Indiana Tribüne, Volume 2, Number 45, Indianapolis, Marion County, 19 June 1880 — Page 6
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I n d i a n a X r i b n e."
m Abgrunä. -0 Z.Novelle von S. von der Horst. (Fortsetzung.) Der Abendwind flüsterte in den Wein blättern und stillen, seligen Frieden trugen seine Schwingungen hinein in das kleine Giebelzimmer. Minna weinte; aber sie suhlte, daß es erlösende Thränen waren, daß der Ge danke an dieTrennung obwohl schmerzlich, doch nichts galt gegen Das, was sie in den letzten Monaten erlitten. Wie Auferste. hungsjubel durchzitterte es ihr Herz, so oft sie wieder in den Brief sah, und als Tante Wilhelmine herauskam, um zu sie suchen, da schluchzte und lachte das glück liche Kind in einem Athem an der Brust der Alten. Tante, wie Recht Du hattest ! Wje gut war es, daß ich Robert sich selbst überließ. O Tante, was soll ich thun, um Dir zu danken V Die alte Dame küßte zärtlich das er regte Mädchen. 5ci still, mein Liebling, Du weißt nicht, wie sehr mir schon bangte um Das, was ich zu Wege gebracht," sagte sie leise. Sieh', als vor langen wahren mein eigenes Schicksal zu ähnlicher Krisis gelangt war, da fühlte ich aus thörichter Liebe nicht den Muth, mich scheinbar beleidigt zurückzuziehen ; da handelt: ich sür den Mann meines Herzens, so daß er Sckutz und Stütze da fand, wo er solche hätte gewähren müssen, und dadurch bereitete ich ihm den Untergang. Du ieißi, daß ich unverheirathet blieb, obwohl mein Jngendliebhaber heute noch lebt, das sei genug gesagt, mein liebes Kind." Minna streichelte das Gesicht der Matrone und schmiegte sich zärtlich in ihre Arme. Tante," sagte sie, glücklich lächelnd, und jetzt bangt Dir sür mich ?" Du böses Mädchen, bangt uns nicht immer sür Diejenigen, welche wir lieben? Aber jetzt ist Alls, Alles gut ! Ich gehe hinunter zu unserem Kranken und. Du schreibst einen langen, herzbesreiendenPrief nicht wahr, mein Lie.bling ? Horch, Dein Vater läßt mich schon rusen, der arme, alte Mann." Sie eilte dem Dienstmädchen entgegen und Minna that wirklich, was die Alte gerathen; sie sagte dem Jugendgeliebten Alles, was seither in ihrem Herzen verschloffen gewesen, was sie nur in Gedanken mit ihm geplaudert, sie ließ ihn deutlich erkennen, daß das Band zwischen ihm und ihr nie wirklich zerrissen gewesen. Und vierzehn Tage später, als dasScyiff unter Segel' ging, welches Robert von Holten nach der neuen Welt zu bringen be stimmt war. da sah er vom Äerdeck herab ein weißes Taschentuch, das ihm letzte Abschicdsgrüße winkte. Tanie Wilhelmine hatte es so einzurichten gewußt, daß sie bei der Aösahrt des Dampfers mit ihrer Nichte am Hafen promenirte. Und sei nicht um ihn so sehr inSorgen, mein Herz," flüsterte sie, selbst mühsam sprechend. Weine nicht, Minna; ich habe ihm noch anBord einen Blies nachgeschickt, darin lag die Anweisung auf zweitausend Thaler. Du weißt ja, Kind, Alles was ich besitze; aber ihm thut's nöthiger als mir, ich habe ja meine Nähmaschine und Euch Lieben, dieJhr mich nicht darben lasien werdet, wenn die Hände kein Brod mehr schassen können. Sieh', dort kommt n ahrhastig MalchenPhilipp amArm eines Herrn, laß sie nicht sehen, daß Du weinst, mein Liebling." Minna hatte das Schiff und die ver schwindende Gestalt des Geliebten aus den Augen verloren; sie begriff noch kaum, was die Tante sprach. Ihre ganze Seele flog dem Scheidenden nach. Tante Wilhelmine drückte ihren Arm. Sieh', Minna, wie