Indiana Tribüne, Volume 2, Number 51, Indianapolis, Marion County, 31 July 1880 — Page 6
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Des Wcwlvirths Töchtcrlcin Onginalerzählung von - Rich. Bach mann.
(Fortsetzung.) Lenins Abwesenheit .in der elterlichen Wohnung wär nicht entdeckt worden, we nigstens schien Frau Kathrine nichts be merkt zu haben, und Leni war im Herzen froh,' daß bei ihrem Eintritt in das behag licke Zimmer dem fragenden Blicke der - "W . " Mutter keine Auskunft verlangenden Worte folgten. Peter Scharffenberg hatte keine Ahnung davon, daß, während er dem von ihm ge schätzten Herrn Steffens gegenüber saß und dessen Worten ein aufmerksames Ohr schenkte, seine Tochter indeffen hinter jenen Mauern weilte, hinter denen die Welt nur Verbrecher wähnt. Leni war freudig bewegt, daß ihrVersuch mit dem Erfolge g'ekrönt war. KeinMensch war jetzt im Stande mehr, ihr auch nur den leisesten Zweisel an der Schuldlosigkelt Martins einzuflößen, mochten die Ver dächtigungen auch noch so überzeugend lauten.' Sein Mund konnte nicht lügen und sein offenes ehrliches Auge hatte ihr noch ebenso vertrauenerweckend in' Ange ficht geschaut, wie bei der ersten Begeg. nung. Sie wußte, daß der Schwerpunkt dieser peinlichen Angelegenheit darin lag. daß Martin nicht sogleich im Beisein Mei ster Spölling's das Armband näher unter sucht, sonst wäre der uoausgcklärte Streich unmöglich geworden. Daß der alte acht bare und ehrliche Meister bestimmt eine, in feinem Hause vollzogene Fälschung der Steine behauptete, war für Martin ebenso unerklärlich als gefährlich, und rathlos standen die beiden Liebenden diesem furcht baren Räthsel gegenüber, deffen Lösung unglücklicherweise vielleicht nur durch einen günstigen Zusall erhofft werden konnte. Leni wünschte nichts sehnlicher, als daß der nächste Tag, an welchem Martin das erste Verhör bestehen sollte wie ihr der alte Kerkermeister mitgetheilt hatte ei nige Aufklärung in dieses Dunkel bringen möchte. Man werde die äußerste Strenge an wenden müssen, denn der verschlagene Fremdling sei ein hartgesottener Sünder", meinte Herr Steffens zu den ihm besreun deten Gerichtsherren, als er zur festgestellten Stunde auf dem Amte erschienen und Martin noch nicht vorgeführt war. Dieser Aufforderung hätte er jedenfalls nicht be durst; denn die humaneren neuzeitlichen Auffaffungen der Gerechtigkeitspflege hat ten damals noch kein, wenn auch nur bescheidenes Plätzchen in dem alten Amtsgericht gefunden. Wohl aber wurde noch ab und zu bei schwierigen Fällen ein peinliches Verhör angestellt, damit durch die Qualen der Folter, durch die Pein, welche die Daumenschrauben verursachten, ein Ge ständniß erpreßt wurde, und zur Verur theilung geschritten werden konnte, ohne welche nun einmal nicht ein peinlicher Prozeß enden durste. Auch der alte Meister Spölling war gefordert worden, und hatte feine Erklärungen abgegeben, sowie das beregte Armband, als das corpus delicti, an das Gericht ausgeliefert. Als er aber die beeinfluffenden Worte des Herrn Steffens vernahm, konnte er es nicht über sich gewinnen, diesem gegenüber seine biedere rechtliche Meinung zu verheimlichen. In einer ersten Erwiderung verwies er es dem anklagenden Kausherrn, daß es durchaus nicht nach gutem Recht und Brauch sei, dem Gerichte bestimmte Maßnahmen und Härten in eigenerSache zu empfehlen, und sich dabei noch der Verleumdung gegen den Angeklagten zu. befleißigen. Er habe Martin kennen gelernt als einen lehr slei ßigen, geschickten, treuen und braven Menschen, und noch sei sein seltener