würde ? Bis in die innigsten Familienbeziehun gen reichen unsere gesellschaftlichen Ver HSltniffe mit ihrer Glück zerstörenden Hand. Wenn eS mit zu den Zwecken deS Lebens gehört, die Familienbande so innig, so freundlich wie möglich zu gestalten, die künstige Generation zu einem Leben der Nützlichkeit und deS Genusses heranzu ziehen, so wird dies durch die gesellschast lichen Verhältniffe leider gar zu ost ver eitelt. Das heiligste Feuer der Liebe ver löscht in der drückenden Athmosphäre der Armuth. Mag auch der Dichter singen, daß Rauck sei in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar, so ist daS freilich ein . schöner poetischer Gedanke. In der Wirklichkeit ist das ganz anders. ES giebt Nichts, waS den häuslichen Frieden, daS häusliche Glück, die innigen FamUienbe ziehungen rascher und gründlicher zerstört als Armuth undNahrungssorgen. Neben diesen kann ein Lebensgenuß nicht aufkom men, selbst infofern er nicht mit Kosten verknüpft ist. Armuth verbittert die Freu den der Liebe und dieFreude an derNatur. Sie vernichtet den Zweck des LebenS voll ständig. Man muß gerade nicht reich sein, um das Leben genießen zu können, ja der Reichthum ist oft bei Menschen, welche nicht vernünftig zu genießen ver stehen, welche sich in Ausschweifungen er gehen, die Ursache einer Blasirtheit, welche anNichts mehr Freude empfindet, er bringt eine Ueberreizung oder eine Abstumpfung der Sinne hervor, welche den LebenSge nuß und somit die Erfüllung deS Lebens zweckeS unmöglich macht, aber solche Fälle sind doch nur Ausnahmen und können bei! dem mit Vernunft und kräftigem Willen Begabten nicht eintreten. Die Armuth aber wirkt immer zerstörend. . . Die Liebe, dieser stärkste und mächtigste aller menschlichen Triebe, gehört mit zu den menschlichen Anlagen, in deren har monischerEntwicklung derZweck deS Lebens besteht. Ist diese möglich in einer Gesell schast, in welcher die Verbindung zwischen Mann und Weib abhängt vomStand und Vermögen, in der die Liebe nicht die ein zige Veranlaffung zu derselben bietet, m der die Liebe oft tausenderlei Rücksichten weichen muß? Wie oft wird derZweck des Lebens dadurch vereitelt, daßDank unserer großen modernen Tugend und unse rer herrlichen Moral das Weib, das in einer schwachen Stunde der Gewalt des
mächtigenTriebes,den dieNatur ihm einge
pflanzt, unterliegt, von derWelt verdammt und in Schande und elend gestoßen wird, nährend eS vielleicht in Wahrheit tausend mal beffer ist. als Diejenigen, welche es verurteilten, und die möglicher Weise nur darum nach landläufigenBegriffen tugend haft geblieben, sind, weil ÖieVersuchuug noch rncht an sie herangetreten. Unsere gesellschaftlichen Verhältniffe, welche die Menschen nach Stand und Vermögen in Klaffen theilen, haben Begriffe von Moral und Tugend erzeugt, denen Pharisäer thum und Scheinheiligkeit zu Grunde liegt und welche den reinen Genus des Lebens, die Erfüllung des Lebenszweckes nur gar zu oft zur Illusion machen. (Schluß folgt.) Daö englische Postwesen übertrifft an Großartigkeit seines Ge schaftsumfangcs selbst das amerikanische. Wer den letzten Jahresbericht des englischen General'Postmeisters Fawcett durch blickt, muß sich an Ziffern und Zahlen ge wöhnen, die sonst nur den Astronomen bei der Berechnung.der Planeten und Fix sterne geläufig sind. Denn da geht es in die Tausende von Millionen. Wie viel Unsinn, wie viel Unnützes, wie viel Unan genehmes mag da wohl in dieser riesigen Anzahl von Briefen geschrieben worden sein. Doch um da6 kümmert sich Herr Fawcett nicht. Er heimset nur von jedem Bliese seinen Penny ein und damit ist sein Zweck erreicht. Die Zahl inländischer Briefe während des letzten Jahres betrug dort 1.127,997. 