blaß Malchen geworden ist, sie hat Dich erkannt.Die Angeredete bezwäng mit Mühe das Zucken ihrer Lippen. Es waren ja so vieleZeugen zugegen, und namentlich sollte gerade diese Eine nicht gewahren, was in ihr vorging. ' Malchen Philipp kam wirklich in Begleitung eines Herrn auf dem schmollen Tro:toir den beiden Frauen entgegen. Man michte sich fast berühren, wenn keine von den Personen aus die Fahrstraße hinüber trat. Die junge Jüdin war aschfahl im Gesicht, nur ihr schwarzes, blitzendes Auge ruhte mit dem Ausdruck bittersten Hasses auf Minna's Erscheinung. Sie verwandte
keinen Blick, aber gleichwohl verrieth Nichts, daß sie die Andere jemals vorher gesehen. Tante Wilhelmine grüßte ruhig die junge Dame, welche sie früher immer be schäftigt hatte, und auch der Herr griff verlegen an seinen Hut, wie es schien, nicht mit sich im Klaren, was hier für ihn das Richtigste sei. Aber kaum hatte er den Arm erhoben, als das Steinbild an seiner Seite plötzlich Lei en gewann. Bemühe Dich nicht. Goldstein," sagte mit scharfer, lauter Stimme die Tochter des Commissionsraths; es ist nur meine alte Näherin." Und dann waren die beiden Paare an einander vorbeigegangen, dann hatte Minna eine Droschke herbeigewinkt und ließ sich jetzt in diePolster derselben zurück sinken. Seit die letzten Mastspitzen des Schiffes hinter einer vorspringenden Ecke verschwunden waren, fehlte ihr die Kraft, äußerlich ruhig zu scheinen. Tante Wilhelmine ließ das Kind ihrer todten Schwester sich ausweinen, ohne diese Thränen bemerken zu wollen. Sahst Duden jungen Goldstein?" fragte sie. Er hat seit Jahren nur sür seine jetzige Braut gelebt, hat alle ihre Launen, ihre Härte gleich einem Sclaven stumm e.rtra gen, um nur nicht aus ibrerNähe verbannt zu werden. Jetzt hcirathet sie ihn aus Aerger und gekränkter Eitelkeit, mäh' rend sein Herz kaum das grenzenlose Glück dieser Verlobung zu fassen vermag." Fürwahr, das Leben ist ein Räthsel und jeder Blick in seine Tiefen enthält neue Wunder! Vier Monate waren vergangen, seit die zuletzt geschilderten Ereignisse stattfanden, der schwedische Arzt hatte wider Erwarten noch das Bewußtsein sür eine kurze Frist wiedergesunden und aus unbezähmbarer Rachelust Alles zu Protokoll gegeben, wo mit er den früheren Feinden sowohl, als auch seinem Mörder, dem Baron vonUhlfeld, zu schaden vermochte. Wußte er doch, daß für ihn selbst die irdische Gerech tigkeit nur mehr ein wesenloser Begriff sei. Es war, wie Dahlberg sagte. Er hieß in Wirklichkeit Alfred Baum und hatte sich durch schnelle Flucht den Behörden zu entziehen gewußt, als vor mehrerenJahren sein Opiat den Prinzen siein willenlos in die Hände des Commissionsraths lie ferte, der nach Verabredung mit ihm spä terhin das Sündengeld zur Halste abtreten sollte, der aber dem landflüchtigen Com pagnon natürlich nie einen Thaler über sandte und ebensowenig seine zahlreichen
Briefe beantwortete. (Schluß folgt.) Des Wcmwirths Töchtcrlcin. Originalerzählung von Rich. Bachmann. Lern" begann sie und ihre Stimme erklang fast in bittender Weise, Du mußl's doch am Ende zugestehen, daß, je länger Du Dich mit dem unseligen Gedanken trägst. Dir es nur noch schwerer ankom men 'wirb, ihn gänzlich los zu werden. Und daß T,ir doch nichts anderes übrig bleibt Leni, solltest Du das nicht heute schon erkennen ? Ich bitt Dich, Kind, schau doch einmal zu, wie das enden möchte. Dein Vater ist ein streng rechtlicher Herr, kein Menschenkind wird es