Indiana Tribüne, Volume 2, Number 37, Indianapolis, Marion County, 24 April 1880 — Page 6
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I n d i a n a T r i b ü n e."
bgrunil. Novelle vnn S. von der Horst. O (Fortsetzung.) Nur wie Mondglanz lag es jetzt auf dem grünen ' Blatterwerk, das die Wände des Gartensalons umrankte, auf dem meer blauen schillernden Seidenkleid und den schwarzen'Augen, die sich nicht senkten vor jenen anderen in ihrer nächsten Nähe, son dern fast frohlockend, wie im Taumel un geahnten Sieges, den Blick derselben fixir ten. Die Stirn des Lieutenants brannte heiß, und seine Stimme klang gedämpst. Amolu wissen Sie es, warum ich heute Abend hier bin V Das Schwarz ihrer Augen schien Fun ken zu sprühen. Sie legte die Fingerspitzen auf seinen Arm. Und wenn ich es wüßte Herr v. Hol ten V .Alles V sragte er leidenschaftlich, AI. les ? Auch, daß ich ahne, was mir ver borgen bleiben sollte, und daß mich's er schreckte Anfangs noch ? Amalie, warum thaten Sie das, ich will es wissen." Ein Etwas, wie Erstaunen oder Furcht, schimmerte in den .Zügen des Mädchens. Wäre nicht der Lieutenant so heftig auf geregt gewesen, hätte er unbedingt diese flüchtige Veränderung wahrnehmen müs sen. Was V fragte sie vorsichtig, was Herr v. Holten ?" Er sah sie fest an. Was mir Dahlberg nicht sagte, Amalie, aber was ich gleich wohl errieth Das Erstaunen des Mädchens ging jetzt in Schrecken über. Dahlberg V widerholte sie bestürzt. O, er hätte Ihnen erzählt...." Der Lieutenant wußte jetzt Alles. Nicht erzählt, Amalie sagte er hastig. Nichts, Nichts. Aber es quält mich, es erscheint mir wie ein Diebstahl, so vielLiebe mir schenken zu lasien. ohne daß ich ein Herz zu bieten hätte. Amalie, ich liebte einst eine Andere, Todte aber ich will mich bemühen, es Sie verpessen zu lasien, daß nicht Neigung mich zu Ihnen gesührt, nur Dankbarkeit und Achtung Amalie, wollen Sie es wagen " Ein lautes Händeklatschen schnitt die weitere Rede urplötzlich und urprosaisch ab. Bravo !" rief der Commissionsrath, der die Cigarre aus dem Nebenzimmer geholt hatte und hinter der Coulisie einer grünen Damastportiere den Verlaus der Dinge beobachtete, um jetzt im gelegenen Moment vorzutreten. Bravo, das nenne ich einen echtenFeldherrn, er benutzt die Abwesenheit des Befehlshabers und überrumpelt die Besatzung, daß sie vor lauter Furcht nicht weiß, wohin sie blicken soll Na fuhr der Commissionsrath fort, das ist ja eine wahre Herzensfreude Johann, bringe noch Champagner, wir feiern Verlobung, wir wollen die künftige Frau v. Holten leben lasien !" Er stellte das Cigarrenkästchen auf den Tisch und umarmte laut redend die beiden jungen Leute ; nachdem er aber endlich schwieg, wurde es sonderbar still im Zimmer. Der Lieutenant sah in die Dunkelheit desGartens hinaus, als gehe ihn dieSache nichts an. Seine Hand lag in der des zitternden Mädchens wie schweres, todtes Eisen. Malchen sah geisterhaft blaß aus. War eö Triumph und Stolz, was aus den schwarzenAugen sprach, oder ein plötzliches Entsetzen ? Der Commissionsrath schien das Alles nicht zu bemerken. Er allein war am Ziel; er hatte einen Schwiegersohn, desien Name ihn mit den besten - Familien des Landes in Verbindung brachte. Als zwei Stunden später der Lieutenant nach Hause ging, da sah er im Schein ei ner Gaslaterne auf den schlichten Ring an seinem Finger, und ein bitteres Lächeln entstellte das blasie Gesicht. Pfandobjelte murmelteer; auch das fand sich in den Untiefen der Lagerräume, wo die Kreuzspinnen mit langen Fängen ihre Beute zusammentragen Alles nur Waare, dem Executor versallen Und dann bog er in eine Seitenstraße, ging an den Palais der Aristokratie vor über und durch einen schmalen Weg bis an ein weißes, stilles Haus, wo die Wein ranken das Giebelfenster umflüsterten. Eine dichte Hecke umhüllte mit ihrem Schatten die Steinbank, an welche er sich lehnte, um zu diesem Fenster hinaufzuse hen.
