Indiana Tribüne, Volume 2, Number 45, Indianapolis, Marion County, 19 June 1880 — Page 4
I n d i a n a r i b ü n e."
ndiana Hriöttne. (Wochenblatt.) Cfflcc: Ecke Circlc u. Meridianstr. kJm dritten Stock ) Entered as seeond-class matter at the Poto(iice ut Indianapolis, I ndiana. Abonnements-Preise. In der Stadt durch die Post in Haus geliefert Per Jahr im Voraus $2.00 Ver Nummer K Kentö. Otto Schss:l, Herausgeber. Indianapolis, Ind., den 19. Juni 1880. Sdational-Ticket. Für Präsident : IameS A. Garfield von Ohio. Für Vice'Prästdent : Ehester A. Arthur von New Vorl. StaatS-Ticket. Für Gouverneur: Albert G. Porter von Marion. Für Lieutenant-Gouverneur: Thomas Hanna von Putnam. Für Richter der Supreme Court: 3. Distrikt B h r o n K. El liott von Marion. 6. Distrikt William A. Wood von QU hart. Für Staats. Tekretar: R. H a w n von Crawford. Für Staats.Auditor: So. H. Wolfe von Rush. Für Staats-Schahmeister: Roswell S. Hill von Clah. Für General.Anwalt. Daniel P. Baldwin von Caß. Für Superintendent deZ öffentlichen Unterrichts : John M. Bloß von Vanderburg. Für Clerk der Supreme Court : Daniel M. R o h s e von Tippecanoe. - Für Reporter der Supreme Court : Franciö M. D ice von Fountain. Marion County Ticket. Sheriff H e n r y C. Adams. Clerk MoseS G. McClain. Schatzmeister I o h n L. Mothershead. Rttordcr -Jacob L. Vieler. Rickter der Criminal Court I a m e s E. Hcl- ' ler. Counth. Anwalt Wm. T. Lrown. Richter der Superior Court B y r o n K. E l l i ott, L. C. Walker. County Commissare I oh n H.Smith, G eo. F.McGinni, Archibald Glenn Staats'Senatoren-Georg e H. Ch apman. Flavius I. Van Vorhis. Legislatoren Thomas MeSheehh, J.S.Hin ton, I o h n W. F u rn a s, Vinson Carter, I. N. Cotton. Die Nomination Garfield's scheint überall im ganzen Lande die Re publikaner zufrieden zu stellen. Wir wis sen nicht, was während der Campagne, in Aelcher der Ledenslauf Garfields vom Tage seiner Geburt bis zur Gegenwart, von seinen Gegnern in der wohlwollend sten Weise kritisirt werden wird, noch alles gesagt und gelogen werden mag, bis jetzt ist man bloL mit einer Klage gegen ihn hervorgettelen und das ist seine Theilahme an der berüchtigten Credit Modi lier Affaire. Wahrscheinlich werden sich nur wenige unserer Leser heute noch erinnern, was es mit dieser Credit-Mobilier Geschichte für klneBewandtnißhat. Zur Zeit als die Pacific Eisenbahn zum großen Theil mit dem Gelde der Negierung gebaut wurde, gründeten die Direktoren derselben eine Compagnie unter dem Nanun Credit Mobilier os America." Diese Compagnie übernahm den Bau der Bahn, das beißt die Direktoren der Pacific Bahn schlössen mit sich selbst als Mitglieder des Credit Mobilier einen Contrakt für den Bau der Bahn ab. Dafc das Ganze darauf hinausging, die Aktionäre der Pa eiste Bahn, deren bedeutendster die Regie lung war, zu beschwindeln, laßt sich denZen. Wohl noch niemals ist eine Bahn koststpieliger gebaut worden, als die Pacific Bahn. Die Preise, welche dem Cre dit Mobilier bezahlt wurden, waren so lossal und die Aktien des Credit Mobilier warfen dem entsprechende Dividenden ab. Der Haupturheber dieses Credit Modi lier war Oakes Ames, damals selbst Mitglied des Congresses, ebenso war das Kongreßmitglied Brooks stark implizirt. und das Comite, welches mit der Unter snchung der Sache betraut war, und das us Mitgliedern beider Parteien bestand, mpfahi die Ausstoßung Beider, die, wenn
