Indiana Tribüne, Volume 2, Number 40, Indianapolis, Marion County, 15 May 1880 — Page 4

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indiana Hribüne.

(Wochenblatt.) Cfftcc: Ecke Circle u. Meridianstr. fJm dritten Stock ) (Entered 23 gecond-clasa matter at the Postofljoe at Indianapolis, Ihdiana. Abonnements-Preise. 9 der Stadt drch die Post ins Hau geliefert Vcr Jahr im Voraui Ver Vmm ...$2.00 5 Kent. Otto Schüssel, Herausgeber. Indianapolis, Ind., den 15. Mai 1880. Die Prasientschaftö-Aandidatur. ES ist im Augenblicke fast vollständig unmöglich, auch nur mit dem geringsten Grade von Bestimmtheit anzugeben, wer der Glückliche sein wird, der die Nomination in Chicago erhält. Grant's Cancen stehen so weit unzweifelhaft am Besten. Wenn jedoch, wie gerüchtweise verlautet die Neworker und Pennsyvanier Delegati.onen von ihren Instruktionen abwei Hen nd nicht einstimmig für Grant voti ren werden, dann ist seine Nomination vemger als wahrscheinlich. Ebenso un wahrscheinlich ist es aber, daß im Falle einer Niederlage Grands, dessen Freunde für Blaine stimmen werden. Es ist also voh! Aussicht vorhanden, daß keiner von Beiden durchdringt, und das wäre wahr haftig nicht zu bedauern. 'Es ist wohl fraglich, ob sich jemals schon bei irgend einer Gelegenheit die Machtlosigkeit des Volkes gegenüber den Pro sefsionspolitikern so auffallend gezeigt hat, als gelegentlich der Kandidatur um die republikanische Präsidentschastsnomina Ihm. Von den Bewerbern um dieselbe ist Bkaine sicherlich Derjenige, welcher per sönlich der dem Volke am Wenigsten Sympathische ist, sein politischer Charak ter ist überall befleckt. Was Grant anbe langt, so entspringt die Opposition gegen ihn theilweise der Abneigung gegen einen dritten Termin, theilweise dem Umstände, daß unter seiner Administration eine Gor ruption ohne Gleichen einriß, für die man ihn, und nicht ganz ohne Unrecht verant wörtlich macht, obwohl man ihm persönlich im Grunde nichts Schlechtes achsagen kann. Unterlaffungssünden sind ledock auch Sünden. Nachdem die Lumpe entlarvt waren, schützte er sie, anstatt sie davonzujagen. Ganz natürlich ist es daher, wenn man in Bezug auf Grant jetzt das Sprüchwort in Anwendung bringt: .Sage mir, mit wem du gehst und ich will Dir sagen, wer du bist." Und gerade diese Beiden, Blaine und Grant, welche dem Volke am Wenigsten sympatsch sind, haben die meiste Aussicht auf die Nomination, und Convention um Convention instruirt ihre Delegaten, entweder für den Einen oder den Andern. Und das kommt lediglich von der nieder trachtigen Aemterjägerei, an welcher die ses Land noch zu Grunde gehen wird, wenn nicht eine Aenderung eintritt. Die kontrollirenden Elemente in den Staats konventidnen sind Professionspolitiker und Aemterjäger. Blaine ist Einer von ihrem Schlag und Grant hat sich, als Civilbeunter, als willenloses Werkzeug derselben gezeigt. Dies sind die Leute, welche unter den gegenwärtigen Verhältnissen die besten Jussichten auf die Nomination für ein Amt haben, das dem Inhaber die Macht verleiht, Tausende von Beamten ein- und abzusetzen. Dem Volke bleibt dabei vor lausig nur der Trost, daß sie vielleicht sich selbst einander abschlachten und so den Weg für einen Anderen öffnen werden. Wird aber doch Einer vonBeiden nomi nirt, dann hat man nur die Wahl zwischen ihm ud dem Demokraten, und die durch und durch faule und eorrupte demokratische Partei ist noch schlimmer, als der schlecht teste republikanische Präsident der doch imnerhin nur eine Person ist. So besteht unsere vielgerühmte politische Frei heit in dem Vergnügen, immer zwischen zwei oder mehr Uebeln wählen zu müssen. Mehr oder weniger trägt daran auch der Umstand schuld, daß die gegenwärtigen Parteien keine großen Prinzipien vertreten, für die man sich begeistern kann, daß sie. anstatt in die Zukunft zu schauen, Gutes für die Zukunft vorzubereiten, noch immer an der Vergangenheit zehren. So sammt es, daß das Volk politisch träge ist, und die Politik denjenigen überläßt, welche sie zu ihrem Berufe gemacht haben. DaS ist ein trauriger Zustand, unter dem kein Fortschritt mögUch ist.