Muth und rühmliche Äufopserungssreudigkeit, die er bei jenem Brande bewiesen, in allgemeiner guter Erinnerung. Herr Steffens habe die heroischen Thaten des muthvollen Jünglings ja selbst anerkannt und beloh nen wollen. Das traurige Ereigniß, wel ches den jungen Mann in einem allerdings ungünstigen Lichte erscheinen lasse, werde hoffentlich ohne besondere Maßnahmen Aufklärung erfahren. Wenn Martin wirklich des Vergehens schuldig, wie er sich freilich jetzt noch nicht anders erklären könne, so werde der Angelagte zuversichtlich ein offenes Geständniß ablegen". Ich halte geglaubt, Ihr müßtet froh sein, wenn durch ein strenges Verfahren die Sache beigelegt wäre, zumal Euer alter
guter Name doch auch mit in Berührung
gebracht ist, und könnt Ihr denn demVolke die Gedanken wehren V hatte HerrSteffens giftig bemerkt, indem er mit Meister Spöl ling das Gerichtszimmer verlaffen und die ausgelaufene Wendeltreppe hinabstieg, auf welcher einige Minuten später Martin m Feffeln zum Verhöre hinausklirrte. 'Wenn Meister Spölling schon durch Steffens Worte, welche dieser vor den Richtern zu Ungutsten des Gefangenen geäußert hatte. einiges Mißtrauen empfunden, so war die letzte anzügliche Bemerkung nur noch. mehr geeignet, den alten Meister argwöhnisch zu machen und ihn zu schärferem Nachden ken anzuspornen. Er ließ denn auch den Vorwurf fast unbeantwortet. . Lasten wir der Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen und warten wir fräs Ende, ad", warf Spölling dem gereizten Steffens entgegen, d'ann schwieg er und ging für sich seines Weges, damit er nickt aus unveoamt amlen im Eifer des Wortwechsels, seinen plötzlichen Muthmaßungen Ausdruck verlieh, durch welchen er Martin und sich selbst vielleicht mehr schadete als nützte. Martins erstes Verhör brachte für die gestrengen Gerichtsherren nicht den ge wünschten Erfolg. In ruhiger würdevol ler Haltung behauptete er, was die Steine betreffe, das Armband in demselben Zu stände erhalten zu haben, als wie er es an Meister Spölling abgegeben. Nach seiner Meinung könnten sich entweder der Letztere und Herr Steffens in einer Täuschung be finden, und das müffe sich durch eineNach frage in jenem Handlungshause, von wel chem das Juwel gekauft worden fei, auf klären lassen, oder Herr Steffens habe das Verhältniß gekannt, es dem Meister ver schwiegen und dieser mag es auch zufällig nicht entdeckt haben, welchen Umstand jetzt Herr Steffens benützen wollte, ihn zu ver derben. Diese Angaben fanden freilich nicht den erwarteten Glauben, und nachdem Martin mit einem baldigen peinlichen Verhör noch bedroht, welches gewiß eine andereAussage ergeben würde, ließ man ihn wieder in den schaurigen. Ausenthalt zurückbringen, in welchem er von der Welt abgeschloffen, den Schrecken der tödtlichenLangweile und Schwermuth preisgegeben war. Nur dadurch, daß der alte Kerkermeister ihm die von Leni heimlich zugesührten Ersrischungen in die einsame Zelle brachte, ihm deren liebevolle Grüße mittheilte, behielt Martin immer noch die Hoffnung, daß man ihn nicht ganz als einen Verlo renen betrachte. Mehrere Wochen waren vergangen seit dem ersten Verhöre, als eines Tages Mei ster Spölling eine Vorladung erhielt, nach welcher er sich alsbald auf dem Amte ein zufinden hatte. Er nahm heute absichtlich seinen Weg am Schiffhause vorüber, und es traf sich für ihn sehr gelegen,Leni in der weiten Hausflur des väterlichen Hauses zu erblicken. Wenn Ihr Gelegenheit habt, so kommt heute einmal zu mir, vielleicht kann ich Euch eine Neuigkeit bieten, da ich jetzt auf's