Am
Minna murmelte er, vergebe Dir Gott, daß Du mich täuschen konntest. Ich vermag es nicht S echtes Kapitel. Malchen Philipp hatte wahr gesprochen, als sie von dem sonderbaren Entschluß ih rer jungen Freundin erzählte; Minna trat wii klich als Novize in dieDiakonisien anstatt. Am Tage nach jenem Wiedersehen im Thealcr nur sie ausgegangen, ohne zu sagen wohin, und hatte dann den Vater um ein kurzes Gehör gebeten. Frau Leonore schien um einen Schatten bleicher zu werden. c.ls ihre Stieftochter so ausdrücklich mit dem Vater zu sprechen verlangte. Sie sah unruhig auf. Wozu. Minna?" Ein ernster, fast mitleidiger Blick ruhte secundenlang auf ihrem Antlitz ; aber das junge Mädchen antwortete nicht. Die aufgeregte Frau mußte sich bequemen, den alten Herrn auf die Bitte seiner Tochter vorzubereiten, aber sie selbst blieb während dcs Gespräches im Zimmer, sie athme tief, fast lächelnd auf. als Minna den seltsamen Wunsch vorbrachte und ihren Vater bat, sogleich in die Diakonissenanstalt eintreten zu dürfen. Der alteHerr sah sie an, als habe er den Sinn der Worte nicht verstanden. Du?" widerholte er, Du, in die nein, nein, mein armes Kind, nein ; das war nie im Ernst gesagt, nur im ersten Zorn ; ich denke nicht daran, die Drohung auszusübren Die schöne Frau klopste hastig, wie um sich besser bemerkbar zu machen, auf ihre Nähmaschine, an der sie unermüdlich ar beitete. Nndolph, Rudolph, Du irrst. Es ist Minna, die Dich bittet, sie in die Anstalt gehen zu lassen. Höre doch nur ruhig an, was sie sagt Ein unendlich trauriger Blick des jungen Madchens traf den Greis. Vater seufzte sie, also dieser Gedanke kam bereits als eine Art von Machtspruch gegen mich zwischen Dir und Deiner Frau zur Sprache? Siehst Du, wie recht es ist, wenn ich gehe, da, wo man mich nur geduldet, ohne mir wirklich gut zu sein. Ich kann nicht länger hier bleiben, Vater, ich brauche einen Beruf, einen Zweck sür das Dasein laß mich srei, ich bitte Dich Rudolph, sagte gelassen die schöne Frau, Du solltest es nicht erlauben. Man wird darüber sprechen, das prophe
zeihe ich Dir Der alte Herr sah sie voll Erstaunen an. Nora!" Ja, ja nickte sie flüchtig erröthend. ich weiß. Den, Grund meiner heutigen Weigerung nenne ich Dir später. Die Dinge haben sich inzwischen geändert Vater warf Minna ein, sag' mir, glaubst Du, daß ich mich in DeinemHause glücklich zu fühlen vermag ? Habe ich hier die Rechte oder Pflichten einer Tochter?" Der.Alte sah sie verdrießlich an. Das ist Deine Schuld, Minna. Du hast von jeher gegen Deine Stiefmutter nur laß mich's offen bezeichnen als vas, was es wirklich ist eine ausgesprochene Antipathie an den Tag gelegt, und eben da rum " Will ich Dein Haus verlasienVater V ergänzte mit festem Tone das Mädchen. Sie ist Deine Frau, sie ist Deinem Her zen die Nächste; vergib mir, aber ich kann diesen Zustand nicht länger ertragen, mich dürstet nach Pflichten, die erst dem Leben seinen eigentlichen Halt verleihen. Und überdies ist ja dieSache ganz unbedenklich, da wirProtestanten sind ; ich könnte immer zurücktreten, sobald mir das erwünscht wäre Der Alte trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte. Das