Indiana Tribüne, Volume 2, Number 46, Indianapolis, Marion County, 26 June 1880 — Page 6

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D c s Wenttvirths Töchterlein. Originalerzählung von Rich. Wachmann.

(Fortsetzung.) Zu einer Zeit, wo Meister Peter gewöhnlich allein zu sein pflegte, kam. cineS Tages Herr Steffens in das Schiffbaus, und nachdem er die kalten berechnenden Blicke ein wenig in süß freundliche umgewandelt, rückte er ohne Zaudern mit der Sprache heraus und hielt in aller Form um die Tochter des Schiffhauswirthes an. Obgleich es dem Kausherrn aus eigener Beobachtung nicht unbekannt war. . daß Lern mit besonderem Wohlgefallen ihr Augenmerk auf Martin gerichtet, und sich ihm schon heimlich versprochen hatte, hütete er sich gar wohl, auch nur ein Wörtchen darüber zu verlieren. Peter Scharfsenberg erblickte in dieser Werbung eine gerechte Würdigung seiner selbst und hatte füglich nichts dagegen einzuwenden. Von Leni hoffe er, daß sie gleichen Sinnes sei, doch überlaffe er.dies ganz der Courtoisie des Herrn Steffens, als er selbst bei dieser Gelegenheit bis zu einem gewisseit Grade sich in Passivität zu erhalten habe, bevor die Lösung dieser Frage in einer beide Theile zufriedenstellender Weise vor sich ginge." Dabei hatte Peter Scharffenberg in nicht' mißzuverstehender Art die Hand mi den Münzen klimpern laffen, die sich in seiner Geldtasche'befanden. Herr Steffens, in der Meinung, das Eisen schmieden zu muffen, weil es warm ist, beeilte sich denn auch sogleich,derJung fer Leni seine Auswartung zu machen und wiederholte, wenn auch in bedeutend an gemeffenerer Form, das Anliegen, welches ihn um diese Stunde in das Schiffhau s geführt. - Leni erschrack, als sie den blaffen Kauf Herrn in dasZimmer treten sab, in welchem sie sich mit ihrer Mutter allem befand Sie ahnte, was kommen würde. Waren ihr doch die in der Nachbarschaft coursi' renden Gerüchte nicht unbekannt geblieben Mit pochendem Herzen vernahm sie die Worte des Mannes, deffen Charakter ,h immer eine unheimliche Furcht einge flößt. . Leni sammelte sich ein wenig, und ent schloß sich in kurzen bündigen Worten zu erklären, daß sie bedauern muffe, niemals auf ein so glänzendes Anerbieten eingehen zu können. Und als Herr Steffens nur noch zudringlicher erschien, wies ihn Leni mit der Erklärung ab, daß sie ihre Hand bereits einem Mann versprochen, der ihr Herz schon lange gewonnen habe, und sich selbst treu zu bleiben, erachte sie als diejenige Aufgabe des Menschen, die in der Erfüllung die höchste Beseligung in sich berge. . . Mit kühnem Lächeln hatte Herr Stes fens die Ablehnung seines Antrages ent gegengenommen, und. sich bald darauf em pfohlen mitderBemerkung.daß er sich schon gedulden. wolle, weil er der Hoffnung sei, daß Leni jedenfalls einer anderenMeinung werden könne. Damit war aber diese Angelegenheit für Leni keineswegs auch nicht einmal als vor läufig erledigt zu betrachten, denn alö Veter Scharffenberg gehört, m- es um ihn, und seine Tochter bestellt sei, .wollte er schier auö der Haut fahren. Frau Kathrine hatte ihm gegenüber einen schweren schweren Stand zu behaupten, und der Hochausbrausende , Ehegemahl, der sein Weib der heimlichen Begünstigung bezich tiate. wollte sich durchaus nicht besänftigen lassen ; und wenn ich Leni nicht mehr als mein Fleisch und Blut betrachten dürfe, der fremde Gesell soll doch nimmermehr mein Eidam heißen", hatte er zornig geru sen und Mutter und Tochter ihrem Kum mer überlassen, in welchem wir sie noch zur Abendstunde, Eingang unserer Erzählung, zu belauschen die Gelegenheit hatten. - Durch einige Zeilen, die Leni mittelst eines Boten heimlich befördern ließ, war Martin schon des Tages über von den heutigen Ereignissen unterrichtet worden. Allein so peinlichund unangenehm ihn diese Nachricht berührte, konnte er es doch nicht über sich gewinnen, heute das Haus nicht zu betreten, in . welchem er seine unglückliche Leni daheim wußte. . Scheinbar . unbefangen. war. er in das Schankzimmer ' getreten und hatte seinen Platz an dem -kleinen Tische nahe dem Fenster eingenommen,' an welchem er ge wöhnlich zu sitzen pflegte.' ... . Peter Scharffenberg erwiderte heute'sei