Die Königin von Schweden ist be denklich erkrankt.

Er muß aufs Land nämlich Bis marck um seine zerrüttete Gesundheit wie der herzustellen. Der deutsche Reichstag hat seine Ses' sion beendet. Im Herb'st kann's wieder vom Neuen losgehen. . Bei der Staats'Convention inNevada, welche am Dienstag stattfand, wurden die Delegaten für Blaine instruirt. Am 18. 19. 20. und 21. Mai findet in Cincinnati ein großes Musikfest unter Lei tung des Capellmeisterö Theodor Thomas statt. Der Congreß wird sich Ende dieses Monats vertagen. Ob er seine Schuldig keit gethan bat, ist fraglich, aber gehen kann er immerhin. In Columbus. O. wurden am Mon tag zwei Armee-Osfiziere unter der An' klage des Taschendiebstahls verhaftet. Ist das standesgemäß? Im Monat April sind von Liverpool 29.401 Personen abgereist. Davon gin gen 25,187 nach den Ver. Staaten. Ge wiß eine koloffale Ausmanderungslust. Man gab sich in San Franzisco schon dem schönen Gedanken hin, daß die Chinesen'Einwanderung aufgehört habe, da erschienen auf einmal 600 dieser Be zopften. CTAm Hrs4rtrfMflr nSrt flTttrtiist vuiviuwibii wvjiutivii tiuyut Geib wurde kürzlich in Hamburg, seinem früheren Aufenthaltsort ein bescheidenes Denkmal gesetzt. Uns wundert, daß das die Polizei geschehen ließ. In Hamburg ist eine Pulvermühle in die Luft geflogen, wobei mehrere Arbeiter ums Leben kamen, während in Baltimore, Md. durch eine Explosion mehrere Arbeiter ihr Leben einbüßten. An derartigen Neuigkeiten mangelt es leider niemals. Baron von Rudhardt, der bäurische Gesandte am preußischen Hof, welchtn Fürst Bismarck heftig angriff, weil er im Bundesrathe d:r preußischen Regierung entgegentrat, hat resignirt und König Ludwig hat seine Resignation angenommen. Di N. Y. Volks-Zeitung" veröffentlicht in ihren Lokalspalten eine ganze Reihe von Selbstmorden, die ausschließlich von deutschen lebensmüden Frauen und Männern verübt wurden. Die scheinen die guten Zeiten in der That nicht recht begriffen zu haben. Zum internationalen SchriftstellerKongreß in Lissabon sind bis jetzt die An Meldungen der Delegirten in solch' gerin ger Anzahl erfolgt, daß der Kongreß in diesem Jahre wahrscheinlich gar nicht zu Stande kommt. Das ist ein untrügliches Zeichen der Zeit. Die Auswanderung aus Europa und hauptsächlich aus Deutschland kann man schon eine kleine Völkerwanderung nennen. In den letzten 30 Jahren sind überhaupt aus Berlin 2 Millionen Menschen aus gewandert. Ein Beweiß, daß es dort mit der Zufriedenheit nicht gar zu .weit her ist. Die Ordnungsmänner von Quebec, Canada, haben in der That von den Arbeitern etwas gelernt, denn auch sie wollen striken, wenn ihnen nicht eine Lohn erhihung bewilligt wird. Nun wenn auch schon die Polizisten wiederspenstig werden, dann ist die Umwälzung nicht mehr ferne. Die Grubenarbeiter in Pankrast, Pa. haben es durchgesetzt, ' einen achtstündigen Arbeitstag zu erlangen. Sie empfehlen jetzt auch den andern Grubenarbeitern des Staates Nachahmung ihres Beispiels und in der That, dasselbe zeigt, was mit ver einten Kräften"' ausgerichtet werden kann. Clotilde DumaS, eine Tochter Alex ander DumaS', verheirathete sich jüngst mit Herrn Moritz Lippmann in Paris. In der Familie werden nun drei Religio nen vertreten lein. DumoS ist Katholik, seine Frau, geborene Fürstin Karischkin, russisch'griechischer Confession, Herr Lipp mann Jude. Es ist wahrscheinlich, daß die Ham burger Freihafenangelegenheit durch einen Compromiß geregelt werden wird, indem eine Commission ernannt werden soll, welche eine neue Zollgrenze bestimmen soll. St. Pauli, oder doch ein großer Theil da von, wird dann innerhalb desFreihasenge bieteS bleiben.