wir nicht irren, auch stattfand. Schuyler Calfax, der frühere Bice.Präsident,. war so stark in der Sache verwickelt, daß die selbe seinen politischen Tod herbeiführte. Dagegen sprach das Comite Garfield, Blaine, Dawes, Kelleu und Andere voll ständig frei. Mehrere yatten Aktien in dem Credit Mobilier genommen, Garfield dagegen hatte bloß unterschrieben, die Ak tien aber nie wirklich genommen und be zahlt. Ames bezeugte, daß er Garfield $329 bezahlt habe und daß dies die Dividende seiner Aktien gewesen sei; dagegen behauptete Garfield, daß er sich von Ames nur $300 geliehen habe. Wie dem nun auch sei, das Comite berichtete, daßBlaine, Garfield u. s. w. nicht gewußt haben, daß die Credit Mobilier Compagnie mit der Pacific Eisenbahn Compagnie in Verbindung stand, und daß nichts geschehen sei, woraus hervorgehe, daß Ames versucht habe, den Einfluß der bete. CongreßMitglieder zu gewinnen, so daß Ames .auf dahin zielende Fragen stets mit Bestimmtheit verneinend antwortete. Wie gesagt, das Comite, welches die ganze Angelegen-j heit genau untersucht hatte, sprach Gar field von jeder Schuld vollständig srei. Dieser Comitedericht gleicht einem gerichtlichen Urtheil, und man hat absolut kein Recht, aus bloßem Parteihasse dasselbe in Frage zu ziehen. Die Untersuchung nahm lange Zeit in Anspruch und süllt ganze Bände des Protokolles des Congresses. Da ist es nicht schwer, einzelne Aussagen des Spitzbuben Ames aus dem Zusammen hange herauszuziehen und sie zum Nach theile Garfield's auszulegen, um so mehr, da man weiß, daß kein Mensch das volumi nöse Protokoll durchlesen wird. Da kann man gerechter Weise nichts Anderes thun, als das Urtheil des Congresses für richtig und endgiltig annehmen und darnach ist Garfield von jedem Vorwürfe frei.
Die Greenbacker und die Grund- und Bodenfrage. Wenn jemals eine Partei einen entfchiedenen Schritt gethan hat, so geschah das von der Greenbackpartei, indem sie dem Drängen der Sozialisten nachgab und eine Klausel ihrer Platform beifügte, welche das gemeinschaftliche Recht der Menschheit auf Grund und Boden anerkennt, ein Schritt, der um so überraschender ist, als das Gros der Greenbackpartei aus Landleuten besteht. Daß der Telegraph" sich hier wieder einmal schauderhaft blamirt und seine kolloszle Unwissenheit in sozialwissenschaft' lichen Dingen an den Tag gelegt hat, sei hier nur nebenbei bemerkt. Er übersetzt die betreffende Depesche, die im Englischen, wie folgt lautet : "The Socialists insisted on theil resolution regarding the inherent right os man to the soil,and it was adopted." in dieser Weise : Die Sozialisten bestanden auf der An nähme ihrer Resolution, wodurch erklärt wird, daß Jedermann ein unbestreitbares Recht auf eine entsprechende Fläche Land hat und die Resolution wurde angenommen." Solches Blech! Der guteMann scheint eben noch an das Ammenmährchen zu glauben, daß die Sozialisten theilen" wollen. Wenn er sich nur einmal die Mühe geben wollte, auszurechnen, wie klein das Stuckchen Land sein würde, das jeder Einzelne bekäme, wollte man allen Boden, selbst in einem o wenig bevölkerten Lande, wie Amerika ist, theilen, wie unendlich klein es erst in einem so dicht bevölkerten Lande, wie etwa Eng land oder Belgien, oder Sachsen sein würde, wie da von einer lohnendenWirth schaft gar keine Rede sein könnte; wollte er erst serner bedenken, daß die Menschheit sich fortwährend vermehrt, und daß man, wollte man daß Recht jedes Einzelnen auf eine Fläche Landes immer wieder anerken nen, auch immer wieder aujs Neue theilen müßte, und daß die Stücke also immer kleiner würden, dann würde er wahrscheinlich solches, eines Schuljungen würdige Blech nicht schreiben. Die Lösung der Grund- und Bodenfrage läuft nicht auf eine Theilung des Grundeigenthums, sondern aus das ge rade Gegentheil, auf die gänzliche Auf Hebung des Privateigentbums an Grund und Boden hinaus. Gerade, wie Luft und Wasser, so gehört auch die Erde der ganzen Menschheit, aber da der Mensch nun einmal ein staatenbildendes Wesen ist, so muß das Eigenthumsrecht an Grund und Boden dem Staate zufallen. Daß diese Idee gerade keine ausschließ lich sozialistische ist, daß die Wahrheit der selben ron der Wissenschaft schon srüher