nen Gruß nicht. Er . ließ ihn absichtlich eine Zeit lang unberücksichtigt. Vielleicht hatte der erzürnte Alte gehofft, daß sein Gebühren von den übrigen Anwesenden bemerkt, und er aufmerksam gemacht werden möchte, damit er Gelegenheit fände, die gefüllte Schale des Zornes über das Haupt Martins ergießen zu können. Doch vergebens, wenn Scharffenberg auch nicht, wie das Sprichwort sagt die Rechnung ohne den Wirth,'so fand er doch daß er, der Wirth, sie ohne die Gäste ge macht hatte und da sichs einmal nicht besser schickte, so entschloß er stch denn auch' dem mit dem heutigen 'Tage 'arg" vernehmen Martin einen Schoppen vorzusetzen. Martin bemerkte recht wohl, daß Leni's Vater gar giftige Blicke aus ihn schoß und die Lippen spöttisch aufzucken ließ, sobald er in seine Nähe kam. ' Der junge Mann aber schaute ihm unbefangen ins Gesicht, als sei er sich keines Umstandes bewußt, wodurch er den Zorn oder Unmuth Peter Scharffenbergs erweckt haben konnte. Der'offene Blick aus Martins ehrlichem Gesichte erwies sich als eine gute Waffe der Abwehr, wider welcheLeni's Bater an zukämpsen nicht den rechten Muth zu sin den schien. Nachdem sein Tischnachbar sich schon seit Längerem verabschiedet, verharrte Martin noch immer schweigend auf seinem Platze. Ihm war es, als könnte er gar nicht eher von bannen gehen, bevor er nicht die heißgeliebte Leni wenigstens auf einen Augenblick gesehen und gesprochen, sie ermuthigt hatte, nur getreulich auszu harren, es werde sich gewiß noch Alles zum Besten wenden lasten.' Er wünschte nichts sehnlicher, als daß sich die Herren aus der hohen Ehrbarkeit recht bald und alle zu gleich nach Haus begeben möchten, damit er nur noch aus ein Viertelstündchen mit Leni's Vater allein sein und den stolzen Schiffhauswirth mit herzgewinnenden Worten und Bitten um Lenins Hand oe stürmen könnte. Er hoffte den gestrengen Hausherrn mit Ausbietung'' all seiner Ve redsamkeit, wenn auch nicht allsogleich zu überwinden, so doch geneigt machen zu können und dann auf Leni's unwandel bare Liebe und Treue ließ sich eine ganze Welt der Glückseligkeit bauen glaubte er das Ziel aller seiner Wünsche gewiß zu erreichen. Während solchen lautlosen Be trachtungen legte Martin sich schon im Geiste die Worte zurecht, wie er sie in wohlgeformter und gewandter einbringn cher Rede an das väterliche Herz Peter Scharffenberg's richten wollte. Er hörte dann auch nicht minder imGeiste die harte, entschiedene Abweisung. Sogar kränkende Anspielungen, daß er ein herzugelaufener Fremdling sei, von d:mNiemand wisse, wie es eigentlich um ihn stehe, und daß er (Scharffenberg) es als eine Kühnheit sonder Gleichen betrachten müffe, daß Martin sich erdreiste! habe, um die reiche, vornehme Erbin des ehrbaren Schiffhauswirthes zu freien. Wie es überdies schon ein sträfli. ches Beginnen , gewesen sei, hinter seinem Rücken der guten Leni den Kops und das unerfahrene Herz zu beschwatzen. , Wenn Alles, was sich in diesen Augen blicken vor Martin's , geistigen Aug' und Ohr abspielte, in Wahrheit sich vollzogen hätte, wahrhaftig, stürmischer konnte ihm das Blut nicht durch die Adern jagen, lauter das Herz nicht klopfen, schneller die Gedanken nicht durch das erregte Hirn zu cken, als es eben geschah., Mit unwider stehlicher Beredsamkeit ausgerüstet, sah er sich dem 'widerspenstigen Alten gegenüber. Seine Argumente mußten den VaterLeni's besänstigen und nachgiebiger aus der.Un terredung hervorgehen, laffen. ... Ein befriedigtes Lächeln zuckte bereits um Mar tins Lippen, die von einem, schwarzen!