nimmt nie ein Ende!'' murmelte er, niemals. Jetzt wieder dies neue Aufsehen !" Laut sagte er : Das ist natürlich dieses Holten, des wahnwitzigen Schuldenma chers wegen! Davonlaufen mit dem Patron kannst Du nicht, weil er keinen Heller in der Tasche hat, und daher soll ich wenigstens nach Möglichkeit bestrast werden für das Verbot, mit ihm zu corres pondiren und Zeichen zu wechseln. Ich weiß es wohl Frau Leonore erhob wieder den Kopf. Dieses Herrn wegen braucht Minna nicht zur Nonne zu werden sagte sie spöttisch. Er hat sich zu trösten gewußt sehr schnell und sehr anspruchslos, ha. ha, ha!" Der Greis sah von Einer zur Anderen. .Ist der Lieutenant verlobt?- fragte er hastig. .Er wird in der Gesellschaft deö Com
missionsrothS Philipp beständig gesehen, und die junge 'Dame leugnet nicht, daß er sich um ihre Hand bewirbt. Nicht wahr, Minna V Nein !" antwortete mit eiskaltem Tone
dasMSdchens. Minna !T rief der Vater, ist das die Art und Weise, wie Du mit DeinerMutter sprichst?" Frau Leonore zuckte die Achseln. Ich kenne keine andere Das junge Mädchen erhob den Blick, vom Vater ungesehen, zu dem kalt lächeln t en Antlitz derDame, und in ihren blauen, sonst so sanften Augen glänzte diesmal ein Ausdruck der Drohung, welche Jene heimlich erzittern ließ. Die Lippen blieben sest geschloffen, aber der Blick sagle deutlich zwei Worte, und Frau Leonore verstand dieselben vollkommen, obgleich ihr Ohr sie nicht hörte: Hüte Dich" Minna wandte sich langsam ihremVater wieder.zu. Laß unsFrieden machen bat sie weich. Ich bin der Gegenstand nie endenden Streites zwischen Dir und Deiner Frau; ich bleibe beständig imNachtheil, weil mu's unmöglich ist, so aufzutreten;' wie ich könnte und vielleicht gar müßte unmöglich Deinetweeen Vater da Du sie liebst und Ein plötzlicher Schrcckensrus des Greises schnitt den Satz mitten ab. Minna sah, wie er sich vor Angst über seine Frau her abbeugte, und daß diese einen Krampfan fall entweder geschickt fingirte oder wirklich erlitt. Ihr schöner Kopf siel wie leblos gegen das Fensterkreuz und die Arme streckten sich in jener bekannten, dem To deskampfe ähnlichen Weise fortwährend aus. Dabei erklang zwischen den verschlos senen Lippen ein heftiges Schluchzen. Sie stirbt !" rief außer sich der Greis. Hilfe ! Hilfe ! sie stirbt !" Minna ging zum Klingelzug und setzte denselben in Bewegung. Ich komme später wieder zu Dir, Vater !" sagte sie, die zuckende Frau völlig ignorirend. Du wirst mir bei ruhiger Ueberlegung meineBitte nicht abschlagen Bleib hier!" rief er ihm befehlenden Tone. Hilf mir ich kann das Kleid nicht lösen wo ist das Kölnische Wasser?" Er such!: im ganzen Zimmer und kehrte jeden Aug'rblick verzweifelnd wieder zu dem reizenden Kopf zurück, der so schutzlos am Fensterkreuz lag. Minna rührte sich nicht. So hilf doch !" rief er. Hilf ! Willst Du sie sterben lassen V Das junge Mädchen schüttelte denKopf. Gertrud kommt sagte sie ruhig. Vater, wann kann ich von Dir eine Antwort holen V Da hast Du sie !" rief erbittert der alte Herr, Du schlechtes, ungerathnes Kind. Geh' und komm in mein Haus niemals wieder zurück. Geh' ich verabscheue Dich!" Das Stubenmädchen unterbrach