Indiana Tribüne, Volume 3, Number 1, Indianapolis, Marion County, 14 August 1880 — Page 6
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ciulvirths Töchtcrlcin. Originaleizählung von Ni ch. Wachmann. (Fortsetzung.) Mit beiden Armbändern in der Tasche, war der intriguante Kaufherr damals in das Geschäftslokal des alten, arglosen Goldschmiedes getreten und hatte bei Ertbeilung des Austraas, behufs Gravirung einer idmungsschrift, das kostbare, ächle Juwel vorgezeigt. Während er nun mit Meister Spölling sich über dessen Waaren unterhielt und sich Aiehreres vorlegen ließ, hatte cs Slisfens geschickt genug anzufan gen gewußt, unbemerkt das auf demLaden tisck befindliche Etui mitJnbalt zu vertäuschen und das unächte unterzuschieben. Der Umstand, daß Meister Spölling nur noch wenig und selten in der Werkstatt arbeitete, also Martin das Armband in die Hände bekommen mußle, war Stessens zur Genüge bekannt, und rechnete er um so si cherer, aus das Gelingen scinesPlanes, den begünstigten Nebenbuhler des Brillanten diedstahls beschuldigen zu können. Leider war dieses ruchloseAttentat auf den edelherzigenJüngling von dem furchtbaren Erfol ge geklönt worden. Aus einem der von Fränzi zugestellten Briefe ließ sich deutlich e.rsehen,- daß Herr Stesfcns das, mit durchgängig ächten, Steincn besetzte Armband nach Verlaus einiger Wochen an das Cölner JuwelenGeschält wieder zurückgeschickt hatte, und auch die dafür erlegte Summe von dort retournilt worden, wie dies Alles aus ei nem. eine Art Kaufbrief, der sich unter den Briefen mit befand, vorgesehen war. Daß der sievelhaste Streich de? eifersüchtigen StlssenS von diesem auf'die Un' achtsamkeit des alten Meisters geglündet war, dies sah Spölling freilich deutlich ge nug, und um so mehr mußte cs ihn schwer gen, daß lediglich durch seine Schuld Martin ln'3 Gesangnik geliefert, zur Peinig' ung gekommen, und des Sundes verwiesen worden. ' Dieses Bewußtsein, welches e r w s a 0)..rs40 r 4 icgon wayreno zenes Prvzruc, ucu des Beweises ermangelnd, in unbestimmten Umrissen sich ihm aufdrängte, erfüllte den alten ehrlichen Meister mit gerechtem Zorne, der sich zur Erbitterung steigerte, als er an Lenins schweresSiechtbum dachte, das nach feiner Meinung wesentlich durch Steffens' böse That hervorgerufen worden war. In dieser Ausregung bemerkte Spölling nicht, daß er sein Gschäst heute um eine halbe Stunde srüher schloß als wie er dies 'gewöhnlich zu thun pflegte. Er hatte heute noch eme wichtige mon zu erfüllen und feine Gedanken waren ein zig und allein nur damit beschästigt. Man hätte ihn jetzt zu keinem Geschäfte mehr bestimmen können, die Rechtfertigung sei neö schnöd verdächtigten und verurteilten Martin war ihm eine heilige Ehrenpflicht, die zu erfüllen keinen Augenblick Ausschub gestattete. Dem stolzen Peter Scharffen berg, der seinen Martin so arg verkannt, der den armen, aber edelherzigen Burschen nicht leiden.mochte, weil er den intriguanten Steffens für einen besseren Menschen hielt hatte er's ganz besonders zugedacht. Mit den wichtigen Briefen in der Tasche, wanderte Meister Spölling die Steingasse hwauf nach dem Schiffhause. Er verkehrte schon seit Jahren nur äußerst selten in einer öffentlichen Wirthschaft und Peter Scharffenberg wunderte sich nicht wenig, den alten Meister in so zeitiger Abendstunde heute bei sich zu sehen. Spölling hielt mit seinen Anliegen