500, ein Mehr von 28 Prozent gegen das Vorjahr. Postkarten wurden 114.458.400 verschickt, ebenfalls um 2j7 Prozent mehr als in den vorhergehenden 12 Monaten. Bücherpackete und Circulare gab es 213, 963 000, eine Zunahme von 8 Prozent, und Zeitungen 130.518.400. Bekanntlich geht in England jedoch nur der allerge ringste Theil der Zeitungen durch diePost, da fast Jedermann sein Blatt bei seinem Agenten kauft, der sicb den Vorrath durch die Eisenbahn kommen läßt. Die Zahl der eingeschriebenen Briefe betrug 8.739,191. Zu Weihnachten hatte das Londoner Postamt um 9 Millionen Briefe mehr zu befördern, als an einem sonstigen Durchschnittstage, da die Sitte der Weihnachtskarten sich immer mehr ver breitet. Wie in jedem Jahre, so gab es auch 187980 die gewöhnliche große An zahl von Briefen ohne Adresse, von Brie fen mit den sonderbarsten Einlagen, wie Eidechsen, Krebsen und dergleichen mchr. Telegramme wurden 26,547,137 Versen det, nm 2 Millionen mehr als im Vor jähre, die Zeitungen veranschlagen 310, 500,000 Worte in Depeschen. , Das Postamt beschäftigte 46,192 Ange stellte, worunter 11,403 Telegraphenbeamte; hiervon .sind, circa 1556 Damen. 8551 Instrumente arbeiten fast Tag und Nacht, um den riesigen Dienst zu bewälti gen. Fawcett trägt sich mit dem Gedan ken, auch diePacketpost einzuführen. Post sparkaffen gibt es 6016, und ist es eine beachtenöwertbe Thatsache, daß die Ein lagen in denselben sich jährlich mehren. ' Die Kehrseite der Medaille. Eine Zeit lang war eS allgemeine Sitte namentlich in l der Tagespreffe, däsMaschi nenwesen der Neuzeit als die Summe alles Fortschritts und alleSHeilS für dieMensch heit anzusehen. DaS ist in den letzten Monaten, namentlich hier in den Ver. Staaten, anders geworden. - Durch das offenbar Begründete in den Beschwerden der Sozialisten angeregt, wenden große Zeitungen mehr und mehr ihre Aufmerk samkeit der Kehrseite der Medaille zu. Zwar die Vortheile, die auS der Ersin dung und Benutzung der Dampfmaschinen der Menschheit zufließen, wird kein Ver ständiger läugnen. Gewisser LebenSbe quemlichkeiten, wie der Teppiche, derBade stuben, reichlicher, den Jahreszeiten ange messener Kleider, die heute auch der Min derbemittelte sich gönnen kann, erfreuten sich vor zweihundert Jahren kaum Reichs fürsten und Herzöge. Auch reist im Jahre deS HeilS IM der Farmarbeiter, der fei nen Wohnsitz verändern will, tausendmal angenehmer, als im Jahre 1630 der ange sehenste Monarch der Welt, Ludwig der Vierzehnte. Andererseits kommt aber nach denBerech nungen deö Statistikers Engel die zur Zeit imDienste derMenschen bestndlicheDampf kraft, der Arbeit von neunhundert und sechSundsechszig Millionen Staubgebore
nen gleich. Wenn nun auch die Hälfte dieser Kräfte zur Erzeugung von Ltbcns
bcquemlichkeiten und Luxuegegenständen verwendet wird, die nicht erzeugt worden wären, so bleibt dock ein unehcu rer Rest, durch dessen Thätigkeit die Arbeitsgelegenheit und das Einkommen der menschlichen Hände geschmälert wird. Zudem hat Die allgemeine Elnjülzrung derDampsmaschine die alte aus derGleich heit aller Menschen beruhende Organisa tion der Arbeit von Grund aus verändert. Einige wenige mit Geldmitteln und Klug heit Begabte haben sich der neuen Gabe bemächtigt und dieselbe zum Nachtheile der minder