in diesem Augenblick die Conversation und Minna ging hastig aus dem Zimmer. Sie fühlte es, daß ihre Selbbeherrschung zu Ende war. Auf der Treppe stand sie still, um sich zu sammeln. Vorbei! Vorbei!" bebte es über die blaffen, zuckenden Lippen. Jetzt hat das Leben an mir keinen Theil mehr V Während dieses schmerzvollen Selbstge sprächs erholte sich im Wohnzimmer die schöne Frau ziemlich schnell von dem plötz lichen Krampsanfall. Die Wirkung des selben war vollständig Minna trennte sich als eine Verstoßene, nicht als eine heimlich Betrauerte, aus dem Vaterhause, und nur Dos hatte die schöne Leonore so sehr grsürchtet. Was half es, wenn dasKind dem Vaterherzen theuer blieb, wenn die äußere Trennung nur Das mit leiser Hand ausglich, was störend bisher eingewirkt hatte ? Leonore lächelte kaum wahrnehmbar. So nahe dem Ziel und dann doch unterliegen V Ihr flüchtiger Blick streifte den Spiegel. Sie war schön, verführerisch schön, und sie kannte die Macht dieser gefährlichen Waffe. Ihre Hand winkte dem Mädchen, sich zu entfernen, dann streckte sie dem zärtlich bemühten Gemahl die Hand entgegen. Rudolph. o bleib Du bei mir, Rudolph, rief sie, in einen Strom vonThränen ausbrechend, wie unglücklich bin ich, wie grenzenlos unglücklich ! So hatte der alte Herr feine schöne An gebetene noch niemals gesehen. Er preßte sie an die Brust und schmeichelte, eben so erstaunt als heimlich entzückt, mit allen Liebesworten, welche.ihm einfielen. :
Du warst unglücklich, mein Liebling, mein Herzblattt .' Wie kannst Du mich so erschrecken. Aber wir wollen zum Arzt schicken, Theuerste, Du bist krank. Ach, Nora. um Gotteswillen, so weine doch
Nicht !" Er streichelte die thränenüberflutheten Wangek und zählte heimlich die Schläge des Herzens, das so wild und unbändig gegen seine Linke pochte. 5!ora, mein Weib, mein süßes, schönes Weib, wie könntest Du Dich unglücklich nennen !" flüsterte er. Du, die ich so wahnwitzig geliebt noch als reifer Mann, den Fünfzigern nahe Du, um deretwil len mir selbst der Friede des Gewisiens nicht zu kostbar war Du wärest unglücklich an meiner Seite ?" Sie schmiegte sich unmerklich fester in seinen Arm und das schwarze Auge sah glühend'leidenschaftlich zu ihm empor. Nicht an Deiner Seite, Rudolph ! Du hast mir Wort gehalten. Du machst mich glücklich, und Nichts fehlt mir, als dieAchtung Deiner Tochter. Aber das ist ein Großes, Rudclph, das ist schwer entbehr lich sür eine Stiefmutter, die unter solchen Umständen in das Haus kam, wie ich. Sprich selbst, benahm sich nicht Minna ganz so, als sei ich eine Verbrecherin, ein Gegenstand ihrer Verachtung V Der alte Herr schloß mit seiner Rechten den kleinen Mund, in deffen Winkeln es wieder zu zucken begann. Die Wahnwitzige sagte er zornig; aber jetzt hat alles Das ein Ende., Sie gebt fort und Niemand wird mehr zwischen Dir und mir stehen." Bester wäre es, ich ginge, Rudolph Du ? rief er. wie außer sich. Nora Du? Ja, Rudolph, ich. O, daß ich jemals hierher kommen mußte es war ein schrecklicher Irrthum." Still flüsterte er abwehrend, still, warum von Dergleichen sprechen. Ich habe gethan, was vor den Gesetzen erlaubt war. Wenn es meinenKindern nicht gefiel, so konnten sie ihre eigenen Wege geden ; das läßt sich nicht ändern. Mein Sohn war mündig, als er die völlige Lossagung von mir selbst mit Freuden aufnahm ; ich habe nichts zu bereuen." Leonore erkünstelte einen Schauder. Gott gebe es," versetzte sie seufzend. Der alte Herr küßte ihre herabhängende Hand. Beruhige Dich über alle diese Dinge, mein Herz," sagte er zärtlich. ' Ich' bin reich, sehr reich wenn mein Sohn bit tend zurückkommt, wird auch sür ihn das Vaterhaus wieder öfter stehen. Ich habe meinem Testamente ein Codicill hinzuge fügt, Nora Die junge Frau zuckte auf, wie von ei nem elcctrischen Schlag getroffen. Ihre schwarzen Augen schienen sich zu vergrö ßern, als sie starr in das Gesicht des Mannes blickte, und wie mit fremder Stimme, kaum verständlich, sprach : Ein Codicill, Rudolph V Er nickte. Neulich, Nora, als ich den Traum hatte. Du weißt ja. Er kam wie eineMahnung, weil zugleich die ärgerliche Wahrnehmung mit dem Lieutenant v. Holten mich aufregte und, kurz gesagt, eine Aenderung nöthig schien. Da ist denn auch an den Abwesenden gedacht worden, obgleich freilich Du allein zu bestimmen haben wirst. Die schwarzen beobachtenden Augen verloren bei diesen Worten plötzlich den Ausdruck einer fast unerträglichen Span nung. Die Wimpern sanken langsam herab und ein tieser Athemzug hob den Busen. Ich Rudolph V Natürlich ! Für Minna ist beigefügt, daß das Capital nicht in ihre Hände ge langen kann, des Lieutenants wegen. Du bist, mit Ausnahme dieses Geldes, eines Viertels von Dem, was ich hinterlaffen werde, die Universalerbin, mein Hetzblatt; Du bekommst Alles, und nur eine Bitte spreche ich aus, mit Bezug auf meinen Sohn, weiter nichts. Wcs Minna erhält, das verwaltet derCurator, den ich ernannt habe. Du dagegen bleibst ganz Herrin Deiner Handlungen ; sprich, Nora, kann ein Mann sür die Frau, welche er liebt, noch mehr thun?" Leonore bot ihm lächelnd die rothen Lippen zum Kuffe. Und warum wurde das Codicill gemacht, Rudolph V Der Greis sah etwas verlegen an den wiedererhobenen schwarzen Augen vorüber. Früher war es meine Absicht, zwischen Dir und Minna Alles zu theilen, Nora," versetzte er nach einer Pause, aber es
ist so bester. Sprich, wirst Du gegen meinen Sohn, wenn er sich einstellen sollte, die gütige verzeihende Mutter sein, mein Liebling? Zu mir kommt er nicht, davon bin ich überzeugt, aber Du überlebst mich ja um viele Jahre." Die schöne Frau erhob sich vom Sopha und brachte vor dem Spiegel ihre Toilette wieder in Ordnung. Ein heimlicher Tri umph überglänzte das blaffe Gesicht. Du kennst mich zu gut, um daran zu zweiseln, Rudolph antwortete sie. Aber laß uns nicht vom Tode sprechen daS Alles liegt weit hinaus. Nur Eins sag' mir, da Du von Deinem Sohne so häufig redest, hast Du Nachricht von ihm V Der Greis schüttelte den Kopf. Keine Nora, keine; ich wünsche sie auch nicht, habe Nichts vergeben. Nichts vergessen; mich quält nur jener Traum Sie legte den Arm um seinen Nacken und zog ihn zum Sopha. Rudolph, es ist jetzt noch Zeit dazu," sagte sie mit eindringlichem Tone, ent scheide erst nach reiflicherUeberlegung, wen Du ziehen lasten willst, . Deine