Indiana Tribüne, Volume 2, Number 40, Indianapolis, Marion County, 15 May 1880 — Page 6

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I n d i a n a r i b ü n e."

bgrunil. 0Novelle von S. von der Horst. . - (Fortsetzung.) Die Hand brachte ein Kästchen zurück, .das nun mittelst eines am Halse getragenen .Schlüssels geöffnet wurde, dem sie dann . ein Flacon entnahm, ganz klein, mit weife lichem geringen Inhalt und ohne eine .Etiquette. Sie ging nun zum Tisch, nahm das : Medicinglas und öffnete den Kork. Dann -sedtesie sich, den Rücken der Gardine zu gekehrt, auf einen Stuhl und hob das kleine Flacon empor, um den Inhalt des selben der Mixtur beizufügen. Noch war kein Tropfen jenes weibgrauen Stoffes in das Arzneiglas gefallen, als '.sich langsam,' über den gesenkten Kopf der .schönen Frau hinweg, ein Arm ausstreckte und eine Männerhand das Flacon mit se 'stem Griff erfaßte. Lautlos, wie er gekommen, verschwand der Arm; Alles blieb todtenstill in der heißen Sammernacht, -nur die Jnsecten schwirrten um die Lampe, und der Kranke flüsterte im Schlafe leise einen Namen: . Wilhelm! Wilhelm!" Eiskalt durchschauert, fast sinnlos vor Entsetzen, drehte Leonore den Kops. Zwi schen den Falten der Gardine hervor sah ein blaffes, drohendes Antlitz, bohrten sich auS blauen, so wohlbekannten Augen strasende Blicke in die ihrigen, aber Alles blieb stumm, lautlos wie der Tod. -: Mit einem erstickten Schrei sank die junge Frau ohnmächtig auf den Teppich. Im selben Moment wurde unten auf der Straße die Thürglocke gezogen. Zum Verständniß des Nachfolgenden sind wir genöthigt, vorerst unsereAusmerk samkeit anderen Personen zuzuwenden, um den Gang der Ereigniffe genau feststellen zu können. Als Balten und Riemer das Bureau verließen, gingen sie miteinander, wie ge wöhnlich, durch einige Straßen der Stadt, bevor sich ihre Wege trennten. 'Das frühere guteFinvernehmen zwischen den beiden Jugendfreunden schien in letz terer Zeit bemerkbar gestört. Ihre Unter Haltungen hatten jenes Gezwungene, totU ches so leicht entsteht, wo ein unausgespro chenes Etwas, allen Theilen bekannt, aber doch stillschweigend verleugnet, zwischen den Herzen liegt. Riemer ging gänzlich schweigend neben seinem Genoffen: Erst als die größere Hälfte des Weges zurückgelegt war, redete er ihn, wie es schien, einen schweren Ent schluß fassend, plötzlich an. August," sagte er, ich möchte Dir eine Frage vorlegen, willst Du sie mir ganz un verhohlen beantworten, ganz aufrichtig V Der Andere saß überrascht empor.' Gewiß, Emil, das darfst Du mir glauben versicherte er. Und laß Dir tagen, daß ich längst auf diese Stunde gewartet, daß mir Dein ganzes Wesen unerklärlich sei Riemer unterbrach Balten mit schneller Bewegung. Nicht um mich handelt es sich, August sagteer, oder k och erst in zweiter Linie. Aber laß mich Alles erzäh len. Du Kennst ja den Geld'Negocianten Dahlberg. nicht wahr, August?