Gericht gehe", raunte ihr der alte Meister in' Ohr. Leni nickte verständnißinnig und ungesehen, wie er gekommen, eilte der Alte von bannen. Bald war er an seinem Ziele angelangt. Meister Spölling. zitterte vor Schrecken und sein Gestcht nahm einen schwer betrübten Ausdruck an, als ihm mit gewich tiger Amtsmiene von den strengen Ge richtsherren vorgelesen wurde, daß, weil der des Diebstahls Angeklagte nach fleißi' gem Ermähnen zu keinem Geständniß zu bringen gewesen, die. Justiz ihn einem peinlichen Verhör, der Folter, unterworfen habe. Die grausigen Einzelheiten des Protokolls, wieMartin dieDaumenschrau ben bekommen, und dann auch gereckt worden sei, erfüllten den redlichen Alten mit Entsetzen. Er wußte, daß nur in den sei tensten Fällen ein Mensch diesen Qualen widerstanden habe, aber in der Regel auf der Tortur jedes verlangte Geständniß mache, und zwar auf jede beliebige Frage, selbst über solche, dem Gemarterten ganz unbekaunte Dinge mit einem Bekenntniß antworte. Traurig schüttelte der Meister mit dem Kopfe, eine Thräne aufrichtigen Mitleids rann über seine gesurchtenWan gen. Als Meister Spölling hörte, daßMartin standhast geblieben und auf der Folter er klärt hatte, daß er lieber den fürchterlichsten Tod erleiden wollte, . als seinen ehrlichen Namen mit einem, von ihm nicht begangenen Verbrechen besudeln, da blitzte eS freu dig in den alten Augen unter den grauen Wimpern Meister Spöllings hervor und 1 t trt . c : r v . r. . f
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gen. Sein Zeugniß, seine Unschuldsbe
betheuerungen verdienen gewiß vollen Glauben". Er redete noch lange mit den gestrengen Herren der Justiz, und nachdem er das Liebesverhältniß Martins und Steffens' in gerechte Würdigung gezogen. in der triftigen Absicht, , eine vielleicht ge Heime Triebfeder des vorliegenden Verbre chens blos zu legen und für die Richter an schaulich zu., machet, schien es . auch, als wenn dieselben nicht abgeneigt wären, Meister Spöllings Andeutungen nicht unbeachtet lassen zu wollen. . Leich teren Herzens und mit bester Hoffnung verließ der alte Meister das Amt,' auf wel chem heute Herr Steffens ebensalls noch zu erscheinen hatte. Vom Letzteren war dem Peter Scharffenberg mitgetheilt wor den, daß der gegen Martin angestrengte Prozeß nur bald mit dessen Verurtheilung endigen werde. Und der alte Schiffbaus wirth hatte nicht ganz unabsichtlich diese Nachricht, der, in den letzten Wochen auf fallend ernst und schweigsam gewordenen. Frau Kathrine bei einer Gelegenheit be kannt gegeben, daß Leni es vernehmen mußte. Ihr waren diese Worte wie ein Dolch in's Herz gedrungen. ' So wenig wie sie an ein solch trauriges Ende glauben mach te, fürchtete sie doch auch leicht das Schlimmste für den Heißgeliebten. Und war dies ein Wunder? Gewiß nicht! Die rauhen Stürme, welche bisher die zarten Knospen ihres Liebesfrühlings mit unbe zwinglicher Härte vernichtet, daß sie, das einzige Kind reicher Leute, nur ärmliche Freude empfunden, wohl aber unzählige Thränen vergoffen hatte, waren nicht spurlos vorübergegangen. Lenins ehemals heitere und frohe Gemüthsstimmung war dem stillen Ernste einer schwer geprüften Dulderin gewichen. Verschlossen und in sich gekehrt, empsand sie über alle jene tausenderler Kleinigkeiten, an denen die jugendlichen Gestalten lhrks Geschlechts Geschmack, Zerstreuung und Vergnügen fanden,, nicht die leiseste Freude. Nichts vermochte ihr ein fröhliches Lächeln abzu nöthigen. Ein tiefer, wehmüthiger Zug ließ sich aus ihren Worten aus jedem ihrer Blicke erkennen