Indiana Tribüne, Volume 2, Number 42, Indianapolis, Marion County, 29 May 1880 — Page 4
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Gerade die für den Arbeiter scheinbar beste Zeit, die des Mangels an Arbeitern, ist zugleich für ihn die gefährlichste. Sie bringt den Zuzug der Arbeiter von aus wart? .herbei,' sie führt die Landbevölke rung in, die Städte und legt den Grund zur Verstärkung der industriellen Reserve, armee. 'zür Bergrößerung der Ueberschuß Bevölkerung. Durch die Schaffung der Ueberschuß'Bevölkerung wird also schon in Zeiten der Prosperität der Grund zum baldigen Elend der Arbeiterbcvölkerung gelegt. Dieser eigenthümliche' Vorgang im heutigen industriellen' Leben war keiner früheren' Periode eigen, er ist ein ganz besonderes Merkmal unserer heutigenPro duktionsweise. So lange dieselbe fortbe steht, giebt es nur ein Mittel, dise Ueber schuß Bevölkerung abzuschaffen, und das ist die Einsührug eines, den jeweiligen Umständen entsprechenden NormalarbeitS tages. 'Die Verkürzung des Arbeitstages würde sobald sich eine bedeutende Reserve armee von Arbeitern gebildet, dieselbe ab sorbiren.' : - - . ' ' Gegen den. Impfzwang.
Einen Impfzwang wie in Deutschland haben wir hier glücklicherweise bis jetzt noch nicht. - ' Doch wir sind leider nicht gar zu weit entfernt, denn wenn auch bis jetzt Eltern, dafür, daß sie sich weigern, ihren Kindern das Blut vergiften und ihnen Krankheiten einimpfen zu lasten, nicht zur Rechenschaft gezogen werden, so erlassen doch bi Schulbehörden Gesetze, nach denen nichtgeimpfte Kinder in. den öffentlichen Schulen keine Aufnahme finden und so wird eben der Zwang indirekt ausgeübt. Daß dies ein großes Unrecht ist, wird gar bald begriffen werden, wenn man ge zwungen wird Thatsachen wie sie dieser Tage in New Port vorkamen, mehr Auf merksamkeit zuzuwenden. Es liefen dort beim Civilstandsbeamten zwei Todten scheine ein, in welchen die behandelnoen Aerzte die Todesursache auf die Impfung ihrer verstorbenen Patienten zurückführten. Der eine Todtenschein lautete auf . Mary Ellen Hughes, 15 Monate alt, welche in No. 437 West 26. Straße starb. In die sem Falle war die Todesursuche : Dip therie, complicirt mit kaltem Brand des Armes, erzeugt du ch Impfung der Sanitätsbeamten Der zweite Todtenschein lautete auf Henry Malloy Johnson, 7 Monate alt, der in No. 45 Grove Straße an der, der Impfung unmittelbar folgenden Rose starb. Derartige Borkommniffe mögen auch in England Veranlassung gegeben haben, gegen Aufhebung des Impfzwanges zu agitiren. Die Impf gegner sinden dort in der That jeden Tag neue Anhänger und gegenwärtig arbeiten sie mehr als je um ihren Ansichten Geltung zu verschaffen. William Tebb hielt neu lich in Gloucester eine Rede über diesen Gegenstand, worin er die Hoffnun aus sprach, daß das neue Parlament, welches ja doch erwählt morden sei den Wünschen des Volkes Rechnung zu tragen, und noth' wendige Reformen einzuführen, das Impfzwang Gesetz aufheben werde. Auch Gladstone sei ein Gegner des Impfzwangs John Bright nennt das Gesetz, welches Eltern zur Bestrafung zieht die sich dem Impfen ihrer Kinder widersetzen, ein Monstergesetz, welches widerrufen werden müsse. Und er hat Recht. Hoffen wir deshalb, daß diese Agitation ihre Früchte trägt; Die Strikes der Baumwollspinner in England nahen sich ihrem Ende. . Musik . Direktor Theodor .Thomas schiffte sich am Mittwoch nach Deutschland ein. Er wird jedoch in kurzer Zeit wieder zurückkehren. Bismarck weigert sich bis jetzt ganz entschieden, in der Europäischen Conferenz den Vorsitz zu führen. . Der arme Mann sagte ja schon neulich er ist todt müde, zum Sterben müde. " Nachrichten aus dem Osten melden, daß dort,' besonders in New Hampshire und Maffachusetts große Hitze herrscht. Das Thermometer variirt zwischen 96 und 102 Grad im Schatten. Von Louiflana, wo es ebenfalls Kra kehl zwischen der Grant- und der Anti Grant Partei gab, werden wahrscheinlich ebenfalls zwei Delegationen zurNational Convention nach Chicago kommen. . , .AmDienstag begann in der Superior Court zu San Francisco das Jmpeach ment Verfahren gegen Mayo? ttalloch. Sein Anwalt, bestritt die Jurisdiktion des Gerichtshofes, derselbe entschied jedoch, daß er kompetent sei. " Es ist kein Zweifel, daß trotz aller Bemühungen der Professionspolitiker und Aemterjäger die Stimmung gegen Grant immer bitterer wird und daß eine solche Pression aus die Chicagoer Convention ausgeübt wird, das Grant wahrscheinlich die' Nomination nicht bekommt.