--Der Andere zog die Stirn in krause Falten. Leider !" seufzte er. Unter allen diesen Mohren ist er einer der weiße sten der Böse soll ihn holen. Bist Du einmal wieder seinem liebenswürdigen La cheln zum Opfer gefallen, armer Schelm ?" Riemer schüttelte den Kopf. Ich be gegnete ihm gestern Abend ganz zufällig, und ging an seiner Seite . über die West Straße, als aus einer der Hausthüren je ner sonderbare alte Mann heraustrat, der uns gestern .durch seine Fragen so lange belästigte Dr. Held, der Schwede Bolten sah forschend in das Gesicht des Anderen; aber Riemer wich fortwährend diesen fragenden Blicken mit geschickter Wendung aus. Ich wollte ihn nicht weiter beachten fuhr er nach eine? Pause fort, namentlich, da uns der alte Mann offenbar .nicht be merkt hatte, aber mein Begleiter blieb sie hen und sah voll Erstaunen die hinfälligen Gestalt an. ., ' Der wieder hier? rief er, wie eS schien, sehr.überrascht. . rRun;. fragte ich, , um etwas zu sagen, kennen -Sie den Mann? Und warum sollte er nicht hierher kommen ?" 'Wir gingen, inzwischen .weiter und Dahlberg zuckte die Achseln

Am

Haben Sie nie von der samosen Affaire des Prinzen stein gehört?" fragte er. Die Geschichte spielte doch erst vor einigen Jahren Ich verneinte, und dann fuhrDahlberg in seiner Erzählung sort : . Der Mann ist Arzt und sehr geschickt sogar' in seinem Fach ; aber er war ein Spieler, das ve'rdarb ihm Alles. Nach und nach wurde sein Ruf zweifelhaft, er verkaufte Geheim mittel und dergleichen, bis endlich'in einem berüchtigten Hause, wo er auch zur Zeit wohnte, eben jener Prinz um bedeutende Summen geprellt ward. Er schlug AI larm, behauptete, einen Schlaftrunk halten zu haben, und der Verdacht dieser letz teren Thatsache, lenkte sich natürlich auf den berüchgten Arzt. Noch selbigen Tages war er verschwunden es wundert mich also, ihn in Deutschland wiederzusehen Du kannst Dir denken,. August, daß ich aufmerksam wurde. Der Mann wäre demnach ein Betrüger? kragte ich. Dahlberg lächelte.. Wohl noch etwas mehr als Das!- sagte er zweideutig. Aber was kümmert es uns, Herr Riemer. Ich empfehle mich Ihnen bestens Er ging, und ich versuchte es vergebens, die Geschichte zu vergessen, bis mir heute Morgen eine ganz unvermuthete Entdeckung in den Weg kam. Der Carton, welchen wir an den Baron von Uhlseld abge liefert haben, muß jedenfalls schlecht ver schloffen gewesen sein, da ein in demselben besindliches Fläschchen zerbrach und Spuren seines Inhaltes auf den Brettern, wo es gestanden, zurückließ. Du weißt, daß ich Medicin studirte, August das, was ich sah, war ausgelöster Arsenik Unmöglich, Emil ein Gist V Wie ich Dir sage. Und nun sprich, Bolten, dürfen wir das Entdeckte verschweigen V DerAndere neigte nachdenklich denKopf. Bist Du Deiner Sache vollkommen sicher, Emil ?" . Mit Bezug aus das Gist? Ich habe einen Span von dem Regal abgeschnitten und mich zu Hause vollkommen überzeugt. Wenn Du Dich auf dergleichen verständest, so könnte ich Dir den Apparat und die Untersuchung selbst zeigen. Meine Ueberzeu'gung ist unerschütterlich . Dann bist Du verpflichtet, die Sache zur Anzeige zu bringen entgegnete Bol ten. UndAlles zu erzählen, was ich von dem Verlauf derselben überhaupt weiß? Die anonymen Sendungen, die offenbare Verlegenheit des Barons, als er sich er kannt sah r Alles !" Riemer verstummte völlig. ' Er sollte es sein, der den schwedischen Arzt eines so schwerenVerbrechens anklagte, er, derDieb, ihn, den Bestohlenen. Es überlies ihn kalt, so oft er daran dachte. Wenn später eine Untersuchung entstand, worin