Indiana Tribüne, Volume 2, Number 49, Indianapolis, Marion County, 17 July 1880 — Page 1

Jahrgang 2 No. 49.

Lausende No. 101. Indianapolis, Indiana, Samstag, den 17. Zlitt 1880.

Zeiten - Strom. Von Dr. L. Büchner. Schleichend treibt ein .Strom bisweilen Zwischen seichten UferRändern Seine kaum bewegten Wogen Langsam hin nach fernen Ländern. Stille scheint er oft zu stehen Oder rückwärts gar zu wälzen Seine Wasser, bis ein Bette Ihn umpfängt don engen Felsen. Dann erbeben seine Ufer Von der Wucht deö jähen Falles, Der in ungesäumter Eile Stürzt die Schranken jede Walle. Unö was eben noch so trage Schien und gänzlich ohne Leben, Siehst Du jetzt mit Riesenkrästen . ' Nach der Ferne muthig streben. Drum verzweifelt nicht, ihr Freunde, Wenn in diesen trüben Togen Sure Herzen nicht mehr wollen Dieser Stille Qual ertragen. Denn die Tage werden kommen. Wo sich, spottend aller Bande, Wälzen wird der Strom der Zeiten Schnell und schneller durch die Lande. Spielend wird er dann zersprengen Faulen Diplomaten.Frieden ! Keiner Priester Anatheme Werden ihm ein Halt gebieten ! Und das Herz des freien ManneS Wird von allen seinen Wunden, Welche ihm die Zeit geschlagen. Schneller, als die Zeit gesunden!.

Die gemeinsame Erziehung Geschlechter. der Bekanntlich hat bei der dieser Tage ab gehaltenen Jahresversammlung der Leh rer von Neu England in Saratoqa, Herr John D. Philbrick sich gegen die gemeinsame Erziehung der Geschlechter ausgesprochen. Er hat dieselbe sogar als ein Verbrechen gegen die Humanität be zeichnet ohne indeß genügende Beweise für dieGründe seinerBehauptung auszustellen, Die N. N. V. Ztg." meint, daß die Sache wichtig genug sei, um sie näher zu beleuchten und wir schließen uns dieserZln sicht an. . Sie kritisirt vortrefflich die verkehrte Auffassungsweise, welche die Gegner der gemeinsamen Erziehung beiderGeschlechter von derselben haben, indem sie unter I Anderm sagt : n den Ner 5?tten. wa die Mädcken durchweg (wenigstens die angloamerikani scken länaer in die Sckule eben als die Knaben, kam man zuerst auf den Gedan ken, auch die erwachsenden und schon er wachsenen Mädchen mit den 14 20jähri gen Burschen m denselben Klagen zu unterrichten und war der Beweggrund hierzu die Kostenersparniß, weil es zu tbeuer gewesen wäre, für die Geschlechter gesonderte Grammer und Hochschulen zu erhalten. Die Erfahrungen, welche man mit dkser gemeinsamen Erziehung machte, waren befriedigend. Die Mädchen lern ten mehr, wenn sie mit den jungen Bur schen in allen Fächern wetteifern konnten, und die letzteren zeigten em anständigeres Benehmen und bessere Zucht, weil sie sich vor den Mädchen in Acht nahmen. Nach theilige Folgen wurden weder in gesund beitlicker. noch in sittlicher Hinsicht be merkt. Die Lehrer, welche solche gemischte Klassen unterrichteten, hatten keine Kla gen, sondern sprachen sich vielmehr auf allen Lehrerversammlungen beifällig über die gemeinsameErziehung aus. Was war natürlicher, als daß, wenn in der Familie beide Geschlechter neben einander ausmach sen, dies in der Schule ohne Schaden ge Ichehen sollte? Einzelne Aerzte eiferten zwar dagegen, indem sie die gemeinsame Erziehung für die Gesundhett der Damen gefährlich erklärten; aber die Lehrer widersprachen ihnen. Herr Philbrick, der 20 Jahre lang in Boston Schulsuperin tendent gewesen ist und einen Weltruf als Pädagog hat, ist in der That wohl der erste angesehene' Lehrer, welcher in den Warnungsruf jener Aerzte einstimmt.