Die achte Cincinnatier jährliche In dustrieAuSstellung wird am 8. September ds. Jahres eröffnet und dauert bis zum 9. Oktober, und findet in den großen, zu diesem Zwecke errichteten Gebäuden, dessen
Mittelbau die Mustkhalle einnimmt, statt. Der .New York Herald" hat sich für Grant erklärt. trokdem er bis iekt besten Nomination bekämpfte. Als Grund giebt er an, daß erne Zeitung der Ausdruck der öffentlichen Meinung sein soll, und es scheine, daß die öffentliche Meinung zu Gunsten Grands sei.' Wenn der New York Herald" mit dem Strome schwimmen muß, und nicht soviel Einfluß hat, um öffentliche Meinung zu machen, dann der fehlt er eben den Zweck der Presse und ist bloß da. um seinen Eigenthümern Geld zu bringen. Pfui, über solche Zeitungen! Der bekannte Sozialdemokrat und Reichstagsmitglied, Haffelmann, wurde wegen der revolutionären Rede, welche er kürzlich im Reichstage hielt und worin er seiner Sympathie mit den Nihilisten Aus druck gab, und sein Bedauern aussprach, daß die deutschen Sozialisten nicht mit den russischen Nihilisten Hand in Hand gehen, von der Partei ausgeschloffen. So bedauerlich der Verlust einer solch bedeutenden Kraft wie Haffelmann für. die deutsche Sozialdemokratie ist, so konnte sie doch kaum anders handeln, wenn sie den Standpunkt ruhiger Entwicklung und der Erreichung ihrer Z:ele aus dem Wege des allgemeinen StimmrechtS festhalten will, v : - Ein ganz entsetzliches Eisenbahnun glück ereignete sich am Sonntag auf einem Excurstonszuge zwischen San . Francisco und Santa Cruz. Der Zug, auf welchem sich 178 Passagiere belanden, entgleiste a.s der Locomotivesübrer Elliott seinen Vorschriften entsprechend die Geschwindig V a A rn m rett oes Zuges eryoyie. Vttm ilayren über eine Curve .des Geleises sprang der erste Waggon von den Schienen herav zur rechten Seite des Geleises und der zweite Waggon auf die linke Geleiseseite, wobei die Passagiere zum Theil auf'das Geleise oder auf die Seite geschleudert wurden. Unglücklich waren die Ersteren, denn der drille Waggon, der nicht entgleist war, fuhr über sie hinweg. Die Passagiere im dritten Waggon, die alle unverletzt geblieden waren, sprangen sofort hinaus, um den Verunglückten zu helfen. Ein schrecklicher Anblick bot sich ihren Augen. Da lag eine Masse mit Blut bespritzter, zerquetsch ter, jammernder Menschen in einem sich bewegenden vaufen auf dem Geleise. Hier lag ein halber Arm, dort zwei abgeschnit tene Beine und da ein vom Blut rauchen der Kopf. Bald fand man auch die drei zehn. Leichen, zu denen diese Körpertheile aebörten. Sckwer verlekt wurden etwa 40 Personen. Ob an dem . schrecklichen it v. n .!xi-! s.' irr -i iingiua roleoer xciajiunn uic ajuiu iraqi oder ob eine andere Ursache dasselbe her beifühlte, konnte bis jetzt noch nicht ermit telt werden: - (Onginal.Correspondenj der Tribüne., Leipzig, den 10. Mai 1880. In allen Landen wird viel gesprochen und geschrieben von der über Deutschland hereinbrechenden Reaktion, dieselbe braucht aber nicht erst erwartet zu werden, denn sie ist thatsächlich schon längst da. Sie be mächtig! sich aller öffentlichen Bestrebun gen und drängt dem öffentlichen Leben lhren Charakter auf. Aber einen sinn hat das Gerede doch von der hereinbreche enden Reaktion und zwar den, daß wir in Zukunft nur noch einer größeren Reaktion entgegengehen, ähnlich der großen Reak tion nach dem Jabre 1848! ' Aus den Verhandlungen mit Rom läßt sich mit Be stimmtheit ersehen, daß der Friede mit dem Centrum sich bald zu einer Thatsache ge stalten wird. Dann wird aber dasselbe, welches ja nie etwas anderes