sich herausstellt, daß ein Brief an den schwedischen Arzt verloren gegangen war, und wenn der Baron von Uhlseld aus Rache gegen ihn es beschwor, daß er selbst diesen Brief in seinen Handen gesehen, dan er denselben also unterschlagen haben müffe ! . Warum schweigst Du so beharrlich, Emil?" fragte Bolten. Ist es Dir fatal, den völlig fremden Menschen zu denunci ren ? Du bist an meine Auffaffung des Falles keineswegs gebunden, doch scheint mir die Gefahr, durch Stillschweigen viel leicht einen.Mord zu begünstigen, größer als jede anderweitige Rücksicht. Meinst Du nicht auch?" ; Riemer seufzte. Gewiß. August, gewiß. Doch sprich vor der Hand zu Niemanden Davon. Die Sache ist mir schrecklich, das kann ich nicht leugnen. Adieu . Er ging so schnell quer über die Straße hinüber und wollte offenbar das Gespräch abbrechen, daß im Bolten nicht folgte, son dern mit einem Kopsschütteln de3 Erstau nens seinen Weg allein fortsetzte. - " ; Was es nur sein mag V dachte er. Etwas ist vorgefallen und mit diesen G. G. Sendungen"' . hängt es zusammen, darauf wollte ich schwören. Der arme Schelm er ist nicht mehr derselbeMensch, wie früher - ? " Unb wirklich war das der Unglückliche nicht. Leichenbläffe bedeckte sein Gesicht, als nach Hause ging. . DaS . ist das Gericht dachte er, ta8: hereinbrechende Verbängniß. , Ich bin .jetzt gezwungen, um nicht der Mitschuld an einem Morde theilhastig zu werden, höchstwahrscheinlich mein eigenes Verbrechen selbst aufzudecken. DaS ist eine harte unsäglich hqrte Strafe, aber ich fühle daß ihr nicht. ent. rinnen werde. Bolten ahnt schon mehr

als. halb das Vorgefallene bald wird es die ganze Welt wissen. O, meine armen Kinder, mein unglückliches Weib !" Bolten ging indessen weiter, dem Stadt chen zu. Er hatte für diesen Abend in ei nem Biergarten draußen im Grünen eine Kegelpartie und. wanderte .langsam dort hin. 'Der Garten des Wirthshauses war Kopf an Kopf gefüllt. . Es wurde getanzt, Billiard gespielt, geschaukelt und gekegelt ; auch plaudernde Gruppen saßen überall in den Lauben und unter einzelnen Bäumen umher. Bolten achtete anfänglich auf Niemand, auch selbst aus das Spiel äußerst wenig ; seine Erinnerungen verweilte noch immer bei Riemer's blaffem Gesicht' er ?rschrack förmlich, als ihm unter der Menge eine Erscheinung aussiel, die er sofort erkannte. 'Jener hochgewachsene, aristokratisch aussehende Mann war der Baron von Uhlseld, und .neben ihm am Tische der kleine, verschmitzt lächelnde Dr. Held, der mystische schwedische Arzt. Die Beiden plauderten äußerst harmlos, wie es schien; der Baron trank immerfort und füllte auch das Glas des Anderen, so oft es leer aus dem Tisch stand. Bolten sah verstohlen nach der Etiquette der mehrmals erneuten Flasche . es war Sherry. Warum der schwere Wein bei sünfund zwanzig Grad Hitze in stillstehender, wind leere Lust? Bolten wunderte sich unwillkürlich. Die entsetzliche Beschuldigung Riemer's kam ihm wieder in's Gedächtniß. Ob wirklich dieBeiden miteinander über ein Verbrechen beriethen ? Sie lachten und scherzten. Es schien, als ob der Baron alle möglichen Anstren gungen machte, seinen Begleiter bei guter Laune zu erhalten. , Der schwedische Arzt war offenbar nicht mehr ganz nüchtern. Bolten