Bärtchen leicht beschattet wurden, seine Augen erglänzten in tief empfundener Freude da, wie aus einem lebhasten Traum plötzlich erwachend. daö Spiel seiner in sich versenkten ' SinneSthätigkeit war verschwunden. Wie der Stich eine Tarantel, so hatte ihn eine im Zimmer selbstgefällig stolz lachende Stimme e'm? porgeschreckt ; er wendete sich herum und überflog prüfenden Auges die lange Tafel, an der stch die ehrbaren Väter v?rsammelt hatten. Er sah in das blaffe neidische Gesicht des stolzen Herrn Steffens. Dieser hatte sich eben dort niedergelassen und bald erzählte er mit erheuchelter Freundlichkeit,' daß er in einer höchst wichtigen Angelegen heit heute schon einmal hier im Schiffhause gewesen, dabei warf er einen' geringschätzigen,' mehr noch vernichtenden 'Blick auf Martin, um ihm nächsten Momente schon dem Peter Scharffenberg wieder vergnügt entgegen zu blinzeln und in die

dargebotene Rechte desselben fast herab lastend einzuschlagen. Die Andeutungen deS Herrn Steffens waren nicht so versteckt gehalten, daß die Anwesenden nicht allsogleich verstanden hätten, um was es sich eigentlich handelte. Die des Tages über von ihm gelegentlich an den Mann gebrachten Mittheilungen über seine dem Schiffhauswirth , kundge gebene Absicht auf Leni, hatten außerdem ihre Wirkungen nicht verfehlt, daß nicht schon nach wenigen Minuten Gratulatio nen hätten laut werden sollen, die . theils Herrn Steffens, theils Peter Scharffen berg gewidmet waren. Martin überlief es siedend heiß und in seinen Ohren dröhnten solche Worte wie heftige Donnerschläge, daß er fast meinte, nichts mehr hören zu können. .- . . Nur die kalte, schneidige Stimme Stes' sens drang ihm wie ein vergifteter Pfeil zu Herzen, daß er unwilllürlich nach der Brust faßte, und tief aufathmend nachLuft schöpfte. Wie glühende Lava brannte

ihm der Boden unter den Füken. Er wollte hinausstürmen uno die heiße Brusi in der lauen Nacktluft kühlen, aber die Füße waren ihm wie gelähmt. Martin vermochte sich nicht zu rühren. Seine Wangen glühten und zu seinem Entsetzen glaubte er gar noch bemerken zu können dafc die Anwesenden, die freunde des strengen Peter Scharffenberg und des stol zen Steffens, sich an seiner Verlegenheit die ihm jetzt völlige Vernichtung dünkle mit höhnischem Lächeln weideten.. Martin verwünschte den unseligen Ge danken, der ihn am heutigen Abend ins Schiffbaus getrieben, zumal er es, durch Leni's heimliche Nachricht voraus gewußt daß sie sich heute nicht sehen wurden Jetzt mußte er dasür nicht nur den ihm verhaßten Rivalen sehen, sondern ihm auch noch Glück wünschen hören, zu einem Un termhmen, das ihn, den gepeinigten Hörer, so unsäglich unglücklich machen, ja all sein erträumtes Glück in Trümmer schlagen mußte. Zerknirscht schlürste Martin den letzten Rest des Rebensaftes hinunter, es dünkte ihm bittere Galle zu sein, und mi einer, verzweifelnden Lächeln erhob er sich jetzt, den Heimweg anzutreten. Da erklang ein lauter markerschütternderSchreckensru durch das Haus, entsetzt sahen sich die An wesenden einander an. Man war im Un klaren, ob dieser schauerliche Ruf, der sich, dem Tone nach zu urtheilen, einer weiblichen Kehle entrungen haben mußte draußen auf der engen Gaffe oder im Schiffhause selbst seinen Ursprung gefun den hatte. , Das war Leni's Stimme," rief Martin mit unheimlich dumpfem Ton und seine Stimme bebte. Ehe sich die Herren von ihrerBestürzung