als eine hoch konservative Partei gewesen und nur durch die Maigesetze in eine eigenthümliche Stellung gedrängt worden ist, sich der conscr vativen Strömung voll und ganz an schließen und die Macht der Realtlon mehr als verdoppeln. Der von Bennigsen ge führte rechte Jlüge! der Nationalliberalen dient gleichfalls dazu, die Wucht des con jervativen Zuges zu verstärken , und ist ja auch bereits ihrerseits .schon eine Mitwir lung, wenn' auch keine bestimmend bei der allgemeinen großen Revision der libe ralen" Gesetzgebung, als da ist in erster Linie, die obligatorische Civilebe, Frei zügigkeit, Gewerbefreiheit u. f. w.. ange boten worden.. Unsere Bourgeoisie darf ja auch nicht so ungalant sein, dem Säbel, der ihr die ungenirte Ausbeutung der Masten und das Anwachsen ihrer ffapita lien erst ermöglicht, zu opponiren. Zum Teufel also mit freiheitlichen Richtungen auf kirchlichen und erzieherischem Gebiet, es lebe der Kautschuk und der Mammon! Was braucht ihr auch eine Gesetzgebung in freierer Richtung? Gott Mammon verschafft euch alle Annehmlichkeiten dieser Eröe und . sobald man euch in der An sammlung desselben nicht ernstlich hindert, ist auch der Entwicklungsprozeß der Gesammtheit ganz Schnuppe. Uns' kann ihr Gebühren ebenfalls Schnuppe sein, wir haben nur ein mephi stophelisches Lachen für solche schmachvolle Gesinnungslumpenhaftigkeit, misten wir doch, daß unser Staatskörper einer heil samen Krisis bedarf und daß eine solche eintreten muß und. müßte, wenn er schneller gesunden soll. : Die Reaktion denkt freilich für die Zu kunst das Feld zu behalten, sie tritt daher die liberale und Fortschrittspartei, soweit erstere nicht mit ihr durch dick und dünn
C.F.
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' : ' (SCHMIDT'S fÄie berühmteste und besteingerichtetste und "Invisroratinsr Malt-Extract
vorzüglich anerkannt. Auftrage zum Verschiffen von Lagerbier auf allen Eisenbahn Lmien werden prompt erfüllt. C. F. Schmidt.
geht, unbeachtet in den Staub und terro risirt die Socialdemokratie, gegen welche sie nicht einmal das Socialistengesetz, diese Schmach Deutschlands, in loyaler Weise handhabt und deren Beschwerden sie mit unverantwortlichem Hohn zurückweist. Zu verwundern braucht es. daber Niemand, wenn die , Socialdemokratie diese Handlungsweise eines TageS den Vergemaltr gern aller Menschenwürde und aller Gerechtigkeit. Auge um Auge und Zahn um Zahn, mit gleichem Maße gemesien, heim zahlt ! Eine Ahnung davon, daß dies ge schehen könnte und daß das Volk sich nicht ungestraft verhöhnen laßt, r mag jenen Kreisen auch vorschweben die Aeußerung, welche der Staatsanwalt 'beim jüngsten gronen BerlrnerSocrallstenprozeß : wenn in Berlin erst Barikaden gebaut, werden, wird es uns allen schlecht ergehen," that, deutet wenigstens darauf bin. Doch sie möcien sich beruhigen, die Erhebungen des Volkes bis in die jüngste Zeit hinein, be weisen das Gegentheil und man . bat Ursache zu fürchten, daß da Volk auch bei einem nächsten blutigen Ringen, wieder gleich groß und edel bei Sieg, wie bei Niederlagen, viel zu glimpflich und vertrauensselig mit seinen Peinigern umgeben wird ; ein Umstand, der stets zu seinem Unglück aussiel und die Reaktion derartig ermuthZgte, daß sie dann mit um so groß erer Wollust in seinem Blute wadete. Ist dem Volke einmal das letzte verzweifelte Mitlel der Gewalt von der Reaktion auf gedrungen worden, dann erbcischt es sein eigner heiliger Vortheil im Kampfe, mit gleichem Maße zu mesien. denn stets würgte die Reaktion nach jedem Kampfe erbarmungs-schonungslos ! Man erinl nere sick