Aus Albany wird unterm 11. Mai

gemeldet: Der Senat hat heute die ge meinschaftliche Resolution passirt, welche die Constitution des Staates dahin amen dirt, daß auch den Frauen das Stimm recht gewährleistet wird. Es erklärten sich 17 Stimmen dafür, 14 dagegen. Das ist also ein neuer Sieg der Vertheidiger der Frauenrechte. Am 18. Mai sollen in St. Petersburg 11 gefangene Nihilisten vor das Kriegs gericht gestellt werden. Unter den Ange klagten befinden sich auch 4 Frauen. Ueberhaupt gehören sehr viele Frauen der nihilistischen Verbindung an, auch hat man die Bemerkung gemacht, daß jene Frauen mit noch viel größerem Eifer ihre Sache verfechten, als die Männer. Es wird berichtet, daß die Noth in Irland jetzt größer sei als je, und daß sie in dem Maßstabe zunehmen wird, in wel chem die Beiträge zur Linderung derselben abnehmt. Das dachten wir uns schon längst, denn milde Gaben können solchen Nothstand nicht fortschaffen. Das Uebel muß mit der Wurzel ausgeriffen werden. Zum ersten Male hat kürzlich der König von Würtemberg ein Todesurtheil unterzeichnet. Er hat bis jetzt, so oft ihm ein Todesurtheil vorgelegt wurde, das selbe zurückgesandt und mit Begnadigung geantwortet. Das von ihm unterzeichnete Todesurtheil betrifft den Raubmörder Rapp, in Ravensderg, der zwei alte Leute beraubte und ermordete. In England sind neuerdings wieder viel mehr Arbeitseinstellungen vorgekom men, als seit langer Zeit. Ein Strike in Blackburn zeigt wieder, daß sich die dort! gen Spinner, so lange sie sich nicht dage gen auflehnen, mit einem kargen Lohn begnügen müssen. Es ist eben überhaupt immer die alte Geschichte, daß man die gerechtesten Forderungen der Lohnarbeiter gar nicht beachtet, bis sie gezwungen sind, die Arbeit einzustellen. In Rome, N. B. ereignete sich am Montag ein schreckliches Unglück. Durch eine Kesselexplosion in d?n Merchantö Eisenwerken, wurde das ganze Gebäude zertrümmert, vier Arbeiter getödtet, und fünf schwer verletzt. Jeder der Erschlagenen hinterläßt eine Ehefrau und Kinder. Da die Eisenmerke vorläufig nicht in Betrieb gesetzt werden können, werden 150 Arbeiter brodlos. Man sollte denken, daß jene Arbeiter doch ein Risiko hatten. Ein Correspondent der Franks. Ztg. theilt derselben mit, daß sich in Hamburg die Aufregung über den sozialistischen Wahlsieg noch immer nicht gelegt hat. Er sagt unter Anderem, das der neue Reichs tagsadgeordnete eine angestaunte Person lichkeit geworden ist; und daß sich die Leute Mühe geden ihn sehen zu können. Was hiezu wohl Bismarck sagen wird, un) ob er von dem Sozialistengesetz trotz dem noch Erfolg erwartet. Die revolutionär gehaltene Rede Has selmann's im deutschen Reichstag hat die ganze Presse in Wallung gebracht. Von der einen Seite wlrd Hasjellmann ob seiner Gesinnung verurtheilt und von der ande ren Seite eben deshalb hochgeschätzt. Wie die Meinungen darüber auch sein mögen' die sozialistische Partei in Deutschland kann für Hasselmann's Rede nicht verant wortlich gemacht werden, -da derselbe schon lange aus der Partei ausgeschieden ist. In New Pork nahm man dieser Tage die Verhaftung mehrerer Kapitäne deutscher Dampfer vor, weil sie von Bremen nach New Pork eine ungesetzlich große Zahl von Passagieren an Bord besördert haoen. Wenn man es nicht bei der