Indiana Tribüne, Volume 2, Number 49, Indianapolis, Marion County, 17 July 1880 — Page 6
I n d i a n a T tih ü n e."
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D e s cuttvirths Töchtcrlcm. Originalerzählung von N i ch. Bach m a n n.
fi (Fortsetzung.) Er erschien von dieser Zeit an, wenn auch seltener wie früher, doch wöchentlich mehrmals wieder im Schisfhause. Lenins Verhalten war jetzt ein völlig verändertes. Sie sprach in Gegenwart der Gäste wen! ger mit Matin als vordem, und Herr Steffens glaubte deshalb sich nicht zu tauschen, wenn er geheime Stelldicheins zwischen Beiden vermuthete, zumal sie gegen ihn selbst so wortkarg blieb, als zuvor. Steffens ärgerte sich,daKPeter Scharffen berg keinen Vormund finden konnte, den, nach seinem Ermessen eigentlich ungebete nen Gast für immer die Thüre zu weisen. meilim für Peter ScharNenbera war dieS jetzt nicht so leicht, wollte er nicht den Vorwurf eines inhumanenMannes aussich laden, da Martin keine Veranlassung bot, di, ihm eine solche Behandlung zuziehen konnte, und selbst auch die Mehrzahl der Gäste in dem jungen Manne gar nicht ei nen so gefährlichen Menschen erblickte, als wie Steffens ihn hinzustellen sich bemüht hatte. Auf eine Vorstellung des Letzteren erklärte denn auch Peter Scharffenberg, daß es ihm leid sei, einMehreres nicht thun zu können, und es liege an Herrn Steffens selbst, sich dieGunst seinerTochter zuerwer ben, da, soviel ihm bekannt und er müffe es doch besser wiffen ein Verhältniß zwischen ihr undMartin nicht mehr bestehe außerdem würde er auch niemals seineEin willigung geben zu einer Verbindung der selben mit einem Andern, am allerwenig sten mit Martin, so lange Herr Steffens nicht selbst erkläre, davon absehen zu wol len. So lange nun Herr Steffens nicht weitere, zu einerVerbindurg mit Leni füh rende Schritte that, konnte Peter Scharf fenberg selbstredend auch nichts mehr zu Gunsten einer solchen unternehmen. Al lerdings befand sich der ehrgeizige Vater Lenins in einem großen Irrthume, wenn er glaubte, daß er kraft seines väterlichen Willens die Neigung seiner Tochter zu Martin ertödtet habe. Die heimlichen Begegnungen während deffenKrankheit hatten vielmehr gegenthei lig gewirkt, und wenn Leni jetzt sehr rege! mäßig zur Kirche ging, so lag dies Haupt sächlich mit daran, daß Martin sich eben falls pünktlich dort einfand und sie einan der sehen konnten. Die beiden Liebenden wären nun mit ihrem Schicksal schon zusrieden gewesen, wenn sich nur eine leise Spur vonSinnes' .änderung an Peter Scharffenberg hätte 'wahrnehmen lassen, welche zu Hoffnungen berechtigen konnte. Leider war dies nicht der Fall und es . n x. 2.1-1. ..(uAn (TO Ji veriirieyen jigl ouugr, ijuuiuui.c uuujcu, deren Hoffnung ertödtendes Einerlei erst wieder unterbrochen wurde, als eines Ta ges Herr Steffens von einer längeren Reise zurückgekehrt war. Dem guten Meister Spölling war das Geheimniß Martins schon lange keines mehr; wie es gewöhnlich so im Leben ist. daß Liebende ein süßes Geheimniß zu be wahren glauben, das doch anderen Sterb lichen, die Gelegenheit haben, das Thun und Treiben Liebender zu beobachten, gar keines fein sann: Der ehrsameMeister hatte LenisBesuche nicht ohne Interesse bemerkt und die Wär terin hatte ihm auch redlichBerichi erstattet gehabt, wobei sie nie verfehlte, ihre Muth maßungen und Beobachtungen einzuschal ten. Die heimlichen Sendungen, der Frau Kathrine Schaiffenberg, thaten ein Ucbri ges, um eine bestimmte Meinung in dem Kopfe des alten Meisters entstehen zu las. sen. Nun, wenn die beiden jungen