Indiana Tribüne, Volume 2, Number 50, Indianapolis, Marion County, 24 July 1880 — Page 3

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V Die Weltausstellung zu New Zjork.

Die Weltausstellung ZU New Zlork in 1883 findet keinen großen Anklang in Europa, wo man die Weltausstellungen seit langer Zeit dick und satt hat. Schon die Wiener, aber noch mehr die Philadelphier, kam ungelegen, ganz besonders gilt das von der neuesten Pariser, an welcher Deutschland gar keinen Antheil nahm, Eine neue in 1883 zu New Aork scheint Vielen sehr verfrüht, noch dazu, da man noch im letzten und in diesem Jahre Welt, ausstellungcn in Australien hatte. Außer, dem soll noch 1883 in Wien eine Ausstellung stattfinden. Die Ausstellungen jagen sich förmlich in den kürzesten Fristen, so daß kaum etwas .Neues hingeliefert werden kann. Es gibt eine förmliche Klasse von Ausstellungs. gütern, die in Wien, Philadelphia, Paris und Australien nach der Reihe erschienen, und ebenso bekannt für die professionellen Ausstellungslcute und Correlpondenten waren, wie sich diese unter einander als alte Bekannte in Europa. Amerika und Australien unter den verschiedenen Aus-stellungs-Domen begrüßten. Die kurzen Pausen zwischen den Weltausstellungen machen es auch den Fabrikanten geradezu unmöglich. Neues vorzubereiten. In der amerikafreundlichen Frk. Zeit erschien kürzlich eine Correspondenz von New York mit einer ausführlichen Bespre' chung der auf 1883, projektirten Ausstel lung daselbst, worin die Erwartung aus ae proqen wuroe, oav eiriajianu r. jr. . v - . . r. rr ...ifxi v n X. I schon deßhalb stark betheiligcn werde, um - dle zu Phlladelphra erhaltene schlappe auszuwetzen. Die Frankfurter Zeitung" aber theilt diese Erwartung durchaus nrcht. Du: Ueberdruß an Weltausstellungen, wie die der Fischerei, die zu Berlin stattgefunden, ist noch immer in voller Stärke. Nur die nationalen Ausstellungen haben noch die Gunst des Publikums, wie sich das jetzt in Berlin zeigt, wo eine solche &ur Feier des 50jährigen Staats-Jubiläum stattfindet. Ueber die Ansicht, daß sich Deutschland 1883 zu New Pork betheiligcn werde, schreibt die Frankfurter Zeitung": Wir theilen diese Auffasiuna durchaus nicht. Die Niederlage in Philadelphia war zum großen Theil eine ffolae ungenü- . m . n i- ti ... aenoer Äoroerellung. uua) i aar niaji ,u erwarten, hah die New Äorker Welt Ausstellung bei uns oder in irgend einem anderen Jndustrielande der Welt mit be. sonderer Begeisterung ausgenommen wer den wird. Im Gegentheil müssen wir boffen und wünscken. dan man diesmal den Amerikanern klar machen wird, daß die Zeit, wo ein paar Privatleute, eine Stadtadministration oder ein ruhmsüchtiger Staatsmann die ganze Welt in ein Aus' stellungsfieber hinein setzen konnte, für immer vorbei ist. Es ist sehr zu bedauern, daß man im Weißen Hause zu Washing ton dies nicht begriffen und vor der Jnangriffnahme des obengeschilderten Unter nehmens diplomatische Verhandlungen angeknüpft hat, die wohl mit aller Deutlichkeit das Resultat ergeben haben wür den, daß die Industrie aller Länder vor läufig Ruhe haben und von Weltausstel lungen verschont bleiben will." Die Hungerönoth in Persien. Einem Briefe des Pester Lloyd aus Teheran entnehmen wir Folgendes: In der persischen Provinz Azerbejdschan ist eine förmliche Hungersnolh ausgebrochen. Im Laufe von drei Monaten sind im Distrikte von Urmia-nicht weniger als 500 Personen Hungers gestorben. Bei der großen Entfernung und dem Mangel an geeigneten Verkehrsmitteln erscheint eine Abhülfe durch Zufuhr von Getreide äußerst erschwert, und