Indiana Tribüne, Volume 2, Number 38, Indianapolis, Marion County, 1 May 1880 — Page 6

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bgrtt nü. -o-Novelle von S. von der Horst. 0 (Fortsetzung.) Erst ein Geräusch im Nebenzimmer störte ihr Grübeln. Sie flog auf und griff mit der Rechten an den Thürdrücker. Er bog sich nicht. Leisen Schritts glitt sie dann über den Tcpvich und holte Schre bgeräth. DaS Gas flammte höher empor; die kleine fSnnh Ion nn hfrTOnhhc ein balbbeickrte U w- w y- - - - - -I - I J nes Blatt. Es mußte ein angefangener - Brief sein, denn dir Schreiberin fuhr iin a . l c i. ' n rer ver avgeoroazenrn ocue so, oiinc i eine Anrede darüber zu setzen. Höre mich, Mnj, die Hälfte meines Jubels gehört ja Dir!" ' Was ich durch Ueberredung und Bitten 'nicht erreichen konnte,' das geschieht jetzt ohne mein Zuthun. Minna tritt freiwillig in die Diakonissenanstalt, ohneZweifel. weil ihr der Geliebte untreu geworden sie gebt fort, Max, und ich habe mein heiß ersehntes Ziel errungen, habe die Augen der Späherin nicht mehr zu fürchten. Der jenigen, die mein GeheimniK kennt, einzig auf Erden außer Dir s-lbfl. Das ist fast zu viel, Max, ein Glück, welches mir einen Seufzer kostet. Jd) bin ja gleich einer LebendigBegra. denen nun feit elf langen Jchren schon ! Der erste Hauch derFreibeit erschreckt mich, och, ich glaube, ihr voll rStrom wird mich tödten. Max. ich liebe Dich grenzenlos, leidenschaftlich, ich habe nicht geliebt, bis ich Dich sah!" Oder meinst Du, es sei Das echtesEmpsinden gewesen, damals, als ich fast noch ein Kind war und den jungen Studenten kennen lernte, dessen flammende Leidenschaft mich momentan in ihre Wirbrlkreise hineinzog ? Nein, ich habe ihn nie geliebt, sonst hätte mich nicht sein eigener Vater überreden können, ihm treulos zu werden, sonst hätten nicht die Millionen des fünf zigjährigen Mannes mir mehr Verlangen eingeflößt, als sein junges, heißes Herz. Ich wollte reich werden, Mox, und wurde eine Bettlerin, eine Gefangene !" Elf lange Jahre! Ich bin jetzt dreißig, ja dreißig ; die Schatten beginnen, sich tief und tiefer zu senken, ich kann nicht warten." WDnr Itrii 5.'ck ?" ff t Vtf V V V W Mein Blick streift den Spiegel, und ich sehe fest in das breite Glas hinein noch kann ich's ohne Zaudern.Elf Jahre ist eS nicht, um zu weinen, tief aus Herzensgrund ; elf verloreneJah xtl" - Und doch sagen die Leute, daß ich eine beneidenswerthe, glückliche Frau bin, daß ich eine brillante Partie machte, wie sie selten einem armen Mädchen zufallt." Ich werde fast wahnsinnig, sobald ich das höre. Mox es klingt mir wie ein schrecklicher Hohn." So mag es dem Afrikaner sein, der in den Ketten des Sclavenjoches - seiner Hei muth denkt, der sie mit den Zastnen zerreißen möchte, diese Fesseln, die ihm Brod geben und ein Dach, aber die seine Freiheit ihm raubten, das eine wahre, köstliche Gut des Daseins Max, wie werde ich den vollen Strom des Glückes ertragen, wenn es naht in Deiner Gestalt !" . Max, ich liebe Dich! ...." Siebentes Kapitel. Langsam reibte sich Tag an Tag, Woche an Woche. t Schwer und kriechend glitt die Zeit vorüber' an allen einzelnen Personen unserer Erzählung. TanteWilhelmine, hatte treulich mit dem Kinde ihrer todten Schwester all die bösen, trüben Stunden durchlebt, welche auf die gewaltsame Trennung aus dem Vater Hause folgten ; jetzt war Minna seit län ger als vierzehn Tagen in der Diakonis senanstalt, und schon begann sich die Neu heit des ersten Ucberwindens langsam ab zuschleifen.und in jene stille Zufriedenheit überzugehen, welche erst jenseits alles eige nen (3!uäe, alles Nmgens um Llebe und Besitz wirklich gedacht werden kann. Der Höhepunkt war überschritten und thalwärts beginnt die Menschenbrust lang' sam wieder aufzuathmen, langsam den Blick auf das Flachland zu richten, welches noch so langgestreckt sich dehnt, noch tiefen Schatten vielleicht der ahnenden Seele im Voraus zeigt und brennende Sonnengluth und tückischen Sumpf. Aber der Gipfel ist überschritten was gelten dem Wanderer noch die Mühsale