Verhaftung allein bewenden läßt, dann ist dieses Vorgehen zu loben. Bedenkt man was für Unheil solch überfüllte Dampfer nach sich ziehen können, so sollte es sich jeder Eln zelne angelegen fein lasten, daß das Gesetz in diesem Falle sein Machtwort spricht. Die starke Zunahme der Einwanderer hat den großen Uebelstand im Gesvlge, daß die Paffagierdampser überfüllt und die dicht zulammengedrängten ZwischendecksPassagiere, sehr schlecht verpflegt sind. Die Verwaltung der transatlantischen Dam pferlinien vej fährt in ihrer Selbstsucht dabei aufs Brutalste und Willkürlichste. Das Esten, daS den ZmifchendeckSpaffa gieren gereicht wird, ist ungenügend und schlecht und die Ventilation ist nocy schlech ter, so daß zahlreiche Krankheiten die natürliche Folgen sind. Am schwersten wird die zarte Gesundheit kleiner Kinder dadurch benachtheiligt. Die Republikaner Chicagos sind in zwei Lager gespalten, in Grantisten und AntiGrantisten. Bei der County'Con vention abscntirten sich Erstere und hielten ihre besondere Convention ab. Beide Conventionen wählten Delegaten zur Staatsconvention, so daß bei derselben zwei Delegationen von Cook County, wo rin Chicago liegt, anklcpfen werden. Da von dem Verhalten der Staatsconvention daS Schicksal Grant's inJllinois abhängt, und Illinois der Heimathsstaat Grant's ist. so hat diese Spaltung ungemeine Auf regung verursacht. Jedenfalls sind die

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vorzüglich anerkannt. Auflräae aum Verschiffen von Lagerbier aus allen Eisenbahn'

Linien werden prompt erfüllt. Chancen Grant's in seinem Heimaths staate nicht zum Besten. Am Montag ist in Paris G. Flaubert der französische Romanschriftsteller, im 59. Lebensjahre, gestorben. (F., 1821 zu Rouen geboren, studirte Medizin, wandte sich aber später der Schriftsteller zu und wählte sich Byron und Victor Hugo zu Vorbildern. Sich bald dem wirklichen Leben zuwendend, schilderte er dasselbe in grauenbaster Naturwahrheit. Sein Ro man Madame Borary" kam 1857 als sittenverderblich vor Gericht, mußte aber frei gegeben werden. Unter seinen ande ren Werken ist Salammbo" (18G2), die Frucht einer Reise in Afrika, zu erwähnen. F. wurde 1866 mit dem Orden der Ehren legion dekorirt. Welchen Händen die Erziehungsange legenheiten hierzulande anvertraut werden. das aebt unter Anderm aus dem Besckluffe des Patersoner Erziehungsrathes hervor, wonach alle Lehrerinnen, wenn sie Heinitben. ihre Stellen aufgeben müffen. ..Von 15 Mitgliedern stimmten 8 für diesen esel basten Beschluß. Eine Lehrerin mag noch so tüchtig sein, sie mag in einer mehrjäbri gen Erfahrung endlich ihre volle Tüchtig seit eben erst erlangt haben sie muß ausscheiden und einer Unerfahrenen Platz machen, wenn sie heirathet. Als ob nicht eben die frühzeitige Verbeirathung so vie ler Lehrerinnen der Volksschule ihre besten Lehrkräfte ohnehin kostete, ganz ohne ein Verbot ihrer Fortbeschafttgung. Eine äußerst großmüthige Fürstent och ter scheint die Prinzessin Pauline von Würtemberg zu sein, deren Vermählung mlt dem Breslauer Arzt. Dr. Wllen vorige Woche stattgefunden hat. Der die Ceremonie vollziehende Geistliche war taktlos genug, den Bräutigam in aU bunqsvollen Worten auf das Opfer aus merksam zu machen, das ihm die erlauchte Braut bringe, da