und nur allein der feste Glaube an die Charakterreinheit jenes Mannes, in dessen Herz all ihre Liebe sich ergoffen, bewahrte Leni noch vor jenem trüben Zustande einer düsteren, hoffnungs losen Schwermulh. Wohl aber litt sie viel unter den Qualen einer leicht zu entfachenden tiesen Erregung, und jene Nachricht Nachricht ihre? Vaters, von der bivorste henden Verurtheilung Martins, obwohl sie gern daran zweifelte, ja diefe für un möglich hielt ersüllte sie doch mit einer Unruhe und Bangigkeit, die sie sich selbst nur aus Furcht vor dem in peinlicher Un gewißheit schwebenden Unhell erklären konnte. Der Schimmer eines lichten Hoffnungs strahles ergoß sich aber über Lenins Ange sicht, als ihr der alte Meister Spölling zu geflüstert, sie möchte heute einmal zu ihm kommen. Sein schnelles Verschwinden ließ ihr die Frage aus der Zunge ersterben. ob er eine tröstliche Botschaft für sie habe. Und anders kann es wohl nicht sein", sagte sich Leni. Mit Ungeduld erwartete sie die Dämmerstunde, um welche Zeit sie Gelegenheit fand, dem Winke des alten Meisters Folge zu leisten. Die ersten Schneeflocken, einem feinen Regenschauer beigemischt, trieben vereinzelt durch die Luft, als Leni klopsendenHerzens das Schiffhaus verließ und ihre Schritte nach Meister Spöllings Wohnung lenkte. Sie sah den Alten, ihrer wartend, hinter der Glasthüre seines Ladens stehen. Es ist anders gekommen, als ich hoffte", begann der Meister, nachdem -r Lenins Gruß erwidert hatte, und sie aufforderte ihm, zu dem, neben dem Geschäftslokale besindlichen Stübchen zu folgen. Was wollt Ihr damit sagen?" frug Leni, betroffen stehen bleibend. Kommt nur, Ihr sollt's sogleich ersah ren", versetzte Spölling, und öffnete die Thüre des'matterhellten Stäbchens. Leni war kaum über die Schwelle ge treten, als sie mit dem freudigen Ausruf : Mein Martin? Du bist frei?" diesem in die Arme sank. Es waren Augenblicke tief empfundener Freude des Wiedersehens in denen die liebenden Herzen für einander schlugen. ' Ja, Leni, theures Leben, frei und ver urtheilt", brachte Martin mühsam hervor, und indem er Leni heftig an sich preßte, stahl eine große Thräne sich unter seinen Wimpern hervor. Wie soll ich das fasten. Trautester?" fuhr Leni geängstigt empor und sah sra
gend in die dunklen-treuen Augen des Ge liebten. , , ;; Der alte Meister Spölling hatte sich in seinen Sorgenstuhl gelehnt, nachdenklich trommelte er mit den Fingern aus den Knien. . Ja, Glück? und Unglück, sonderbare Verkettung", , murmelte er, indeß Martin nach Worten rang. Mein getreues Herz, Du bist .frei und sagst doch verurtheilt V rief Leni. . Ein ungläubiges,.. wehmüthiges Lächeln glitt über das freundliche Antlitz. Es ist so!": versetzte Martin UUom men ;. ich bin. landesverwiesen". . , Martin, Du? ! Landesverwiesen?" rief Leni entsetzt und ihre Knie wankten. Martin nickte traurig und geleitete die Ge liebte nach einem Seffel auf welchem er sie sanft niederließ. . Betrübt wiegte sie das schöne Haupt auf den Schultern, und der Begriff des Wortes Landesverwiesen" kam ihr in seiner ganzen Schrecklichkeit zum Bewußtsein. Der rasche Wechsel von den seligen Empfindungen des Wiedersehens, hinüber zu den jäh vernichten den Gefühlen, welche der gerichtliche Machtspruch nach sich ziehen mußte, schien aus das schon so schwer geprüfte Herz einen überwältigenden Eindruck ausüben zu wollen. Sprachlos richtete sie ihre thränenumflorten Augen auf den vor ihr sie hendenMann ihrer zärtlichsten Neigungen, dem-sie die Macht der Liebe innig ange kettet fühlte ; auf dem sie