Aber er selbst hat in der Sache keine eigene

Erfahrung, denn in' den öffentlichen Schu len Boston's sind die Geschlechter stets getrennt gewesen. Bekanntlich hat die FrauenrechtZbewe gung sich der gemeinsamen Erziehung an genommen, zum Zwecke, daß die Frauen eine gleich gute Befähigung zu höheren Berufen erhalten und die Rechte lhres Geschlechts besser vertreten möchten. Sie suchten Mädchen in die ärztlichen und an deren.Colleges und Universitäten Zulatz zu verschaffen, anfangs vergebens; oder wo sie ihn erhielten, wurden die Mädchen von den männlichen Studenten flegelhaft behandelt. Darauf gründeten die Frauenrechtler besondere wissenschaftliche Hoch schulen für Frauen, von denen Vassar College bei Poughkeepsie die berühmteste ist. Erst neuerdings haben einige der angesehensten Colleges und Universitäten die Frauen gleichberechtigt zugelassen (zu erst die Michigan Staatsuniversität) Da gegen haben eine Anzahl privater und Sektenhochschulen die gemeinsame Erziehung seit Jahrzehnten eingeführt und ihre Vorsteher und Lehrer sind beredte Vertheidiger der Maßregel. Gestehen wir es jedoch immerhin zu, daß die Gesundheit der Frauen bei dieser ge meinsamen Erziehung hier und da gelitten hat. Die Frauen sind eben gewissenhafter als die Männer'. Der Wetteifer zwischen den Geschlechtern um geistige Auszeich nung bewegt sie leichter als diese zur Ueberspannung der Kräfte, welche sich dura) Nervenschwäche, wo nicht gar durch Epllepste oder Auszehrung rächt. Diese bedauernswerthen Opfer eines Kampfes um Frauengleichberechtigung werden aber rein' unnöthig gebracht. Sie sind die Folge einer u'npädagogischen Erzieh'uns weise, unter welcher die männlichen Stu denten ebenfalls leiden, wenn schon wenr ger an ihrer Gesundheit, weil sie weniger gewissenhaft sind, weniger angestrengt arbeiten. Es gilt von allen unseren höheren Bil dungsanstalten daß sie zu hohe Anforde rungen an das Gedächtniß und zu geringe an die übrigen Geistesthätigkeiten machen. also den Nürnberger Trichter" anwen den. Sie überbürden den Geist mit un nöthigen Studien (wie z. B. Latein und Griechisch, vaterländische und Religions Geschichte, Glaubenssätze.' höhere Mathe motik, gramatische Spitzfindigkeiten, zu viel Literaturgeschichte :c. :c.), welche sie 4. . . n t a rr Zeoem auinoiyigen, anian ixe vios V5in Inen als Fachstudien zuzumuthen. Sie suchen nicht die geistigen Kräfte in dem selben Maße zu stärken, wie der Lernstoff anwächst. Sie lassen mehr aus Büchern auswendig lernen, anstatt daß sie durch Experimente und hausige Sinnesbeobach tung dem Verständniß und Gedächtniß zu Hülse kämen... Sie behandeln den Men schengeist wie einen Darm, welcher bis zum Platzen vollgestopft werden soll, um eine prachtvolle Wurst zu bilden. Sie verwüsten außerdem eine Menge Zeit mit betrügerischer Schaustellung von glänzenden. Leistungen, welche vorher eingepaukt wojden sind. Kurz, es fehlt gerade m denhöheren und höchjten Lehranstalten I . ni! r f n an wer paoagoglscyen IM!!. Gegen diesen Mißbrauch scheint Herr Phubrick zu eifern, weil eben die Frauen naturgemäß am meisten darunter leiden. Und insoweit aeben wir ihm Recht. Aber dieses Chinesenthum verdirbt uns auch die Erziehung der Männer. Nicht gegen die gemeinsame Erziehung, sondern gegen die schlechte Scheinerziehung überhaupt hätte er eifern sollen. Und er hat dies ge naueren Berichten zufolge auch vor zugsweise gethan. Bekanntmachung deö Nationalen Neunen irncrttanndictt ncnrcr m. m rii m Seminars zu Milwaukee, Wiö. DaS Nationale deutsch'ämerikanische Lehrer-Seminar" beginnt am Montag, den 6. September d. I. seinen drittenCur suS. Die Unterzeichneten fordern hier durch diejenigen Personen, welche sich dem LehrerBerufe wldmen wollen, auf, lhre