Leute noch ein Paar werden möchten, sollte es mich wahrhaslig freuen. Einen Concur renten hätte ich nicht zu fürchten, wohl aber da ich alt genug bin, und mich doch nachgerade auch zurRuhe setzen könnte vielleicht einen rechten Nachsolger für mein gut renommirtes, lieb gewonnenes Geschäft zu hoffen", hatte Meister Spülling gesagt. hm war freilich die Gesinnung Peter Scharffenbergs nicht als eine so ernste und unabänderliche bekannt, und er 'glaubte allen Ernstes, daß, falls seinem wackeren Gehilsen das Glück lächeln sollte, woran er nicht zu zweifeln wagte, dieser sein Ge. schüft übernehmen würde. Eine peinliche
Uebcrraschung sollte dieser Illusion bald
ein Ende machen. Einige Tage darauf, nachdem Herr Steffens von seiner Reise zurückgekehrt, rat derselbe in Spöllings Geschäftslokal. Er brachte aus einem feinen Etui ein goldcnesArmband hervor, welches mit Prachtvoll geschliffenen Diamenten besetzt war. Die kostbaren Steine bildeten einen künstich zusammengestellt-n Stern, der, man konnte ihn von jeder Seite betrachten, wie eine Gruppe in der Sonne erglänzender Thauperlen strahlte. Herr Steffens er-
zählte' daß er das kostbare Armband in ja doch rncht mit emem Geschenk vonStefCöln gekauft habe, und es als Geschenk fens zu erkaufen, und darum noch nicht für Peter Scharffenbergs Leni 'bestimmt alle Hoffnung aufzugeben.
ei, mit welcher er sich in nächster Zeit verI loben wolle. Die Zeit seines Ausenthaltes in Cöln sei so kurz bemessen gewesen, daß er eine zu gravirende Inschrift, wie er sise die innere läcke des Armban. des wün che. nicht noch fertigen la nen I " ' -------- J , ' konnte, und er ersuchte nun Meister Spöl ling, diese Arbeit in den nächsten Tagen mit bewirken zu trollen. Auf einem Blättchen Papier waren die einzugravi renden Worte sowie Ziffern notirt und legte Herr Sleffens dasselbe dem Etui mit - , - . I bei ; nachdem er vorher'nnt großer selbst, gefälligleit Meister Spölling die Vorzüge und Schönheiten dieses seltenen Juwels gezeigt und aus die Größe der Brillanten aufmerksam gemacht hatte. Meister Spölling führte allerdings derartige wenig be gehrte Juwelen nicht aus seinemLager und er hielt auch keineswegs mit seinem Lobe der künstlich geschliffenen Edelsteine und deren solider Faffung zurück. Gleichwohl gelang es ihm nur schlecht, seine Uebcrraschung, die eher als ein Miß. vergnügen bezeichnet zu werden verdiente, zu verbergen und nachdem Herr Steffens, der noch verschiedene Kostbarkeiten des al ten Meisters Spölling sich hatte vorlegen lassen, fortgegangen war, murmelte er : So fallen also die Hoffnungen meines biederen Martin jämmerlich in sich zusam rnen." Sichtlich verstimmt, nahm er das von Steffens auf demLadentisch zuröckgelaffene Etui zur Hand und ging damit nach der Werkstatt, wo Martin fleißig arbeitete. ..Ein schwerer Auftrag ist-einaeaanaeu. Martin, wollte Gott, daß es nimmer so w w gekommen wär," sagte der gute Alte und seinem lAebilken das eben von Oerrn Steffens Gehörte wieder erzählend, setzte er mißmuthig das Etui auf die Tafel. Martin verfärbte sich, das Werkzeug enlsiel seinen Händen, und die Zähne fest zusammen prcffend, blickte er starr vor sich hin. Diese Nachricht wirkte fast vernichtender als damals jene von Leni, über den ersten Schritt des Herrn Steffens. Ein herzloser Mensch-, muirmlte er mit, dumpfer Stimme, der nur nach dem Erb' theil Leni'S trachtet. Er weiß es nur zu wohl, daß er statt Liebe, Haß und Abscheu gegen sich, im Herzen der Unglücklichen sindet und dennoch ! Arme Leni, welche Qualen wirst Du um meinetwillen