nicht lange chiniei'm Berge und die Erklärung. dak er zu einer Unterredung unter sechs Augen denn Frau Kathrine müsse ei gentlich auch dabei sein gekommen, hatte des Weinmirths Neugierde erregt, sowie dessen sosortige Bereitwilligkeit ge funden. Die beiden alten Herren gingen hinauf nach Peter Scharssenberg's Wohn zimmer, in dessen nebenanstokenoem (Sa binet sich Leni befand. Frau Kathrine erwartete nichts Gutes, als Spölling nach seinem Eintritt in's Zimmer dem Gruße sofort den Wunsch nach emem Lichte beifügte, da die einbrechende Dämmerung das Lesen einiger Schreibereien, welche er mit. gebracht, erschweren werde. Sie vermu thete. es möchten Briefe, weit her aus der Ferne, von Martin sein, welche der alte Meister in wer weiö welcher Absicht vorlesen wollte und sie sürchtete bereits, ba& ihr strenger Eheherr dergleichen Lektüre, mit nicht 'miöZuverstehender Derbheit, schroff von sich weisen dürste. Einen fragenden Blick in das würdig ernsteGesicht des alten
Spölling versenkend, stellte sie einenLeuchter mi.t flackernder Talgkerze auf den Tisch und dem Meister entging es nicht, wie ihr ein blasierSchrecken über das Antlitz zuckte, als er mit gedämpfter, feierlicher Stimm: b.'gann: . Jhr wißt. Peter Scharffenberg, daß es ein gar großes Kleinod ist einen guten ehrlichen Namen in der Christenheit zu huben, und daß ein jedes rechtschaffene Menschenkind mit Eifer darüber wacht, daß ihm ein solcher noch überS Grab hin über erhalten bleibt". Peter Scharsfedberg nickte ernsthast, Spölling redete aber unbeirrt weiter : Freilich nicht immer gelingt dies. Schon manchem Biedermann ist Ehr und redlicher Name von einem gottvergessenen Buben geraubt und vernichtet worden, ohne datz es der Geschändete verhindern, oder wieder zu seinem guten Rechte gelaii' gen konnte, denn hier gilt eben die Nede : vor einem gemeinen Dieb kannst DuDein Haus schließen, und Du bist sicher, aber ein Ehrendieb ist schlimmer, denn er be raubte Dich aus der Ferne". Aber Meister Spölling", siel der Schisfhauswirth verwundert ein, roas soll's mit dem ? hab' ich Euch doch mein Lcbtag mit keinem Wort gekränkt, noch Euren Namen nie anders als mitEhr' und Achtung im Munde geführt." Es ist auch garnicht meines Sinnes. Euch so etwas zum Vorwurf machen zu wollen, Peter Schaiffenberg. . Aber für eines biederen Bürgers Pflicht hab' ich's gehalten. Euch zu sagen, daß Ihr es seid, der einen solchen Ehrabschneiderund Verleumder zum Eidam nehmen, ja, Peter Schaisjenberg. daß Ihr es seid, der einem grundverdorbenen und lästerlichen Men schen sein einziges Töchterlein, die fromme Leni, zum Weibe geben will". Frau Kathrine seufzte ein beklommenes Ach Gott !" und wendete das Gesicht nach dem Fenster, wohin sie sich begab. Sie wußte bereits, was jetzt folgen würde, und mochte dem grimmen Gemahl dabei nicht in's Auge blicken. Dem strengen Peter Scharffenberg aber war die Zornader mächtig angeschwollen und mit schlecht veih hltem Glimm es machte ihm Mühe, aus Küasicht aus Leni nur halblaut zu sprechen, sagte er : Hei, seht mir doch, ich glaube gar, Ihr