Anmeldung bis zum 13. August.d. I. an

den uuterzeichneten, Director. einzusenden und folgende zwei Schriftstücke beizulegen : 1. eine selbstständig angefertigte Beschreibung des eigenen Lebens- und Bildungsganges und ... , 2. ein ärztliches Zeugniß über den Ge sundheitszustand des Applikanten. Der Unterricht wird den Zöglingen unentgeltlich ertheilt. Gut vorbereiteten Candidaten ist gestattet, behufs Abkürzung ihrerStudienzeit (von drei auf zwei Jahre) die Ausnahme-Prüfung für die zweite Klasse zu machen. Es ist Vorsorge getroffen worden, dab gute und billige Quartiere in genügender Anzahl vorhanden sind. Unbemittelten Candidaten kann Beistand geleistet wer den. Ueber die Aufnahme Bedingungen :c. Auskunft zu ertheilen, ist der Direktor be reit. . . Albert Klamroth, Präsident des V.erw..Rathes New York. I. Keller, Director, : 643 Broadway, Milwaukee, Wis. AuS dem Reich der Gottesfurcht ' und frommen Sitte. Aus Berliner Zeitungen erfährt man. daß in Berlin gegen 185,000 Auspfändun gen in einem Jahr nöthig waren. Das liest sich ganz ruhig und doch birgt sich hinter' dieser Zahl ein entsetzlicher Ab gründ. Jede Auspfändung ist ein Un glück für sich allein. 'Wen sie zum ersten Male trifft, den erschüttert sie bis in'S innerste Mark, denn sein Heim, sein Ob dach ist ihm zerstört. Die Stätte, wo er nach des Tages Last und Sorge ausruhte, wo er sich sicher sühlte,is! erbröchen ; daS Sopha, auf dem er :triit seinen Kindern spielte, ist gesiegelt; die Uhr, welche er sich in guten Zeiten erspart, ist ihm von fremder Hand, entführt, und für einen Spottpreis öffentlich verkauft. Und doch ist der Verlust der Lieblingssachen noch nicht das Herbste. Weit schmerzlicher, geradezu vernichtend ist die plötzliche Gewißheit, daß der Ge psändete zahlungsunsähig ist. Er ist an den Rand der Elends angelangt, seine Sorgen sind zur Wahrheit geworden, und er findet keine Hand, die ihn zurückführt. Leute, welche der Pfändung auch nur ein mal anheim gefallen sind, arbeiten sich nur selten wieder in die Höhe. In den meisten Fallen ist ihr Muth, ihre Arbeits last, ihr Credit gebrochen. Es sind rui nirte Eristenzen, welche sich. und Anderen zur Last werden. Und solche Pfändungen kommen aus Berlin allein Jahr für Jahr 185.000! Wohl trifft es manche leichtsin nige und böswillige Menschen, aber es trifft selten den Einzelnen allein, sondern meist eine ganze Familie. Die 1,100,000 Einwohner Berlins leben in circa 400,000 Haushaltungen. Man kann daher anneh men, daß. fast die Hälfte der Haushaltunl gen jährlich von der Psändung betroffen wird. Das sind fürchterliche Zustände in der deutschen Reichshauststadt und- die deutschen Reichsverehrer würden gut daran thun, den (gründen dieser mißlichen Ver haltnlsse genauer nachzusorschen. Verletzungen im Berufe. Dte Ausmerksamkelt, o:e man jetzt, wo eine Schärsung undErweiterung des Haft' pflichtgesetzeS dringend gefordert wird, den Zahlen zuzuwenden .hat, - welche die Ge fährlichkeit der gewerblichen Arbeit dar stellen, macht einige Angaben interessant, auf welche der bekannte Gewerbihygieniker Dr. Hirt in seinem bei Fred. Hirt & Sohn in Leipzig 1879 erschienenen Buch : Ar beiterschud :c. hinweist. Danach sind 59 aller überhaupt unter werkthätigen Men schen beobachteten Verletzungen Berufsver letzungen. Von 66,146 in Preußen in den Jahren 1869 1876 constatirten Verletz. ungen -gehörten 39,174 zu dieser Categorie.I Man darf annehmen, daß schon auf vier an inneren Erkrankungen leidende Arbeiter ein in seinem Berufe Verletzter kommt.' Von den bekannt gewordenen Verletzungen