konnte kaum die Blicke losreißen. Er verlor alles Interesse an seiner Kegel' Partie und machte sich srüher als jemals von der Gesellschaft der Uebrigen frei. In einer Laube versteckt, beobachteten seine Augen unablässig jene beiden Män ner. Es wurde immer später, die Menge verlor sich zusehends, aber dennoch machten sie keine Miene, sich zu erheben. Der Lauschende konnte jetzt sogar ihr Gesprach theilweise verstehen. Doktor Held sprach vonSchweden, pries dessen Schönheit und die Geschicklichkeit seiner Bewohner; er sprach sehr anziehend, man hörte an jedem Wort den Mann von Geist und Bildung. Der Baron seinerseits war srüber in Italien gewesen; auch' er erzählte fließend, und manche geistreiche Parallele wurde gezogen. Bolten fühlte mehr und mehr seinen Argwohn schwinden. Konnten so zwei Männer sich unterhalten, die ein schreckliches Verbrechen das schrecklichste unter allen planten? Es schien undenk dar. Aber desto mehr wuchs sein Jntereffe. Er wollte bleiben, bis sich die Sprechen den entkernt hatten, ja, er wollte sie wo möglich sogar anreden, um vielleicht selbst zu einem entscheidenden Schritt, dem Schweden gegenüber, gelangen zu können er wollte den Namen Dahlbirg und den des Prinz .... stein in seiner Gegenwart nennen, um zu hören, ob der entsetzliche Verdacht deö Ersteren wirklich begründet fei. Und endlich, endlich erhoben sich die beiden Zecher von ihrem mit - leeren Fla schen bedeckten Tisch. Der Baron sah aus die Taschenuhr. . Es ist Zeit, Doktor sagte er mit ge dämvster Stimme. Wir werden sogar eilen müffen, um " Er vollendete nicht,, aber der schwedische Arzt schien'ihn 'vollständig zu verstehen. Mir ist's noch halb und halb unbegreif lich," sagte kopfschüttelnd, .noch nicht so recht verständlich, wissen Sie. Und daß ich nur die .Wahrheit gestehe, . Baron ich an Ihrer Stelle hätte , mich tapferer ge wehrt, ha, ha, ha !" . Der Edelmann antwortete nicht. .Viel leicht sähen weder der Schwede noch Sollen ein seltsames Lächeln, das metenrartig über sein intelligentes Gesicht dahinglitt. Eilen wir, Doktor sagte er nach einer Pause. Von hier bis zur Dienenstraße ist eS sehr weit ' Sie sollen aber jeden falls erkennen, daß ich ehrlich und aufrichtig handle ;' Sie selbst sollen sehen daß in dieser Nacht vielleicht schon ein entschei dender Schritt geschehen ist Bolten erschrack ' wieder. ' Das. waren unerklärliche Worte. Er' beschloß, 'die beiden Männer auf keinen Fall euö den Augen zu verlieren.' ' - ' '

Der kleine Alte kicherte vergnüglich. Bin ganz entzückt stammelte er, offen bar nicht völlig nüchtern, ganz hingeris sen von Ihrer Liebenswürdigkeit, Baron. Ich dachte mir die Sache so äußerst schwer, war aus alle möglichen Chicanen gefaßt, und Sie kommen mir entgegen wie ein echter Cavalier, nobel, freigebig nd dabei so- , .. Pst !" lachte der Baron. Still, Dok torchen. Ich erröthe schon, Sie könnend nur im Finstern nicht sehen , Ha, ha, ha, vortrefflicher Kerl ! Na, lasten Sie uns gehen. Also ein PalaiS besitzt Ihre Angebetene ? Ist schwer reich, sagen Sie ? Da muß ich denn wohl " Still, still flüsterte der Baron. Die Wände haben hier Ohren. Jetzt wollen wir uns auf den Heimweg machen, aber sind Sie auch nicht zu müde für eine kleine hübsche Fußwanderung, Doktor?" Ich? Pah, ich marschire bis zum lichten Morgen und mache mir nichts dar aus Beide gingen durch die völlig nacht dunkle Allee des Wirthshausgartens bis zur Pforte, welche auf die Straße bJnauS führt, und von da in einen Nebenweg, der seitab am Rande eines Flüffes dahinlief. Hohe Bäume verursachten auch hier den tiessten Schatten. . Bolten hatte sich hinter ihnen geräusch los erhoben und ging jetzt Schritt für Schritt den gleichen Weg. Was bedeutet das?