leiden müffen. Wie soll das enden? Vernichtet liegen alle Hoffnungen. Mit blutendem Herzen eine Aussicht in das kalte todte Nichts und dieser Elende klügelt noch mit satanischem Scharfsinn nach, wie er mich langsam und qualvoll marter, am Ende darüber zur Verzweif lung treiben möchte ?! Verschantzt hinter unbezwinglichen Vorurtheilen und begün stigt.im Spiele des blinden Schicksals, zeigt sich der kleine Charakter dieses Man' nes in der gierigen Nachspürung jeder Gc legenheit, mich, den Unglücklichen, Unbe kannten, vor der Welt Unbedeutenden noch mit Hohn und Spott zu peinigen !" Trüben Auges blickte Martin um sich. Er oejnetlte, daß er allein sei, Meister Spölling war lautlos hinauszeganoen, als er die Bestürzung seines braven Ge Hilfen gewahrte. Martin erhob sich und langte mechanisch nach dem Etui, welches der Meister zurückgelaffen. Mit einem tiefem Seufzer, der seinen Schmerz verrieth, öffnete er dassekbe und nahm den auf dem Armband liegendenZettel heraus. Er las die von Steffens Hand darauf geschrieben? Worte der Widmung für seine geliebte Leni und Thränen stürzten ihm aus den Augen. Oh", rief Martin in bitterem Tone, mit welcher Wollust mag er wohl den Ge danken ergriffen haben.mich, seinen gehaß ten Nebenbuhler, diese Arbeit vollziehen zu lassen. Nein ! Der blinde Zufall ist es nicht, der mich dazu verurtheilt, die Worte erheuchelter Zuneigung in's Gold zu gra ben, damit sie die Avjjen meiner theuren Leni darauf finden sollen". Martin stand einen Moment still und
nachdenklich,dann legte er rasch dasPapier
wieder aus das Armband, und ohne dasselbe angesehen zu haben, verschloß er das Etui mit den Worten : 5kem Wort mehr. Schweig armes Herz, erwarten wir, was die Zukunft in ihrem dunklen Schooße birgt"; dann brachte er es in einer Schublade desWerkMches unter Verschluß, Was halfen ihm auch alle Betrachtungen seines Mißgeschickes, alle die Ergüffe eines unglücklichen liebenden Herzens ? Lenins Treue undStandhaftigkeit waren Martin nahm seine Arbeit wieder auf w fc. sva k M m uno vavel ganz seinen GeoanttN nacyyanend, malte er sich im Geiste die Zukunft bald düster und trübe, bald rosig und erfreullch, um gelegentlich immer wieder I Iw r oaraus zuruazulommen, dak Lenl doch un endlich mehr unter den obwaltenden Um ständen zu leiden habe, als er. Es war bei Meister Spölling sonst nie gebräuchlich, nach dem Abendbrod die Ar ve,t wieder auszuneymen, durch die ranr heit Martins hatten jedoch eine Anzahl cvi r 4 r rieinerer -auiirage unerieoigr vieiven MUjsen, und Martin benutzte neuerdings wie verholte Male die Abendstunden dazu, das Versäumte nachzuholen, um-die Geduld der Kundschast nicht länger mehr in An. spruch zu nehmen. Meister Spölling ließ den regsamen Ge Hilfen gewähren und so war dies auch heute der Fall. Der Meister vermied ab sichtlich, bei Tische von dem Armbande und der damit im Zusammenhang stehenden, seitens des Herrn Steffens beabsichtigten Verlobung zu reden, was unter anderen Umständen wahrscheinlich nicht der Fall gewesen wäre. Allein der gefühlvolle Alte wußte, welch wunden .Punkt er damit be rühren würde und Martin wußte diese Rücksichtnahme zu würdigen und war froh darüber. Eine stille Resignation hatte sich seiner bemächtigt und er entschloß sich, noch dsesen Abend die bestellte Gravirung des Arm bandcs vorzunehmen. Was ich heute thue, ist morgen erledigt und wer weiß, ob es mir morgen nicht sau r ankommen mag", dachte Martin und rf'Pfrf 1 nrr j m er vegav ncy nach Der Werkstatt, um ein iQm beim Scheine der Lampe, die Schrift züge in die