wagen, auch nur den leisesten Zweifel an seiner Ehrbar keit zu hegen. Mit Stolz und Eifersucht wacht er darüber, daß der makellose Name, den unsere Familie seit Menschengedenken ziert, nicht verunglimpft werde. Auch ich darf mich eines ehrbaren Herkommens aus guter christlicher Familie rühmen, deren Namen noch heut einen guten Klang hat, drunten im alten goldenen Mainz. Leni, Dein Vater hat sich Jahre hindurch in Geduld bewahrt, bis er in mir dieRechte gefunden, die ihm in allen Stücken eben, bürtig erschien, und der Stolz seines ganzen Lebens zu sein und zu bleiben ver sprach. Und gewiß die Hoffnungen unserer Freundschaft, wie die Wünsche unserer selbst, sie haben sich alle erfüllt bis aus den heutigen Tag jeder unserer Bekannten hat seine Freude über unser Glück und jetzt bist nur Du es ganz allein, Leni, die mit einer so unseligen Neigung zu einem wildfremden Mann Unfrieden und Herzeleid in unser friedliches Haus bringt. O, mein Kind, was ich um Deinetwillen
jetzt leiden muß in diesen Tagen, nimmermehr hätt' ich's geglaubt, daß es noch so kommen möcht." Ein paar Thränen rollten über das Gesicht Leni's aus das schwarzsammtne Mie der herunter: Ach Gott, liebes Mütterchen, ich kann doch nichts darum" stöhnte, sie traurig, und die schmerzlich zuckenden Lippen zusammen preffend, senkte sie die thränenge füllten Augen zu Boden. Ab Leni, Du wirst doch eine Aenderung machen müssen. Beffer jetzt, wett eö anders dann noch schwerer gehen mag. Es thut mir weh. dergleichen zu Dir reden zu müssen freilich ich muß es , denn glaubst Du, Dein Vater würde nachdem er heut fchon stolz daraus gewesen, drunten im Schank unter den Gästen und Freunden den vornehmen Herrn Steffens als seinen zukünftigen Eidam bezeichnen zu können jetzt sein gegebenes Wort zu rücknehmen? Leni, Dein Vater würde sich nicht dazu entschließen können, und wenn der gnädige Herr drüben auf der Domäne ihn selbst darum bereden möcht.
Bedenke, wievielmehr wird er daraus be harren, dem unbekannten Fremdling ge genüber? Ich weiß wohl. Du magst nichts davon hören, aber Leni, mich. Deine Mutter, kränkt es schwer, und Gott mags wissen, ob ich es überleben könnte, wenn Dein Vater in zorniger Strenge wider die ungehorsame Tochter sich erei serte und am Ende gar dazu gelangte, das einzige Kind, weil es durch einen unbe kan.'.ten Fremdling sich vom Herzen seiner Eltern leichtwillig losreißen ließ, von sich hinauszustoßen!" Mutter, ich bitt' Euch um Gotteswil len," fiel ihr Leni ins Wort, redet nicht so grausam zu mir. Ihr foltert mich. Nach einem Augenblick tiefen Nachdenkens fuhr Leni mit einiger Ermuthigung fort : Lieber will ich hinausziehen in die Welt, arm und entblößt von allen Annehmlich leiten, an die mich Eure Liebe gewöhnt. aber sagt's nicht mehr, daßJhr Euch krän ket um meinetwillen, wenn es dazu käme, daß der Vater seinen Zorn mir entgelten ließe. Mutter, müßt's Euch nicht mehr bekümmern, wenn Ihr Euer einziges Kind für's ganze Leben an einen Menschen ge fesselt wüßtet, dem es doch nimmermehr sein Herz offenbaren kann und den es nicht nur nicht lieb haben, wohl aber verabscheuen und ihm immerdar entfliehen möchte." Mutter dünkt es Euch eine Beruhigung wenn Ihr bet jedem Gedanken an Eure unglückliche Leni Euch sagen müßt, sie vertrauert ein fremdloses Dasein weil Ihr es nicht anders gewollt, und aus dem nur der Tod sie erlösen kann? Ach Mutter Mutter, wär' ich doch längst gestorben, daß Ihr nimmer solch