Am

des ebenen Weges, nachdem er sich hinauf gerungen durch Dornen und wildverwor

renes Gestrüpp, über zackige Klüfte mit blutendem Fuß, vorbei an schwindelndem schmalen Stege ! ' Die Verlobungsanzeige hatte in den Blättern gestanden und Minna las sie Minna ertrug es, daß ihrMalchen Philipp in der Anstalt einen Besuch machte), aber fast wie die ganze,' durchgekämpfte Ver gangenheit stürmte es aus sie ein, als ihr der Zweck dieser Visite völlig klar wurde. So weiß war das magere, intelligente Gesicht ihre? Schulsreundin noch niemals gewesen ; so hatten nie die schwarzen Angen, Dolchspitzen gleich, geglänzt, als in der Viertelstunde dieses Besuches und Minna wußte eS, fühlte deutlich denGrund solcher Ausregung. 1 V MalchenPhilipp hatte nach demMoment ihrer Verlobung mit Robert v. Holten nie wieder über daS gesprochen, was er ihr da mals so rückhaltlos enthüllt, ihn . nie ge fragt, wer Diejenige sei, welche er einst ge liebt; aber dennoch zweifelte sie nicht da ran, daß nurMinna gemeint gewesen, unh der Groll über diese Erkenntniß trieb sie ?tu dem Besuch in der Anstalt. Wenigstens sollteMinna nicht glück',icher sein als ich selbst, die nicht sittliches Halt genug besaß, um die Hand auszusllagen, welche ihr ohne das Herz dargcbo'.en worden. ' Minna verrieth sich nicht und die freund lichsten Worte wurden ausgetauscht, die lächelnsten Blicke gewechselt, während der Kampf um die bchsten Güter des Menschcnlebens t;f innen im verzen wie ein glühender Samum sich ungesehen austobte. Du Arme," hauchte mitleidig Malchen Philipp, deren Hand sich immer so zu placiren wußte, das Minna den Verlobungs ring an derselben vor Augen behielt. Du Arme, wie beklage ich Dich ! Kann es auch ein schrecklicheres Loos geben, als ohne Liebe das Leben zu verbringen und unbekannt mit dem Süßesten, was es dar bietet, alt zu werden ? Nein, gewiß. Schlimmeres läßt sich nicht denken !" Minna lächelte so ruhig, als sei von der gleichgiltigsten Angelegenheit die Rede.. Und doch. Malchen ich glaube, es gibt noch weit Aergercs. Was läßt unser großer Schiller die PcinzessinEboli sagen ? - Lieber will ich die Perle zurückwerfen i in's Meer, als sie unter ihrem Werth ver kaufen.