innere Flüche des goldenen Reifens einzuzeichnen. Ga.r seltsame Gedanken beschäftigten Martin bei dieser Arbeit, und es ward ihm dabei doch recht traurig zu Muthe, trauri ger als cr zuvor vermuthet. Zeitweilig holte er tief Athem und ein beklommener Seufzer stahl sich herauf. Ob Leni diese Spange wohl jemals an ihrem Arme, tragen wird ? und wenn es geschieht, was sind dann meine Hoffnun gen anderes gewesen, als die schönen Traumgestalten eines neckischen Traumge sichts, in welches sich mein ganzes Sein hinein versengte, weil ich es für Wahrheit hielt?! Ja, für Wahrheit hielt, bis mich das Hohngelächter der rauhen Wirklichkeit aus meinen Träumen emporschreckte?" frug sich Martin, mit halblauter Stimme die nächtliche Stille unterbrechend. Nach minutenlanger Pause fuhr er fort : Ha, eine bittere Enttäuschung die in mir den Glauben an die Liebe und Treue in der Menschheit auf immer ertödten und nur ein, in seinen Qualen zuckendes Herz zurücklassen müßten. Wenn Leni wankte wenn ste des Treubruchs sich schuldig machte, dann ist die ganze Welt eine Lüge, und dann bin ich V Martin blieb sich die Antwort schuldig. Trotzdem die Arbeit gar keine anstrengen de war, war eL ihm heiß geworden, und das dunkle Haar aus der feuchten Stirn streichend, legte er den Grabstrchel bei Sei te. Prüfenden Blickes musterte cr die vertieften Schriftzüge, tarnt betrachtete er die strahlenden Steinchen und ihre kunstge rechte Fassung. Er schüttelte mit dem Ko pse, ein unverständliches Murmeln drang zwischen seinen Zähnen hervor, dann brachte er das Juwel wieder in Verwahr ung und suchte gedankenvoll sein Lager auf. Ob er Leni von dem ihr bevorstehen den Geschenke des Herrn Steffens Kunde geben sollte? Martin konnte mit sich selbst nicht einig werden. Verhielt er sich schweigsam ? Leni desto ungestörter zu be obachten ? Allein, wäre das nicht ein un gerechtfertigtes Mißtrauen, dessen erster Gedanke daran ihn schon beschämen mußte? Er entschloß sich, am nächsten Abend in's Schiffhaus zu gehen, Leni von dem Vorhaben Steffens zu unterrichten, um dafür die tröstlichen Versicherungen des geliebten Wesens, daß sie auch diesen An.
Näherungsversuch des Ausdringlichen entschieden zurückweisen werde, eintauschen zu können.
Martin empfand eine peinliche Unruhe, daß er nicht schon heute, noch vor einer Stunde, nach Peter Scharffenbergs Be hausung gewandert war. ' Noch lange hielten ihn die Gedanken an Leni wach aus seinemLager. Langsam schleichend schleppten sich die Stunden des nächsten Tages vorüber.' Martin kannte den Augenblick kaum erwarten, in welchem die Abendglocke den schaffenden Handen Feierabend kündete und er seine Schrittenach dem Schiffhause lenken durfte. Leni stand unter der Thür, als Martin die Gasse herausschritt. Sie wartete seiner, ihm den freundlichen Gruß zu erwidern, ohne von dem wachsa men Ohre ihres Vaters und den neugieri genAugen der drinnen versammelten Gaste beobacht zu werden. In kurzen dorten halte Maitin die unangenehme Neuigkeit berichtet, fragend schaute er der guten Leni in das schöne Antlitz, das bei dieser Kunde eine tiefe Nöthe bedeckte: Laß es gut sein", erwiderte Leni, die Besorgniß des Geliebten zu verscheuchen. und innig drückte sie ihm die Hand. Martin", fuhr sie mit Wärme fort: keine Macht der Erde soll mich zumWan ken bringen, und treulich will ich halten. was ich Dir gelobt". Aber Leni, herziges Kind, glaubst Du denn, daß Steffens sich auch ruhig ab weisen und auf seine, von Deinem Vaier so recht begünstigten Ansprüche verzichten wird V frug Martin immer noch im Tone bangen Zweifels. Ei, was ichui's, wenn er auf die Gunst meines Vaters pochen sollte?- lächelte Leni;- sieh doch, sein eitles Gaukelspiel kann mich nicht blenden, und die Gewalt des Vaters ? Martin, lehrts uns bisher nicht die Erfahrung, daß sie den Widerstand der Tochter stärkt?" Du bist so stolz und kühn, Leni, , möchte Dich der Himmel für Deilie Liei segnen. Ich bin zu schwach. Dir zu ve, gelten, wie's Dein gutes Herz bei dient." Peter Scharffenbergs Stimme ließ siH vernehmen. Leni folgte seinem Ruf,. Einige Augenblicke später betrat Marti? grüßend die Schoppenstube) und nahm il der gewohnten Ecke Platz. Er vermißt Herrn Steffens unter den zahlreichen An wesenden. Sein Blick heiterte sich auf be dem Gedanken, daß Leni ihm treu bleibe und der stolze Kaufherr eine unausbleib liche Niederlage erleben werde. Aber was dann, wenn Peter Scharffen berg cs auj's Aeußerste treiben und sein Drohung zur Wahrheit machen wollte, und wenn Leni allenStürmen trotzen, ihm treu zu bleiben, lieber den Zorn des Va lers uver neu ergeben la en wurde: was dann ? Mußte er sich nicht dann als Ur Heber des Unglücks betrachten, in welches Leni hineingestoßen wurde ? Unter solchen und ähnlichen Gedanken hatte Martin noch nicht eine ganzeStunde im Schoppenstüble geseffen, als HerrStef fens mit zur Schau getragener Bestürzun, hereintrat und suchenden Blickes das Zim mer durchforschte. Kaum entdeckte sein kalt blickendes Auge Martin in der beschei' denen Ecke, als er zurück nach der Thüre stürzte und diese hcstig aufreißend, hinaus in den Flur rief : Herein Ihr Männer, jetzt soll uns der Dieb schon nicht entkommen". Zwei bewaffnete Amtspersonen folgten diesem Rufe und dem Winke Steffens, der Martin gegenüber trat. Unieliger Mensch, tyo habt Ihr die Brillanten, dieJhr aus meinem Armbande entwendet und durch falsche unächteScher ben zu ersetzen Euch erkühntet?" schrie Steffens wild, und versuchte Martin bei der Brust zu fassen. Martin stieß den Wüthenden zurück, daß er zwischen die Stühle taumelte, dann erklärte er mit sicherer Stimme, daß ihm das was ihn durch den wildgreifenden Steffens zur Last gelegt werde, niemals in den Sinn kommen könne. Das fragliche Armband ircge allerdings unter den ächten auch vier falscheSteine, das habe er gestern Abend, als er damit beschäftigt gewesen, gesehen und möchte sichHerrSteffens nur dort erkundigen, wo er es gekaust habe. ,'Entsetzlicher Lügner", kreischte Steffens mit heiserer Stimme, Meister Spölling selbst bestätigte mir, daß nur. ächte Steine auf dem Armband sich befunden haben. Das Gericht wird Euch schon zum Geständniß Eurer Dieberei bringen. Schafft den Burschen in sicheren Gewahr sam", herrschte Steffens den Amtsbütteln
zu und in wenigen Augenblicken warMar
tin der sich das Zeugniß einiger Anwe enden für die ihm widerfahrenen Beleidigungen erbat, was ihm auch gern zugesagt wurde mit Handschellen belastet. Um sonst bat er noch, man möge schleunigst zu Meister Spölling schicken, damit durch dessen Ausspruch sofort seine Unschuld be stätigt und ihm die zugedachte Schmach des Gefängniffes erspart bleiben möchte, umsonst, Martin mußte der Aufforderung, nch zu erheben, Folge leisten. Einige Momente genügten und unter den rohen Verwünschungen der Häscher ' war er aus dem Schiffhause nach dem Gesängniß ab gefuhrt. . Mit einem durchdringenden Ausschrei des Entsetzens war Leni zu Boden gesun ken. Sie hatte vergebens Herrn Steffens betheuert, daß Martin des ihm zur Last gelegten Verbrechens ganz gewiß nicht schuldig sei. Frau Kathrine hatte das Getöse der