habl's Euch in den Kops gesetzt, bei mir für den diebischen Patron, den Martin, werben zu müssen, und seid dabei der kindischen Meinung, wenn Ihr nur den ehrbaren Herrn Steffens auS Leibeskräften verdächtigt, so mag der Schiffhauswirth aus Euere Pläne eingehen. Ich aber sage esEuch rund heraus : Daraus wird nichts. Gott seis gedankt, daß es mit meiner Leni aus Besserung die Aussicht hat, ihr Leiden war ein schweres. Sollte ich doch des Glaubens sein, daß Ihr Besseres zu thun wüßtet, als mit so vielem Aufhebens die heimtückischen Thaten eines stockfremden Menschen in Abrede zu stellen, und mir unter die Augen zu sagen, daß Herr Stesfens ei, ich wag es nicht einmal nach zusprechen, was Ihr frevelhafter Weise herausgeschwatzt ?abt. Ich will nichts hören von dem fremden Burschen, dem ich das Elend und den Jammer meines Kin des zu verdanken habe. Drum Meister Spölling, wenn's beliebt, so lest die Briefe Eures Gesellen, mit dem es sein kann, wie es eben will zu Hause für Euch allein. Ich will nichts hören und damit Basta!" Der alte Spölling spitzte den Mund zu einem überlegenen Lächeln und hämmerte während der Erwiderung des Schiffhaus Wirthes mit dem Briefpäckchen eifrig auf den Tisch: Gemach, gemach, Freund Scharffen berg", hub er an und suchte ihn, der sich erheben wollte.zurückzuhalten. Zuvörderst will ich auf Euren hitzigen Ausfall nichts entgegnen. Ihr müßtet sonst schamrolh werden, wenn Ihr die Worte laut sprechen höret, zu denen ich, versteht Ihr, Peter Scharffenberg, zu denen ich berechtigt bin, weil eben auch mein Name, mein altes so lides Geschäft, mein ehrlicher, rechtfchaffe ner Gehilfe Martin und wie ich nicht anders sagen kann auch Euer Töchter lein gerade nicht am wenigsten darunter zu leiden haben ; ich meine unter dem bübischen Streich desselben Herrn Steffens, den Ihr als einen ganz besonderen Aus bund von Tugend und Rechtlichkeit haltet und der doch, auch wenn er Eure Gunst besitzt, trotz alledem durch diese Briefe hier als ein ehrloser Schelm entlarvt wird. Schisfhauswirth ! hier diese Briefe sollt Ihr lesen : sie sind nicht von Martin, son dern von dem Cölner Juwelen Geschäfts haus geschriebn worden. Ich hätte in
meinem gerechten Zorn den saubern Pa
tron. Euren Günstling, gleich beim Gericht dingfest machen lasten ; aber Peter Scharf fenberg, um Euretwillen möcht ich's nicht. sondern will Eure Meinung darüber hö im." Da lest, Frau Kathrine darf es schon hören, sie hat, . wie mich bedünken will, nicht wenig ausstehen müssen, weilJhr mit Eurem Vaterherz gar auf unrechte Wege gerathen wäret ! Wäbrend dieser scharfen Zurechtweisung legte Meister Spölling die Briefe einzeln aufeinander, so, wie sie nach der Reihenfolge gelesen, den besten Einblick in diese Angelegenheit bieten konnten. Peter Scharffenberg mochte kaum seinen Ohren trauen, aber das Auftreten des alten Spölling war ein so sicheres, überzeugen des daß er dessen Aeußerungen schon nicht mehr zu bezweifeln wagte. Die Lippen zusammengekniffen folgte er jetzt mecha nisch der Aufforderung des Meister Gold scymieds und hielt den ersten der ihm ent gegen gehobenen Briefe hinter die sanft erzitternde Kerze und mit hinaufgezogenen Brauen begann er, doch nur leise mur melnd, zu lesen. Frau Kathrine. von dieser Wendung ü erascht, schritt bedachtig vom Fenster herüber und ließ sich auf ihrem vorher in negehadten Platze nieder. Gar seltsame Gefühle bestürmten ihr mütterliches Herz und mit Besorgniß sah sie bald dem alten Meister Spölling, bald ihrem Ehegemahl in das Gesicht. Die wenigen Minuten, während denen McisterScharsfenberg ncch den erstenVrief las. ließ ihr die bange Erwartung zu einer Ewigkeit werden.- Indeß ihr beobachten tendes Auge wollte bereits gewahren, daß Meister Spölling allen Ernstes nicht all zuviel behauptet haben konnte, denn die Züge des Lesenden nahmen einen recht sonderbaren wechselnden Ausdruck an, von dem sich nicht mit Bestimmtheit sagen ließ. ob Ueberraschung, Aerger, Verlegenheit, Zorn, Scham oder Entrüstung in dieser Mischung die Oberhand gewinnen werde. Petec Scharffenberg wendete jetzt den Brief herum und betrachtet: aufmerksam dessen Außenseite, dann legte er ihn, die Stirne in krause Falten ziehend, vor sich hin. Kein Zweifel, Meister Spölling hatte g:wichtige Zeugen in's Treffen gebracht, und es hatte seine Nichtigkeit mit denBrie fen. .Hm" brummte er nachdenklich, und blickte den alten Meister Spölling starr in's Gesicht. Run? Wie gefällt Euch Euer zu künftiger Herr Schwiegersohn, der ehrbare Herr Steffens? Gelt, ein recht braves Männlein und der Martin ein schlechter Mensch, ein gefährlicher Dieb der den hochherzigen und humanen Steffens an dem Geschenke für Leni bestahl, damit er nach Eurer Meinung wie billig in's Gefängniß geworfen, gefoltert und landesvermiesen werden sonnte?" Peter Scharffenberg antwortete nicht, fast verlegen schielte er auf Kathrine, als wollte er heimlich'aus ihren Blicken lesen, was sie auf oie höhnenden Worte des alten Meisters sagen würde. Dieser aber fuhr fort: Ja. ja, Freund Scharffenberg, es ist ein eigen Ding um den Mann mit dem Ihr Euer einziges Töchterlein glücklich zu machen gedenkt, und ich meine, Euer ärgster Feind wird Euch um einen solchen Schwiegersohn nicht beneiden mögen. Aber seht, ich mein's gut mit Euch, nur halte ich's für nothwendig, daß Ihr auch die beiden anderen Briefe und den Kaufschein noch durchleset. Da schickt Euch getrost an, Ihr könnt eS nun nicht mehr ungeschehen machen, schluckt diese bitteren Pillen nur herzhast hinunter. Dem Martin und Eurer Leni, von mir ganz zu schweigen, iM auch gar sauer angekom men, seinerzeit das Höllentränklein des Herrn Steffens hinunter zu schlürfen. Lest nur, dann laßt mich Eure Meinung hören, damit wir zu einem guten Ende in dieser schlimmen Sache kommen Es war eine merkwürdige, ungeahnte Umwandlung, die sich in Peter Scharffen berg lautlos vollzog. Verwundert starrte Frau Kathrine aus ihren strengenEheherrn der nicht nur ohne jeden Widerspruch die beißenden Vorwürfe des alten Meisters der darin den rechten Ton getroffen, ruhig hinnahm, sondern auch fast willenlos deffcn weiterer Aufforderung, von den übrigen Briefen ebenfalls genau Einsicht zu nehmen Folge leistete. Er gelangte damit rasch zu Ende. Wo habt 'Ihr diese Briefe aber nur aufgetrieden. Meister Spölling V frug er
mit hohlklingender Stimme und es schien, als wenn er der erwarteten Antwort seine Aufmerksamkeit gar nicht widmete. Als ihm aber Spölling in gedrängter Kürze die Geschichte erzählte, wie dieses wichtige Beweismaterial in seine Hände gelangt sei. und er noch die Bemerkung daran geknüpft hatte, daß man zur weiteren, gründlicheren Ucberführung des Uebelthaters nur an das unterzeichnete betreffend''. Handlungshaus zu schreiben brauche und der letzte Zweifel, wenn Scharffenberg noch einen solchen hegen sollte, würde beseitigt werden erhob sich derSchiffhauswirth mühsam von seinem Platze. Es ist, scheint mir, nicht nöthig. Stesfens eigene Handschrift, und diese kenne ich genau, spricht für seine Schuld. Herrgott! Kathrine", rief er, ich bin furchtbar enttäuscht. Meiner Secl', ein schwerer Irrthum war's, der mich gefangen hielt. Der Schändlich?, er wußte sich mir aufzudrängen mit süßen Worten; wie eine Schlange kroch er nach meinem Herzen, aber, Gott sei Dank, daß ich zu rechter Zeit das drohende Unheil noch verhüten kann. Kathrine, jetzt begreife ich wohl der Leni Abneigung und Furcht vor ihm, dem