- dachte er voll' Erstaunen, diese Richtung ist die der Dienen Allee ganz entgegengesetzte Aber trotzdem blieb er den beiden Vor angegangenen, ungesehen und ungeahnt, hart auf den Fersen. Jetzt stand es auch sür ihn ganz fest, daß hier ein Verbrechen vorliegen müffe. Der weiche Grasboden dämpfte das Ge räusch der Schritte dermaßen, daß Bolten mit leichter Mühe den Vorangegangenen nachkam, ohne gehört zu werden. Die Gestalten des Barons und des Fremden zeichneten sich im Dunkel des Weges kaum merklich von der Umgebung ab, aber ihre Stimmen dienten dem Nachsolgenden als Führer, obgleich freilich nur selten ein verständliches Wort hinüberklang. Der Fremde mußte sehr aufgeräumt sein, da er häufig laut lachte und sich end lich an den Arm des Barons hing. Ja moser Kerl hörte ihn unser Freund aus rufen, wollen wahrhastig auf Du und Du trinken, noch bevor der neue Tag an bricht. Freilich bin ich kein Cavalier, aber meiner Zeit war ich doch ein Student und dann ein Arzt, kam in die besteGesellschast, bis.mir'ein Malheur passtrte, ein " Pst !" warnte der Edelmann, nicht so laut Las ist wahr, daö ist wahr. Ach ein wundervoller Abend, ich möchte wahr hastig singen Das können Sie thun !" lachte der Baron. Aber welches Lied denn V .Hm. mein Lieblingsstück, die Moral, welche ich immer zu meiner Lehrmeisterin gemacht und mich gut dabei gestanden habe. Pflücket die Rose, eh' sie ver blüht!" Wieder erklang das Lachen des Barons, aber diesmal mit sonderbarer Betonung, sast spöttisch. M sie verblüht !" wiederholteer; ja und das Welken entsteht über Nacht, ur plötzlich, die Blüthe glüht in höchster Pracht und dann naht das Verderben Der Alte hörte auf zu singen. Wie sel'sam Sie das sagen, Baron!" rief er halblaut. Und wohin führt den eigentlich dieser Weg ? Vor uns ist Alles dunkel Das ist das ganze Leben, Doktor!" Der Schwede blieb stehen.. . Liegt' die Dienenstraße in einer Vorstadt, Baron ?" ' Ja. Geben Sie mir den Arm,Freund ! An meine Linkes hören Sie, zur Rechten wird der Weg abschüffig schlüpfrig ' Bolten fühlte sich durch den Klang dieser Worte eigenthümlich berührt. Was er empfand, das ließ sich nicht definireti, er wußte es selbst kaum, aber dennoch klopfte sein Herz, als sei er im Begriff, ein Unrecht zu begehen; trotzdem schlich er nah und näher an die beiden Vorausschreitenden hinan. ' - . '' u . ' Ich bin ein Thor dachte er, die son derbaren Erzählungen Riemers haben mich sür allerlei mystische Vorstellungen dispo'nirt die Hitze drückt das Gehirn ' Im selben Moment aber stieß er einen Schrei des höchsten Erschreckens aus. Vor ihm, auf einer schmalen, hölzernen Brücke, die ihm, schwachen Mondlicht gegen die tiefdunkle Umgebung verhältnißmäßig hell hervortrat, vollzog sich etwas Schreckli ' ches.