so mußte in Urmia jedes Kilogramm Getreide mit einem Franken aufgewogen werden. Dem ärmeren Volke bleibt nichts übrig, als sich von Kräutern und Wurzeln zu nähren. In Tädris hat der Nothstand große Unordnungen hervorgerufen, hie in Raub, Plünderung und Tumulien ihren Ausdruck fanden. Das Schlimmste an der Sache scheint, daß die Entrüstung der Bevölkerung gegen die Provinziat-Verwallung gerechtfertigt erscheint, da die letztere sich notorisch mannigfache Unterfchleife selbst beijen?n Getreide sendungen, welche von der Eentral-Regie-rung zur Vertheilung an die Hülfsbedürftigen effectuirt wurden, zu Schulden kom men ließ. Das Volk rottete sich zusammen, zog viele tausend Köpfe stark vor das Regierungsgebäude und verlangte in un gestümer Weise Brod. Um sich bester Ge

hör ;u verschossen, bewarf das Volk die Fenster des Palastes mit Steinen und ließ

es auch sonst an Insulten gegen den StadtHalter nicht sehlen. Am heftigsten aber kehrte sich die Wuth der Menge gegen den obersten Beamten des Gouvernements, Munschi Baschi, der sich durch seine Hab. sucht allgemein verhabt gemacht hatte, Durch Anwendung von Gewalt gelang es endlich, die Ruhe wieder herzustellen, allein die Ercesse wiederholen sich von Zeit zu Zeit. Munschi Baschi ist plötzlich gestor den ; wie dies zugegangen, darüber schweigen die Berichte. In Teheran selbst, wo keine Ursache zu Theuerung vorliegt, sind gleichwohl die Preise in letzter Zeit nicht unerheblich gestiegen. Dem Rebellstande abzuhelfen, machte der Prinz.Statthalter Naibes . es Sallanct einen Rundgang durch dm Bazar, und ließ den Bäckern und Fleischern, welche ungerechtfertigt hohe Preise verlangten, sofort die Ohrläppchen abschneiden und Andere aus mehrere Stunden mit den Ohren an die Ladenthür nageln, worauf alsbald im ganzen Bazar die Preise auf ihr normales Niveau herabsanken. Bankerott-Statistik. rT fV . J. . ' a " C VI 0t( V CQ . I Ä)er laaziveis uutr vzr Jut vrl OUNkerottein den Ber. Staaten, welchen die Frrma Dun, Barlow Co. m New York für die ersten 6 Monate des Jahres 1880 kürzlich verofsentlrchte. zergte,daö wahrend derselben rm Ganzen Mlle mrt er &tll tf0st 000 W) ........fV.il uiuumuuiuu vu o,ooo,uo ungunciusi wurden, während in dem gleichen Ab m w . . m ' ' . v m I scynttte des Vorjahres Bankerotte niu ij;u,77y,JU neu ereignelen. Aucy in afcAVM.nX.n..rf . r I andern Ländern liefert die BankerottStatrstrk bedeutend bessere Auswelse. In England z. B. ereigneten sich in der Periode, für welche wir hier Vergleiche anstellen, 732 Bankerotte im Großhandel und 5930 im Kleinhandel, während in den zwölf vorhergehenden Monaten sich drese Zahlen auf 2546 und 14.091 belrefen. Nun läßt sich allerdings kein vollständig verläklrcher Vergleich zwischen den Resul taten einer sechsmonatlichen und zwölf monatlichen Beobachtungspertode anfiel len, aber dennoch deuten du vorliegenden Zahlen auf bessere Zeiten" in England. Freilich ist der geschäftliche Aufschwung I titAt t nrnfc neYntrt r,o ttt hn fHor ,i,v vvo wm v w. Staaten. Einzelne Städte und Theile des Landes lr w -. V--v. T t CV . Uno yinrer oer ouraziaznilliuazen 'rospe. rität weit zurückgeblieben, andere haben sie ubertrosfen. Chicago z. B. weist nur Verluste im Betrage von $148,000 auf, während in den entsprechenden Monaten des Vorjahres $1,340,000 durch Bankerott verloren wurden, mne ganze Neihe an I - 'e cr . . N . derer Städte weisen eine Reduktion der durch Bankerottt gelöschten Verbindlichkeiten um 50 bis 75 Prozent nach. Nur New York und Philadelphia schei. nen hinter der allgemeinen Besserung der Verhältniffe zurückgeblieben zu sein. Während im Staate New Pork (ohne die Stadt New York) die Verbindlichkeiten von $5,070,301 auf $2.641.443 sich reducirten, weist die Stadt New Pork $8,787,427 gegen $8.739,677 im Vorjahre auf. Die Summe, welche durch Bankerotte verloren wurde, hat also nicht ab- sondern zugenommen, aber lange nicht so bedeutend wie in Philadelphia, wo sich die Verluste um $1,000.000-vermehrt haben. Die größeren Zahlen in diesen Städten dürften daher rühren, daß beide ihren besonderen kleinen Krachs hatten. Die unsinnige Eisenspekulation hatte ihre Hauptvertreter in New York und Philadelphia, und so waren denn die Verluste in diesen Städten am bedeutendsten. Die Bankerott'Statistik der letzten sechs Monate, verbunden mit guten Ernte-Aus-sichten und der Hoffnung auf eine ziemlich starke Ausfuhr nach Europa, stellt, wie die Geschäftswelt meint, ein gutcs Herbst gcschäft in Aussicht für die Großen. Werden die Kleinen davon zu profitiren wiffen? Daö amerikanische Dienstmädchen. Ein Vergleich der Lage der hiesigen Dienstmädchen mit den europäischen fällt sicherlich zu Gunsten d.er Amerikanerinnen aus.Unsere hiesigen Köchinnen und Mäd chen für Alles" Präsentiren sich stets nett und sauber gekleidet,, sie wohnen in schö nen, comsortabel eingerichteten Häusern, haben ihre eigenen, appetitlichen Räume für ihren Aufenthalt in unbeschäftigten Augenblicken des Tages und während der Schlaszeit, sind dem Scheine nach nicht

schlecht (wie man annimmt mit $10 bis $20 den Monat) besoldet, sehen gut ge-

nährt aus, sind wie man glaubt in dem Recht ausgehen zu dürfen, nicht gerade allzu beschränkt, und erfreuen sich der Annehmlichkeiten der sozialen Stellung, die von der amerikanischen Anschauung dem Weibe eingeräumt wird, Die europäische Dienstmagd" indeß kennt keine Ruh' bei Tag' und Rächt", darf kaum einmal im Monat ausgehen. wird schlechter wie ein Sklave behandelt, muß sich das Ketten der Madame und der erwachsenen Töchter, sowie die Zudringlichkeit der alten und jungen Herren gefallen lassen, erhält eine elende Bekösti. gung, muß sich mit dem miserabelsten Nachtlager zufriedengeben, ist aus unerlrägliche Aufenthaltsräume angewiesen, und darf wie in Preußen von der Herrschaft gelinde" geprügelt werden, wofür eine Bezahlung von 12 jährlich an bis $10 jährlich, welchen hohen" Lohn aber nur gute Köchinnen bekommen, erfolgt. Bei dieser Zusammenstellung drängt sich die Ueberzeugung auf, daß Amerika das Eldorado der Dienstmädchen sei und es für ein Mädchen, welches auf Gelderwerd ausgeht, kein angenehmeres Loos in" n " v dj rr a geoe geoe als rn Amerika zu oienen. lassen sich ja dafür so viele Gründe ins Feld führen. Die Arbeit in der Haus wirthschaft ist doch so gesund ! DieViel seitigkeit der Arbeit und der Wechsel in derselben wnkt wohlthätig aus Geist .und ,. . , v r-w . . orper, wayreno ore yaiigreil erner Fabrik- oder Werkstätten-Arbeiterin ein. I sörmig ist, gerstlg abspannt und erne stete, gleichmätzige, dle Gesundheit unter ..... - grabende Körperhaltung erfordert. Unter solchen Umständen ist es mehr als erklärlich denn das Glück macht den Menschen übermüthig, däß das ameri kanische Dienstmädchen, beneidenswert, wie es ist, ihrer Herrschaft" gegenüber nicht demüthig und willfährig genug auftritt, ihr häufig genug Anlaß zu Klagen giebt und dadurch einen Nothstand schafft, welcher sich in jenem, bei jedem guten Kaffeeklatsch würdiger Matronen brennen den Thema: O, diese Dienstmädchen !" zuspitzt. Eine biedere Hausfrau nun. durchdrun von dem Gefühl ihrer und ihrer MitI r x. . n O . : v t. . i