sie ihm zu Liebe auZ den glänzendsten Kreisen scheide. Als derselbe dann die Braut aufforderte, ihr Jawort zu sprechen, erwiederte sie mit klarer ruhi ger Stimme : Ich erkläre hiermit, daß ick gar nichts aufgebe, was auch nur an nähernd mit dem Glück verglichen werden könnte, das mich in Zukunft erwartet. Mein Loos ist ein beneidenswerthes !" lOriginal'Correspondenz der .Tribüne. . Leipzig, den 24. April 1880. Ein zeitiges und herrliches Frühjahr ist nach dem langen und strengen Winter über Deutschland hereingebrochen und die seit einigen Tagen herrschende Warme (25 GradReaumir) kontrastirt wunderlich mit den noch unbelaubten Bäumen undSträu chen. Aber die Knospen stehen zum Springen bereit, noch einige Tage und die Natur wird im üppigsten Blüthenflor prangen, und dem Landmann eine gute Ernte verheißen. Trotzdem aber weht em Zu der Trauer und Bitterkeit durch unsere Herzen, tau sende und abertausende deutscher Bürger strömen den Hafenplätzen zu, um in Ame rikas weiten Gefilden sich eine neue und beffere Heimat zu gründen. Und sind diese nicht em Beweis dafür, wie traurig es in ihrer Heimath bestellt sein muß, daß sie es vorziehen von derselben auf Nirn merwiedersehen zu scheiden und einer un bestimmten Zukunft entgegenzugehen in einer Qtit noch dazu, von der Wlchtermuno singt : Wak klagst du Herz m solchen Tagen, Wo selbst die Dornen Rosen tragen? Wahrlich, es ist nicht bloßer eitler Wan dertrieb, der diese Tausende dazu antreibt, ihre Heimat zu verlassen, wie man jungst von der Tribüne des deutschen Reichstages herab, dem Volke glauben machen wollte, sondern es ist dieGewißbeit einem sicheren. unvermeidllchenElend zu entgehen ! Denn wie mancher läßt nicht Brüder und Schwestern und ein altes Mütterchen zurück, von denen er nur mit schwerem verzen zu schein den sich entschließen kann? Aber es muß Wn und vorwärts nach Westen wendet sich der Blick. Legt diesen Europamuden FremgrathS Frage : .O. sprecht, was ziehet ihr von bannen?" vor, und mit einem bitter iro Nischen Lächeln um die Mundwinkel wer den sie euch antworten : Wohl hat das Neckarthal noch Wein und Korn, wohl steht der Schwarzwald noch voll finstrer Tannen und in Speffart klingt noch wie von Alters her des Alplers Horn, aber die v W f? - aven oer naiur ormgen oenen, oie ue

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(5. F. Schmidt. im Schweiße ihres Angesichtes bauten fei nen Gewinn, sie können von ihnen nicht mit Freude und Lust am Dasein, verzehrt werden, und Hunderttausende durchziehen arbeitsuchend und bettelnd die Dörfer und Städte Deutschlands, Phisisch und mora lisch versumphend.Beim Anblick des prächtigen EntfaltenS der Natur, wäre man versucht mit Mar quis Posa in Schillers Don Carlos aus zurufen : O, Königin, das Leben ist doch schön !" Ach, und wohl könnte es so schön sein für alle Menschenkinder, das mensch liche Leben, diese kurze Spanne Zeit, die : uns zu leben vergönnt ist. Es ist ja rich : tlg. daß von uns im Haushalte der Natur kein Stäubchen verloren geht, aber unser Denken und Fühlen, das Fühlen, daß i ch bin", das kehrt uns nimmer wieder, das geht verloren mit unsrem Formwech sei. Anstatt, daß wir uns nun des Da seins freuen und das Leben und die Natur in vollen Zügen bei mäßiger Arbeit ge nießen sollten, ist