Indiana Tribüne, Volume 3, Number 3, Indianapolis, Marion County, 28 August 1880 — Page 6

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Des Wcinwirths Töchtcrlcw. 'Originalerzühlung von Nich. Bachmann.

lSchluß.) .Jetzt 'glaubt Ihr gar noch Herr Stef. fenö", fuhr Meister Spölling fort, daß ich ihm, den durch Euch ungerecht Geschmähten, schuldlos Verurtheilten, nicht zu seinem Rechte wieder verhelfen und Euch dem Gerichte nicht überliefern sollte? Ist's denn nicht eine heilige Pflicht, die das Gebot der Nächstenliebe, die Ihr frei, lich nicht zu sehnen scheint, mir auferlegt?" Steffens wagte nichts Zu entgegnen, und Peter Scharffenberg bemerkte, dak sich die Sache, wenn man fchon wollte, nun nicht mehr unterdrücken oder geheim halten lasse, da Fränzi darum wisse, und diese aus tiesbegründeter Dankbarkeit, Martin, ihrem Retter, zu seinem Rechte zu helfen, gewiß entschlossen sei. Es waren entsetzlich peinlicheStunden, die heute Herr Steffens im schiffhause verlebte. Noch lange stand er dem alten wackeren Meister Spölling gegenüber von dessen unbeugsamen Willen er den Untergang seines, vor der Oeffentlichkeit als tadellos bekannten Rufes zu fürchten hatte. Einen beißen Kampf mußte er noch beste, hen, und die sich steigernde Furcht vor der ihn sicherlich vernichtenden Schande, ließ ihn vor keinem Versuch zurückschrecken, den alten Spölling und Peter Scharsfenberg zur Versöhnung zu bewegen. Endlich wankte er zerknirscht nach Haufe. Drei Monate waren seit jenem Abende verstrichen. Und obgleich Leni, das schöne Töchterlein des Weinwirths Peter Scharfsenberg, neuerdings sich sehr rasch von ih. rem schweren Krankenlager wieder erholt hatte, und wie ein junges Röslein im Morgenthau erblühte, der blasse Kausherr Steffens ward nicht mehr im Schiffhause gesehen. Einsam und mürrisch, schlich er düsteren Auges umher, man hielt ihn allgemein für einen unglücklichen Mann, dessen Lebens frische und Munterkeit durch den Tod des Heimgegangenen Vaters einen bedauttlichen Stob erlitten, ja diese sogar in Schwermuth und Trübsinn umgewandelt habe. Der Umstand, daß selbst die kleine Fränzi schon seit dem Begräbnißtage sei. ncs Vaters, das düstere Kausherrnhaus verlassen mußte, daß Herr Steffens am gestrigen Tage sein vom Vater ererbtes Haus an einen Geschäftsfreund kauflich abgetreten hatte, gab der Einwohnerschaft die unumstößliche Gewißheit, daß Herr Steffens an einer schlimmen Gemüthsstö rung leide. Peter Scharffenberg nebst Familie, so wie Meister Spölling wußten besser, wie es sich mit dem schweigsam gewordenen Steffens verhielt. An jenem Abende war es dem Kaufherrn nicht gelungen, den al ten Meister von seinem einmal gefaßten Entschluß, Martin Genugthuung zu ver.'schaffen, abzubringen, und nur unter schweren Anstrengungen, die Steffens seine Unthat bitter bereuen ließen, hatte er Spölling dahin vermocht, wenigstens so lange die Anzeige bei Gericht noch anste hen zu laffen, bis er seine Angelegenheiten geordnet und sein HauS veräußert habe, damit er zuvor in anderer ferner Gegend, wo man ihn nicht kenne, ein neues Vater, land sich suchen könne. Er wollte um kei nen Preis die Schande erleben, daß ihn die Bevölkerung des Städtchens dann spöttelnd begegnen und als den hinterlistigen Verleumder des jungen Mannes, der sich der allgemeinen Sympathie zu er freuen gehabt, verurtheile. Und anders durste eö schwerlich kommen, wenn Spöl ling durch Darlegung der Briefe vor Ge richt, diesem zur Caffation des überMartin verhängten Urtheils, Veranlassung' geben wollte. Steffens Entmeichung konnte der Reh' bilitation des Ausgewiesenen unter keinerlei Umständen hinderlich sein, da der Ent weichende selbst in einem bei MeisterSpöl ling niederzulegenden Schriftstück sich des Betruges und der Verleumdung, dem Ge richte gegenüber geständig erkannte. Ve?. abredetermaßen sollte der alte Meister von diesem, sowie den übrigen Papieren, vor Steffens Abreise keinen Gebrauch machen. Außerdem hinterlegte er noch die Summe von zweihundert Speciesthalern als Schmerzensgeld für die von Martin erlit tcne Unbill. Nur schweigen, das war der einzige Wunsch, welchen der entdeckte

Kausherr zu erfüllen trachtete. So war Herr Steffens in die gewiß eigenthümliche Lage gerathen, sich selbst das Urtheil zu sprechen, selbst die Bitterkeit des Schicksals durchzukosten, welches er in ränkevoller Weise, durch Bosheit über seinen glückli cheren Nebenbuhler verhängt hatte. Er wußte, daß er die Geduld des aVtn Meisters Spölling nicht allzulange aus die Probe stellen durfte. Die Geheimhaltung der Skandalgeschichte dünkte ihm nicht länger als sicher und zuverlaffig, als Spölling den Ausgewiesenen noch nicht wieder auösindig gemacht. Der wackere Meister aber hatte indeß nichts Eiligeres zu thun, als den Aufenthalt Martins auszukundfchaften. Dies war nun freilich nicht so leicht, und Leni, die auf ihren SpaziergZngen ab und zu einmal bei Meister Spölling vorsprach, glaubte schon aus der Erfolglosigkeit der angestellten Nachforschung auf ein Unglück schließen zu müssen, welches Martin vielleicht zugestoßen sein könne. Ihr liebend Herz beschli chen zuweilen bange Zweifel und Leni er fuhr es an sich selbst, wie doch so leicht die

Liebe Alles hofft und Alles fürchtet. In zwischen erhielt sich Peter Scharffenberg über den Gegenstand der Neigung seiner Tochter äußerst schweigsam. Frau Ka thrnie, so oft sie auch gelegentlich dle Rede auf Martin und Steffens brachte, war doch niemals so glücklich, zu erfahren, ob die Meinung ihres Gemahls eine wesent lich günstigere geworden, als wie er sie vordem bezüglich einer - Verheirathung Lenrs gehabt. Dem Meister Spörnng gegenüber war er redseliger geworden, Ihm hatte er es nicht verschwiegen, daß er jetzt freilich anders über Martin denke. Sei es ihm doch damals gar sonderlich zu Muthe geworden, als der Ausgewiesene zu ihm ,n's Schlffhaus gekommen, um CWif-JC. V . I Aviaiieo zu neymen. 3m Geiste sah ich ihn noch nach langen Wochen so vor mir stehen, wie er eindring, lich zu mir redete und wiederholt darum bat, die gute Leni nicht dem falschen Stef. fens anzuvertrauen, es müßte ihr Unglück sein", hatte Peter Scharffenberg gesagt und daraus zu folgern gemeint, daß nur ein rechtschaffener Mensch in solchen für ihn schweren Zeiten noch so sühlen und reden möchte. . Freilich die Familie der Scharffenberg hatte, so viel sich der Schiffe hauswirth erinnern konnte, bet ihren 93er k. . . v e m i - i "noungen 'mmer oaraus moatxst genommen, daß em hubscher Rothpfenrng für etwelche im Schoße derZukunft verborgene Gefahren bereit gelegen, und Ehre zu Ehre . rm i v cm , , gekommen war. aji oem vtaxim, meinie Peter Scharffenberg, set es aber eine ausgemaazie aaze, vag er woyl ein ganz kreuzbraver Mensch, aber doch auch so arm .