nur des weißen Schreckens nach jder großen sranzösischln Revolution und tdes Schlachtens der Versailler Ordnungs bandrten nach der Niederlage der Pariser Kommune; es sind da mehr Menschen ermordet worden, als während des Kampfes selbst. Wir besprechen da traurige Eventualitäten, hoffen wir, und arbeiten wir dahin, daß die besonnene und kühlere deutsche Nation nicht in die Lage kommt, Barikaden bauen zu müffen. Die heutigen Machthaber scheinen es aber darauf anzulegen, eine derartige Eventualität herbeizuführen, oder halten sie das Volk in ihrer grenzenlosen Ueber Hebung und Verblendung für so beschrankt und abgestumpft, daß es alle Schmach und allen Hohn ruhig hinnimmt und geduldig harrt bis man allergnädigst gerubt, es mit dem Staatssocialismus, gewürzt mit Stöckerschen Kapuzinaten. zu beglücken ? Fast möchte man dies annehmen. Das Socialistengesetz und die mehr als trako nische Ausführung desselben, spricht für diesen Umstand. Daß man sich indeß ver rechnet hat. beweisen die jüngsten Nachwablen zum deutschen Reichstage, aus welchen aufs eklatanteste hervorgeht, daß es nicht nur eine Hand voll socialdemokratische Redakteure undAgitatoren waren, welche nach der Ansicht der Rkgierung. das Volk in einer künstlichen Aufregung erhielt und deren Einfluß erst beseitigt werden müßte, um die Opposition verschwinden zu machen, damit man später freies Feld ,u staatssocialistischen' Experimenten habe. O, man Wähnte schlau zu sein und mit diesem Gesetz zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, indem man dem Herzensdrange der Bourgeoisie mit der Be kämpfung der Socialdemokratie entgegen kam und dabei für fich selbst den besten Runen zu schaffen wähnte. . . . Man hätte dies aber geschickter anfangen sollen; nachdem man den vermeintlichen Einfluß der Parteiführer lahmgelegt glaubte, mußte man dem Volke die ver sprochenen positiven Maßregeln, die ver' svrochenen Vortheile auf wirtschaftlichem Gebiet als Aequivalent sür das Sociali' stengesetz nicht vorenthalten und die Steu schraube unendlich fester drehen. ' Man bätte das Volk dann nicht so sehr verbittert und eventuellen Beglückungsversucben von oben, wäre man nicht mit dem größ ten Mißtrauen, wie dies nun sür jetzt und später geschieht, begegnet. Das mit der Handhabung . des Socialistengesetzes ver höhnte und getretene deutsche Volk ist noch nicht so hündisch, nach solchen Vorgängen, für einen gnädig hingeworfenen Biffen, seinen, ihm von Gott verliehene Herren und Herrscher wieder zu umschweifwedeln, wo es das Recht zu fordern und zu bestimmen haben müßte. Die Wahl des Socialdemokraten Hart mann in Hamburg kann, als Antwort aus die Verlängerung des Socialistengesetzes
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tmttii 9 SQUARE,) INDIANAPOLIS, IND. Brauerei m Staate. Mein Lagerbier Bottle Beer ist vor allem anderen als gelten. Derselbe wurde mit einer erdrück enden Majorität in den deutschen Reichstag gewählt, und zwar unter den denkbar unaünstiasten Umständen. Trokdem daß I alle Agitation in Wort und Schrift ver ' v t..!.iv. ' .i.i!ix. cm t ooien, oas tvclllloemolraliillze ÄZllyl comite verhaftet, die Gelder zur Wahl Agitation beschlagnahmt und fernere Sammlunaen aänlick unmäalick aemackt l waren und die Socialdemokratie 'jeglicher. 's. 'w S. !J r a Zerrung uno legriazen Jurammenyanges entbehrte, erzielte sie eine .Stimmenzahl von nahezu 14,000!