i" ri u C-l lmroeuan eiuen, um iunau in üi. Louis dasBedürfniß gefühlt, eine Frauen, Reform in Gang zu bringen und hat ge I ,reu dem Grundsätze: Jeder ist sich selbst der Nächste." es für notwendig erachtet, mit der Reform bei ihren Dienst- ! mädchen anzufangen. Der Vorschlag. der es diesem Zusammentreffen zu danken hatte, daß er das Licht der Welt erblickte, gipfelte darin, daß die Gründung einer Dienstmädchenschule einen Umschwung unserer heutigen unerträglichen Wirth, schasts".Zustände zum Guten hervorbnnaen würde Dem aeaenüber trat eine andere sehr verständiae Sausfrau auf welche sich, wie folgt, vernehmen ließ: Ein ebenso tiefgefühltes Bedürfniß ist auch eine Schule worin junge Mädchen der bevorzugten Klaffe zu recht guten, fleißigen Hausfrauen herangebildet würden. Wenn diese jungen Damen selbst arbeiten lernen,würden sie später ihreMdcken nickt durck launenbaftes Wesen und oft sehr ungerechte Forderungen quälen. Das Ueberarbeiten ist dem Dienstmädchen (der später ost recht wohlhabenden Frau) für ihren Nachwuchs ek,en so schädlich, wie der geborenen Aristokratin. Gute Herren finden gute Diener. Wenn zum Beispiel dem Mädchen Wäsche aufgebürdet wird, welches ganz n, ... Lm nnh b.wrn bat. MUVtt ) VMIVMVI MtlV Q O " womit zweiPersonen sich vollauf den gn. zen Tag abmühen könnten, so mub die Aermste in der fürchterlichsten Weife bis tief in die Nacht hinein arbeiten (für das Mädchen für Alles giebt es kein 8 oder 10 StundenSystem). An anderen Abenden wird zur Erholung das Baby spazieren gefahren. Die Aermste erhält Monate lang keinen Biffen warmes Esten; wenn die Familie eine Stunde lang dinirt hat, geht das Mädchen zu Tisch, vorher entsernt Madame Gelle, Backmerk und dergleichen wahrscheinlich aus Gesundheitsrückstchten. Die Herren hören nur Klagen über die schlechten Mädchen. Sie sind zumeist den Tag über im Geschäft zur Erholung wird ihnen das Lied von der bösen Magd vorgesungen. Ich kenne Frauen, die für die Woche das Hausgeld erhalten; da wird gespart und dem Mädchen jeder Bissen Broo verschaffen, die Ersparnisse werden dann für Luxus verwandt. Brummt

dann der Herr Gemahl über eine zu große Dly Goods Rechnung, so dient die Aermste als Blitzableiter ; es werden ihr von der lieben Jugend allerlei Scöimpf worte angehängt, oder Messer und Gabeln nachgeworfen und klagt das Mädchen bei Mama, dann war es nur ein Scherz von den allerliebsten Kleinen; doch genug, es ist wörtlich wahr. ( giebt immer, noch sehr rühmliche

Ausnahmen, wo Mädchen sehr anständig behandelt werden. Sie werden mehr zur Familie gerechnet, und an solchen Platzen bleiben Mädchen jahrelang. Es ist nicht in Abrede zü stellen, daß die Mädchen von heute mehr Anspruch machen ; Alles schreitet vorwärts, warum sollten die Mädchen rückwärtsgehen? Die beste Abhülfe, meine Damen, ist : Lernt von Jugend an selbst arbeiten, här tet Euren Körper ab, das stärkt und kräf. tigt denselben und erspartEuren Männern die dreifachen Haushaltlosten und verkümmert ihnen nicht ihre Erholungsstunden mit Euren Klagen. Das Kranksein bei sehr vielen Frauen ist nur Laune, sie haben zu viel Zeit, darüber nachzudenken, was ihnen fehlen könnte. Ich selbst bin Mut ter von 11 Kindern, hatte nie einen dienst baren Geist und war auch nie krank : ich ... - kalte aar lerne ISett dazu. Lernt nur selbst arbeiten, dann wird die ewige Arbei. terfrage bald aelöst." Diese höchst beackiungswerthen Auslassunaen einer erfahrenen Frau stecken uns ein Lickt darüber aus. wie die Laa I. . . . . . der amerrkanrscken Dienstmädchen . m Wirklichkeit beschaffen ist. und daß ein " Reform Noth thut. Aber gleichzeitig ka.in man auch aus ihnen lernen, wo mi der Reform anzufangen ist. PH. Tgbl Prof. Scott, ein gelehrter Theologe und Linguist der Universität in Wooster ., sah sich unlängst veranlaßt, einem au ihn ausgeübten Drucke nachzugeben und seine Profesiur an jener Lehranstalt nie. beizulegen. Man wußte, daß der Pro fessor in seinen Lehren dem Rcctorenrath der Universität ntcht orthodox genug war. daß er zu weit an das Freidenkerthum htnanlehnte, doch verlautete Nlchts Be stimmtes betreffs der Denker, beten For schungen und Schlußfolgerungen er zum Gegenstand seiner Ausführungen machte. I W , (Xfivt mam ! V( CamCiJP4 jwh,uw" uiuyu muu m uui v"i'uji interessante Mittheilungen, wenigstens so weit es sich um die Haltung des Profeffors Ine r cim r . . er . wayreno lernes AUsenlyaues m Pyuas Phia handelt, wo er Prediger der Kirche an Archstraße gewesen. Da man ihm m Wooster den Vorwurf macht, er habe die Lehren, die er in Philadelphia von der Kanzel verbreitet, auch ln den Hörsalen der Universität zur Geltung gebracht, so haben die Angaden seinesreuncesTaaara in Philadelphia in dem Streit mit dem n ri r ri univernlalsvoruano Znrerene. öcoii in ein großer Verehrer Kants, des Phlloso phen von Königsberg, und dcffen Lehren soll er häufig in seine Vorträge verflochten haben. Ueberhaupt gefiel dem Universi tätsvorstand nicht die häufige Bezugnahme Scotts aus deutsche Denker und Forscher speziell nicht seme Vorliebe furGoethe's Faust-und als die natürliche Folge mußte er von der Universität zurücktreten. Herr Scott ist also ein wegen seiner deutschen Bildung gemaßregelter amerikanischer Profeffor.' - Der Redakteur der Abendpost" in San Francisco, Herr Rudolph Thomann, hatte im dortigen Humorist" ein Spottgedicht unter dem Titel Ottiliade" verbrachen, worin die Direktrice des deutschen Theaters, Frau Ottilie Genee und der Schauspieler Heinrich Kadelbukb wegen v ff Ms. , , , l ,. r Gast,p, fahrt der kan Fcanc.Scoer Als dle Genee'fche Gesellschaft nun vor et. limiH STaaIIH S l4 'fVM IC rf 4 11111. 7"' ".""Tru" 3Ul"u kehrte und die Betheiligten über den In halt der Ottiliade" und ihren geistigen Urheber das Nähere erfuhren, suchte und fand Kadelburg den Dichter - Redakteur beim Champagner in der Arion - Halle, schritt zu dem Tisch, an welchem Herr Thomann saß, und fragte, ob er der Berfaffer des Spottgedichtes sei. Herr Thomann, der wohl von den Dingen, die da kommen sollten, eineAhnung haben mochte, antwortete bejahend und wollte sich erhe ben, aber noch ehe dieses geschehen konnte, kam seine Backe mit der Kadelburg'schen Hand in unangenehme Berührung. Die Gäste um den Tisch herum waren consternirt, verblieben aber in beschaulicher Passtvität. Unterdessen hatte Herr Thomann seinen Stock ergriffen und sührte einen wuchtigen Hieb nach dem Hauvte des Herrn

Kadelburg, der mit seinem Spazierstock

den Schlag von seinen schwarzen Locke und den darunter befindlichen Gegenständen kompakterer Natur parirte und mit einer Waffe dem Journalisten einen Hieb über die Nase versetzte. Terz heißt man es ja wohl in der Kunstsprache deutscher Universitäten. Da warf Thomann seinen Stock weg, Kadelburg lhat daffclbe und eS entstand ein kurzes Ringen, welches damit endete, daß Beide zu Boden flogen. Thomann packte Kadelburg an der Gurgel; dieser beschäftigte sich energisch mit dem Backenbart seines Gegners, und als der Schauspieler eben im Begriff stand, den Journalisten zum Empfänger jener unangenehmen Liebkosung zu machen, welche man mit dem verbeißenden Namen der dünische Kuß- bezeichnet, legten sich einige der anwesenden Gäste und Kellner in'S Mittel und trennten die Combattanten. Thoman setzte sich wieder an den Tisch und wollte seine Mahlzeit fortsetzen, als er bemerkte, daß ihm das Dichterblut aus der Nase in die Erbsensuppe floß, was eine Unterbrechung der Tafelfrcuden zur Folge hatte. Kadelburg, besten linker Rockärmel bei derAfjäre zerriffen wurde, belohnte sich an der Bar mit einem Glase Bier und verließ darauf das Lokal. Verhaftungen sind nicht vorgenommen worden. Verkleideter Journalist. Von eine als Indianerin austretenden weißen Zeitungsschreide'r meldet der Jndianeragent Whiling auf der Ponca-Agentur im Indianer - Territorium nach Washington. Am 15. Juni kam während meiner Abwesenheit in Arkansas City, der Journalist Herr Tibbles von Omaha, von einem Omaha-Jndianer als Dolmetscher begleitet. in der Nacht in dieser Reservation an und suchte durch Versprechungen und Bestechung die Poncas zu veranlaffen, ihre gegenwärtige Heimath aufzugeben truppweise nach ihrer alten Heimath in Dakota zurückzukehren. Er sagte ihnen, daß ihnen auf dem Wege Hülfe geleistet würde und daß ihnen bei ihrer Ankunft, auf ihrer alten Reservation die Regierung Lebensmittel liefern werde. Er sagte ihnen ferner, sie seien berechtigt. dieWagen, Kühe u. s. w., welche die Regierung ihnen lieferte, mitzunehmen. Sie sollten nur sofort nach Dakota zurückkehren? dich würde ihm bei dem Prozeß helfen, den er für sie gegen die Ver. Staaten anzustrengen im Begriff stehe. Ich erfuhr aus zuverlässiger Quelle, daß Herr Tibbles, als Indianerin verkleidet, in's Lager der Poncas gin und die Indianer beschwor, nie verlauten zu laffen, daß er sie besucht habe. Die meisten Ponca - Häuptlinge waren aus Besuch auf der CheyenneAgentur als Herr Tibbles ankam. Er nahm seinen Dolmetscher mit und traf die Häuptlinge mehrere Meilen von der Agentur; er drang in sie, nach ihrer alten Heimath zurückzukehren. Ich machte nach meiner Rückkehr alle möglichen Anstren gungen, Herrn Tibbles zu verhaften, er bewerkstelligte aber sein' Entkommen nach Kansas. Ich verhaftete seinen Dolmtfscher. Ich befürchte, daß der Besuch des Herrn Tibbles die Poncas auf Abwege führen wird." Nach einer späteren Nachricht war Tibbles in Arkansas City und schickte Boten nach der Agentur, um ie Poncas zum Verlassen derselben zu ver anlasten. I Brooklyn kam eine eingewanderte Schwedin zum Richter Nielson und fragte, was zu thun sei sie habe unbewußt ihren eigenen leiblichen Bruder geheirathet. Derselbe war nämlich von derMutter als Pflegekind ausgegeben worden, dieweil er außerehelich geboren war. Beide nun, Schwester und Bruder trafen stch in Amerika wieder. Keines kannte des Anderen nahe Relationen und so heiratheten sie sich. Später kam' die Mutter nach Amerika und da enthüllte sich daö Geheimniß. Der Richter empfahl ihnen, sich zu trennen. In NewVork hatten dieser Tage Frau Jane Kmgsvury und Frau Johnson Streit miteinander. Letztere drohte ihrer Gegnerin mit Schlägen und hielt derselben die Faust unter die Nase. FrauKingsbury wollte nun auf die Drohende eindringen, blieb aber plötzlich wie erstarrt stehen und stürzte lautlos nieder. Frau Johnson suchte sie aufzuheben und enldeckte, daß daö Leben entflohen war. Die Jnsaffen des yauses strömten zusammen, riefen die Polizei und Aerzte, sowie den Gatten der Todten. Derselbe war vor Schmerz fast außer sich. Die Aerzte erklärten, daß der Tod in Folge eines Herzschlages eintrat. Es ist dies zwar ein seltener Fall, aber immerhin könnte es nichts schaden, wenn stch zankende Gattinnen denselben zu Herzen nähmen.