Secundenlang bildeten die beiden Ge stalten des Barons und des schwedischen Arztes nur eine engverschlungene Maffe, dann' unterschied Bolten die deutlichen Bemühungen des Edelmanns, seinen Gegner über das niedrige Geländer des Steges, in den Fluß zu werfen. Der kleine Alte wehrte sich mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften. Hilfe ! Hilfe !" grellte es durch die Nacht. Fast im selben Moment, als Bolten durch einige schnellereSchritte dieUnglückö stätte erreicht hatte, gelang es dem Alten, sich von dem Arm seines Gegnere zu be freien. Röchelnd stürzte er im dumpfen Falle aus die Planken der Brücke. Blut geruch durchdrang die Nacht. Was geht hier vor?" rief Bolten.' Herr Baron von Uhlseld, Sie sind er kannt !" Der Angeredete stand sekundenlang,blaß wie ein Todter, mit erhobener Hand vor seinem Ankläger. Es schien, als wolle er, außer sich vor Zorn, auch diesen übcrfal len. . Aber nur einen einzigen Moment währte dieses Schwanken, dann mochte der Selbsterhaltungstrieb jeden anderen Gedanken siegreich verdrängt haben. Einen Fluch zwischen den Zähnen zer drückend, verschwand er im Dunkel. Bolten wendete sich ungesäumt zu dem Gefallenen, deffen Hände suchend am Boden tasteten und aus deffen Brust das Blut unaufhaltsam herabrann. Sie sind verwundet ?" fragte er äußerst erschrocken, und schwer sogar? Glau den Sie nicht mehr bis zum Wirthshaus zurückgehen zu können ?" Der Schwede schüttelte matt den Kopf. Gehen? Ich werde binnen wenigen Stunden ein todter Mann sein. Der Elende wollte mich aus dem Wege schaffen!" Also doch !" dachte Bolten. Doch !" Und warum ?" fragte er, während snne Hände beschäftigt waren, aus Hals und Taschentüchern einen ersten Nothverband herzustellen. Standen Sie dem Herrn in irgend einer Weise feindlich gegenüber oder konnten Sie ihm vielleicht durch Ihre Kenntniß seiner Verhältniffe gefähr lich werden, so daß " DerSchwede unterbrach ihn. Schnell!" ächzte er, einen Wagen ! Ich will noch lange genug leben, um den falschen Teufel zu . entlarven. Aber nein, nein, ach verflucht, das Blut rinnt dahin und daö Leben mit. Der Baron ist ein Schurke! seine Geliebte braucht Gift Dienen straße 12 ein alter Mann, der sterben soll und ich ich " . Der Verwundete schloß die Augen. DaS Röcheln erstickte seine Stimme ; der Blut Verlust machte ihn sür geordnete Vorstel lungen zu schwach. Er flüsterte nur noch kaum verständlich : Meine Blechkapsel, Beweis." Bolten sah, daß er eilen mußte, wenn nicht der Verwundete unter seinen Händen den Geist aufgeben sollte. Er nahm die im Grase liegende Blechkapsel, steckte sie zu sich und versuchte es, dem Sterbenden be greiflich zu machen, daß er ihn allein las sen müsse, um einen Wagen herbeizuschas sen. Doktor Held hörte ihn nicht mehr; er ging daher schnellen Schrittes zum Wirthshaus zurück. Dienenstraße 12 dachte er. Du großer Gott, die Sache scheint sich immer mehr zu verwirren, immer entschiedener den armen Emil in ihre verschlungenen Fäden hineinzuziehen. Ich muß noch in dieser Stunde zu ihm gehen und ihm Alles mittheilen Im vollen Laufe eilte er vorwärts. Der Wagen des Wirthes erschien sehr bald; man legte den Bewußtlosen hinein und Bolten setzte sich zu ihm hin. Nach dem städtischen Krankenhause, scheint mir, ist das Richtigste," sagte er. Die Diakonniffen Anstalt ist näher !" ries eine Stimme aus der Menge. Viel näher, sie liegt ja sast vor dem Thor Freund Bolten wünschte sehnlichst, sobald als möglich seinen Freund benach richtigen zu können, daher acceptirtee so fort diesenVorschlag. Polizei war nicht auf zufinden gewesen, also hinderte ihn Nie mand in seinen Entschlüffen. (Fortsetzung folgt.)

. Na, wie geht .es Dir denn in Dei nem neuen Hausstand darf man Dich einmal besuchen?- Nein, jetzt noch nicht Freund, meine Frau hat noch eine zu gute Meinung von mir."