Tochter oder mich. Minna ist Dein letztes Kind, das bedenke; ihr Starrsinn wird sie für immer von Dir trennen, wenn sie jetzt geht ; kannst Du das ertragen, Rudolph V Sie sah todtenbleich aus, sast wie be schwörend ; ihre Stimme klang tiefer als sonst, vor innerem Aufruhr aller Empsin düngen. Die Hand auf der Schulter des Greises lag schwer wie Blei. Da, ehe zur Antwort die nöthige Zeit blieb, wurde ein leichtes Klopfen hörbar, und der Diener brachte auf demPräsentir brett ein Briefchcn. Leonore ergriff das Brieschen, um eö nach flüchtigem Blick ihrem Gemahl zu überreichen. Bon Minna sagte sie, unwillkürlich erschrocken. Und wirklich, das Schreiben kam von ihr. Man kannte ja in dem Hause des Millionärs kein Familienleben, keine inni. ge Zueigung der Herzen. Es vergingen oft schon Wochen, in denen Minna das Wohnzimmer nicht betrat ; alle Dienstboten wußten das, und daher erregte auch dieser Brief kein Erstaunen. Er enthielt übrigens nur wenige Worte. Gewähre mir eine letzte Bitte, lieber Va ter : erlaffe es mir, noch bis zu meinem Eintritt in die Dialonissenanstalt hm im Hause zu bleiben. Es würde f iu uns gleich peinlich sein. Ich gehe zu Tante Wilhelmine, und bitte Dich, mir dahinDasjenige aus meinen Effekten nachbringen zu lassen, welches ich in den Reisesack gepackt habe. Für mich währt die Trennung von Dir nur so lange, wie Du selbst es wünschest. Rufe mich und ich komme sogleich, umDich wiederzusehen. Deine Tochter Minna Die schöne Frau wandte sich ab, als der alte Herr diesen Brief laut vorlaZ. ES schien, als ob sie in sich erst ruhiger werden müßte, um sprechen zu können. So war es also Deine Schwägerin, Rudolph, die das Mädchen zu einem so ungerechten Haß gegen mich verleitete? Nun ist mir Manches klar Ihr Gatte riß den Brief in Stücke. Laß uns svielen sagte er nach einer Pause. Fürwahr, ich bin nicht krästig genug, diese unausgesetzten Ausregungen zu ertragen ; es ist gut, daß die Sache ein Ende nimmt Leonore holte aus dem Schrank dieKar ten, und wie an jedem Abend, vergingen Stunden, während von nichts Weiterem gesprochen, sondern nur gespielt wurde. Erst nach geraumer Zeit befand sich die junge Frau allein in ihrem Boudoir und überließ es dem Kammermädchen, alle Anordnungen selbst zu treffen. Sie sprach keinWort, sie schien die halblauten, fchüch ternen Fragen der Zofe nicht zu hören. Auch das leise Wünsche wohl zu schlafen" verhallte unbemerkt; Leonore träumte mit offenen Augen. Das weiße Deshabille umhüllte falten reich die prachtvolle Taille, und das vaar siel, seiner Fcffeln erledigten schwerenZö psen herab. Zurückgelehnt gegen den pur purrothen Sammet des Sessels, glich diese bleiche, regungslose Frau mit den weitge öffneten, schwarzen Augen fast einer Irrflnnigen, so starr sah sie in's Leere. (Fortsetzung solgt.)
Zehn Speckknödel. Ein Ungar wettete, daß er zehn Speckknödel hinter einander verzehren wolle. Als er neun davon hinter sich hatte, konnte er mit dem besten Willen nicht mehr. Grimmig ballt er die Faust gegen den in der Schüffel vor ihm liegenden letzten und spricht : Jchtem! Hätte ich gewußt, daß du bleibst übrig, hätt' ich dich gesreffen zuerst!-