Herzeleid erfahren mußtest", rief Leni mit eistickter Stimme. Krampfhaft preßte sie die Lip pen zusammen, die Klagelöne lauten Weinens in ihrer Brust zu ertödten. Frau Kath'rine fuhr erschrocken in die Höhe, ihr Antlitz verblaßte und mit ein dringlicher Stimme rief sie : Weißt Leni, daß Du mit solchen Worten eine Sünd' an Dir selbst begehst V Leni antwortete nicht. Ist es Dir denn sogar unbegreiflich, daß, wenn ich von mir auch schon nicht reden will. Dein Vater nicht im Unrecht ist, wenn er sein einzi ges Kind und Erben nicht an einen blutfremden Menschen hingeben will? Bedenk', welch großes Wagniß Du unter nimmst. Dich einem armen Unbekannten anzuvertrauen und wie undankbar Du vor aller Welt dastündest, wenn Du Herrn Steffens, der ein großes Ansehen in der Stadt, ja in der ganzen Umgebung ge meßt, kurzer Hand vonDir gewiesen haben wolltest? Leni, war es nicht schon ein groß Unrecht, den Einflüsterungen des braunen Jünglings aus dem Sachsenland noch ein geneigtes Ohr zu leihen, wo Du Dich schon der zärtlichen Aufmerksamkeit des Herrn Steffens zu erfreuen hattest?" Erfreuen?! Mutter, Ihr sagt erfreuen ? ha " lächelte Lcni bitter und wie ein schüttelnder Fieberfrost rieselte es durch ihren Körper. Sein falsches Auge, das kalte heuchlerische Wesen, der nur nach Eurem Vermögen trachtet, es stieß mich heimlich schaudernd ab- von ihm im ersten Augenblick und Minier, wenn ich jemals nur ein sreundliches Lächeln ihm bemerken ließ, so galt's, bei Gott nicht Herrn Steffens, wohl aber dem armen Martin, an den ich dabei gedacht." Die letzten Worte hatte Leni mit sichtlichem Stolze hinzugefügt. Eine dienstbare Frauensperson der Frau Kath'rine, trat herein und bereitete der für
Leni so peinlichen Unterredung eine erwünschte Untelbrechung. - Peter Scharf' fenbergs Gemahlin legte mit einem schwe ren Seufzer ihre Arbeit bei Seite und verließ in Begleitung der alten Magd das Zimmer. Als sich Leni allein sah, erhob sie sich von ihrem Sitze am Tische und nahm in der von den Gardinen verhüllten Fensternische Platz. Hier konnte sie un beachtet das feuchte Auge trocknen, und ihren Gedanken nachhängend Trost für
dle Zukunft suchen. Drunten aus dem Schankzimmer tönten heitere Stimmen durch das offene Fenster, heraus auf die menschenleere Straße und der einsame Wanderer, der nach dem Steinthore sich wendend vorüberzog, konnte wohl nicht ahnen, daß in diesem Hause so großes Leid daheim sei, wie es droben im jungfräulichen Herzen der schö nen Leni eine heimliche Stätte gefunden. Die ehrbaren Väter der Stadt hatten wie zu einer Sitzung im Rathe, ihre ge wohnten Plätze an der langen eichenen Tafel eingenommen. Sie politisirten bei ihren Schoppen über die zukünftigen Un ternehmungen Napoleon Bonapartes, von dem man sich allen Ernstes erzählte, daß er durch seine Getreuen von Helena zurück geholt worden sei und demnächst zum Er staunen der Welt in Frankreich landen werde. Peter Scharffenberg, der außer der zeit weiligen Behilfe seiner Tochter, die Gäste selbst immer mit frischem Stoffe versah, hatte auch an der lebhasten Unterhaltung Theil genommen. Nur hin und wieder lugte er verstohlens hinter in die Ecke, wo an einem kleinen Tischchen zwei junge Männer mit einander in halblauter Unterredung begriffen wa ren. Das Hauptaugenmerk Meister Peter Scharffenbergs schien vorzüglich auf den Einen gerichtet zu sein, dessen schlanker doch kräftiger Wuchs seinen Tischnachbar merklich überragte. ' Ein