- Ich bin überzeugt, daß viele 5 der modernen Heirathen ohne Neiguno, nur des Geldes oder eines Titels wegen, n f rfy iinatiXl! friif 4vAr4sC. Ia h!A!. I uvuf uiiiiiuiiuj viu tiuiiuii, ju umtun gender sind, als ein Leben ganz ohne derartige Verhältnisse Die junge Jüdin wurde aschfahl, aber das Lächeln ihrer Lippen verlor sich nicht und in den Augen blitzte es jäh empor. Du denkst an Deine Stiesmutter, arme Minna sagte sie, ja freilich darüber kann man nur schweigen, wenn nicht Dein kindliches Gesühl stark verletzt werden soll, namentlich weil sich Dein Bruder dieser traurigen Angelegenheit wegen erschoß. Sag' mir doch lieut er cn der Kirchhof' mauer begraben?" Minna's Stimme zitterte und Purpurröthe überfluthete ihr zartes Gesicht. Nein, Malchen, es wurde uns gestattet, ihn im Familiengrabe zu beerdigen, weil ja mein armer Bruder bis zu jenem unseligen Moment die allgemeine Achtung im höchsten Maße besessen. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätten sich in seiner Ver gangenheit dunkle Punkte befunden, eine Zuchthausstrafe ein Verbrechen dann freilich - ' Brr !" fiel ausschreiend die junge Jüdin . 0 ym m em, oas ljl ja em scyrealiches (Äediet, worauf wir gerathen sind. Beste Minna, ich muß jetzt gehen; Robert ist gewiß schon irgendwo in der Nähe versteckt; er kann es nicht ertragen, wenn ich mich von ihm entferne, der verliebteThor. Adieu, Herzchen. Du kommst doch ganz bestimmt zu meiner Hochzeit?". Minna legte lächelnd ihre Hand in die dargebotene der Andere. Das ist wohl möglich. Malchen antwortete sie sorglos. Ich glaube jetzt sogar schon zu wissen, was ich Dir schenken will, wahrhaftig, ich habe es.' Adieu, Malchen ! Malchen drehte sich, schon aus derTreppe stehend, nochmals um. ' Und was wäre es. Dein HochzeitSgeschenk?" fragte sie hastig, mit unüberlegter Eile. O das verrathe ich Dir heute noch noch nicht. Du Neugierige I" Malchen lachte gezwungen. Sie hatte noch jetzt, Gott weiß was, darum gegeben. die vorschnelleFrage zurücknehmen zu kön-

nen, aber es blieb ihr nur noch übrig, ganz

auf den Scherz einzugehen. Schelmin !" rief sie, eine Kußhand zu rückmerfend, wie einfältig war ich. Adieu, rnon ange , Adieu, Malchen, adieu !" Sobald aber die jungen Mädchen ein ander nicht mehr sehen konnten, verwan delte sich d'e Situation in erschreckender Weise. Während Malchen Philipp, zu rückgelehnt in die Atlaspolster rer elegan ten Equipage, vor innerem rasenden Zorn daö Spißentaschentuch in Atome zerbiß und zerraufte, lehnte Minna die Stirn in beide Hände und athmete tief, um nicht in Thränen auözubrechen. Fremde Augen beobachteten sie ja. , .Ist sie glücklicher als ich V dachte daS einsame Kind; war ihr Antheil der grö &??" Ach, wüßte es Malchen, wer an jedem Morgen mir begegnet und wer aus der Entfernung mich grüßt, wohin auch ich gehen möge, urplötzlich, wir aus dem Bo den berausgezaubert !" Armer Robert, wie Recht hatte Tante Wilhelmine ! - Du schwanktest und suchtest einen Halt ; Du bist gefallen, als sich Dir keiner bot!" Wohl mir, daß ich stark blieb, daß Du Nicht heute an meiner Seite behaglich zu Malchen hinübersiehst und an das verlöre ne Vermögen des Commissionsraths denkst. . Robert, dann hätte ich Dich ver achten müssen jetzt beklage ich Dich nur l" Sie drückte die geballte Hand gegen die Brust, um dem mächtig heraufquellenden Schluchzen zu wehren, und als es besiegt war, ging sie den übernommenen Verpflicktungen wieder nach, äußerlich ruhig, wie wenn Nichts geschehen sei. Von dem, was im Hause ihrer Eltern vorging, hörte sie nur selten von Tante Wilhelmine und dann nur Schlimmes. Seit ihn Entsernung verschlechterte sich das Blfinden des Vaters fortwährend, wenn auch nicht ln der Weise plokücher. gewaltsamer Anfälle. Er wurde kraftloser und hinsälligcr, als verzehre irgend ein verborgenes Uebel von innen heraus seine Kräfte; selbft die Spazierfahrten fanden nur noch bei ausgezeichnet schönem Wetter statt. Minna erwartete mit banger Unruhe die Botschaft, welche sie zurückführen sollte, an das Krankenbett des verblendeten alten Mannes, aber Niemand kam, und langsam reihte sich Tag an Tag, Woche an Woche, bleiern schlich die Zelt. ' Riemer hatte Dienst beim Hauptbuch, und am Schaltersaß einer seiner (Solle gen.' ' Auch hier lag der Sommertag schwer und schwül aus dem Bureau, besten Fenster nicht geöffnet werden durften, und wo hf ständig zehn bis sünszehn Personen ariei teten. Die Leute kamen und gingen, die Fra gen und Antworten jedes Tages wieder' holten-sich im ewigen Einerlei. Riemer schrieb emsig und sah nur aus, wenn irgend eine Auskunft zu geben war, die er am besten ertheilen konnte. Bei allen diesen Gelegenheiten bemerkte er auf dem geräumigen Flur, ganz im Hinter' gründe einen Mann,, der es offenbar er warten wollte, ohne Zeugen mit dem Be amten zu sprechen. Das war aber zu dieser Tageszeit sehr schwer, und so verging über eine Stunde, während welcher Riemer fortdauernd das blasse hohläugige Gesicht des Fremden starr auf sich gerichtet sah. Er wußte selbst nicht, weshalb, aber dieser forschende Blick ouö tiefliegenden, unstät rollenden Augen brachte ihn in ner vöse Aufregung, kannte er sich doch überHaupt seit jener schlimmen Affaire selbst nicht mehr, der unglückliche junge Mann, besten Seelenruhe auf immer verscheucht war. ' ' Er nahm seinen Platz so, daß er den Flur nicht mehr zu überblicken vermochte. Wieder verging eine halbe Stunde, da erschien draußen Jemand,' der nach einem am vorigen Tage als unbestellbar zurückgelieferten Brief fragte, und nun wandte sich Bollen vom Schalter weg zu seinem Collegen. Riemer, wie war Das ? sei so gut und gib Bescheid, Du hattest ja gesternDienst.- ' Der Angeredete drehte sich um und fuhr unwillkürlich zurück. Von dort im Winkel starrten noch immer aus dem höh len Todtenantlitz die fragenden Augen zu ihm hinüber. Was?" rief er. Was sagst Du, Bolten?" Volten deutete mit der Rechten aus den Fragesteller draußen, und Riemer gab ha

stig die gewünschte Auskunft, dann wandte

er sich wieder zu dem Anderen : Balten siebst Du nicht den Mann dort ? Was mag er wollen ? Schon über ändert' halb Stunden steht er in derEcke und gaff hierher." Volten blickte hinüber Warum irn tirt Dich das so sehr, Riemer V fragte er ziemlich erstaunt. Es wird irgend ein Supplicant sein." Zugleich winkte er dem Fremd? mit der Hand. Kommen Sie her, Freund waö wünschen Sie denn eigentlich von uns?" Der geräumige Vorraum war jetzt leer, und der Fremde trat mit dem Hut in der Hand, unter steten Verbeugungen, an den Schalter heran. i Er schien ein Mann von etwa fünfzig Jahren, und sein ganzes Aeußere deutete sowohl aus sittliche als factische Verkom menheit hin, und zwar um so mehr, weil er eine gewisie schäbige Eleganz trotz der Flecke und Riste in allen Kleidern aufrecht zu erhalten suchte. Meine Herren," begann er, im unver kennbar ausländischen Dialekt sprechend, ich habe eine Bitte, an deren Erfüllung mir außerordentlich viel liegt Alles so gar." Bollen sah lächelnd zu seinem Collegen hinüber und dann erst auf dem Fremden. Fasten Sie sich kurz," antwortete er gelasten, namentlich, da Sie jedenfalls Ihr Gesuch an die unrichtige Adreste besördern. Es wird sich um eine temporäre Anstellung handeln." Der Fremde schob sich noch näher an den Schalter heran, und als er die Hand auf dasBrett desselben stützte, zeigte stch's. daß diese mit Thalern gefüllt war. Ich nicht arm, suche keine Beschaf' tigung," lächelte er, und will sogar gern erkenntlich sein, wenn ich nur zum Ziel gelange. Es betrifft eine Auskunst, weiter nichts." Riemer beugte sich tiefer über das Buch herab. Er fühlte sein Herz im heftigen Tempo klopfen und begriff di: eigene Aufregung nicht. Ich bin wahnwitzig." dachte er, oder doch auf dem Wege, es zu werden. Alles scheint mir mit jenem Briefe in Zusammenhang zu stehen." Bolten hatte inzwischen stirnrunzelnd den Alten sixirt. EineAuskunft V wiederholt er gedehnt. Jedenfalls stecken Sie Ihr Geld, wieder ein, mein guter Mann. Das ist ja eine ganz curiose Illustration zu einer ein fachen Frage " Der Alte nickte lächelnd. Wollke gern erkenntlich sein," schmunzelte er. Eine Hand wäscht die andere, und das, warum stch's handelt, ist nicht Dienstsache. Die Herren können Nein sagen, kurzweg Nein das wollte ich vermeiden, deshalb." Jetzt hörten schon sämmtliche Anwesende nach dieser sonderbaren Unterhaltung und Bolten glaubte fast, es mit einem Geistes schwachen zu thun zu haben, nur die zwin. kernden schlauen Augen des Fremden brachten ihn immer wieder von dieser Ansicht zurück. .Jetzt sprechen Sie!- befahl er. Mir fehlt für Privat Unterhaltungen hier durchaus die Zeit." Der kleine alte Mann schien zu erschre' cken. Büte", raunte er unterthänig, bitte, zürnen Sie mir nicht. Mir liet so viel an meiner Frage !" Und dann mit einem schnellen Ueberblick gewistermahen alle Anwesenden zusammenfastend, fuhr er im leisen Tone fort: Kam nicht hierher vor einigen Wochen aus Stockholm eine Sendung unter der Adreste G. G. pogto restante ?" Momentan antwortete ihm Niemand; Jeder sah verstohlen den Anderen an, und Riemer lich sogar die Feder aus der Hand fallen, so daß ste, herabrollend, eine schwarze Spur ihres Daseins auf dem Blatte hinterließ. Ein Schwindel hatte ihn ergriffen Alles drehte sich im Kreise. Bolten gewann zuerst die nöthige Ruhe für eine'Antwort. Diese Auskunft zu ertheiln, habe ich kein Recht," sagte er. Warum nicht?" Die Dienst - Ordnung verbietet jede Mittheilung gegen dritte Personen." Der Fremde drehte hastig seinen Hut in der Hand. Aber eine solche bin ich nicht," rief er. Meine guten Herren, wie sollte stch ein alter Mann für die Angelegenheiten anderr Leute fo sehr interesstren löN' nen? Das ist ja ganz undenkbar! Nein, nein, ich selbst bin der Absender und erkundige mich nach meiner eigenenSache." Bolten zuckte die Achseln. Das. ist ein Anderes, mein Herr, obwohl ich freilich hm, Sie wären also " Doktor Held, mein bester Herr, Doktor