ich mit Stolz vertraute. Meister Spöl ling. Euch bin ich zu großem Danke ver pflichtet", wendete er sich an diesen und schüttelte ihm kräftig die ond. Verzeiht mir," fuhr er fort eine nicht zu verber gende Röthe bedeckte sein Gesicht, verzeiht mir, wenn ich Euch vorhin mit meinem Ungestüm und harten Worten gekränkt habe." Laßt's nur gut sein", versetzte Spölling mit befriedigtem Lächeln und es schimmerte sein Auge feucht. Jch wußte es voraus, daß es Euch leid sein würde. Ihr seid zwar hart und streng, lrohl auch ein wenig stolz, aber Ihr tragt ein ehrlich Herz in Eurer Brust, und das ist's, was Euch auch Eure Tochter wieder finden lassen wird. Doch davon später. Inzwischen sagt einmal, was gedenkt Ihr, daß ich jetzt gegen Steffens unternehmen soll? Ich meine, ich wüfcte es schon, so süc mich, aber die Rücksichten auf Euch, Ihr versteht mich doch?" Der Schiffhauswirth nickte. Steffens wird vielleicht heute Abend gerade nicht auf eine:! Schoppen zu mu kommen", was meint Ihr, wenn ich so gleich zu ihm schicke und bitten laste, zu einer wichtige Besprechung, aus ein Vier telstündchen? Nicht?" Ganz recht, er wird die Einladung si cherlich nicht ablehnen", pflichtete der alte Spölling bei, wahrend Peter Scharffen berg die letztenWorte gar nicht mehr hörte. sondern schon nach dem ersten zustimmenden Laut nach der Thüre schritt, und drau ßen nach der Ma.rd rief, die er mit seinem Auftrage an Steffens bekannt machte. Ich will indeffen' hinuntergehen ; Ihr mögt hier oben warten, und Euch die Sache überlegen, wie sie am Besten beige legt werden kann", sagte der Schiffhaus' Wirth noch zur Thüre herein und begab sich dann, wie er angedeutet, in das Schankzimmer. O, du grundgütiger Himmel," seufzte jetzt Frau Kathrine, was doch' Unsereins alles erleben muß! Du lieber Gott, wie hat doch meine gute Leni so recht gehabt ! O, wie. oft hat sie mir es mit verweinten Augen betheuert, daß es so und nicht anders sein könnte. Und wie wunderbar muß sich doch alles schicken. Aber Meister Spölling, daß Ihr meinen Scharffenberg so schnell von seiner lang gehegten Mei nung bekehrt habt, das will mir immer noch scheinen, als wenn es gar nicht wahr sein könnte. Meister, wenn Ihr wüßtet, wie er nur immer für den Herrn ..Steffens geschwärmt und gar oft recht hart gegen unsere Leni gewesen, weil ste doch nimmer von dem Widerlichen Mcnir etwas hören wollte. Ich meine, Ihr möchtet es am Ende selbst nicht glauben, daß es wahr fein könnte." (Fortsetzung folgt.) Gegenseitig. , ' Ich hab' ei gut mit dir gemeint, Ich wollte dich zum Weibe wählen. Du aber warst mir plötzlich feiad, Und dich mit Jenem zu vermählen. Und sehe ich Euch jetzt dereint. So will es mir wie Ahnung kommen, Daß biT auch gut mit mir gemeint, Als du den Andern hast genommen. Vrüsident (m einem anaettaatenNi. bilisten) : 3h? habt Euch offen gegen die bestehende Ordnung empört V Nibilisi : ?im Keaentbeil. Jöerr WrSsZ. dent, die bestehende Ordnung hat uns em pört!"
Verschlungene Wege. .Trei Kapiicl aus meinem Leben.