pechschwarzes Haar wucherte üppig auf den keck erhöbe nen Haupte, und aus dem wettergebräun ten, angenehmen Gesichte erglänzten ein paar dunkle Augen, die mit fast schwär merischen Ausdruck die Umgebung muster ten. Es war Martin Sachs. Unter diesem Namen war der stattliche junge Mann im Städtchen bekannt geworden, sein eigens licher Name war Martin Voigt. In ei ner sächsischen Provinzialstadt geboren. der Sohn eines Kantors, hatte er sich bei einem Husarenregiment an den deutschen Befreiungskämpfen während der Jahre 1813, 14 und 15 betheiligt und war un mittelbar nach Austritt aus seinem Dienste auf seinen Wanderfahrten nach hier ge kommen. Er hatte, wir er es gewünscht, bei einem Meister seiner Kunst Martin war ein geschickter Goldschmidt Condition gefunden und behauptete die ihm angenehme Stellung schon fast seit einem Jahre. In seinen Echolungsstunden nach Feierabend war Martin, nachdem er nur erst wenige Wochen Aufenthalt genommen, eines Abends auch in das Weinstüble.des alten Schiffhauses gekommen, um sich bei einem Schoppen gütlich zu thun. Peter Scharffenberg' Töchterlein, die heitere Leni, half just an diesem Abende ihrem Vater die Gäste zu bewirthen, und als sie Martin mit züchtigen Blicken den Schoppen vorsetzte da begegneten sich Beider Augen'und Martin ward es dabei so seltsam zu Muthe, wie er sich deffen noch niemals bewußt gewesen. Schweigend hatte er von seinem'Platz aus des Wirthes Töchterlein beobachtet und ihm wollte es scheinen, als ob auchLeni zum öfteren nach ihm einen Blick gesendet, der berauschender wirkte, wie der edle Rebensaft in seinem Becher auf dem Tisch. Als er aber feine Zeche beglichen, und die Thür des alten Schiffhauses hinter sich gewonnen, da schwur er bei sich, bald wieder kommen zu wollen, und zwar nicht des guten Weines, sondern um der schönen Leni willen. So schön und anmuthig war ihm noch keine Maid begegnet, in ein so herziges freund lich erglänzendes Auge hatte es noch nie gesehen, eine solche Seligkeit des Anschauens noch nie empfunden, als wie beim Anblick der holden Leni. Er mußte wieerkom:nea, um sich wieder an Anschauun gen der freundlichen Tochter des Schiffhauswirthes zu ergötzen. Martin hielt redlich Wort, und Peter Scharffenberg sah den jungen Mann von jenem Tage an als fleißig wiederkehrenden Gast, der es freilich immer nur bei einem Schoppen bewenden ließ, dafür aber auch niemals einem der ehrbaren Herren durch allzulautes Geplauder oder gar Trunken-
heit lästig zu werden drohte. Jndeffen verstand er es aber bei gegebener Veran laffung durch die Erzählungen seiner Erlebnisse gar tresflich zur Unterhaltung bei zutragen und sicherlich gehörte Leni bei solchen Gelegenheiten nicht zu den achtlo festen Zuhörern. Im Gegentheil sie fand ' in dem schmucken Fremdling einen sehr angenehmen, und recht gebildeten Gesellschafter, von dem sie sich gestand, daß er eine wunderbare Fertigkeit besitze, sich Vertrauen zu erwerben. Und Leni hörte e? bald nicht ungern, wenn Martin ihr eine Artigkeit zuflüsterte, während ihr solche, kamen sie aus anderem Munde, höchst gleichgiltig erschienen. Martin konnte dies nicht unbekannt bleiben, und seine Neigung zu der schönen Tochter des reichen Schiffhauswirthes wuchs mit jedem Tage. So war es gekommen, daß er vor w einigen Wochen dahin gelangte, sein süßeS Geheimniß nicht mehr bewahren zu können, vielmehr m einer glücklichen Stunde sein liebeglühendes Herz der guten Leni offen barte, die, obwohl