-.-.. Pl 11 ais eine lrcyenmaus m .- El, wenn ich nur erst wieder emLebenszeichen von ihm hätte, das Andere glaube ich würde sich schon sinden lassen", hatte V st (3 y R sl j Vt l lt V)Ym4mm4 A M'" ?"""'U umyui' BC V V - ?p. V v geoen, uno oaoei geyeimnibvou lacyemo. von semer Ladenthure aus, die Straße hinunter gesehen, auf welcher Peter Scharffenberg heimwärts gehend, dem Ponvoien vegegneke. - Der alte Meister war feit Langem nicht so vergnügt gewesen, als heute, nachdem er den ihm übergebrachten Brief gelesen, Schon cus der Adreffe hatte er die Hand schrift Martins erkannt. Dieser schrieb aus Augsburg, woselbst er nach längerem Hin. und Herziehen eine Stellung gefun den, daß ihm von seinem früheren Meister die Briefe Spöllings nachgesandt worden seien, nachdem er diesen Bescheid von seinem neuen Aufenthalte gegeben, Die Kunde von Steffens Entlarvung habe ihn höchst überrascht, noch mehr aber die Nachtlcyt ihn erfreut, daß Leni, an die er viel tausendmal mit schwerem Herzen gedacht, wieder frisch und munter se,, und sich des Daseins freuen könne. Er wolle me uaceiie oaioigu anireien uno weroe in längstens drel Wochen bet dem väterli. , cm.n crn- r . rr . , chen Meister Spöllmg einen Einzug hallen.oenenrieie ilim. saus er inneryatv der Grenze angehalten werden sollte, als egiilmallon gegen oas Liuswelungsver. bot dienen können Spölling eilte mit dem Briefe in der Tasche nach dem Schiffhause, woselbst er ihn Leni übergab, die freudig bewegt, dem fllfl hlft AmXa vTt rtif flslrtM lStKM ft um uii v""" "tun. -uim uiiui konnte er keine Spur mehr entdecken. Kein Mensch wußte zu berichten, wohin er sich gewendet. . So ist es zur Zeit , sagte sich Spölling, nahm die von Steffens zu rückgehaltenen Papiere zur Hand und wanderte diesmal, mit leichtem Herzen, nach dem alten Amte. Die Herren zogen seltsame Gesichter,

als sie den Bericht des Meisters Goldschmied vernahmen, der Zeugen und Be. weis dafür sogleich zur Stelle brachte, Nachdem auch Peter Scharffenberg zur Bestätigung der vonSpölling geschilderten Vorgänge, die an jenem Abend im Schiff, hause stattgefunden, vorgeladen wurde erfolgte bereits die Caffation des Urtheils, noch ehe Martin zurückgekehrt war. Ob dieser sein Wort, zu kommen, auch einlösen würde, daran zweifelte wohl Niemand, als aber die ausgesetzte Frist verstrichen und ein Tag nach dem andern verging, ohne daß Martin erschien, da wollte nicht nur Leni in ihrer Angst vergehen, sondern auch der alte Spölling wurde unruhig und er machte sich allerlei Gedanken, wobei die, an eine Rache des entflohenen Steffens ihm nicht den wenigsten Kummer machten. Desto größer aber war die Freude, als eines Tages um die Zeit des Sonnenun tergangs Martin plötzlich Spölling'sHaus betrat und den alten Meister stürmisch umarmte. Es war ein freudiges Wiedersehen. Die kleine Fränzi jubelte hell auf. als sie den