verliefen jährlich 80-90 tödtlich. Im

Jahre sind nach Dr. Hirt unter normalen Verhaltnissen auf je 1000 Beschäftigte .2 tödtlich Verletzte zu rechnen. Von den Verletzten sind 70 pCt. Männer und .30 pCt. Frauen, davon Erwachsene 50 auf 100, 40 junge Personen und 10 Kinder, während doch nur etwa 4 Kinder von. 12 14 Jahren auf 100 überhaupt Beschäftigte kommen. Im jugendlichen Alter bis zu 48 Jahre überwiegt bedeutend das weib liche Geschlecht. Neue Anzeigen. Der achtb. amz gegenwärtig Sekretär deö Innern, . wird am 7 ' Dienstag, den 20. Juli Mcuds 8 Uhr im ' - - igwmw' über die politischen Tagessragen sprechendAlle Bürger sind dazu freundlichstein geladen. - Das Comite. Germania Hheater Nord-West Ecke Market und Noble Str. ): Unternehmer. .. . . . . , . , .t. . ... ... Ebrifi.H,Steln, Sonntag, den 18. IM Auf allgemeines Verlangen ; ' D e V M.ostNlliin von, Müncheberg. Vj Posse, mit 'Gesang und Tan, in 5 Bildern., von Linderer. Musik von N. mau , i ' . , ';. k ' - i.i. v. ,.-. , Donnersta g, den 22. Juli: -..jl Benefiz für Elise Stein.- f Caffenöffnung 7 Uhr. , - ; Anfang 8 Uhr. Eintritt 25 Cents. - V Reservirte Sihe- 35 Cents. , - Kinder 10 Cents. 4 ES Die Wagen der Noblestraße und Massachusetts Avenue Eisenbahn laufen bi i)UHr.' ' GroßeS -:;:v ' SommcrnaWstst , ,. ... des . Unabhanffigen : Nnterstützungs - Vereins No. 1 Deutscher Frauen - " 'abgehalten am - - V Donnerstag, den 19. Juli im BolLsgarten. I Eintritt 15 Cents Person. . ; Große Exkursion! über Madison, von da mit dem prachtvollen Vampser iirw iiaiicxo8 nach &amfiaQ, den 7. August 1880 unter den Auspicien des Indianapolis Soc. Turnvereins zum Turnfest des - Indiana Tnrnbezirks abgehalten in Louisville, den 7., 8. und 9. Au. gust 1830. Der Turnverein wird Alles aufbieten dieFahrt allen Theilnehmern so angenehm wie möglich zu machen. Für Unterhaltung und Erfrischungen auf dem Boote ist gesorgt. Tickets für die Hin. und Rückfahrt (inclusive Fahrt und Tanzen auf den Dampfer) nach Xoni&rrillo $S.5O Madison $2.OO. Alle Ticket sind für 8 Tage gültig. Tickets sind bei den Mitgliedern des Vereins sowie am Union Depot zu haben. Abfahrt 7 Uhr Morgens. Wegen Näherem, erkundige man sich bei H. Lieber &o., Clemens Vonnegnt und Circle Park H,tl.

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