erkannt wurde, zeigt unter Anderm, was der berühmte englische Nationalökonom John Stuart Mill darüber schrieb, und zwar zu einer Zeit, da er ein eifriger Gegner der sozialistischen Bestrebnngen war. Er sagt: Wenn man von der Heiligkeit des Eigenthums spricht, sollte man immer bedenken, daß in Bezug aus Grundeigen thum diese Heiligkeit nicht in gleichem Maße vorhanden ist. Kein Mensch bat das Land gemacht. Es ist die ursprüng liehe Erbschaft der ganzen Menschheit. Seine Aneignung kann bloß eine Frage der Zweckmäßigkeit sein. Wenn Privateigenthum an Land nicht zweckmäßig ist, ist es ungerecht. Es ist keine Ungerechtigkeit darin, gegen den Einzelnen, von dem Genusse desscn, ausgeschlossen zu sein, was Andere erzeugt haben. Sie waren nicht verpflichtet, es für ihn zu erzeugen, und er verliert nichts dadurch, daß er Nichts von dem erhält, was andernfalls gar nicht existiren würde. Es ist aber ein Unglück (hardship) in die Welt gesetzt zu werden und zu finden, daß von allen Gaben der Natur schon Besitz genommen ist, und daß kein Platz für den neuen Ankömmling übrig ist. Um die Menschen mit diesem Zustande zu versöhnen, nachdem in ihren Köpfen einmal die Idee Platz gegriffen hat, daß ihnen sittliche Rechte als mensch liche Wesen zustehen, wird es immer nöthig sein, sie zu überzeugen, daß der ausschließ' liche Besitz für die gesammte Menschheii vortheilhaft ist." Was Grund und Boden betrifft, so sollte dem Einzelnen kein ausschließliches Recht bewilligt werden, welches nicht nachweislich positiv Gutes erzeugt. Das Ge statten derA'lsübung eines ausschließ'ichen Rechtes über einen Theil der allgemeinen Erbschaft, so lange noch Andere vorhanden sind, welche keinen Theil davon besitzen, ist stets ein Privilegium." Privilegien oder Monopole lassen sich bloß als nothwendige Uebel vertheidigen; sie werden zur Ungerechtigkeit, wenn sie bis zu einem Punkte ausgedehnt werden, wo die entschädigende Wohlthat nicht mehr vorhanden ist". So weit der berühmte, gut bürgerliche Stuart Mill. Für ihn ist die Grund unb Bodenfrage keine Frage des Rechtes, sondern der Zweckmäßigkeit. Eine Rechtsbasis hat für ihn das Privateigenthum an Grund undBoden gar nicht. Als Monopol mag es bestehen, wenn das Privateigenthum an Grund und Boden auch von Vortheil für die Nichtbesitzenden ist. Daß dies wirklich der Fall, wird wohl Niemand im Ernste behaupten wollen, wir werden jedoch nächstens auch darauf näher eingehen. Die Grund- und Bodenfrage ist eine eminent wissenschastliche soziale Frage. Der Versuch, dieje Frage zu lösen, bringt die Gieenback-Partei auf einen politisch und moralisch hohen und achtungswerthen Standpunkt. Er verleiht der Partei eine wiffenschastlich fortschrittliche Basis, wobei es nicht fehlen kann, daß der Grecnback Unsinn verschwinden, oder wenigstens eine, mehr mit der Sozialwisienschaft in Einklang stehende Form annehmen wird. Wie schon im Eingange erwähnt, ist die Annahme der betr. Klausel von Seiten einer Partei, die zumeist aus Farmern und zum großen Theil aus Landbesitzern besteht, eine Erscheinung ganz merlwürdiger Art. Sie steht anscheinend im Widersprüche mit den Erscheinungen in anderen Ländern, wo sozialistische Ideen einen besseren Böden in den industriellen Schichten der Bevölkerung finden, und sie erscheint auch sonderbar in einem Laud, wo noch so viel unbenützterBoden vorhan den und wo ein so ungeheuer großer Theil des Bodens sich in den Händen des Staates befindet. Da jedoch Widersprüche nur so lange existiren, bis die Wissenschaft die Gesetze und Vorgänge gefunden, die sie in Einklang mit dem bereits Erkannten bringen, so wird sich die Erscheinung bei näherem Studium derselbed, wohl als natürlich herausstellen. Jedenfalls ist das Studium für den, welcher sich um SozialWissenschaft kümmert, ein sehr interessant te's, und wenn es uns unsere Zeit gestattet, werden wir nächstens einenVersuch machen, den anscheinenden Widerspruch zu lösen.