sittlichen, wettergebräuntenMann erblickte, in welchem sie ihren Lebensretter verrehrte. und dem sie, wie Martin laut und dankbar rühmte so außerordentlich wichtige Dienste geleistet hatte. Als nach dem fru galen, gemeinschaftlichen Abendbrod Mar tin nach dem Schiffhause gehen wollte. bemerkte der alte Spölling mit vergnügli chem Lächeln, daß er heute auch dabei sein müsse.und flugs warf sichderMeister in sei nen Rock und wanderte die Steingaffe hinan. Mit welchen Gefühlen betraten jetzt die beiden Männer das altersgraue Haus. Herr Peter Scharffenberg ist jetzt mit seinen Gästen beschäftigt, gebn ttrr indeffen erst einmal hinauf zur Frau Ka thrine sagte der alte Spölling und schob im . . ... . vjcamn an oer cyoppenltude vorvcl, zu der nach oben führenden Treppe. Martin pochte das Herz, als er an die Thür klo Psend, die sanste Stimme Lenins Herein" rufen hörte. Martin," Leni", erklang es zugleich in freudig erzittertendem Rufe und stumm lagen sie sich in den Armen, im seligen Entzücken des Wiedersehens schwelgend, Minuten vergingen, ehe die Gefühle des Herzens sich zu Worten gestalteten, in zärtlich traulichem Tone von den Lippen sich lösten. I a seht, was ächte aufrichtige Liebe vermag", begann Meister Spölling zu atbarine aewendet. die eben in'8 Zimmer trat und mit Staunen auf die I zärtliche Gruppe blickte. Man sieht und hört nicht die Umgebung und ist mitsei. nem Geiste in befferen Regionen". . Erst durch diese Worte des Meisters wurde ' ' ' Martin aufmerksam. ' Mit fast verschäm tem Läch-ln beeilte er sich, Frau Kathrine zu begrüßen, deren Hand der alte Spöl ling freundschaftlich schüttelte. rtm v. . n . . Alem Gott, wird nicht das Lew von I ' . Neuem seinen Anfang nehmen? Mir j$eint Ql3 könne sich mein Scharffenberg ock aar nickt so reckt mit Leni's Entlckei. düng befreunden", flüsterte Frau Kathrme mä) einiger Zeit dem Meister Spölling in's Ohr. Dieser lächelte : Ich meine, wir bereiten der traurigen Geschichte nun auch ein fröhliches Ende; deshalb bin ich eben beute selber mitgekommen. Frau Scharffenberg thut es mir alten Graukopf zu Lieb' und laßt Euren braven Ehegemahl einmal herbeirufen". Nach wenigen Minuten erschien der Schiffhauswirth. Mit freundlichem Gruße trat er dem einst so schwer Gekränkten gegenüber' Er schien gerade nicht unangenehm überrascht, Martin in Spölling's Begleltung bei sich zu sehen. Fragenden Blickes schaute er dem alten Goldschmied in's Gesicht. war bisher", begann Spölling. sgst immer nur bei Euck in einer Anaele. Qen6eit die Euer Töchterlein und Martin, in er Linie auch mich intereffirten und v...... , 1" Scharffenberg, Ihr wißt, wie es um die iden jungen Leute steht, wir haben ja auch einmal in jungen Jahren Aehnliches erlebt, indeß glücklicherweise nicht mit so bitteren Beigaben gemischt, als wie es hier der Fall gewesen. Wie aber auf Erden Alles einen Anfang hat, so muß eö auch ein Ende haben. Ich will mich kurz fasten. I i f rm pi f n ' 5 . unleroracy kleiner Tpolling uno erfakte Martins Hand. Ich bin, wie Ihr seht, an Jahren schon ziemlich vorgerückt, so daß ich's an der Zeit sinde, mein Haus zu bestellen.' Nun seht, für mein altes lieb g-wordcncs Geschüft denke ich keinen Bes seren znm Nachfolger finden zu können. ai meinen braven Martin. In ihm er laube ich mir,, meinem Geschästsnachfolgcr

vorzustellen. Meine wenigen, sehr weit läufig abgezweigten Verwandten gehen darum nicht leer auö, denn ich habe ein