all' ihre Hoff, nungen, ihr ganzes Lebensglück gesetzt. Und nun, nachdem sie schon den Zorn des Vaters.den.sie vergeblich zu überwinden ge hofft, so schwer hatte empfinden müsten, erklang der Machtspruch des Gerichtes an ihr Ohr, welcher durch kein Bitten, kein Flehen rückgängig gemacht werden konnte, und ihr auf immer den Geliebten von der Seite riß. Auf immer ? Diese Frage rief sie aus den still schmerzlichen Betrachtungen empor. Martin", frug Leni und ihr Blick forschte in Martins Angesicht, wie könn ten Dich die Herren des Gerichts, der Gerechtigkeit, außer Landes weisen, wenn sie Dich schuldlos sanden?" Ein trübes Lächeln zuckte um die Lippen des Verurtheilten und mit bewegter Stimme erzählte er, wie man ihn mit großer Härte, selbst durch' die Folter zu einem Geständniß zu zwingen gesucht, Leni konnte sich über solche Grausamkeit der Thränen nicht enthalten, und theilnehmend hielt sie die arg gequetschten Finger Martins zwischen ihren Händen und daß man ihn trotz seiner Unschuld und der vergeblich angewandten Martergewiß aus Jahre hinaus zum Geständniß im Kerker gehalten haben würde, wenn nicht Herr Steffens erklärt hätte, daß ihm durch ein
solch Versahren seine abhanden gekomme nen Brillanten doch nimmermehr wieder herbeigebracht werden könnten und er des Halbauf einenweiterenFortgangdesProzes' ses verzichte,, die Einstellung des Versah rens beantrage. Das Gericht werde nach eigenem Ermessen gegen den Verstockten anderweitig des Rechtes zur Genüge thun können. Und man hat alsdann gegen mich auf Landesverweisung erkannt!" Ha", ries Leni bitter aus, dieser Stef fens ist ein kalt berechnendes Ungeheuer. Sein Wort, sein Blick, sein ganzes Thun verrath die Tücke seines falschen Herzens. Sein Plan, glaubt er, ist ihm gelungen. Denn er ist es, der Dich durch Heimtücke und boshafte Lügen in's Gefängniß liefer te, den Peinigern überantwortete, und dann noch aus dem Lande treibt, und nun umsein Werk zu krönen,, auch noch mit heuchlerischer Geberde sich rühmen wird, durch seine Humanität und Hochherzigkeit Dich von der gerechten Strafe befreit zu haben. Ja gewiß, Martin, die gegenDich geschleuderte Anklage des gemeinen Rau des war eine Lüge, die darum nur so furchtbare Wirkung haben konnte, weil Ihr, redlicher Meister", wendete sich Leni an Spölling, dieselbe als Wahrheit an erkannte". 'Auf Euren Vorwurf war ich schon ge faßt, doch bin ichEuch deßhalb nicht feind," versetzte Spölling, leise abwehrend. O Leni, laß die bitteren Worte unge sprachen", bat Martin. Er ist gerecht und keine Schuld an ihm. Den Glauben, den meine Worte über dies verhängniß volle Juwel verdienen, derselbe gebührt auch ihm und seiner Rede in vollem Maße. Was und wie es mein rechtlicher und vä terlicher Meister gesehen, hat er bestätigt, und jenes Armband, welches ich in meinen Händen hatte, an dem ich keinen Fehl be gangen, es trug dennoch andere Steine. Es ist ein unaufgeklärtes Geheimniß, vor
dem wir uns befinden: Nur Herr Steffens mag im Stande sein, das Dunkel, welches noch darüber, waltet, aufzuhellen." Der Meister nickte bei diesen Worten beifällig. So ist es !" sagte er. Leni bat ihn ob der Kränkung um Verzeihung. Laßt's nur gut sein, ich begreife ja recht gut Euren Unwillen, .und 'bekümmert's mich doch sehr, daß ich durch meine Arg losigkeit das Bubenstück vielleicht begünsti gen half." ' .Als der alte Spölling schwieg, und Leni frug, wann dem Urtheil des Gerichts Genüge geleistet werden mllsse, versetzte Mar tin mit beklommener Brust: Nur, vurundzwänzig Stunden zur Er hölung sind mir noch