Indiana Tribüne, Volume 2, Number 48, Indianapolis, Marion County, 10 July 1880 — Page 6

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Des " ' Weinwirths Töchterlein. Onginalerzählung den Nich. Bachmann.

V . (Fortsetzung.) : . Schon am ersten Tage nach demBrand. Unglück, wahrend Martm immer noch bebewußtlos in Fieberhitze lag, äußerte Herr Steffens in der Schoppenstube des Schiff Hauses : ' 2Bnn der schwarzäugige SachS nicht mit geheimen Mächten ein BündniK hätte und somit gegen die Flammen geseit wäre, könnte er derartige Künststücke gar nicht in Ausführung bringen. Er würde sich vielmehr, wie jeder Andere sein gehütet haben. durchS Feuer zu lausen". - Und was der weitgereiste Her? Steffens sagte, mußte schon wahr sein. Wußten sich doch die ehrbaren Väter hinter ihren Schoppen gar grausige Geschichten auö der Vergangenheit zu erzählen,, nach welchen bei diesem oder jenem Brande hier und in der Umgegend, ein alter, draußen auf einem einsamen Gehöfte wohnender Scharfrichter die Gewalt beseffen habe, da3 Feuer zu bannen .und' zwar schon nach dreimaligem Umkreisen der Unglücksstätte. Welche Zauberformeln er dabei zu sprechen gehabt, davon hätte er keinem Menschen etwas verrathen.' ' " " Daß solchen, in einer traurigen Unttrissenheit begründeten Manupalationen, wie der des Feuerbannens, niemals auch nur ein Atom deS Erfolges nachzuweisen war daran dachten die Leute nicht ' im Mmde--sten und die Behauptung, daß eS beider gleichen Sachen niemals mit rechten Din gen zugegangen sei, war' unstreitig viel bequemer.' Selbstredend mußte derjenige, welcher mit solchen unsinnigen Verdächtlgungen in das Gerede der Leute gerieth, nicht wenig darunter leiden. Man mied am liebsten jeglichen Verkehr mit ihm und gingdem,mit so unheimlichenKünstenBcfä' higten, aus demWege, wo es sich nur thun ließ. Man fürchtete dessen sagenhafte Ge walt, mittelst welcher er seinenMitmenschen allerlei Unheil zuzufügen im Stande sein sollte, so daß der Unglückliche bald inne werden mußte, daß seines Bleibens nicht länger sein durste in der hegend, wo man ihn kannte; wollte er sich nicht den Unbll den des abergläubischen Volkes aussetzen oder am Ende gar noch einen gefährlichen Vrozcß zuziehen. Daß Martin baldig Entfernung das Ziel des Herrn Steffens war, ahnte freilich Niemand, wenn wir Leni, die trauerndeTochter desSchiffhaus wirtbes.' nicht mit zu den gläubigen Nach betern des blaffen heimtückischen Kausherrn zählen. Letzterer brachte seine Ansichten übe? Martin schon wiederholt zu Gehör, als sei er gänzlich von dem Ereigniß er griffen. Er that dies aber nur. um Leni, die seit einiger Zeit Ohrenzeuge dieses Gespräches war, gefliffentllch emzuschuch tern und ihre glühende Neigung sür den Begünstigten zu untergraben. Lern gmg es wie ein Stich in' wunde Herz, als sie die schnöden, aus daö Haupt deS geliebten Mannes geladenen Verdächtigungen ve? nahm. " Gleichviel, welche Verwandtniß es mit den vielfältig citirtenZaubergeschtchten haben mochte, Leni wußte, daßMartin kein Geheimniß bewahrte. - Sie hatte S noch niemals über sich gewinnen können, derar tigen Erzählungen Glauben beijumeffen und hier in diesem Fälle lagen die Absich ten deS neidischen Steffens so. klar ' und unverhüllt vor ihrem Auge, daß ihre Liebe zu dem hochherzigen Jüngling in gleichem Maße sich steigerte, wie . die Verachiung gegen Steffens. Und d5 DetfdbOnit einem beobachtenden Blick auf Leni die Behauptung gewagt, ein anderer Mensch würde auS dem brennenden Haufe gar nicht wieder herausgekommen .sein, wie dies dem 'schwarzäugigen Sachs gelungen sei, der allabendlich immer so schweigsam dort in jener Fensterecke : gehockt habe, . da konnte Leni ihre Ruhe nicht länger mehr bewahren.' Eine marmorne Bläffe lagerte sich über , die schönen Zuge, krampfhaft zuckten die Mundwinkel, , und obwohl, sie den Zorn ihres Vaters, dessen Gesicht sie flüchtig beobachtete, zu erregen fürchtete, folgte Leni doch dem. Dränge ihres schwer gekränkten Herzens und mit kalter, schnei diger Stimme sagte sie : ;. Herr Steffens, mich will es doch bedürfen, als wenn Ihr wider Eurer Ueberzeu. gung sprächt. Meines Wiffens und es ist ja vorhin von Euch selbst erzählt wor den habt Ihr durch die thatsächliche Aüssetzung einer hohen Belohnung erst dazu aufgefordert, es möchte sich Jemand

hinaus in daS brennende Gebäude wagen, damit die arme Fränzi noch gerettet werde, wie Herr Martin schon deren Großmutter einige Augenblicke zuvor dem sicherenTode entriffen hatte. - - ' " Wäret Ihr, Herr Steffens, nun aber der Meinung gewesen,"daß kein Mensch die von Euch gewünschte' Rettuna ''mehr wagen könnte, ohne .selbst da Leben dabei einzubüßen, was sollte Eure PreiSverhei ßung. Eure Börse da sonst gewesen sein, älS ein Lockmittel, noch einen. Menschen in den, von Euch alS sicher erkannten Tod zu Hetzen ? . DaS werdet Ihr freilich in Abrede stellenund ich mag die schon auch selbst gar nicht glauben, aberHerrSteffenS, was veranlaßt Euch denn, jenen hochherzigen Mann zu'erdächtigen? JenenMann) der unter Hunderten allein CS wagte, sein Leben daran zu setzen, um das eineS Anderen zu retten. ' Und als er die rühmliche That glücklich vollbracht, auch noch sich weigerte, die ihm zugedachte Belohnung anzunehmen, - sondern die kleine Fränzi in Vorschlag brachte." - Herr Steffens", fuhr Leni fort und ihre Stimme klang dabei so seltsam scharf, muß es zum mindesten nicht sehr eigen

thümlich erscheinen, ' daß' Ihr' heute einen Menschen ' geringschätzig beurtheilt und verdächtigt,' den Ihr gestern vor der 0es fentlichkeit Eurer Anerkennung und Be lohnung würdig fandet?!" . Leni wollte noch mehr fagen, allein fr suhlte sich bereits so ergriffen und aufge. regt, daß sie fürchtete, nicht Herr ihres ge rechten Zornes bleiben zu können.' - Mi einem vielsagenden Blick -wendete sie ih Gesicht ab, zitternd ' sank sie auf einen Stuhl und die in der Entrüstung leich ausgeworfenen Lippen preßte 'sie fest zu sammen ' ' - r--':-A ' - . Es war eigenthümlich -mit ' anzusehen wie die ehrbaren Väter einande? verdutz anblinzelten. v Ihre Weisheit hatte einen argen Stoß erlitten und noch dazu pon einer' Seite, daß der Schlag um so beschä mender wirken mußte. ' - So entschieden hatten sie Leni noch nich sprechen hören, und daß deS SchiffhauS Wirthes Töchterlein gerade den vermeintli chen Verlobten, Herrn Steffens, mit so kritischer Rede in die Enge etrieben, über raschte um so mehr. ' Eine außergewöhnlicheStille war einge treten, als Leni ihre tiesbewegte Stimme erhobene und jetzt, nachdem sie geendet herrschte ihr Peter Scharffenberg in mehr verwundertem ' als - gebieterischem Tone ein : -,Na Leni ? !" zu und schaute verlegen aus Herrn Steffens. Die übrigen Herren richteten ebenfalls erwartungsvoll ihr Au genmerk auf diesen. Während einige be 'denklich mit dem i?opfe schüttelten und sich zu einem bedächtigen Hm" ermannten. sammelte sich Herr Steffens zu einer ge bührenden Vertheidigung auf den ihm widerfahrenen Angriff. , Mit , erzwunge nem Lächeln versetzte er : Schaut doch, Ihr Herren, wie mein Kerniges Lenchen mir den. Text. zu lesen versucht, beinahe möcht' ich's schon glauben. daß ihr's der sonderbare SachS mit seinen geheimen Künsten angethan, hätte und wenn mich in Zukunft die Eifersucht ein wenig plagt, fo hab' ich es nur ihren jetzi gen Worten zuzuschreiben. Aber mein holdeS Lenchen". und dabei wendete er sich mit seinem Gesichte nach Leni, nun auch eine Antwort 'auf die an mich gerichteten Fragen. Daß Martin es schon fertig ge bracht, Frönzi'S Großmutter, die alte Steinmännin, aus den' Gluthen heraus zuholen, erregte fchon meinen Verdacht und ließ mich an derlei Künste, über die jetzund hier Rede geflogen worden, glau den. Ich wollte mir Gewißheit verschäf sen, und so traf es sich eigenthümlich ge nug, daß ich im selben Augenblicke'die kleine Fränzi entdeckte, wie sie hoch oben bilfefleber.d ihre Hände zum Fenster hin ausstreckte. Äun ifrS aber eine auSge machte Sache, dan Leute, dle dergleichen bedenkliche Künste treiben.' einen furchtbar ren Abscheu vor geweihten Münzen haben. Einen geweihten Marienthaler habe ich stets bei mir im Beutel stecken und wie, ich diesen dem fremdenBurschen entgegenhielt, wich er scheu, ich glaube gar entsetzt zu rück. Er trotzte auf - seine Kunst und er hat es uns ja bewiesen, was er damit fertig bringen kann. ' Als der Hexenmeister die kleine Fränzi unter'm Arme, herauskam' staunte Jedermann, und ich meine Probe, noch einmal anwendend, mußte es erleben. daß ich mich nicht irrte. ' Er warf mir einen Blick zu, den ich nimmer vergessen werde, ; und weigerte sich'ganz entschieden, meine Börse zunehmen, nicht einmal mit seiner Hand streifte er daran. Er hatte, gewiß die geweihte Münze schon von Wei

tem gewittert, und beeilte sich, auS meiner Nähe zu kommen. Ich glaube damit den vermeintlichen Widerspruch, in dem mich mein kritisches Lenchen zu erblicken wähnte, aufgeklärt zu haben. - 'Doch will ich nicht unterlassen, noch zu bemerken,- daß ich den Martin keineswegs verdächtigen will, man hat eben feine Meinung über gewiffe.DiN' ge, und wenn ich mich in diesem Falle nicht täusche, so werden wir vielleicht noch mehr von ihm erleben können." - Mit siegesgewiffem Lächeln schaute Herr SttffenS um sich. Beisällig nickten die Meisten, nur bei Einigen schien der von Leni dazwischen geworfene Funke ein Lichtchen deS Zweifels zum Glimmen ge bracht zu haben; doch wagten sie nicht älsobald ihre Bedenken laut werden zu lassen. Auf seine, an und für sich gleich, giltige Behauptung, daß er stets einen ge weihten Marienthaler bei sich trage, legte Herr Steffens hinlerlistiger Weise daS Häuptgewicht, und er erhärtete diese durch Vorzeigung' einer solchen Münze, welche

daS Gepräge des Marienbildes mit dem Jesuskinde trug. Für die Meisten war somit jeder Zweifel an der 'Glaubenswür oigkeit deS Gesagten beseitigt Leni halte weder die ihr widerliche Schmeichelei, noch die abergläubischen Deduktionen des HerrenSteffenS mit einer Silbe erwidert, oder zurückgewiesen, ob gleich einige Gäste dies erwartet ode? doch heimlich wünschen mochten. Jh? wurde das geräumige Lokal zu eng, die Lust zu schliöl, die Gegenwärt deö Mannes, von dem sie die feste - Ueberzeugung haben zu dürfen glaubte, daß er wider : besseres Wissen gesprochen, um Martin zu verder den,' nur die Stimme diese? Mannes noch länger hören'-zu müssen, urde ihr im höchsten Grade unerträglich. Gern hätte eS Leni vor den Anwesenden.bekannt, waS sie von "'dem' heuchlerischen 'Manne denke, der es-wagte einen schwer kran darniederliegenden Menschen zu verdächl tigen, und daß Steffens angebliche Mei nung nichts anderes sei, als eine niedrige Verleumdung, mittelst welcher er den ihm im Wege.Stehenden zu beseitigen gedenke. Sie wäre im Stande gewesrn, mit der glühendsten Beredsamkeit die Vorzüge Martins in den glühendsten Farben zu schildern, seinen biederen Sinn, seineHoch herzikgeit, Edelmuth und Hingebung zu rühmen, aber sie mußte schweigen. Schwei gen weil sie ihrem Vater sonst bis zurUn Versöhnlichkeit reizen würde und anderer falls schwieg sie. die Pläne desHerrn Stef fenS desto sicherer vereiteln zu können. Während dieser. feine Münze umher reichte und sich in den obscursten Erklar ungen über den ihr .angedichteten Werth erging, hatteLeni fast unbemerkt das Lokal verlassen. Sie ging hinauf ' nach ihrem Zimmer und weinte. Sie erhoffte eine Erleichterung ihres beklommenen, schwer gekränkten Herzens, wenn sie den mühsam zurückgehaltenen Thränen sreien Lauf ließ und sich fo recht ausweinen konnte. Sie fühlte sich unendlich unglücklich, daß ohn geachtet des Unwillens ihres Vaters, An dere es ungestraft wagen konnten, den Mann zu beschimpfen, sür welchen ihre Liebe mit einer unbegrenzten Hochachtung sich vereinigt hatte, seit jenen Stunden der Gefahr, in welchen Martm sich rühmlich hervorgethan.' Frau Kathrine schüttelte bekümmert ihr Haupt,- als sie' Leni wieder mit Thränen in den Augen erblickte. - Leni, Leni, wenn Du 'so fortfährst. nimmt'S kein gut Ende und Du bringst mich noch in groß Herzeleid," sagte sie. und ein schwerer Seufzer' entrang sich ih rer Vruii, ais eni, unwoy,em vor,azu tn ': fi : r tzend, leis .gute Nacht" hauchte und sich ungewöhnlich frühzeitig in ihr Bett be ' ' T s 1 : ' t i( , ' i . ' T , gab. ' - - j ' - Leni schlief indeffen nicht, aber ein heißer Thränenstrom ergoß sich aus ihren Augen und feuchtete daS Kiffen . in . welches sie schluchzend ihre SchmerzenSlaute begrub: Erst nach und nach fühlte sie sich leichter und nur die peinigende Ungewißheit über Martins fragwürdigenGefundheitszustand ließ sie des Kummers nicht völlig frei werden. ' ' ' ' ' Wenn. ihr nur Martin erhalten wurde. alle übrigen tzinderniffe, die der Erreicht ung ihres Zieles sich jetzt entgegen ge thürmt.ihoffte ! sie dagegen noch überwin. den zu können. ' Unter Sinnen und Grü? beln sür die Zukunft schloß ihr ein wohl thätiger Schlummer die müden Augen. Als am nächsten Tage Peter Schärftenberg seine gewohnte Siesta hielt,'i verließ Leni unter dem Vorwande, einige noth wendige Einkäufe besorgen zu -wollen, das chmhaus. Nachdem ne das Vorgege, bene auch bewirkt, lenkte sie ihre Schritte

nach jener, Straße, auf welcher Meister Spölling sein Geschäft seit nahezu einem Viertel Jahrhundert errichtet hatte. - Mit klopfendem Herzen betrat sie daSGeschäftslokal deS wohlbekannten Meister, der sich freundlichst nach dem Wunsche deS Früu.' leinS erkundigte. Leni hatte sich am gest rigen Abend eines Ringes erinnert, den sie ehemals von einem Pathen geschenkt er halten und der, weil gebrochen, längst in einem Kästchen aufbewahrt gelegen. Die sen brachte sie dem Meister Spölling zur Reparatur. Leni erzählte, wie sie schon Herrn Martin' den Ring habe' mitgeben wollen, allein es sei immer unterblieben, und nun da, 'wie ihr bekannt geworden, der brave 'Herr 'Martin in Folge seiner großen großen Anstrengungen krank liege, benütze sie-zugleich die Gelegenheit, sich nach dem Besinden desselben mitzuerkun. digen. ' ' Er war stets ein gern gesehener Gast meines Vaters", fügte Leni theilnehmend hinzu und besichtigte dabei die Schmucksa chen, welche in den, auf dem Lsdentisch stehenden Glaskasten zur Schau ausgelegt waren, damit Meister Spölling 'ihr nicht in das - erröthende Gesicht sehen konnte. Der alte Herr war in den letzten zwei Tagen schon oft befragt worden, deffen ohngeachtet gab er aber, immer gern Bescheid und freute sich der-Theilnahme, die seinem wackeren Gehilfen gewidmet wurde.! Aus führlich berichtete er über Martins Befinden. und .da zufällig 'deffen Wärterin auf einen Augenblicks herunterkam, so konnte LeniAlleS haarklein-erfahren, was sie über Martin zu wissen wünschte. Ein inzwi schen in das Verkaufslokal ' eingetretener Herr, welcher mit Meister Spölling einen Händel abzuschließen wünschte gab' die geeignete Veranlassung, daß Leni der Ein lädung der . redseligen Wärterin folgte, im Nebenstübchen noch ' "einige Minuten zu verweilen. : "Euren'Namen'.hät derMartin in seinen Fieberphäntasien'unzähligeMale genannt, aber auf Herrn Steffens' scheint er gar nicht gut zu sprechen zu sein. lZS ist doch seltsam, wie der befangene Geist eines fo schwer kranken Menschen sich äußert", sagte die Wärterinn Sie schien es nicht zu be merken, daß Leni bei dieser Nachricht tief erröthete. -' .'. Es ist heute mit ihm bedeutend beffer geworden, und er schläft jetzt recht ruhig", fuhr die,Frau fort, und wenn Ihr ihn unbemerkt sehen.wollt, so könnt Ihr dies schon haben, wenn Ihr jetzt mit herauf kommt. Ich darf nie lange ausbleiben, der Meister hat mir's heilig anbefohlen".

Leni's Erwartungen wurden durch diese Aufforderung noch übertroffen, und mit heimlicher Freude und klopfendem Herzen benützte sie die dargebotene Gelegenheit, den geliebten Mann sehen zu können. Sie zitterte in banger Erwartung, als sie die Treppe hinausstieg. Wehmüthig lächelnd. blieb ne unter der Thüre des kleinen Ge maches stehen und ihre Augen hafteten auf dem ahnungslos Schlummernden. Gern hätte sie ihm di- Hand innig gedrückt und wenn sie allein gewesen wäre, einen Kuß ihm unbewußt auf die Stirn gedrückt. Pfleget sein so gut, als Ihr es vermögt. er wird eS Euch vergelten", flüsterte Leni leis zu der Wärterin, dann trat sie rasch den Heimweg an, ersreut, daß sie Martin gesehen und von seiner Pflegerin gehört hatte, daß nach dem ärztlichen Gutachten eine Gesahr . für das Leben deS theuren Kranken kaum noch zu fürchten fei. Als Leni auf die Straße trat, ging Herr Steffens vorbei, der. freundlich grüßend herüber lächelte. Mit kaltem Blicke zwang Ne sich die Hofllchkelt zu erwidern und ellte der elterllchen Wohnung zu.- Daß Stef fens ihr auf diesem Wege begegnete der Zweck desselben konnte für ihn kein Geheimniß sein war dle Ursache einer nur augenblicklichen Verlegenheit, dann be trachtete sie diese Begegnung eher als einen wesentlichen Vortheil.' Mußte doch Herr Steffens die Ueberzeugung gewinnen, daß. trotz seiner an Martin geübten Vertbeidi gung, ihre Neigung zu diesem nicht erkaltet und vielleicht so hoffte Leni wird der bläffe Kaufherr selbst seine Bewerbungen als völlig aussichtslose aufgeben. ' 'In der kleinen Familie deS Schiffhauses ging es jetzt ziemlich einsilbig zu. Peter Scharffenberg vermied sorgfältig jede Ge legenheit, von-Martin zu sprechen. Sein Gerechtigkeitssinn. konnte ihn nur zu einem beifälligen Urtheil über den jungen Mann laut werden laffen und dieses hielt er,Leni in ihren Ansichten nicht noch mehr zu be 'tärken, wohlweislich zurück.-Ebensowenig er.griff'er das Wort zu. Gunsten der Werbung desHerrn Steffensdaner deffen per sönlichen Einfluß ,hoch geug schätzte, den