wieder erholten und den Vorgang sich zu erklären suchten, sprang Martin, den Hu auf die Stirn gedrückt, nach der Thür. , Peter Scharffenberg schien jetzt erst Le den zu gewinnen, und mit den Worten, wohin wollt Ihr jetzt ?" faßte er Martin am Arme und stürzte mit ihm zugleich hinaus in den matt erhellten Hausflur. .Zu Hilse, wo einUnglück ist, oder meint Ihr, Eure Tochter treibt am heutigen Tage noch Scherz ? !" stieß Martin hastig hervor, als er sich nur noch fester gehalten fühlte. . Einen Moment , stand er uncnt schloffen, ob er Meister Peter, der ihm mit heiserer Stimme entgegendonnerte : Kei nen Schritt thut Ihr vom , Platze". mit Gewalt von sich schleudern, oder erst einen Wortwechsel mit ihm beginnen sollte. In diesem Augenblicke aber ließ sich das Klir ren zerspringender Fensterscheiben verneh men; ein hell lodernder Feuerschein ergoß sich über die Straße und erleuchtete die Flur im grellen Widerschein. Mit gewal tigem Ruck hatte sich Martin frei gemacht und im 'nächsten Moment stand er auch schon auf offener Straße. Eine erstickende Rauchwolke wälzte sich qualmend zwischen den . Häusern empor in die Lüste, und die praffelnde Gluth ver derblich züngelnder Flammen schlug oben aus den Fcnsterhöhlen des gegenüberlie. genden Hauses. Dasselbe war in ähnli cher Weise wie das Schiffhaus errichtet und daö vielfache Holzwerk ließ die Ent stehung eines verheerenden Feuermeeres befürchten. - , Leni, mit halbgeschlossenem Auge nach oben in der düsteren Fensternische ihren trüben Gedanken nachhängend, .; hatte das Unglück bemerkt, als der rothe Schein des inwendig brennenden Hauses durch die Fenster flackernd herüber leuchtete und in ihrer Bestürzung laut um Hilfe gerufen; wie auch. Martin Leni's Stimme ganz richtig erkannte. Schon nach dem ersten Vchreaensruse

war sie, wahrscheinlich in Folge der heutigen Aufregungen noch leichter dazu ge neigt, in Ohnmacht gesunken. Zitternd und sprachlos vor Angst und Schrecken, brachte Frau Kthrine mit Hilfe der alten Magd Leni nach dem Sopha. (Fortsetzung folgt.)

i , ''-''. oqrnnn. - ' '--" ' ; -! ' ; Novelle. von 'S. von der Horst. ' '" :' ' . i !-.';' i' 2 ; -'. !. ' " . 0 ... '!' , j ' - , .; ' (SW,) ' .' Es ging aus seinenAngaben klar hervor, daß der Commisflonsrath den fraglichen Wechsel gefälscht, nachdem von ihm und "seiner' Tochter der minderjährige Prinz in ein Spielhaus gelockt worden, wo er große Summen verlor, ohne sich der Ereignisse des' vergangenen Abends am folgenden Tage noch erinnern zu können. Das Be täubungsmlttel des Arztes hatte seine Schuldigkeit gethan, er war außer Stande, seine Unterschrift durch einen Eid zu verleugnen, und eben daher konnte auch der Commissionsrath nur für die Verlo ckung eines Minderjährigen und sür ver. botenes Spiel bestrast werden, während die Fälschung unerwiesen blieb. Jetzt dagegen besaß man einen Zeugen, deffen Aussagen so sebr den Stempel der Wahrheit trugen, daß die Akten wieder aufgenommen und der Prozeß neu einge leitet werden konnte. ' Der rasende Ingrimm,' mit welchem.sich der Commissionsrath von der Leiche seines ehemaligen Verbündeten abwandte, bewies am besten die Wahrhctt des Ganzen, .und so sah sich der ' Schuldige eben durch das Zeugniß seines eigenen ' Gewiffens völlig verurtheilt. : ; ; "' ! j ' Es wurde ihm als Strafe eine sechsmoLattiche Zuchthausstrafe' zuerkannt. Malchen,' in allen ihren Wünschen und Plänen so bitter