begünstigtenMehrheit ausgebeutet. Neunundneunzig Hundertstel aller Arbeiter sind zu mühseligerer Thätigkeit als jemals und zur Entbehrung verurtheilt, während ein Hundertstel sich alle diese Vortheile zu Gemüthe sührt. Es scheint in der That als hätteGöthe'S Zauberlehrling sich in handgreiflichster Weise verwirklicht. Die herausbeschwore nen Kräste der Unterwelt überfluthpn unS. (St.L.Am.) Unternehmungögkist einer Valt morer Firma. Die Firma A. Vogeler & (So. hat am Ohio eine prachtvolle Damp'yicht bauen lassen, um durch dieselbe ihre Palentmedizinen solchen Orten im Stromi,?b!:te deS Mississippi zugänglich zu machen, welche von dem großen Verkehr abseits liegen. Das elegante Boot kam a.n Sonntag Abend in aller Stille bei Cincinnati an und ging an der Newporter Brücke vor Anker. Das TSincinnaiier Volksblatt" widmet dem Ereigniffe fast zwei Spalten. Der Rrporter erzählt : Der Dampfer war erschienen wie Schiller's Mädchen aus der Fremde", denn man wußte nicht, woher er kam.- Er war augenscheinlich reisefertig, enthielt aber keinen Raum für Fracht, konnte also nicht zur Güterbesör der'ung dienen, auch waren der State Rooms" nur so wenige, daß er zur Paffa gierbesörderung nicht benutzt werden konnte. Die Mannschaft, .die aus acht Mann bestand, machte in ihren schmucken Uniformen einen sehr guten Eindruck, war aber sehr schweigsam und ließ sich mit den Neugierigen, die sie ausholen wollten, aus keine, langen Unterhaltungen ein, und so zerbrach man sich den Kopf über die stimmung des Dampfers, ohne zu einem Resultate zu kommen. Als aber ' um 1 Uhr Montag Nachmittag einigeEquipagen am Landungsplätze erschienen, die eine Gesellschast von ca. 30 Herren an Bord brachten, und am Bug die Flagge aufge zogen wurde, war das Räthsel gelöst. Als sich die Letztere nämlich im Winde entfaltete und lustig in der Lust flatterte,' las man die Worte St. Jakob's Ort" und die am Ufer versammelte Menge, sowie die Mannschaften der umliegenden Schiffe brachen in ein weithin schallendes Hurrah auS. Wie jedes Unternehmen der Firma, so wurde auch dieses auf die praktischste und paffendste Weise durchführt. Der Dampser kam Sonntag Nachts unterAufstcht des Hrn. Leary, deö Privatsekretärs des Hern. Vogeler, der den Dampfer von den Erbauern deffelben übernommen hatte, hier an, um von hier aus seine regelmäßi gen Touren anzutreten. Der . Chef, des Anzeigen-DepartementS der Firma, Hr. H. Umbstätter, der hierher gekommen war, um Anordnungen für den Geschäftsbetrieb des DampferS zu treffen, hatte gestern eine Gesellschaft, bestehend auS Vertretern der hiesigen und fast aller Zeitungen deö Westens von-Bedeutung eingeladen, um den Dampfer. zu besichtigen, und jeder einzelne war entzückt von diesem schwimmen den Schmuckkästchen. Der Dampfer ist etwa 70 Fuß .lang, 15 Fuß breit und 19 Fuß hoch.. Seine Einrichtung ist so .ele. gant, daß viele der Anwesenden erklärten, daß eine Reise nach New'Orleans auf die sem Dampfer nicht zu denjenigen Dingen gehören würde, die sie' ausschlügen, ern ihnen eine derartige Offerte gemacht würde. Mißverstanden. Ein Arzt hat an einem heißen Mittag Jmpstermin in einem größeren Ä)orfe abgehalten ; er ist eben im Begriffe, daö mühevolle Werk zu vollenden und feine Instrumente einzupacken, da naht sich noch eine verspätete Mutter mit dem Einjährigen" aus dem Arme und wird von dem Arzt etwas ungehalten angefahren : Das ist doch das Letzte V worauf diese kleinlaut erwidert: I kann's nicht sür ganz sicher versprechen, Herr Doktor!"