i' Held aus Stockholm. Gewiß, ich betrüge

Sie nicht, und übrigens ist ja auch dieAngelegenheit ganz harmloser Natur eö handelt sich um ein verschlostenes Kastchen, es wird keine Arreste genannt. Niemand compromittirt, warum sollte ich nicht er fahren dürfen, ob eS abgeholt worden ist?" Bolten sah ihn etwa ungeduldig an. Nun denn," rief er, ja, ich erinnere mich zufällig dieser Sendung, ich weiß, daß die selbe abgeholt worden ist." Ah! Also wirklich!" Der Fremde fuhr mit dem Taschentuch über die Stirn, um große Schweißtropfen abzutrocknen. In den eingesunkenen Au gen blitzte eS jäh und wie mit diabolischer Freude empor. Also doch !" murmelte er. Doch !" Bolten griff an das Schiebefenster, um eö herabzuziehen, weil er jetzt die Unterre dung für beendet ansah, allein der Fremde siel ihm hastig in den Arm und wieder klirrten in der Tasche die Silbermünzen. Bitte," flüsterte er, mir liegt Alles daran; ich gehe nicht von hier, bis Sie mir gesagt haben, wer meine Sendung ab holte ich muß eö wissen, um jeden Preis!" Bolten sah verdrießlich im Kreise umher. Riemer," sagte er, was meinst Du. ist das eine Dienstsache, wenn man jemandes Namen verräth, der zufällig im Vorraume ausgesprochen wurde nicht aber hier im Bureau, oder überhaupt einer Postangele genheit wegen V Riemer antwortete nicht, aber daö blieb unbemerkt, weil es anstatt seiner olle Ue brigen zugleich thaten. Unmöglich !" hieß es im Kreise. Bolten wandte sich wieder zu dem Frcm den. Ich denke auch fo ! versetzte er. Also, der das Packet in Empfang nahm, war ein Herr, den wir nicht kannten, den aber Jemand hier draußen als Baron v. Uhl feld anredete das ist Alles, was ich weiß." Der kleine Alte nickte mehrere Male. .Baron von Uhlfeld," widerholte er; gut, daß ich's weiß Baron vonUhlfeld. Ich danke Ihnen sehr. sehr. Aber wo dieser Herr wohnt, das wiffen Sie nicht ?" Bedauere wirklich ; er ist mir ganz un bekannt." Der Fremde verbeugte stch untertbänig, und zwar, nach allen Seiten, so dafc sämmtliche Beamten von diesemAbschiedZ grüß ihren Antheil erhielten. Werde ihn schon finden," sagte er, daö hat keine Noth. UebrigenS bitte ich die Herren, nichts Nachtbeiliges von diesem Cavalier zu denken, überhaupt der ganzen Sache keinen mysteriösen oder gar zweifel haften Cbarakte? beizulegen bewahre, bewahre. Was ich hierher sandte, war ein Barterzeugungsmittel, und was ich mit so lebhaftem Jntereste verfolge, ist eine Familien Angelegenheit. Besten Dank, meine gütigen Herren, ich empfehle mich gehorsamst." Er verneigte sich nochmals und ging dann fort, das ganze Bureaupersonal in Aufregung zurücklastend. Diese Geschichte, über welche schon vor mehreren Wochen so viel geredet worden, erschien jetzt als inte restante Fortsetzung des ersten Kapitels und verlockte zu den verschiedensten Muth maßungen über den eigentlichen Inhalt des Ganzen. Die Meinungen mit Bezug aus den Fremden waren sehr getheilt. Ein Halbverrückter,- meinte der Eine. Oho ein Spitzbube vom reinsten Master, ein wahres Schurkengestcht !" Ich sollte den Mann kennen !" rief ein Dritter, aber noch weiß ich nicht, wo ich ihn hinbiingen soll. Gesehen habe ich diese Augen schon, das steht fest." Nur Riemer sprach nicht, schien sich um die ganze Sache nicht zu bekümmern. Aber Bolten sah, daß er, seit dieFeder aus seiner Hand . siel, kein einziges Wort mehr ge schrieben hatte. Einen Seufzer unter druckend, wandte er sich wieder zu den Büchern zurück. DerFremde ging mittlerweile langsamen Schuttes die Straße hinab. Sobald er das Postgebäude verlassen, änderte stch plötzlich sein ganzes Aussehen. Der kleine furchtsame, süßliche, devot: Greis wurde zum fcstaustretenden Mann?, desten rasche Schritte eine energische Se'.le wiederspie gelten.

Das war mehr Glück als ich erwarten durfte," dachte er mit heimlichem Frohlo cken, das war ein glänzender Sieg im Beginn des Feldzuges. Hüte Dich. Ba ron v. Uhlfew, der GebirgSwolf ist auf Deinen Ferstn ' und er wird Dich finden, wo Du auch seiest. O hüte Dich, der Wolf hat Prinken und zähe Ausdauer er ist hungrig.(Fortsetzung solgt.)