Gegner noch siegreich auS dem Felde schlagen zu können. Wenn diese fatale Geschichte mit dem Feuer nicht passirt wäre, müßte eS längst ganz anders kommen", murmelte zuweilen Peter Scharffenberg in sich hinein, und er urtheilte damit auch nicht so ganz unrichtig. Denn bei jenem Ereigniß hatte Martin ja Gelegenheiten gehabt, Sympathie zu erwerben, die im Allgemeinen nicht zu unterschätzen waren. Daß Leni, die ihre heimlichen Besuche in Meister SpöllingS HauS bereits mehrfach wiederholt hatte, jetzt mit mehr Fassung '.und Beruhigung auftrat, bemerkte Frau Kathrine,, nicht ohne Genugthuung zu finden für ihren unermüdlichen Eifer, durch welchen sie die Sinnesänderung der Tochter bewirkt zu haben glaubte. Eö war eine merkwürdige Charaktereigenthümlichkeit der guten Frau, daß sie glaubte, ihr Töchterlein in deffen mildem' Angesicht . schon eine gewisse Be ständigkeit ausgesprochen lag habe Martin bereits, oder doch nahezu aufgegeben, während sie selbst, der Regung ihres Herzens solgend, heimlich durch ihre verschwiegene Magd wiederholt kostbare Erfrischungen für Martin zu Meister Spölling geschickt hatte, und dies auch besonders fortsetzte, als der Zustand des Kranken ein weffentlich'beffereS war, und ihm den Genuß unterschiedlicher Lebensmittel erlaubte. So wenig wie Frau Kathrine eine Ahnung hatte'daß Leni ihren Geliebten fast einen Tag um den andern sah,' ,so sest lebte sie der Ueberzeugung, daß außer den direkt Betheiligten Niemand die Vermuthung haben könne, daß sie sich Marti.i dankbar zu zeigen bemüht war. : 1 Leni wußte natürlich sehr bald darum und sie beobachtete tiefes.Schweigen. Herr Steffens war für seinen Theil in deffen nicht ganz unthätig geblieben. Ihn konnte Leni's scharfe Entgegnung urd offenesParteiergreisen fürMurtin,an jenem Abende nicht so leicht irre machen, daß er das Ziel seinen Bestrebungen als sogleich unerreichbar hätte betrachten sollen. Er kam fast täglich in das SchiffhauS und zeigte sich gegen die Tochter des Hauses sehr zuvorkommend und aufmerksam. All ein alle die Anstrengungen, welche Herr Steffens machte, den Liebenswürdigen zu spielen, ließenLeni nur doppelt vorsichtiger werden. Sie fürchtete die kolteFreundlichkeit, das aalglatte Benehmen dieses Mannes nur noch mehr. Daß er, demWunsche Martins, von jenem Schreckensabende her, jetzt Rechnung getragen, und sein öffentlich gegebenes Wort, sich der kleinen Fränzi anzunehmen, eingelöst, schlug Leni nicht so

höch.an, als wie eS vielleicht von Vielen geschah. . Das vierzehnjährige Mädchen hatte mit ihrer Großmutter, unter ärmlichen Verhältnissen, allein in der Welt gestanden, und alö wenige Tage nach dem Brandunglück die alte Steinmännin, vom Schreck erkrankt, gestorben war, fand Herr Stef fens Gelegenheit feine verheißene Großmuth zu bestätigen. Er nahm Fränzi in fein Haus, wo sie der alten Wirthschafterin hilfreiche Hand leistete , und sich auch bald durch Fleiß und Dienstwilligkeit deren Zufriedenheit erwarb. Fränzi fühlte sich jedoch nie recht heimisch in dem vornehmen, in seiner Häuslichkeit von der übrigenWelt ganz abgeschlossenem Hause. Außer Herrn .Steffens, dessen Vater und der alten Wirthschaften (die eineVerwandte des Hausherrn) undFränzi lebte Niemand weiter in der Behausung deS reichen Kaufherrn, der geräuschlos ein ausgedehntes Geld- und Wechsclgeschäft trieb. Gesprochen wurde nur das Nöthigste und es schien, als wenn die Insassen deö düsteren, weitläufigen Gebäudes, sich schon bei Lebzeiten an die dumpfe Grabesruhe gewöhnen wollten. Nachdem Fränzi einmal mit großer Hochachtung von Martin gesprochen, und ihn alö.ihren. Lebensretter gepriesen, Herr Steffens sich aber energisch, verbeten, in seinem Hause von derartigen zweideutigen Personen zu reden,, war auch sie so mür risch ernst und schweigsam geworden, und nicht ohne Frucht begegnete sie dem jungen blassen Herrn Steffens, der sich neuerdings östers sehr mißlaunig zeigte. Die kleine Fränzi. die bei ihren Ausgangen von Leni schon östers befragt worden war, vermu thete nicht mit Unruhe, daß an der Ver stimmung deS, von der Welt . als ibren Wohlthäter betrachteten Herrn, vielleicht der braune Fremdling, der ihr Retter gewesen, also Herr Martin, diechuld trage. Der Letztere erfreute sich nach einem sechswöchentlichen Krankenlager der vollstän sten Genesung und hatte zur Freude des guten Meisters Spölling die Arbeit wieder aufnehmen können.

(Fortsetzung folgt.)

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