Ex-Gouverneur Albert G. Brown ist, wie aus Jackson, Mississippi, gemeldet wird, im 67. Lebensjahre gestorben. Henry Rochefort wird von seiner Wunde, die ihm von Köchlin im Duell bei gebracht wurde, bald genesen sein. Hoffentlich ist er dann so weit kurirt, daß er einen solch tollen Streich nie wieder begeht.
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ll ogct Kr (SCHMIDT'S ffSk berühmteste und desteingerichtetste w und "Iuvigorating Malt-Extract
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vorzüglich anerkannt. Austräqe zum Verschiffen von Lagerbier auf allen Eisenbahn
Linien werden prompt erfüllt. Endlich ! Am Mittwoch Mittag haben sich beide Häuser des Congresses auf unbestimmte Zeit vertagt. Das ganze Land sollte eine Jubelhymne anstimmen. Der Chef des Pariser Bankhauses Rothschild will sich vom Geschäfte zurück ziehen. Der Mann hat eingeheimst genug um sich und seinen Nachkommen ein fürstliches Leben zu bereiten. Der deutsche Kaiser hat bereits seine jährliche Badereise begonnen und läßt sich's dabei recht gut gehen. Auch Fürst Bismarck wird bei seiner Sommercur seinem todtmüden Körper neues Leben einhauchen. In San Francisco find wieder 1100 Chinesen angekommen. Die Existenz eben so viel weißer Arbeiter ist dadurch gefährdet. DaS Chinesenübel scheint sich eher breit zu machen, als daß demselben Einhalt geboten wird. Der Arbeiter-Convent in Chicago stellte folgendes Ticket auf : General James B. Weaver von.Jowa als Präsident. General John. F. Chambers von TexaS als Vice-Präsident. Nun fehlen noch die Demokraten. Der berüchtigte Philadelphiaer DoktoreN'Fabrik ist endlich einmal das Hand werk gelegt worden. Bei dieser Gelegenheit har es sich gezeigt, daß die Deutschen dem amerikanischen Humbug r j)t gerne huldigen, wenn der Vortheil auf ihrer Seite ist. Der eben veröffentlicht statistische Bericht aus Berlin zeigt, daß während der ersten drei Monate dieses Jahres 12,869 Personen nach den Vereinigten Staaten ausgewandert sind. Eine ansehnliche Zabl, die leider beweist, wie Viele Ursache haben, dem vaterländischen Boden Lebe wohl zu sagen. In einer Versammlung des linken Centrums des französischen Senats wurde mit großer Majorität der Beschluß gefaßt, daß die Zeit für Lösung der Amnestiefrage noch nicht gekommen 'sei. Dem Vernehmen nach hat die Regierung Angesichts der Stimmung im Senat beschlossen, die Absicht,' in der Amnestiefrage die die Jnitiative zu ergreifen, aufzugeben. Sie Wird jetzt einfach so viele Kommunisten als möglich begnadigen. Die demokratische National-Conven-tion beginnt am 22. Juni in Cincinnati. Die Demokraten werden diesmal besonders behutsam mit der Nomination vor gehen, denn sie gestehen es selbst, daß Garfield ein sehr' starker Candidat ist. Die demokratesche Convention wird wahrscheinlich unter den folgenden sieben Prominenten eine Auswahl treffen. Es sind dies: Tilden, Bayard, Hancock, Thur man, Field, Seymour und Hendricks. Wollen sehen, wer der Glückliche sein wird. Seine deutsche Abstammung sieht man Garfield auf. hundert Schritte an und in Deutschland würde ihn niemand für einen Englisch-Amerikaner halten, so ; schreibt die Illinois Staatszeitung. Dazu bemerkt die republikanische Cincin nati Abendpost" etwas boshaft : Natürlich thut der vertrauensvolle Glaube viel in solchen Dingen, wie schon 'jene brave Nachbarin bewies, welche, eine Kindbetterin besuchend, in der Wiege den Kopf eines kranken Böckleins bemerkte und voll Verwunderung ausrief : Grundgütiger Himmel, wie das Kind seinem Vater so ähnlich sieht, es hat sogar ganz denselben Bart !"