leidliches Sümmchen 'erübrigt, und ich meine, dem wackeren redlichen Manne doch etwas schuldig zu sein, das ich auf diese Weise begleichen kann. Ihr werdet mich verstehen, ohne daß ich erst die. Euch ja überdies bekannte, heillose Geschichte wieder zu erzählen brauche. Also, daß ich's nur kurz mache, ich wollte mit dieser meiner Nachricht Euch nur meinen längst gehegten Entschluß mittheilen. Ob nun Ihr Euch auch zu etwas zu entschließen habt", dabei sah Spölling nicht gerade sehr verstohlen räch Leni. Das wird meines Erachtens sich bald zeigen müffen, undEuch hoffentlich dann auch nicht schwer fallen. Indeffen, ich bin zu Ende, und um nicht zu stören, will ich zugleich zur Feier deö Tages mir drunten im Schank zimmer einen Schoppen vom Besten vor. setzen lassen. Lächelnd schritt der gutherzige Alte nach der Thür, und noch ehe die Anwesenden sich von ihrer Ueberraschung erholten, war er verschwunden. Martin war bald roth, bald blaß ge. worden. Das ihm von seinem Meister zugedachte Glück, es dünkte ihm zu groß und die plötzliche Versetzung in jenen Zu. stand, den er sich schon oft sehnlich herbei. gewünscht bei Vater Scharffenberg um die Hand seines Töchterleins anzuhalten hatte ihn in eine unbeschreibliche Verlegen. helt gebracht. Bestürzt stand er da und schaute mit feuchtem Auge auf das, von Leni ihm als letztes Andenken übersandte goldene Ringlein. Er rang nach Worten, und konnte keinen Ausdruck finden. Sein suchend Ange entdeckte Leni, ihr Antlitz an der Schulter ihrer Mutter verbergend. Da er wußte selbst nicht, wie es geschah. trat er entschlossen dem Vater seiner Leni näher und deffen Rechte ergreifend, begann er seinem übervollen Herzen Luft zu ma chen und das, des Peter Scharffenberg zu bestürmen. Und was der Schiffhauswirth gesagt ? Es mußte sehr erfreulich gewe sen sein, denn glücklichere Menschen hatte das alte Schiffhaus noch nie in seinen Mauern gesehen, als an jenem Abende. Mit der Uebergabe seines Geschäftes hatte der alte Spölling redlich Wort ge halten. Sechs Monate später führte Martin des Weinwirths Töchterlein als sein geliebtes Weib heim. Das von Stef fens freiwillig hinterlegte Schmerzensgeld berührte Martin nicht, er überließ es der kleinen Fränzi, welche seit Leni'S Hochzeits tage, im Schiffhsuse die Schoppen kre denzte. . Die Bierproduktion der Welt in1879 wird durch ein österreichisches Brauer Organ veranschaulicht, wie folgt : Hectoliter Deutschland 38,946,510 Großbritanien ?597,520 Per. Staaten 1ö,400,oco Österreich 11,184,681 Frankreich 8,721,000 Belgien 7,854,000 Rußland 2,300,000 Holland 1,600,C00 Dänemark 1.100.000 Schweden 930,000 Italien 870,000 Schweiz 724,000 Norwegen 6J5,0C0 Zusammen 1,264,887,400 Die Firma Siemens k Halske in cr 1 . m . eriin .cai ivieoer ein neues Zllro eck zur Herstellung elektrischer Bahnen in Berlin v eingereicht. Nach demselben sollen sammt liche Bahnhöfe der in Berlin auslaufenden Eisenbahnen und die Stationen derStadtbahn mit der Verbindungsbahn verbunden werden. Außerdem soll eine Linie von der Skalitzer Straße über die Potsdamner und Anhalter Bahnen hinweg nach dem Bahnhos, Zoologischen Garten und nach der Stadtbahn und eine zweite Linie vom Brandenburger Thor nach Charlottenburg hergestellt werden. Bei dem internationalen Turnfeste in Frankfurt am Main befand sich, im Vorstande ein preußischer Polizei-Präsi dent. Ohne Polizei kann in Deutschland kein Volksfest stattfinden. Zudem erklärte ein Vorstandsmitglied in seiner Rede mit Stolz, daß die deutschen Turner sich fern von jeder Politik hielten, daß sie eben darum gediehen. Ein traurigesArmuths zeugniß. An loyalen Toasten auf den Kaise fehlte es nicht. Die amerikanischen Turner verhielten sich stumm ;' nur ein kalifornischer Barbierstuher litt an Zun gendiarrhoe.