Novelle von Heinrich Henöler.. 1. Auf Helgoland. Majestätisch brauste unser mächtiger, reich beflaggter Dampfer auf die Insel Helgoland los, mit seinen gewaltigen Schaufelrädern die salzigcZZluth peitschend und auswühlend. Endlich hatten wir daS Ziel unserer Fahrt vor Augen, wenn auch noch ziemlich entfernt. Der Capitän ließ dje Maschine in Stillstand setzen, der Dampf zischte in dichten weißen Wolken aus dem hohen Schornsteine, der Anker rasselte hinab in die Tiefe und jakteGrund mhig lag das Schiff unweit des einsamen von Wind und Wogen umsausten, roth braunen Felsens, der stch steil aus dem grünen Waffer erhebt. Die Passagiere des schwimmenden fto losses waren längst alle aus dem Verdecke unp schauten sehnsüchtig und neugierig nach derJnsel hinüber, welche immer deut licher aus dem Meere hervortrat. Meine Blicke schweiften neugierig zwi schen dem .Uiiterlande" und ..Oberlande" hin und her und wurden bald von den rothbraunen, oft seltsam gestalteten fast senkrecht abfallenden Felswanden, bald von der bohen, in malerischem Zickzack an der steilen Klippenmauer emporsteigenden Treppe, bald von der geputzten sich neu gierig nach dem Strande drängenden Menge unter welchen ich viele unifor mirte Personen erblickte, 'hne Zweifel Soldaten der deutschen zur Theilnahme an dem Krimseldzuge bestimmten Legion, und bald von den Booten gef'.'ffelt, welche von dem User abstießen, um uns an das Land zu bringen. Ich stieg in das erste sich nahende Boot; wenige kraftige Ruderschlage brachten mich an das Land, und freudig sprang ich an ds User. Sei mir willkommen, du bei ersehntes, du gesegnetes Eiland, du Hoffnungsstern der Unglücklichen, oder welche andere ver diente Beinamen man dir gibt, seitdem England hier eine Werbestation für den Feldzug gegen Rußland errichtet hat! Was bist du jetzt, was warst du in der Vorzeit, du sa ernst Zmahnendes Bild der Vergänglichkeit alles Irdischen ? Jz ja, der Zahn der Zeit treibt sicherlich hier sein unheilvolles Zeistörungswerk. Eine trau ervolle, durch die Erfahrung von zwölf Jahrhunderten bestätigte Gewißheit ist es, daß dieses schauerliche unheimliche Werk mehr und mehr fortschreitet, Uttd einst wird man erzählen: ie? in diesem Meer war der trauliche Wohnsitz kühner und tapferer Männer !" Helgoland hing im grauen Alterthum mit dem festen Lande zusammen. Einst soll cs sieben Kirchen gehabt haben, wäh rend jetzt nur eine einzige da ist. Noch im Jahre 1240 führt einVerzeichnißder Harden und Kirchen in Nordfriesland" drei Kirchspiele und die Spuren dreier heidni scher Tempel an. Im Jahre 16')Z wurde der Umsang der Insel noch aus zwei Stunden angegeben, jetzt beträgt er nur wenig mehr als die Halse, und Jahr um Jahr nimmt er sichtbar ab. Der ganze Felsen besteht aus thonhaltigem Sand steine und roth und weiß gestreiftem Thonschiefer, der leicht zerbröckelt; Sturm und Wellen nagen fort'und fort an den mür ben Felsenmaffen, bedrängen unaufhörlich mit langsamer aber sicher zum Ziele schrei tender Gewalt, und Stück um Stück reißt sich los von der Hauptmaste, um von der nimmer rastenden Fluth vollends zer bröckelt und verschlungen zu w:rden ; da? wird nicht ausbleiben! So wurde' im Jahre 1724 die Insel in zwei Theile geriffen, aus denen sie noch besteht : die ganze flache sandige. Düne die eigentliche Badeinsel und das Land", wie die Eingeborenen sagen, oder die hohe steile, röthliche Klippe, auf der die kleine Stadt und der Leuchtthurm liegen, rnd daran sich schließend da Unterland" der flache Theil derJnsel, aus welchem eine herrliche gemauerte Treppe von zweihun dert breiten Stufen hinauf in das Ode: land führt. Hier ist eine Täuschung nicht möglich und ein Schutz nicht zu gewahren : fcioe einsame Warte in hoher See wird ret tungslos, wenn auch erst in Jahrhunder ten, eine beklagenswerthe Beute der verschlingenden unersättlichen Wellen. (Fortsetzung folgt.)