streitenden Männerstimmen vernommen und war die Stiege herabge eilt. Zitternd vor Schrecken erblickte sie Leni, die leblos ihr entgegen und hinaus in das Wohnzimmer getragen wurde. Dieser unheimliche Fremdling bringt UNs UM unsre Ehr' und unser einzig'S Kind", knirschte Peter Schalffenberg, .er hat unsere Leni verblendet, daß sie jetzt den ttwiesenen Dieb noch zu vertheidigen sich nicht schämt. Jetzt kannst Du stolz sein, wenn sich's die Dirnen am Marktbrunnen laut zulachen, daß der reichen Scharffen bcrgin Tochter eines grundverdorbenen Mannsbildes Zuhälterin ist". O du barmherziger Himmel, will mir's doch mein armesHerz zerreißen", jammerte Frau Kathrine und rang trostlos die Hände. Traurig wankte sie hinter den Männern, welche Leni trugen, die Treppe hinauf. Heir Steffens, tröstende Worte machend, folgte ihr. Allgemeine Bestürzung hatte sich der ehrbaren Väter in der Schoppenstube be mächtigt; fragend stauten sie einader an und als Herr Steffens zurückkehrte, wurde er von allen Seiten um Aufklärung be stürmt. Mit großer Entrüstung erzählte er, daß ihm von einem, b:i Meister Spöl ling zur Gravirung abgegebenen Armband dessen edles Gestein vom Meister genau besichtigt und als ächt bezeichnet worden, durch diesen, von ihm doch schon lange als verdächtig bezeichneten Burschen, der die Gravirung besorgt habe, vier Brillanten ausgebrochen, und dafür unächte Steine eingesetzt worden seien. Niemand mochte sogleich den leisesten Zweifel gegen diese schwere Beschuldigung erheben, zumal Steffens versicherte, Mei ster Spölling sei selbst ganz außer sich und wiffe zu Gunsten seines Gehilfen keine Er klärung über den Verbleib der ächten Steine zu geben. Ich habe es damals ja gleich gesagt nach demBrande des Nach barhauses drüben und die Herren wer den es bestätigen können daß wir noch Manches von dem verdächtigen Burschen erleben könnten. Wer hätte aber geglaubt, daß dieser Mensch mich zuerst benachthei ligen würde", schloß Steffens. Dann ging er wieder hinauf nach Scharffenbergs Wohnzimmer, wo Leni noch lag ; er wollte sich überzeugen, ob sie sich vielleicht wieder
vollständig erholt habe. Während nun die Gäste ihre Verwunderung aussprachen. Einzelne noch eine glückliche Lösung dieser unentwirrbaren Frage für möglich hielten, ja sogar wünschte??, ergingen sich Andere in Lobeserhebungen über die scharfe Ur theilskraft des Herrn Steffens, da cr es doch auf Grund seiner Wahrnehmungen vorausgesagt habe, daß es mit Martin ganz gewiß noch ein böses Ende nehmen müsse während dieser Zeit war Herr Steffens an Lenins Lager getreten. Er Krsicherte der weinenden Frau Kathrine 'eine innigste Theilnahme, schilderte in Zurzen Umriffen den Hergang der Sache lnd die Gefahren, die eines so gottlosen NenschenNähe für jedes redlicheMenschen tind in sich berge. Unter Beihilfe der stil in, regsamen Magd war Leni wieder in'3 lare Bewußtsein zurückgerufen worden, ls sie die Augen aufgeschlagen, und Stef f?ns nicht gewahrend, ängstlich nm sich klickte, flüsterte sie leise : ! Dem Himmel Dank, daß er fort ist". i Steffens trat näher heran : O wel Hcs Glück liegt für mich in diesen Worten ausgesprochen theuerstes Wesen. Euer zirtlichcs Flüstern beseligt mich und daß Ar, heilig geliebte Leni, Euren Sinn.ge ätdert, den schlimmen .Menschen voN Euch g'stoßen, läßt mich den Aufgang meines glten Sternes hoffen", begann der blaffe Kmfherr, und sich zärtlich verneigend, er fcrzte er Lenins Hand, sie zum Munde zu fchren. 'Hinweg Unheimlicher", rief Leni er schreckt und raffte sich empor. ! (Fortsetzung folgt.)