das Leben der Mensa? heit zu einem Fluche geworden ; in einem ruhelosen, gegenseitigen Bekämpfen eilt es an uns vorüber, ohne wahren Genuß, ungeliebt und ungenossen und wie ein Schmerzensschrei der gequälten Kreatur klingt uns der Schiller'iche Ausruf: Das Leben ist doch schön!" in die Obren, und zeigt uns nur, wie schön es sein könnte; denn Mutter Natur gütig, wie immer, vollbringt mit regelmäßiger Genauigkeit ihren Kreislauf, könnte um mit Freiligrath zu reden, Wein und Korn in Menge her vorbringen und Alle reichlich ernähren und wir Menschen, wir Beherrscher der Schöpfung, oder bester der Entstehung, bemühen uns. weit von der Natur abzu weichen und uns das Leben so unbequem und unnatürlich als möglich zu gestalten. O, wollte die Menschheit nur Mutter Natur zur Lehrerin sich nehmen Doch paräon! kehren wir zu unseren Auswan derern zurück. - Ihnen schweben die Vereingten Staaten keineswegs als ein Ideal eines Staates vor, aber sie misten, daß in Amerika die Grundbedingungen einer Entwicklung im Sinne der Humanität eher vorhanden sind, als im alten märchenhaften Europa, und sie wiffen auch, daß die Arbeit dort geachtet ist. was ste hier nicht ist. Der Arbeiter und Kleinhandwerkerstand wird hier von Parasiten aller Art. vom Land junker und säbelraffelnden Offizier, bis hinauf zu den Würdenträgern des Staa tes über die Achseln angesehen und gerin ger geachtet als das Vieh, während sich jene Parasiten allesammt von seinem Schweiße mästen. Der Strom der Auswanderung rekru tirt sich größtentheils aus den intelligen teren Arbeitern und solchen, die noch nicht Alles verloren haben, denen außer den Ueberfabrtskosten noch einige Groschen zur Begründung einer Existenz in der neuen Heimath übrig bleiben. Und Nese sind noch glücklich zu nennen i'n Hinblick auf die Millionen, die so arm sind, daß sie nicht einmal einem Lande, wo Tyran nei und Hunger herrschen den Rücken kehren können. Viele kleine Handwerker und Bauern, die ebenfalls yern ihre ge ringe Habe und ein kleines Stück Land, welches ste nicht ernähren kann, verkauften, wenn dies bei der schlechten Geschäftslage ohne Verlust ginge, sind an die Scholle gefesselt und müssen vorläufig bleiben; ein Theil jedoch davon verkauft um jeden Preis um nur Deutschland den Rücken kebren zu können.. Auf die Ursachen der Auswanderung brauche ich wohl nicht des Näheren einzu gehen, jeder halbwegs sich um öffentliche Angelegenheiten Kümmernde, kennt die, selben und wies ich auch schon in einem früheren Artikel darauf hin. Aber auch die neuere Gesetzgebung hat das ibrige dazu beigetragen, das Maß der Gründe für die Auswanderung zu füllen und ist man im Volke schon heute sehr zweiselsüch tig geworden bezüglich des Segens der Zoll und Schutzzollpolitik. Die Waaren preise sind zwar etwa gestiegen, aber von einer Erhöhung der Arbeitslöhne, die nur annäherend im Verhältniß stände zu der Vertheuerung der Lebensmittel, ist nir gendwo etwas verspürt worden und der in fchwungvollenProphezeihungen verheißene . .Ausschwung" reduzirt sich auf die Folgen einiger zufälliger Waarenbedürfnisse deö Auslandes. Die nothwendige Folge der traurigen VerhSltniffe in Deutschland nicht nur der wirtschaftlichen, sondern auch der politischen, insbesondere der mili (Fortsetzung aus 5. Seite.)