getäuscht öffentlich an den Pranger gestellt und plötzlich von ihren sämmtlichen Bekannten gemieden.' ging nach einer schnellen und überaus ein fachen' Hochzeit mit ihrem Gemahl aus Reisen. Sie begte als. letzte, einzige Hoff nung die Absicht, im Sommer die auslän dischen Spielbäder zu bereisen und sich durch jene leichtarrangirtenLiebesintriguen solcher Kreise für die Langweile ihres verfehlten Daseins zu entschädigen. Herr Goldstein willigte in Alles. Er betete immer noch, gläubig wie ein Jndier, zu Füßen seiner steinernen Gottheit. Er würde für Malchen die Ketten eines Scla ven getragen haben, er fühlte stch auf dem Gipfel alles Erdenglückes, wenn sie ihn nur lächelnd ansaht Während ihre .frivolen Hoffnungen die elegantenCavaliere der kommenden Saison sehnsüchtig umschwebten, dachte er stch das Leben im einsamen Gebirge ' oder am Strande, wo Malchen Niemand kannte, als eine entzückende Jdhlle; dort mußte es ihm ja gelingen da unnahbare Herz zu erobern, dort würde er ihre ganze Welt sein, ihr Alles, v ' " W";:-; .1 .5: So nahe, so schrecklich ' nahe berühren sich die Contraste. '.' Auch der Baron von Uhlfeld war durch den 'schwedischen Arzt denuncirt ' worden und wurde demgemäß nach allen Richtun gen hin verfolgt, aber ganz ohne Resultat. Er war und blieb verschollen,' höchst wahr scheinlich geschützt durch falsche Papiere,' sür die er bei Zeiten gesorgt. : : Der Name Riemer wurde durch ''alle diese Einzelheiten in sehr unliebsamer Weise zum Gegenstand des Stadt Gesprächs. Schon die Thatsache,, daß man Leonorens Leiche unter dem Balkon des Barons gefunden, gab Anlaß zu den un angenehmsten Vermuthungen ; nachdem aber späterhin die Gerüchte über einen Vergistungsversuch . einmal untere i das Publikum gedrungen waren, ließsich die ganze Angelegenheit nicht länger als Ge heimniß bewahren, und der alte Herr Rik' mer mußte vor seinem Ende, noch gegen Die, welche er so grenzenlos geliebt die öffentlicheStimme sich in ungetheilter Ver achtung erheben hören. ' r. , Er selbst verweigerte natürlich! all' und jedes Zeugniß, aber dennoch wurde es ihm unbezweifelbar deutlich, daß Le'onore mit so großer Emsigkeit an der ' Nähmaschine arbeitete, nur um-sür l.daS Gift, welches ihn tödten sollte, die nöthigen Mittel her beizuschaff!,'.',' Mehr als in seinem gänzen langen Leben litt der altci Mann auf dem Sterbebett mehr als.jemals ; fühlt? er sich getäuscht und' gekränkt,'' als tx fö :f(ar-er kennen mußte, daß das Glück der letzten elf Jahre, all derFamilienzwist und das vielk,

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viele heimliche Leid, alles nur einWahn gewesen, ein Schatten, der zwischen ihm und der Wahrheit lag. ' Jetzt hatten ihm seine Kinder verziehen, sie bemühten sich mit vereinten Kräften, ihm die schrecklichen . Einzelheiten der gan zen Sache im erträglichsten Licht zu zeigen, aber dennoch litt er unsagbar. ' ' ' Tante Wilhelmine wär die Einzige, gegen welche er stch offen aussprach, und auch das nur ein, Mal kurz vor seinem Ende. "" ' ' Schwägerin", ' sagte er halblaut, es könnte Alles 'gut werden, ich will sogar den Tod mit Freuden .bewillkommnen wäre nur Wilhelm . versöhnt gestorben. ; Der arme Junge, ihn trieb . ich in den Tod, und was, wurde dakür mein Laos ? Es ist söhrecklich, am Ende seiner Tage sehen zu müssen, daß das Exempel deS ganzen Lebens falsch war, grundfalsch l . .'