Zerschlungcnc Wege. Drei Kapitel aus meinem Leben. Novelle von Heinrich Heoöler. (Fortsetzung.) Und all' dieser Glanz, dieser Schimmer,

wurde wiedergestrahlt von den Wellen des Meeres, und als nach einer Weile sich ein leichter Abendwind erhob und den bisher glatten Spiegel des Meeres kräuselte, da spielten die Strahlen der Sonne, deren unterer Rand jetzt in die Fluthen hinein zu tauchen schien, gleich Feuerflocken auf den Kämmen der sich leicht hebenden senkenden immer bewegten Wogen. Und immer herrlicher und wunderbarer glänzte der Sonnenball. Er dehnte sich zu riesenhafter Größe aus und nahm dann allerlei seltsame Gestalten an ; jetzt ver schwand er mehr und mehr, tauchte wieder in die aufwoaende Flutb, wie im Kampfe gegen das feindliche Element; nun dehnte sich nur noch ein schmaler Feuerstreifen nach beiden Seiten aus und zog sich, wieder zusammen, und nun ein letztes blitzendes Zucken, und versunken war er in dem unendlichen Raume jenseits der Wogen ! In demselben Augenblicke erhob sich ein stärkerer Wind und strich wie klagend über mich hin. Allmählich verblaßten die Farben des reizenden Spiels am Himmel, die Gluth schwand dahin, der Rosenschimmer erlosch und graue Schatten huschten über das Meer. Unauslöschlich war der Eindruck, den diese erhabenen Bilder in meiner bewundernden, ganz überwältigten Seele zurück ließen. Es war mir fast nicht möglich, mich von diesem Platze zu trennen wo ich so Außerordentliches gesehen hatte, doch zwang mich die immer mehr überHand nehmende Dunkelheit endlich, den Leucht thurm zu Verlusten. Noch einen langen Blick heftete ich auf Meer und Himmel, dann stieg ich schweigend die eiserne Wendeltrepppe hinab. Still und gedankenvoll schritt ich neben meinem Führer dahin ; ich vermochte nichts seinen Erzählungen mein Ohr zu leihen oder seine unausbörlicken ffraaen zu be antworten : es schien mir dieses eine Entweihung der Gefühle, die mein Inneres mit nie gekanntem Entzücken durchström ten. Von dem Leuchtthurm geleitete mich mein Frührer nach der Nordspitze der In sel, um dort den Aufgang des Mondes zu sehen. Mich erwarteten da ganz andere Bilder, wohl nicht so erhaben, so großartig, wie die eben gesehenen, aber beruhi gender, wohlthuender, und ein solcher Wechsel that meiner trunkenen Seele noth. Ich trat hinaus auf die Klippe, wo man von zwei Seiten die See sehen kann. Da lag das weite Meer wieder ganz stille ; tiefe Dämmerung hatte Alles in ihren dunklen Schleier gehüllt. EinzelneSterne flimmerten am Himmel, und durch die stille Abendlust tönte vernehmbar das Rauschen der Brandung aus der Tiefe herauf. Endlich verrieth ein blasser Licht schimmer die Stelle, wo der Mond em porfleigen werde. Der ganze übrige Gesichtskreis war mit Dunkel umzogen, und der Spiegeldks Meeres glich einer großen mattgeschliffenen Metallscheibe, über die nur einzelne zerstreute Lichtblitze der Wiederschein der Sterne aufzuckend und schnell wieder verschwindend hinzitterten. Nun trat ich hart an den Nand des Felsens. Rein und glänzend wie ein silberner Schild hob sich majestätiich die Mondscheide über die unendliche Wasserfläche, ruhig und fast unmerklich höher und immer höher steigend und ein magisches Licht ringsum verbreitend. Ihr Strahl küßte die zitternden Wellen und streute funkelnde Diamanten über uns aus. Unbeschreiblich lieblich und beruhigend im Gegensatze zu. dem Untergang dcs TageSgestirnes war dieser Aufgang voll Milde, voll unendlicher Sehnsucht, voll Frische uno außerordentlich wohl thuend einwirkend auf meine erregte Gemüthsstimmung. Bald , waren alle Wolken in der Höbe verschwunden, und das zahllose Heer der funkelnden-Sterne vollendete das Herr-' liche Bild. Ich war glücklich im Schauen und Wiederscyauen; auch hier fiel es mir schwer, mich los zu reißen, es war mir nicht möglich, jetzt schon in die engen Wände meines Zimmers zurückzukehren. Da mich die Gegenwart meines zwarutmüthigen, aber äußerst prosaischen Führers störte, so entließ ich ihn, dc:i Weg nach demPosthause konnte ich ja nicht vcrfehlen. (Fortsetzung folgt.)