scheinbar überrascht, i durch den bebenden Druck ihrer zarten Hand doch zu erkennen gab, daß es ihr gar nicht unangenehm sei, sich von dem wockeren Jüngling geliebt zu wissen. Freilich.., ' unterließ sie es nicht, von dem Eigenwillen ihres Vaters zu reden, und daß sie Gegen liebe empfinde wollte ihr nicht so leicht von den Lippen kommen, obgleich sie es hätte sreudig bekennen mögen, doch das tieferröthende Antlitz, das Spiel ihrer Augen, ihr traulicher Blick redeten eine, beredte -Sprache, aus der Liebende in eine? Se cunde mehr herausstudiren, als der Zuhö rer eines mehrstündigen Vortrage aus Letzterem undMarlin verstandLeni deutlich r, genug. Sie sahen sich vonjenem Tage an nur noch lieber und regelmäßiger, wenn es auch heimlich und nur auf einige Augen- '
blicke geschah. So glücklich wie sich Leni fühlte, sa
bange blickte sie doch in die Zukunft und der Gedanke an den Tag an welchem Meister Peter Scharffenberg von ihrer . Liebe zu Martin etwas bekannt werden"' wurde, b-kümmerte sie unendlich und mit jedem Tage mehr, denn der stelze Sinn ihres Vaters und sein unbeugsamer Cha rakter waren ihr nicht unbekannte Dinge. Sie suchte Vertraute zu gewinnen, und da sür ein frommes Töchterlein immer und ewig eine liebevolle Mutter die nächste und v' natürlichste Verbündete gewesen ist, es auch in Zukunst so sein wird, so vollzog sich auch hier keine sonderlich befremdete Begebenheit, als Leni's liebendes Herz sich 1 ihrer Mutter, Fruu Kathrinen Scharffen berg entdeckte. Die zärtliche Matrone liebte ihr Töchterlein. wie nur eine Mutter ihr einziges Kind zu lieben vermag. Als sie aber vernahm, daß der schmucke Martin das Sachsenkind, es sei, der ihr einzige Leni so unendlich lieb gewonnen habe, daß, wie er geschworen, er nicht eher nach laffen wolle, den ehrbaren Hausherrn mit Bitten und Vorstellungen zu bestürmen, bis der gestrenge Peter Scharffenberg feine Einwilligung gebe zu dem Bundeden die ' beiden jungen Leute schon heimlich geschloffen da erschrak wohl die gute Frau Kathrine sehr. Es that ihr zu wehe, ihrem Töchterlein mit einem kaltherzigen Nein 'l' entgegenzutreten, aber sie sürchtete, der Vater werde schwerlich, ja vielleicht gar niemals seine Zustimmung zu dem Vor- N haben der guten Leui geben. Und es war Frau Kathrine Scharffenberg sehr leid, wenig Hoffnung geben zu können. Zwischen immerwährendem Hangen und Bangen in schwebender Pein" verstri chen die Wochen. Unterdessen hatte sich Herr Steffens, der in den mittleren dreißiger Jahren stehende Sohn eines alten, als sehr reich geltenden
Kaufherrn, neuerdings als täglicher Gast ' bei Peter Scharffenberg sehen laffen, und zeigte sich als ein aufmerksamer Verehrer Leni's. Die Nachbarn zischelten es sich schon heimlich ins Ohr, daß der blaffe und neidisch blick?nde Steffens in der schönen Leni ein reiches Heirathsgut heimzuführen gedenke. Ob dies nur Vermuthungen ge langweilter Basen, oder ein absichtlich von Steffens verbreitetes Gerücht war und und warum er dem Alten im grauen Schiffhause so freundlich um den Bart - strich, darüber sollten Martin und Leni zu ' ibrem arükten Leidwesen nickt lanai im ' u -- I ' - u Unklaren bleiben. (Fortsetzung folgt.) I W Au s g e se ss en. 1 Ei, Johann von welchem Lumpen hast Du denn deinen Hut aufgegabelt? Entschuldigen Sie, gnädiger Herr, das ist ein alter Hut von Ihnen den mir Ihre Frau Gemahlin geschenkt hat. a.
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