- , Wenn iraendwo der Aussvruck "vox : populi, vox deP zutrifft, so ist es hier; ore vox populi bat das Gebühren der Machthaber gerrchtet! Und der socia listische R.ichstagsabgcorvnete Bracke, konnte mit innerer Genugthuung m's unbekannte Jenseits hinüberschlummern, als man ihm die Nachricht von diesem Siege an's Sterbebett brachte. Die Freude an dem Siege ließ seine verlöschenden Lebens geister noch einmal in Begeisterung hoch ausflammen und ein Blulsturz hervorge rusen durch die sreudigeAufregung, machte seinem vielbewegten Leben ein etwas früheres Ende. Unstreitig ist es ein schöner Tod zu sterben mit dem Bewußtsein, daß unser Streben anerkannt und unser Leben kein vergebliches gewesen ist, aber Bracke war noch jung und hätte noch viel zur Förderung des Prozeffes des Ganzen beitragen können. Derartige lichte Momentc in der monotonen Steppe der Weltae schichte, wie der Hamburger Sieg, müssen uns Ueberlebende auch auf längere Zeit hinaus zu bitterem Kampfe starken und sie sind uns fast so unentbehrlich, wie das Sonnenlicht der Pflanze. Das Begräbniß Bracke's gcstal tete sich ebenfalls zu einem lichten Mo mnt lernst und sckweiaend. obne Prunk, begleiteten die Ärbeiterbattaillone" Braunschweigs in langen, unabsehbaren Zügen, viele Tausende an der Zahl, ihren Führer zur letzten Ruhestätte. Keine . Empleme. keine Fahnen wann sichtbar, nur eine Ueberfülle von Blumen undKrän. zen mußte jedem merklich auffallen. Auch keine Rede wurde bei dem Ernste der Situation am offnen Grabe gehalten, aber trotzdem, sind alle Gegner einig in der Meinung, daß Braunfchwcig seit seinem Bestehen, kein zweites so großesBegräbniß -gesehen habe! Ich sage bei dem Ernst der Situation, weil schon davon die Rede ist. daß über Hamburg und Leipzig der Belagerungs- -zustand ebenfalls verhängt werden soll, welche Maßregel man dann leicht auch auf Braunschweig auszudehnen sich bemüßigt gefunden baben würde bei einem demon i strativen Begräbniß Brackes. Nun ist nher das B.'aräbnin wider Willen und nhrit YZbsickt der Vartei dock u einer iinV 1s I T- W J . rs . ri"o4i w...v . geyeuren .ajcinunuiuiiui guuuiucu uv.o gerade das unheimlich Ruhige an dersel ben wird die Geaner nur noch mehr in Schrecken und Angst versetzen ; barg es doch ein verzehrendes Zornseuer, wie die Wetterwolke den Blitz! Alle diese Vorgänge sind Beweise genug dasür, daß die heutige Socialdemokratie nicht mit Ausnahmegesetzen, Verfolgungen ' und Unschädlichmachung der Führer be seitigt oder zum Schweigen gebracht wer den kann und wenn die Menschen nicht mit solchen Protesten redeten, würden die Steine reden. Man will und kann dieZ aber nicht einsehen und tröstet sich damit, daß in Hamburg die Furcht vor der Ein . i o w..ir,Ai orfts4 ttjim verieiouiig in ucuiiujc uuuiu, uuiujuu der Gegenkandidat gleichfalls dagegen zu stimmen versprochen hatte, in Sachsen :c. partlkularistlsche Anschauungen unv m Berlin die prinzipielle Opposition der. Fortschrittspartei. an den . staunenerregenden Wachsen der Socialdemokra.i'e schuld s-ien. - ' ' - - - ; Die Vertreter des herrschenden Systems machen eben sür alles Geschehende, was ihnen nicht in den Kram paßt einen Grund aussindig, und sollte er auch noch so cb surd und einfälltig sein, wie der jüngst für die jetzt , geradezu in schreckenerregender Ausdehnung um sich- greifende Maffm auswandcrung der befferen Kräfte er Nation, welche man dem deutschen Man dertriebe schuld zu geben versuchte, um du' Indifferenten in dem Glavben zu erhalten, als ob nichts faul, im Staate Deutschland sei. Es kann indeß nicht ausbleiben, daß. der Verwesungsbrodem in alle Bohrn deZ Reiches dringt und der Versuch, - diesen dem Volke als, ein Frühlingswehen orzuschwindeln dürfte dann doch den B0detten die Auaen öffnen. R. t:
