Indiana Tribüne, Volume 2, Number 38, Indianapolis, Marion County, 1 May 1880 — Page 4

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(Wochenblatt.) Cfficc: Ecke Circle u. Meridianstr. kJm dritten Stock ) (Entered as second-clas3 matter at the Postofflee at Indianapolis, lndiana.j Abonnements-Preise. In der Stadt durch die Post in Hau geliefert Pn Jahr im Voraus $2.00 Per Nummer . K Kents. Otto Schissel, Herausgeber. P. O. B. 295. Indianapolis, Ind., den 1. Mai 1380. Woran liegt'S? Der Sieg der Liberalen in England, der Zerfall der nationalliberalen Partei in Deutschland, sind Anzeichen, daß in San dein mit mehr oder weniger ausgeprägter parlamentarischer Regierungsform sich in Zukunft keine Partei wird halten können, welche ihr Auge vor den Mängeln unserer gesellschaftlichen Organisation verschließt, und sich weigert, Reformen auf sozialem Gebiete anzustreben. Wer die Tendenz der heutigen Zeit, die ökonomischeLage der Völker zu besseren, nicht sieht, der ist blind. Es ist hier nicht am Platze zu zeigen, warum diese Tendenz heute mehr zu Tage tritt, als früher, genüge es die Thatsache als unwiderleglich hinzustellen. baß sie nothwendiger Weise aus der mit Hilfe der in den Dienst der Menschen gezwungenen Naturkräste betriebenen, auf Theilung der Arbeit beruhenden, in großen Fabriken vor sich gehenden Produktionsweise verbunden ist, und früher oder später durch greifende Aenderungen in unseren ökonömischen Verhältnissen zum Durchbruche bringen wird. Keine politische Partei, welche vor dieser Tendenz die Augen schließt, welche dieser Tendenz nicht Rechnung trägt, wird auf die Dauer die Macht in einem Staatswesen behalten können. Der Mangel leidende Jrländer, der unterdrückte englische Arbeiter läßt sich nicht auf die Dauer durch die diplomatischen Errungenschaften eines Beaconsfield ölenden, und der hungernde oberschlestsche Weber kann sich nicht lange für die aus' wärtige Politik. Bismarcks begeistern. Wenn der Magen knurrt, geht alle Begeisterung zum Teufel. Von demStaatsmanne, von der Partei der Zukunft ver langt man ein Auge für die Bedürfnisse des Volkes. Der Völkerhaß, sonst eine mächtige Waffe und in den Händen ehr geiziger Fürsten, macht mehr und mehr einem Gefühle der Zusammengehörigkeit , Platz und die Menschen haben mehr Zeit und Lust ihr Auge auf ihre eigene Lage zu werfen. Während nun in Europa das Bewußtfein der Nothwendigkeit einer Aenderung der ökonomischen und sozialen Verhält nisse in der That hie und da zum praktischen Ausdruck gelangt, in Deutschland ganz besonders durch die auch nicht durch die schändlichsten Gewaltmaßregeln zu verhindernden Siege der Sozialdemokraten, bleibt es in Amerika immer nur bei bloßer Zungendrescherei und die demokratische und republikanische Partei streiten noch immer um die abwechselnd der einen oder der anderen zufallende Herrschaft. Beide Parteien heucheln wohl hie und da in ein paar wohltönenden Phrasen Liebe für den Arbeiter, aber praktisch haben sie diese Liebe noch niemals bethätigt. Wie kommt eö nun, daß trotzdem keine, ausschließlich unseren sozialen Verhältnissen ihre Aufmerksamkeit schenkende Partei, Macht und Einfluß gewinnt? Der Ursachen sind viele. Wir können sie nicht alle auszählen. Wir beschränken uns daher darauf, die hauptsächlichsten zu besprechen. Da ist zuerst der eingefleischte Eonser vatismvs des Amerikaners. Es giebt, wie es scheint, auf der ganzen Welt kein con servativereS Volk, als den Amerikaner. So lange ihm die Verhältnisse nicht that sächlich unerträglich werden, so lange seine Existenz nicht unmittelbar bedroht ist, läßt er Alles geduldig in dem altenSchlendrian fortgehen. So mag wohl hie und da sporadisch ein Moment allgemeiner Auf regung eintreten, wie dieser Tage in Eali formen, aber eine, wennn auch langsam aber mächtig um sich greifende, tiefgehende, die Herzen des Volkes berührende, die Köpfe begeisternde Bewegung, ist unter normalen Verhältnisien fast unmöglich geworden. Dieser entletzlicheConservatis

mus des Amerikaners kann den Freiheitsfreund wahrhaftig zur Verzweiflung trei ben, an ihm scheitert jeder Versuch durchgreifender Reformen.

Eine zweite Ursache ist der Mangel an Bildung. Wir meinen damit nicht die Volksbildung. Vielleicht ist der Durchschnittsgrad derBildung sogar hier größer, als in Europa. Woran es fehlt, das sind die großen Denker, die erleuchteten Köpfe, welche im Stande sind, die Massen des Volkes den richtigen Weg zu führen. Es fehlt an einer populär gehaltenen sozialwissenschaftlichen, englischen Literatur, die. nicht unter dem Einflüsse des Monopols und des Kapitals stehend, den Leuten die Augen öffnet. Es ist nur dieser vollständige Mangel wissenschaftlicher Bildung, welche die' allerdings ephemere, Existenz der Greenbackpartei ermöglicht, und so lange dieser Mangel existirt, hofft man vergebens darauf, daß die Greenbackpartei den Kern einer gesunden Arbeiterpartei bilden wird. Nirgends trat dieser Mangel an wissenschaftlich gebildeten Führern mehr zu Tage, als in Californien, wo der rohe brutale Kearney und der pfässische Heuchler Kalloch die ganze Arbeiterbewe gung einem nahen Ende entgegenführten. Die auf wiffenschaftlicher Basis ruhende Arbeiterbewegung beschränkt sich fast noch immer auf deutsche Kreise. Von Erfolg kann keine Rede fein, so lange nicht unter den Amerikanern englischer Zunge tüchtige, wissenschaftlich gebildete Führer entstehen. Ein drittes Hinderniß zur Entwicklung einer auf ökonomischen Grundsätzen aufgebauten politischen Partei, sind die Kirche und die Pfaffen. Der Pfaffe hat in Amerika noch einen zu großenEinfluß, und er ist naturgemäß ein Feind jeder sozialen Aenderung. Bei den heutigen Verhält nissen befindet er sich bester und sein Einfluß wird nicht sinken, so lange es zum guten Ton gehört, einer Kirche anzugehören, so lange die Kirchen darin wetteifern, ihren Pfaffen die größten Gehalte zu bezahlen. Es ist jedoch weniger die muckerische Orthodoxie der sogenannten besseren Gesellschaft, welche das Hinderniß bildet, als vielmehr die abgöttische Verehrung, welche der im starren Katholizismus großgezogene Jrländer seinem Priester entgegenbringt. Und die weitaus größte Zahl der englisch sprechenden Arbeiter besteht eben aus Jrländern. An diefem Wall des mächtigen Katholizismus wird noch manche Bombe unschädlich platzen, ehe der Jrländer, ungeachtet seines, jeder Aenderung der ökonomischen Zustände feindlichen katholischen Glau bens, sich einer Partei anschließen wird, welche Freiheit und Gleichheit auf sozialem Gebiete predigt. Natürlich bestehen noch andere Hinderniffe, wie z. B. das so mächtige Vorurtheil der sich weise dünkenden Nichtswiffer u. s. w. Wir wollten jedoch hauptsächlich die Hinderniffe hervorheben, welche speziell in Amerika der Entwicklung neuer auf ökonomischen Grundsätzen aufgebauten Parteien entgegenstehen. Wir könnten als viertes Hinderniß, den allgemein herrschenden Glauben hinzufügen, daß In Amerika bei den noch unbebauten, zu billigen Preisen zu erwerbenden Länderstrecken, die Schuld seiner ärmlichen Verhältniffe am Arbeiter selbst liege, aber diese Ursache ist sekondär, denn sie ist nur eine Folge der mangelhaften Bildung, des Mangels an Verständniß für unsere ökonomische Lage. Leider sind die aufgezählten Hinderniffe so mächtig, daß wir noch lange an einem Durchbruch anderer Anschauungen zwei feln, es müßten denn Ereigniffe eintreten, welche ihn plötzlich herbeiführen. Dies braucht jedoch diejenigen, welche bereits zu befferem Verständniß gelangt sind, und es ernst und gut meinen, nicht abhalten, nach Kräften für das Wohl der Menschheit zu wirken. Die Blutrache in Californien. Wie weit eö führt, wenn die Politiker in ihrer blinden Parteiwuth Person und Prinzip nicht von einander zu trennen vermögen, hat der jüngst: Vorfall in San Francisco wieder einmal gezeigt. Charles De Z)oung, der Redakteur des S. F. Chronicle" hat sich im vorigen Jahre nicht damit zufriedengegeben, die Partei des damals als Mayors-Candidaten auf gestellten Kalloch zu beschimpfen. Er wurde persönlich und publizirte in seinem Blatte eine Reihe . von Artikeln, in denen Kalloch's Charakter in ein sehr schlechtes Licht gestellt wurde. Der Angegriffene ließ diesen Schimpf nicht ruhig über sich ergehen, sondern rächte sich, indem

er in einer öffentlichen Versammlung die Mutter De Young's eine einstige, feile Straßendirne nannte. Das versetzte De Boung in noch größere Wuth und er feuerte bekanntlich mehrere Schüffe auf Kalloch ab. Der Prozeß gegen De Poung wurde aber aus politischen Ursachen hinausgeschoben und De Z)oung hat es auch nicht Unterlasten, die ganze Zeit dazu zu benutzen, seinen Feind, in der gemeinsten Weise zu verdächtigen. Das reizte schließlich auch -den Sohn Kallcchs und er be ging deshalb einen kaltblütigen Mord an dem Feinde seines Vaters, indem er De Poung erschoß. Welche Consequenzen diese Blutthat noch haben wird, bleibt jetzt abzuwarten. Wir glauben, Zdaß wie die Sache mit Kalloch auch enden mag, sich in San Francisco abermals genug blutdurstige Seelen finden, werden, die je nachdem, Kalloch oder DePoung zu rächen versuchen. Der deutsche Kaiser befindet sich zur Zeit in Wiesbaden. Bismarck ist schon wieder einmal recht

krank und wird so bald als möglich aufs Land reisen. Das 13, 15, 14 Puzzle ist hier bereits aus der Mode, wie ja jeder Unstnn nur eine Zeit lang anhält um einem noch größeren Platz zu machen. Wie ungalant! Man verhaftete in Mailand den italienischenSozialistenCosta weil er sich in Gesellschaft ein:r Russin befand, die man für eine Nihilistin hielt. H. W. Beecher predigt jetzt durch das Telephon. Die Versuche sind sehr gut gelungen. Theater undIConzerte durch das Telephon zu vernehmen, wäre uns lieber.. Ein alter Capitalist, Joseph Seligmann in New Vork ist gestorben. Es ist dies derselbe der seiner Zeit seiner Nase wegen in dem Hotel von Hilton keinen Zutritt erlangen konnte. In Mannheim läuft die Polizei wieder einmal stark hinter den Sozialisten her. Sie sprengte dieser Tage eine große Sozialisten-Versammlung und verhaftete mehrere Sozialisten. Sonderbar, und dennoch sterben diese Reichsfeinde? nicht aus. Eine Keffel-Explosion in Königsruhe (Schlesien) hatte wieder einmal den Tod von sechs braven Arbeitern zur Folge. Sollte es noch so naive Leute geben, die fragen werden, wer dafür zur Verantwor tung gezogen wird, so mögen sie sich mit der Antwort sein Mensch" beruhigen. Mayor Kalloch in San Francisco, der Vater des mörderischen Pfaffen, wird gegenwärtig von vielen Seiten bedroht, trotzdem es feststeht, daß er für die Hand lungsweise seines Sohnes nicht verantwortlich gemacht werden kann. Der Mann getraut sich kaum ohne Begleitung auszugehen. Die Diphteria in Süd-Rußland greift dort geradezu verheerend um sich, und wirft jeden Tag Hunderte von Kindern auf das Krankenlager. Die Rüsten schei nen wirklich lwenig Zeit zu haben, diesem gräßlichen Uebel abzuhelfen, sonst hätte es sich nicht in solch entsetzlicherWeise ausbreiten können. Der neueste Sieg, den die Sozialisten wieder in Hamburg zu verzeichnen heben. beweist, daß die Sozialisten trotz Soziali stengesetz noch nicht todt sind. Sie haben ihren Candidaten Hartmann, mit überwie gender Majorität in den Reichstag ge wählt. Dazu wird wohl Bismarck wieder ein saures Gesicht machen. An die Mitglieder des Nord-Ameri kanischen Turnerbundes ist bereits eine Einladung zum 5. allgemeinen deutschen Turnsest, daS am 25. Juli in Frankfurt am Main gefeiert wird, ergangen. Es wird darin zu einer recht regen Betheili gung aufgefordert und der Wunsch aus gesprochen, daß recht Viele dieser Einla dung Folge leisten mögen. Eine Mesallianz wirbelt gegenwärtig in Deutschland viel Staub auf. Man denke nur, Prinzessin Pauline von Würtemberg hat sich soweit vergeffen, sich in einem jungen Arzt aus Breslau zu verlieben. König Karl von Würtemberg hat zwar seiner Tochter Genehmigung zur Verlobung ertheilt, aber nur unter derBedingung, daß sie den Titel eines Fräuleins von Kirchbach annimmt. Nun die Liebe kann ein solch kleines Opfer schon bringen.

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Meiner geehrten Kundschaft und dem Publikum zur gefälligen Kenntniß, daß ich auch dieses Jahr mein beliebt gewordenes

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am Sonnabend, den 1. Mai und die folgenden Tage liefern werde. Bestellungen für Culmbacher auf Flaschen werden entgegengenommen und prompt erfüllt durch . . Valentin Meier, 225 u. 227 W. WashingtonSt. Theobor Holler, Mozart Halle. Ghrist. Gompf, 312 Ost Market St: Achtungsvoll '

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In New Pork soll sich ein Junggesel len-Verein gegründet haben, besten Mit glieder es sich zum Prinzip gemacht haben, nicht zu heirathen. So betrübend diese Nachricht auch für heirathslustige Mädchen sein mag, so mögen sich dieselben doch immerhin beruhigen, denn man hat schon mehr solche Vögel pfeifen hören, die aber gar bald ein anderes Gezwitscher vorge zogen haben. Die Auswanderung aus Europa hat in den letzten Wochen geradezu schreckliche : Ä)lmennonen angenommen. Veutcylano stellt dabei einen wackeren Theil. Sonderbar ! Als daS große deutsche, einige ? Reich gegründet war haben sich ja die j treuen Reichsfreunde eingebildet ein Land zu bewohnen, in dem Milch und Honig fließt und jetzt auf einmal diese Ernüchte rung. Die Greenbackers hielten am Donnerstag ihre Staatsconvcntion im Opernhause. ab. Es mögen etwa gegen drei hundert Delegaten anwesend gewesen sein. C. C. Post, der Vorsitzende des StaatsCentral Comites rief die Versammlung zur Ordnung, worauf die permanente Organisation und die Ernennung der verschiedenen Comites erfolgte. De la Matyr hielt eine Rede, welche man kurzer Weise .'als Blech" bezeichnen darf. Schon die lächerliche Behauptung, daß das Vermögen der Rothschilds aus dreißig tausend Millionen Dollars geschätzt wird, zeigt, daß der gute Mann von Zahlen und Finanzen nicht, die blasse Idee hat. Eine Platsorm wurde aufgestellt, welche nichts Iweiter enthält als Phrasen, aber nicht einen einzigen praktischen Vorschlag zur Verbesserung der Lage der Arbeiter. Daß aller Wohlstand durch Arbeit hervorgebracht wurde, daß der Arbeiter ein Recht auf die Früchte seiner Arbeit habe, das haben auch schon die Demokraten und die Republikaner gesagt, dazu braucht es keiner nationalen Grcenback Arbeiter Partei. Dieser Partei fehlt jeder Wissenschaftliche Boden, weshalb man sich nicht zu wundern braucht, daß sie zurückgeht. Daß dies der Fall ist, sah man an der schwachen Theilnahme. Die Convention stellte folgendes Ticket auf : Governor: , Richard Gregq von Dearborn County. Lieutnant - Governor: Thomas De Bruler von Spencer County. Staatssekretär: I. B. Veaqley von Marion County. Staatsauditor: Geo. W. Demaree von Johnson County. Generalanwalt : John F. Miller von Tippecanoe County. Reporter desSupreme-Gerichts : Thos. Marshall von Delaware County. , Clerk des Supreme Gerichts : C. H. Weßler von Vanderburg County. Superintendent der öffentlichenSchulen: M. E. Please von Howard County. Richter der Supreme-Court : Für den 3. Distrikt, W. A. Tipton von Fountain County. Die Nomination für den 5. Distrikt wurde dem Staats-Central Comite überlassen. Dann wurden noch Nominationen für das Prandentschasts-Wahlcolleglum gemacht, worauf sich die Convention vertagte. Eine Doppelhinrichtung die Anfangs dieser Woche in St. LouiS vollzogen wurde hat die dortige Bevölkerung in große Aufregung gebracht. Am Tage der Hinrichtung umstanden Tausende von Menschen den Platz wo die beiden Mörder hingerichtet werden sollte und Viele ließen es sich sogar Geld kosten, um das entsetzliebe Schauspiel mit ansehen zu können. Der hauptsächliche Beweggrund war wie gewöhnlich nur die Neugierde. Aber wo bleibt da die abschreckende Wirkung, welche die Todesstrafe haben scll ?

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n es schmw V? i tr. . f Der Czar feierte seinen 62. Geburtstag und hat wahrscheinlich aus Freude darüber, daß die Nihilisten ihm noch nicht den Garaus gemacht haben, 6000 Verbrecher begnadigt. . Aus San Francisco kommt die Nachricht, daß das Staatsobergericht denHabes Corpus-Antrag in Sachen Denis Kearney bewilligt und ein weiteres Verfahren vor dem Superior-Gericht in San Francisco angeordnet hat. In Harrisburg, Pa. wurde am Montag William H.Kemble, gewesener Schatzmeiste? des Staates Pennsylvania,Finanzmann, Spekulant und einer der einflußreichsten Politiker seines Staates, und vier seiner politischen Helfershelfer, nämlich Emil I. Petcoff. Charles B. Salter, Jesfe B. Crawford und William F. Rumberger vonRichterPearson zu je iJahrZuchthaushaft bei schwerer Arbeit und zu je $1009 Geldbuße verurtheilt. Bei Fällung des Urtheils sagte der Richter, hier ständ:n fünf sogenannte hochrespektable und äu. ßerst prominente" Leute vor ihm, die schul dig befunden sind. Versuche zurBestechung von Legislaturmitgliedern gemacht zu haben. Corruption habe in der Legislatur von Pennsylvanien so zum alltäglichem Gebrauch gehört, daß besondere Gesetze zur Bestrafung von Corruptionisten noth wendig und erlassen wurden. DasSchatzamt sollte ausgeplündert werden kraft eines Gesetzes, dessen Erlaß die Angeklagten durch ihre Bestechung erwirken wollten. Am schlimmsten sei das Verbrechen der Angeklagten Petroff undRumberqer, denn diese seien selbst Mitglieder der Legislatur gewesen und haben sich mit ihren corrupten Plänen an College gewandt. Unkenntniß des Gesetzes, könnten die Angeklagten nicht vorschützen, denn sie seien sich ihres Vorhabens und ihrer Zwecke vollbewußt gewesen. Die Angeklagten waren bei Verkündung des Urtheils sichtlich erstaunt und erschrocken, denn sie erwarteten wahr scheinlich nicht, daß man mit solch .promi-nenten-Heuten solch kurzen Prozeß machen würde. Am Donnerstag kam hier eine große Wagenladung mit Vieh an. Phebe E. Emery machte eine Vaterschaftsklage gegen ChaS F. McJlvain anhängig und verlangte $5000 Entschädigung. Die Geschworenen sprachen ihr 51500 zn. Es ist recht bedauerlich, daß sich auch hier immer nur der kleinere Theil der Deutschen für geistige Bestrebungen begeistert. Das hat man an dem verhält Nlßmäßig kleinen Besuch bei dem Vortrag des Herrn Schünemann-Pott gemerkt. Viel bedauerlicher ist es aber noch, wenn selbst eine tägliche deutsche Zeitung keinen Geschmack an derartigen Unterhaltungen findet und mit Constattrung derThatsache, daß ein Vortrag stattgefunden hat, ihre Schuldigkeit gethan zu haben glaubt. Mit spaltenlangen Bsllberichten und noch viel unbedeutenderen Dingen wartet man hingegen sehr verschwenderisch auf. Daß Maß und Ziel in Allem eingehalten werden sollte da eine Ueberschreitung immer Unheil mit sich führt, hat am Dienstag ein die Rechte studirender junger Mann Namens I. H. Roß erfahren. Er hatte dem edlen Gerstensaft in allzu großem Maaße gehuldigt und so kam es, daß er in seinem Taumel in ein Kellergeschoß stürzte, wodurch er nicht unbedeutende Verwundungen am Kopse erlitt. Die Butter. Käse und Eierhändler haben stch dieser Tage zu ihrer siebenten Jahres - Convention hier versammelt. Etwa 500 Del?gaten haben daran Theil genommen. Ueber die Oleomargarinfadrikation wurde dabei tüchtig losgezogen. Es wurde sogar ein Comite aufgestellt, welches den Congreß ersuchen soll, Gesetze rr . . " zu pamren, wetcye rneiem yanowerk den goldenen Boden rauben. ESF John Berry hat nach seinen An gaben in seiner am Dienstag eingereichten Scheidungsklage genügenden Grund um von seiner Gattin Elisa geschieden werden zu wollen. Obwohl er schon neun Jahre mit derselben verheirathet ist, konnte er es noch nicht fertig bringen, derselben das übermäßige Trinken abzugewöhnen und gar manchmal wurde er von seiner betrunkenen Frau durchgeprügelt. Freilich wenn er sich das gefallen ließ hat er es auch verdient, aber ein Scheidungsdekret verdient er jedenfalls auch.

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