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tontrc 5 SQUARE,) INDIANAPOLIS, 1XD. Brauerei ;m Staate. Mein Lagerbier Bottle Beer'"' ist vor allem anderen als F. Schmidt. In Bentheim bei Osnabrück haben die reformirten Prediger eine Verordnung erlassen, wonach die Mütter unebelicher Kinder zukünftig diese selbst zur Taufe halten sollen und zwar vor versammelter Gemeinde. Hoffentlich wird den sauberen Herren Pastoren, welche die meistens unglücklichen Frauen damit an den Pranger stellen wol len, nur das gelingen, daß diese Frauen erleuchtet werden und in Folge deffen ihre Kinder überhaupt nicht lausen lassen. Albert G. Porter, der republikanische Gouvernörs - Candidat, ist Advokot von Profession. Im Jahre 1852 wurde er zum Reporter der Supreme Court gewählt, welches Amt er fünf Jahrelang inne hatte. Von 18581862 war er Congreßmitglied. Die übrige Zeit übte er die RechtsPraxis und war zuletzt Mitglied der Firma Porter, Fishback & Porter. Im Jahre 1877 wurde er vom Präsidenten zum ersten Controller des Schatzamtes ernannt, welches Amt er noch gegenwärtig bekleidet. Thomas Hanna, der Candidat für das Amt des Lieutenant-Gouverneur ist ein noch verhältnißmäßig junger Mann. Er ist Advokat in Greencastle und war daselbst im Jahre 1876 Stadtanwalt. Die Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland, welche neulich durch die Hartmann'sche" Angelegenheit etwas getrübt wurden, 'scheinen sich wieder freundlich zu gestalten, soweit auf die Freundlichkeir der Diplomaten überhaupt etwas zu geben ist, denn das ist ja meistens nur Heuchelei. Fürst Orlow erklärte jüngst gelegentlich seines Besuches bei dem Präsidenten der Republik, Grevy, er sei von dem Czaren beauftragt, ihm seine besondere Hochachtung und den Wunsch nach hcrzlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland auszudrücken und Grevy beglückmünschle sich, Rußland durch einen Diplomaten vertreten zu sehen, der so viele Sympathien zu erwecken wußte. Bei dem jetzt ausbrechenden Kriege zwischen Rußland und China wird das Publikum in Bezug auf wahrheilsgeittlie Berichte sehr schlecht wegkommen eö sei denn, daß die Chinesen den Berichtcrstattern fremder Zeitungen den Zutritt zu ihren Armeen gestatten. Die Elfahrung hat bewiesen, daß die russische Kriegführung überall da, wo sie sich jeder Controlle entziehen kann, eine unglaubliche Fertigkeit im Lügen entwickelt. Insbesondere sind ihre Angaben über die im Felde erlittenen Verluste von jeher von einer herz erfrischenden Naivität gewesen. Bekannt ist jener traditionelle ein Kasack", der in den Kämpfen der Russen mi Schamyl mit unerschütterlicher Regelmäßigkeit fiel, während die Tscherkessen selbstverständlich zu Tausenden niedergeschossen wurden. Heut zu Tag kann man dergleichen Kunststücke nicht mehr hinten weit in der Türkei aufführen, aber hinten weit an der chinesischen Grenze geht es noch immer. John Berry wurde am Montag von Elisabeth Berry geschieden. Dem Ehepaar Elisabeth Adams und W. Adams wurden ebenfalls vom Gericht die Ehesesseln abgenommen. öS- Die Schlußfeierlichkeiten derHochschule fanden am Mittwoch Abend im Parktheater statt Der Andrang war so groß, daß viele der Theilnehmer mit einem Plätzchen auf dcr Treppe verlieb nehmen mußten.