. . Nein, nein, Schwägerin, sag' mir nichts ! Worte können solchen Schmerz nicht heilen, da ist Alles vergebens." ' Und die Alte schwieg, aber bei einer anderen Gelegenheit kam ste auf den Gegen stand zurück, so leise, ganz unmerklich, wie durch Zufall. Sie zeigte ihm seinen Kum mcr in anderem Licht, ste wurde die Trö. stmn und Vertraute Deffen, der ihr den größten, bis heute nicht überwundenen Schmerz ihres Leben? bereitet. . Was sie selbst glaubte und hoffte, daß jenseits deS Grabes der Haß keine Stätte besitzt, das wußte sie mit der Kraft lebendiger Ueber zeugung dem Sterbenden tröstend mitzu theilen. ' Als der schwer heimgesuchte Mann dir müden Augen schloß, da war sein Antlitz lächelnd und versöhnt. Mit dem Namen. Sohnes auf den Lippen ging er ..hinüber in das' Land,' deffen höhere Vollendung alle Disharmonien der Erde siegreich aus seinen Grenzen verbannt.' ' Vorher war noch das 'Testament dahin geändert worden,' dafe Tante Wilhelmine, Emil und Minna 'zu gleichen Theilcn erbtenj ' . t' ! - ' - Niemand von Allen wünschte in. Europa zubleiben.' Emil Riemer hatte längst seinen Dienst quittirt und ersehnte die Stunde, in welcher es ihm möglich'werden würde, den alten Verhältniffen ans immer. Lebewohl zu sagen. Nur der Abschied von Bolten schmerzt ihn tief. Wieder und immer wieder drückte er ihm die Hand, als schon das nach New.Vork bestimmte Schiff seine Anker zu lichten begann und die' Glocke zum zweiten Mal geläutet hatte. Warum?" fragte immer wieder, der Andere. Warum, Emil? Könntest Du hier nicht so glücklich sein,' wie drüben V Riemer schüttelte denKopf, während tiefe Blässe sein Gestcht überzog. Ich 'kann hier nicht vergeffen, Zlugust." Und Balten verstand ihn. Er wider sprach, nicht länger. ' ' ' "" Das dritte Glockensignal wurde gehört. Minna löste mit sanfter Gewalt die Hände der. al:en Diakonissin von ihrem Nackens - Leb' wohl, Tante Johanna,' und grüße die Anderen.' Ich konnte nicht bleiben weil im' fernen Amerlkaein Herz itach 'dem meinen rüt, ein Kranker, ' Du alte. -guft Tanle der einzig von mir'die Heilung be gehrt! " v '. Und daS. Mütterchen ' lächttte 'untet. Thränen. , . Ich wußte' es' 'immer," mein" Liebling, aber "doch ' thut, es' weh,' das Scheiden.' Geh' mit Gott und sei glück lich, tausendfach glücklich V :? ' Riemer hob seine weinende Frau in das Boot.' 'Mach'en wir es kurz,' Liebe," sagte er. ''Es muß ja sein.' Du, Tante Wil. helmine, nimm die Kinder!" : " Er reichte beide Häkide zum letzten Male den Freunden, .und aud" Marie flüsterte unter Thränen' eine letzte Bitte. Denki unserer GrüberJhr Lieben,' mein klei nes Mädchen, das draußen vor der Stadt so allein schläft bringt ihm' zuweilen Blumen!" ' ' ' ' ' " '' I,Ad'e ! Ade !" - Die" Taschentücher

winken es, und die Thräne im Auge gibt das Versprechen, welches 'zuaenoe Lippen nicht zu stammeln vermögen : ' Eure. Gräber bleiben in treuer Hut !" Und die Matrosen legen ihre Ruder ein das Boot entschwindet den .Blicken,. langsam gleitet das .Schiff stromab, der neuen Welt entgegen, wo Robert von Hol t?n langst gezeigt hat, daß er als ganzer' und.tüchtiger Mann aus. der Krisis seiner Verhältniffe hervorging. .Und brächte ihmMinna, mit der er in stetem. Brieswechsel' geblieben, auch deinen. Pfennig, in. die Ehe, mitx so würde er dennoch -im Standelein,? sie"ünd sich vor Mangel zu schützen. . .,Er hat es gelernt, röahrelEhre von dem äuße - .l ren' Schein derselben zu unterscheideü.'-