gewährt, dann dann muß ich fort aus DeinerNähe", schloß er mit einem schweren Seufzer und thränenreichem Blick. ' Martin", rief Leni mit schwärmerischer Hingebung ; sie lehnt: sich vertraulich an seine Brust und legte die Linke auf seine Schulter, Martin, mein Trautester,' sei nicht betrübt; schau mich nicht'traurig an. Sieh' ich bin ein schwaches Weib, hilflos und nichts ohne Dich, aber ich bin stark durch meine Liebe zu Dir, so stark, daß eS mich' treibt, den bösen Streichen jenes Hin terlistigen zu trotzen. Noch nicht hat er daS Spiel gewonnen, ich wag's, ich muß, ich will's vollziehen, mit jubelnden Herzen ihm den Plan durchkreuzen. Du glaubst es nicht? Du schüttelst das Haupt?" Ha, als ob nicht auch das Weib von der Natur begnadet wäre, dem Sturme zu trotzen, der uns im Kamps des Lebens wild umtobt. O höre mich, mein Theurer; laß mich Dir werth sein, wie ich es in Wahrheit werden möchte, voll und ganz. Sieh', das Urtheil, welches der blasse, gislhauchende Steffens durch einen finste ren ränkevollen Plan aus Dich herabge schworen, dies Urtheil soll auch das Meine sein. O sprich nicht Nein, sprich Ja, so freudig als ich's Dir sage.. Ja, ich solge Dir, will mit Dir ziehen, hinaus in die weite unbekannte Welt. Gern will ich Das Dir das-uns beschiedeneLoos ertragen. Martin, Du mein ganzer Stolz, mein ganzes Sinnen, bitte, höre mich, daß es so sei, der Machtspruch, der . Dich morgen über die Grenzen meines Vaterlandes treibt, er gelte auch mir.' Ihm solge ich gern und willig, denn ich solge meinem Glück und meiner Liebe." Martin wehrte ihr ab. Mit bebender Stimme leate er ?tni all die (Aesabren
ifira S) nrhnhortS rin1i4 rt2 svl M7tf iijiiu wiuvviia vtuityiiuj 14 ti a'tj' liebevoller Offenhiit bedeutete er die wahr hast Heißgeliebte, daß ihrer nur Noth und Elend wartete, und seine Mittellosigkeit nicht den rauhen Stürmen des Lebens, denen er entgegengehe. Trotz zu bieten vermöge, um ein solch bedenkliches Wagniß unternehmen zu können. So gern er alle ihre Wünsche ersüllen möchte, in diesem Falle sei die Verantwortung zu schwer, und es werde ein kleines Unglück mit ei nem größeren nicht ungeschehen gemacht. Die bitterste Reue werde unausbleiblich sein und eine Rückkehr ? Leni, würde eine Rückkehr in das elterliche Haus wobl min der qualvoll sein, als wenn Du bleibst, die Stütze Deiner guten Mutter, und ich allein mit meinem Kummer zöge?" Und ich sollte dem Mörder meineöGlü ckes mich opfern lasten?" schluchzte Leni unter heißen Thränen. Nimmermehr, mir bleibt kein anderer Ausweg aus dem Labyrinthe, in welches finstere Schicksals mächte mich gezogen." Ich bitte, Martin, inniggeliebter Freund, Mann meiner Liebe, um Him melswillen, stoß mich nicht von Dir," flehte Leni.. Laß mich nicht allein zurück, o laß mich mit Dir ziehen. Keine Noth, kein Elend soll mich schrecken, wenn ich nur be Dir bin, so mag es um mich stürmen, nein, der Himmel muß unsere Liebe segnen und Dein treuer sanfter Blick,' aus Deinen lie ben Augen, wird mich stärken. Mit Stolz will ich das kärglich bereitete Mahl, das meine Hände mit erwerben sollen, mit Dir theilen, und ich werde glücklich sein". Mit inständigen Bitten und Flehen be stürmte Leni noch längerden Geliebten, bis er wenigstens das Versprechen gab, stch mit diesem Gedanken vertraut zu ma cheu und ihr im Laufe des näülsten TageS über seine Entschließung Nachricht geben zu Wollen. (Fortsetzung solgt.) Umgekehrt. Am Hochzeitstage prahlte Hanne: Den Besten habe ich zum Manne." Heut' aber weiß die ganze Stadt, Daß sie den Mann zum Besten hat.
